Der Konfirmandenunterricht

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Autor: Friedrich Meyer
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Titel: Der Konfirmandenunterricht
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Erscheinungsdatum: 1885
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Erscheinungsort: Neuendettelsau
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Der
Konfirmandenunterricht.




Als Manuskript gedruckt
und
seinen lieben Konfirmandinnen
dargereicht
von
Friedrich Meyer, P.




Neuendettelsau, 1885.


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J. A. J.


I.

 1) Die heilige Taufe ist mein Lebensgrund. Auf ihr baut sich mein neues Leben auf bis in die Herrlichkeit der Auferstehung. Sie ist das Bad meiner Wiedergeburt.

 2) Ich will meinen Taufnamen in Ehren halten, bei welchem mich der HErr gerufen hat und rufen wird, wenn Er kommt.

|  3) Ich will meinen Tauftag feiern mit Lob und Dank, Bitte und Opfer. (Ich bin getauft am...

 4) Seit dem Tage meiner Taufe bin ich durch die Kirche genährt worden mit der Milch des Evangeliums. Die Kirche, meine Mutter, hat mich geistlich großgezogen. Sie hat mich unterwiesen in der heiligen Geschichte und in der heiligen Lehre (Katechismus) und hat mich durch Teilnahme an ihren schönen Gottesdiensten eingeführt in ihr heiliges inwendiges Leben.

 5) So bin ich nun fähig geworden: den Kampf wider Welt, Fleisch und Teufel mit Ernst und Treue zu kämpfen; und Dienst zu thun am Leibe JEsu. Ich bin zur Arbeit im Weinberg des HErrn berufen und soll von nun an meine Kräfte diesem Dienste voll und ganz hingeben.

 6) Was will ich nun? a. Ich will konfirmiert werden, d. h. ich will in dem durch meine Taufe mir geschenkten neuen Leben gestärkt, versiegelt, gekräftigt werden durch die Gaben und Kräfte des heiligen Geistes. Ich will durch die Kirche ausgerüstet werden für’s Leben, damit ich einen guten Kampf kämpfe, damit ich einen treuen Dienst leiste. b. Ich will zur ersten Kommunion kommen und damit eintreten in das sakramentliche Leben| der Kirche, damit ich des Wortes Kraft erfahre: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“


II.

 1) Es liegt alles daran, daß ich den Segen meiner Taufe fasse und erkenne, daß ich mich des Reichtums freue, der mir durch GOttes Gnade geschenkt ist. Ich will den Taufsegen zunächst an der Taufhandlung verstehen lernen.

 2) Wer hat mir die h. Taufe gespendet? Die Kirche durch ihren Diener, auf den Befehl Christi. Nicht Menschenwerk ist meine Taufe, sondern Gottes Stiftung, Gottes That, Gottes Wohlthat. Christus der HErr hat Seiner Kirche befohlen, aus Juden und Heiden Ihm eine Herde auszusondern und zu sammeln.

 Wie lautet Sein Befehl? „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet in den Namen GOttes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und sie lehret halten alles, was Ich euch befohlen habe.“ Matth. 28, 19.

 3) Das erste nun, was bei der Taufhandlung geschieht, ist, daß der Täufling (sei es am Taufstein, sei es an der Kirchthüre) bezeichnet wird mit dem Zeichen des †. Der Täufer spricht: „Nimm hin das Zeichen des heil. † beide an Stirn und Brust.“ Damit wird der Täufling als ein Eigentum| des Erlösers erklärt, sein Sinnen und Denken, sein Herz und Wille soll JEsu eigen sein; das Kreuz soll er willig auf sich nehmen und damit den Feind überwinden.

 4) Darauf betet die Kirche in zwei Gebeten für den Täufling: a. daß ihm die Taufe gespendet und damit die Pforte des Himmelreichs möge aufgethan werden; b. daß ihm Glaube und aller Segen der Taufe möge mitgeteilt werden.


III.

 1) Auf die in den beiden Taufgebeten an GOtt gerichteten Bitten antwortet nun der HErr in dem Taufevangelium. Bei Kindern liest man Marci 10, bei Erwachsenen Johs. 3. Der HErr sagt hier zu, daß Er den Täufling annehmen, ihm durch die Taufe die Thüre zum Himmelreich aufthun, ihn wiedergebären wolle durch Wasser und Geist. Solchen Segen nun des Taufevangeliums dem Täufling persönlich zuzueignen, wird unter Handauflegung über ihm das heilige Vater Unser gebetet.

 2) Nach altem Brauch verlief bis dahin die Taufhandlung an dem Eingang der Kirche. Man schritt nun zum Taufstein, und der Pfarrer sprach über dem Kinde: „Der HErr segne deinen Ausgang und deinen Eingang von nun| an bis in Ewigkeit.“ Dies geschieht noch, obwohl die alte Sitte dahin gefallen ist.

 3) Nun folgt die Taufbundschließung. Zwei mal drei und dann eine siebente Frage werden an den Täufling gerichtet und von diesem durch den Mund des Paten beantwortet. Die ersten drei Fragen und Antworten enthalten die Abrenunciation; die vierte, fünfte und sechste das Credo; die siebente lautet: Willst du getauft sein? Der in Sünden geborene und damit in der Gewalt Satans liegende Mensch entsagt dem Dienst des Fürsten dieser Welt und übergiebt sich dem Dreieinigen GOtte. Dies ist der „Bund eines guten Gewissens mit GOtt.“

 4) Derselbe wird besiegelt durch das Sakrament selber. Dem Täufling wird das Wasser übergegossen mit den Worten: N. N. ich taufe dich in den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Eingetaucht in die Person des Dreieinigen GOttes ist nun der Täufling rein gewaschen von der Sünde und bekleidet mit der Unschuld JEsu.

 5) Deß zum Zeichen breitet man das Westerhemd über den Täufling und derselbe empfängt den ersten Friedensgruß.

 Mit Dank und Segen schließt die sakramentliche Handlung.


|
IV.

 Worin besteht nunmehr der Segen, der mir in meiner Taufe mitgeteilt ist? Warum ist diese That GOttes eine so große Wohlthat für mich?

 1) Ich bin durch meine Taufe gesammelt zur Herde Christi: Matth. 28, 19. 20. Joh. 10, 16; bin nun nicht mehr verloren in der argen Welt, sondern gefunden und in GOttes Reich versetzt.

 2) Mir sind in meiner Taufe alle meine Sünden vergeben. GOttes Gnade hat sie mir um Christi willen abgewaschen, zugedeckt, rechnet sie mir nicht mehr zu, straft mich nicht ewig. Ap.-Gesch. 2, 38. Die Sünde ist nicht aus mir weggenommen, aber vergeben ist sie; die Schuld ist durchgestrichen, und das gilt von aller meiner Sünde, der Erbsünde sowohl, als der wirklichen Sünde. Der ganze Mensch, auch der Zeit nach, des Menschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist unter die Vergebungsgnade gestellt.

 3) Aber nicht bloß meine Sünde ist mir in der Taufe vergeben, es ist mir auch die Gerechtigkeit JEsu Christi zu eigen geschenkt. Ich bin mit Christo selbst, mit Seiner Unschuld bekleidet. Gal. 3, 26. 27. Und darin sieht mich GOtt an mit Augen des Wohlgefallens. Matth. 22, 12.

 4) Ich bin durch meine Taufe wiedergeboren in Kraft des heil. Geistes. Tit. 3, 4–7. Ein neuer| Lebensanfang ist in mir gemacht durch GOttes That. Er hat mich zu Sich in ein ganz neues Lebensverhältnis gesetzt. Ich bin kein Kind des Zorns mehr, ich bin ein Kind GOttes, Christus ist in mir geboren, und ich soll nun wachsen in Sein Bild. Christus soll immer mehr Gestalt in mir gewinnen. Das geschieht, wenn ich in täglicher Buße stehe, die Regungen des alten Menschen abtöte mit Ueberwindung aller Weichlichkeit, wenn ich im Glauben und Vertrauen auf den HEiland den neuen Menschen stärken lasse. Kräftige Abkehr von der Sünde, herzliche Zukehr zu JEsu. Das ist’s.

 5) Dies kann geschehen, denn es sind mir in meiner Taufe neue Lebenskräfte mitgeteilt: Lust, Kraft, Wille zum Guten; 1. Petri 3, 21. 22. Diese Segnungen meiner Taufe soll ich mir täglich neu aneignen.

 6) Ich bin als Kind getauft und die Kindertaufe ist uralter Brauch oder Tradition der christlichen Kirche, in keiner Weise der heiligen Schrift widersprechend. Sie ruht auf Marci 10 u. Johs. 3. Christus will, daß die Kindlein in’s Reich GOttes kommen, niemand aber kann anders, als durch die Taufe hineinkommen; also müssen die Kinder getauft werden. Der Taufbefehl JEsu stellt selbst die Taufe, wodurch wir in JEsu Schule gebracht werden, vor die Lehre, und wenn der HErr Marci 16| die selig preist, die da glauben und getauft werden, so nimmt die Kirche an, daß die Kinder, die zur Taufe gebracht, dem heil. Geist befohlen werden, Glauben empfangen, den Glauben, der sich der Wohlthat GOttes in der Taufe öffnet.


V.

 1) Von Alters her ist es in der Kirche Brauch, den Täuflingen Paten oder Gevattern (Mitvater) als Glaubensbürgen beizugeben. (Matth. 9, 2; Luc. 7, 2–5). Diese sollen von den Eltern des zu taufenden Kindes erwählt werden aus der Zahl der gläubigen, frommen Christen, wo möglich der eignen Konfession. Rang, Stellung, Reichtum, Verwandtschaft soll dabei nicht maßgebend sein. Die Pflichten christlicher Taufpaten sind Pflichten freiwilliger Liebe und beziehen sich ausschließlich auf die geistliche Fürsorge für die Täuflinge.

