Beyträge zur Geschichte der Künstler und Handwerker zu Fürth

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Autor: Anonym
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Titel: Beyträge zur Geschichte der Künstler und Handwerker zu Fürth
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 4, S. 323–341
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Fortsetzung des Versuchs einer Kunst- und Handwerksgeschichte von Fürth
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III.
Beyträge zur Geschichte der Künstler und Handwerker zu Fürth.
Vorläufige Erinnerung.
 In folgendem Aufsatz ist ganz richtig bemerkt, daß Schwabach, Erlang, und Fürth nicht durch die Austreibung der Handwerksleute aus Nürnberg in Aufnahme gekommen sind: obwohl nicht in Abrede zu stellen ist, daß von Zeit zu Zeit ausgetretene Nürnbergische Bürger, und darunter auch Professionisten, sich besonders nach Fürth begeben haben, weil sie daselbst ohne Schwierigkeit, und ohne Zeugnisse wegen vorheriger Aufführung, angenommen wurden. Dem ohngeachtet haben die Fürther-Commerzial-Handwerker und Fabriken doch vornämlich dadurch Nürnberg ihren Wohlstand zu danken, daß viele Nürnbergische Kaufleute ihnen Arbeit verschaffen, weil die Victualien-Preise und die obrigkeitlichen Anlagen aller Orten geringer,| als zu Nürnberg sind, folglich auch die Bestellungen wohlfeiler gemacht werden können. Dem Kaufmann sind entweder wohlfeile Preise schon von dem Freund vorgeschrieben, oder nicht. In beyden Fällen gehet er der Wohlfeilheit nach. Ausser der größern Theurung ist auch noch eine Hauptursache, warum die Nürnbergischen Handwerksleute nicht so wohlfeile Preise machen können, als die Fürther: diese nämlich, daß sie ihre Arbeiten fleißiger ausarbeiten, um ihre Zeichen in Credit zu erhalten, welches bey Auswärtigen aus gedoppelten Ursachen nicht geschehen kann, indem sie einestheils mit Taglöhnern, Kindern arbeiten, welche die nöthige Geschicklichkeit nicht haben, anderntheils aber um so geringe Preise nicht anders als flüchtig weg arbeiten können.

 Den guten Ruf der geschickten Uhrmacher in N. wird der Einsender wohl nicht zweifelhaft machen können. Ohne auf die ältern Zeiten zurück zu gehen, weßwegen Doppelmeyer das Nöthige enthält, wollen wir nur der spätern, nicht gemeinen Künstler, eines Landeks, Hildebrands, Gurmers, Rose etc. gedenken: deren Arbeiten von Sachverständigen, noch immer, theils den Englischen gleich geachtet werden, theils als vorzüglich gut bekannt sind.

 Man will billiger seyn, und den Fürther Uhrmachern Kunst und Geschicklichkeit nicht absprechen: man gibt sogar zu, daß verschiedene| sehr gute Uhren machen, wenn sie bestellet und gut bezahlt werden; die gewöhnlichen und auf den Kauf gemachte Fürther-Uhren aber können für nichts weniger als Kunstproducte angegeben werden: und eben von dieser Art Uhren kommt es her, daß, wo man in der Gegend von einer schlechten Uhr hört, man das Urtheil zu fällen pflegt: sie ist gewiß Fürther Arbeit.


