Drei Bücher von der Kirche/II. Von den Kirchen

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II.
Von den Kirchen.




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1. Die sichtbare Kirche ist überall, wo es Berufung und Berufene gibt.


 Da die sichtbare Kirche eine Versammlung von Berufenen ist, so muß man zugestehen, daß sie überall ist, wo Gottes Berufung erschallt und wo es deshalb Berufene in dem obenangegebenen Sinne gibt.

 Philipp Nicolai, der Sänger des köstlichen Liedes: „Wie schön leucht uns der Morgenstern“ etc., zugleich aber auch einer der gefürchtetsten Kämpfer für die evangelische Kirche gegen allerlei Irrlehren, hat ein Buch über das Reich Gottes geschrieben. Der Inhalt dieses Buches, so weit er historisch oder geographisch ist, möchte, so überraschend er auch in gewisser Beziehung ist, doch für unsre Zeiten nicht ausreichen; aber aus diesem Buche des strengen Lutheraners können wir vielleicht recht deutlich zeigen, in welchem Sinne wir die sichtbare Kirche überall erkennen müßen, wo es Berufung und Berufene gibt. Nicolai schildert im ersten Theile des genannten Buches die Ausbreitung des Christenthums über die Erde hin. Er führt den Leser vom hohen Norden aus in alle Lande. Grönland, Island, Lappland, die orchadischen, shetländischen, Faröer-Inseln, die russischen, die der Gewalt der Türken unterworfenen Lande, Arabien, Persien, Indien, China etc., Africa, America werden durchwandert. Ueberall wird der Zustand des Christenthums erforscht und die Missionen der Römer und ihrer Jesuiten werden besprochen. Und zwar geschieht das alles mit so viel Anerkennung und mit einer so unverholenen Freude an dem Guten, was etwa gesagt werden kann und darf, daß man nur nicht gleich begreift, wie der | strenge Lutheraner, der Streitheld seines Heeres, zu einer so neid- und harmlosen Freude und zu einer so großen Mildigkeit gegen Leute kommt, die er sonst als Feinde erkennt, gegen welche die Spitze vorzukehren sei. Am Ende des ersten Theils gibt er selbst Aufschluß. Er preist Gott, daß der Name Christi überall bekannt sei. Es werde freilich oft genug der gute Same unter vielen schlechten gemischt und so ausgestreut; aber er komme doch auch mit hinaus, und in den Missionen trete sogar bei Römern und Jesuiten mehr die Begier, Seelen zu erretten, hervor und sie predigten da oft der Wahrheit so nahe, und befolgten zuweilen eine so evangelische Weise, daß man sie in der Heimat dafür verketzern würde. Im Gewirre menschlicher Entstellungen gebe es doch überall noch Stücken Wahrheit, deren heller Glanz einfältige Seelen zum ewigen Leben erleuchten könne. Ueberall gebe es noch die Taufe, durch welche viele Tausende von Kindern, die in der Jugend sterben, Erben des ewigen Lebens würden, – überall noch die zehen Gebote, den Glauben, das Vater unser, die Psalmen, so manch andres Stück der h. Schrift etc. Dazu seien die Ohren der Hörer oft reiner, als die Lippen der Lehrer, und kurz, es sei doch in den meisten Kirchengesellschaften noch möglich, selig zu werden. Hoffnungslos sei keine Gegend, in welcher irgend eine der christlichen Gemeinschaften herberge.
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 Aus diesen Urtheilen erscheint nicht blos die große Mildigkeit und Gerechtigkeit unsers Standpunktes, sondern auch, welch ein weiter Begriff der sichtbaren Kirche unter uns angenommen sei. In diesem Sinne beantwortet Johannes Gerhard (LL. XXIII. C. VI. S. II.) sogar die Frage: „Ob die Ketzer zur Kirche gehören?“ mit einem Ja. Er behauptet es in einem gewissen Maße sogar von den hartnäckigen Ketzern. Selbst diese behielten oft etwas von der Kirche, nämlich die Taufe und irgend ein unverderbtes Stück des göttlichen Wortes. Man müße das Köstliche von dem Geringen, das Gold von den Stoppeln scheiden, dann bleibe es wahr, daß sogar durch das verderbte Predigtamt der Ketzer Gott, dem HErrn, Söhne und Töchter erzeugt würden (Ezech. 16, 20. 23, 37.). Bei den Ketzern sei die Bekehrung durch Wort und Taufe nicht dem Sauerteige ihrer Meinungen, | sondern dem Worte selber zuzuschreiben, welches gelesen werde, und der Taufe, welche wirksam bleibe, wofern nur die Form der Einsetzung gemäß sei und die Irrlehre nicht eben die Substantialien dieses Sacraments betreffe. Deshalb sage auch Augustinus, man könne behaupten, daß die Ketzer selbst nach ihrer Trennung von der Kirche noch zur Kirche gehören, wegen der Sacramente, die sie etwa noch richtig verwalten.
(„Denique etiam pertinaces haeretici quandoque retinent aliquid ecclesiae, videlicet sacramentum baptismi et partem quandam verbi incorruptam, unde etiam per haereticum et corruptum ministerium Deo generantur filii et filiae (Ezech. 16, 20 & 23, 37.), ubi pretiosum a vili, aurum a scoriis, divinum ab humano accurate discernendum. Conversio hominum per verbum ac regeneratio per baptismum in coetu haereticorum non est tribuenda opinionum haereticarum fermento, sed ipsi verbo, quod ex libris biblicis praelegitur, et baptismo, qui efficax est, etiamsi per haereticos administretur, modo institutionis formam observent, de substantialibus hujus sacramenti recte sentiant. Inde Augustinus lib. III. de bapt. c. 19. disputat, posse dici, haereticos esse adhuc aliquo modo in ecclesia, etiam postquam ab ea exierunt, propter sacramentorum administrationem, quia etiam ipsi quaedam sacramenta vere administrant.“ §. LIX, V.)

 Man könnte vielleicht ein Bedenken erheben und sagen: „Ist es möglich, daß man durch das Wenige selig werde, was manche Kirchengemeinschaft von der Wahrheit noch übrig hat?“ Aber für’s erste ist es unbestritten, daß viele Tausende von Kindern durch die Taufe bei frühem Tode selig werden. Und was die Erwachsenen anlangt, so würden überall nur wenige selig werden, wenn die Seligkeit von einem Ergreifen der vollkommenen Wahrheit abhienge, wenn es nicht möglich wäre, bei minderer Erkenntnis durch Stücke der Wahrheit selig zu werden.

 Nimm irgend eine Gemeinde, und denke dir, du seiest ihr zum Pfarrer verordnet. Setze den Fall, du würdest zum Krankenbette eines Menschen gerufen, welcher niemals im Leben des göttlichen Wortes | geachtet hätte, nun aber voll Verlangens wäre, selig zu werden. Du selbst wünschtest ihn durch dein Amt zur Seligkeit zu fördern. Was thätest du? Würdest du nun anfangen, die ganze Glaubenslehre vor des Kranken Ohren zu entwickeln? Würdest du auf vollständiges Lernen und Erkennen dringen? Du hättest ja keine Zeit und der Kranke weder Zeit, noch Kraft. Du würdest mit Nicolaus Hunnius in seiner Epitome credendorum p. 225 den Grundsatz festhalten: „Das Wort, aus welchem der Glaube ohne Mittel entspringt, ist die Lehre von der allgemeinen Gnade Gottes und dem allgemeinen Verdienst des HErrn Christi“; du würdest also diese Lehre predigen, Buße und Evangelium würdest du predigen. Und wenn es dir gelänge, deinen Kranken zur Erkenntnis der Sünde und zum Verlangen nach dem Heile Gottes in Christo, ich will gar nicht sagen: „zum Vertrauen auf Christi Verdienst“ zubringen, – und er stürbe dir in solchem Zustande; so würdest du hoffnungsvoll in die Hände klatschen und ihn selig preisen. Und was hätte ihn dann selig gemacht? Ein Tropfen Wahrheit, ein wenig Buße, ein wenig Zuflucht zu dem, der des Tropfens Quelle und eine Fülle aller armen, verlangenden Seelen ist. – So werden also auch in der Kirche, welcher du angehörst, manche, oder ists unrecht, zu sagen: „die allermeisten“ durch Stücke der Wahrheit selig. Denn auch die vollkommenste Erkenntnis auf Erden ist doch nur Stückwerk. – Nun sind es, Gott Lob! noch Hauptstücke der Wahrheit, welche auch sonst verderbten Kirchengemeinschaften übrig sind: das Gesetz, der Glaube, das Vater unser, die Taufe, die Absolution, das h. Mahl, so manch edles Stück der h. Schrift etc. finden sich hie und da, und ebendamit die Möglichkeit, zur Buße und zum seligmachenden Glauben zu gelangen. Der Geist des HErrn ist ja allmächtig; sollte es Ihm unmöglich sein, den von Ihm beabsichtigten Eindruck der Gebote, des Glaubens, der übrigen unverderbten Stücke aus Gottes Wort, den Segen der Taufe, die Erhörung des Vaterunsers zu erreichen? Schwer ist es, im Nebel fremder Gemeinschaften den Weg zum Leben zu finden; aber möglich bleibts doch und Beispiele und Belege dazu aus der Geschichte der Völker und Seelen wird der jüngste Tag genug liefern. | Muß man aber das zugestehen, so gibt man ja zu, daß die unsichtbare Kirche, die Kirche der Auserwählten in fremden Kirchengemeinschaften Glieder zähle. Warum wollte man nicht das Geringere zugestehen, ohne welches dies Größere nicht stattfinden könnte, daß es in ihnen Berufene gebe, daß die sichtbare Kirche also auch sie umfaße, – daß sie mit Einem Worte überall sei, wo es Berufung gibt und Berufene geben kann.

 Man verkümmere sich den Gedanken der Kirche nicht und laße gelten, was gilt. Ecclesia catholica est temporalibus aeterna, locis infinita, personis innumera! (Tertull.)




Anhang zu 1.
Ende des ersten Capitels aus Ph. Nicolai’s „Historie des Reichs Christi“.
Nach der Verdeutschung des M. Gotthard Artus. 1628.

 – – „Dieses, was bisher von Zunehmung und Fortpflanzung der Kirchen oder des Reichs Christi in der ganzen weiten Welt kürzlich angezeigt ist, wird, wie ich hoffe, allen gottseligen frommen Christen zu lesen lieb und angenehm sein. Denn daher können sie schließen und urtheilen von der Weite und Größe des Reiches Christi und zugleich auch abnehmen, spüren und merken, wie in der ganzen Welt keine Landschaft, Insel, Königreich oder Volk zu finden, Gott gebe wo man sich hinwendet, dahin die christliche Religion nicht wäre erschollen.“

 „Sonderlich aber ist sich wohl zu verwundern, daß in den dreien sehr großen und mächtigen Königreichen der Mohren, Spanier und Moscowiter die christl. Religion öffentlich in vollem Schwange geht, und alle heidnische Abgötterei abgethan ist; die andern Königreiche, ob sie wohl nicht so weit und groß sein, gehören sie doch entweder ganz und gar zum Reich Christi, oder sind zum wenigsten etliche Kirchen in denselben zu finden.“

 „Es möchte aber Jemand fragen, ob ich das Papstthum in Spanien für eine Zunehmung der christl. Religion hielte, und die Lehre der Mohren und Moscowiter, so mit vielem Irrtum befleckt ist, das Reich Christi nennen wollte? Darauf antworte ich, daß man müße unterscheiden | zwischen den von Gott befohlenen und verordneten Mitteln, so zu Fortpflanzung des Reiches Christi gehören, und den zufälligen Irrtümern, so von den Menschen daran geflickt werden. Die h. Schrift, zehen Gebote, Vaterunser, Sacrament, Taufe und Abendmahl sind die Mittel, durch welcher Dispensation die Kirche gepflanzt und vermehrt wird. Diese Mittel nun werden darum nicht anders, ob sie wol von gottlosen und mit vielem Irrtum befleckten Personen administrirt werden; sondern sie bleiben Instrumente des Lebens, durch welche vieler Menschen Herzen vom Geist Gottes gerühret, gezogen und bekehrt werden, unangesehen, daß die Lehrer bös und verkehret sein.“

 „Bileam und Judas haben können Gottes Wort lehren und andern Leuten den Weg zeigen, den sie selbst verlaßen und nicht geachtet haben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, so auf Mosis Stuhl geseßen, haben dem Volk die Schriften der Propheten können vorlesen und erklären, also daß auch Christus sie zu hören und ihrer Lehre zu folgen befiehlt, ob sie wohl selbst Gottes Wort verachteten.“

 „Ja es klagt auch der Apostel Paulus ausdrücklich, daß Etliche Christum verkündigen aus Zank und nicht lauter, etliche auch aus gefaßtem Haß und Feindschaft wider Paulum; aber er sagt daneben, daß er sich freue und freuen wolle, wenn nur Christus verkündigt werde, es geschehe gleich auf waserlei Weise es wolle. Und der Sohn Gottes selbst läßt den falschen Propheten zu, daß sie in dem Namen Christi weißagen, Teufel austreiben und viel Thaten thun können, Matth. 7.“

 „Eben auf diese Weise die Jesuiter und Päpstler, ob sie wohl voll sind aller abscheulichen Gräuel, können sie doch mit Aussähung Gottes Worts, in den Artikeln des christlichen Glaubens verfaßet, und mit fleißiger Uebung der zehen Gebot und Vaterunsers, neben Verrichtung der h. Taufe die christliche Kirche, gleichwie die Bileamiter, im Namen Gottes bei den Indianern und Amerikanern bauen, die Götzen abthun, die Teufel austreiben und große Thaten thun, sonderlich weil sie die Bekehrung der abgöttischen Völker, wie droben ihre angezogenen Worte bedeuten, mit ihrer Lehre von Gott, von | der Schöpfung, vom Fall des Menschen und desselben Erlösung durch Christum anfangen, und ist kein Zweifel, daß, gleichwie vor Zeiten in dem Papsttum Gott der Herr seine Kirche wunderbarlich gesammelt und erhalten, er also heut zu Tage auch in India und Amerika durch Wirkung des h. Geistes vieler Herzen mit seinem Wort erleuchte, daß sie in Einfältigkeit des Glaubens selig werden.

