Lichtenstein

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Hauff
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lichtenstein
Untertitel: Romantische Sage aus der württembergischen Geschichte
aus: W. Hauffs Werke, Bd. I, S. 35–434
Herausgeber: Max Mendheim
Auflage:
Entstehungsdatum: 1825–1826
Erscheinungsdatum: 1891–1909
Verlag: Bibliographisches Institut
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig und Wien
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
siehe auch die Anmerkungen und die Lesarten des Herausgebers in diesem Band
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die Gartenlaube (1866) b 045.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[35]
Lichtenstein.
Romantische Sage aus der württembergischen Geschichte.

[36] [37]


Einleitung des Herausgebers.




Hauffs „Lichtenstein“ erschien in 3 Bänden im April 1826. Unter den Ankündigungen des „Wegweisers im Gebiete der Künste und Wissenschaften“ Nr. 44 (Beilage der „Abendzeitung“ von 3. Juni 1826) findet sich folgende Anzeige der Verlagshandlung: „Bei Gebr. Franckh in Stuttgart verläßt soeben die Presse: Lichtenstein. 3 Teile. 6 Fl. 30 Kr. oder 3 Thlr. 18 Gr. Es möchte für das gebildete Publikum von nicht geringem Interesse sein, wie der Herausgeber der so großes Aufsehen erregenden ‚Memoiren des Satan‘, der Verfasser des witzigen ‚Mannes im Mond‘ einen historischen Stoff zu einem Romane benutzte. Wir glauben sagen zu dürfen, daß dieser Roman, indem er sich in der vaterländischen Geschichte, auf vaterländischem Boden bewegt, indem er geschichtliche Charaktere auf die anziehendste Weise schildert, mit Recht den historischen Romanen der neuesten Lieblingsdichter an die Seite gesetzt werden kann und sich die Liebe des Publikums in einem hohen Grade verdienen wird.“

Auch dies Werk hatte Hauff, wie die meisten andern, in fast unglaublich kurzer Zeit vollendet. Während erst im Sommer 1825 der erste Teil der Satansmemoiren, sein „Mann im Mond“ und im Oktober der erste Märchenalmanach erschienen waren, sandte er bereits am 1. Dezember desselben Jahres seinem Verleger den ersten Teil des „Lichtenstein“ zu. Rastlos arbeitete er nun an der Fortsetzung, und bereits am 4. März 1826 konnte er schreiben: „Gegenwärtig werden die letzten Bogen vom zweiten Teil meines Lichtenstein gedruckt, und ich bin mit dem dritten erst zur Hälfte fertig. Ich muß ungeheuer arbeiten, daß mir die Druckerei nicht zuvorkommt.“ Wahrlich, unermüdlich muß er gearbeitet haben, denn schon am 15. April (nach Professor J. Klaibers Angabe) wurde der dritte Teil ausgegeben.

Nur Hauffs Art und Weise zu schreiben, ohne jede vorherige Skizze, ohne Entwurf, und seine Gewandtheit, sofort den Gedanken in die richtigen [38] Worte zu kleiden, macht diese ungeheure Schnelligkeit einigermaßen begreiflich.

Die Quelle dieses Werkes ist lediglich die Phantasie des Dichters, sein eignes Leben, seine Umgebung und das schwäbische Volk. Das Liebesleben des Helden und der Marie von Lichtenstein ist ein Spiegelbild seines eignen, das ja auch während der Studienzeit in Tübingen begann. Zu den geschichtlichen Gestalten hat ihm die Geschichte den Vorwurf gegeben, deren dichterische Verklärung ist aber sein eignes Werk. Das Schwabenvolk verkörpert er im Pfeifer von Hardt und seiner Familie; von den Gestalten, die an seine Umgebung erinnern, ist die ängstlich sorgende Amme des Ulmer Ratsschreibers zu nennen, in der die alte Haushälterin seines Großvaters, die Jungfer Sitzlerin, verewigt sein wird. Die Werke, an welche sich der geschichtliche Faden des Romans knüpft, führt Hauff selbst in seinen Anmerkungen auf; es sind vor allem die Werke von Tethinger, Sattlers „Geschichte der Herzoge“ und Pfaffs „Geschichte Wirtenbergs“.