In den vier Briefen, darin von dem ehemahligen blühenden jetzt aber gesunkenen Zustand der Stadt Nürnberg gehandelt wird, liest man einige Nachrichten von der Ankunft der Handwerker in Fürth, welche vermuthlich aus solchen herausgezogen, und in das Journal von und für Teutschland zweyten Jahrgangs drittes St. eingerückt worden sind. Der Verfasser dieser Nachrichten stehet in den Gedanken, Fürth, Erlang, Schwabach, Schweinau, wären durch die Austreibung manches geschickten Handwerksmanns aus der Stadt Nürnberg in Aufnahme gekommen: er führet auch wirklich zum Beweis von Fürth einige Beyspiele an: als einen[1] Lederknecht, Ziegler, der sich| auf das Drathziehen gelegt, und vom Held aus Nürnberg getrieben worden, 1618 nach Fürth sich begeben, daselbst das Drathziehen fortgesetzt, und endlich das Plättleinschlagen angefangen habe. Das[2] zweyte Beyspiel gibt er mit zwey Goldschlagern, und das dritte[3] mit einem Drechsler, letzterer sey | 1700 und beyde erstere 1705 und 1709 als sogenannte Verbrecher aus Nürnberg getrieben worden, und hätten in Fürth ihr Handwerk fortgesetzt, welches er auch mit andern Handwerkern geschehen zu seyn glaubt, und welche er als die Urheber der so vielen Künstler und Handwerker in Fürth und in den Eingangs benannten Orten betrachtet: allein wer die Beschaffenheit dieser Orte genauer kennet, der findet, daß der Verfasser dieser Nachricht von der Vertreibung der Handwerker aus Nürnberg zu viel Wesens macht.[4]
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 Von Alt-Erlang, ob es schon nebst seiner Burg ein sehr alter Ort ist, kann hier gar nicht die Rede seyn: denn daselbst hat es niemahls andere als gemeine Handwerker gegeben, und sind noch heutzutag keine andere daselbst vorhanden, als die von Christian-Erlang dahin gezogen sind, die eine| Stadt mit jener ausmacht, und in dieser gibt es keine andern, als die durch die vertriebnen Franzosen dahin gekommen sind, worunter die Strümpf- und Haubenwirker, die Huter, die Weisgerber oder Handschumacher, die stärksten sind.

 Schwabach hingegen ist eine Stadt, die nach ihrem Ursprung, der sich in der Dunkelheit der Zeiten verliert, ihrer Größe, und ihren Flor, vermuthen lässet, daß sie von jeher ihre eigenen Werkstätten gehabt habe: worunter heutzutag die Nadler die stärksten sind, und 86 Werkstätten zählen; und da mit Anfang dieses Jahrhunderts auch eine Französische Colonie daselbst aufgenommen worden ist, wird jeder hieraus abnehmen können, daß durch sie noch mehrere Künstler dahin gezogen wurden, worunter die Strumpfwirker die meisten sind. Von Falkenstein zählt in seiner Chronik im J. 1756, 73 Handwerker.

 Zu Schweinau sind keine andere Werkstätten zu Haus, als Dosenmacher. Die Gebrüder Georg und Friderich Heid, Porzelain-Mahler daselbst, waren die ersten, welche die vor 60–70 Jahr in Paris erfundenen papiermascheenen Dosen nachgemacht haben:| und weil die Dosen gedrehet werden müssen, war es eine natürliche Folge, daß auch Drechsler in und um Schweinau sich niedergelassen haben. Der Verdienst war ansehnlich, sie bekamen mehr für eine Dose bezahlt, als jetzt für ein ganzes Duzend von gleicher Güte. Gleichwohl hatten sie genug zu thun: sie brauchten daher viele Handarbeiter, die, als sie ihren Vortheil ersahen, für sich eigne Werkstätten errichteten, und so entstanden in Schweinau, Fürth, Gostenhof und auswärtigen Orten, als Offenbach bey Frankfurth, viele Dosen-Fabriken, und bestehen noch.
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 Was den aus Nürnberg vertriebenen Drathzieher anbelangt, der nach Fürth sich gewendet und daselbst auch das Plättleinschlagen angefangen haben soll; so sind von dessen gelernten keine mehr vorhanden. Daß die ersten Goldschlager, die nach Fürth sich gewendet, aus Nürnberg gewesen, mag seine Richtigkeit haben. Der eine davon hat Meyer geheißen, dessen Nachkommen noch vorhanden sind. Die beyden Nürnberger blieben nicht lang allein, es gesellten sich bald hernach zwey Augspurger oder Nördlinger Gesellen zu ihnen, der eine hieß Meuschel,| der andere Hüttner: und weil sie überflüssig zu thun hatten, mußten sie viele Leute in die Lehre nehmen, woraus in kurzem mehrere Werkstätten entstanden; so daß sie 1730 vor dem Domprobsteyamt Fürth ein Handwerk errichteten.

 Hiebey blieb es, bis ums Jahr 1774 ein Theil der Meister sich von dem Handwerk absonderte, auf die Anspachische Seite trat, und vor dem Brandenburgischen Richter-Amt Cadolsburg ein besonderes Handwerk mit schweren Kosten errichtete. Der Meister sind zu beyden Seiten 42, und der Gesellen 70 bis 80. Die Fürther Goldschlager sind jedoch von den Nürnbergischen unterschieden, jene sind Metall-, diese wirkliche Goldschlager.