 2) Diese Pflichten sind aber folgende: a. Mit ernstlichem Gebet den Täufling Christo darzubringen. b. Zeuge zu sein mit Auge und Ohr, daß das Taufsakrament treu nach Christi Befehl verwaltet werde. c. An der Stelle und aus der Seele des Täuflings, so dieser ein Kind ist, mit Rede und Antwort den Taufbund zu schließen. d. Dem erwachsenen Täufling Zeugnis der vollzogenen Taufe zu geben. e. Denselben immer wieder zur Treue gegen seinen Taufbund| zu ermahnen. f. So weit möglich, mit dafür zu sorgen, daß der heranwachsende Täufling im Glauben seiner Taufe unterwiesen und erzogen werde. g. Treulich fürbittend, sonderlich mit dem Vater-Unser, dem Täufling zu dienen.

 3) Da die Kirche die heil. Taufe als zur Seligkeit nötig, also eine Taufnot, erkennt, so hat sie für den Fall, daß ein neugeborenes Christenkind in Gefahr steht, schnell dahin zu sterben, ohne daß man den Pfarrer noch erreichen könnte, die Not- oder Jachtaufe geordnet. Ein christlicher Mann oder Frau, welche konfirmiert sind, dienen dann dem Kinde in der Not.

Form der Nottaufe.

 Man betet zusammen das Vater-Unser; dann spricht der Taufende: O lieber JEsu Christe, wir opfern Dir auf Deinen Befehl dies Kindlein. Nimm es an und laß es einen Erben Deines Reiches werden, wie Du gesagt hast: „Lasset die Kindlein zu Mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Himmelreich.“ Amen.

 Dann nehme er Wasser, gieße es über das Kind und spreche: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

 In höchster Not kann man auch ohne weiteres zum Wasser greifen und die Worte des Taufvollzugs sprechen.

|  Erholt sich ein Kind, das die Nottaufe empfangen, von seiner Schwachheit, so soll es zur Kirche getragen und vom Pfarrer die Nottaufe bestätigt werden.


VI.

 1) Alle geistlichen Gaben und Wohlthaten, welche ich von meiner Taufe an bis auf diese Stunde empfangen habe, sind mir durch die Kirche zu Teil geworden. Sie hat mir treu und sorgsam gedient, von ihr will ich mich auch ferner in willigem Gehorsam leiten lassen, ich will mir die Gaben des Geistes, die der HErr Seiner Kirche anvertraut hat, schenken lassen.

 2) Was ist die Kirche? a. Sie ist die Stätte der Gegenwart Christi und des heil. Geistes auf Erden. Christus ist im hl. Geist ein naher GOtt. b. Sie ist die Heilsanstalt GOttes, von oben in diese Welt gebaut, damit das Heil, welches Christus erworben hat, der Welt mitgeteilt und das Seligkeitsgut von Geschlecht zu Geschlecht treu und unwandelbar erhalten und fortgepflanzt werde. c. Sie ist Christi Leib, ein heiliger Organismus, aus Christo hervorgewachsen, vom heil. Geiste belebt. Christus das Haupt; die Getauften die Glieder, eine sichtbare Schöpfung GOttes. d. Das ist die „Kirche“, wie wir sie im III. Art. bekennen. Zu ihr gehören alle Getauften. – So viele derselben nun auch| wahrhaft bekehrt sind, die haben Gemeinschaft untereinander in Christo. Es giebt eine „Gemeinschaft der Heiligen“, welche stehet im Wandel im Licht, im Glauben, in der Liebe und im Gebet. Durch das Sakrament des Altars wird diese Gemeinschaft gestärkt, erhalten, vertieft. 1 Joh. 1, 7.


VII.

 1) Die Kirche ist ein von Anfang an geordneter Leib des HErrn. Nicht die Gläubigen haben der Kirche die Ordnung mitgeteilt, Christus hat sie ihr gegeben. Sie ist ein Organismus, d. h. eine Einheit in der Mannigfaltigkeit, durchlebt von Einem Geiste. Ephes. 4, 3–6 ist ihre Einheit, 1. Cor. 12, 4–11 ist ihre Mannigfaltigkeit in dem Einen Geist bezeugt.

 2) Der gen Himmel gefahrene HErr JEsus Christus hat, wie es Eph. 4, 8–14 bezeugt ist, Seiner Kirche von Anfang an Ämter und Dienste geordnet, durch deren Thätigkeit die Heiligen sollen zugerichtet werden zu ihrer Vollendung. Drei dieser Ämter dienten der Gründung der Kirche: die Apostel, die Propheten und die Evangelisten. Zwei dienen der Erhaltung und Vollendung der Kirche: die Hirten und die Lehrer. Die Apostel waren Augenzeugen Christi, die den Auferstandenen selbst gesehen hatten; die Propheten waren mit der Gabe des| herzerschütternden Zeugnisses und der Geisterprüfung ausgerüstete Männer, die vom Anfang der Kirche auf ihr Ziel hindurchschauten; die Evangelisten waren Gehilfen der Apostel, die ihnen das Netz ziehen halfen; die Hirten und Lehrer sind die Pfarrer der Gemeinden, von Christo gesetzt, dieselben durch Wort und Sakrament zu weiden und zu regieren. Sie heißen auch Presbyter (Älteste) und Bischöfe (Aufseher). Die letzteren traten bald als Oberhirten über die Presbyter derselben Gemeinde, oder über viele Gemeinden (Diöcese, Sprengel) hervor.

 Auch für die leiblichen Bedürfnisse der Gemeinden, sonderlich ihrer Armen, war von Anfang an durch das Amt der Diakonie gesorgt, dessen Gründung uns Ap.-Gesch. 6, 1–6. erzählt wird, (cf. Röm. 16).


VIII.

 1) Zur gedeihlichen Ausrichtung der Ämter und Dienste hat der HErr Seiner Kirche die Gaben und Kräfte des heil. Geistes, die Charismen, gegeben und zwar in reicher Fülle am Anfang. Diese Geistesgaben gehören mit zur Vollkommenheit des Leibes JEsu; sie sind sehr mannigfaltig, aber alle von dem Einen heil. Geiste und sollen dem gemeinen Nutzen, d. h. der Erbauung des Leibes Christi dienen.

 2) Von ihnen wird geredet 1. Cor. 12 u. Röm. 12. Die Grundgedanken von 1. Cor. 12 sind folgende:| 1. Der Besitz des heiligen Geistes unterscheidet den Christen vom Heiden, v. 1-3. 2. Dieser Eine heil. Geist hat der Gemeinde eine Fülle von Charismen gegeben, wie der eine Christus mancherlei Ämter, der Eine Vater mancherlei Kräfte. Alle diese aber sollen dem Nutzen der Gemeine dienen, v. 4–7. 3. Diese mancherlei Charismen teilt der heil. Geist nach Seinem Wohlgefallen mit wem Er will, v. 8–11. 4. Der Leib JEsu ist eine Fülle von organisch verbundenen Gliedern, v. 12–20. 5. Diese Glieder bedürfen einander und auch die geringsten sind unentbehrlich, v. 21–25. 6. Alle haben gleiches Leid und gleiche Freude, v. 26. 7. Aber nicht alle haben gleichen Dienst und Auftrag, v. 27–30. 8. Nach den Gaben des Geistes sollen wir streben, v. 31. Ich will auch darnach streben.
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 3) Nehmen wir Röm. 12 dazu, so ergiebt sich eine Zwölfzahl von Charismen, nämlich: 1. Die Gabe der Weissagung oder Prophetie (Einblick in die Geschichte und Personen des Reiches GOttes). 2. Die Gabe der Lehre oder Didaskalie. (Mitteilung des Wahrheitsgutes an Andere). 3. Die Gabe der Ermahnung oder Paraklese (wirksam strafend und tröstend in die Seelen einzugreifen). 4. Die Gabe der Regierung oder Kybernese. (Das Leiten und Weiden der Herde in Kraft der Gnadenmittel). 5. Die Gabe der Weisheit oder Sophia.| (Alle Dinge in Beziehung zur Seligkeit zu ordnen). 6. Die Gabe der Erkenntnis oder Gnosis. (Einsicht in die Gedanken GOttes und deren Zusammenhang). 7. Die Gabe des Glaubens. (In thatkräftigem Glauben große Schwierigkeiten zu überwinden, Großes zu Stande zu bringen). 8. Die Gabe der Heilung. (Krankheiten durch Handauflegung und Gebet wegzunehmen). 9. Die Gabe der Wunder. (Die Kreatur in den Dienst des Glaubensreichs zu ziehen). 10. Die Gabe der Geisterunterscheidung. (Unmittelbarer Einblick in das Inwendige der Menschen. Gabe, die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden). 11. Das Zungenreden oder Glossolalie und deren Auslegung. (In ekstatischem Zustande eine neue Sprache zum Lobe GOttes zu reden). 12. Die Gabe der Hilfeleistung oder Antilepsis, die der Diakonie dient.


IX.

 1) In 1. Cor. 12 lesen wir, daß, wie unser natürlicher Leib viele Glieder hat, die alle ihre Ehre und Berechtigung haben, aber einander dienen sollen zu des Leibes Wohlsein, also auch die Kirche Christi, Sein Leib, ein Organismus von vielen Gliedern ist, die sich nicht in Selbstsucht von einander sondern und spalten, sondern zu gegenseitigem Dienst verbunden sein sollen in der Liebe.

|  2) Ich soll nun als ein Glied am Leibe JEsu auch dienen, je in der Stellung und Beruf, die mir GOtt anweisen wird und alle meine Arbeit, zu der ich berufen sein werde, soll ein Gottesdienst sein.

