BLKÖ:Richter, Heinrich Moriz Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 48. (Quelle)
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18. Richter, Heinrich Moriz Karl (Historiker und Publicist, geb. zu Prag 10. Jänner 1841). Der einzige Sohn des Kaufmanns und Fabrikanten E. H. Richter, ist R. mütterlicherseits verwandt mit dem als Docenten der Philosophie und Schriftsteller durch fast 20 Jahre in Königsberg in Preußen thätigen Dr. Lowositz, dem Freunde Rosenkranz, Alex. Jung’s. Richter [49] begann seine Studien zu Prag am Neustädter Piaristen-Gymnasium. Mit 16 Jahren legte er die Maturitätsprüfung zurück und begann seine Universitätsstudien in Deutschland, insbesondere historische und philologische Disciplinen mit Eifer pflegend. Nach dem italienischen Kriege (October 1859) bezog er die Wiener Universität und wurde an der juridischen Facultät inscribirt. Eine tiefe Neigung zog ihn zum Studium der deutschen und römischen Rechtsgeschichte, von wo er bald den Uebergang zur eigentlichen Geschichtswissenschaft fand. Als Mitglied des historischen Seminars, welches damals von Aschbach und Jäger geleitet wurde, lieferte er einzelne historische Abhandlungen, deren namentlich kritischer Theil beifällig aufgenommen wurde. Dieß veranlaßte ihn, zur philosophischen Facultät überzutreten. Kurz nach der Publication der Verfassung vom 26. Februar 1861 im April begann unter der Wiener Studentenschaft eine lebhafte Bewegung, welche zum Theile durch die Verhaftung einiger Studenten neue Nahrung erhielt. Richter gab der Bewegung eine bestimmte Richtung, und es gelang ihm, im Zusammenwirken mit dem Rector jenes Jahres, Oppolzer, durch seine wiederholten öffentlichen Reden die Studentenschaft dahin zu bringen, einem Comité die Präcisirung ihrer Wünsche zu überlassen. In diesem Comité hatten Steidl – später Leibarzt der Großherzogin von Oldenburg, Karl Linder – später Präsident der altkatholischen Gemeinde von Wien, und Richter Platz. Mit Zustimmung der Gratzer, Prager und Lemberger Studentenschaft arbeitete Richter eine Petition an das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichstages aus, die von einer Denkschrift begleitet war und die grundgesetzliche Feststellung der Lehr- und Lernfreiheit, des Schutzes persönlicher Freiheit und des Hausrechtes forderte. Um diese Zeit war es, daß R. mit dem Abgeordneten Mühlfeld in nähere Verbindung trat, der die Forderungen der Studentenschaft als selbstständige Anträge – die Wiederholung der Frankfurter Grundrechte – vor das Haus und, trotz der Opposition der Fractionsführer Rieger und Smolka gegen die Competenz des Reichsrathes, zur gesetzlichen Annahme brachte. Noch während seiner Studienzeit veröffentlichte R. bei Gelegenheit eines zwischen Höfler und Palacky ausgesprochenen Streites sein Buch: „Georg’s von Podiebrad Bestrebungen um die Erlangung der deutschen Kaiserkrone“ [die bibliographischen Titel der Schriften Richter’s folgen auf S. 53], welches insbesondere in der Zeit der beginnenden staatsrechtlichen Kämpfe sich bemerkbar machte. Im Jahre 1864 unternahm R. aus den Ersparnissen, welche ihm bei dem kärglichen Erwerbe des Unterrichtgebens geblieben, eine große wissenschaftliche Reise durch ganz Nord-, Mittel- und Süddeutschland zum