ADB:Walsee

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Walsee, Eberhard v.“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 5–16, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walsee&oldid=2508883 (Version vom 22. Oktober 2018, 06:22 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 41 (1896), S. 5–16 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Herren von Walsee in der Wikipedia
GND-Nummer 139800433
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|41|5|16|Walsee, Eberhard v.|Franz von Krones|ADB:Walsee}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=139800433}}    

Walsee: Eberhard v. W. (Wallsee) († 1288) und seine Nachkommenschaft in den habsburgischen Ländern bis zum Jahre 1483. Die früheste und in der Frage nach dem Eintritte dieses so zukunftsreichen Adelsgeschlechtes in die Geschichte Oesterreichs nicht immer zuverlässige Quelle, die steirische Reimchronik Ottokar’s, läßt im 245. Capitel als Begleiter Albrecht’s I. von Habsburg und ihm von seinem Vater beigeordnete Räthe „von Schwaben“ her „zwên harte wîse man“: Hermann von Landenberg und Eberhart von Walsê in Oesterreich eintreffen. Es heißt dann weiter, er habe noch fünf seiner Brüder in das Land gebracht u. z. die Laien Heinrich, Ulrich, Friedrich und zwei „Pfaffen“: Gebhard und Konrad. Das waren die Söhne des oben genannten Eberhard v. W., auf welchen wir weiter unten wieder zu sprechen kommen.

[6] Die Herkunft aus Schwaben steht fest, und die Chronik des Mathias von Naumburg (A. Böhmer-Huber, Fontes rer. g. IV, 161–2) gedenkt des Emporkommens der Walseer in den Donaulanden mit den Worten: „der König (Rudolf) ließ mit seinem Sohne, Herzog Albert, viele Schwaben in Wien zurück, deren eines, nämlich des von Walsee, Kinder nachmals wegen ihrer Tüchtigkeit (propter eorum constancie virtutes) überreich wurden, so daß sie, die einst zu Fuß nach Oesterreich kamen, schließlich an 10 000 Mark Einkünfte besaßen.“

Hiermit wären sie Emporkömmlinge, und vergebens forschen wir nach ihren Anfängen in Schwaben. Dennoch erweisen spätere Urkunden, daß sie nicht unbedeutende Besitzungen in diesem Gebiete besessen haben mußten, wenngleich wir in ihnen von Hause aus nur adelige Dienstleute der Habsburger erblicken dürfen, welche der Gunst dieses mächtig aufstrebenden Hauses seit Albrecht I. den späteren Eintritt in den österreichischen bezw. steierischen Herrenstand verdankten.

Aus der später noch zu erwähnenden Habsburger Urkunde vom 7. Februar 1331 (Chmel, Oe. Geschf. II, 211) war ihr Stammsitz die „Burg“ und „Stadt“ Walse (Waldsee) im Donaukreise des h. Württemberg, dazu gehörte, ohne daß wir den ursprünglichen Besitz oder das später Erworbene auseinanderzuhalten vermögen, die Vogtei des Kl. Neu-Walse und die Herrschaften Warthausen (württ. Amt Biberach), Schweinhausen (württ. Amt Waldsee), Laupheim (glchn. Amt in Württemb.), Zelle (Zell, wahrsch. im württemb. Amt Laupheim) und Schwarzach (im württemb. Amt Saulgau), – deren Gesammtwerth 1331 auf 11 000 Mark Konstanzer Währung beziffert erscheint. – Man darf somit jene Chronistenangabe, was die Anfänge der W. betrifft, nicht streng wörtlich nehmen.

Anderseits begegnen wir vom 14. Jahrhundert ab dem Ortsnamen Walse (Wallsee) in Nieder- und Ober-Oesterreich, und zwar in Nieder-Oesterreich im Bezirke Amstetten und im Lande o. d. Enns dreien OO. dieses Namens im Gerichtsbezirke Ottensheim: in den Ortsgemeinden Herzogsdorf, Müllachen und Lachen, und dies hängt offenbar – wie dies auch der nachmalige Güterstand der Walsee’s darlegt – mit der Uebertragung des Geschlechtsnamens auf Ortsgründungen der Walseer zusammen. Insbesondere kennen wir die von Eberhard (III.) v. W., Landeshauptmann Ober-Oesterreichs, 1364 vollführte Erbauung des Schlosses Ober-Walse am Klausberge bei Müllachen (O.-Oe.) Des niederösterreichischen Walse gedenkt z. J. 1306 bereits die Gründungschronik des Stiftes Zwettl, und des Schlosses „Neu-Walsee“ die kleine Klosterneuburger Chronik zum Jahre 1408 als Besitzes Friedrichs v. W., woselbst er damals ein trauriges Ende fand.

Wir kehren nun wieder auf die Anfänge dieses Geschlechtes im Lande Oesterreich zurück, indem wir die einzige Angabe über den Vater der sechs Walseer, welche Albrecht’s I. Gunst genossen, anführen. Hanthaler machte sich in seinem genealogischen Werke (Recensus dipl. geneal. Campil. II, 319 f.) eine Stammtafel der W. zurecht, welcher zufolge ein Heinrich v. W. in Schwaben „um 1240“ als Ahnherr aufgeführt erscheint, dem als Söhne: Hermann (1287), Johann I. (1287), Reimpert (1287), Heinrich II. (1287), Eberhard I. (1287, † 1288) und Ulrich I. (1287) zugedacht erscheinen. Diesem Eberhard I. wird die weitere Familienbildung zugeschrieben, und zwar führt Hanthaler: Eberhard II. in Enns, Friedrich I. in Weitra (!), Heinrich III. in Steiermark († 1326), Ulrich III. in Steiermark (1300–1324) als seine Söhne an. Dieser ganze Stammbaum ist unhaltbar, wie dies Alf. Huber, auf Grundlage der von Stülz 1851 zur Geschichte der Grafen von Schaunberg und von Chmel 1854 unter dem Titel „Die Herrn von Walse im 14. Jahrhundert“ (im Notizenblatt d. Wiener Akad.) im III. Excurse seiner 1865 erschienenen Monographie über Herzog [7] Rudolf IV. von Oesterreich darzulegen berechtigt und berufen war. In Linz befindet sich ein Grabstein, auf welchen zunächst Preuenhuber in seinen verdienstlichen aus dem Nachlasse 1740 herausgegebenen, deutschgeschriebenen Annales Styrenses (414) aufmerksam machte und enthält in den Worten „A. d. 1288 obiit dominus Eberhardus de Walsee, pater senior omnium dominorum de W. hic sepultus“ die wichtige Angabe, daß dieser Eberhard (I.) als Vater unseres Eberhard (II.) und der anderen 5 Walseer in Oberösterreich seine Tage schloß und, wahrscheinlich hochbetagt, mit den Söhnen in das Land an der Donau gekommen war, ohne selbst eine politische Rolle zu spielen, welche seinen gleichnamigen Erstgeborenen und dessen Brüder bald in die Vorderreihe des habsburgischen Hofadels stellt. Die Nachkommenschaft dieses Ahnherrn der nun in Oesterreich und Steiermark zunächst heimisch gewordenen Walseer läßt sich in 4 Linien gliedern.