 3) Ich bedarf aber zum Dienst am Leibe JEsu der Kräfte und Gaben des heiligen Geistes. Welcher denn besonders? a. Ich bedarf die Gabe der Weisheit, damit ich alle meine Dinge und Aufgaben heilig ordnen und alles so thun könne, daß es dem Glauben und der Seligkeit dient. b. Ich bedarf die Gabe der Erkenntnis und der Geisterprüfung, damit ich in dieser Zeit, in welcher der Lügengeist herrscht und auch die Gläubigen verführt, fest stehe in der Wahrheit, die Lüge von der Wahrheit unterscheiden könne, und GOttes Gedanken nach Seinem Wort mir geläufig werden. c. Ich bedarf die Gabe des Glaubens, damit ich in dieser Zeit des Abfalls und der anhebenden schweren Gerichte GOttes nicht verzage, nicht verleugne, sondern standhaft überwinde. d. Ich bedarf die Gabe der Hilfeleistung, der Antilepsis, damit ich, wo ich dienen und helfen soll, es recht thue im Sinne JEsu. – Um diese Gaben will ich bitten; vor allem aber um die Liebe, ohne welche aller Dienst und alle Gaben wertlos sind vor GOtt.


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X.
 1) Wer ist der heilige Geist, der die Kirche durchlebt, sie ordnet, die Fülle der Gaben und Kräfte giebt? a. Er ist die dritte Person in der heiligen Dreifaltigkeit, der vom Vater und vom Sohne ausgeht; der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und geehret wird. Also nicht bloß eine Kraft GOttes oder eine Bewegung in den Kreaturen, sondern eine göttliche Person. b. Er ist der HErr, der da lebendig macht. Wie Er in der Schöpfung die von GOtt in die Erde gelegten Lebenskeime hervortrieb, so macht Er im Werk der Heiligung die Seelen lebendig, erweckt, erleuchtet, bekehrt, heiligt und führt sie zur Vollendung. c. Er hat im alten Testament durch die Propheten geredet, im neuen Testament ist Er Christi des ewigen Wortes Mund und redet durch’s Wort, lebendig, wirksam, Leben schaffend oder Tod wirkend. d. Er ist der Paraklet, der Tröster, der Stellvertreter Christi in der Kirche auf Erden. In Ihm ist Christus gegenwärtig, Er teilt die von Christo erworbenen Gnadengüter den Seelen zu. e. Er leitet die Kirche in alle Wahrheit. Dieselbe ist wohl von Anfang an die Inhaberin aller Wahrheit; aber der heilige Geist lehrt sie ein Stück nach dem andern von der Wahrheit GOttes verstehen,| fassen, erleben, erfahren. So die Kirche, so der einzelne Christ.

 Darum: Lüge nicht wider den heil. Geist, betrübe Ihn nicht, sei herzlich offen für Seine Einflüsse, Kräfte und Gaben.


XI.

 1) In der Geschichte, welche wir Ap.-Gesch. 8 14–17 lesen, haben wir ein Vorbild auf unsere Konfirmation. Die von dem Evangelisten Philippus getauften Samariter werden von den Aposteln Petrus und Johannes besucht, geprüft und empfangen auf das Gebet derselben unter Auflegung der Hände Geistesgaben, welche in diesem Falle der Versicherung der Apostel dienen sollen, daß auch ein Mischvolk, wie die Samariter, die von den Juden geächtet waren, Aufnahme in das Reich finden könnte. In der Taufe war ihnen der heilige Geist zur Wiedergeburt mitgeteilt; durch die Handauflegung der Apostel empfingen sie Charismen, die ihrer Eingliederung in die Kirche und der Aufgabe an derselben dienten. Sie wurden ausgerüstet zu Werkzeugen für das Reich GOttes.

 Ich bin in meiner Taufe wiedergeboren und habe den heiligen Geist empfangen, daß ich selig werde; in meiner Konfirmation will ich Gaben und Kräfte des heil. Geistes mir schenken| lassen zum Kampf und Dienst in der Kirche. Diese Gaben sollen mir auf das Gebet der Kirche durch die Handauflegung meines Hirten zu Teil werden. Ich aber will dazu Herz und Willen aufthun.

 2) Die Handauflegung kommt im alten und neuen Testament vor und ist überall ein Vehikel des wirksamen Gebets. a. Sie gehört nach Ebr. 6, 2 zu den Anfangsgründen christlicher Lehre. b. Sie wird von Christo geübt an den Kindern (Marci 10, 13–16) und an Kranken (Marci 8, 23, Matth. 9, 18) und ist da ein Mittel zur Überleitung von Segens- und Lebenskräften. c. Sie wird von Aposteln, Propheten, Hirten, Ältesten geübt (Ap.-Gesch. 8, 17; 6, 6; 13, 3; 19, 6. 1 Tim. 4, 14; Marci 16, 18) und dient zur Mitteilung und Übergabe von Ämtern, Diensten und Gaben des heiligen Geistes. d. Sie ist also keine leere Ceremonie, sondern eine Handlung im heiligen Geist, welche Lebenskräfte des Geistes in Bewegung setzt und zu den Menschen hinleitet.


XII.
 1) Die Handauflegung kommt im kirchlichen Leben und Handeln bei mannigfaltigen Gelegenheiten in Anwendung. a. In der Taufe nach dem Evangelium, und es wird damit unter dem| Gebet des Vater-Unsers dem Täufling der Segen dieses Evangeliums zugewendet. b. In der Konfirmation sind es die Kräfte und Gaben des heil. Geistes, welche auf die Fürbitte der Kirche im Glauben unter Handauflegung den Konfirmanden zugewendet werden. c. In der Absolution wird die Hand aufgelegt und damit der Vergebungssegen (Friede, Reinigung und Stillung des Gewissens) dem bußfertigen Konfitenten mitgeteilt, daß er nun nicht zweifeln kann: ihm gelte persönlich, was Christus Allen erworben hat. d. Auch bei der Kopulation christlicher Brautleute kommt die Handauflegung in Anwendung und es wird damit der Segen, den GOtt dem Ehestande verordnet hat, den beiden Kopulanden zugeteilt, damit sie die Gewißheit haben, sie seien durch GOtt einander vertraut. e. Bei der Ordination oder Priesterweihe wird vom Oberhirten oder einem andern damit beauftragten Amtsträger dem Ordinanden die Hand aufgelegt, wodurch das göttlich gestiftete Amt samt seiner Vollmacht der betreffenden Person als von Christo selbst übertragen wird. f. Auch bei dem amtlichen Gebet mit dem Einzelnen (Gesunden, Kranken, Angefochtenen) wird die Hand aufgelegt, um des Gebetes Inhalt zuzueignen. g. Endlich wird auch allerlei Segnung, vorab der aaronitische Segen, durch welchen GOtt Seinen Namen auf Sein Volk| zu legen befohlen hat, unter Handauflegung (oder Handerhebung über die ganze Gemeinde) mitgeteilt.


XIII.

 1) Ich bin nun so weit, daß ich am Kampf der Kirche, d. h. an der Überwindung der Welt, der Sünde und des Teufels, sowie an der Übernahme des Kreuzes und der Leiden selbstthätigen Anteil nehmen kann. Auch ist die Zeit für mich gekommen, da ich am Dienst der Kirche, d. h. an der Arbeit im Weinberg des HErrn, am Reich und an seinen Gliedern, mich selbständiger als seither beteiligen kann. Damit will ich mich als ein lebendiges Glied der Kirche erweisen. Dazu begehre ich in meiner Konfirmation gestärkt und ausgerüstet zu werden.

 2) Ich blickte darum vor allem rückwärts in meine kirchliche Vergangenheit und gedenke an die Treue meines Bundesgottes; aber auch an meine große Untreue im Bunde meiner Taufe. Es treibt mich beides zu Ihm zurückzukehren, enger, fester, treuer mich Ihm anzuschließen; und was meine Taufpaten einst für mich thaten, indem sie an meiner Statt Rede und Antwort gaben in der Schließung meines Taufbundes, das will ich nun von Herzen mit eigenen Lippen selbst thun: Ich will meinen Taufbund erneuern. Ich will selbst:| a. absagen dem Teufel, dem Feinde GOttes und meinem Feinde; absagen seinen Werken (der Lüge, dem Haß, aller Zauberei); absagen seinem Wesen (allem Pomp der Welt, ihrer Fleischeslust, Augenlust und Hoffart). b. Mich zusagen im Glauben dem Vater, Sohn und Geiste als ein Christ, der den Inhalt des Apostolikums nicht bloß kennt und mit der Einsicht für wahr hält, sondern eine göttliche Gewißheit hat von der seligmachenden Kraft aller der Thaten und Wohlthaten GOttes, welche im Credo bekannt werden. c. Ich will auch der Kirche, durch welche mir alle diese Wohlthaten GOttes zugekommen sind, Treue und Gehorsam geloben, damit ich in ihrem Kampf und Dienst beständig bleiben könne bis an’s Ende. Dies alles will ich thun in der Konfirmationshandlung, will’s aufrichtig und ernstlich thun, und dann Herz und Sinn öffnen für das, was die konfirmierende Kirche an mir thun wird.