 „Aus diesem Unterschied würde die Frage recht erörtert, und sage ich auch aus diesem Fundament, daß man die Kirchen in Amerika, India, Europa, Afrika u. s. w. unter der Spanier, Moscowiter oder Mohren König gelegen, in welchen Jesuiter, Mönche oder andere Ketzer predigen, nicht schätzen soll nach der Jesuiter, Mönche oder ketzerischen Prediger äußerlichen Sitten und angenommener Heiligkeit, sondern nach den Artikeln des christlichen Glaubens, nach dem Buchstaben göttlichen Worts, und nach den Sacramenten der Taufe und h. Abendmahls; denn wo dieselben im Schwang gehen, da soll man nicht auf der Personen äußerlichen Sitten und Irrtum, sondern allein auf die verordneten Mittel, so zur Erbauung des Reiches Christi verordnet sein, sehen. Jedoch ist es nicht ohne, wo das Wort Gottes und die h. Sakramente durch unreine Lehrer, als Jesuiter, Pfaffen und Mönche verwaltet werden, daß allda die himmlischen Perlen zwar fürgetragen werden, aber in befleckten unsaubern Gefäßen, und ist zwar das Reich Christi daselbst nach den äußerlichen Kennzeichen noch zu finden, aber in dicken Nebeln und Schatten, ja mit schwerem Joch und großer Last menschlicher Gesetze beschwert und beladen. Es sind aber doch noch daselbst vorhanden die himmlischen Perlen, die Stimme des Bräutigams und der Braut oder die christliche Kirche, also daß auch unser Herr und Heiland Jesus Christus noch mitten unter seines Feinden herrschet, und ihm allezeit sieben Tausend behält, die ihre Knie vor dem Baal nicht biegen.“

 „Wolan, damit wir dies erste Capitel beschließen, kann der | gottselige Leser nicht wenig der Gewisheit christlicher Lehre versichert werden, wenn er aus diesem allen fleißig betrachtet, wie einen geringen, unansehnlichen Anfang das Reich und Kirche des Herrn Christi gehabt, und wie wunderbarlich dasselbe aufgestiegen und zugenommen habe, also, daß es nunmehr die allergrößesten und weitesten Königreiche übertrifft, sintemal es in alle Ende der Welt sich erstreckt. Die römische Monarchie war in großem Ansehen zur Zeit der Geburt Christi, hergegen war damals die christliche Kirche sehr geringe und unansehnlich, ja es hatten die Jüden keine Ruhe, bis sie den König dieses Reichs ans Kreuz brachten und jämmerlich hinrichteten, daß sichs ansehen ließ, als wäre es um das Christentum nunmehr ganz und gar geschehen: Und wenn zu derselbigen Zeit einer den Römern geweißagt hätte, daß ihr Reich abnehmen und vergehen, hergegen aber das Reich dieses Gekreuzigten Jesu von Nazareth also zunehmen sollte, daß es sich über die ganze Welt erstrecken würde, hätte man gewis denselben als einen aufrührerischen Menschen übel empfangen, oder zum wenigsten als einen närrischen Abenteuerer verachtet und verlacht.“
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 „Und zwar kann man nicht läugnen, wie es denn auch der Prophet Jesaias bezeugt, daß dieser Jesus gar unansehnlich und verächtlich gewesen, da er auf einem entlehneten Esel einhergeritten und sein Reich mit großer Marter und bittern Leiden angefangen hat. Ein gering, verächtlich Volk war es auch, das damalen ihm entgegen kam, und das Hosianna ihm zu Ehren sang. Die Andern, so im großen Ansehen waren, verlachten ihn, setzten ihm eine Dornenkrone auf, und trieben ihr Gespött mit ihm bis in den Tod; so haben auch die zwölf Apostel als Fürsten dieses Reichs des bittern herben Trunks aus diesem Kelch nicht können überhoben sein, sondern haben mit ihrem Blut den Anfang dieses Reichs müßen bestätigen. Aber siehe, die ganze Herrlichkeit der vierten Monarchie ist fast dahin; es ist auch der Parther Macht, so damals mit den Römern im Streit lagen, gefallen, und alle Monarchien sind in kleine Königreiche und geringe Herrschaften verwandelt worden; zudem werden noch täglich alle Land’, Städt’ und Flecken durch Krieg und Aufruhr, durch Rauben, Stehlen und Blutvergießen sehr | geschmälert, und ist nie keine Herrschaft so beständig gewesen, die durch Menschengewalt nicht wäre zerstöret und verwüstet worden. Unterdes ist wider alle Vernunft, Hoffnung, Gedanken und Verstand dies unansehnliche und geringe Reich, welches aus Sion kommen, so groß worden, daß es alle Reiche der Erden unter sich bracht hat.“


2. Sie theilt sich in viele Particularkirchen, unter denen eine den Vorzug vor den andern haben muß.


 Die sichtbare Kirche, welche über die Erde hin verbreitet ist, zerfällt in eine Menge einzelner Particularkirchen, deren jede wieder ihren eigenen Unterscheidungsnamen hat. Da nun diese Particularkirchen meistentheils in gewissen Hauptlehren übereinstimmen, auch die Taufe bei den meisten richtig verwaltet wird; so könnte man sich aus dem vorigen Capitel die Ueberzeugung zu bilden versuchen, daß es gleich viel sei, welcher von ihnen man angehöre. Allein man schließe nicht zu voreilig. Es ist zugegeben worden und wird wiederholt zugegeben, daß man anderwärts selig werden könne, weil die himmlische Berufung und Stücke der Wahrheit sich in den meisten Particularkirchen finden. Aber indem die Seligkeit auf Stücke der Wahrheit gegründet wird, welche unter Stücken von Finsternis und Lüge leuchten oder aber gar unter ihnen verborgen sind; ist anderer Seits auch eine andre Möglichkeit nahe gelegt, nämlich die traurige Möglichkeit, verloren zu gehen. Oder ist das Menschenherz empfänglicher für die Wahrheit, als für die Lüge? Was dringt, zumal unter dem Scheine der Religion, leichter ein, als der Wahn, der den alten Menschen nicht kränkt, noch ertödet, sondern im Gegentheil ihm schmeichelt und ihn nährt? Es dürfte eine Particularkirche schon viel mehr Wahrheit haben, als Irrtum und Lüge; so würde doch Irrtum und Lüge im natürlichen Verderben des Herzens einen Bundesgenoßen finden, vor welchem man erschrecken dürfte. Und wenn nun erst viele Lüge und viel Irrtum in einer Particularkirche herrschte; so dürfte wohl die Möglichkeit, verloren zu gehen, zur Wahrscheinlichkeit werden. Wir erinnern an die oben ausgesprochene | Erfahrung, daß auch in reinen Gemeinden und beim Scheine voller Wahrheit gar mancher sein Leben lang so dahin lebt, daß er nur durch die Gnade der Seelsorge am Sterbebette errettet wird. Und wir fügen bei, was oben beizufügen der Ort nicht war, daß viele auch durch diese letzte Gnade nicht errettet werden, daß man also beim Scheine der vollen gnadenreichen Wahrheit doch verloren gehen könne. Es ist ein Hartes, nur durch göttliche Kräfte Mögliches, bei der reinen Lehre selig zu werden. Wie viel schwerer wird es sein, bei untermengtem Irrtum selig zu werden! Die Liebe, die alles hofft, hofft gerne, daß die Taufe und die Stücke der Wahrheit auch die Angehörigen unreiner Particularkirchen hindurchreißen werden zum ewigen Leben; aber das ist eine Hoffnung, welche übrig bleibt, wenn alles andere zerrinnt. Je näher man einem Menschen steht, desto mehr wünscht man ihm, daß er die volle Wahrheit und die ganze Fülle der von Gott geschenkten Gnadenmittel besitzen und so leichteren Schrittes zum ewigen Leben kommen möge. Was man aber andern wünscht, muß man sich selbst ohne Zweifel auch wünschen. Denn es ist doch kein Leichtsinn größer und schwerer zu verantworten, als der, welcher das ewige Heil betrifft. Darum ist nur zur Vermeidung alles vorwitzigen Gerichts, nicht aber zur Begünstigung eines unverantwortlichen Indifferentismus in Sachen ewiger Wahrheit und Seligkeit anzuwenden, was im vorigen Capitel gesagt ist.
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 Wenn die Unterschiede der verschiedenen Particularkirchen nur in äußerlichen Dingen bestünden, z. B. in liturgischen Formen und Formeln, in Kleidung etc.; so könnte man sie über dem Gemeinsamen, das etwa da wäre, übersehen und einen jeden seines Gefallens (denn „seines Glaubens“ könnte man dann nicht sagen) leben laßen. Aber nun ist dem nicht so, sondern was sie scheidet, das sind Lehren, Auffaßungen göttlicher Wahrheit. Sie lehren verschieden – und das macht bedenklich! Denn wenn es schon überhaupt unmöglich ist, daß zwei verschiedene, über Eine Sache abgegebene Urtheile zugleich richtig sein können; so ist es insonderheit für unmöglich zuhalten, daß Ein göttliches Wort zwei zugleich richtige Deutungen empfange. Nur | eine kann richtig sein. Wer die falsche hat, ist in einer größeren Gefahr, als wer mit Feuer und Schießgewehr spielt. Denn falsche Lehre erzeugt falsche Grundsätze, damit falsches Leben, d. i. Sünde; die Sünde aber ist ein Feuer, welches nur Verrückte im Busen tragen und heiler Haut bleiben zu können behaupten. – Dazu läßt sich vornherein schließen, daß sich ganze Particularkirchen nicht eben auf geringfügige Unterschiede werden separat gegründet haben. Die Menschen entzweien sich zwar häufig über Kleinigkeiten; aber in der Religion gibt es ohnehin keine Kleinigkeit, und wo es religiöse Unterscheidungen und Sonderungen gilt, pflegt man nicht eben leichtsinnig zu sein. Zwar gibt es in England und Nordamerica Secten, die sich allerdings nur durch Kleinigkeiten auszeichnen; allein sie sind ephemerisch, kommen und gehen, kennen oft keine Wahrheit, als die, durch welche sie besonders geworden sind; von ihnen reden wir nicht. Aber wir weisen auf die größeren Particularkirchen, z. B. auf die römische, orientalische, reformirte, lutherische etc. Es sind mit nichten Kleinigkeiten, wodurch diese sich von einander unterscheiden, und die Artikel, um und über die sie streiten, sind wahrhaftig des Streites werth. Sich über diese Unterschiede wegsetzen zu wollen, ist das Beginnen entweder des groben Unverstands, oder der Trägheit, oder eines Dünkels, der das liebe Ich vergöttert.

 Ueberblickt man nun die Zahl der verschiedenen Particularkirchen, so ist schon aus dem bisher Gesagten klar, daß nicht alle die Wahrheit haben können, d. i. die volle, harmonische Wahrheit. In diesem Fall würden die Schranken längst gefallen sein – vermöge der Kraft der gemeinsamen Wahrheit. Nicht einmal zwei können zugleich die Wahrheit haben, sonst würden sie nicht streiten. Es bleiben deshalb nur zwei Urtheile übrig. Nämlich: entweder hat gar keine die volle Wahrheit, oder von allen eine.

 Zu welchem Urtheil willst du dich nun bekennen. Sagst du: es ist ein großer Hochmut, einer vor allen die Palme zu reichen; so antworte ich: das muß nicht sein, und ob es wäre, so ist es doch ein ungleich größerer Hochmut, gar keiner die Wahrheit zuzusprechen. | Denn wer einer Particularkirche das Recht zuspricht, erkennt doch, daß noch jemand außer ihm ein richtiges Urtheil fällte, er steht doch nicht gar allein im angemaßten Rechte. Hingegen wer gar keiner Partei Recht gibt, nimmt für sich allein das Recht in Anspruch, schilt alle andern – und überdieß Gott, der in der ganzen Geschichte nicht Eine reine Kirchengemeinde gesammelt, das heißt am Ende seine Wahrheit nicht geoffenbart hätte; denn wenn Er sie wirklich geoffenbart hätte, würde sie doch auch Bekenner und eine Kirche gefunden haben? Es könnte jemand den Einwurf machen: Ich läugne nicht das Dasein der Wahrheit, aber ich glaube, daß eine jede Kirchengemeinde oder Particularkirche ihr Kleinod habe, daß keine einzige die ganze und volle Wahrheit besitze. Aber auch diese Behauptung ist entweder eine Ausgeburt des Hochmuts, wenn sich nämlich der, welcher sie thut, ein so vor allen Menschen erleuchtetes Urtheil zuspricht, daß er und er zuerst und am Ende er allein zu sagen wußte, was in allen Particularkirchen Wahrheit sei; oder aber sie ermangelt der Bestätigung der Geschichte. Hast du die Glieder des zertheilten Poeten gefunden, wol, so ist dir auch gegeben, sie zu vereinen und zum leuchtenden, die Welt überwindenden Bilde zusammenzubringen. Kannst du das Letztere nicht, so trügt dich dein Auge. Hervor zur Probe oder laß das Geschwätz!
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 Daß keine unter allen Particularkirchen die Wahrheit besitze, ist eine Behauptung, welche ein demütiger und nüchterner Mann nimmermehr unterschreiben wird. Fürs erste die Kirche zur Zeit der Apostel hat sie gehabt, und daß sie die ersten Jahrhunderte gleichfalls beseßen haben, ist eine Sache, welche abzuläugnen eine größere Keckheit ist, als sie zu behaupten. Sollte aber der HErr nur die erste Zeit also begnadigt haben und uns arme Spätlinge in Nebel und Dunkel sehen können? Warum soll einmal Eine reine Kirche haben bestehen können, und hernachmals nicht mehr? Ist doch der Mensch nicht schlechter, die Schrift nicht dunkler, die Kraft des heil. Geistes nicht schwächer geworden? Soll doch allezeit Eine heilige christliche Kirche auf Erden sein! Hat sie doch ewige Verheißungen! Ist doch in jedem Kreiße ein Theil der Kreißfläche dem Mittelpunkte näher, als | der andere, – und in jedem Kreiße ein Mittelpunkt! Warum soll denn von den verschiedenen Particularkirchen nicht eine dem Mittelpunkte näher sein, als die andere? Warum soll denn dieser Kreiß ohne Mittelpunkt sein? Warum nicht unter den Kirchen eine, auf welche, weil sie die Wahrheit am treusten umfaßt, die Verheißungen des HErrn mehr, als auf andere paßen? – Daß jede Particularkirche einen Flecken, jede ein Kleinod hat, ist leicht zuzugeben; aber was ist das alles, wenn es nicht eine gibt, deren Vorzug ist Erkenntnis der vollen Wahrheit? Wenn nirgends die Wahrheiten im harmonischen Vereine glänzen, nirgends ihr Zusammenklang vernommen wird; werden auch die Stücke, die von ihr hie oder da offenbart sind, leichter verloren gehen, wird die Menschheit die einzelnen Töne des ewigen Hallelujas der Offenbarung verlieren.
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 Jedoch, ob keine, ob Eine die Wahrheit, die volle Wahrheit habe, kann nur dem zweifelhaft sein, der den Prüfstein nicht weiß und die Probe nicht gemacht hat. Wir werden den Prüfstein reichen und die Probe lehren, – und bald wird der quälende Gedanke, daß etwa nirgends die volle Wahrheit zu finden sei, vor dem Scheine der reinen Particularkirche entfliehen. Wir behaupten, ehe wir beweisen, und unsre Behauptung findet Anerkennung in den Herzen und Gewißen! Wir behaupten: eine Particularkirche hat mehr Wahrheit, als die andere, und eine unter allen hat am meisten! Es wird nicht allein unter den Kirchen der Superlativ des Gleichartigen fehlen. Es wird sein wie überall und in allem: eins verdient den Vorzug vor den andern allen. – Ja, nicht blos das! Wir behaupten mehr. Die am meisten Wahrheit hat, ist Besitzerin der vollen Wahrheit. Die volle Wahrheit ist die meiste Wahrheit; – und die meiste ist insofern die volle, als sie am leichtesten ergänzt wird. Die Particularkirche, welcher man den Preis der meisten Wahrheit zuerkennt, ist Königin unter allen, ist Kirche κατεξοχὴν, ist Braut des HErrn, ist Brunnenstube des seligmachenden Waßers, Heerd des unauslöschlichen, reinen und reinigenden Feuers! – Selbst der, welcher sagt: keine hat die volle Wahrheit, – muß einer diesen | Preis geben, diese Palme reichen, und kann es, ohne seinen Satz zu verletzen! Wie fröhlich wird er erst mit allen gelehrigeren und offeneren Herzen sein, wenn er je länger, je mehr erkennt, daß die die meiste Wahrheit hat, auch Besitzerin der vollen Wahrheit ist! Er wird gleich jenem Freunde des Bräutigams sich höchlich freuen, wenn er die Stimme des Bräutigams hören wird: „Eine ist meine Taube!“

 Jener König trank in der Wüste in brennendem Durste von unreinem Waßer, – und sein Durst wurde durch das unreine Waßer gelöscht. So darf man fröhlich behaupten, daß eine jede Particularkirche in der Wüste der Welt dem einsamen Wanderer, dem durstenden Herzen einen stillenden Trunk reichen kann. – Aber jener König würde auch in der Wüste nicht aus dem unreinen Waßer getrunken haben, wenn er eine reinere oder völlig reine Quelle daneben gefunden hätte. So sei auch du ein königlicher Mensch, der, wenn ers haben kann, mit dem reinsten Waßer, das nicht blos den Durst löscht, sondern auch unschädlich und heilsam ist, die Seele stillt, und der Particularkirche sich anschließt, die am Brunnen der Wüste unter den siebenzig Palmen herbergt und für ihr Waßer streitet. – Und jener König, wenn er eben so durstig, wie das erste mal, da er in der Wüste trank, zu einem Platze kam, wo neben einer unreinen Cisterne ein frischer Quell sprang, – trank ohne Zweifel der ersten Cisterne zu gefallen nicht abermal von der Cisterne, sondern dem Leibe zu gefallen von der Quelle. So trinkt ein Weiser, auch wenn er früher unreiner Lehre und Kirche gehuldigt hat, später seiner Seele zu gefallen lieber vom Tranke der reinen Lehre; unweise und boshaft, und weil er sich selbst Schaden thut, ein Erzbösewicht ist der, welcher, weil er einmal im Durst aus unreiner Quelle trank, aus irrem, täuschendem Dankgefühle, seiner Seele fortan ungesundes Waßer reicht. Lebendiges, quellendes Waßer beut der HErr – und seine Schafe laßen sich zum frischen Waßer leiten.