Der Erstgeborene Eberhard (II) begründete die Linzer, welche 1399–1401 mit Georg im Mannesstamme erlosch; die Ennser (d. i. v. Stadt Enns i. O.-Oe.) hebt mit dem nächstälteren Bruder Heinrich († 1326) an, überdauerte die anderen Zweige alle und erwarb den weitschichtigsten Besitz; sie lebte sich 1483 mit Reimprecht (IV.) von Walse-Duino (Tibein), dem letzten des gesammten Geschlechtes, aus. Die Grazer oder steierische Linie eröffnet Ulrich I., der Landeshauptmann von Steiermark und schließt ein Eberhard († 1363), während die von Drosendorf (Nied.-Oest.) von Friedrich († 1318, 22. Juli) eröffnet wird und vor 1405 mit Ulrich endet. – Gebhard starb als Domherr von Passau 1315 und Konrad erwarb die reichdotirte Pfarre zu Piber in Steiermark.

Zu den hervorragendsten Vertretern des Hauses zählt zunächst der Stifter der Linzer Linie Eberhard II. († vor 1325, wahrscheinlich um 1322), derselbe, dessen zunächst die steierische Reimchronik gedenkt. Er war es, dem Herzog Albrecht die Belagerung von Falkenstein (Nied.-Oest.) übertrug. Er zählt zu den einflußreichsten Räthen des Habsburgers. Bei den Haimburger und Preßburger Friedensverhandlungen mit Ungarn (1290–91) erscheint nach der Reimchronik (Cap. 399) unter den 16 Bevollmächtigten Eberhard v. W. Als zwischen Albrecht und der steiermärkischen Landesvertretung (1291) ein harter Zusammenstoß bevorstand, soll Eberhard dem Herzoge gerathen haben, den Wünschen der Steiermärker entgegenzukommen, während der Landenberger und der in allen Angelegenheiten des Landes für den Herzog maßgebende Verweser desselben, Abt Heinrich von Admont, der Strenge und Unnachgiebigkeit das Wort redeten. Die Folgezeit erwies, daß der Habsburger als Sieger den Anschauungen Eberhard’s v. W. nachkam. In Oesterreich waren dem Adel, den Landherrn, wie dies aus der Reimchronik und dem sog. Lucidarius, oder der einst Seifried von Helbling zugeschriebenen politischen Zeitdichtung, hervorgeht, die „schwäbischen“ Günstlinge und Räthe des Herzogs, darunter zunächst Eberhard v. W. und die nächst älteren Brüder, längst ein Dorn im Auge. Als der Herzog erklärt haben soll, die Walseer nicht entlassen zu wollen, habe dies zum Bruche geführt. Albrecht I. wurde jedoch Meister der seit 1296 entschieden auftretenden Bewegung, und die Stellung Eberhard’s und seiner Brüder festigte sich um so mehr. In dem Ausgleiche zwischen Albrecht und Erzbischof Konrad von Salzburg vom 29. September 1297 finden wir Eberhard und Ulrich v. W. als Hauptzeugen der betreffenden Urkunde. Beide und ihr Bruder Heinrich erscheinen als Räthe Herzog Rudolf’s (III.), Erstgeborenen des 1298 auf den deutschen Thron erhobenen Albrecht. Wir wissen nicht sicher, ob alle Walseer Brüder die Entscheidungsschlacht bei Göllheim am Hasenbühel (1298) mitmachten, denn eine alte hochdeutsche Dichtung preist ausdrücklich nur Herrn Ulrich von W. (den Begründer der steierischen Walseer Linie) – „Uolreich den volkomen Degen“; [8] immerhin spricht die steierische Reimchronik, obschon sie (Cap. 680, V. 72263) gleichfalls „Uolrich von Walsee“ voranstellt, von den Herren von Walsee überhaupt als wackeren Streitern in dieser Schlacht, – denn es heißt Cap. 684 (V. 72752) …

die herrn von Walsê
Solde ich von der tât,
als man ir guot gewizzen hât,
mit brieven bringen zenden,
Dasz si mit ir henden
in dem strît begiengen ern,
an zehen Kotern (Quaternionen) …
des muozes beliben
ungeschriben von mir“