Besuche mehrerer Universitäten, Archive und Bibliotheken. Eine Frucht dieser Reise war zugleich die Abhandlung: „Der Nürnberger Religionsfriede von 1532“ (Eigenthum der Universität Leipzig). Im selben Jahre wurde R. sub auspiciis des Königs Johann an der Universität Leipzig zum Doctor philosophiae und Magister promovirt. Schon jetzt trat er in lebhafte Verbindung mit den für die Führung Oesterreichs im deutschen Bunde eintretenden Parteien und Parteiführern und in innige Beziehungen zu Heinrich Wuttke in Leipzig, F. G. Kolb in München. Karl Mayer in Stuttgart, [50] Petermann in Dresden, Mittermaier in Heidelberg u. A., kräftig den preußischen Bestrebungen auf Ausschluß Oesterreichs aus Deutschland entgegentretend in Zeitungen, Versammlungen u. s. w. Im Spätsommer 1865 kam R. nach Wien und schrieb gelegentlich der Enthüllung des Prinz Eugen-Denkmals seine in der „Oesterreichischen Revue“ jener Zeit erschienene Monographie, nachdem er zuvor in wissenschaftlichen Zeitschriften wiederholt aufgetreten war, Die Schrift fand Beachtung und namentlich in Italien. König Victor Emanuel II. ließ dem Verfasser durch den schwedischen Gesandten Dué für die Verherrlichung eines savoyischen Prinzen dankend ein Handschreiben einhändigen und ihm eine kostbare Nadel mit dem Miniaturbilde und der Namenschiffre des Königs als Ausdruck persönlicher Dankbarkeit übergeben, ein Umstand, der, als er bekannt wurde, um so größeres Aufsehen erregte, als um jene Zeit jede Beziehung zwischen Oesterreich und Italien abgebrochen war. Nach einem wiederholten Aufenthalte in Deutschland kehrte R. kurz vor Ausbruch des Krieges von 1866 wieder nach Wien zurück, um hier seine „Volksschriften und Volkslieder im siebenjährigen Kriege“ in der „Oesterreichischen Revue“ zu publiciren. Im Beginne des unglücklichen Doppelkrieges, den Oesterreich zu führen hatte, griff man bei der Truppenaushebung auf die früheren Altersclassen zurück. Das damalige Kriegsdienstgesetz, welches nur österreichische Diplome anerkannte, forderte R. in die Reihen der Truppen, und die Gefahr lag um so näher, als er durch mehrmaligen Aufenthalt in Deutschland seine Militärbefreiung nicht reclamirt hatte und leicht als Militärflüchtling hätte behandelt werden können. R. entschloß sich rasch zur Ablegung neuer – bekanntlich von den in Deutschland üblichen ganz verschiedenen – strengen Prüfungen und erwarb in wenigen Wochen zum zweiten Male den Doctorgrad. Seit dem September 1864, dem Zeitpuncte der Gründung der „Neuen freien Presse“, war R. in den verschiedenen Theilen dieses Journals, zumeist im Leitartikel, thätig. Von jetzt an steigerte sich seine publicistische Thätigkeit, zumal er seit October 1866 als Professor der Geschichte an die Wiener Handelsakademie berufen wurde und demnach eine feste Stellung in Wien erhielt. Zu Pfingsten 1867 erschien R. auf dem deutschen Schriftstellertage zu Leipzig; wiewohl er in den Ausschuß einstimmig gewählt war, lehnte er die Vorstandswahl ab, weil die Versammlung dem Wiener Journalisten- und Schriftsteller-Verein den Eintritt in den Vorstand versagt hatte, wofür die Wiener „Concordia“ ihm später das Dankesvotum erstattete. Im Sommer desselben Jahres (1867) machte R. eine größere Reise durch die österreichischen Alpenländer