XIV.
 1) Was bedeutet’s aber, daß ich der Kirche Treue und Gehorsam gelobe? Von den ersten Christen der Gemeinde zu Jerusalem heißt es: „Sie blieben beständig, d. i. treu, in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet“. (Ap.-Gesch. 2, 42). Darnach will ich meiner lieben lutherischen Kirche a. Bekenntnistreue halten,| d. h. von ihrer Lehre und Bekenntnis nicht weichen, weil ich weiß, daß dieses Bekenntnis alle Wahrheitserfahrungen der Kirche von Anfang nach GOttes Wort enthält; b. auch Treue gegen ihren Altar und Saleramentsverwaltung erweisen. Ich will fleißig zum Sakrament des Altars kommen und keinerlei Altargemeinschaft mit andersgläubigen Kirchen halten. Ich will mit aller Union unverworren bleiben. c. Ich will auch gegen die Ordnungen der Kirche, die unter der Leitung des heiligen Geistes geworden sind, Gehorsam erweisen und in Nichts mein Belieben und meine Meinung gelten lassen. d. Ich will auch für alle Not und Bedürfnisse der Kirche willig mein Opfer bringen, eingedenk des Wortes: „Wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen“, und: „Nehmet euch der heiligen Notdurft an.“ e. Ich will für die Kirche, ihre Not und ihre Bedürfnisse treulich beten und also die Gemeinschaft der Heiligen in ihr pflegen. f. Endlich will ich meine Treue gegen die Kirche damit beweisen, daß ich mich mitten in dieser bösen, abgefallenen Welt furchtlos zu ihr und ihrem HErrn bekenne und die Schmach Christi willig trage.


XV.
 1) Die Konfirmationsform nach der Erneuerung des Taufbundes ist diese: Der P. zeichnet| mich an der Stirn mit dem Zeichen des † und spricht: Ich zeichne dich N. N. mit dem Zeichen des hl. Kreuzes und konfirmiere dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. – Dann legt er mir die Hand auf und spricht: Nimm hin den heiligen Geist, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, von der gnädigen Hand GOttes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
Resp.: Amen.
(Oder eine andere Formel desselben Inhalts).

 2) Als ich in der Taufe mit dem Kreuze gezeichnet wurde, da bedeutete das, daß ich von Christo als Sein Eigentum aufgenommen sei; wenn ich nun in der Konfirmation mit dem heiligen † gezeichnet werde, so gemahnt mich das an das Wort des HEilands: „Wer Mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir.“

 Meine Konfirmation ruft und stärket mich zur Kreuzesnachfolge, zum heiligen Kriegsdienste in der Nachfolge des Herzogs meiner Seligkeit. – Ich will alle Leiden, Schmach und Haß der Welt um des Bekenntnisses zu JEsu willen gerne auf mich nehmen. Ich will auch alle übrigen Leiden, Strafen und Züchtigungen in Buße und Geduld tragen in Seiner Gemeinschaft,| damit sie mir ein heilsames Kreuz werden. Ich will mich im täglichen Sterben üben.

 3) Und wenn mir dann der Diener GOttes die Hand auflegt, so glaube ich, daß des heiligen Geistes Gaben und Kräfte mir aus Gnaden geschenkt werden: a. zum Schutz und Schirm vor allem Argen. Der „arg“böse Feind setzt mir zu, Versuchungen umgeben mich – der Geist des HErrn aber wird mich schützen; ich brauche nichts zu fürchten; b. zur Stärke und Hilfe zu allem Guten. Gut ist, was GOtt gefällt, was aus Liebe zu Ihm hervorgeht. Zu diesem Dienste GOttes bin ich aber von mir selbst zu schwach und träge. Des Geistes Kräfte werden mich stärken, mir helfen, mich fest und treu machen. Ich brauche nicht zu verzagen.

 4) Worin aber besteht solche Treue? a. in der Festigkeit in GOtt und GOttes Gedanken. b. in der Tapferkeit in dem mir von GOtt verordneten Kämpfe. c. in dem geduldigen Warten auf das siegreiche, herrliche Ende.


XVI.

 1) Was das Wesen der Absolution (Freisprechung von der Sündenschuld) sei, lernen wir an dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

 Darnach besteht sie in der Versicherung der Kindschaft an einen, der durch Sünde die Kindschaft| GOttes verletzt hat. Sie besteht in der Erfahrung von dem Vaterherzen GOttes in Christo JEsu.

 2) Willst du als getaufter Christ aus deinen Irrwegen durch Buße zurückkehren, so mußt du dir deine Taufe als ein Licht dienen lassen. Wie dem verlorenen Sohn die Erinnerung an’s Vaterhaus ein Licht war, das ihm heimwärts leuchtete, so muß es dir deine Taufe sein.

 Sie muß dir Einsicht in deine Sündenwege öffnen, sie muß dir den Willen stärken, zurückzukehren zu dem GOtte deines Bundes.


XVII.
 1) Das Wesen der Sünde, wie es uns gleich beim Sündenfall unserer ersten Eltern entgegentritt, ist die Selbstsucht, die Abkehr von GOtt, die Hinwendung zum eigenen Ich, also die Lieblosigkeit. Nur wer die Sünde so erkennt, erkennt sie recht. Der faßt es auch, daß mit dem Sündenfall das ganze Wesen des Menschen verkehrt, verdorben, gottlos geworden ist; denn mit der Tötung der Liebe ist aller Gottesgehalt gewichen. Nichts mehr in uns ist gut; denn nur die Liebe GOttes macht gut. So kommt denn aus dem Grund unsers verderbten Wesens nichts anders als Todesfrucht, tote Werke, von denen alle einzelnen, sowohl die bösen als die äußerlich guten Werke des| unerlösten Menschen, das Wesen der Sünde in sich tragen. Ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.

 2) Es gilt aber auch zu erkennen, daß mit der Sünde uns eine Schuld anhaftet. Die Schuld ist das Bewußtsein des Sünders, vor GOtt in Strafe, in Ungnade, unter Seinem Zorn zu stehen.

 „Welches Tages ihr davon esset, werdet ihr des Todes sterben.“ Das ist GOttes gerechtes Zorngericht. Der Tod aber, den wir verschuldet haben, ist der ewige Tod, die ewige Vernichtung durch den Zorneswillen GOttes.

 Dawider hilft keine Entschuldigung, und wer sich noch entschuldigt, beschönigt, rechtfertigen will, ist noch unerleuchtet, wie denn die blinde Welt von alle dem, was wir von Sünde und Schuld sagten, geradezu Nichts erkennt.

 3) Aus der Erkenntnis der Sünde und Schuld fließt die Erkenntnis unserer Hilfsbedürftigkeit. Wir können uns nicht selbst helfen, nimmermehr das verlorene Ebenbild GOttes an uns selbst wieder herstellen; wir können das durch unsere Schuld zerrissene Band der Liebe GOttes nicht selbst wieder knüpfen. Er muß aus Gnaden uns helfen.

 4) Dies immer mehr zu fassen, thut ernste Selbstprüfung not. Der Spiegel ist das| Gesetz. Dieses bietet uns einen Sündenspiegel, dessen Betrachtung uns erschrecken macht über uns selbst, und einen Tugendspiegel, aus dem wir beschämende Erkenntnis erlangen.


XVIII.
Der Sündenspiegel aus den 10 Geboten.
(Erschreckende Einsicht)

 I. Gebot: – Die Sünde des Hochmuts und der Undankbarkeit gegen GOtt, da wir uns selbst an GOttes Stelle setzen, nur uns lieben, uns vertrauen.

 II. Gebot: – Die Sünde der Gedankenlosigkeit und des Mißtrauens gegen GOtt (Gottesversuchung), da wir GOtt gerne in unsere sündigen Gedanken und Wege hereinziehen möchten.

 III. Gebot: – Die Sünde der Sattheit, des Überdrusses an GOttes Wort und beim Gottesdienst.

 IV. Gebot: – Die Sünde des Ungehorsams und der Unehrerbietigkeit gegen die Autoritäten auf Erden.

 V. Gebot: – Die Sünde der Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit, welche aus dem Hochmut stammt.

 VI. Gebot: – Die Sünde der Unreinigkeit| und Zuchtlosigkeit in ihren mannigfaltigen Gestalten.

 VII. Gebot: – Die Sünde der Ungerechtigkeit und Untreue, die des Nächsten Recht und Grenze nicht achtet.

 VIII. Gebot: – Die Sünde der Lüge in Gesinnung, Wort, Geberde und Benehmen.

 IX. Gebot: – Die Sünde der Besitzlust und Habgier, die das Herz verstockt gegen das Evangelium des armen JEsus.

 X. Gebot: – Die Sünde der Genußsucht und Unzufriedenheit, die sonderlich in unserer Zeit groß ist, ein Zeichen des herannahenden Untergangs.


XIX.
Der Tugendspiegel nach den 10 Geboten.
(Beschämende Einsicht)

 I. Gebot: – Die Demut und Dankbarkeit gegen GOtt.

 II. Gebot: – Die Gebetszucht und der Gebetsumgang mit G0tt.

 III. Gebot: – Der getreue Gebrauch der Gnadenmittel (Wort und Sakrament).

 IV. Gebot: – Gehorsam und Ehrerbietung gegen die Autoritäten.

 V. Gebot: – Die Liebe und Barmherzigkeit,| Sanftmut und Friedfertigkeit, die aus der Demut wachsen.

 VI. Gebot: – Die Keuschheit und Zucht, Mäßigkeit, Nüchternheit, Enthaltsamkeit an Leib, Seele und Geist.

 VII. Gebot: – Die Gerechtigkeit und Treue, die jedem das Seine läßt.

 VIII. Gebot: – Die Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Lauterkeit.

 IX. Gebot: – Die Genügsamkeit, die nur nach des Leibes Notdurft verlangt.

 X. Gebot: – Die Zufriedenheit, die der Weltliebe und -Lust abgestorben und im Entbehren glücklich ist.


XX.