Die „dri von Walsê“ bezeichnet der steierische Reimchronist Ottokar (Cap. 741) neben den Grafen Ulrich von Heunburg, Meinhard Grafen von Ortenburg, Heinrich d. jüngeren von Schauenberg, dem Marschall von Landenberg und 9 andern Adeligen als Bevollmächtigte bei den Verhandlungen des Jahres 1304 mit Karl Robert, dem Prätendenten Ungarns, über das Bündniß gegen Böhmen, zu Wien, Heimburg, Neustadt und Preßburg. Hier fand am 24. August der Abschluß statt. Anderseits gaben im gleichen Jahre dem Herzoge Rudolf (III.) die Walseer: Eberhard, Heinrich, Ulrich und Friedrich das Geleite nach Judenburg im steierischen Oberlande, woselbst (28. April) der genannte Habsburger urkundet. Eberhard II. v. W. erscheint 1291 als „Landrichter ob der Enns“ (judex provincialis supra Anasum) und verharrte in dieser Stellung bis an sein Lebensende. Er gilt als Erbauer der Linzer Franciscanerkirche (1284–85). Seine Gattin Maria gehörte dem mächtigen Hause der Kuenringer an und starb bereits 1320. Sein Sohn Eberhard (III.), dessen Tod vor den 1. December fallen muß, bekleidet jedenfalls zunächst das Amt des Vaters, wurde 1353 Hauptmann ob der Enns, behielt auch das Amt des Landrichters; hatte schwere Fehden mit den böhmischen Adelsherren von Neuhaus und Rosenberg auszufechten, die bis Ottensheim an der Donau vordrangen, erbaute die Feste Ober-Walse, verwandelte sein Schloß Schlierbach im Kremsthal in ein Cistercienserkloster (1365) und hinterließ drei Söhne Eberhard IV., Heinrich und Georg, der diesen Hauptzweig der Walseer (1399) schließt. Die Linzer Walsees erscheinen mit den Herrn von Kuenring, Gutrat, Kapellen, Puchheim, anderseits mit den Grafen von Pernstein (Oest.) und Corbavien (in Hochkroatien) verschwägert.

Begründer der Ennser, also zweiten oberösterreichischen Linie der Walseer, Heinrich I. († 1326), dessen wir im Verein mit dem ältesten Bruder Eberhard erwähnten, und auch als tapfern Streiters in der Schlacht bei Mühldorf (1322) die Quellen gedenken, hinterließ als „Hauptmann zu Enns“, was nicht mit der Stellung eines Landeshauptmanns ob der Enns verwechselt werden darf, drei Söhne. Heinrich (II.), der Aelteste, und seine Brüder Reimprecht (I.) und Friedrich (I.), die Gründer des Minoritenklosters in Enns, begegnen uns in der Urkunde vom 7. Februar 1331, laut welcher sie für den auf ihre Linie entfallenden Antheil von den 11000 Mark Silber, um welche Summe die Herzoge von Oesterreich die schwäbischen Stammbesitzungen der Walseer ankauften, auf die Pfandschaften Wechsenberg (Waxenberg) und auf Burg und Markt Ottenheim (Ottensheim) in Oesterreich versichert erhielten. Reimprecht und Friedrich hatten gemeinsam die Hauptmannschaft bezw. das Burggrafenamt zu Stadt Enns inne und starben zu Anfang der Schlußhälfte des 14. Jahrhunderts. Von Reimprecht’s (I.) 6 Kindern treten die Söhne Rudolf, Reimprecht (II.) und Friedrich (II.) in den Vordergrund der Zeitereignisse, die uns vom Ende des 14. in das 15. Jahrhundert hinüberbegleiten.

[9] Bevor wir auf die Nachkommenschaft Reimprecht’s I. übergehen, möge der kurzlebigere Nebenast, die Descendenz seines Bruders Friedrich († um 1355) aus seiner Ehe mit Kunigunde von Liechtenstein, abgehandelt werden. Die beiden jüngeren Söhne Wolfgang und Heinrich, Gatte Anna’s von Hohenberg, 1375–79 Landeshauptmann o. d. Enns, vielleicht noch 1395 einer der „Räthe“ Herzog Wilhelm’s v. Oe. (jedenfalls † vor Nov. 1398), scheiden ohne Nachkommen aus dem Leben. Ihre Schwestern gingen Heirathen mit Herrn von Kuenring und Meissau ein. Ihr älterer Bruder Friedrich (II. von diesem Zweige) † um 1373, 1367–68 „Landmarschall“ von Nied.-Oest., seit 1369 „Landeshauptmann“ der Steiermark, hinterließ nur eine Tochter Afra, Gattin Hartnid’s von Liechtenstein, so daß dieser Nebenast der Walseer von Enns vor Ende des 14. Jahrhunderts als erloschen zu gelten hat.

Wenden wir uns nun wieder dem Hauptaste, den Söhnen Reimprecht’s I. zu. Der älteste Rudolf († 1403–1405), seit 1374 mit Agnes von Leipp (Lipa) vermählt, tritt seit 1364 häufiger auf. 1366 (17. Aug.) erscheint er auch als Vogt und Hauptmann in den habsb. Herrschaftsgebieten in Schwaben, Aargau, Thurgau, Breisgau und Elsaß. 1372 wurde ihm die Landvogtei in Elsaß, Schwaben und im Breisgau auf 1½ Jahr bestätigt. 1373 heißt er noch Landvogt in Schwaben. In einer Urkunde vom 25. Mai 1379 (Wien) finden wir ihn schon als „Landeshauptmann der Steiermark“ genannt, Herzog Albrecht III. versichert darin, angesichts des Aufgebotes von Mannschaft für den König Ludwig von Ungarn im Kriege gegen Venedig, Rudolf und seine Brüder für allen Schaden, der ihnen durch die Juden als Kammerknechte des Herzogs erwachsen würde. 1397 muß er auch die Stellung eines Pflegers in Windischgraz bekleidet haben. Jedenfalls war er damals schon „Landmarschall von Nied.-Oest.“ und „Hofmeister“ Herzog Wilhelm’s. Ueber 1403 reichen die ihn betreffenden Urkunden nicht hinaus.

