BLKÖ:Stülz, Jodocus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Studzińški, Marzell
Band: 40 (1880), ab Seite: 160. (Quelle)
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Stülz, Jodocus (Prälat des regulirten Chorherrenstiftes St. Florian in Oberösterreich, geb. zu Bezau, einem Dorf in Vorarlberg, am 23. Februar 1799, gest. zu Gastein 28. Juni 1872 5 Uhr Morgens). Seine Eltern waren schlichte Landleute im Bregenzerwalde, welche ein kleines Haus zu Bezau und eine bescheidene Alpenwirthschaft auf den benachbarten Berghöhen besaßen. Er war das zweite Kind; der Erstgeborene, gleichfalls Jodocus genannt, war schon ein Jahr vor unseres Jodocus Geburt gestorben. Von den Geschwistern überlebte den Bruder nur eine Schwester, Marianne (gest. 1875); eine zweite, von ihm besonders hochgeschätzt, Marie Katharina, welche unverehelicht blieb, starb mehrere Jahre vor ihm (1866). Jodocus – oder wie er daheim hieß Dokes – besuchte die Ortsschule, und die Knabenjahre vergingen ihm in einsamer Stille bei Viehzucht und Alpenarbeit. Zu einem gesunden, kräftigen Jungen aufgewachsen, sollte er nach des Vaters Willen zum Bezauer Nagelschmied in die Lehre kommen, damit er sich einmal sein Stück Brod erhämmere und ernagele. Aber ein würdiger Priester – wie man vermuthet, der 1848 als Decan zu Au verstorbene Peter Anton Moosbrugger – dachte anders, er nahm sich des Knaben an, und dieser wurde Allerheiligen 1812 auf die Schule in Kempten geschickt, wo er mit ausgezeichnetem Erfolge lernte. Wahrscheinlich aus politischen Gründen vertauschte er dieselbe im November 1814 mit dem Gymnasium in Innsbruck, zu dessen besten Schülern er bald zählte. Als aber daselbst im Herbste 1817 zwischen Lehrern und Schülern Unordnungen und Mißbräuche stattfanden, setzte er seine Studien in Salzburg fort. Hier unterrichtete er gleichzeitig die Söhne der Beamtenswitwe Sauter, unter denen sich Anton als Botaniker und Ferdinand als Dichter [161] einen geachteten Namen erwarben (siehe deren Lebensskizzen Bd. XXVIII, S. 288 und 290). Auch kam er als Lehrer in das Haus des Regierungsrathes von Hartmann, mit dessen Kindern er sein Leben hindurch im engsten Freundschaftsbunde verblieb. Einer der Söhne feierte als Kreisgerichtspräsident zu Graz sein Jubiläum; Hartmann’s Schwester Anna aber wurde die Gattin des Grafen Anton Revertera und Mutter des als Diplomat seinerzeit vielgenannten Grafen Friedrich [Bd. XXV, S. 383][WS 1]. Als Jodocus nun einen Lebensberuf erwählen mußte, richtete er seine Blicke zunächst auf das philologische Institut in München, das damals unter Thiersch seine Glanzzeit hatte. Der Tod dieses Gelehrten entschied Stülzens Geschick, der Plan, Philologie zu studiren, wurde aufgegeben, und Ende des Schuljahres 1820 fragte Jodocus bei dem Probste von St. Florian Michael Ziegler um seine Aufnahme in das Chorherrenstift an. Diese erfolgte, am 1. October 1820 wurde er eingekleidet. Ungeachtet seiner Eigenart, welche seine Stiftscollegen anfangs nicht besonders anmuthete, gewann er doch bald das Herz des Prälaten und seiner Mitbrüder. Am 21. Mai 1823 legte er die Ordensprofeß ab. am 19. August 1824 erhielt er die Priesterweihe und drei Tage später las er die erste heilige Messe. Zunächst wurde er Cooperator des Hauspfarrers und als solcher zugleich Caplan der Stiftspfarrei. Wenige Wochen danach erhielt er den Auftrag, das durchaus vernachlässigte Stiftsarchiv zu ordnen. Er unterzog sich dieser schwierigen Aufgabe, mit welcher er einerseits den Grund legte zu seinen historischen Forschungen, die ihm den Ruhm eines gründlichen Gelehrten einbrachten, andererseits aber zu