 1) Aus der Betrachtung des Sündenspiegels gewinnen wir das Schuldbewußtsein, aus der Betrachtung des Tugendspiegels das Bewußtsein unserer Verdienstlosigkeit. Beides ist die Quelle des Trostbedürfnisses für uns sündige Kinder.

 2) Der Trost aber, dessen wir bedürfen, ist die Vergebung der Sünden, die Gewißheit, daß GOtt unsere Sünde nicht ansieht, Schuld und ewige Strafe aufgehoben habe.

 3) Diese Vergebung ist absolut notwendig; denn ohne sie ist keine Seligkeit; wer ohne Vergebung| stirbt, ist rettungslos verloren. Aber sie ist auch vorhanden, ich kann sie haben in der Kirche auf Erden.

 Siehe, das ist GOttes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.

 In dem gekreuzigten und auferstandenen HErrn JEsus Christus ist für alle bußfertigen Sünder die Vergebung der Sünden beschlossen.

 4) Es gilt nun diese Person des HEilands anzunehmen, nicht bloß Seine Lehre, Seine Worte, Ihn Selbst. Kommt her zu Mir! „Willst du Mich haben?“ so fragt dich der HEiland; und du? – du sollst Ihm dein Herz aufschließen rückhaltlos, du sollst dich Ihm hingeben, dich von Ihm in deinem Willen bestimmen lassen.

 5) JEsus aber ist dir kein fremder Heiland, Er ist in deiner Taufe dir eingepflanzt und du Ihm. So ist also alle Rückkehr zu Ihm, alle Bekehrung eine Rückkehr zur Taufe, Rückkehr zum Gnadenquell, und damit kräftige Abkehr von den Sündenwegen.


XXI.

 1) Die Buße oder Bekehrung (metanoia) besteht in zwei Stücken: a. Reue und Leid oder Schrecken haben über die Sünde; b. Glauben an das Evangelium.

|  Ganz herrlich sagt das der Art. XII. der Augsb. Konf.: „Von der Buße wird gelehrt, daß diejenigen, so nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, so sie zur Buße kommen, mögen Vergebung der Sünden erlangen und ihnen die Absolution von der Kirche nicht soll geweigert werden. – Und ist wahre rechte Buße eigentlich nichts anders, denn Reue und Leid oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und Absolution, daß die Sünde vergeben und durch Christum Gnade erworben sei, welcher Glaube hinwiederum das Herz tröstet und zufrieden macht. Darnach soll auch Besserung folgen und daß man von Sünden lasse; denn dies sollen die Früchte der Buße sein, wie Johannes spricht Matth. 3, 8: „Wirket rechtschaffene Früchte der Buße.““

 2) Solche Bekehrung oder Buße kann aber nie aus eigener Kraft und Vernunft des Menschen erfolgen, sondern ist eine Wirkung des heil. Geistes, welcher Seine Strafe und Seinen Trost jedem Sünder durch’s Gesetz und Evangelium anbietet. Dagegen soll ich nicht widerstreben, soll es vielmehr annehmen. Nicht: der Mensch bekehrt sich, sondern: der Mensch wird bekehrt.

 3) Das Strafamt des heiligen Geistes besteht nun eben darin, daß Er mir meine Sünde und| Todeswürdigkeit unter Schmerzen zur Erkenntnis bringt: a. Anerkennst du die Sünde als deine eigenste Schuld, die einzig dein Werk ist? b. Giebst du dich des ewigen Todes schuldig? c. Entsetzest du dich vor der Sünde, als vor einem Angriff auf die Majestät GOttes? d. Willst du dich gar nie mehr entschuldigen? e. Auch keine zeitlichen Folgen und Strafen der Sünde berücksichtigen? (Die göttliche Traurigkeit, II. Cor. 7, 10). f. Willst du auch gänzlich auf alles Gute an dir verzichten?

 4) Das Trostamt des heiligen Geistes besteht darin, daß Er dem also göttlich betrübten Sünder den auf Golgatha gekreuzigten und in der Kirche gegenwärtigen Heiland JEsum Christum anbietet, der, um den Sündern mitgeteilt zu werden, in Seiner vergebenden Liebe das heilige Amt der Schlüssel gestiftet hat, laut Joh. 20, 21–23.


XXII.
 1) Wir lesen Joh. 20, 21–23 und merken uns: a. JEsus teilt den Jüngern den Frieden mit, das ist die Gewißheit von der Vergebung der Sünden. b. Diesen Frieden sollen sie weiter mitteilen allen Sündern, die selig werden wollen; darum sendet sie der HErr, wie der Vater Ihn gesendet hat, darum erfüllt Er sie mit dem heil. Geiste| und übergiebt ihnen die Macht und das Amt Sünde zu vergeben und zu behalten.

 2) Die Absolution ist das auf Erden erschallende Echo der Rechtfertigung des Sünders, die GOtt im Himmel spricht. Hat der heilige Geist durch’s Werk der Erleuchtung den Sünder so weit gebracht, daß er wahrhaftig die Schrecken des Gewissens fühlt und seine Zuflucht in wahrem Glauben allein zum Gekreuzigten nimmt, so erklärt ihn GOtt im Himmel für gerecht, d. i. für frei und ledig von allen Sünden. Er thut’s aus Gnaden um Christi willen – und solche Freisprechung GOttes wird dem Sünder auf Erden kundgethan durch das Wort der Absolution – und diese nimmt der Sünder an allein durch den Glauben, und so wird ihm das Herz stille. Er ergreift das Leben, und der Tod muß von ihm weichen.

 3) Wir unterscheiden aber eine dreifache Sündenvergebung: a. Wenn ein Christ einen andern persönlich beleidigt hat, so soll der Beleidigte vergeben und ein versöhnlich Herz zeigen. b. Wenn ein Glied einer Christengemeinde durch öffentliche grobe Sünden und Laster der Gemeinde Ärgernis gegeben hat, so soll dasselbe, wenn keine Buße eintritt, aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Thut der Sünder Buße, so nimmt ihn die Gemeinde wieder auf und vergiebt| ihm. c. Die Vergebung GOttes aber durch JEsum Christum ist in die Hände der Hirten gelegt. Diese üben eben damit die fortgehende Fußwaschung Christi.

 4) Die Absolution ist nur wirksam und kräftig, weil der heil. Geist persönlich gegenwärtig ist in der Kirche, samt dem Vater und dem Sohne. Die Absolution stellt den Sünder wieder in die heilige GOttesnähe.

 5) Welches ist der Unterschied zwischen der Absolution und der Predigt? Die Predigt bietet vielen die Vergebung Christi im Evangelium an, die Absolution teilt sie dem Einzelnen mit. Sie ist ein Gnadenakt und reicht hinein in’s ewige Leben und hebt die ewige Strafe auf.


XXIII.
 1) Der Absolution geht voraus die Beichte oder das Bekenntnis der Sünden. Es giebt verschiedene Weisen der Beichte: a. Das Konfiteor oder „offene Schuld“ im sonntäglichen Hauptgottesdienst, entweder am Anfang desselben oder nach der Predigt. Beichtendes Subjekt ist hier die Gemeinde als Gesamtheit. b. Das wechselweise Konfiteor, wie wir es in der Matutin gebrauchen, zwischen Pfarrer und Gemeinde. Eine sehr schöne Form des Bekenntnisses. Beim Konfiteor| kann die Absolution entweder in voller Form oder als Trostspruch angewendet werden. c. Die sogenannte „Allgemeine Beichte“ vor dem Abendmahl. Beichtendes Subjekt ist hier nicht die Gemeinde, sondern eine zufällig zusammengekommene Schar von Kommunikanten. Die Absolution wird hierbei in voller Form gesprochen und kann mit der Retention für die Unbußfertigen verbunden werden. Diese allgemeine Beichte bestand nicht von Anfang an in unserer Kirche, sie ist ein Kind des Pietismus und Rationalismus. Sie ist nur um des Segens der Beichtvermahnung willen zu schätzen und ist da ganz unentbehrlich, wo an jedem Sonntag fleißiger Abendmahlsgottesdienst stattfindet. d. Die einzig richtige und zweckentsprechende Weise der Beichte ist die Einzelbeichte oder Privatbeichte, welche nach dem Bekenntnis unserer luth. Kirche im Katechismus und in der Augsb. Konfession allezeit im Brauch sein soll.

 2) Die Privatbeichte ist eine Ordnung der vom heiligen Geiste geleiteten Kirche und beruht: a. darauf, daß ohne sie das heilige Amt der Schlüssel gar nicht völlig ausgeübt werden kann. Ohne Privatbeichte giebt’s in Wahrheit keine tiefgehende Seelsorge. – b. darauf, daß es zur Wahrheit der Buße gehört, die Sünde auszusprechen und sich auf’s tiefste zu demütigen.


|
XXIV.

 1) Die Beichte begreift zwei Stücke: Das Bekenntnis und die Absolution. Man beichtet um der Absolution willen und diese ist Ziel und Hauptsache der Beichte. Das Bekenntnis ist des armen Menschen Wort, die Absolution ist des reichen GOttes Wort.

 2) Das Bekenntnis des Beichtenden soll sein: wahr, klar und aus der Tiefe. a. Wahr soll es sein, d. h. du sollst von dem, was du weißt und fühlst in deinem Herzen, nichts absichtlich verschweigen. Und was du also bekennst, das soll mit der Wirklichkeit genau übereinstimmen; nichts abthun sollst du und nichts zuthun. Du sollst auch die Sünde bei ihrem Namen nennen, und nichts schöner färben, als es ist. b. Klar soll deine Beichte sein, d. h. du sollst nicht um die Sachen herum reden, sondern einfach die Sache bezeichnen, damit der Beichtvater weiß, was gemeint ist. c. Aus der Tiefe soll deine Beichte gehen, d. h. du sollst aus wahrhaft reuigem Gemüte, mit zerbrochenem Herzen beichten. Und ist dein Herz kalt und gleichgültig, so sag und bekenne auch dies und begehre von GOtt, daß es anders werde.