Reimprecht (II.) begegnet uns seit 1380 als Hauptmann ob der Enns, belagerte im Auftrage Herzog Albrecht’s II. von Oesterreich das Stammschloß der Schauenberger, welche jedoch an den Rosenbergern Bundesgenossen fanden, und bewahrte in dieser Fehde seine Treue. Er verblieb in seiner Amtsstellung bis zum Tode (1422). Sein jüngerer Bruder Friedrich, dem wir zunächst 1403 als Landmarschall von (Nied.)-Oesterreich begegnen, überragt damals an Einfluß die Erstgenannten, obschon auch Reimprecht damals zu den Reigenführern des österreichischen Adels zählt. Denn zur Zeit als der leidige Zwist um die Vormundschaft Albrecht’s V. zwischen den Leopoldinern Leopold IV. und Ernst, entbrannte, und Oesterreich in die traurigsten Wirren eines Bürgerkrieges gerieth, anderseits von Söldnern und Freibeutern heimgesucht wurde, erscheint (1407) Friedrich als „Hofmeister“ Herzog Leopold’s IV., was ihn nicht hinderte, sich mit Herzog Ernst zu verständigen. Im Februar 1408 ereilte ihn ein gewaltsames Ende, indem er ein Opfer der Unvorsichtigkeit der eigenen Leute auf seinem Schlosse Neu-Walse in Nied.-Oest. mit einem Pulvergewölbe in die Luft flog und nach drei Tagen von qualvollen Leiden durch den Tod erlöst wurde. Die schleunige Reise Herzog Ernst’s von Graz nach Wien beweist, wie nahe diesem Leopoldiner die Nachricht von dem Ableben seines Verbündeten ging. Friedrich hinterließ aus zwei Ehen (mit Anna von Winkel und Ida von Weinsberg) keine Nachkommenschaft, und nun tritt Reimprecht II. in den Vordergrund. Er zählte zu den entschiedensten Gegnern der Gewaltherrschaft Leopold’s IV., wider welche der Hochadel Oesterreichs zusammenhielt, und so finden wir ihn 1409 in Ebenfurt die „Einigung“ mit Herzog Ernst unterzeichnen. Vor allem aber strebte Reimprecht die Beseitigung der vormundschaftlichen Gewalt über Albrecht V. an. Dazu bot die Pestseuche des Jahres 1410 einen bequemen Anlaß. Man entfernte nämlich „aus Gesundheitsgründen“ den Landeserben aus der verseuchten Stadt Wien; Reimprecht v. W. und sein [10] Gesinnungsgenosse Leopold von Eckartsau brachten den dreizehnjährigen Prinzen auf die Burg Starhemberg im Wiener Walde. Das war das Vorspiel des Weiteren. Bei den Unterhandlungen mit K. Sigismund, dem Luxemburger, dem Freunde der Albrechtiner und Widersacher der leopoldinischen Habsburger, erscheint Reimprecht v. W. im Vordergrund, und es gelang bei dem genannten deutschen Könige 1411 jene Urkunden durchzusetzen, wonach der vierzehnjährige Albrecht V. als „seiner Vernunft vollkommen mächtig“, sohin als mündig und weiterer Bevormundung ledig erklärt wurde. Die Beschlüsse des Eggenburger Ständetages besagten die Lösung der Vormundschaft. Als nach dem ziemlich gleichzeitigen Tode Leopold’s IV. (3. Juni 1411) seine Brüder Ernst und Friedrich IV. ihre vormundschaftlichen Rechte Oesterreich gegenüber geltend machen wollten, widersetzten sich Reimprecht und dessen Genossen auf das entschiedenste diesem Ansinnen und mit Erfolg. Auch in den Grenzstreitigkeiten Oesterreichs mit Ungarn spielt Reimprecht eine hervorragende Vermittlerrolle. Als sein adeliger Eigenmann wird auch der Anwärter einer bedeutenden Zukunft, der Baier Ulrich von Eiczing, bezeichnet. Von 1413 an begegnen wir dem Walseer als Hofmeister Herzog Albrecht’s V. 1418 wurde er überdies mit dem Erbtruchsessenamte von Steiermark belehnt. Zwischen Reimprecht II.[WS 1] v. W. und Herzog Ernst herrschte seit dem Jahre 1411 ein feindliches Verhältniß, wozu sich überdies der Streit des genannten innerösterreichischen Habsburgers mit Herzog Albrecht V. um die Pfandherrschaft des ersteren: Stadt Steier in Ober-Oest. gesellte. Diesen Zwistigkeiten wurde 1417 ein Ende gemacht, und aus den Urkunden der Jahre 1416–17 können wir den besten Einblick in die Masse der Pfandbesitzungen der Ennser Linie der Walseer allerwärts in den habsburgischen Ländern gewinnen.

1416, am 12. April, bestätigte Herzog Albrecht V. unserm R. v. W., zugleich als Erben seines 1408 verstorbenen Bruders Friedrich den Fruchtgenuß aller von den Herzogen Leopold IV. und Ernst auf 28 Jahre verpfändeten Herrschaften: Grafschaft Mitterburg (Pisino) und Burgherrschaft „Frayn“ in Istrien, Oberstein und Görtschach in Krain, Windischgraz und Mahrenberg i. Steiermark, Wachsenberg, Frankenburg am Attersee, Puchheim, Säusenstein (wo auch ein Cist.-Stift bestand, dessen Gönner die Walsees waren), die Grafschaft Peilstein, Freienstein a. d. Donau, Wuldersdorf und Pernstein im Lande Oe. o. u. u. d. Enns. In dem Ausgleiche zwischen den Herzogen Albrecht V. und Ernst, womit zugleich die Fehde des Letzteren mit Reimprecht v. W. ein Ende finden sollte, erscheinen diesem von Herzog Ernst die Schlösser Riegersburg, Gonowitz, Stattenberg, Eibiswald und Windischgraz in der Steiermark, Görtschach und Neuberg an der Kanker in Krain wieder eingeräumt, welche ihm der genannte Habsburger zur Zeit der Fehde entreißen ließ. 1418, am 29. Juni, wurden überdies durch den Spruch beider Herzoge zu Traiskirchen dem Walseer die Feste Rothenfels, die Stadt Ober-Wölz und die Burg Wachseneck zugewiesen, welche R. v. W. dem verstorbenen Herrn Hanns v. Stubenberg abgenommen hatte, während die Auslieferung von dessen Söhnen Ersterem jedoch verweigert wurde. Als Reimprecht II. 1422 starb, in erster Ehe mit Katharina aus dem österr.-mähr. Geschlechte der Liechtensteiner und vor 1406 (Juli) in zweiter mit Katharina, Erbtochter Haug’s von Duino (Tibein, an der Küste des Triester Golfes) verbunden, hinterließ er aus dieser zweiten Ehe einen gleichnamigen Sohn, Reimprecht (III), Gatten Katharina’s v. Rosenberg, der 1450 aus dem Leben schied und drei Kinder hinterließ, die Söhne: Wolfgang und Reimprecht (IV.) und eine Tochter, Agnes, Gattin des Grafen Bernhard von Schauenberg. Beide Brüder erscheinen Anfang 1451 unter jenen Adeligen Oesterreichs, welche allerdings dem Mailberger Bunde gegen K. Friedrich, den Vormund Ladislaus des Nachgebornen, nicht förmlich [11] beitraten und als „Räthe“ des Habsburgers bezeichnet erscheinen, sich aber trotzdem auf seiner Romfahrt, Ende des Jahres, auf dem Wege von St. Veit nach Villach ohne Abschied aus seinem Gefolge entfernten.