und folgte im September einer Einladung des Museal-Vereins in Klagenfurt zur Abhaltung der Vorlesungen. Dort erweckte er die Aufmerksamkeit selbst der Kenner der Landesgeschichte durch die auf neuen Forschungen beruhenden Mittheilungen „über das geistige Leben in Kärnthen zu Ende des vorigen und Anfang des jetzigen Jahrhunderts“. Die geselligen Vereine gaben ihm einige Tage später ein Bankett im „Sandwirth“ und Tags darauf feierten die in Klagenfurt anwesenden Mitglieder des historischen Vereins seinen Abschied von Klagenfurt im Hôtel Europe, bei welcher Gelegenheit der Landeshauptmann-Stellvertreter, Gymnasial-Director Dr. Burger, die Festrede hielt, welche [51] R. mit einer politischen Rede beantwortete. Der Umstand, daß zu jener Zeit die Verfassung sistirt und darin alle Bestrebungen gemacht wurden, dieselbe zu reactiviren, gaben diesen Ovationen und Reden ein besonderes Relief. Im selben Jahre erschienen aus Richter’s Feder die „Fragmente aus dem Zeitalter der Aufklärungen“ in der „Oesterreichischen Revue“, durchwegs neue Forschungen über die deutsche classische Literatur enthaltend und zugleich ein documentarischer Nachweis über den Antheil Oesterreichs an der deutschen Geistesbewegung, welcher auch in diesem Lexikon seit seinem Erscheinen nicht nur angedeutet, sondern immer nachgewiesen ist. Gleichzeitig mit dem Inslebentreten des Vereinsgesetzes gründete R. in Gemeinschaft mit Dr. Jos. Kopp, Dr. Hofer, Dr. Granitsch u. A. 1867 den ersten politischen Verein – seit 1848 – unter dem Namen „deutscher Volksverein“, dem R. leitend angehörte, bis durch die Ballotage ein preußenfreundlicher Theil des Vereins die Mehrheit erhielt und er mit 83 Genossen unter Protest aus demselben schied. Das allgemeine deutsche Schützenfest des Jahres 1868 wurde bekanntlich in Wien abgehalten. Bei dem Umstande, daß zu jener Zeit Oesterreich aus Deutschland ausgeschlossen war, die „süddeutschen Staaten sich selbst überlassen blieben, während die norddeutschen Länder unter Preußens Führung im norddeutschen Bunde geeint erschienen, mußte ein deutsches Nationalfest in Wien nothwendig ein demonstratives, zum Theile antipreußisches Gepräge annehmen. Schaarenweise kamen die Süddeutschen nach Wien, um durch ihr Erscheinen gegen den Ausschluß Oesterreichs aus Deutschlands und die Zerrissenheit des gemeinsamen Vaterlandes zu protestiren. Das gleichzeitige Erscheinen der Depeschen, in welchen Preußens Verbindungen mit der Legion Klapka’s und italienischen, wie französischen Gegnern Oesterreichs dargelegt wurde, erregte die durch die ungeschickte Führung der Feldherren und darob erfolgten Niederlagen ohnehin genug verbitterten Gemüther noch mehr. So gestaltete sich die Volksversammlung vom 2. August 1868 in den „Sperlsälen“ zu der großartigsten, aber auch durch das Eingreifen der Führer der Lassale’schen Arbeiterpartei zu der stürmischesten, die jemals in Wien abgehalten wurde. Die „Neue freie Presse“ vom 3. August 1868 erstattet über diese Versammlung Bericht. In derselben ergriff R. zuerst das Wort, nachdem er durch Acclamation zum Schriftführer erwählt war. Seine längere Rede beschränkte sich darauf, die unfertigen Zustände Deutschlands darzulegen, den Nachweis zu liefern, daß Oesterreichs Ausschluß aus Deutschland