 Ja, zum frischen Waßer der Kirche, die um des Waßers willen den Namen zuerst verdient, führe uns der Hirte! – Denn es gibt eine Kirche, die alle Wahrheit hat, welche andere haben, und noch | mehr, – in der gesammelt ist, was sich anderwärts zerstreut findet. Es gibt eine, die gleich der apostolischen, allen gibt, was sie haben, von deren Besitz alles stammt, was andere haben. Es gibt Eine, – wie es allezeit Eine gab, – und geben wird! Sie ist die Schaar, welche die Lade trägt, und vor ihr schläft. Sie darbt an vielem andern, aber das kann ihr niemand nehmen, daß sie die Braut des Königs der Wahrheit ist, weil sie die volle Wahrheit besitzt! – Wir werden sie erkennen.


3. Kennzeichen der Particularkirche sind ihre Bekenntnisse.


 Unter den vielen Particularkirchen die eine kennen zu lernen, welche am meisten Wahrheit oder gar die volle Wahrheit besitze, – das ist nun unsre Absicht. Um sie kennen zu lernen, muß man zuerst nach den Kennzeichen der Particularkirchen überhaupt forschen.

 Kennzeichen eines Dings kann ohne Zweifel nichts sein, was es nicht allein und allezeit besitzt, – nichts, was es verlieren kann, ohne aufzuhören, zu sein, was es ist, – nichts, wodurch es nicht von allen andern Dingen unterschieden wird. Nun unterscheidet sich die Kirche von allen andern Gemeinschaften der Welt durch den Besitz des reinen Wortes und Sacraments, – und jede Particularkirche von den andern durch das ihr eigene Wortverständnis und die ihr eigene Sacramentsverwaltung. Gleichwie die Kirche zum Unterschied von der ganzen Welt Wort und Sacrament besitzt, so unterscheidet sich die Particularkirche durch Verständnis und Brauch des Gemeinguts aller. Gleichwie die Kirche aufhört, Kirche zu sein, so wie sie Gottes Wort und Sacrament nicht mehr hat, so hört die Particularkirche auf zu sein, was sie gewesen, wenn sie das ihr eigene Verständnis des Worts und den ihr eigenen Brauch des Sacraments verliert. Deshalb muß das unterscheidende Kennzeichen einer Particularkirche ihr Bekenntnis sein. Denn so kann man geradezu sagen, weil im Bekenntnis das Wortverständnis | und der Sacramentsgebrauch einer Particularkirche beschrieben sein muß.

 Kennzeichen der Kirche im Allgemeinen ist jeden Falls auch das, wodurch sie gegründet, gesammelt, genährt und erhalten wird. Nun ist keine Frage, daß die Kirche im Allgemeinen durch Wort und Sacrament gegründet, gesammelt, genährt und erhalten wurde und noch wird. Eben so aber ist kein Zweifel, daß eine Particularkirche durch ihr Wortverständnis und ihren Sacramentsbrauch, oder kurzweg durch ihr Bekenntnis von der andern Particularkirche getrennt, gesammelt, genährt und erhalten wird. Ihr Bekenntnis muß deshalb ihr Kennzeichen sein.

 Kennzeichen der Kirche im Allgemeinen ist ferner dasjenige, was sie selbst als ihr theuerstes Kleinod preist. Nun sind das Wort der Wahrheit und die Sacramente des HErrn je und je der Preis der Kirche vor der Welt gewesen. Und gleicher Weise rühmt sich eine jede Particularkirche ihres Wortverständnisses und Sacramentsgebrauches vor den andern. Deshalb ist ihr Wortverständnis und ihr Sacramentsgebrauch, oder mit andern Worten ihr Bekenntnis ihr theuerstes Kleinod, ihr Unterscheidungszeichen und Kennzeichen.

 Das, woran sich die Kirche gegenüber der Welt allein für gebunden erachtet, was sie selbst als Norm und Regel ihres Verhaltens bezeichnet, ist ihr Kennzeichen. Das ist aber nichts anderes, als Wort und Sacrament. Gleichwie sich aber die Kirche im Allgemeinen von der Welt durch Wort und Sacrament unterscheidet, so unterscheidet sich jede Particularkirche von den andern durch ihr Wortverständnis und ihre Sacramentsverwaltung, oder durch ihr Bekenntnis, welches von jenen beiden Rechenschaft gibt, und woran sie sich deshalb allein gebunden erachtet.

 Wenn man also eine Particularkirche kennen lernen will, so wird es immerhin ihr Bekenntnis sein, worauf man sein Auge richten muß. – Oder sollte es jemand geben, der uns den Satz anstritte, daß jede Particularkirche ihr Wortverständnis und den Brauch der Sacramente, wie sie ihn für recht erkennt, in ihrem Bekenntnis niederlegt? Wir wollen nicht hoffen. Das Bekenntnis fließt aus der | Schrift – unbestritten, und muß auch daraus fließen, wenn es irgend gelten will.


4. Kennzeichen der reinsten Particularkirche, der Kirche κατεξοχὴν, ist Schriftmäßigkeit des Bekenntnisses.


 Es handelt sich nun aber nicht sowohl darum, zu wißen, was die Kennzeichen der Particularkirchen sind; sondern die Frage ist: welches ist das Kennzeichen der Particularkirche, welche die meiste oder die volle Wahrheit besitzt? Wir antworten hierauf, ohne Widerspruch zu fürchten: Schriftmäßigkeit des Bekenntnisses ist das Zeichen derjenigen Particularkirche, welche die meiste oder die volle Wahrheit besitzt, die man deshalb die Kirche κατεξοχὴν nennen, und ihr vor allen die Verheißungen zueignen kann, welche der HErr seiner Kirche zuspricht. Wir fürchten uns nicht, daß unsre Gegner uns wegen des angegebenen Kennzeichens der Kirche Vorwürfe machen werden, welche wir nicht zu beantworten wüßten. Wir wißen zu gut, wie uneinig sie sind, wenn sie die Kennzeichen der Kirche angeben sollen und wie sie sich von Alters her widersprechen. Auch wißen wir ganz wohl, daß nicht blos die Väter der ersten Jahrhunderte, deren Zeugnis sie so gerne für sich hätten, die Schriftmäßigkeit des Bekenntnisses oder der mit dem Bekenntnisse so innig verwandten Lehre für das Kennzeichen der wahren sichtbaren Kirche halten, sondern daß auch viele von den Gegnern selbst den Vätern und damit auch uns Beifall gegeben haben.

 Aber das ist nicht zu läugnen, daß sich nicht geringe Schwierigkeiten aufzuhäufen scheinen, wenn sich nun ein Christ, namentlich ein einfältiger Laie, herbeilaßen will, unter den Bekenntnissen der verschiedenen Kirchen dasjenige herauszusuchen, welches das schriftmäßigste und damit das wahrste wäre, um hernach sich der rechten Particularkirche anschließen zu können. – „Fürs erste muß man doch, könnte einer sagen, um die rechte Kirche und ihr Bekenntnis zu finden, die Bekenntnisse aller Kirchen untereinander und jedes mit der Schrift vergleichen. | Angenommen nun, man wäre im Stande, alle Bekenntnisse entweder in Uebersetzungen oder in den Ursprachen zu lesen; so bliebe es denn doch eine sehr schwierige Sache. Sie den Laien zumuthen, hieße voraussetzen, daß das ganze Volk aus lauter fleißigen, standhaften, vorurtheilsfreien und urtheilsfähigen Gelehrten bestehe“. Es scheint wirklich, als ob die Sache über den Horizont des einfältigen Volks gehe.

 In Betracht dieser Einwendung läugnen wir nun allerdings nicht, daß es Laien gebe, welche zu einer umfaßenden Lösung dieser Aufgabe untüchtig sind. Ja, wir wollen, obschon im Begriff, die Aufgabe sehr zu ermäßigen, noch mehr zugeben, nämlich Laien, deren Gaben auch nicht zur geringsten Aufgabe eines selbständigen Vergleiches und Unterscheidens hinreichen, deren Glaube und Bekenntnis immer vom Glauben und dem Bekenntnis der Einsichtsvolleren abhängt. Diese werden deshalb eine gewisse Verantwortung und Vormundschaft von sich nimmermehr abwälzen können und ihre Aufgabe um so ernsthafter zu erledigen haben, weil sie dieselbe nicht blos für sich erledigen. – Jedoch, wir dürfen auch die Aufgabe nicht schwerer darstellen, als sie wirklich ist.

 Wäre es auch nöthig, alle und jede Bekenntnisse zu vergleichen, die es gibt oder deren man habhaft werden könnte; so darf man doch nicht vergeßen, daß alle Bekenntnisse nur Variationen über dieselben Glaubensartikel sind, daß der Verstand schon an dem Studium einiger so erstarkt, daß man für die andern rüstiger und scharfsichtiger wird. Mit manchen würde ein einigermaßen bibelfestes Volk bald zu Stande kommen und fertig werden, und die Wahl zwischen den wenigen offenbar besten Bekenntnissen würde nach den Unterscheidungslehren geschehen und beim Lichte des göttlichen Wortes so schwer nicht sein.

 Allein, es ist gar nicht nöthig, einen so weitläufigen Weg zu gehen. Vergleiche nur vor allen das Bekenntnis der Kirche, zu welcher du dich bisher selbst gehalten hast, mit dem klaren Worte Gottes. Findest du es bewährt, so ist eigentlich deine Arbeit schon geschehen; denn mehr als dem klaren Worten entsprechend kann kein Bekenntnis sein; und findest Du das Deine | entsprechend, so ist Dir schon einmal klar, daß Du bei dem Verharren bei demselben keine Seelengefahr läufst. Und damit kommt schon großer Friede.

 Man könnte freilich sagen: „Dieser Weg ist betrüglich. Man ist bei seiner Kirche aufgewachsen, hat für sie vorn herein ein gutes Vorurtheil, hat fleischliche Ursachen genug, warum man sie gerne für die rechte erkennen möchte. Und wie es dann zu gehen pflegt, wenn man etwas wünscht, so findet man am Ende auch die angeborene Kirche ganz rein und richtig.“ Allein, so scheinbar diese Einwendung ist, so ist doch im Grunde wenig genug an ihr. Was zunächst die Kinder derjenigen Kirche anlangt, welcher der Schreiber dieser Blätter angehört; so ist es nun einmal nicht wahr, daß sie ein so gar gutes Vorurtheil für ihre angeborene Kirche mitbrächten, daß sie vornherein zu ihren Gunsten blind wären. Im Gegentheil, sie ist eine Mutter, diese Kirche, deren Angesicht und Gestalt ihren eigenen Kindern so fremd, als irgend eine fremde Mutter ist; auch sind derer Legion, welche dieser ihrer Mutter zu gehorchen verachten, da sie ja des Zeitgeistes Kinder geworden sind. – Was aber die Kinder fremder Kirchen anlangt, so geht es ihnen am Ende gerade so, oder aber sie haben wirklich Vorurtheile für die angeborene Confession. Das müßten sie dann aber auch auf eigene Rechnung nehmen. Es weiß ja ein jeder, daß Vorurtheile am wenigsten dann herrschen sollen, wenn man prüfen will. Auch hat ein jeder, der das Resultat nicht schon vor der Prüfung gefaßt hat, dem es mit dem Prüfen Ernst ist, ein vorurtheilsfreies Herz. – Wiewohl man zur Prüfung manches Bekenntnisses schon irgend ein Vorurtheil mitbringen darf; es zerstiebt doch, wenn man anfängt, Gottes Wort mit dem Bekenntnis zu vergleichen.

 Was anderes wäre es, wenn die Schrift nicht klar wäre, wenn der Prüfstein nichts taugte. Aber das ist schon oben beantwortet; die Schrift ist klar; sie hängt in Glaubenssachen durchaus nicht von den Erklärungen der Gelehrten ab, sondern ihr Licht ist darin für jedermanns Auge gerade recht. Ja, wenn sie auch nicht an und für sich selbst klar wäre; so wäre sie doch klar, wenn man eine Antithesis oder eine Frage an sie stellte. Gleichwie Stahl und Stein zusammengeschlagen | den hellen Funken geben; so gibt die Schrift im Vergleich mit der menschlichen Lehre helle, lichte Funken. Sieh allein in die Bibel, so findest du vieles nicht; vergleiche aber, was sie sagt, mit dem, was andere, was Menschen über dieselbe Sache sagen, und du wirst sehen, was für ein Unterschied zwischen Gotteswort und Menschenwort ist. Der menschliche Geist ist eben so beschaffen, daß er zu purer Beschauung der Thesis nicht lebendig genug, nicht wach genug, nicht scharf, nicht klar, nicht tief genug ist. Zur Erkenntnis der Thesis ist ihm die Antithesis nöthig. Es ist darum eine, wenn auch noch so vielen beliebte, doch ausgemachte Thorheit, sich der Lehre der Gegensätze entwinden, nur thetisch lernen zu wollen. So gewis die Kirche in der Welt steht, so gewis steht sie ihr gegenüber, so gewis muß sie ihren Gegensatz faßen und begreifen. Wir wagen daher ein Wort und wollens vertreten, wenn es sein muß: „eine menschliche Lehre, den Artikel einer Confession mit betendem Geiste an die treffenden Stellen der h. Schrift halten, das ist ein neutestamentisches Gottfragen, auf welches der HErr Licht und Recht und Antwort nicht versagt,“ Wo die Schrift von dem oder jenem Punkte rede, das kann man, wenn man es nicht weiß, leicht erfragen, darüber sind alle Parteien einig. Was sie sage, das lernt man, wenn man anderes vergleicht, durch vergleichen lernt man unterscheiden.

 Wenn man nun aber auf dem Wege des Vergleichens und Unterscheidens das Bekenntnis der eigenen Kirche nicht gerechtfertigt fände? – Dann, versteht sich, müßte man sich fernere Mühe nicht verdrießen laßen, die Wahrheit und ihre Kirche zu finden. Doch ist das der Fall nicht, den wir für vorurtheilsfreie, nüchterne Kinder unserer Kirche zu fürchten hätten. Wiewol wir rathen, auch nach gefundener Kirche und Wahrheit andere Bekenntnisse an den Prüfstein des göttlichen Worts zu streichen, – um der Freude willen, die man am Besitze finden wird, um der Befestigung willen und um des Trostes willen an Gottes Wort.

 Ach, der Weg ist leicht! Er ist nur lang und schwer in der Beschreibung mancher, die ihn selber entweder nie betreten oder nie vollendet haben. Es ist durchs Leben und Erfahren schon viel Vorbereitung | geschehen. Auch sind so gar viele und schwere Punkte, auf die es ankommt, – und über alle und jede reden die Bekenntnisse deiner Kirche – und die Schrift so klar, so verständlich, so einfach!


5. Die lutherische Particularkirche hat das unterscheidende Kennzeichen schriftmäßigen Bekenntnisses.


 Bisher haben wir einen Namen nicht genannt, den Namen der sogenannt lutherischen Particularkirche. Hier sei er vorgreifend genannt, weil wir uns dadurch für die nachfolgenden Capitel größere Deutlichkeit anbahnen.