Bevor wir den Faden der weiteren Geschichte dieser Vertreter der Ennser Linie Walsee’s wieder aufgreifen, müssen wir auf den Zusammenhang ihres Hauses mit den Hugonen oder Haugen von Duino-Tibein an der Adria eingehen. Haug VI. von D. (1344, † 1391), der vorletzte seines Mannesstammes, war in erster Ehe (um 1373) mit Anna v. Walse, jüngstem Sprossen Reimprecht’s (I) von W., also der Großtante Reimprecht’s IV., in zweiter Ehe mit Anna von Wildhaus verbunden. Seine beiden Söhne, deren älterer Reimprecht den Namen des Walseer Großvaters von mütterlicher Seite führt, starben minderjährig, jener nach 1391, der jüngere (Ugolino oder Hauglein) im J. 1399. Ihre Schwester Katharina ehelichte nach dem Ableben ihres ersten Gatten, Leutold von Meissau († 1404), Reimpert II. v. Walsee, wie bereits oben erwähnt worden, und war somit Großmutter Wolfgang’s und Reimprecht’s (IV.) v. W., während die zweite Schwester, Anna, um 1401 Rudolf v. W. († um 1404, kinderlos), den Bruder Reimprecht’s II. geheirathet haben soll, und sich dann 1404 mit Eberhard von Kapellen vermählte.

Schon in einer letztwilligen Erklärung vom Jahre 1385 hatte Haug (VI.) von Duino erklärt, daß, falls seine Söhne minderjährig stürben, all ihr Besitz an die Vettern: Rudolf, Reimprecht (II.) und Friedrich (von der Ennser Linie) als Erbeigen kommen solle. Im Testamente von 1390 wurde einer von den drei Walsees und zwar Rudolf zum Vormunde seiner Duineser Neffen bestellt. 1399–1400 gelangten nach dem Ableben des letzten Duinesen, Ugolino’s († 1399) die Walsees in den Besitz eines reichen Erbes und zwar der Herrschaften Duino, Guteneck, Fiume (oder St. Veit am Pflaumb), Castua, Veprinaz und Moschenice im Küstenlande. Dazu kamen, wie wir wissen, die österr.-habsb. Pfandschaften im Karstgebiete (Pisino, Piemonte, Freyn u. a.). Reimprecht (II.) überlebte seine kinderlosen Brüder, Rudolf und Friedrich, und gelangte auch durch seine Frau, jene Katharina von Duino, zum Besitz der Herrschaft Eibiswald in Steiermark. Von Reimprecht II. kam der Duineser Besitz an seinen einzigen Sohn Reimprecht III. († 1450) und von diesem an die letzten Sprossen der Ennser Linie der Walseer: Wolfgang und Reimprecht (IV.). Zeigen sich schon in den Tagen Reimprecht’s II. (1395–1422) die Walseer in den Friauler Wirren nicht wenig beschäftigt, so z. B. 1411, 1416 u. f., anderseits (1414–1424) auch in nachbarlichen Fehden mit der Stadt Triest begriffen, so kam es 1448 unter Reimprecht IV. († 1450) zu einem langwierigen Streithandel mit dieser Commune und auch zu Irrungen mit dem damaligen Bischof von Triest, Enea Silvio de’ Piccolomini (Aeneas Sylvius), und mit dem dortigen Domcapitel, was alles erst unter Reimbert (IV.) und Wolfgang von W. 1459–1464 zum friedlichen Austrage gelangte.

In Fiume betrachteten sich die Walsees als „die einzigen natürlichen Herrn“, ohne sich um die lehensherrlichen Rechte des Bischofs von Pola zu kümmern, aber die Stadtgemeinde war, was ihre Verwaltung betrifft, autonom, wenn auch der von den Walsees bestellte Hauptmann die grundherrlichen Rechte vertrat.

Die Erbtheilung der beiden Brüder Wolfgang und Reimprecht (IV.) in Hinsicht ihres südlichen Besitzes erhellt aus ihren beiderseitigen letztwilligen Erklärungen. 1465, am 1. September, beurkundet der unvermählte Wolfgang v. W. († 1466) in seinem zu Linz aufgesetzten Testamente als „Herr von Duino und auf dem Karste, Oberster Marschall von Oesterreich, Schenke von Steiermark und Hauptmann des Landes o. d. Enns“, in Anbetracht der vom [12] Hause Habsburg ihm und seinen Vorfahren erwiesenen Wohlthaten dem Kaiser Friedrich und dessen Erben. vermachen zu wollen: alle seine Schlösser, Städte, Märkte und Dörfer auf dem Karste und in Istrien und zwar St. Veit am Pflaumb (Fiume), Veprinaz, Moschenice, „Sabinach“, Guteneck mit allem Zugehör, was alles zufolge der Erbtheilung mit seinem Bruder Reimprecht (IV.) ihm zugefallen sei. Wolfgang scheint in Fiume die letzte Ruhestätte gefunden zu haben. 1472, am 12. März, gab Reimprecht (IV.), Träger der gleichen Ehrenämter, nachstehende Erberklärung ab. Er setze zum Erben der Burgherrschaft O. und U. Tibein (Duino), San Giovanni b. Duino, Senosezza, Primano, sammt allem Zugehör Kaiser Friedrich ein. Auf diesem Wege brachte der Habsburger die Herrschaften der Walseer im Küstengebiete an sich.