 3) Fünf Grundgedanken aber soll jede rechte Beichte aussprechen: a. das Bekenntnis der Sünden; – b. die Reue und Leid über dieselben;| c. die Bitte um Vergebung; d. den Glauben an die Absolution; e. den Willen zur Besserung.

 4) Die Absicht, die dich zum Beichten treibt, kann eine verschiedene sein. a. Du kannst dich einem Beichvater zum erstenmal übergeben wollen; dann wirst du ihm deinen Lebenslauf mitteilen müssen. (Generalbeichte). b. Du kannst einzelne Sünden auf dir haben, deren Vergebung du begehrst; dann mußt du diese einzelnen Sünden mit allen Umständen nennen, ohne aber andere Personen mit Namen in deine Beichte hineinzubringen. c. Du kannst Rat nötig haben, wie du einzelne Sünden am erfolgreichsten bekämpfen mögest; dann wird ein „Beichtgespräch“ das beste sein. d. Du wirst zuweilen auch nur bedürfen, daß du der Vergebung aller deiner Sünden auf’s neue vergewissert werdest; dann genügt eine allgemeine Beichtformel. e. Du kannst auch zuweilen bedürfen, daß du gedemütiget werdest; dann sag das Demütigende rückhaltlos.

 5) Die Absolution aber sollst du: a. im Glauben aufnehmen; b. durch Dank bewahren; c. im Kampf bewähren.


XXV.
 1) Aus der Buße und Bekehrung soll hervorwachsen wie die Frucht aus dem Baume: die Erneuerung| oder Heiligung. „Wirket rechtschaffene Früchte der Buße“ und „Erneuert euch im Geiste eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an, der nach GOtt geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit“. Eph. 4, 22–24. Christus ist in der Taufe als „neuer Mensch“ in uns geboren, Er wird in der Buße und Bekehrung im Glauben von uns ergriffen und soll nun in der Heiligung von dem innersten Mittelpunkt unsers Wesens aus sich ausbreiten, auswachsen in unser ganzes Wesen hinein, bis in’s Auswendige. Christus soll eine Gestalt in uns gewinnen, d. h. man soll es uns ansehen, daß Christus in uns lebendig ist. Der Christ soll Christusartig werden. In der Absolution handelt es sich um den „Christus für uns“, in der Heiligung um den „Christus in uns“.

 2) Das Wesen der Heiligung ist nun die Dankbarkeit gegen GOtt, die Gegenliebe gegen Ihn, der uns zuerst geliebt hat: „Lasset uns Ihn lieben, denn Er hat uns zuerst geliebet“. All unser Leben soll ein Dankopfer für GOtt werden. Das ist die rechte Nachfolge Christi.

 3) Wer im Leben der Erneuerung steht, der wird auf Grund seiner Taufe und der oft empfangenen Absolution, um die tägliche Reinigung besorgt sein. Bedenke dabei die vierte Frage des| IV. Hauptstücks: „Was bedeutet denn solch Wassertaufen?“ und vergiß nicht, daß das Reinigungsmittel das teure Blut Christi ist, welches du dir durch den Glauben immer wieder lebendig aneignen mußt. 1 Joh. 1, 6–10.

 4) Im Stande der Heiligung ist aber fortgehender Kampf notwendig gegen Teufel, Welt und Sünde; denn: „Wer nicht kämpft, tragt auch die Kron’ des ewigen Lebens nicht davon“. Zu diesem Kampfe gehört aber: a. Wachsamkeit, die den Feind, die Versuchung sieht und erkennt; b. die Waffenrüstung GOttes, wie sie Eph. 6, 10–18 beschrieben ist, und sonderlich das Wort GOttes, welches festgehalten werden muß; c. das Gebet im Glauben aus der Tiefe.

 5) Die Früchte des Heiligungsstandes sind die guten Werke, welche die Gläubigen und Neugeborenen zu thun schuldig sind, ihren Gehorsam und Dankbarkeit gegen den gnädigen Vater im Himmel damit zu beweisen! (vgl. Gal. 5, 22–24). Gute Werke sind aber: a. solche, die GOtt in den 10 Geboten geboten hat; b. solche, die aus Liebe zu GOtt im Gehorsam der Gebote geschehen.


XXVI.
 1) Wir lesen nun Joh. 15, 1–7 und merken uns: a. Christus ist der Weinstock, welchen der| Vater in diese Welt gepflanzt hat. b. Wir, die getauften Christen, sind die Reben. „Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht“, so singen wir jetzt täglich. Als wilde Reben sind wir in den edlen Weinstock, Christus, eingepfropft, eingesenkt worden, damit wir Frucht bringen, d. h. immer mehr geheiligt und erneuert werden. Dies geschieht durch fortgehende Reinigung kraft des Wortes der Vergebung im Blute JEsu und dadurch, daß der Lebenssaft Christi, Sein heiliges und reines Menschenleben, immer mehr in uns übergehe, auf daß wir nach Ihm geartet werden. Joh. 19, 34.

 2) Dies vollzieht sich nun im eigentlichen Sinn des Wortes durch rechten Genuß des heiligen Altarsakramentes, Christi Leib und Blut geht in uns über, wir werden „Glieder Seines Leibes, von Seinem Fleische und von Seinem Gebeine“. Eph. 5, 30.

 3) Das heil. Abendmahl ist ein Sakrament, d. i. eine von GOtt Selbst gestiftete und geordnete Handlung, in welcher Christus Selbst persönlich und leibhaftig gegenwärtig ist. Er, der GOtt und Mensch ist in Einer Person, ist Selbst der Hirt und Wirt der Seinen (Psalm 23) und übergiebt uns Selbst Seinen wahren Leib und Blut unter dem Brot und Wein. Diese Kreaturen: Brot und Wein| (sichtbare Zeichen oder Elemente) werden durch Christi Stiftung zu Trägern Seines Leibes und Blutes, sie thun einen heil. Dienst für’s Reich der Seligkeit und gehorchen dabei den Gesetzen, die für diesen Dienst auf eine uns unbegreifliche Weise walten. „Nein, Vernunft, die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen.“ Das Sakrament des Altars ist im eigentlichen Sinne des Worts ein Wunder aus dem Wunder aller Wunder: „Das Wort ward Fleisch“, allein zu fassen im Glauben.

 4) Nach der Lehre unserer luth. Kirche vollzieht sich im Sakrament kraft des Stiftungswortes Christi (Konsekration) eine Vereinigung Seines Leibes mit dem Brote, Seines Blutes mit dem Weine, so daß das, was wir im Brote mit dem Munde empfangen, Christi Leib, was wir im Weine mit dem Munde empfangen, Christi Blut ist, laut Seiner Worte: „Nehmet, esset, das ist Mein Leib; – trinket alle daraus, das ist Mein Blut.“

 Von dieser, einzig dem Wort entsprechenden Lehre unterscheidet sich die Lehre der röm.-kath. und der ref. Kirche. Die röm.-kath. Kirche lehrt: Die Substanz von Brot und Wein wird durch die priesterliche Konsekration in die Substanz des Leibes und Blutes Christi verwandelt (Tranzsubstanziation).| Der also vom Priester hergestellte Leib Christi wird unblutig GOtte zum Sühnopfer dargebracht für Lebende und Verstorbene. (Meßopfer). Die kommunizierenden Laien empfangen nur die geweihte Hostie, welche außer der Kommunion auf den Altären ausgestellt, in Prozession umhergetragen wird zur Anbetung.

 Die ref. Kirche lehrt: Brot und Wein im Abendmahl sind bloße Zeichen oder Symbole des Leibes und Blutes Christi. Diese selbst sind in Brot und Wein nicht gegenwärtig, sie sind im Himmel und können überhaupt mit dem Munde, leiblich, nicht empfangen werden. Wer sie geistlich im Abendmahle empfangen will, muß mit dem Glauben „in den Himmel steigen“.

 5) Das Sakrament des Altars gehört zu den Geheimnissen GOttes, die Seiner Kirche vertraut sind und durch die Hand ihrer Diener ausgeteilt und gespendet werden.


XXVII.

 Für die Feier oder Liturgie des Hauptgottesdienstes ist das heilige Abendmahl das Ziel, nach welchem hin alle einzelnen Teile des Gottesdienstes, wie zum Mittelpunkt deuten und laufen. Darum ist es wichtig, den Gang und die Bedeutung der Liturgie zu kennen und zu verstehen.[1]

|  Du willst mit der Gemeinde dem HErrn nahen. Was wirst du zuerst zu thun haben? Du wäschest die vom täglichen Wandel staubig gewordenen Füße, du bereitest dich zum Gottesdienst durch Sündenbekenntnis und Absolution. Deine erste Andacht ist also das Konfiteor.

 Die schwerste Last ist nun abgelegt. Der Introitus beginnt und damit tritt der besondere Charakter des Sonn- und Festtags dir in’s Bewußtsein. Zum Frieden der Vergebung tritt die Festfreude.

 Ledig der schwersten Last trittst du in die Feier des Sonntags oder Festes ein. Aber die Erde hat noch andere Lasten und Leiden. Das Leben, der Tod, die Ewigkeit treten mit allen bittern Früchten und Folgen der Sünde drohend auf deinen Weg zum Heiligtum. Darum folgt auf den Introitus das Kyrie, welches alle Leiden der Zeit und Ewigkeit in GOttes Erbarmung befiehlt.