 Wir geben zu, daß die sogenannt lutherische Kirche nur eine Particularkirche, eine Abtheilung der sichtbaren Kirche sei, aber wir behaupten, daß sie bei manchem Mangel, der ihr anklebt, nichts desto weniger vor allen andern Kirchen das Kennzeichen der reinen Particularkirche, der Kirche κατεξοχὴν habe. Wir gestehen, daß der Name „lutherisch“ neben dem hehren Namen „Kirche“ eine üble contradictio in adjecto sei; aber wir behaupten auch, daß er geschichtlich nichts anderes sei, als ein ungeschicktes Pronomen für alle schöneren Ehrentitel der Kirche. Wir behaupten selbst, daß sich die Kirche von keinem Menschen nennen solle; aber wir behaupten daneben, daß der Tadel, welcher die Korinthier wegen ihrer Parteinamen „kephisch, paulisch, apollisch“ traf, auf die lutherische Kirche gar nicht paße. Denn jene Namen bezeichnen Parteien, welche bei völlig einigem Lehrgehalte der Vorträge Petri, Pauli und Apollos aus kränkelndem Wohlgefallen an der verschiedenen Lehrart Petri, Pauli und Apollos hervorgegangen waren. Der Name „lutherisch“ hingegen geht auf den Lehrgehalt selber und ist unserer Particularkirche von Seiten der Feinde deshalb angehängt worden, weil sie den beßeren Namen „christlich, katholisch, apostolisch,“ in eitler Anmaßung sich selbst zuschrieben, ihn also einer andern Kirche aus Gründen der Selbstsucht nicht zugestehen konnten. Von Seiten der Freunde tolerirte man den Namen und tolerirt ihn noch, weil man die wohlgegründete Ueberzeugung hatte und hat, daß eines Theils kein Protest dagegen | helfen würde, andern Theils aber eine richtige Würdigung der Umstände leicht beweisen konnte und kann, daß er zwar nicht gleichlautend, aber gleichbedeutend ist mit „christlich, katholisch, apostolisch.“ Darum ärgert sich auch unter uns kein Vernünftiger an diesem Namen; denn er ist durch die göttliche Wahrheit, an die er, wie das Pronomen ans Nomen erinnert, zu Ehren gekommen, gleichwie es die Gegner ihrerseits an nichts fehlen ließen, die schöneren Namen der Kirche durch verkehrte Anwendung zu Unehren zu bringen. Hier nennt sich die wahre Kirche einstweilen noch lutherisch, bis ihr die beßeren Namen wieder zufallen; im Himmel aber hat sie je und je die beßeren Namen getragen und trägt sie noch.

 Doch das alles ist nur beiläufig gesagt. Es ist etwas anderes, was wir sagen wollten. Wir wollten sagen, daß unsere Gegner gegen die beßere Sitte früherer Zeiten und im Gegensatz der reineren Zugeständnisse von Seiten so mancher aus ihrer Mitte nur darum, oder doch hauptsächlich darum läugnen, daß die Schrift klar und deshalb über das richtige Bekenntnis aus heiliger Schrift das Urtheil leicht zu gewinnen sei, weil, dies zugestanden, die Wahrheit und der Ruhm der wahren Kirche, der Kirche κατεξοχὴν, unwidersprechlich unserer verachteten lutherischen Kirche zufällt. Denn das hat noch nie jemand bewiesen, daß unsere Bekenntnisse auch nur in einem einzigen Punkte irren. Noch immer steht es so, daß jeder einfache Leser, welcher unsre Unterscheidungslehren mit den klaren Worten der h. Schrift vergleicht, unsre Bekenntnisse rechtfertigen muß, – daß die Augustana zwar aus den sich nicht gleichbleibenden Schriften der Väter, aber nicht aus Gottes Worten widerlegt werden kann.

 Hat nun die lutherische Kirche reines Wort und reines Sacrament in reinem Bekenntnis; so hat sie offenbar die höchsten Güter der Kirche ungefälscht, so ist bei ihr Gottes lebendige Fülle und Quelle, aus welcher sie allen ihren Mängeln abhelfen und alle Vorzüge, deren sich andere Particularkirchen mit Recht etwa rühmen können, entnehmen kann. – Was liegt für die Hauptsache daran, daß man dieser Kirche so manchen Vorwurf macht, so lange man ihr die höchsten Güter und Kennzeichen der Kirche zugestehen | muß? Und was liegt daran, daß sich andere Particularkirchen so manches wahren oder eingebildeten Vorzugs rühmen, so lange sie Mangel an den größten Gütern leiden, so lange nicht widerstritten werden kann, daß die lutherische Kirche, so wie sie sich nur ihrer selbst bewußt sein wird, aus der Fülle, die sie hat, alle Mängel erstatten und an jeder Tugend die andern Kirchen übertreffen kann? Wer Wort und Sacrament recht würdigen kann, den blendet kein Strahl des Lichtes, der auf andern Kirchen ruht; er geht doch nur von dem Heerde unsrer vollkommenen Wahrheit aus. Viel weniger blendet ihn eitler Schimmer menschlicher Werke und Gedanken. Im Besitze der höchsten Güter kann man untergeordnete Dinge leichtlich missen, bis man sie gefahrlos ergreifen kann.
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 Wir wißen wohl, was die Gegner im Munde führen. Sie sprechen: „Wann waret ihr einig? Ihr habt immer gestritten, – und seit wie lange her ist es, daß ihr euch überhaupt wieder einer Kirche rühmt? Es ist noch nicht lange, daß ihr so sprechet, und noch vor einer ganz kurzen Zeit hattet ihr selber euer Bekenntnis verlaßen und waret selber die Kirche nicht, die zu sein ihr euch jetzt wieder rühmet.“ – Wir erkennen aber in diesem Hohn unsrer Gegner nichts Schreckliches. Wir haben Muth genug, die volle Wahrheit zu sagen, – wir haben den Muth der Buße, und in diesem Muthe ein frisches Leben, das unsre Gegner nicht ertöden werden, vor dessen Schwingen sie sich lieber fürchten mögen. Es ist wahr, daß unsre Väter gestritten haben: bei dem hellen Lichte unsrer Kirche sah man auch kleine Unebenheiten des Weges, ja Stäublein in der Luft; darüber stritt man. Aber unsre Väter haben für uns gestritten. Nun ists Ruhe. Wir sind einig, und unsre Einigkeit wächst fort und fort! Wir sind fertig mit einander. Wir können einmüthig fürbas ziehen. – Es ist wahr! Viel Untreue war in unsern Gränzen. Fast waren wir unsichtbar geworden. Aber ausgestorben waren wir nicht, wo kämen wir denn her, die wider euch streiten? An uns hat sichs bewiesen, was wir lehren, daß die Kirche klein werden kann, aber auch, daß sie unsterblich ist; daß sie abnehmen kann, wie der Mond, aber auch, daß sie zunehmen kann, wie der Mond. – Oder wollt ihr lieber, daß wir vollends ausgestorben | waren? So wollen wir eure eigene Behauptung benützen. Denn dann hat sich unser neues Leben an der Schrift entzündet, die da klar ist, wie es auch jeden Falls zum Theil nicht anders ist. Und dann ists ja an einem glänzenden Beispiel offenbar, daß ihr irret, wenn ihr die Schrift dunkel nennet. – Oder wollt ihr lieber, daß sich unser neues Leben an den Schriften unsrer Väter entzündet habe? Gut! dann mag euch vor diesen unsern Reliquien bange werden, vor diesen von uns erst wieder zum geringsten Theile erkannten stummen Worten der entschlafenen Väter, an denen wir beides lernen, wie man streiten müße und wie man nicht streiten müße. – Genug! Hie ist eine lutherische Kirche. Siehe, sie war todt, und sie lebt nun wieder. Ganz das alte Bekenntnis, aber andre Zeiten und Kräfte sind da!

 Erlaubet uns, die Sprache höher zu erheben, wir wollen uns deshalb nicht erlauben, zu lügen.

 Diese lutherische Kirche ist, weil sie Wort und Sacrament in reinem Bekenntnis hält, die Brunnenstube der Wahrheit – und von ihren Waßern werden in allen andern Kirchen gesättigt, die gesättigt werden! – Die Kinder dieser Kirche stehen in heiterer Ruhe mit leuchtenden Angesichtern und scharfen Schwertern um die Quelle, von welcher alle selig werden, die da selig werden. – Hier ist Israels Zeug und in seiner Mitte die Lade des Worts und Sacraments, und über der Lade der HErr. Ja, hier ist das Allerheiligste des Hauses Gottes, und wenn man spricht: „Gott sende dir Hilfe vom Heiligtum und stärke dich aus Zion;“ so ist Heiligtum und Zion hier bei der Kirche des reinen Bekenntnisses, bei deren Wort und Sacrament der HErr wohnt herrlicher, als im Tempel des alten Testaments! Von hier aus geht alles Heil; denn hier ist unverhüllt, nicht stückweise, sondern völlig, wie es mir immer diesseits des Grabes möglich ist, die klare Wahrheit des Evangeliums. Was andere Gemeinschaften an Wahrheiten besitzen, vereinigt sich hier zur Wahrheit. Die vollkommene, im Feuer der Jahrhunderte bewährte, die Welt überwindende Wahrheit befindet sich hier! Hier wird sie bekannt, Protest eingelegt gegen jede Fälschung, kein Wörtlein wird aufgegeben! So ist es gewesen, so ists wieder. Der HErr wirds | ferner verleihen, der mit uns ist! – Darum ist doch hier die Kirche κατεξοχὴν. Sie widersprechen? Mögen sie uns erst die Fahnen und Zeichen der Kirche rauben! Mögen sie erst beweisen, was sie nie beweisen konnten, daß unser Bekenntnis vom Worte weiche! So lange sie das nicht thun, ist bei uns der HErr, und wir sind es, von deren vollkommener Fülle alle andere Kirchen leben! Bis dahin freuen wir uns des Besitzes, segnen alle andern Kirchen, weigern uns ihres Irrtums, freuen uns jeder ihrer Wahrheiten, – streiten wider ihr Unrecht, fühlen uns einig mit ihnen in all ihrem Recht.


6. Altertum und Dauer sind nicht Kennzeichen der reinen Kirche.


 Beides Altertum und Dauer sind Zeitbestimmungen. Die Zeit hat eine Vergangenheit und eine Zukunft und die Gegenwart ist nur ein Mittelglied zwischen beiden. Das Altertum ist Vergangenheit, die Dauer aber umfaßt alle Zeit bis an’s Ende. Weder Altertum noch Dauer können Kennzeichen der Kirche sein. Denn die Dauer umfaßt auch die Zukunft; und da diese noch nicht überstanden ist, so kann man nicht sagen, daß die noch unbewährte Dauer ein Kennzeichen der Kirche sei. Kennzeichen können nur abgegränzte, überschauliche, fertige Dinge sein. Was aber das Altertum anlangt, so ist es die vergangene Zeit; die vergangene Zeit aber hat einen Anfang gehabt, während dessen man noch von keinem Alter, noch Altertume reden konnte. Das Altertum der Kirche kann deshalb kein Kennzeichen derselben sein; denn Kennzeichen kann nur sein, was ein Ding je und je gehabt hat; die Kirche war aber einmal nicht alt, sondern jung, und war damals dennoch die rechte wahre Kirche. Auch kann das Altertum Kennzeichen der Kirche deshalb nicht sein, weil es nicht blos der Kirche, sondern auch der Welt und den Secten zukäme. Kennzeichen aber kann nur sein, was einem Dinge allein zukommt. Wir läugnen keineswegs, daß die Wahrheit älter sei, als die Lüge, denn jene ist ewig, diese zeitlich; es ist aber von der Erscheinung der Wahrheit in der Zeit die Rede | von ihrer Erscheinung unter den Menschen. So wie sie aber unter den Menschen erschien, nahte alsbald der Verführer und hat seitdem die Fußstapfen der Wahrheit unzertrennlich begleitet, wie der Schatten das Licht verfolgt.

 Jedoch, wir wollen nicht verkennen, daß wir es eigentlich mit unsern römischen Gegnern zu thun haben, wenn wir von Altertum und der Dauer reden. Sie halten uns Altertum und Dauer nicht eben nach dem schärfsten Begriffe entgegen, sondern nur im Gegensatze und im Vergleich mit unserer Kirche. „Wo war, sagen sie, vor Luther das Luthertum? Ihr seid von gestern her, während wir uns einer ununterbrochenen und unveränderten Dauer seit den ältesten Zeiten zu erfreuen haben.“

 Laßen wir uns gegenüber diesen Schmähungen von unserm Standpunkt nicht verrücken. Vergeßen wir nicht, daß eine Kirche ihr Bestehen nach nichts anderem datirt, als nach ihrem Bekenntnis, oder was gleichviel ist, nach dem Schriftverständnis und Sacramentsgebrauch. So alt das Bekenntnis ist, so alt ist die Kirche; denn das Bekenntnis hält jede Kirche zusammen. – Vielleicht entgegnet hier ein unvorsichtiger Römer: „Also wie alt seid ihr? Ao. 1530 habt ihr euer Bekenntnis zu Augsburg übergeben, oder seid ihr vielleicht ein Jahr älter, weil eure Catechismen ein Jahr älter sind?“ Darauf würden wir dem unvorsichtigen Gegner erwiedern, daß bei solcher Rechnungsweise die römische Kirche immerhin noch jünger erfunden würde, als die unsrige. Denn erst im Jahr nach Luthers Tod begann das Concil von Trident, auf welchem das Bekenntnis der Römer berathen wurde, – und erst nach Schluß des Concils wurde der römische Catechismus ausgearbeitet. – Aber freilich, so rechnet man nicht, sondern es fragt sich, ob nicht früher schon bekannt wurde, entweder wie die Römer, oder wie wir bekennen. Wer sein Bekenntnis in der frühesten Zeit nachweisen kann, der ist im Siege. – Mögen nun immerhin die Gegner mit einem beliebten Ausspruche des Vincenz von Lerin diese Forderung stärken, mögen sie behaupten: eos proprie esse catholicos, qui teneant id, quod semper, quod ubique, quod ab omnibus creditum sit; eine Hilfe haben sie daran nicht, und einen Weg haben sie eingeschlagen, der sie zu keinem glücklichen Ziele führt.

|  Nehmen wir ihre Unterscheidungslehren, suchen wir sie in den Schriften des Altertums; so finden wir, daß sie nicht immer, nicht überall, nicht von allen gelehrt wurden. Es läßt sich von einer jeden römischen Unterscheidungslehre der Zeitpunkt nachweisen, wo sie zuerst gelehrt worden ist. Es läßt sich nachweisen, daß frühere römische Bischöfe anderes lehrten, als die jetzigen römischen Bischöfe lehren und bekennen. Es läßt sich beweisen, daß nicht auf einem, am wenigsten auf dem römischen Bischofsstuhle eine und dieselbe Lehre in unveränderter Dauer gelehrt und bekannt wurde. Auch läßt sich beweisen, daß die jetzige römische Lehre keine Entwickelung aus der früheren sein könne; denn die jetzige widerspricht der früheren, Widersprüche aber sind nicht Entwicklungsperioden einer und derselben Wahrheit. Drum möge es uns nur mit dem Altertume beßer gelingen, als den Römern; sonst spricht am Ende das Altertum für keinen. Den Spruch des Vincentius von Lerin können wir nun freilich für uns so wenig, wie für die Römer anführen, so wie er lautet. Er gibt keinen Sinn, wenn er nicht der Schrift unterthänig gemacht wird. Denn seinem Wortlaute gemäß gäbe es jeden Falls gar keine wahre Kirche. Deute man ihn immerhin im Gegensatz zu den Ketzern, ein semper, ein ubique, ein omnes kommt doch nicht zu Stande, wenn man nicht das „alle“ von allen denen versteht, welche aus dem klaren Worte Gottes ihren Glauben nahmen oder nach demselben berichtigten. In diesem Sinne aber haben wir den Spruch nicht zu fürchten, wenn überhaupt ein menschliches Decretum in so ernsten Betracht zu ziehen ist.
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 So weit irgend eine römische Unterscheidungslehre ins Altertum zurückgeführt werden kann, so weit, ja viel weiter können wir unsre Unterscheidungslehren zurückführen. Zwar läßt sich nicht läugnen, daß sich Romanisirendes hie und da bei den Vätern finde; aber es finden sich auch Widersprüche, – und gleiches Glück im Beweis aus den Vätern, wie die Römer haben, möchten auch wir erringen können. Jedoch darüber kann man streiten – und völlig competent zu urtheilen, ist in diesem Stücke die Sache so weniger, daß man bedauern müßte, wenn es keine Art und Weise der Entscheidung gäbe, welche auch vor den | Ohren und Herzen des Volkes Gerechtigkeit finden könnte. Es gibt aber eine Entscheidung, bei welcher Gelehrte und Ungelehrte sich im Urtheil vereinigen werden.