 Es ist noch unerwiesen, daß der erste Drechsler, der in Fürth 1700 sich angesiedelt, ein so genannter Verbrecher aus Nürnberg gewesen. Er soll Zik geheißen haben. Daß er das Metall-Knopf-Drehen mit dahin gebracht habe, davon wollen die Fürther Drechsler nichts wissen; sie behaupten vielmehr, sie hätten solches von sich selbst angefangen. Dieses Geschäfft erfordert viele Menschen und Auslagen, die sich in unsern Tagen auf 500 Personen belaufen. Die Anspachischen und Domprobstischen Meister, die von Metall,| Bein, Horn, Holz allerhand Arbeiten fertigen, belaufen sich über hundert. Ein Handwerk errichteten sie vor dem Domprobsteyamt 1728, und zu Cadolsburg 1740.

 Von den gemeinen Handwerkern hat es bereits im vorigen Jahrhundert eine hinlängliche Anzahl Meister in Fürth gegeben. In dem Urkundenbuch zur Anspachischen Deduction III. B. 2ten Th. S. 153. findet man einen Extract aus dem Cadolsburger Meisterbuch, nach welchem 1601 Hermann Sudermann, Jobst Stoppl, Johann Georg Weller, Georg Anger, Hanns Zirn, Michel Rehm, Hanns Vitzthumb, Hanns Wiesner, Daniel Hartmann, Hanns Buchner, Hanns Kühn Senior, Mathes Ton, Hanns Wolf Kühn Junior, als Domprobstey-Censiten, in Cadolsburg als Schneidermeister eingezünftet waren.

 1651 bekannten sich zur Schuhmacher-Ordnung von eben daher: Gregorius Schildknecht, Leonhard Herdegen, Adam Bös, Elias Stötler, Hanns Püttner, Kaspar Böhm.

 1656 Jacob Sander, Lorenz Lebenschlag, als Maurermeister.

|  1657 zur Leinenweber-Ordnung bekannten sich aus Fürth Sebastian Teufel, Leonhard Woker, Mathes Teufel.

 1658 Lorenz Münchhöfer, und Christoph Heinrich Schneider werden als Domprobstey-Censiten Zimmermeister.

 1664 Georg Kleinlein zu Fürth wird Büttnermeister.

 1672 ist Martin Baum, und Johann Jacob Deuer Schreinermeister geworden.

 Aus den vorhandnen Meistern lässet sich einigermaßen ein Schluß auf den Zustand des Orts Fürth ziehen; daß er bereits in dem vorigen Jahrhundert etwas mehr als dorfmäßig gewesen seyn müsse, Ich wende mich nun zu den übrigen Handwerkern.