durch einen Bruderkrieg einen Verlust seiner großartigen Weltstellung mit sich führe und demgemäß der Anschluß an die Bestrebungen der süddeutschen Volkspartei mindestens eine Erklärung für die Bestrebungen der mit Oesterreich sympathisirenden Partei geboten sei. Seine Rede wurde mit nicht endenwollendem Jubel aufgenommen. In der That erwies sich R. in dieser Versammlung als ein Redner, der ebenso seine eigene Leidenschaft oratorisch zu verhüllen, als die seiner Zuhörer in maßvoller Weise zu erregen versteht. Die Versammlung blieb durch die programmwidrigen Forderungen der Arbeiterpartei, welche in die politische die sociale Frage mengten, und nicht minder durch das allmälige Hervorkehren der particularistischen Ansichten der süddeutschen Redner ohne Resultat. Wenige Monate vorher [52] hatte R. wohl in der Absicht, sich der Gymnasiallehrer-Laufbahn zu widmen, da seiner Vorrückung an der Wiener Handels-Akademie Hindernisse im Wege standen, die Lehramts-Prüfung für die Professur der Geschichte und Geographie am Ober-Gymnasien in Gratz mit ausgezeichnetem Erfolge abgelegt. Im November 1870 wurde R. an die höchste militärische Lehranstalt, an die k. k. Kriegsschule des Generalstabes als Docent der Culturgeschichte berufen. Seine Vorträge wurden mit ungetheiltem Beifalle von den Officieren aufgenommen. Eine große Anzahl von Generalstabs-Officieren, absolvirte Kriegsschüler, höhere Officiere aller Waffengattungen suchten um die Erlaubniß an, R.’s Vorträge zu frequentiren. Der Kriegsminister Freiherr von Kuhn besuchte selbst eine Vorlesung in der Kriegsschule und beglückwünschte die Zuhörer öffentlich zu den inhaltsreichen Vorträgen ihres Lehrers. Bald darauf erfolgte R.’s Ernennung zum k. k. außerordentlichen Professor der Culturgeschichte mit den den Professoren an der Universität „zukommenden Rechten und Vortheilen“. Am 19. und 22. Jänner 1872 hielt R. zwei Vorträge über Prinz Eugen von Savoyen im Wiener Militär-Casino, über deren glänzenden Erfolg die öffentlichen Blätter Bericht erstatteten. Beide Vorträge wurden im Beisein des Reichskriegsministers Freiherrn von Kuhn, des Landescommandirenden Freiherrn von Maroičić, des Chefs des Generalstabes General-Major Gallina und der gesammten Generalität, wie sämmtlicher Officiere des Generalstabes und der Wiener Garnison abgehalten. Wohl mit Rücksicht auf diesen Erfolg wurde R. von dem militärwissenschaftlichen Vereine (in der Sitzung vom 26. Februar) und ebenso von dem Wiener Militär-Casino (in der Sitzung vom 12. Januar) einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt, und der Reichskriegsminister sprach sich in der Sitzung des Budget-Ausschusses vom 29. September 1872 öffentlich über Richter’s bildende Vorträge in der Kriegsschule aus. Im Mai desselben Jahres besuchte Unterrichtsminister Dr. von Stremayr die Wiener Handels-Akademie und wohnte der Vorlesung R.’s bei, bei welcher Gelegenheit der Unterrichtsminister demselben als Professor des Institutes seine hohe Befriedigung aussprach. Ebenso wurde seiner Lehrthätigkeit „wegen besonderer Leistungen“ in der bald darauf stattgehabten Generalversammlung öffentlich gedacht und von Freiherrn v. Schey zu Protokoll dictirt. Auf dem letzten „Congresse der deutschen Journalisten“ (29. Juli