 Theilen wir das Altertum getrost in das früheste und in das spätere: welches wird den Ausschlag geben, wenn sich beide widerstreiten sollten? Welche Lehre wird die älteste sein, die, welche sich anno 40, oder die, welche sich anno 400 nachweisen läßt? Offenbar die erstere. Gut! So ists denn keine bloße Aushilfe, sondern eine Forderung, die sich nicht abweisen läßt, daß man die h. Schrift, welche den ältesten Vater an Altertum übertrifft, in der Altertumsfrage das erste Wort reden laße. Die Lehre und das Bekenntnis haben gewis das Altertum für sich, welche die h. Schrift für sich haben. Man laße sich nur in keinem Falle von der Wahrheit stoßen, daß die Schrift klar sei; so wird man an der klaren Schrift eine giltige Entscheidung für die widersprechenden Lehren der Väter eben so wol, als für die widersprechenden Bekenntnisse unsrer Tage haben. Was schriftgemäß ist, ist das älteste und zugleich das richtigste, – und die Kirche, welche die h. Schrift auf ihrer Seite hat, hat das reinste und älteste Altertum für sich, und in allen Zeiten etliche, welche als Zeugen der Wahrheit und der Klarheit des göttlichen Wortes mehr Vertrauen verdienen, als Kron und Purpur, wenn sie dem Worte der Schrift widersprechen.

 Nach solcher Vorbereitung können wir auf die Frage: „Wo war das Luthertum vor Luther?“ die Antwort um so leichter geben. Thu den Namen hinweg und forsche nach dem Inhalt; denk nicht an Luther, sondern an Bekenntnis und Lehre der lutherischen Kirche, so findest du die Kirche, die man jetzt lutherisch heißt, zu Jerusalem und zu Rom in den Zeiten der Apostel und in den ersten Jahrhunderten nach Christo überhaupt. Da, wo man jetzt ohne Widerspruch den Irrtum lehrt, lehrte man einst ohne Widerspruch die Wahrheit; und als nach den Weißagungen der Apostel die Lüge auf den Stuhl der Wahrheit trat, erscholl an denselben Stätten, wo jetzt sich keine Zunge für die Wahrheit regt, der erste kräftigste Widerspruch. Und als der Widerspruch an den alten Stätten der Wahrheit verstummen mußte, wanderte die | Wahrheit an andere Orte und fand allezeit ihre Kinder und ihre Bekenner. Und wenn gleich sehr finstere Zeiten eintraten, wo es schwer war, die Wahrheit irgendwo in ihrer vollen Schöne zu finden, oder irgendwo ihr vollstimmiges, harmonisches Lied zu hören; so war es doch nie unmöglich. Und wenn gleich erst die Zeit der Reformation eine Zeit vollständiger Enthüllung des Heiligtums der Wahrheit wurde und frühere Zeiten überstrahlte; so ist es uns doch nun bei dem doppelten Lichte der ersten Zeit und der Zeit der Reformation desto leichter, die verborgeneren Zeugnisse ans Licht zu bringen. Und wenn wir auf Erden nie vermögen werden, alle diejenigen aufzufinden, welche in ihren Kreißen Bekenner der Wahrheit gewesen sind, – wenn uns die römischen Feuerzeichen und Blutströme und das Geschrei ihrer Gemordeten nicht alle Spuren der Kinder Gottes zeigen; so wird doch ein Tag kommen, an welchem wir schauen werden, wie viele sich der HErr auch in der schlimmsten Zeit erlesen und sie bewahrt hat vor dem Uebel. Der sieben Tausend zu Eliä Zeiten im kleinen Lande fand, fand ohne Zweifel viel mehr in den weiten Räumen des Christentums.
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 Im Grunde ist es eine abgeschmackte Frage: „Wo war das Luthertum vor Luther?“ – Wir wollen nicht auf die Blutzeugen hinweisen, die für reinere Lehren starben. Wir wollen nicht antworten: „Unter euern Händen bluteten die treuen Zeugen, die wie Luther zeugten!“ Wir wollen auf keinen Schandfleck der römischen Kirche hinweisen, um ihren Hohn zum Schweigen zu bringen, obwol wirs könnten, ohne trivial zu werden. Wir wollen auch nicht auf jene böhmischen Brüder verweisen, welche Markgraf Georg von Brandenburg zu Luther schickte, denen Luther brüderliche Liebe und größere Ehre als den neuerweckten deutschen Gemeinen zusprach. Wir wollen nicht auf die vielen Vorläufer der Reformation, auf die Zeugen der Vorzeit deuten, deren Zeugnisse Flacius und andere gesammelt haben. Aber die Kinder, die vor Luther in der Taufe Gnade starben, – die Einfältigen, welche an den verschiedenen Orten der Welt in Vergebung ihrer Sünden starben, – die Reumüthigen, die auf Christi Blut und Wunden starben, weil sie keine andre Tröstung stillen konnte, – die Seligen alle, die | vor Luther um den Thron des Lammes standen, – zu welchem Bekenntnis, zu welcher Kirche werden sie sich bekennen? Zu der, die auf Petri Grab, oder zu der, die auf Petri Bekenntnis ruht? Zu der letztern ohne Zweifel! Also weisen wir auf die Kinder an Alter und Geist und sprechen: „Dieser war das Himmelreich vor Luther!“ Und gen Zion weisen wir und sprechen: „Dort war die Kirche!“ Dort gilt kein Erdentand, kein Prunk der Bischöfe und Priester, sondern die Wahrheit, – und die gilt auch bei uns!

 Rühme sich deshalb immerhin die lutherische Kirche des Altertums, wenn auch ihr Name jung ist und eine neue Periode der uralten Wahrheit seit drei Jahrhunderten begonnen hat. Sie mag sich auch der Dauer rühmen. Die Kirche ist die älteste, deren Lehre die älteste ist; – und die dauert am längsten, deren Lehre am längsten dauert. Wer wird nun zweifeln, daß die Kirche am längsten, ja die Welt überdauern wird, welche das Wort in reinem Bekenntnis hält, das Wort, von dem geschrieben steht: „Gottes Wort bleibt in Ewigkeit!“ Die Namen kann diese Kirche wechseln und die Orte, groß und klein kann sie werden, von Erdenkräften wird sie nicht gehalten, nicht gehoben, ihr Gang ist wunderlich und oft im Staub, oft in Wolken; aber dauern wird sie, alles überdauern; denn bei ihr ist Weg und Wahrheit und Leben und Christus.

 Alter an sich und zeitliche Dauer sind keine Kennzeichen der wahren Kirche. Denn es ist aus 2. Thess. 2 klar und offenbar, daß von der Apostel Zeit bis auf Christi Wiederkunft auch der antichristische Widerstand der Wahrheit dauern wird. Aber wer die Zeit überdauert, wer die Welt überlebt, der ist im Siege! Und das ist das Wort und seine Kirche.


7. Weite Ausbreitung ist kein Kennzeichen der Kirche


 Auch die weite Ausbreitung der Kirche soll eines ihrer Kennzeichen sein. Allein es ist ohne Zweifel wahr, daß das kein Kennzeichen einer Sache sein kann, was sie nicht immer beseßen hat und was ihr nicht allein zukommt. Nun ist es offenbar, daß im Anfang, am ersten Pfingsten zu Jerusalem die wahre Kirche existirt hat, ohne | daß sie noch weit verbreitet war. Und eben so offenbar ist es auch, daß, selbst wenn man die weite Verbreitung an sich für einen Vorzug erkennen wollte, die Kirche doch in diesem Stücke bei weitem von der Welt und der Schaar ihrer Kinder übertroffen würde, also den genannten Vorzug nicht allein hätte. Auch kann man ja behaupten, daß der Kirche in der h. Schrift selbst manchmal das Gegentheil einer weiten Verbreitung zugeschrieben werde, daß sie z. B. einem nur von wenigen gefundenen, schmalen Wege und einer kleinen Heerde verglichen werde. Daraus geht doch jeden Falls so viel hervor, daß die Kirche klein sein könne, nicht nothwendig groß sein müße, daß also eine weite Ausbreitung jeden Falls kein wahres Kennzeichen derselben sein könne.
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 Wenn übrigens unsre römischen Gegner den Vorzug einer weiten Ausbreitung zu Gunsten ihrer Particularkirche anwenden; so wollen sie sich selbst nicht mit der Zahl der außerchristlichen Religionsparteien meßen, die noch heute, wie im Anfang, die Zahl aller christlichen Particularkirchen zusammen übertreffen. Auch ist es nicht ihre Absicht, sich mit der Gesammtzahl aller von ihnen gesonderten Particularkirchen zu vergleichen; das ist ihnen selbst bekannt, daß sie auch bei dieser Vergleichung den Kürzeren ziehen würden. Sie wollen im Grunde nur sagen, sie seien weiter verbreitet, als jede andere Particularkirche. Nun wäre es freilich ein feiner Ruhm, wenn die römische Kirche bei der überwiegenden Zahl auch die überwiegende Wahrheit hätte. Ja, die Mehrzahl der Bekenner würde ein Wunder Gottes sein, durch welches der wahren Lehre und Kirche ein stärkeres Zeugnis zugienge, als durch alle andern Wunder der Propheten und Apostel. Aber das ists eben, was den Beweis vernichtet, daß die römische Kirche nicht apostolisch, nicht schriftgemäß ist und daß damit alles andere werthlos wird, was sie etwa zu ihrem Ruhm anführen könnte. Oder was ist die Mehrzahl der Bekenner auf Seiten der Römischen bei der Schriftwidrigkeit ihrer Lehre weiter, als ein Beweis mehr, daß das Menschenherz sich gerne auf die unreine Seite schlägt, daß nicht auf dem breiten Wege das Heil, nicht bei dem großen Haufen die Wahrheit zu finden | ist, daß man in Sachen der Wahrheit die Stimmen nicht zählen, sondern wägen müße.

 Edlere Seelen werden durch den Beweis, der aus der Mehrzahl genommen ist, gewis nicht geblendet. Sie werden nicht eben behaupten, daß die Mehrzahl gar nie auf Seiten der reinen Lehre und Kirche gewesen sei, sie werden den Ruhm der Mehrzahl aus dem Munde eines Cyprian für dessen Zeiten achten. Viel weniger werden sie aus dem Worte Gottes vom schmalen Weg und von der kleinen Heerde den Schluß ziehen, daß die Kirche allezeit klein und unscheinbar sein müße. Geht auch immer aus jenen Stellen hervor, daß im Vergleich zu der Schaar, die verloren geht, die Kirche immer nur eine kleine Heerde sei und bis ans Ende bleibe; so ist ihr doch eben damit auch eine so weite Gränze gesteckt, daß sie eine kleine Heerde in dem Sinn auch dann bliebe, wenn alle Berufenen in allen Particularkirchen wahre Christen wären; sie kann daher innerhalb ihrer Gränzen gewaltig zunehmen, Zeiten des Ruhmes und des Glanzes haben. Sie kann, sie wird es auch zuweilen; aber sie muß nicht; sie kann innerhalb ihrer Gränzen, im Vergleich mit sich selber größer, kleiner, sehr groß, sehr klein sein. Es ist die Wahrheit nicht allezeit mit einer gleichen Zahl von Bekennern umgeben. Die Zahl ist ein adiaphoron und accidens, worauf es nicht ankommt, – und es ist darum nie zu fragen, wie viele bekennen, sondern was sie bekennen. Wort, Bekenntnis, Lehre – das ists gar, alles andere wechselt. Wenn die Kirche nur apostolisch ist, dann ist sie groß genug bei jeder Anzahl; – das Wort katholisch wird nicht durch eine Normalzahl, sondern durch die Lehre von der allgemeinen Gnade Gottes recht erklärt, welche die reine Lehre und Kirche gerne am weitesten verbreitet sähe und verbreiten würde, wenn nicht die Menschen durch ihre Bosheit ihr widerständen. Denn die Gnade tritt nach unabänderlichem Beschluß des HErrn vor keinem Widerstand zurück, als vor dem des boshaften Menschenherzens.

 Ganz anders, viel wahrer zugleich und viel höher klingt es, zu sagen: Zwölf Männer, ungelehrt, niedrigen Standes, haben durch nichts anderes, als durch treues, einmüthiges Bekenntnis eine der menschlichen | Vernunft und Eigenliebe widerstrebende Lehre in kürzester Frist, in wenigen Jahrzehnten unter alle Völker verbreitet und Eine katholische Gemeine aus allen Völkern und Sprachen und Zungen gesammelt! Das wäre eher ein Beweis für die in ihren Anfängen so kleine, dem Senfkorn vergleichbare Kirche. Das wäre aber auch geradezu ein Gegenbeweis für den Beweis von der Mehrzahl; denn es bewiese eben, daß es zur Ueberwindung der Welt nicht vieler Menschen, sondern nur des allmächtigen Beistandes der Wahrheit bedürfe. Es bewiese, wie gesagt, daß es nicht auf die Zahl, sondern auf das Gewicht der Stimmen ankomme. – Ganz anders wiederum ist es jetzt, nachdem die Kirche Gottes durch das Zeugnis der Jahrhunderte auch in der Welt eine Anerkennung fand. Es ist keine Schande mehr, vor Christo Kniee zu beugen. Die Kirche ist durch die Geschichte von 1800 Jahren als der höchste, schönste Gedanke kundgegeben. Nun läßt sich die Welt selbst unter die Bekenner einschreiben und bekennt auch mit bis auf gewisse Punkte. Viele von der Landstraße und von den Zäunen sitzen mit Abrahams, Isaacs und Jacobs Kindern zu Tisch. Da ist die Mehrzahl kein Zeichen mehr, daß der HErr vorhanden ist. Im Gegentheil, es könnte kommen, daß nicht blos auf römischer, sondern auch auf lutherischer Seite noch zu viele wären, daß der HErr, ehe er seine großen, letzten Siege durch seine Kirche erficht, seine kleine Heerde wie am Tage Midians noch sichten und kleiner machen muß durch das Schibboleth eines reinen Bekenntnisses! So wenig könnten wir uns um den Beweis der Mehrzahl zu kümmern haben, daß wir im Gegentheil noch fragen dürften: „wer ist zu viel, wer verdirbt die Gemeine, wer hindert durch sein Dasein das Werk, wer soll von uns fliehen, von uns getrieben werden“? So wenig dürfte uns am Ende unsre Zahl kümmern, daß wir froh sein dürften, wenn von uns gienge, was nicht zu uns gehört! Es ist traurig in Bezug auf die Seelen, die durch die Sonderung verloren gehen; aber es ist eben doch wahr, daß tausend wahrhaftige Bekenner, die von Millionen übrig blieben, durch Stärkung ihres Geistes und Lebens den Beruf der reinen Particularkirche leichter erfüllen, als Millionen, unter denen die Tausend nicht | zu Macht und Sprache kommen können, weil Sünd und Bosheit zeitlich lauter tönen und leichter Macht gewinnen. – Wenn die Mehrzahl gälte, wie sollte es denn am Ende mit der Kirche stehen, von welcher Luc. 18, 8. geschrieben steht: „Meinest du auch, des Menschen Sohn werde Glauben finden auf Erden, wenn Er kommen wird“? Und was in aller Welt sollten dann Stellen besagen, wie Offenb. 13, 8.: „Alle, die auf Erden wohnen, beteten das Thier an, deren Namen nicht geschrieben sind in dem lebendigen Buch des Lammes, das erwürget ist von Anfang der Welt“ (cf. 17, 1 ff. 15.)?
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 Es ist mit der Ausbreitung der Kirche gerade, wie mit allem andern, was Glück oder auch Unglück heißt. Welcher Erfahrene, welcher Mensch, der auch nur den 37. oder 73. Psalm gelesen hat, welcher Christ, der, unter dem Kreuze reifend, Hiobs Schicksale und die Worte des Predigers Salomo verstehen gelernt hat, wird vom Glück eines Menschen, eines Volkes, einer Kirche auf deren Würdigkeit, vom Unglück auf Unwürdigkeit den Schluß machen? Damit würde man verdammen alle Kinder Gottes, die von der Welt her gewesen sind. Der Hochgelobte am Kreuze und Kaiser Augustus von Rom, die Märtyrer und ihre Tyrannen – würden da miteinander die Stellen in der Achtung der Welt verwechseln müßen. Es geht eine Gerechtigkeit Gottes durchs Leben bis zum Tode und am Ende wird einem jeden sein Urtheil gesprochen. Aber welcher Mensch sieht und richtet hier ein völlig rechtes Gericht? – – Stimmenmehrzahl gehört zum Glück der Kirche, Minderzahl ist ein Unglück. Beides aber ist in der Hand des HErrn! – Oder sollen wir lieber sagen: Weite Ausbreitung der Kirche ist eine Gnade Gottes für die Welt, – Abnahme ihrer Zahl ein Unglück für die Welt? So bleibt doch auch so der Weg des HErrn dunkel für uns, gerecht zugleich und unerklärlich seine Gerichte. In seiner Hand steht es, seiner Kirche in unsern Tagen wieder Sieg und Schaaren von Evangelisten und Bekennern zu geben! Er kann Seine Einsame und Niedrige, die Er gezüchtigt und gedemütigt hat, erheben, daß sie den Lobgesang der Mutter Gottes anstimmt! „Er sieht auf das Niedrige im Himmel und auf Erden, der | den Geringen aufrichtet aus dem Staub und erhöhet den Armen aus dem Koth, daß Er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volks: – der die Unfruchtbare im Hause wohnen macht, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird! Halleluja!“ (Ps. 113, 6. ff.) Ist Er doch „ein Gott, der den Einsamen das Haus voll Kinder gibt, der die Gefangenen ausführt zu rechter Zeit, und läßt die Abtrünnigen bleiben in der Dürre!“ (Ps. 68, 7.) Wer weiß, ob Er nicht bereits „gürtet Sein Schwert an Seine Seite, der Held, ob Er sich nicht bereits schön schmücket? Es wird Ihm gelingen in Seinem Schmuck! Er zeucht einher der Wahrheit zu gut, und die Elenden bei Recht zu erhalten! Seine rechte Hand wird Wunder beweisen!“ (Ps. 45, 4. f.)