 Bald, oder gleich nach der Ankunft der obengenannten Werkstätte, haben sich auch einige von den vielen wegen der Religion aus Frankreich entflohenen Hugenotten nach Fürth gewendet, hierunter werden die Uhrmacher und Strumpf- und Mützen-Wirker von Baumwolle vorzüglich gezählt. Der erste Klein- oder Sack-Uhrmacher der in Fürth sich häuslich niederließ, hies Gatteno,[5] und kam aus Frankreich nach Fürth.| Er war zugleich Uhrmacher, Uhrgehäusmacher, und Zifferstecher. Ein Bruder von ihm ließ sich als Silberdrathzieher in Erlang nieder, von dem noch weibliche Nachkommen vorhanden sind. Neben ihm stand Epp, Reismann, Schwinsberger, und Hendel auf. Letzterer war ein Groß-Uhrmacher aus Zwickau. Er erbaute sich ein Haus 1730 in der alt neuen Gasse. Sie machten mit den Schlossern bis 1750 ein Handwerk, und zählen nun 21 Meister. Ob aus den sogenannten Eyer-Uhren, die in Nürnberg erfunden wurden, die heutigen Sackuhren entstanden, will ich hier nicht untersuchen: zu vermuthen ist es zum wenigsten nicht, indem man nicht gehöret, daß die Uhrmacher zu Nürnberg, weder in vorigen noch jetzigen Zeiten, wegen Verfertigung guter Uhren in einem besondern Ruf gestanden, noch viel dergleichen verfertigt haben.
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 Von den Strumpfwirkern sind ebenfalls die ersten Meister aus Frankreich nach Fürth gekommen: wie viel ihrer gewesen, und wie sie geheißen, habe ich zur Zeit nicht erfahren können. Sie bekamen gleich Anfangs viel zu thun, und lernten viele Jungen. Jeder wollte ein Strumpfwirker werden, und und wer es nicht erlernt hatte, oder konnte,| machte einen Verleger, mit Baumwolle, mit Garn, oder mit Hauben und Strümpfen. Andere beschäfftigten sich mit Bleichung der Baumwolle. Und weil nicht jeder Meister zugleich einen Stuhl mitbrachte, und doch jeder von den neu angekommenen sowohl als von den gemachten Meistern einen haben wollte, erlangten die Schlosser dadurch viele Nahrung, lernten ebenmäßig viele Jungen, und machten mehrere Meister. Der Preis eines neuen Werkstuhls war Anfangs 200 fl, dann 150 fl, nun werden sie um 75 fl. gefertigt. Es dürfen aber keine neuen mehr gemacht werden; daher ein alter halb unbrauchbarer Stuhl zum wenigsten in Erlangen noch mit 100 Laubthalern bezahlt wird.
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 Die damahls regierenden Herren Markgrafen zu Bayreut und Anspach nahmen sich dieser unglücklichen Leute zwar an, und vergönnten ihnen einen Zufluchtsort in Erlangen und Schwabach, und noch einigen andern Orten: es geschahe aber doch lange nicht mit dem Nachdruck, als es hätte geschehen sollen, und diese so nützlichen Leute verdient haben, die so merklich das Teutsche Manufacturwesen vermehrten, und demselben eine neue Belebung gaben, und die selbst zur Aufklärung der Teutschen vieles beytrugen. Wilhelm| von Bürette, der ebenfalls um der Religion willen Frankreich verlassen hatte. Der Großvater von den jetzt noch lebenden und in Erlang wohnenden zwey Herren von Bürette, kaufte, neben dem ansehnlichen Gebäu, das er in Erlang auf dem Französischen Markt aufgeführt, einen Hof Oberaltbach genannt, zwischen Emskirchen und Neustadt gelegen, und wies etlichen 30 Französischen Familien, meist Strumpfwirkern daselbst Baustellen an, und erbaute ihnen selbst viele Häuser, nebst Kirche und Schule: welches Dorf, dem Stifter und Erbauer zu Ehren, Wilhelmsdorf genannt wird. Die Gemeine, die ganz Französisch ist, spricht noch ihre eigne Sprache und genießt ihre besondre Religions-Uebung. In Fürth findet sich seit langen Zeiten niemand mehr, der Französisch spricht, welches zum Beweis dienen kann, daß nach Fürth sich nur einzelne Familien gewendet haben. Im Jahr 1724 errichtete ein Theil der vorhandnen Meister ein Handwerk vor dem Domprobsteyamt Fürth, und ließen sich mit Artikeln und Lade versehen: ohngefähr 15 Jahr hernach entschloß sich der übrige Theil der Meister ebenfalls zu einem Handwerk, ließen sich die Artikel von Erlangen bringen, gingen damit nach Anspach, und| ließen sie bestätigen, und haben nun in Cadolsburg ihre Lade; ihrer sind in unsern Tagen 33, der Domprobsteymeister aber 40; der sämtlichen Werkstühle 200. Der Verdienst ist aber bey dem hohen Preis der Baumwolle und den theuern Lebensmitteln, und bey dem niedrigen Preis der gemachten Sachen, sehr gering, daß ein Meister nicht im Stand ist mit einen Werkstuhl so viel zu verdienen, als zu einer Haushaltung erfordert wird.
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 Die Gold- Silber- Galanterie- und Drath- auch Uhrgehäusmacher an der Zahl 36, errichteten ein Mittel, wie sie es nennen, bey dem Domprobsteyamt Fürth 1772. Valentin Lauterbach, den man den Goldschmids Velde hieß, und der 1710 nach Fürth gekommen seyn mag, wird für den ersten Goldarbeiter gehalten. Hierauf kam Schaffer, ein Ungar, er arbeitete in Wien und Nürnberg, heyrathete daselbst eines Pfarrers Tochter, und ließ sich in Fürth nieder. Um eben diese Zeit kam Wächtler von Augspurg. Dieser machte hauptsächlich silberne Dosen von Blech. Es wurde ihm 10 fl. fürs Stück Façon bezahlt. Er verdiente viel Geld, ging selbst mit auf Messen, und konnte öffters 5 bis 6 Gesellen Arbeit geben; er baute mit vielem| Aufwand in der alt neuen Gasse 1730 ein Haus. Er starb um die Zeit, als die papiermascheenen Dosen aufkamen, wodurch sein Verdienst und Ruhm zu Grab sank. Bis um diese Zeit und noch später hin, blieben die Geschäffte der Goldarbeiter, ausser dem Wächtler, von ganz keiner Bedeutung, sie fertigten bloß gemeine Sachen. Die Juden, die mit Juwelen Handel trieben, liessen sie in Frankfurt fassen. Gegen die Mitte dieses Jahrhunderts änderte sich die Scene. Bey den Juden kam der Juwelen-Handel, und bey den Goldarbeitern die Galanterie-Arbeit empor. Die Moden, der Wechsel in Kleidern und Farben, nahm immermehr überhand, und erstreckte sich auch auf die Kleinodien. Es ging über den alten Schmuck eben so sehr her, als über die alten Kleider, nur mit dem Unterschied, daß dieser nicht abgelegt, sondern nur umgefaßt werden darf, welches in unsern Tagen so weit gehet, daß von 36 Werkstätten ungefähr fünf mit ordinären Gold- und Silberarbeiten, sechs bis acht mit Uhrgehäusmachen, die übrigen mit Galanterie- und Juwelen-Arbeit sich abgeben. Hafner, Christian, Brunner, waren die ersten Juwelierer das ist: Goldarbeiter, die einen Ring zu carmoisieren sich getrauten:| gegenwärtig wird unter den vielen der Anpachische Hofjuwelier Eckart und Geiselbrecht, für die besten gehalten. Die jüdischen Gebrüder Henlein hingegen sind die stärksten Juwelenhändler.