 Im Konfiteor und Kyrie hat sich die Menschheit vor GOtt gestellt, wie sie vor der Weihnacht war und ohne Christum ist und sein wird. Hilfsbedürftig steht sie vor GOtt und der HErr naht Sich ihr unter den Lobgesängen der Engel. Wie in die Krippe, so kommt der HErr zur Gemeinde unter dem Gloria.

 Er kommt, Er wird empfangen und gepriesen als der Dreieinige, zu dem man sich in Christo JEsu| naht. (Wir loben Dich, wir benedeien Dich u. s. w.) – Sein gnädiges Angesicht leuchtet, aber noch schweigt Er, noch hört Er auf die Rede der Gemeinde. Darum faßt sie nun noch einmal all ihre Bedürfnisse und Bitten zusammen in der Kollekte. In Einem hellen Gedanken flammt die Seele auf und wirft sich dann mit einem gläubigen Amen harrend vor Dem nieder, der Gebet erhört.

 Die Gemeinde schweigt. Da bricht Er das Schweigen und gönnt der Gemeinde die Gnade Seines Wortes. Sein Geist zeugt durch den Mund der Apostel im apostolischen Wort. (Epistel).

 Ein jubelndes Halleluja antwortet Dem, der Sich zu Seinem Volke neigt. Das Halleluja verstummt. Aber Er redet weiter. Man vernimmt des HErrn eigenste Worte im Evangelium. Immer näher thut Sich der HErr zu Seinem Volke.

 Wiederum antwortet ein jubelndes Halleluja und die Herzen entbrennen durch die Kraft des Evangeliums im Glauben. Aus der Anbetung wird die seligste Vereinigung mit dem HErrn im Credo, und fröhliche Zuversicht erfüllt die Seelen. Man sitzt vor Seinem Angesichte nieder und es beginnt in der Predigt das selige Homilein, die Gemeinschaft der Heiligen, die sich vor dem HErrn des HErrn freuen.

 Hier steht man wie auf dem ersten Gipfel des| Gottesdienstes, wie auf Horeb. Aber die Gemeinde wandelt einmütig höher hinauf zum Sakrament.

 Sie fühlt sich als des HErrn Braut und gedenkt in ihrem Reichtum aller besonderen Not und Notdurft, die auf Erden ist. Mit ihrer Bitte, Gebet und Fürbitte Alle segnend, geht sie dem Altar zu in dem Bewußtsein, daß die Gemeinde der Seligen im Himmel mit ihr betet, dem Tag der Herrlichkeit entgegen.

 Vom Bittgebet geht die Gemeinde zur Danksagung über in der Präfation. Die Danksagung aber verliert sich im Sanctus, im dreimal Heilig aller Himmel; und ergriffen vom Sanctus sieht sie den HErrn zum Sakramente kommen, und Ihm entgegen tönt das wonnevolle Hosianna.

 Höher steigen kann sie nicht. Eine kurze, aber tiefe, erwartungsvolle Stille tritt ein und ohne Übergang unvermittelt beginnen die wunderbaren Worte des Testaments. GOtt ist gegenwärtig und das Lamm. Im Staube, auf den Knieen liegt die Gemeinde vor dem HErrn. Erhoben zum gegenwärtigen HErrn, demütigt sie sich, betet im höhern Chore, befiehlt im Agnus und im Vater-Unser alles, was uns zeitlich und ewig not thut, der gnädigen Erhörung des HErrn HErrn.

 Nun wird alles Zittern, alles Zagen, welches durch das Kommen des HErrn auf’s neue erweckt ist,| vollends überwunden, wenn der HErr den Frieden bietet Seinen Gästen. Inniges Wohlsein, herzliches Verlangen durchdringt die Seelen und, den Tod des HErrn verkündend, kommt man zum Altare und empfängt das Sakrament.

 Aus Glauben in Glauben, von einer Stufe zu der andern ist man gegangen. Zur seligsten Erfahrung ist man gekommen, nicht mehr aufwärts steigen kann man, es sei denn durch den Tod. (Nunc dimittis). Abwärts geht man durch Dank-Kollekte, Benedikamus und Segen zum gewohnten Schluß des Gottesdienstes.


XXVIII.

 1) Die Komunikanten werden nach Christi Ordnung durch Seines Dieners Hand zuerst mit Seinem Leib und darauf mit Seinem Blute gespeist und getränkt. (Distribution). Die Spendeworte lauten also:

 Herr, ich bin nicht wert, daß Du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.
 Nimm hin und iß, das ist der wahre Leib unseres HErrn JEsus Christus, der für deine Sünden in den bittern Tod gegeben ist.
 Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Seine Wohlthat, die Er an mir thut? Ich will den| heilsamen Kelch nehmen und des HErrn Namen predigen.
 Nimm hin und trink, das ist das wahre Blut unsers HErrn JEsus Christus, das für dich und für Viele vergossen ist zur Vergebung der Sünden.
 Der heilige Leib unsers HErrn JEsus Christus und Sein teures Blut bewahre dir Leib und Seele zum ewigen Leben. Amen.

 2) In diesem letzten über die Kommunikanten gesprochenen Votum ist zugleich der eigentümliche Segen ausgesprochen, welcher durch das Sakrament des Abendmahls mitgeteilt wird. Derselbe besteht darin, daß durch die Nießung des Leibes und Blutes Christi dem gläubigen Empfänger ewiges Leben mitgeteilt wird (Auferstehungsleben) für Leib, Seele und Geist. Die Absolution nimmt den Tod aus uns hinweg, das Abendmahl teilt ewiges Leben mit.

 Hiervon, also vom gläubigen Empfang Seines Leibes und Blutes im Sakrament redet der HErr im Evangelium St. Johannis 6; merke besonders hieraus v. 35, 40, 50, 51, 53, 54.


XXIX.
 1) Der heil. Apostel Paulus warnt 1 Cor. 11, 20–34 die Corinther und somit uns alle vor unwürdigem Genuß des heiligen Abendmahls. Du| sollst das heil. Sakrament auf eine würdige Weise genießen. Wir sind alle dieser hohen Gabe unwert, aber gerade deshalb sollen wir mit doppeltem Fleiße darauf achten, daß wir in würdiger und geziemender Weise zum Tische GOttes treten, daß wir dieses Mahl von jeder anderen Mahlzeit unterscheiden, und uns am Leibe und Blute des HErrn nicht versündigen.

 2) Nach alledem, was der Apostel den Corinthern schreibt, gehören zur würdigen Feier des Sakramentes hauptsächlich drei Stücke: a. Die Sophrosyne, d. i. Mäßigkeit, Nüchternheit des Leibes und der Seele. Rein am Leibe, mäßig im Genuß der irdischen Speisen, frei von Sündenliebe, ohne einen Bann auf deiner Seele sollst du bei dem heiligen Abendmahle erscheinen. b. Die Agape, d. i. Liebe und Barmherzigkeit. Herz und Hand voll Güte und Liebe gegen die Elenden, im Frieden mit den Brüdern, ehrlich ausgesöhnt mit deinen Feinden sollst du zu Dessen Tisch kommen, der Sich Selbst dir giebt. c. Der aufrichtige Glaube an das Wort und an die Gabe des Sakraments. Deine Sünde bereuend, ernstlich vertrauend auf das allmächtige Blut JEsu als das alleinige Reinigungs- und Lebensmittel unsres Leibes und unserer Seele, so kommst du würdig und wohlgeschickt.


|
XXX.

 1) Es ist ein Unterschied, ob du dich zur Beichte oder zum Empfang des heil. Abendmahls bereitest.

 Bei der Bereitung zur Beichte beachte folgendes: a. Bitte ernstlich, daß dich der heil. Geist über dich selbst erleuchte, 1 Cor. 2, 10. Ps. 139, 23. 24. b. Prüfe nach den heil. 10 Geboten deinen Stand (siehe die Haustafel). c. Beachte nicht nur deine Begehungs-, sondern auch deine Unterlassungssünden, nicht nur die Sünden gegen das Gesetz, sondern auch diejenigen gegen das Evangelium. d. Sage vor GOttes Angesicht kräftig der Sünde ab, sonderlich der Lieblingssünde. e. Mache gut, was menschlich gut gemacht werden kann, und bitte gern auch bei Menschen um Vergebung. f. Du magst dir auch, aber unter Beirat des Beichtvaters, ein Konfessionale anlegen.

 2) Bei der Bereitung auf den Empfang des Saktramentes beachte: a. Prüfe ernstlich, ob du nach dem obengesagten in der Verfassung bist, auf würdige Weise zu feiern. b. Prüfe deinen Glauben an das heil. Sakrament, (schwacher und angefochtener Glaube ist auch Glaube). c. Erstrecke deine Vorbereitung auf den Sakramentsempfang doch mindestens auf die vorhergehenden acht Tage und wende dich dabei betrachtend hin:

1. zum HErrn, der dich speist, Ps. 23,|
2. zur Gabe, die Er reicht, 1 Cor. 11, 23-25,
3. zur Verheißung, die Er spricht, Joh. 6, 51–56,
4. zum Trost, der darinnen liegt, Ps. 111,
5. zum Leiden JEsu, Jesaias 53,
6. zur Gemeinschaft der Heiligen, 1 Cor. 10, 14–21,
7. zur Auferstehung des Leibes, 1 Cor. 15, 23–58

 3) Nach dem Empfang des Sakramentes sollst du dem HErrn Dank sagen, nicht nur sofort nach der Feier im Heiligtum, sondern auch die folgenden acht Tage hindurch in der Stille. So nur bleibt die Gabe des Sakramentes frisch und deine Seele bleibt im Verlangen nach neuer Sättigung.