 Bis geschieht, was wir hoffen, was wir bereits nicht mehr blos ahnen, sondern dem Anfang nach mit Augen sehen, freuen wir uns, daß auch die Väter der Kirche auf unsrer Seite stehen und aus der Mehrzahl keinen Beweis, kein Kennzeichen der Kirche machen. Nur weniges hier zum Beleg. Die Leser werden sich freuen, das Altertum, den Hort der schriftscheuen Römer, so evangelisch reden zu hören.

 Justinus M. fragt: „Warum sind die Anhänger der reinen Lehre und eines reinen Sinnes Gott allein angenehm, da sie doch den Griechen, Juden und allen Ketzern an Zahl nicht gleichkommen, sondern ihnen weit nachstehen?“ „Das macht – antwortet er selbst – daß von der Minderzahl der Rechtgläubigen irgendwo gesagt ist: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!“

 Athanasius beruft sich auf dieselbe Stelle der h. Schrift und spricht: „Werden wir nicht auf Gott hören, der da spricht: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt!“? Und wiederum: „Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden!“? Welcher Vernünftige wird nun nicht lieber bei den Wenigen sein mögen, die auf schmaler Straße zum ewigen Leben gehen, als sich denen beigesellen, die auf breiter Straße zum Verderben wandern?

 Basilius verweist auf die drei Männer im Feuer und spricht: | „Sie lehren uns thun, was uns ziemt, wenn uns auch niemand beistimmt. Mitten aus der Flamme lobten sie Gott. Sie sahen nicht an die Menge, die ihnen widersprach, sondern waren zufrieden, daß sie einig waren, obschon nur zu dreien.“ Und als der arianische Kaiser Constantin den B. Liberius, der ihm widerstand, fragte: „Der wie vielste Theil des Weltkreißes bist denn du, daß du also widersprichst?“ antwortete auch der: „Durch meine Vereinzelung und Einsamkeit verliert das Wort der Wahrheit nichts. Es waren einst auch nur drei, welche dem Edict des Königs widerstanden“. –

 Gregor v. Nazianz redet in hohem Schwung von der Zahl der Kirche. „Wo sind sie, ruft er, die die Kirche nach der Zahl beurtheilen und die kleine Heerde verachten, – die die Gottheit mit Maßen meßen und das arme Volk der Erde so übermäßig schätzen, – die den Sand groß achten und die Lichter der Welt verächtlich ansehen, – Muscheln sammeln und Perlen verachten? Sie haben das Haus, wir den Bewohner; – sie haben den Tempel, wir aber den Gott, der in dem Tempel wohnt; ja wir sind selber des lebendigen Gottes Tempel, lebendige Opfer, geistliche Brandopfer. Jene haben Volkes die Menge, wir die h. Engel, – jene Verwegenheit und Kühnheit, wir Glauben, – sie Drohungen, wir Bitten und Gebete, – sie Silber und Gold, wir die lautere Lehre des Glaubens.“

 Aehnlich predigt Chrysostomus: „Was ist nützer, viel Heu haben oder wenig Edelsteine. Nicht in der Zahl beruht die wahre Mehrheit, sondern in der Trefflichkeit der Kraft. Elias war nur Einer, aber die ganze Welt konnte ihn nicht aufwiegen.“

 Augustinus spricht: „Willst du gerecht sein, so zähle nicht, sondern wäge. Bring eine richtige, nicht eine trügerische Wage herzu, darum, daß du ein Gerechter genannt bist. Von dir steht geschrieben: „Die Gerechten werden es sehen und sich fürchten.“ Darum zähle nicht die Schaaren von Menschen, die auf breiten Straßen wandeln, die morgen sich zahlreich versammeln und der Stadt Fest mit großem Geschrei feiern werden, die Stadt selber aber mit ihrem schlimmen Wandel in Verwirrung setzen. Acht ihrer nicht! Ihrer ist viel und wer zählt | sie? Wenige aber sind es, die auf dem schmalen Wege gehen. Bring die Wage herzu, sag ich dir, und wieg! Sieh dann wie viel Spreu auf wenig Körner geht. (Vide pauca grana, quantam paleam leves.)

 Arnobius schreibt: „Ganz wohl vermag die christliche Religion ohne Anhang zu stehen, und nicht damit wird sie als wahr erwiesen, daß ihr viele Leute Beifall geben, daß sie Ansehen von Menschen nimmt. Sie ist mit ihren Kräften zufrieden und ruht auf den Grundfesten ihrer Wahrheit. Sie wird ihrer Kraft nicht beraubt, auch wenn sie keiner vertheidigt, ja wenn alle Zungen sich wider sie erheben und anstrengen und sich leidenschaftlich zusammenschwören, ihren Glauben auszurotten.“

 Tertullianus hält es für leichter, mit einem großen Haufen zu irren, als mit wenigen die Wahrheit liebend zu umfaßen. Und Hieronymus sagt einem Pelagianer geradezu: „Daß du viele Genoßen hast, macht dich mit nichten katholisch; im Gegentheil, es beweist, daß du ein Ketzer bist.“ (Multitudo sociorum nequaquam te catholicum, sed haereticum esse monstrabit.)

 Es ist doch so einfach, und die Sache ist so klar. Wie nichtssagend, blendend allein für Geblendete ist das Geschrei der Menge und das Geschrei von der Menge! – Unsere Gegner selber müßen uns, wollen sie ehrlich sein, beistimmen, wenn wir die Kirche an ihrem Wort, nicht an ihrer Zahl erkennen: unter andern Umständen würden sie selbst den uralten Beweis belieben. Die Wahrheit ist Wahrheit, auch wenn sie in der Welt ganz einsam stünde. Sie war, was sie ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, und wird dereinst auf unserm Staube stehen. Was Menge? Nur das Apostolische ist katholisch, und wer es hält, seien es viele oder wenige, die gehören zur katholischen Kirche und können ihrer Gemeinschaft gegenüber unreineren Particularkirchen gar wohl den edlen Namen zueignen. Per synecdochen nenne sich die lutherische Kirche getrost auf Erden katholisch; sie schlägt damit die ihr unbekannten Kinder Gottes in anderen Gemeinschaften mit nichten ins Angesicht, vielmehr werden diese dermaleins selbst das Amen dazu sprechen. Als man 1528 im Lande zu Franken reformirte, bewies der Abt Schopper von Kloster Heilsbronn vor dem Markgrafen und seinen | Ständen, daß man zu der alten katholischen Kirche zurückkehren müße, weil die römische, die sich in der Welt breit mache, die alte katholische d. i. apostolische Lehre verlaßen habe. Was er bat, war Schutz und Emporbringung der uralten katholischen Lehre. Der Mann hatte die offenbare Wahrheit zur Seite! Und wir sollten sie nach weiteren Erfahrungen dreier Jahrhunderte verlaßen? Das sei ferne! Im alten Wellenländchen Gottes, im Frankenlande, – allüberall im deutschen Lande, wo man die Augen im Haupte und Gottes Wort im Auge hat, sei Gott gefragt und nicht das zahllose Gras der Menschheit, das heute steht und morgen im Ofen liegt. Was Gott sagt, ist recht, – und das ist die rechte Kirche, die da vor Gottes Wort Herz und Haupt neigt und Kniee beugt!


8. Einigkeit und Succession im Sinne der Römer ist kein Kennzeichen der Kirche.


 Daß Einigkeit der Kirche zukomme, ist keine Frage. Aber die Einigkeit, welche ihr zukommt, ist die Einigkeit in der Wahrheit, im Bekenntnis, in der Lehre, – eine Einigkeit, welche mit dem von uns anerkannten Kennzeichen der Kirche ganz zusammenfällt. An dieser Einigkeit allein kann unsern Gegnern zunächst nicht liegen, da sie die Wahrheit des göttlichen Wortes, gegen welche sie kein gutes Gewissen haben können, zu nah berührt. – Einigkeit überhaupt können sie wieder nicht meinen, da es ja offenbar ist, daß die Einigkeit im Allgemeinen nicht der Kirche allein zukommt, also kein Kennzeichen der Kirche sein kann. – Was sie meinen können, ist nichts anders, als die Einigkeit der Glieder der römischen Kirche mit ihrem Haupte, dem Papste. Das ist der Ruhm unsrer Gegner. Sie sehen die Evangelischen im Lande und über die Erde hin zerstreut: die einen haben diese, die andern jene äußerliche Verfaßung; jedes evangelische Ländchen hat so seine eigene Art und Weise. Das ist den Gegnern ein Gräuel und sie weisen dagegen auf ihre Einigkeit, auf den Zusammenhang ihres Volks mit ihrem obersten Hirten, auf die Gliederung, die von | unten bis oben hinauf gehe, auf ihre Hierarchie, welche, auf die Lehre vom Primat und der Succession der Bischöfe gegründet und dadurch zu dogmatischer Wichtigkeit erhoben, ihrer Meinung nach alles, was wir sagen können, durch einen glänzenden Sieg darniederschlage. – Indes ist die Sache überhaupt nicht so gefährlich, als es scheint, – und was vor allem das anlangt, daß diese Einigkeit und ihre Succession ein Kennzeichen der wahren Kirche sein soll, so hält die Behauptung nicht Stich. Was einer Sache Merkmal oder Eigentum nicht immer und nicht allein ist, kann nicht Kennzeichen derselben genannt werden; dabei bleibt es. Wo war aber diese Einigkeit im Anfang, ja ganze 600 Jahre lang und drüber? Wo war sie, wenn der Kirche das päpstliche Haupt entweder fehlte oder wenn zugleich mehrere Häupter auf dem Rumpfe ragten, wo war sie, wenn, wie oft, der Papst nach dem eigenen Urtheil der Seinigen ein Ketzer war oder seinen Bischofssitz durch Gewalt, durch Betrug, durch Simonie etc. gewonnen hatte? Und die Succession der Bischöfe, wo war sie im Anfang, – und wenn sie da gewesen wäre, wie kann sie ein Kennzeichen sein, da auch die offenbar verderbte jüdische Kirche vor und nach Christo ihre Succession hatte, ohne deshalb, zumal nach Christo, einen Anspruch auf den Namen der wahren oder einer wahren Kirche machen zu können?

 Jedoch, wir wollen diese Einigkeit näher beschauen. Sie beruht auf dem Primate Petri und auf der Lehre von der Succession der Bischöfe. Der Apostel Petrus, so sagt man, war der Fürst der Apostel, das Haupt der Kirche. Sein Nachfolger im Bisthum nicht allein, sondern im Apostolate ist der Bischof von Rom. Die Bischöfe von Rom vererben einander die apostolische Gewalt, – und von ihnen ergießt sich alle Amtsgnade und Gabe auf die andern Diener der Kirche herab. Wer seine Weihe nicht im Zusammenhange mit dem Primate der Christenheit durch Vermittelung eines mit dem römischen Bischof in Gliederung und Verbindung stehenden Bischofs erhält, sehe zu, wie er Amt und gutes Gewißen behalte.