Als eine Vorarbeit für den „Lichtenstein“ bezeichnet Professor Klaiber ein jetzt in seinen Händen befindliches Manuskript Hauffs, das eine Besprechung Walter Scotts und seiner Romane enthält.

Was Hauff zur Abfassung seines Romans bewogen hat, teilt er uns deutlich genug selbst in der Einleitung des Werkes mit. Als eifriger Leser und Verehrer W. Scotts tritt er in dessen Fußstapfen, nicht nur um sich in einer Nachahmung des gefeierten Briten zu versuchen, sondern mehr, um ihn gewissermaßen zu ersetzen, um den Deutschen zu zeigen, daß sie ihre Vorliebe für die Vergangenheit nicht aus englischer und schottischer Geschichte oder Sage allein zu befriedigen brauchen, daß auch die Vorzeit ihres eignen Volkes voll ist von würdigen Ereignissen und Charakteren, daß sich in den herrlichen Gegenden des Rhein- und Neckarthales nicht minder anmutig wandeln läßt als in dem romantischen schottischen Hochland.

Und wie richtig er das Gefühl seines Volkes erkannt, wieviel er von seinem Meister gelernt hatte, das beweist deutlich die günstige Aufnahme, die sein „Lichtenstein“ sofort in ganz Deutschland fand.

Unter den zeitgenössischen Rezensionen stellen die meisten, besonders die vor Hauffs Tode erschienenen, den „Lichtenstein“ über seine bisher veröffentlichten Werke; alle aber erkennen einstimmig das Talent des Verfassers und die Schönheiten des Romans an, nicht ohne seine Fehler und Schwächen zu fühlen. Der „Wegweiser“ Nr. 63 der „Abenzeitung“ vom 9. August 1826 schreibt darüber:

„Jedenfalls gebührt diesen Bänden der Vorzug vor den früheren [39] Schriften und man sieht mit Vergnügen, wie dieses vielseitige Talent sich eine andere Bahn bricht und versucht, welche wohl die sein dürfte, die für ihn zum Vorschreiten zum Ziele die geeignetste sei … Mit dem schönen und achtenswerten Bestreben, einem durch den Zeitgeist und andere Einwirkungen großenteils verkannten Charakter Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, hat er aus der langen und interessanten Folge der württembergischen Herzöge eben diesen ausgewählt, von dem er selbst in der Einleitung sagt: ‚Man hat ihn vielfach angefeindet u. s. w.‘ … An diese Begebenheiten knüpft sich die mit bleibendem Interesse durchgeführte Liebes- und Lebensgeschichte des trefflichen Ritters Georg von Sturmfeder und seiner Maria von Lichtenstein an … Ungemein kräftig und wahr sind sämtliche Charaktere gezeichnet … Ebenso sind einzelne Szenen mit einer Treue und Sicherheit der Hand gemalt, welche dem Verfasser große Ehre bringen und von Kenntnis der Vorzeit wie von hoher Phantasie in Ausarbeitung der Details zeigen.“

Die folgende Kritik, vielleicht unter allen die fachgemäßeste und anerkennenswerteste, erschien in Nr. 114 des „Litterarischen Konversationsblattes“ vom 16. November 1826. Sie lautet in der Hauptsache folgendermaßen:

„… Er (d. i. W. Scott) hat den Ton getroffen; sollte dies aber eine so ganz besondere Tonkunst sein, daß sie sich nur bei englischen Thematen brauchen ließe? Hier sehen wir einen Deutschen von Talent, der die ‚Memoiren des Satan‘ herausgibt, der schon einen hochberühmten deutschen Schriftsteller durch seinen Mondmann in einen translunarischen Ärger versetzt hat, an die Saiten rühren, recht geschickt und talentvoll; der Stoff scheint ergiebig, es ist auch ein Roman, ein historischer Roman, und einer, den man zu den bessern zählen muß, daraus geworden; aber gegen den Scottschen gehalten, kann er nicht so bestehen, daß wir Deutsche uns in die Brust werfen könnten. Der Grund scheint nicht im Talent des Autors zu liegen; wenigstens zeigt Herr Hauff auch in diesem ‚Lichtenstein‘, daß wir bei einer gediegenen Ausbildung desselben noch Treffliches von ihm erwarten können. Dann im Stoff? – Der Stoff ist vielleicht interessanter als die meisten zu den bessern schottischen Romanen des großen Unbekannten; und doch hat letzterer dem seinigen ein mehres Interesse zu geben gewußt.“ Es folgt nun eine Erläuterung der Erfordernisse zu einem historischen Romane und eine Darlegung der Gründe, weshalb sich die englische Geschichte mehr dazu eigne als die deutsche. „Der talentvolle Verfasser hat versucht, ein höheres Leben hineinzubringen; man sieht die [40] Flecke, wo er, dem fleißigen Bergmanne gleich, nach ergiebigern Adern schürfte, die aber freilich nicht immer zu Tage liegen, und die weder ein Dichter immer findet, noch ein Rezensent nachweisen kann. Die Scenen, wo Ulrich selbst erscheint, sind unstreitig die besten; der Moment, wo er am Ende des 2. Teils auf Lichtenstein die Kunde vom Verrate der Tübinger Ritter empfängt, streift an eine höhere Region. Gut sind die Partien in Ulm, auch die Scene in der Schenke; es steht nur alles zu fragmentarisch da. Am eigentümlichsten und lebendigsten aber bleibt der Aufenthalt in dem Hause des Pfeifers von Hardt. Die Liebe der hübschen, schwäbischen Bäuerin ist von weit höherem Interesse und größerer Wahrheit, als die des Helden zur schönen Erbin von Lichtenstein, wie es denn überhaupt kein glücklicher Ausweg gewesen, diesem Verhältnis beider mehr negativen als positiven Gestalten einen größeren Raum zu schenken … Nicht unbeachtet dürfen auch die Versuche des Verfassers bleiben, die deutschen Dialekte in einen deutschen Roman einzuführen. Die Schwäbin, der Österreicher und der Magdeburger scheinen ganz verschiedene Sprachen zu reden; das ist aber fast zu viel für einen deutschen Roman, was der Verfasser auch selbst mag eingesehen haben, als er die Reden der Schwäbin in das Schriftdeutsch übersetzte[1] … Auch wäre eine mehre Ründung, eine bessere Verschlingung der Begebenheiten hier zu wünschen gewesen, wo mehr die Facta, als die Gewalt großartiger Leidenschaften und einer Natur, die als Natur schon Bewunderung erregt, das Interesse ausmachen. Doch das ist ein Fehler, der an sich nur relativ, bei einem fleißigen Studium, wie wir es dem Verfasser vollkommen zutrauen, in spätern Arbeiten mehr und mehr verschwinden wird; daß er seinen Romanen eine künstliche Verschürzung zu geben weiß, davon zeigt sein ‚Mann im Monde‘ … Sonst können wir das Urteil fällen, daß der ‚Lichtenstein‘ ein Roman ist, der sich vorteilhaft unter der Mehrzahl der neuern auszeichnet und des Beifalls unserer Lesewelt in ungleich höherem Grade als so viele Romane und Novellen der Tageslitteratur würdig ist.“

