RE:Iudaea

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band IX,2 (1916), Sp. 24582460
Linkvorlage für WP   
* {{RE|IX,2|2458|2460|Iudaea|[[REAutor]]|RE:Iudaea}}        

Iudaea Der Name geht nicht unmittelbar zurück auf hebräisches יהודה‎Jehuda, sondern auf aramäisches יהודיJehudāj, stat. emphaticus Plur. יהודיאJehudāje, Dan. 3, 8. Esra 4, 12, d. i. Ἰουδαῖος usw., vgl. ἡ Ἰουδαία χώρα Marc. 1, 5. 2. Makkab. 1, 1 ἡ χώρα τῆς Ἰουδαίας. Die älteste Quelle für den griechischen Namen ist bis jetzt das Fragment des Klearchos von Soloi (ca. 320), Joseph. c. Ap. I 22. 179. Im 1. Makkabäerbuch findet sich häufiger noch das hebraisierende Ἰούδα gegenüber dem aramäisch-griechischen Ἰουδαία‚ das ausschließlich im 2. Makkabäerbuch gebraucht wird. Der Name I. haftet an der jüngsten Geschichte ,Judas‘.

1. Das ursprüngliche Stammgebiet Judas, das den gleichen Namen wie der Stamm führte, war sehr klein. Die Grenzen werden durch Genes. 38. 1. Sam. 16, 16–18. 2. Sam. 14, 2 bestimmt. Danach gehörten zu Juda (vgl. Guthe Bibelatlas 1911 nr. 2) Kezib, Adullam, Timna, Bethlehem, Tekoa; auch Kegila scheint dazu gehört zu haben. Im Süden stößt daran das Gebiet von Kaleb, dessen nördlichste Stadt Bet-Zur ist; im Norden bildet die Grenze des von den Jebusitern besetzte Jerusalem; westlich saßen in der Ebene die Philister; östlich von Tekoa beginnt die Steppe. Daher erstreckt sich etwa das Stammland von Juda nördlich-südlich 15 km, und westlich-östlich bis zu 30 km. Nach 1. Sam. 16, 19f. 23, 7ff. zu schließen, erkannten die Judäer die Herrschaft Sauls an.

2. Durch David wurde das Gebiet von Juda bedeutend erweitert, dadurch daß er es mit den [2459] Wohnsitzen der Kalebiter, Keniter und Jerachmeeliter vereinigte, mögen diese Stämme auch eine gewisse Selbständigkeit behalten haben. Dem durch David vergrößerten Königreich Juda trägt die Grenzbeschreibung Jos. 15, 1ff. Rechnung. Vgl. dazu Guthe a. a. O. nr. 3. Im Norden geht die Grenzlinie vom Jordan über Bet-Hogla (Ḳasr Chadschle), die Quelle Rogel (Hiobsbrunnen) südlich von Jerusalem, das Tal Hinnom, Kirjat-Jearim, Ekron, Jabneel bis zum Mittelmeer; die Westgrenze bildet nach idealer Theorie, indem die Philisterstädte miteinberechnet werden, das Mittelmeer; die Südlinie deckt sich mit der Südgrenze Kanaans; die Ostgrenze ist das Tote Meer und der Jordan. Das umschlossene Gebiet selbst wird nach den vier Himmelsgegenden geteilt: 1. den Negeb (Jos. 15, 20–32) oder das Südland; nach der Angabe 15, 32 sollen es 29 Städte sein, in Wirklichkeit sind es 35; 2. die Abdachung nach dem Westen oder die Schephela, 15, 33–47, in vier Gruppen zerfallend; hier liegen auch die idealiter zugezählten Philisterstädte wie Asdod, Gaza, Ekron; 3. der Norden oder das Gebirge, in fünf Gruppen, 15, 48–60; Jerusalem gehört nicht mit zum Stammgebiet Juda, sondern wird Jos. 18, 11ff. Deut. 33, 12 zu Benjamin gerechnet; 4. die Abdachung nach dem Osten oder die Wüste, 15, 61–63. Im ganzen werden 123 Städte ʿArim (ערים‎) gezählt, das sind ummauerte Ortschaften. Dazu kommen die dazugehörigen Dörfer, Chazerim (חצרים‎).

3. Die nachexilische oder die persische Gemeinde Juda beschränkte sich etwa auf die Nordhälfte des ehemaligen Königreiches Juda mit dem Zentrum Jerusalem (vgl. die Bewohnerlisten Neh. 3 und 7 = Es. 2), während die Südhälfte mit dem Zentrum Hebron edomitisch war (vgl. Guthe Bibelatlas nr. 7 II).