 Riemer. Unter die Stifter dieses Handwerks, dessen Meisterzahl sich auf 14 belauft, wird Feitschner gezählet, zu diesem gesellte sich Walter und Künert. Beyde erstre zünfteten sich in Bamberg, letzterer in Anspach ein, bis sie 1768 ein eignes Handwerk vor der Domprobstey errichten konnten.

 Die Geschichte der übrigen Handwerker und ihre Ankunft in Fürth, besonders der Spiegelschreiner, die vorzüglich ihren Sitz in Fürth haben, und mit deren Fabrikaten ansehnliche Geschäffte gemacht werden, soll zu einer andern Zeit beschrieben werden.

 Zum Beschluß bemerke ich noch, daß die Gemeine Fürth, ohnerachtet sie durch ihr Hofmarktsgericht ehemahls selbst Lehrbriefe ausfertigen ließ, in neuern Zeiten sich der Errichtung der Handwerker entgegen gestellt hat, unter dem Vorgeben, daß dergleichen Handwerker der Freyheit der Gemeine, nach welcher jeder treiben und handthieren könne, was er wolle, zuwider laufe: allein sie konnte| mit ihren Vorstellungen bey der Domprobstey keinen Eindruck machen: welche durch den 1717 mit dem Haus Anspach vor einer kaiserlichen Commission errichteten Interims-Receß das Recht in Fürth Handwerker zu errichten überkommen hatte.
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 Die Gebühren des Domprobsteyamts Fürth sind überhaupt mäßig,[6] folglich können auch die Handwerker keine allzugroßen zu bezahlen haben. Vom Ein- und Ausschreiben der Lehrjungen bekommt der Amtmann jedesmahl 1 fl. so auch der Gerichtschreiber, der Amtsdiener 71/2 kr. die zwey Geschwornen, jeder 30 kr. die Lade 1 fl. 30 kr. in Summa 4 fl. 441/2 kr. Beym Meisterwerden hat der Amtmann und Gerichtschreiber jeder 1 fl. und der Amtsdiener 15 kr. An dem Meistergeld selbst hat er keinen Antheil, es wird in die Lade gelegt. In Cadolsburg sind die Ein- und Ausschreib- und| Meistergebühren mit diesen größten Theils gleich, nur zwey Puncte sind,[7] worinnen dieses zu nicht geringer Beschwerniß der Handwerker von jenen ganz abweicht. Das erste ist, das Theilen der vorräthigen Gelder in der Lade; wann z. B. durchs Ein- und Ausschreiben mehrerer Jungen und durchs Meisterwerden 75 fl. in die Lade kommen, theilet der Zunftschreiber diese Summe in 3 Theile; 1/3tel bleibt den Meistern oder der Lade, und 2/3tel nimmt der Zunftschreiber zu sich. Eben so wird auch mit der Auflage bey einigen Handwerkern am Jahrstag verfahren: welches bey einem Handwerk von vielen Meistern eine beträchtliche Summe abwirft. Das zweyte sind die Wirthe, die durch ihre unfreundlichen Zechen sich manchen gerechten Vorwurf zuziehen.
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 Zu merken ist noch:[8] daß die Handwerker zu Nürnberg, die man die Geschenkten| nennt, als Drechsler, Gürtler etc. etc. die Erlanger, Schwabacher und Fürther Meister nicht für gut erkennen, und keinem Gesellen Arbeit geben, er habe sich denn vorher abwaschen lassen; welches diese jenen aus Vergeltungsrecht ebenfalls thun. Die Ursache hievon liegt darinnen, daß die Nürnberger geschenkten Handwerker kaiserliche Privilegien haben, daß in einer Entfernung von 3 Meilen von der Stadt keiner ihres Handwerks sich niederlassen darf. Diese Orte liegen näher an Nürnberg; um sie also für die Vermessenheit, daß sie sich in solchen angesetzt haben, zu strafen, erklären sie sie für Pfuscher.