Reimprecht IV. starb 1483 und wurde auf seiner Herrschaft Seissenberg bestattet. Aus seiner Ehe mit Katharina von Starhemberg war nur eine Tochter, Barbara, entsprossen, welche das oberösterreichische Gut der Walseer an sich brachte. Die oberösterreichischen Walseer der Ennser Linie besaßen nämlich unter anderm die namhaften Herrschaften: Scharnstein, Pernstein, Ober Walse, Wildenstein, Windeck, Rutenstein und Ort am Traunsee, ferner Wachsenberg (Wechsenberg) und die Pfandschaft Frankenburg am Attersee. Als mit Reimprecht IV. der letzte Walseer, kaum zweihundert Jahre nach dem Ableben des gemeinsamen Ahnherrn Eberhard I. († 1288) aus dem Leben schied, kam reiches Erbgut an seine einzige Tochter, Barbara, Gattin des Grafen Sigmund, an des letzteren Geschlecht, das der Grafen von Schaunberg. Wachsenberg fiel an die Landesfürsten und gelangte später (1674) an die Starhemberger.

Der Begründer der steirischen oder Grazer Linie der Walsees, Ulrich I., († um 1329) tritt, abgesehen von den Ereignissen, die ihn mit dem ältesten Bruder Eberhard (II.), Gründer der Linzer Linie des Hauses, gemeinsam handelnd zeigen, so namentlich in der Göllheimer Schlacht vom Jahre 1298, als Landeshauptmann der Steiermark, was er seit 1299 geworden, besonders zur Zeit des Streites um den böhmischen Thron zwischen Habsburg und Görz (1307) und im J. 1309 in den Vordergrund. Es ist die bewegte Zeit vor dem Ausgleiche der Habsburger mit dem neuen deutschen Könige Heinrich VII. (Sept. 1309), als in Wien ein Aufstand gegen die in Speier weilenden Herzoge Friedrich und Leopold ausbrach, und sich auch unter den Landsedlen verbreitet zeigt, da man darauf rechnete, daß der Lützelburger den Habsburgern die Belehnung mit Oesterreich und Steiermark verweigern werde. Andererseits bestand eine Verbindung der Aufständischen mit den bairischen Herzogen Otto und Stefan. Der Walseer Ulrich, aus guten Gründen ein zäher Anhänger der Herzoge von Oesterreich und Steier, soll nun angesichts der drohenden Sachlage zu dem damals den Habsburgern befreundeten Erzbischof von Salzburg, Konrad, nach Pettau geeilt sein, um ihn zum gemeinsamen Handeln aufzufordern. Der Kirchenfürst begab sich sofort nach Graz, und die Vordermänner der steierischen Adelschaft, Graf Friedrich von Heunburg, der Freie von Saneck (Ulrich), die Stubenberger, Liechtensteiner, Pettauer, auch der Landbischof von Seckau zeigen sich zum Aufgebote gegen Oesterreich bereit, was auch der Salzburger zusagt. Mit einer starken Mannschaft zieht Ulrich von W. über den Hartberg gegen Neustadt und erstickt rasch, noch vor der Rückkehr der Habsburger, den österreichischen Aufstand. Dann galt es (1310), den Baiern ihre Feindseligkeit heimzuzahlen. Während Herzog Friedrich’s Heer längs der Donau an den Inn vorrückte, zog ein steierischer Heerbann unter der Führung Ulrich v. Walsee’s durch das Ennsthal und das Salzburgische gegen Baiern vor, mußte aber bald der großen Winterkälte weichen. 1322 ritten auch Ulrich mit den Steiermärkern und sein Bruder Heinrich von [13] der Ennser Linie sammt ihren älteren Söhnen mit den Oesterreichern in den Kampf gegen K. Ludwig den Baier. Als es zur Entscheidung vor Ampfing-Mühldorf (28. Sept.) kommen sollte, waren noch am Vorabend die beiden Brüder, im Vereine mit dem Marschall von Pilichsdorf, bemüht, ihrem Herrn, Friedrich dem Schönen die Annahme der Schlacht vor dem Eintreffen seines Bruders Leopold zu widerrathen. Leider blieb der kluge Rath ohne Wirkung. Die Steiermärker unter Ulrich v. W. fochten im ersten Treffen, und bis Mittag stand die Schlacht für Habsburg gut, dann folgte die schlimme Wendung. Doch entkamen die Walseer der Gefangenschaft, bis auf Ulrich (II.), Ulrich’s I. ältesten Sohn, der als Verwundeter in die Hände des Feindes fiel.

Auch in die Angelegenheiten des italienischen Reichsvicariates, Heinrich’s II. Grafen von Görz, Anhängers K. Friedrich’s des Schönen, griff Ulrich (I.) v. W., Gemahl einer Tochter Albert III. von Görz, Bruders Heinrich’s II., Katharina, (in dritter Ehe?), ein, indem er als Stellvertreter des Görzer Grafen die Hauptmannschaft in Padua übernahm (1320) und den Can-Grande von Verona, der Padua belagerte, zurückdrängte. Diese That besang Albertino Mussato von Padua mit den Worten: Et videt Eoas acies, Germanaque signa, Sclavosque leves, Tyrolas et Istros Valsenosque equites, quos longe Stiria tractu Miserat Ulrico cupidos parere potenti .. Das Wappen der Walseer, den schwarz-weißen Bindenschild mit dem gekrönten Adler oder dem bloßen Adlerfluge als Helmzeichen hatte somit Ulrich v. W. „Udalrico il grande“, wie man ihn dort nannte, in Welschland zu Ehren gebracht. 1321 legte Ulrich v. W. die undankbare Statthalterschaft nieder. Von Ulrich’s I. drei Söhnen erwarb der älteste, gl. Namens, Ulrich II. den meisten Ruhm. Seine Thaten feiert der österr. Wappendichter, Peter der Suchenwirt in seiner XIII. Erzählung. Den Ritterschlag verdiente er sich 1316, am 19. September im Kampfe der Habsburger, Friedrich’s des Schönen und Leopold’s, vor Eßlingen im Neckarthal, 1318 stritt er tapfer vor Colmar im Elsaß. Mit seinem Vater zog er 1320 nach Padua und vertheidigte es in Gemeinschaft mit seinem Oheim, Ulrich von Pfannberg, aufs äußerste; 1321 unternahm er eine Pilgerfahrt ins Preußenland. Desgleichen focht er 1322 bei Mühldorf neben seinem Vater und gerieth, wie bereits oben erwähnt, verwundet in Gefangenschaft. 1324 finden wir ihn im Heeresgefolge Otto’s von Oesterreich und Heinrich’s von Tirol-Kärnten in Friaul wieder, als der Görzer Graf Heinrich starb, und Herzog Heinrich, der Vormund Johann’s von Görz, dort einschritt.