bis 1. August 1872) war Richter als Vertreter der „Neuen freien Presse“ und Nachfolger des im April verstorbenen Dr. Max Friedländer im Vorstande des Journalistentages thätig, führte das Referat über einen nach Wien zu berufenden internationalen Journalisten-Congreß, wobei sein motivirt ablehnender Antrag einstimmig angenommen wurde, er selbst auch in der Preßgesetzgebungsfrage den österreichischen Standpunct unter Beifall vertreten, zu längerer Rede das Wort ergriffen hatte und mit Acclamation in den Ausschuß gewählt wurde. Am 8. Jänner 1873 wurde R. zum k. k. o. ö. Professor mit Belassung in der Dienstesstellung an der Kriegsschule ernannt. – R. gilt als ein tüchtiger und gründlicher Kenner des Unterrichtswesens und redigirt seit 1870 auch als Redacteur das wöchentliche Fachblatt „Unterrichts-Zeitung“ der „Neuen freien Presse“. In gemeinnützigen Vereinen vielfach thätig, ist er auch mit Aerzten [53] und Lehrern der Gründer (und Präsident der constituirenden Versammlung) des „Vereines der Kinderfreunde“, ferner auch in dessen Ausschusse durch die ersten zwei Jahre thätig gewesen.

Uebersicht der literarischen Thätigkeit von H. M. K. Richter.Georg von Podiebrad’s Bestrebungen um Erlangung der deutschen Kaiserkrone und seine Beziehungen zu den deutschen Reichsfürsten“ (Wien und Leipzig 1863, literar.-artist. Anstalt) [vergl. Zarncke’s Liter. Centralblatt, Jahrg. 1863; in der Wiener allg. Literatur-Zeitung, Jahrg. 1863, Nr. 26; Sybel’s histor. Zeitschrift. Jahrg. 1864, Heft 2; im Boten für Tirol und Vorarlberg, Jahrg. 1863, Nr. 74; in Schuselka’s Reform, 2. Jahrg. Nr. 14, und Robert Prutz „Deutsches Museum. I. Quartal: „Böhmisch-deutsche Geschichte“]. – „Der Nürnberger Religionsfriede und seine Bedeutung. Der philosophischen Facultät der Universität Leipzig gewidmet von H. M. Richter“ (Eigenthum der Universität). – „Prinz Eugen von Savoyen“, in der Oesterr. Revue, 7. Band, Jahrg. 1865 [vgl. Europe, LXXIII, année, Nr. 322; Neue freie Presse, Jahrg. 1865, Nr. 453; Const. österr. Zeitung. Jahrg. 1865, Nr. 274]. – „Oesterreichische Volksschriften im siebenjährigen Kriege“, in der Oesterr. Revue, Jahrg. 1866, Heft 6 u. 7 [vgl. Const. österr. Zeitung 1866, Nr. 217, im Feuilleton; Ostdeutsche Post, XVIII. Jahrg. Nr. 190, im Feuilleton; Magazin für Literatur des Auslandes vom 19. October 1867; Histor. polit. Blätter (München 1867)]. – „Fragmente aus dem Zeitalter der Aufklärung (Gellert in Karlsbad – Gellert und LoudonLessing – Die Klotz’schen Händel – Klopstock und Joseph II.)“, in der Oesterr. Revue 1867, Heft 2, 3, 4, 5–12 [vgl. Neue freie Presse 1868, Bücher-Zeitung vom 20. März; Wiener Zeitung vom 21. Februar 1868; Wanderer vom 13. März 1867]. – „Die literarischen Zeitschriften in Oesterreich in der Theresianisch-Josephinischen Epoche“ [Monographie im Concordia-Kalender für 1868]. – „Repetitorium der Universalgeschichte von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart“ (Wien 1868, Verlag von C. Gerold’s Sohn; zweite verm. Aufl. ebd. 1872, 8°.); dieses gute Hilfsbuch fand auch im Auslande eine sehr beifällige Aufnahme; seine Einführung in den deutschen Schulen der Ostsee-Provinzen Rußlands wurde durch die kaiserl. russische Unterrichtsbehörde verboten [Wiener Zeitung vom 19. Jänner 