4. In der Makkabäerzeit hat sich das judäische Gebiet wieder weiter ausgewachsen, teils durch die Werbekraft der jüdischen Kultgemeinde, teils durch Eroberungen der Makkabäer. Im Süden reicht es zunächst bis Bet-Zur, 1. Mak. 4, 29. 61; im Norden bis Bet-Heron 5 Stunden nordwestlich von Jerusalem, 1. Mak. 3, 16; im Westen bis Emmaus = Amwās, ca. 3 Meilen westlich von Jerusalem, 1. Mak. 3, 40. 42. Zu I. gehörten u. a. auch Jericho, Gazara, 1. Mak. 9, 50ff. 13, 43ff. Von Philisterstädten waren unterworfen von den Hasmonäern Asdod, Ekron. Seit 147 v. Chr. kamen hinzu die unter Jonatan von Demetrios II. erhaltenen 3 samarischen νομοί Apherima, 2. Sam. 13, 23, Lydda früher Lod in römischer Zeit Diospolis, jetzt wieder Ludd und Ramatajim, 1. Mak. 11, 28. 34. Idumaea, das von Josephus zu den elf Toparchien I.s gezählt wird bell. Iud. III 3, 5, war von Joh. Hyrkan 126 v. Chr. bezwungen und judaisiert worden. Im Aufstand gegen Rom traten die Idumäer als Juden auf, bell. Iud. IV 4, 4, und nach Marc. 3, 7 hatte Jesus vielen Zulauf u. a. auch aus Idumaea, d. h. doch wohl von dortigen Juden. Es ist aber fraglich, ob Idumaea in der Makkabäerzeit seit 126 zum eigentlichen I. miteinbezogen wurde. Das makkabäische I. ist im allgemeinen auch im Neuen Testament gemeint, wo von I. die Rede ist, Luc. 5, 17. Joh. 4, 3. Apostelgesch. 8, 1; ebenso bei Joseph. ant. XII 2, 3; bell. Iud. III 3, 5. [2460] Daneben kennt das Neue Testament noch einen weiteren Sprachgebrauch für I. (ähnlich bei Josephus). So ist Luc. 3, 1 I. der von den römischen Landpflegern (6–41) verwaltete Teil der Provinz Syrien; vgl. Joseph. ant. XVIII 1, 1; oder so bedeutet Apostelgesch. 1, 8. 2, 9 I. die von Juden bewohnten Gebiete Syriens. Oder so ist dem Joseph. ant. I 6, 2 Kanaan = I. d. i. das Judenland. Für die letzten Jahrzehnte vor dem jüdischen Aufstande (70) ist von Wichtigkeit die von Joseph. bell. Iud. III 3, 5 und Plin. V 14, 70 bezeugte Einteilung I.s in elf bezw. zehn Toparchien. Die elf Toparchien des Josephus sind 1. Jerusalem; 2. Gophna an der Straße von Jerusalem nach Sichem, nordwestlich von Bethel, im Talmud גופנא‎, das heutige Dschifna (Bädeker Pal. und Syrien⁷ 1910, 200); 3. Akrabatta Jubil. 29, 14, עקרבת‎‎ im Talmud Maas. II 5, 2. ʿAkraba. (Guthe Bibelatlas nr. 14); 4. Thamna d. i. Timnat Cheres oder Timnat Serach, Ri. 2, 9. Jos. 19, 50. 24, 30, das heutige Tibne, 7 Stunden nördlich von Jerusalem (Bädeker a. a. O. 201); 5. Lydda; 6. Ammaus = Emmaus, d. i. Amwās (= Nikopolis); 7. Pella. Da Pella selbständige, nicht zu I. gehörende Stadt ist, so ist dafür zu lesen Bethlehpheta, das Josephus bell. Iud. IV 8, 1 als Hauptort einer Toparchie nennt und auch Plinius (Betholethephene) unter seinen zehn Toparchien hat. Dieses B. ist das heutige Betnettif, Bädeker a. a. O. 115, das vielfach mit נטפה‎ Netofa Esr. 2, 22 gleichgesetzt wird; 8. Idumaea; 9. Engaddai = Engedi in der Wüste Judas, Jos. 15, 62, am Toten Meer, Hes. 47, 10; 10. Herodium s. Herodion (= Frankenberg); 11. Jericho. In dem Bezirksverzeichnis des Plinius sind die Nummern 2–6. 10 und 11 des Josephus enthalten. Iopica bei Plinius ist ein Fehler, da Jope selbständige Stadt ist und nicht zu I. gehört. Für Pella bei Josephus hat Plinius das richtigere Betholethephene und Orine des Plinius = ἡ ὀρεινή (ההר‎) ist das Gebirgsland Judas, d. h. nach Plinius eigener Angabe (Orinem, in qua fuere Hierosolyma) die Gegend mit Jerusalem (Schürer Gesch. d. jüd. Volkes II⁴ 230), also kein neuer Name. Plinius rechnet demnach Idumäa nicht zu den Toparchien I.s. Die ganze Einteilung in elf Kreise, die vor allem für die Zwecke der Steuererhebung diente, stammt aus römischer Zeit. Erste Spuren der Einteilung begegnen in der Zeit des Cassius, Joseph. ant. XIV 11, 2; bell. Iud. I 11, 2 (Schürer a. a. O. 234).

[Beer.]