Wir hören dann von seiner Theilnahme an den österreichisch-böhmischen Grenzkriegen 1328–1336. Er gab ferner dem Böhmenkönige Johann das Geleite auf dessen Kriegszuge vor Krakau (1345).

Doch müssen wir nun auf frühere Ereignisse zurückgreifen, deren Anfänge noch vor das Ableben seines Vaters, Ulrich’s I. († c. 1329) fallen. Bald nach seinem Ableben traten die drei Söhne: Ulrich (II.), Friedrich und Hanns, deren erster seit 1329 [WS 2] als Nachfolger seines Vaters in der steierischen Landeshauptmannschaft erscheint, wenngleich laut Urkunde vom 8. Jänner 1331 alle drei Brüder „zu der Zeiten Hauptleute in Steier“ heißen, in der Eigenschaft von Verbündeten ihres Schwagers, Friedrich, des letzten Freien von Saneck und ersten Grafen von Cilli (1341), in seiner Fehde mit dem Aufensteiner und Ortenburger um das Heunburger Erbe in den Vordergrund. Friedrich von Saneck hatte kurz vorher Diemuth v. W. geehelicht, die jüngere Schwester der Agnes, Gattin Grafen Ulrich V. von Pfannberg. In der Urkunde vom 29. December 1330 (Graz) bezeugen die vorgenannten drei Brüder, ihr Schwager Friedrich von Saneck habe ihnen seine Burgen: Rohitsch, Kostreiniz, Lengenberg (Lemberg), Saneck, Osterwitz, Flödnig, Schönstein und Praßberg, sämmtlich im Unterlande [14] der Steiermark gelegen, um 8000 Mark Silber, Grazer Währung, gegen Rückeinlösung verpfändet, was auf die Geldmittel der steierischen Walseer, anderseits auf die damaligen Geldbedürfnisse des Saneckers ein Licht wirft. Doch scheint es, als sei die ganze Verpfändung bloß für den Nothfall geplant und nicht thatsächlich durchgeführt worden. Die Fehde selbst war noch bei Lebzeiten ihres Vaters (Ulrich I., † 1329) entbrannt. Zunächst kam es 1331, am 27. September zu einem von den Bevollmächtigten Herzog Otto’s von Habsburg: dem Bischof Dietrich von Gurk, den steierischen Liechtensteinern und Herdegen von Pettau verhandelten Ausgleiche. 1333, am 21. Juni beurkunden die Herzoge Albrecht II. und Otto einen Schiedspruch im Streite Friedrich’s v. W. (der 1329 auf einer Preußenfahrt begriffen war) mit dem Kloster St. Paul um das Landgericht am Remschnik, den unter andern auch ihre Vetter von der Linzer und Ennser Linie, Eberhard und Friedrich, fällen halfen.

Ulrich II. v. W., der vorzugsweise als Landeshauptmann der Steiermark zu gelten hat, spielt als solcher eine hervorragende Rolle in den Unternehmungen seines Herrn, Herzog Albrecht II., auf Friauler Boden, als die Ermordung des Patriarchen Bertram (1350) dieses Land wie so oft in ein Wirrsal stürzte. Das Parlamento des Friauler Adels rief den Habsburger zum Generalcapitän aus, und dieser erhielt auch von K. Karl IV. die Vollmacht, dort Ordnung zu machen. Der Habsburger entbot seine Hauptleute, Ulrich II. v. W. und die beiden Aufensteiner, nach Friaul und war entschlossen, zu eigenem Vortheil die Sachlage auszunützen, wovon die Besetzung von Carnien, Venzone, Gemona, San-Daniele und Udine Zeugniß gibt. Obschon bald (noch im J. 1350) ein neuer Patriarch, Nicolaus, ein natürlicher Bruder K. Karl’s IV., eingesetzt wurde, erlangte doch der Habsburger die Belehnung mit Venzone und auf 12 Jahre die Klause daselbst mit der einträglichen Mauth. 1351 und 1354 finden wir Ulrich II. im Kriegsgefolge Herzog Albrecht’s II., als es zur Fehde Habsburgs mit Zürich kam. 1356 machte er die Ritterfahrt gegen Treviso im Heere Ludwig’s I. mit, als dieser den Krieg gegen Venedig aufnahm. Wir gewahren Ulrich (II.) auch wiederholt zu diplomatischen Sendungen verwendet. So schickte Herzog Albrecht II. Anfang 1339 ihn und den Grafen von Pfannberg, seinen Schwager, nach Nürnberg, um mit K. Ludwig dem Baier ein Bündniß gegen Heinrich von Niederbaiern zu vereinbaren. 1356, am 20. Februar ließ Herzog Albrecht II. dem Walseer eine Vollmacht zukommen, wonach er, der Landenberger, der Puchheimer und Meissauer der Taidung zwischen K. Ludwig von Ungarn und K. Karl IV. beizuwohnen hätten. 1357, als die niederbairischen Herzoge Stefan und Albert Rattenberg (im heutigen Tirol) belagerten, begab sich Ulrich v. W. durch Salzburg dahin, um im Auftrage Albrecht’s II. für den Ausgleich zu wirken.

1357, am 27. Mai erlangten U. v. W. und sein Bruder (Friedrich) einen herzogl. Gnadenbrief, womit sie die Befugniß erhielten, gegebenen Falles alle herzoglichen Lehen ihren Vettern, den Walseern der andern Linien und ihren Schwestersöhnen zu vererben. Ulrich (II.) starb um 1359.