Schluß.
 Alle in diesem Büchlein dir gegebene Unterweisung, alle Erkenntnis, welche du sonst aus GOttes Wort empfangen magst, wird nur dann recht lebendig in dir werden, wenn du sie betend pflegst. Laß dich auf’s neue ermahnen, täglich, wenn auch nur eine kleine Zeit, in die Stille zu gehen und da die Andacht zu üben, deine stille halbe Stunde zu feiern. Diese laß dir von niemand nehmen; mache eine selige Gewohnheit daraus und bemühe dich, sie nie ausfallen zu lassen. – Unterweisungen| zur rechten Benutzung der stillen halben Stunde giebt der Traktat vom „Sabbat und Vorsabbat“. Den lies und übe. Vor allem aber bitte den HErrn um die Salbung Seines Heiligen Geistes, und der Friede des HErrn sei mit Dir!




A.
Ordnung der Konfirmandenstunden.

P. Unsere Hilfe steht im Namen des HErrn!

 R. Der Himmel und Erde gemacht hat.

P. O HErr hilf:

 R. O HErr hilf, laß wohlgelingen.

Darauf beten die Kinder eine der folgenden zwei Kollekten:
1.
 HErr GOtt, himmlischer Vater, der Du uns im Sakrament der heiligen Taufe wiedergeboren und zu Kindern und Erben Deines Reiches aus Gnaden berufen und angenommen hast: ich bitte Dich, Du wollest mir, Deinem getauften Kinde, diese Zeit der| Unterweisung und Bereitung also segnen, daß ich in der Kraft des heiligen Geistes ein lebendiges Glied am Leibe der Kirche Christi werde und nach Vollendung eines guten Kampfes die Siegeskrone davon bringen möge, durch denselben, Deinen Sohn, JEsum Christum, unsern HErrn. Amen.


2.

 O HErr GOtt, Vater aller Gnaden, der Du Deine Herde neu gebierst durch das Sakrament der Taufe, speisest und tränkest, erhältst und bewahrst zum ewigen Leben durch das Sakrament des Leibes und Blutes JEsu: verleihe, daß wir in dieser Zeit unserer Vorbereitung tüchtig werden und würdig, zu Deinem Altare zu kommen und zu empfahen die Speise und den Trank, der vom Himmel kommt und giebt der Welt das Leben durch JEsum Christum, Deinen lieben Sohn, unsern HErrn und ewigen Hohenpriester. Amen.

P. Seid begierig nach der vernünftigen lautern Milch, als die jetzt gebornen Kindlein, auf daß ihr durch dieselbige zunehmet. 1 Petri, 2, 2.

 Darauf singt man einen oder etliche Verse und die Kinder sprechen gemeinsam und andächtig das Credo und das Vater-Unser. Hierauf folgt die Unterweisung, an deren Schluß über den Kindern vom P. gebetet wird. Dann singen die Kinder folgende beide Verse:

|

 Zeuch ein zu meinen Thoren,
Sei meines Herzens Gast,
Der Du, da ich geboren,
Mich neu geboren hast:
O hochgeliebter Geist
Des Vaters und des Sohnes,
Mit Beiden gleichen Thrones,
Mit Beiden gleich gepreist!

 Zeuch ein, laß mich empfinden
Und schmecken Deine Kraft,
Die Kraft, die uns von Sünden
Hilf’ und Errettung schafft.
Entsünd’ge meinen Sinn,
Daß ich mit reinem Geiste,
Dir Ehr’ und Dienste leiste,
Die ich Dir schuldig bin.




B.
Ordnung der Konfirmationshandlung.
(Quasimodogeniti).

 Nach dem, auf das Credo folgenden Lied, treten die Konfirmanden vor die Stufen des Altars zur Taufbunderneuerung.

 P. richtet an die Kinder zur Einleitung in die Taufbundserneuerung eine kurze Ansprache, darauf knieen die Kinder nieder und beten mit P. und Gemeinde das heilige Vater-Unser.

|  Nach dem Gebet wendet sich P. zu den Kindern und spricht:

 Wohlan, liebe Kinder, so entsaget denn auf’s neue dem Teufel und übergebet euch dem GOtte eures Bundes zu treuerem Gehorsam. Erneuert damit euren Taufbund. Vor dem Angesichte des HErrn, der mitten unter uns ist, frage ich euch:

 Entsaget ihr dem Teufel?

 R. Ja, wir entsagen.

P. Und allen seinen Werken?

 R. Ja, wir entsagen.

P. Und allem seinem Wesen?

 R. Ja, wir entsagen.

P. Glaubet ihr an GOtt, den Vater – Himmels und der Erden?

 R. Ja, wir glauben.

P. Glaubet ihr an JEsum Christum, – zu richten die Lebendigen und die Toten?

 R. Ja, wir glauben.

P. Glaubet ihr an den Heiligen Geist – und ein ewiges Leben?

 R. Ja, wir glauben.

P. Begehrt ihr, bei demselben Glauben und bei der rechtgläubigen, hier auf Erden ev.-luth. genannten Kirche treulich zu verharren, und wollt ihr euch in den Gehorsam dieser Kirche von ganzem Herzen begeben?

 R. Ja, durch die Gnade und Hilfe unsers HErrn JEsu Christi.

|  P. Laßt uns beten: O HErr JEsu Christe, der Du gesagt hast: „So doch ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heil. Geist geben denen, die Ihn darum bitten“; und: „Wo zwei auf Erden einträchtiglich etwas bitten, das wird ihnen von Meinem himmlischen Vater gegeben werden.“ Wir bitten Dich, stärke diese Kinder mit Deinem heiligen Geiste, daß sie im Gehorsam Deines Evangeliums immerdar bleiben, wider den Teufel und eigne Schwachheit ohne Wanken streiten, den heiligen Geist nicht betrüben, Deine Kirche mit keinem Ärgernis verletzen, sondern in derselben zu Deinem Lobe, zu ihrer Seligkeit und ihrer Brüder Besserung leben mögen.

 Die Gemeinde antwortet: Amen.

 P. Der allmächtige GOtt und Vater unsers HErrn JEsu Christi, der euch nach Seiner großen Barmherzigkeit zu Seinem Reiche berufen und durch Seine Taufe wiedergeboren hat, stärke euch mit Seiner Gnade zum ewigen Leben.

 Die Kinder antworten: Amen.

 Nachdem hierauf die Konfirmanden an ihre Plätze zurückgetreten sind, singen sie die beiden ersten Verse von dem Lied: „Zeuch ein zu meinen Thoren u. s. w.“ Dann kommen sie abermals zum Altare und sprechen während des Heraufgehenes in zwei Chören folgende Psalmenverse:

| I. GOtt sei uns gnädig und segne uns:

 II. Er lasse uns Sein Antlitz leuchten,

I. Daß wir auf Erden erkennen Seinen Weg:

 II. Unter allen Heiden Sein Heil.

I. Es segne uns GOtt, unser GOtt:

 II. Und alle Welt fürchte Ihn.


 Darauf spricht P. zu den Kindern:

Der Heilige Geist stärke euch und die Kraft des Höchsten bewahre euch vor Sünden.

 R. Amen.

P. Unsere Hilfe stehet im Namen des HErrn:

 R. Der Himmel und Erde gemacht hat.

P. HErr! höre mein Gebet:

 R. Und laß mein Schreien zu Dir kommen.

P. Der HErr sei mit euch:

 R. Und mit deinem Geist.

 P. Laßt uns beten: Allmächtiger, ewiger GOtt, der Du diese Kinder gewürdiget hast, wiedergeboren zu werden aus dem Wasser und Geist, der Du auch Vergebung aller Sünden ihnen gnädiglich geschenkt hast: verleihe ihnen die siebenfältige Kraft des Trösters, des heiligen Geistes, durch JEsum Christum, unsern HErrn.

 R. Amen.

P. Den Geist der Weisheit und des Verstandes.

 R. Amen.

| P. Den Geist des Rates und der Stärke.

 R. Amen.

P. Den Geist der Erkenntnis und der Furcht des HErrn.

 R. Amen.

P. Erfülle sie mit dem Geist Deiner Furcht und zeichne sie selbst mit dem Zeichen des Kreuzes Christi zum Sieg über alle ihre Feinde und zur Erlangung des ewigen Lebens, durch denselben JEsum Christum, unsern HErrn.

 R. Amen.

 Darauf knieen die Kinder nieder, die Glocke läutet und P. spricht der Reihe nach zu jedem Kinde:

N. N. ich zeichne Dich mit dem Zeichen des Kreuzes und konfirmiere Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 Dann spricht er, dem betreffenden Kinde die Hand auflegend:

Nimm hin den Heiligen Geist, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, aus der gnädigen Hand GOttes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 R. Amen.

P. HErr, zeige uns Deine Barmherzigkeit:

 R. Und schenke uns Dein Heil.

P. Laßt uns beten: O HErr, der Du Deinen

Gläubigen durch den Dienst Deiner heiligen Kirche| den Heiligen Geist gnädiglich mitteilst: Siehe mit Barmherzigkeit auf diese Deine Kinder und verleihe, daß ihre Herzen durch die Einwohnung Deines Geistes als Deine Tempel vollendet werden mögen, Der mit Dir und dem Vater lebt und regiert, wahrer GOtt, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 R. Amen.

P.Siehe, also wird gesegnet der Mensch, der den HErrn fürchtet.

Der HErr segne euch aus Zion, daß ihr sehet das Glück Jerusalems euer Leben lang.

 R. Amen.


 
Hierauf beginnt die Feier des heiligen Abendmahls.




Gedruckt in der Buchdruckerei zu Neuendettelsau.



  1. Die folgende Darstellung ganz nach Löhe, Agende, in der Vorrede.