 Wie manchem Menschen ist durch dergleichen prächtige Reden und | durch Lobpreisung der römischen Hierarchie ein so starker Rauch gemacht worden, daß er sich nicht mehr zu helfen wußte! Und wie leicht ist doch Luft und Licht zu bekommen, wenn man nur den Grundsatz allzeit treulich hält, daß nichts, als was das göttliche Wort befiehlt und einsetzt, eine göttliche Ordnung und für die Gewißen der Menschen verbindlich sein könne. Am Lichte des göttlichen Wortes zerfließt das ganze prächtige Schreckbild römischer Hierarchie und Succession so schnell in Nebel und nichts.
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 Petrus war der Fürst der Apostel, sagt man. Wolan, wir wollen dem Apostel Petrus nicht abläugnen, was aus dem N. Testamente, aus den Evangelien und der Apostelgeschichte deutlich hervorgeht, daß er eine Zeit lang – denn mehr ist doch nicht zu erweisen – ein Vorredner und Vorgänger der Apostel, also der Kirche gewesen sei. Er war es in Sünden, er war es in amtlichen Geschäften, weshalb ihn derselbe Mund Satan nannte, der ihn Kephas genannt hatte. Wir können kein Interesse haben, irgend ein Wörtchen der Schrift zu läugnen; und wenn Petrus erweislich nach Christi Sinn und Wort ein Fürst der Apostel hätte sein sollen, wir würden die ersten sein, welche, vom Grundsatz der Schriftmäßigkeit gedrungen, ihm zugeständen, was ihm Christus zugesprochen hätte. Allein wie steht es mit der dogmatischen Begründung der Lehre vom Primat? Sie ist nicht von dem factischen, zeitweiligen Hervortreten Petri abhängig, sondern vom Munde des HErrn. Wie wenn sichs nun ergäbe, wie es sich denn ergibt, daß jene oft gemißbrauchte Stelle: „Du bist Petrus und auf diesen Fels“ etc. von der überwiegenden Mehrzahl der Kirchenväter in unsrer, nicht in römischer Weise ausgelegt wird? Wie wenn römische Dogmatiker selbst dies zugeständen? Wie wenn überhaupt keiner in jener Stelle einen Petrus zuließe, dem das Wort: „Du bist“ etc. aus anderem Grunde zugesprochen würde, als blos wegen des gethanen Bekenntnisses: „Du bist Christus?“ Wie wenn also im Sinne des Altertums keine, auch gar keine Nachfolge Petri ohne reines Bekenntnis denkbar wäre? Wie wenn sichs erweisen ließe, daß selbst Cyprian – auch in seinen stärksten Stellen nie daran gedacht habe, Petro etwas weiter zuzugestehen, – als nur ein Anfangs und Ausgangspunkt | der Kirche im persönlichen, fast möchte man sagen localen Sinn zu sein? Wie wenn also Petrus kein Primat im römischen Sinne gehabt hätte? Wie wenn er also auch keines hätte vererben können?
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 Jedoch gesetzt den Fall, Petrus wäre wirklich Fürst der Apostel gewesen, wie wäre dann zu erweisen, daß der Bischof von Rom Nachfolger Petri nicht blos im römischen Episcopate, sondern im Apostolate gewesen sei? Wir geben zu, daß die römische Gemeinde und die römischen Bischöfe der ersten Zeit von Seiten der ganzen Kirche mehr oder minder Ehrerbietung empfangen haben. Wir thun wol mehr, wir betrachten die römischen Gemeinden jener Zeiten und ihre Bischöfe selbst mit Ehrfurcht und danken Gott, daß vom Abendlande, und zwar von Rom aus so oft Licht in die kirchlichen Wirren und Nebel strömte. Wir stimmen den ersten Vätern in dem, was sie zu des damaligen Roms Gunsten aus Roms anfänglichen und fortgehenden Verhältnissen sagen, vollkommen bei. Aber wo ist denn, selbst aus manchem übertreibenden Worte, ein Primat Roms in dem jetztbeliebten Sinn nachzuweisen? Zur Zeit, wo Roms Anmaßungen bereits oft genug Remonstrationen erfahren hatten, zur Zeit des ersten Gregor war man ja doch noch so weit entfernt, römisch und öcumenisch für synonym zu nehmen, daß jener große Mann den Titel eines öcumenischen Bischofs von sich abwies! Was man später und auch jetzt in Rom will und thut, ist doch wahrhaftig von dem Thun und Wollen der alten römischen Bischöfe noch so verschieden, daß, selbst wenn jenes mal ein Primat der jetzt angemaßten Art beliebt worden wäre, ganz andere Gründe und Umstände, als jetzt, empfehlend und fördernd gewirkt haben würden. – Wahrlich, wer den Vätern Roms mittelalterliche und jetzige Gestalt gezeigt und gesagt haben würde, daß man ihre Worte zur Bekräftigung römischer Anmaßungen gebrauchen würde, der würde sie nicht blos zum Schweigen, sondern zu Protestationen, vielleicht zu noch stärkeren Zeugnissen gegen Rom vermocht haben. Und wol würde bei Voraussicht so starker römischer Fehler der Kirchenvater am derbsten gesprochen haben, der bei eigenem Fehl schon gegen Rom so derb sein konnte. Wir meinen Cyprian. – Jedoch es ist | nicht nöthig, daß wir ein futurum conditionatum zu Hilfe nehmen, um zu beweisen, daß ein Primat, wie gegenwärtig Rom sichs anmaßt, nicht im Sinne des Altertums gelegen sei. Steht doch das ganze Morgenland seit so vielen Jahrhunderten gegen Rom und sein Primat als Zeuge da! Das sind die Lande der alten morgenländischen Patriarchate, welche von den ersten Zeiten her ein angestammtes, kräftiges Zeugnis gegen Rom ablegen. Es sind nicht allein die sogenannten Protestanten, welche in der Lehre gegen das römische Primat zusammenstimmen; nein, es ist die überwiegende Mehrzahl der ganzen Christenheit auf Erden, welche nichts von einem römischen Primate wißen will. Die Protestanten hätten allenfalls Melanchthon nach dem Papste menschlichen Rechtens ein Primat nicht allein, nein eine Art von Herrschaft eingeräumt; bei den Morgenländern aber ist die Entfremdung noch viel stärker, sie würden auch das um keinen Preis zulaßen. Und wenn nun nur diese römische Kirche, die sich der Einigkeit zwischen Haupt und Gliedern so sehr rühmt, selbst einig wäre und zwar zunächst nur in dem Punkte, um den sichs handelt, – im Punkte des römischen Primats, des Schlußsteins der ganzen Hierarchie. Aber auch sie selbst sind unter einander nicht einig. Der schon einmal berührte Punkt vom Verhältnis des Papstes zu den Concilien ist mitnichten ausgekämpft und zur Ruhe gekommen, und was zu Zeiten der Hohenstaufen, Ludwigs des Bayern, von der gallicanischen Kirche etc. gegen die Herrschaft des Papstes innerhalb der röm. Kirche selbst gesagt worden ist, wird noch immer lauter und leiser verhandelt.
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 Und die Einigkeit, welche sich von den Päpsten herunter auf die ganze Kirche erstrecken soll – vermöge Succession der Bischöfe? Auch sie ist des hohen Ruhmes nicht werth, wie bereits oben angedeutet. Dazu machen andere Kirchen z. B. die morgenländischen, die anglicanische etc. denselben Anspruch auf Succession der Bischöfe und erfreuen sich einer eben so zusammenhängenden Verfaßung und äußerlicher Centralisation als die römische Kirche. Ja, es gibt lutherische Lande, in denen man, so wie man nur einen Werth darauf legen möchte, ganz gut eine Succession nachweisen könnte, welche keineswegs löcheriger sein | sollte, als die römische, die ihre Lücken und Aber in einem Maße, wie vielleicht keine andere, die auf dergleichen Werth legt, an sich trägt und umsonst zu verhüllen strebt.
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 Jedoch, warum gehen wir nicht daran, die römische Einigkeit und Succession ins rechte Licht zu stellen? – Wir haben keine Scheu vor dem Worte Hierarchie, wenn es weiter nichts, als Ordnung und Gliederung im Kirchenregimente andeuten soll. Wir finden eine Episcopalverfaßung der Kirche bei weitem am zuträglichsten. Ja, eine Patriarchalverfaßung, wie sie in den ersten Jahrhunderten sich ausgebildet hatte, würde bei denen, welche nur erst über den Segen, der sich per accidens an äußere Einheit und einige Verfaßung hängen kann, die geschichtliche Ueberzeugung, und gegen die geschichtlichen Uebertreibungen und Ueberschreitungen unüberwindliche Wehre gefunden hätten, leichten Eingang finden können, zumal die Kirche gewis aller Orten den Misstand der „judicia ecclesiastica magistratuum territorialium“ zur Genüge erkannt hat. Aber – wir erkennen kein göttliches Recht der Hierarchie, der Episcopal-, der Patriarchalverfaßung. Wir erkennen klar und deutlich das Episcopat, welches in heiliger Schrift gegründet ist, welches mildem Presbyterate gleichbedeutend ist, und sehen nicht ein, wie Gemeinden recht geweidet werden sollen, in denen nicht das Episcopat in seine vollen Rechte eintritt. Aber wo steht eine Sylbe in der ganzen h. Schrift, welche mit Recht zum Beweis der Episcopalverfaßung, der bischöflichen Succession, eines röm. Primats gedeutet werden könnte oder dürfte? Eine romanisirende oder überhaupt altertümelnde, mystificirende Deutung der ἐπίϑεσις χειρῶν, ist am Ende alles und alles, was man erzwingen, aber nimmermehr beweisen kann. Die Schrift weiß von diesen Menschensündlein nichts. Denn, so ehrwürdig die Episcopalverfaßung etc. sich geschichtlich und de jure humano mag darstellen laßen, so verdient sie doch, wenn sie göttlichen Rechtens sein will, mit all ihrem Anhang weiter keinen Namen, als den eines argen Menschensündleins. Es mag mit dem Episcopate und der Succession überhaupt gegangen sein, wie in dem reformirten England. In England gieng die Reformation durch die Hände der hohen Geistlichkeit. Man | reformirte, behielt aber die bischöfliche Verfaßung und damit die Succession, ohne gleich anfangs einen sonderlichen Werth darauf zu legen. Nachfolgende Zeiten wurden auf diesen Rest päpstlichen Sauerteigs stolz, bis man denn einen Glaubensartikel daraus machte, und nun, ächt römisch, wie es sich bei dem neuen Bisthum von Jerusalem gezeigt hat, lieber jede andere Abweichung von der anglicanischen Kirche durchgehen läßt, nur nicht die rücksichtlich Succession und Ordination. Oder ist es nicht so, wenn die englische Kirche sich mit Lutheranern unter der Bedingung verbindet, daß ihre Ordination herrsche? Nicht auf Lehre, auf Verfaßung wird auf diese Weise die Kirche gegründet. So gerade in Rom. Die Succession machte sich anfangs von selbst, dann machte und erzwang man sie, auch wo sie sich nicht von selbst machen wollte. Je länger sie bestand, desto mehr machte man aus ihr, bis man endlich das päpstlich-hierarchische System darauf baute. Nun kann der Papst Griechen und Armenier bei offenbar abweichenden Lehren unter seinem Hirtenstabe dulden, weil sie nur des Papstes Primat, der Bischöfe Succession, – Roms Herrschaft zugeben. Es handelt sich allewege um eine Herrschaft – und das eben ist der Jammer, und eben daher erkennt man deutlich, daß das ganze Streben ein ungöttliches ist.
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 Ja, es gibt eine Einigkeit, die Einigkeit in Bekenntnis und Lehre, die Einigkeit des Glaubens! Sie ist von dem HErrn und Seinen Aposteln beabsichtigt, und in ihr besteht die schönste Herrlichkeit der Kirche. Aber gerade diese findet sich bei den Römern nicht: es kommt ihnen gar nicht sonderlich auf dieselbe an; im Gegentheil birgt man Griechen und Armenier im Schooße, duldet die Verschiedenheiten der Scholastiker, der Dominicaner und Franziscaner, der Jesuiten und welche noch? Ja man läßt ausdrücklich im Tridentinum und in sonstiger römischer Praxis die Gränzen unbestimmt und spricht nur scharf, wenn es von Rom und seinem Regiment sich handelt. Matthias Flacius, der eben so Recht hat, wo er recht redet, als er Unrecht hat, wo er unrecht redet, schrieb ein Buch de sectis, dissidiis et dissensionibus pontificiorum, und an Nachfolgern hat es ihm weder bei uns, noch bei den Reformirten gefehlt. Mag man es für fanatisch ausrufen, | wenn er die römische Einigkeit nennt satanica, politica, belluina s. pecuina, iscariotica, tyrannica et servilis, herodiana, extrinseca et accidentalis! Es gilt doch von diesen Beinamen allen, was man zu sagen pflegt: Aliquid haeret! Denn eine Einigkeit, die sich selbst höchster Zweck ist, ihr Leben um jeden Preis, auch um den der Wahrheit erkauft, die, wofern nur sie besteht, für die Menschheit alles gewonnen zu haben glaubt, – ist nicht vom Himmel und führt nicht zu ihm! – Das große „Es ist genug“ der Augsb. Confession, mit welchem sie auf einige Lehre und einiges Sacrament dringt, sei unser Feldgeschrei, unsre Losung, unser Feld- und Kennzeichen; von dem wollen wir uns auch durch nichts trennen laßen. Es gebe uns Ziel und Maß. Bis wir es völlig haben, möge unser Haupt nicht ruhen. Wenn wir es haben, gelte: „Behalte, was du hast, damit dir niemand deine Krone nehme!“

 Es gibt auch eine Succession, aber nicht der Orte und der Personen, sondern der Lehre. Die Lehre stirbt nicht aus und wohin sie wandert, da ist die rechte Kirche, da die rechten Bischöfe, die rechten Priester. Wo sie nicht ist, da ist alle andere Succession ein leeres Prophetengrab, eine leere, ja eine mit Moder und Raub gefüllte Schüßel. Wenn uns nur diese Succession der Lehre bleibt, dann fehlt es an Kraft und Leben nicht, auch vor der Menschen Augen zu beweisen, daß eine Kirche da ist! Auf diese Succession soll man dringen, dann fehlt nichts, – am wenigsten rechtmäßige Berufung der Lehrer, Handauflegung, Gebet, Segen und Gaben des h. Geistes zum h. Amte.

 Es ist ein Wunder über alle Wunder, weißt du welches? Nicht der römische Bau, der mit Händen gebaut und von Menschen errichtet ist, der sich hält nicht nach der Verheißung des HErrn. Der Wunderbau, von dem wir reden, ist nicht also gebaut. Der Bau, den ich meine, ist die Kirche des HErrn. Gleich dem Himmelsbogen scheint sie leicht gegründet; denn dem armen Erdbewohner scheinen nur irdische, menschliche Gründe und Grundfesten haltbar. Aber sie ist nicht leicht gegründet, denn sie ruht auf dem ewigen Worte. Das Wort bleibt bis ans Ende, bis ans Ende Gottes Schwur, daß es nicht unverrichteter | Dinge heimkehren soll, bis ans Ende die Kirche, das Werk des Wortes, welches Gott beschworen hat. Auf das Wort laßt uns schauen, im Worte einig sein! Es verkündigt sicherer, als der Regenbogen, Gottes Gnade und die Dauer der Kirche. Mögen unsrer Kirche Verfaßungen, ihre Ordnungen, ihre Zucht weit hinter dem zurückbleiben, was sie sein sollten und könnten! Mögen wir das beweinen! Zu verzagen ist deshalb nicht. Die Kirche bleibt in der Wüstenei, bleibt duftend, wie die Rose auf Dornen, so lange nur Wort und Lehre leben und im Schwang gehen. Es ist alles zu hoffen, wenn das Wort und die Lehre walten. Darum vor allem ums Wort laßt uns beten. Verfaßung, Ordnung, Liturgie und Zucht können mangeln und dennoch Tausende selig werden, wenn das Wort nur da ist. Am Wort liegts gar. Wir können es nicht entbehren! Keine Vergebung, kein Friede im Leben, keine Hoffnung im Tode, keine Seligkeit im Himmel, – kein Vaterunser hier, kein Halleluja dort gibt es, wenn wir das Wort nicht haben! Ums Wort beten wir unbedingt! Fürs Wort geben wir alles andre! Die ganze Welt schenken wir nöthigen Falls dem Römer, wenn wir das Wort behalten. Das ist mehr als Episcopat, mehr als Succession, – es ist die Quelle von allem Guten und der Tod aller Eitelkeiten!
Erhalt uns, HErr, bei Deinem Wort!


9. Heiligkeit des Lebens ist kein Kennzeichen der Kirche, am wenigsten im römischen Sinne


 Heiligkeit des Lebens kann nicht Kennzeichen der Kirche sein. Denn entweder ist sie inwendig oder auswendig. Ist sie inwendig, so kann sie von Menschen, die da sehen, was vor Augen ist, nicht erkannt werden, also auch nicht zum Kennzeichen der Kirche dienen. Ist sie auswendig, so ist sie vielleicht erheuchelt und Schafpelz, kann also nicht zu einem sichern Kennzeichen der wahren Kirche dienen. Deshalb hat auch der HErr vor denen, welche ihre falsche Lehre mit dem Schafspelz äußerlicher Werke zu schmücken suchen, Matth. 7, 15 | feierlich gewarnt, und alle nüchternen und besonnenen Ausleger haben die Warnung verstanden und sich von dem Geiste falscher Prophezei mit nichten dahin die Sache verkehren laßen, daß sie unter dem Schafpelz die Lehre, und unter den Früchten, nach denen man richten soll, die Werke verstanden hätten. Sie haben aus Luc. 6, 45 gelernt, daß des bösen Baumes Art zunächst am Wort und der Lehre erkannt werde, darum an Lehre und Bekenntnis alle, allerdings von Gott erheischte äußere Heiligung des Lebens erst geprüft werden müße. Lehre und Bekenntnis helfen den Menschen recht erkennen; aber äußerlicher Wandel ist trügerisch, da auch Heiden, Juden und Muhamedaner oftmals sich darin auszeichnen, und selbst der Antichristus eine gewisse Art des äußerlichen Lebens zu erheucheln nicht versäumen wird.

 Indes wäre es gerade unsern römischen Gegnern nicht nöthig, sich den Ruhm eines heiligen Lebens anzumaßen und uns das Gegentheil aufzurücken. Denn so ist der Ruhm gemeint. Die Klagen der älteren Zeit über das Leben des römischen hohen und niederen Clerus, der Mönche und Nonnen und des römischen Volkes überhaupt sind noch nicht verstummt. Oft findet man selbst bei den römischen Gemeinden, welche mitten unter Protestanten wohnen, eine Rohheit und Bosheit, durch welche sie in ganzen Gegenden ausgezeichnet sind, da sie doch schon der Gegensatz – unreiner Maßen zwar – erwecken könnte, ihrem Glauben durch äußeres Wohlverhalten Ehre zu machen. Manchmal erweckt auch der Gegensatz Achtsamkeit, und man erkennt zuweilen gerade im Vorhandensein benachbarter Protestanten den Grund und Reiz zu äußerlicher Ehrbarkeit. Von den rein römischen Gegenden und Landen her dringt auch jetzt noch kein sonderlich gutes Gerücht. Wir wollen diesen Punkt nicht sonderlich hervorheben, so sehr wir es vermöchten. – Die protestantischen Particularkirchen brauchen das anlangend die Vergleichung mit den römischen Gemeinden nicht zu scheuen. Wäre die Heiligkeit des äußerlichen Lebens wirklich ein Kennzeichen der wahren Kirche; so würde der Sieg sich leicht auf unsere Seite neigen.