In einer Besprechung geschichtlicher Romane im „Litteraturblatt“ Nr. 101 vom 19. Dezember 1826 heißt es: „In dieser Gattung (die an bekannte Weltbegebenheiten anknüpft) begründete ein geistreicher Erzähler, W. Hauff, seinen ‚Lichtenstein‘ … und zeigt dadurch, daß er auch noch etwas Edleres, Vollendeteres geben kann, als die Papiere [41] des Satans. Vermißt man hie und da darin auch noch jene Tiefe, die sich nur dann uns aufthut, wenn der Dichter alle Saiten des inneren Lebens zu berühren versteht, und fühlen wir uns trotz allem Heroismus der stillen Größe und der leidenschaftlichen Aufregung doch nicht immer ganz befriedigt: so beurkundet doch dieser immer kräftiger hervortretende Dichter ungemeines Talent für Darstellung, und selbst der gewagte Versuch, in W. Scotts Manier verschiedene deutsche Mundarten einzuführen, verdient Achtung, auch wohl kluge Nachahmung, wenn er auch noch nicht ganz gelungen wäre.“

Wir führen nun noch einige nach Hauffs Tode in Nekrologen eingeflochtene Kritiken über „Lichtenstein“ an. Im „Neuen Nekrolog der Deutschen“, Bd. 5, 1827, und, damit wörtlich übereinstimmend, in Nr. 3 der „Blätter für litterarische Unterhaltung“ vom 3. Januar 1828 wird gesagt:

„Obgleich unter allen Werken Hauffs der ‚Lichtenstein‘ vielleicht die meisten Spuren von Unvollkommenheit und Flüchtigkeit an sich trägt und vor allen eine Jugendarbeit genannt werden muß, so gewann er doch durch die Wahl des geschichtlichen Stoffes, durch die Anlegung des Ganzen, durch die gemütlich kräftige Individualisierung einzelner Nebenpersonen großes Interesse, und Hauff hat sich dadurch als vaterländischer Dichter die Liebe, ja die Begeisterung seiner Landsleute erworben.“

Gustav Schwab, der erste Herausgeber der Gesamtwerke des Dichters, äußert sich in den „Zeitgenossen. Ein biographisches Magazin für die Geschichte unserer Zeit“, 3. Reihe, 1. Band 1829, zum Teil sehr treffend in folgender Weise:

„Im strengen Studium seiner Charaktere und in deren psychologischer Behandlung ist Hauff allerdings hinter seinem Vorbilde zurückgeblieben: der Herzog Ulrich ist nicht in seiner ganzen Persönlichkeit aufgefaßt, das Barbarische seines Charakters ist oft ohne Not gemildert und hat hier und da moderner Zartheit Platz machen müssen, die an ihm ganz unstatthaft ist; im Namen seines Helden, des blutarmen und obscuren Junkers von Sturmfeder hatte sich der Dichter auf eine sehr unscottische Weise vergriffen, denn die Sturmfeder sind ein uraltes, sehr angesehenes, sehr reiches Adelsgeschlecht. Schlimmer als dieser kleine Fehlgriff ist die auch innerlich unbedeutende Gestalt dieses Helden, sowie die gänzlich modernen und alltäglichen Charaktere der Frauen, die sich aus dem ‚Mann im Mond‘ hierher verirrt zu haben scheinen … Ach in seinem ‚Lichtenstein‘ sind ihm die geistigen Physiognomien des Volks und des Bürgerstandes ganz besonders gelungen; Hans der [42] Pfeifer ist ein Original, das freilich nur in Schwaben geschaffen werden konnte, das aber auch hier nur ein Dichter herauszufinden vermochte. … Auch die Tochter des Pfeifers, die Ulmer Herren, der junge Kraft, der Dr. Volland (bei dem nur etwas Karikatur mit unterläuft) sind mit innerer Wahrheit gezeichnet. Ebenso großes Lob verdienen viele einzelne Situationen und Szenen des Romans. … In diesen Szenen sind namentlich auch die trefflichen Naturschilderungen … Beweise für eine vom Zufälligen und Konventionellen, sobald sie will, unabhängige Phantasie.“




  1. Dies geschah wohl nicht aus dem Grunde, sondern aus dem Glauben Hauffs, daß man in Norddeutschland den schwäbischen Dialekt weniger verstehen würde


Kapitelübersicht

Erster Teil Zweiter Teil Dritter Teil


Editionsrichtlinien

Die für dieses Werk maßgeblichen Richtlinien befinden sich auf der Seite W. Hauffs Werke.