    Zeit alle Jahr um das Neue Jahr ist, so wurde er bis dorthin zur Geduld gewiesen. Daß dieser deßwegen nach Fürth gegangen, ist nicht glaublich, auch nicht zu finden. d. H.

  1. Dieser war kein Ziegelknecht, sondern hieß Hanns Ziegler, und war ein Lederer. Er legte sich auf das Drathziehen, worauf damahls Held, Hagelsheiner [326] genannt, ein ausschließendes kaiserl. Privilegium hatte. Deme gemäß stande es nicht einmahl in des Raths Mächten, ihm solches zu erlauben, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, den Reichs-Fiscal gegen sich selbst, wegen anbefohlener und verweigerter Hülfe excitirt zu sehen. Hierauf gab Ziegler das Bürgerrecht auf, und setzte sich nach Fürth.
  2. Von den 2 Goldschlagern, die sich nach Fürth gesetzt haben, findet sich keine Spur; daher ist glaublich, daß sie anders woher gekommen. In Nürnberg gab es auch nie Metall- sondern alleine Gold- und Silberschlager: und ein Goldschlager kann so wenig, ohne darauf gelernt zu haben, einen Metallschlager abgeben, als umgewandt.
  3. Auch davon ist nicht die mindeste Nachricht aufzufinden: wohl aber findet sich, daß sich 1705 ein fremder Drechslergesell, Namens Jacob Wagner, hinter dem Nürnbergischen Landallmos-Amt zu Fürth befunden, auf der hiesigen Drechsler Instanz aber von dem Allmos-Amt ausgeschafft worden sey.
     In diesem nämlichen Jahr im Sept. hat sich ein Drechslergesell Namens Paulus Zik um das Meisterrecht beworben, da aber die Einkunftszeit [327]
  4. Man s. J. H. Häßleins Actenmäßige Widerlegung der in verschiedenen Journalen und Schriften dem Rugsamt in Nürnberg gemachten ungegründeten Beschuldigungen. Nürnb. 1789. 8. d. H.
  5. Vielleicht Cadenau.
  6. Wenn von Mäßigkeit der Gebühren die Rede ist, da der Domprobstey zu Fürth zum Verdienst angerechnet wird, daß der Amtmann und der Gerichtschreiber jeder nur 1 fl. erhält; so ist es gewiß bey den Nürnbergischen Stadt- und Land-Zünften weit unter mäßig, da für das Ein- und Ausschreiben der Lehrjungen und für den Meisterspruch nicht mehr als 36 kr, bey Amt bezahlt wird.
  7. Der 1ste Punkt ist nicht nur dem Handwerk sehr beschwerlich, sondern auch im hohen Grad unbillig. So etwas wird in Nürnberg keiner Lade mehr angesonnen. Dem 2ten Punct kann durch obrigkeitliche Taxation abgeholfen werden.
  8. Die Ursache, warum die Nürnbergischen geschenkten Handwerker die genannten auswärtigen Meister nicht für zünftig erkennen, mag nicht alleine in den angegebenen Kaiserl. Privilegien, sondern [341] vorzüglich darin liegen, weil die ältesten Teutschen Gesetze schon besagen, daß sich in unverschlossenen Orten keine andern Handwerker, als die ad nictum et amictum, und zum Ackerbau gehören, geduldet werden sollen. Das findet man in unzähligen Regierungs-Verordnungen und Burgersprachen.