1869, Nr. 14; Presse vom 25. Jänner 1868; Neue freie Presse vom 20. Februar 1869, Abendbl.). – „Oesterreichische Volksschriften und Volkslieder im siebenjährigen Kriege, Beiträge zur Geschichte der polit. Literatur im 18. Jahrhundert“ (Wien 1869, Druck und Verlag von Carl Gerold’s Sohn) [vgl. Die Zukunft (Berlin, gegr. von Joh. Jacoby), III. Jahrg. Nr. 4 vom 6. Jänner 1869; Debatte vom 6. Jänner 1869; Neue freie Presse. Feuilleton vom 12. December 1868; Vossische Zeitung. Art., von Dr. Heinr. Pröhle vom 12. Februar 1870; Augsburger Allgem. Zeitung vom 9. November 1869, Beilage, und vom 16. Februar 1871]. – „Franz Hauke, ein Nachruf“ (Wien 1871, Selbstverlag der Wiener Handelsakademie), ursprünglich im Jahresberichte der Wiener Handelsakademie. – „Prinz Eugen von Savoyen. Zwei Vorträge, gehalten im Wiener Militär-Casino“ (Wien 1872, Alfred Hölder (Beck’sche Universitäts-Buchhandlg.) [vgl. Neue freie Presse vom 7. September 1872; Augsb. Allg. Zeitung vom 12. August 1872; Oesterr. Wochenschrift für Wissenschaft und Kunst, Heft 29 vom 14. Juli 1872]. – „Die Entwickelung des kaufmännischen Unterrichts in Oesterreich nebst einer documentarischen Geschichte der Wiener Handelsakademie“ (Wien 1873, Fr. Beck, gr. 8°, mit Plänen).
Die publicistischen Arbeiten R.’s sind fast ausschließlich in den Spalten der Neuen freien Presse erschienen. Der Zeit nach ist seine Thätigkeit von dem Zeitpuncte der Gründung dieses großen Unternehmens zu bemessen, wiewohl in dem Zeitraume von 1864 bis 1867 die Zahl seiner literarischen und historischen Aufsätze die der politischen überwiegt, während von 1867 bis 1872 seine Thätigkeit fast ausschließlich dem Leitartikel gehört. Bei dem Umstande, daß die letzteren anonym erscheinen, läßt sich nur constatiren, daß R. sowohl auf dem Felde der inneren wie auch auf dem der äußeren Politik literarisch thätig ist. Große zusammenfassende Artikel, Programmartikel, Jahres-Revuen, verfassungsrechtliche Controversen, kirchenrechtliche und kirchenhistorische Abhandlungen, denen ein bedeutendes historisches und staatsrechtliches [54] Material, ein festes, von den sonstigen, für den Tag bestimmten Artikeln unterschiedenes Gepräge eigen ist, sind zahlreich aus seiner Feder geflossen. Leichter lassen sich die in geringer Zahl in der Neuen freien Presse erschienenen Feuilletons aufzählen, von denen der größere Theil wissenschaftlich-historischen Inhalts und in vielen deutschen Journalen nachgedruckt wurde, und zwar aus dem Jahre 1865: „Im Schlosse zu Weimar“ (Nr. 307); – „Friedrich der Große als Pamphletist“ (Nr. 341); – aus dem Jahre 1866: „Vier Testamente“ (Nr. 671); – „Vornehme Zeitungsschreiber“ (Nr. 727); – „Treitschke’s Annexions-Predigt“ (Nr. 739); – „Ein Jesuiten-Zögling“ (Nr. 803, confiscirt; erste Beschlagnahme der Neuen freien Presse, in erster Instanz freigegeben, in zweiter verurtheilt); – „Zur Geschichte der Zeitungs-Confiscationen“ (Nr. 810); – aus dem Jahre 1867: „Friedrich von der Trenk“ (Nr. 907); – „Mina von Barnhelm, zum 100jährigen Jubiläum“ (Nr. 933, Abendblatt, Theater-Zeitung); – „Ferd. Freiligrath“ (Nr. 966) [leitete die Sammlungen für den Dichter ein; abgedruckt in vielen deutschen Journalen, u. a. in der Augsburger Allg. Zeitung vom 29. Mai 1867, im Nürnberger Correspondenten vom 12. Mai u. s. w.); – „Der Magister mit der eisernen Stirne“ (Nr. 971); – „Barbara von Brandenburg“ (Nr. 1028); – „Aus der österreichischen Adelsgesellschaft des 18. Jahrhunderts“ (Nr. 1166); – „Aus Sonnenfels’ letzten Lebensjahren“ (Nr. 1195); – aus dem Jahre 1868: „Aus dem Hofleben Franz’ I.