 Wir wißen es wohl, daß unsre Gegner gerne auf den Mann Luther deuten und allen Fleiß anwenden, um ihm ein übles Gerücht | zu machen. Allein angenommen, Luther wäre so gewesen, wie sie sich ihn mit den Farben des eigenen, oftgesehenen Lebens gerne malen, was läge denn daran? Ist ers, an den wir glauben? Ist er für uns gestorben? Sind wir auf seinen Namen getauft? Ist er das Haupt der Kirche, das keinen Flecken haben darf? Wahrlich, wie Luther gelebt habe, das ist am Ende so gleich viel für den Bestand der Kirche, als irgend etwas. Es ist geringe Schlacht gewonnen, wenn Luther vom Schmutze seiner Feinde rein gewaschen ist. Es kann dies auch mit leichter Mühe geschehen. Zuweilen Muthwille, zuweilen ein zorniges, scheltendes Wort für die, welche an ihm und der Kirche am Ende viel mehr verdient haben, – das ists alles, was wir auf Luther müßen sitzen laßen. Dagegen ist es schamlose Frechheit, dem Manne nicht zu laßen, was er hatte und was je und je nur Bosheit und Neid unter tausendfachem Widerspruch begeifern konnte, – ein reines Leben. Thorheit der Gegner, an dem Einen Heros den Zorn auszulaßen, da sie Gefahr laufen, daß wir ihnen für alles, was sie an Luther tadeln, eine tausendfache und unwidersprechliche Antwort aus dem Leben so vieler Päpste, Cardinäle, Bischöfe, so unzähliger Mönche und Nonnen geben! Sie thun, als würden wir mit Luther alles verlieren. Sie vergeßen, daß es herrlich wäre, wenn von den Gliedern unserer Kirche nie anderes und nie mehr, und nie mit mehr Wahrheit gesagt werden dürfte, als was gegen Luther gesagt wird. Keine reinere Kirche, als die lutherische, wenn man sich gegen sie und ihre Glieder nur durch Lügen einen Schein geben kann!
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 Jedoch, das läugnen die Gegner wohl selbst nicht, daß in ihrer Mitte sich viel Schmutz des Lebens findet. Was sie gegen uns hervorheben wollen, ist eigentlich das Leben ihrer Heiligen. Diesen ihren Heiligen gegenüber betrachten sie auch den Mann Luther so gern. Allein, wenn wir ihnen den Vorrang in der Sünde zugestehen, ohne deshalb die eigene Sünde zu verläugnen; so können wir ihnen doch rücksichtlich der Heiligen keinen Vorrang laßen. Entweder waren die Heiligen heilige Bekenner, Märtyrer und Wohlthäter ihrer Brüder aus den ersten Jahrhunderten; dann waren sie unsre Brüder und wir nehmen ihre | Gemeinschaft in Anspruch; oder sie waren Asceten der römischen Kirche, die mit auffallenden, selbsterwählten Werken ihre falsche Lehre schminkten, dann können wir ihnen keine Heiligkeit zugestehen. Weit entfernt, zuzugestehen, daß diese die Gebote erfüllt und die sogenannten evangelischen Räthe ausgeübt und Verdienst sogar für andere erworben hätten, erkennen wir sie für arme Sünder in Lehr und Leben, die blindlings auf der breiten verkehrten Bahn andern vorangewandelt sind. Wir wollen gerne alles loben, was zu loben ist; wir wollen anerkennen, was sich Großes an gegnerischen Helden findet; wir wollen von einem Loyola, von einem Franz Xaver lernen und nehmen, was zu lernen und zu nehmen ist; wir wollen die Kraftanstrengung nicht läugnen, welche wir auf verkehrtem Wege so manchen römischen Asceten oder Jesuiten üben sehen. Aber es bleibt denn doch wahr, daß wahre Heiligung bei der verkehrten Lehre von der Rechtfertigung und Heiligung, wie sie von Rom ausgeht, kaum anders, als durch ein Wunder der Vergeßenheit des Bösen und einfältiger Liebe zu Christo sich finden kann.
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 Und was unsere Heiligen anlangt, so wollen wir eben so wenig heilig sprechen, was nicht heilig ist, als wir zur Schmach des HErrn vor unsern Gegnern blöde zurücktreten. Es ist nicht nöthig, blos auf die jungen Kinder hinzuweisen, die geheiligt und gereinigt aus dem Waßerbade der Taufe erhoben werden. Es ist nicht nöthig, sich blos mit Hinweisung auf den gewaltigen Spruch Jesaja 55, 10., mit der Unmöglichkeit, daß bei der reinen Lehre unserer Kirche kein reines Leben sein könne, zufrieden zu geben. Auch brauchen wir nicht blos an den jüngsten Tag zu appelliren, der alles klar machen wird, und nach 1. Cor. 4, 5. unsre Gegner mit dem Spruch zu warnen: „Richtet nicht vor der Zeit!“ Haben wir keine Helden in Aufopferung und Liebe? Wißen die Römer nichts von den zahllosen, standhaften, demütigen Märtyrern unseres Glaubens, die doch unter ihren Händen geblutet haben? Triefen nicht alle Lande noch von Erinnerung dieser wahren, unbescholtenen Heiligen? Wie würden sie sich rühmen, wenn Huß für ihre Lehre seinen Schwanensang gesungen hätte? Wie würden sie jubiliren, wenn die blutigen Ströme der Inquisitionen ein Zeugnis ihrer Lehre wären! Und wie | manchen edlen Helden und großen Wohlthäter der Menschheit haben wir aufzuzeigen, wie manchen, der sich ausgeliebt hat bis zum Grabe! Das ists, daß sie unsre Lehre der Mühen und Arbeiten, die wir erzählen können, nicht werth achten. Sie beweisen damit, daß ihnen selbst am Ende auf die Lehre, nämlich auf ihre Hauptlehre, alles ankomme, und daß auch sie am Ende alles Leben nach dieser Lehre richten. So wenig wir darum uns der Lehre halben vor ihnen zu scheuen brauchen, so wenig brauchen wirs des Lebens halben. So gewis unsre Lehre heilig ist, so gewis sind heilig, die ihr lebten und ihr starben.
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 Zuletzt aber sei noch eines erwähnt. Wer das recht faßt, dem wird das Auge für die wahren Heiligen unsrer Kirche geöffnet werden. Gegenüber den selbsterwählten Werken römischer Asceten verwies Martin Luther die Christen auf ihren Beruf,[1] in welchem Gottes Wort und Befehl sei, und wies sie an, ihren Glauben durch Werke des Berufes zu beweisen. Alle Berufeswerke sollten nach seiner Meinung Liebeswerke, gute Werke sein. Wozu einer keinen Beruf und Befehl Gottes nachweisen konnte, das galt ihm für kein gutes Werk. Es war ihm nicht genug, daß ein Werk aus dem Glauben kam; es mußte einem Befehl Gottes gemäß sein, dann erst war es ihm gut. Sein einfacher Fingerzeig auf die Gebote Gottes und die Haustafel des Catechismus verbannte alle Wählerei und Quälerei eigener Werke eben so aus dem Leben, wie sie aus der Schrift mit vielen Worten Gottes verbannt ist. Gottes Gebote und der zeitliche Beruf kamen durch Luther erst wieder recht zu Ehren! Damit fiel freilich die Ascese dahin. Die guten Werke giengen in die Stille. Rauschen und Beifallgeklatsch für sie gibts in unsrer Kirche nicht in der Weise, wie in der römischen. Von den guten Werken des rechten Glaubens heißt es: „Gott, man lobt Dich in der Stille zu Zion!“ Wer aber Augen hat, der bemerkt sie doch. Die Wohnstube des Hausvaters, die Kinderstube der Hausmutter, die Werkstatt des Handwerkers, das Feld des Bauers, Küche und Stall des Dienstboten werden durch die schöne Lehre vom Berufe und | der Güte der Berufeswerke verklärt. Es gibt da kein gemeines und ungemeines Leben mehr; sondern ungemeine Liebe übt sich im gemeinen Leben. Es gibt da keine Trennung von Gebot und Rath, von Mönch und Weltmann, von Priester und Laie: es ist einerlei Heiligkeit bei allen Gläubigen. Ein jeder dient dem HErrn an seiner Stelle – und jede Stelle wird so ein Altar des Lobopfers Gottes, ein Verherrlichungsort seines Namens, ein Schauplatz heiliger Liebe! – Darum öffne man nur die Augen, so wird man Heilige genug bei uns finden, wenn auch nicht unter mönchisch ausgezeichnetem Gewand, sondern verborgen im Habit des täglichen Lebens. – Gott geb uns unserer Heiligen viele, und schenk uns ihren Glanz zu schauen an jenem Tag, auf den es ankommt!


10. Wunder und Weißagungen sind kein Kennzeichen der Kirche.


 Daß die Wunder und Weißagungen der Propheten und Apostel der Wahrheit den Weg zu den armen Menschenkindern bahnen halfen, ist gewis. Die Wahrheit bedarf der Wunder und Weißagungen freilich nicht, sie ist über beiden, und offene Augen erkennen sie an dem ihr eigentümlichen Wesen und an der ihr eigentümlichen Sprache auch ohne Wunder. Aber es gibt viele Einfältige, viele von Vorurteilen Eingenommene, viele Träge und Schwache, welche der Wahrheit kein Ohr verleihen, wenn sie nicht auf irgend eine Weise besonders aufgeweckt und aufgerüttelt werden. Für sie sind Wunder und Weißagungen besondere Gnadenwohlthaten Gottes. Darum würde sich auch, wie wir mit den alten Kirchenvätern zugestehen, der schnelle Lauf des Evangeliums ohne die mitfolgenden Zeichen und Wunder nicht wol begreifen laßen, ohne ein Wunder anzunehmen, welches denn doch alle wirklich vorgekommenen Wunder überträfe.

 Nachdem freilich die Wahrheit und ihre Kirche in der Welt einmal eingeführt ist und seit 18 Jahrhunderten sich der Menschheit so sehr bewährt hat, bedarf sie der Empfehlung durch Wunder nicht mehr, nicht | mehr der Empfehlung durch Weißagungen. Deshalb sind auch der Wunder und Weißagungen weniger geworden. Die Erhaltung der Kirche unter den Anfeindungen des Teufels und aller seiner Rotten, ihr ungeschwächtes, frisches, immer jugendliches Bestehen seit 1800 Jahren ist selber Wunders genug, wenn etwa einer ja die Stimme der Wahrheit nicht an und für sich selbst für eindringend und überwindend genug hält. Ja, wir müßen nach solcher Gestaltung der Dinge uns hüten, daß wir uns durch Wunder nicht allzuleicht blenden laßen. Denn es gibt Dinge, welche Wundern ganz ähnlich sehen und doch keine Wunder sind, und man muß Wunder deshalb von wunderlichen und wunderbaren Ereignissen unterscheiden. Wunder im eigentlichen Sinn thut Gott allein, seis unmittelbar, seis mittelbar durch seine Knechte, wie denn geschrieben steht: „Gelobet sei Gott der HErr, der Gott Israels, der allein Wunder thut!“ Ps. 72, 18. Hingegen wunderliche, wunderähnliche Dinge, Wunder im allgemeineren Sinn thun nach Matth. 24, 24. ff., 2. Thess. 2, 9. und Offenb. 13, 13., auch falsche Propheten, der Antichrist, das Thier. Geben wir nun gleich gerne zu, daß der Arm des HErrn nicht verkürzt sei, daß Er, zumal wo es gilt, seine himmlische Wahrheit zu bestätigen, auch heute noch Wunder thun könne; geben wir zu, daß nichts in der h. Schrift ist, was besagte, daß gegenwärtig keine Wunder mehr geschehen können; so ist es doch sehr nöthig, die Dinge, die etwa vor unsern Augen geschehen, zu prüfen und die unverbrüchliche Regel zu behalten, daß wahre Wunder nur zum Besten der reinen Lehre geschehen können und daß sie ohne die uns längst bekannte reine Lehre des klaren Gotteswortes nichts beweisen. 5. Mos. 13, 1–5.
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 Aehnlich ist es mit den Weißagungen. Wir läugnen nicht, daß der Geist der Weißagung noch lebt, daß Er waltet und wirkt, daß die Gabe der Weißagung noch in der Kirche sei. Aber wir behaupten, alle Weißagung müße dem Glauben ähnlich sein, – müße namentlich im Neuen Testamente sich zu dem Worte des HErrn wie das Besondere zum Allgemeinen, wie der Schluß zum Satz, wie die Knospe zum Gewächse verhalten. Eine Weißagung nicht zur Bestätigung und nicht im Zusammenhang | der reinen Lehre ist eitel und ohne Werth. 5. Mos. 13, 1–5. Ferner eine auf pur menschlichen Gründen beruhende oder überhaupt von dem heil. Geiste nicht stammende, wenn auch noch so richtige Conjectur und Wahrsagung ist nicht Weißagung; so wie auch eine Bileamitische (4. Mos. 24.) oder Caiphas’sche (Joh. 11, 51.) Weißagung nichts für den Mann beweist, von dem sie kommt. Man hat sich daher mit den Weißagungen eben so in Acht zu nehmen, wie mit den Wundern, und fest darauf zu halten, daß alle Weißagung dem uralten Glauben der Kirche ähnlich sein müße. Röm. 12, 7.

 Bei diesem Unterschiede, welcher unter den Wundern und Weißagungen zu machen ist, erhellt es, daß sie keine Kennzeichen der Kirche sein können. Sie bedürfen erst der Sichtung und eines Kriteriums, welches eben in dem reinen Worte und dem wortgemäßen Bekenntnis der Kirche liegt. Sie legen kein klares Zeugnis ab; sie fordern ihrer Natur nach zur Prüfung auf, – und das um so mehr, als die Kirche diese ungewissen Zeugnisse nicht einmal alleine hat, sondern Ketzer, Heiden und der Antichristus sich derselben auch rühmen und rühmen werden.

 Uebrigens ist nicht abzusehen, warum sich unsere Gegner so gerne der Wunder rühmen. Die Wunder, welche in den ersten Jahrhunderten geschahen, geschahen nicht zu Gunsten der römischen Kirche – und wenn bei den Missionen späterer Zeiten sich wunderbares ereignet hat, war es ja wieder nicht zu Gunsten römischer Irrlehren. Kam aber unter dem Tone einer der Schrift widersprechenden Lehre wirklich wunderbares vor; so entbehrt es ja des göttlichen Ursprungs, da Gott dem Irrtum nicht durch Wunder zum Siege hilft. Und die neueren Zeiten, welcher Wunder könnten sie sich zu Gunsten der römischen Kirche rühmen? Wunder, wie sie ein Ratisbonne erfuhr, sind wahrlich ohne Mühe zu erklären, auch wenn sie nicht durch Bilderdienst gerichtet erscheinen. Und Wunder, wie sie der etwa heilige Rock von Trier thut, vermag auch eine einfache, dem nervenschwachen Geschlechte der Zeit imponirende Persönlichkeit – sei sie jüdisch oder muhamedanisch oder heidnisch – hervorzubringen. Wie viele Dinge dieser Art sollte man wol, wenn daran gelegen wäre, bei uns zu Tage fördern können! | Wir brauchen nicht auf Luther zurückzugehen, der so manches Wunderbare gewirkt hat, den man schon um dieser Dinge willen, wäre er römisch, zu Rom canonisiren würde! Es liefert jede Zeit unserer Kirche genug solcher Vorfälle, mit denen man Ratisbonnes Muttergottesbild und den Rock von Trier übertreffen könnte. – Eben so ist es mit der Weißagung, welcher sich zu rühmen die Gegner in dieser Zeit wahrlich keine Ursache haben.

 Möchten nur namentlich die Diener unserer Kirche der wunderbaren Gabe wahrnehmen, welche ihnen in dem reinen Worte und Gebete verliehen ist. Möchten sie aufhören, dadurch, daß sie Melancholische, Angefochtene oder beseßen sein Sollende von sich weisen und sie wie Narren behandeln, ihre eigenen Gemeindeglieder in die Hände und unter die Sprengwedel der Römer zu liefern! Möchten sie aufhören, durch Trägheit und Abstoßen Hilfsbedürftiger einen Anlaß zu geben, daß sich der Römer der Wunder an ihren Schafen rühmt! Es ist Zeit, daß man Gottes Wort und Gebet gebrauche und das Kirchengebet zum Segen aller Leidenden übe! Die vorhandene Gabe kann schlafen, aber auch erweckt werden. Der HErr hat unsre Kirche mit der Gabe des Gebetes nicht verlaßen, Er vernimmt und erhört ihr Schreien. Wo man die Gabe gebraucht, erkennt man bald die Hilfe und kräftige Erhörung, durch welche allerdings das lautere Wort und dessen größerer Segen dem Volke desto mehr empfohlen wird. – Der HErr sei mit uns! Sein Segen und die Gaben Seiner Gnade mögen bei uns sein und bleiben, auf daß man erkenne, der rechte Gott sei zu Zion!





  1. S. Luthers Auslegung des 4. Gebotes im großen Catechismus.
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