Sein Bruder Hanns war bereits um 1342 unvermählt gestorben. Friedrich segnete 1362 das Zeitliche, ohne aus seiner Ehe mit Agnes von Kuenring Nachkommenschaft zu hinterlassen. So stand die Grazer oder steierische Linie der Walseer nunmehr auf zwei Augen, denn Ulrich (II.) hatte einen einzigen Sohn Eberhard hinterlassen, dem wir spätestens im Januar 1360 als Landeshauptmann von Steiermark begegnen (1361, im Mai finden wir schon Albrecht von Puchheim in dieser Amtsstellung): Sein Tod fällt spätestens vor den 6. April 1363; ihm war Elisabeth von Chuenring in kinderloser Ehe verbunden; mit ihm schließt die [15] steierische oder Grazer Linie der Walseer ab, und der Gnadenbrief vom 27. Mai 1357 trat nun in Kraft, zunächst zu Gunsten der Linzer Linie des Hauses.

Etwas später erlosch die vierte, die Drosendorfer Linie, begründet von Friedrich v. W., † 22. Juli 1318, dem wir an der Seite seiner Brüder Eberhard, Heinrich und Ulrich, in wichtigen Angelegenheiten begegneten. Sie wurde von Eberhard († 1356), in zweiter Ehe Gatten der Gräfin Agnes von Ortenburg, und dessen Bruder Heinrich I. († um 1365), fortgepflanzt, der eine Edle von Cheiau o. Kyau zur Frau hatte. Jener hinterließ zwei Söhne, Friedrich († um 1392), der sich von „Potenstein“ schrieb und Heinrich (II.), der das Prädicat von „Merkenstein“ führte und keine Nachkommenschaft hatte. Friedrich’s Töchter, Agnes und Johanna, waren, erstere mit Heinrich von Zelking, die zweite mit Jan von Meseritsch (Mähren) verheirathet. Die zahlreiche Nachkommenschaft Heinrich’s I. schmolz bald zusammen. Von 5 Söhnen hinterließ nur einer, Hanns, einen männlichen Sprossen, Ulrich († vor 1405), und mit ihm, dem Vater einer Tochter (Katharina), schloß der Mannesstamm der Drosendorfer Walseer, die mit den Herren von Liechteneck, Lippa, Maidburg und Dachsberg verschwägert erscheinen. – Insbesondere gilt dies von den Kuenringern. Leutold’s von Kuenring-Dürnstein († 1355) Gemahlin war Alheid (Adelheid), Tochter Heinrich’s v. W.-Drosendorf, die dann in zweiter Ehe Zdenko von Leipp (Lipa) zum Gatten nahm, während seine Muhme Klara, Tochter Leutold’s II. († 1348) mit Friedrich v. W.-Drosendorf-Potenstein vermählt war.

Quellen: Ottokar’s steier. Reimchronik, I. A. v. Pez, scr. r. a. III., II. A. von Seemüller in d. MG. SS. lingua vern. V, 1, 2, (1893) u. Joh. Victor. Chron. (bzw. Anon. Leob. Pez, scr. I) bei Böhmer, Fontes r. germ. I. die oe. Klosterannalen MG. SS. IX u. Ebendorfer’s Chron. Austriae (Pez a. a. O. II). – Kl. Quellen: Hirzelins Gedicht v. d. Schl. b. Göllheim (1298) (Böhmer f. r. g. II.) und „der strît ze Müldorf“ (1322). – Böhmer f. r. g. I. (vgl. Dobenecker i. I. Ergänz.-Bde. d. Mitth. d. Inst. f. oe. G. 1895), Peter Suchenwirt’s Werke, h. v. Primisser (Wien 1827), die kl. Klosterneuburger Chronik 1322–1428, h. v. Zeibig (VII. Bd. d. Arch. f. K. oe. Gq. 1851); die ital. Chr. z. Gesch. Oberitaliens u. Friauls im XIV. Jhh. (Muratori SS. r. ital.) – Urkk. Regg. z. Lichnowski’s Gesch. des Hauses Habsburg II–VIII, h. v. Birk; J. Chmel, oe. Geschichtsforscher II; Materialien z. oe. Geschichte; Regg. K. Friedrich’s IV. (III); Notizenblatt 1851, 1852, 1854 – vorzugsweise durch Urk. z. Gesch. der Walseer wichtig. Stülz, ü. d. Schaunberger im Notizenbl. 1854 u. Denkschr. d. Wien. Akad. hist.-ph. Kl. XII, abgesehen von dem Urk. Anhange z. den Monographieen v. F. Kurz: Gesch. Oe. unter den einzelnen habsb. Herzogen Oesterreichs und den Materialien in Muchar’s Gesch. des Hz. Steiermark VI.–VIII. Band. Krones, Die Freien von Saneck (Graz 1883). – Die Genealogie am besten urkundlich belegt b. Alf. Huber a. a. O., abgesehen von den in Zedler’s Univ.-Lexikon, 52. Bd. (1747 Col. 1795) ganz unzulänglichen aus Lazius, Preuenhuber, Hübner geschöpften Notizen und Hanthaler’s unverläßlicher Arbeit (a. a. O.). Ueber die Geschichte des Hauses das Betreffende in den bezeichneten Werken von Preuenhuber, Ann. Styrenses (1740), F. S. Kurz, Lichnowski, Chmel, G. K. Friedrich’s 1–2, Muchar 6–8, Pritz G. d. L. o. d. E. 1–2. Edelbacher, Landeskunde Oesterr. o. d. E., 2. Aufl. (1883), Czörnig, Görz u. Gradiska, Rud. Pichler, Il castello di Duino (Trient 1882, S. 240–271 über die Walseer), Frieß, Die Herrn von Chuenring (aus den Bl. d. V. f. Lkde. Nied.-Oe. ges. abgedr. 1874, Wien). – Erdinger, Gesch. des aufgeh. Cist. Stiftes Säusenstein (Bl. d. V. f. Ldsk. N.-Oe. X, 25 ff. Notizen ü. d. H. H. v. Walsee). – Kandler, Ueber die [16] Adelsfam. d. Walseer, Schr. an J. Chmel, im Notizbl. d. K. Akad. 1853, S. 483.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: III.
  2. Vorlage: 1229