“ (handschriftliche Mittheilungen, Nr. 1405 u. 1406); – „Der Philosophen-Congreß in Prag“ (Nr. 1439); – aus dem J. 1869: „Lessing’s Jugendliebe“ (Nr. 1580); – „Lessing und Sonnenfels“ (Nr. 1651); – „Wenzel Lobkowitz“ (Nr. 1716); – „Emilia Galotti“ (Nr. 1746); – aus dem J. 1870: „Zur Gentz-Literatur“ (Nr. 2040); – „Schriften der Miß Sarah“ (Nr. 2062); – „Miß Sarah Sampson“ (Nr. 2065); – „Frankreich und die Franzosen“ (Nr. 2172); – „Meran“ (Nr. 2210); – „Ein „Vorwort“ von Gervinus“ (Nr. 2266); – „Zur Geschichte des Klosterwesens unter Joseph II.“ (Nr. 2277); – aus dem Jahre 1871: „Aus dem Heroenzeitalter des Parlamentarismus“ (Nr. 2412); – „Der böse Traum eines österreichischen Patrioten“ (Nr. 2423); – „Die Schicksale der Tuillerien“ (Nr. 2424) [vielfach nachgedruckt: in Ueber Land und Meer gleichfalls und mit einer Illustration]; – „Ein entdeckter Staatsmann“, unter dem Pseudonym Philo-Junius (Nr. 2432); – „Die Aula“ (Nr. 25368); – „Talleyrand“ (Nr. 2616); – „Ein Brief aus dem Jahre 1809“ (Nr. 2660); – aus d. J. 1872: „Ein gutes Buch von Kaiser Franz“, unter d. Pseudonym Philo-Junius (Nr. 2720); – „Zur 400jährigen Jubelfeier der Münchener Universität“ (Nr. 2850); – „Der alte und der neue Glaube“ (Nr. 2940). – Außerdem zahlreiche einzelne Artikel in Brockhaus’ Ergänzungsband zum Conversations-Lexikon, in der Wiener Zeitung und in der Oesterr. Wochenschrift (1. Folge), in der Augsburger Allgemeinen Zeitung und in Fachzeitschriften. – Aus seinen in der „Neuen, freien Presse“ publicirten Lessing-Collectaneen ist wohl bald ein Buch über Lessing zu erwarten, wie denn überhaupt seine (zum Theile in der Neuen freien Presse erschienenen) culturhistorischen Aufsätze eine Geschichte des deutschen Geisteslebens in Oesterreich als sein nächstes literarisches Ziel vermuthen lassen, von dem er zeitweilig durch Bearbeitungen der gesammelten Wallenstein-Acten und der öfters ausgesprochenen und auch wohl verfolgten Neigung zur Abfassung einer Geschichte der Gegenreformation ferngehalten wird.
Zur Biographie von H. M. A. Richter. Klagenfurter Zeitung 1867, Nr. 201, 202, 204 u. 206 [Bericht über die enthusiastische Aufnahme, welche R. in Kärnthen gefunden, und über seine damals gehaltenen öffentlichen Vorträge]. – Neues Wiener Tagblatt vom 3. August 1868 [über Richter’s in den Sperlsälen gehaltene Rede, die Stellung Oesterreichs zu Deutschland betreffend]. – Pester Lloyd, Abendblatt vom 13. November 1868, Nr. 262 [über Richter’s bei dem Laube-Bankette gehaltene Rede]. – Streffleur, Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, gr. 8°.) XIII. Jahrg. (1872), Bd. I, S. 246 [über Richter’s gehaltvolle Vorträge in der Kriegsschule]. – Neue freie Presse 1872, Nr. 2010: Correspondenz aus Pesth [Ausspruch des Reichskriegs-Ministers Freiherrn von Kuhn über Richter’s Vorträge in der Kriegsschule]; – dieselbe 1873, Nummern vom 12. und 15. Jänner, in der Rubrik: „Militär-wissenschaftlicher Verein“.