einem körperlichen Leiden, für dessen Erleichterung er bis an sein Lebensende Hilfe in den Bädern Gasteins suchen mußte. Bald wurde der berühmte Florianer, Capitular Franz Kurz [Bd. XIII, S. 421] auf seinen jüngeren Collegen aufmerksam, was für diesen nicht ohne bildenden Einfluß blieb. Und als im Jahre 1828 Domherr J. C. Stelzhammer[WS 2] [Bd. XXXVIII, S. 193] die Herausgabe der „Kirchlichen Topographie Oesterreichs“ unternahm, erging auch an ihn die Einladung zur Mitarbeiterschaft. Indessen beschäftigte er sich, einem Wunsche des Capitulars Franz Kurz nachkommend, mit einer Bearbeitung der Geschichte des Kaisers Max I., zu welchem Zweck er mit Bewilligung des Prälaten im Sommer 1829 die Wiener Archive durchforschte. Aber ohne etwas Nennenswerthes daselbst geleistet zu haben, verfiel er in schwere Krankheit, die ihn zwang, unverrichteter Dinge ins Stift zurückzukehren. Die folgenden Jahre vergingen ihm unter Erfüllung seiner geistlichen Berufspflichten, unter Forschungen, deren Ergebnisse auf S. 168 in der Uebersicht seiner wissenschaftlichen Arbeiten bekannt gegeben werden sollen, und unter kleinen Reisen, die er theils zur Pflege seiner durch diese gelehrten Werke gestörten Gesundheit, theils zur Erholung machte. So besuchte er im Jahre 1833 zum ersten Male München, wo er mehrere Tage in Gesellschaft von Männern, wie Eberhard, Görres Vater, Hohenrieder, Ringseis, Schallhammer verlebte; im Spätherbst 1837 zog er nach Kloster Wilhering und sichtete daselbst das ganz vernachlässigte ebenso reichhaltige, als für die Landesgeschichte kostbare Archiv, womit er über ein halbes Jahr zubrachte. Inzwischen hatten seine [162] hie und da erschienenen kleineren historischen Arbeiten, sowie seine Geschichte des Stiftes St. Florian und des Klosters Wilhering seinen Namen bereits in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Und als Beweis dafür, wie hoch auch sein theologisches Wissen geschätzt wurde, führen wir an, daß im August 1842 von Seite des Buchhändlers Kunze in Mainz an ihn der ehrenvolle Antrag erging, von Möhler’s „Symbolik“ eine populäre Umarbeitung auszuführen, was er jedoch ablehnte. Mit dem Historiker Koch-Sternfeld [Bd. XII, S. 195] begann er im Jahre 1840 einen literarischen Briefwechsel, welcher länger als 23 Jahre (bis August 1863) dauerte und für Forscher und Biographen eine nicht geringe Ausbeute liefern mag. Auch wurden bereits mannigfache Ehren dem Manne der Wissenschaft zutheil, so erwählte ihn der historische Verein für Unterfranken und Aschaffenburg am 2. October 1841 zu seinem Mitglieds, am 9. Juli 1844 that der historische Verein für Oberpfalz und Regensburg ein Gleiches, am 25. August 1844 nahm ihn sogar die königlich bayerische Akademie der Wissenschaften unter ihre Mitglieder auf und als mit allerhöchster Entschließung vom 1. August 1846 der Archivar und Pfarrer Stülz zum, k. k. Reichs-Historiographen“ ernannt wurde, da war es der bescheidene Gelehrte selbst, der es nicht herauszuklügeln wußte, was ihm solche bis dahin unerhörte Anerkennung verschafft habe, und er „schämte sich“ dieses nach seiner demüthigen Ansicht ganz unverdienten Titels. Komisch genug wandelte der Linzer Diöcesan-Schematismus für 1846 den „Reichs-Historiographen“ zum „Titular-Historiographen“ um. Das folgende Jahr brachte aber die Gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, deren Statuten am 14. Mai 1847 von Kaiser Ferdinand bestätigt wurden und zu deren ersten Mitgliedern auch unser Stülz zählte, mit Grillparzer, Friedrich Halm, Hyrtl, Albert Jäger, Palacky, Beda Weber am nämlichen Tage ernannt. Von historischen Arbeiten beschäftigten ihn um diese Zeit eine Geschichte des Stiftes Reichersberg, welche nie in Druck kam, ferner die Forschungen zu einer Biographie des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg, einer der prächtigsten Mönchsgestalten, endlich die Sammlung, Sichtung und Copirung der Materialien für das „Urkundenbuch Oberösterreichs“, das man im Hinblick auf die daran gewendete Mühe, die besiegten Hindernisse und die endliche Bewerkstelligung des ganzen Unternehmens als Stülzens Hauptarbeit zu bezeichnen geneigt sein möchte. Eine Angelegenheit, die gerade in diese Zeit fällt, sei hier nebenbei bemerkt. Man hat nämlich das wohlgetroffene Antlitz Tilly’s in der sonst so kahlen Feldherrenhalle in München einer Gefälligkeit unseres Stülz zu verdanken. Denn nachdem Schwanthaler, welcher von dem Könige Ludwig den Auftrag erhielt, einen Tilly zu gießen, sich die nöthigen Bildnisse dieses Feldherrn zu verschaffen gewußt hatte, machte er die Entdeckung, daß die Gesichter auf den zu Stande gebrachten Gemälden einander gar nicht glichen. Er wandte sich also an Stülz mit der Anfrage, ob denn in der dem Stifte nahen Tillyburg nicht ein authentisches Bildniß des Helden existire? Und dies war auch der Fall, in jener Burg fanden sich mehrere gute Tillybilder vor, deren bestes Stülz dem Künstler als Modell sandte, nach welchem derselbe in [163] der That auch den Kopf des Helden formte. Den Tagen der ungestörten Freude, welche Jodocus bisher genossen, sollte auch eine, glücklicherweise nur kurze Zeit des Kummers folgen. An der Spitze des Chorherrenstiftes steht der Propst, den das Generalcapitel durch Stimmenmehrheit auf Lebenszeit wählt, als zweiter Vorstand des Hauses geht ihm der Dechant zur Seite, den die im Stifte weilenden Capitularen aus den vom Propste vorgeschlagenen Mitgliedern wählen. Es ist dies eine uralte, mindestens bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreichende Tradition, durch welche dem jeweiligen Dechanten eine unter allen Umständen höchst schwierige und heikle Aufgabe übertragen ist. Als nun der Dechant Haidinger am 21. Mai 1847 mit Tod abgegangen war, galt es, einen neuen Dechanten zu wählen. Aus der etliche Wochen danach stattgefundenen Wahl ging der schon seit mehreren Jahren als Stiftspfarrer fungirende Jodocus Stülz hervor. Ein Aufenthalt von 26 Jahren im Kloster hatte ihn genugsam über die Mißlichkeiten dieser Stellung belehrt. Entschieden lehnte er daher die Annahme derselben ab. Der Prälat, der in ihm nicht nur den würdigsten, sondern auch den für dieses schwere Amt geeignetsten erkannte, that Alles, um ihn zur Annahme zu bewegen; aber alle dahin abzielenden Versuche blieben erfolglos. Man mußte Stülz gewähren lassen und endlich einen Anderen zum Dechanten wählen. Aber am Tage nach der neuen Dechantenwahl erhielt er ein Schreiben des Propstes, worin dieser ihn „hiemit seiner stiftspfarrlichen Stelle enthoben“ erklärte, damit er frei und ungehindert seiner neuen und ausgezeichneten Stellung (als Akademiker) nachkommen könne. Dies war denn doch nichts weiter als eine verblümte Absetzung. Stülz empfing diesen Pfeil, den der Prälat abgeschossen, mit stoischer Ruhe, den Schmerz, der über solches Unrecht ihn erfüllte, ließ er nicht merken. Aber um so stärker zeigte sich die Aufregung unter dem Volke, als die Kunde von der Absetzung des Pfarrers unter dasselbe drang. Die Sache nahm eine solche Wendung zum Schlimmen, daß eine Wiederherstellung in den vorigen Stand dringend von Nöthen ward und mit dem Bescheide des Prälaten: „Es bleibe alles beim Alten“ die Wiedereinsetzung Stülzens in das Pfarramt erfolgte. Unter diesen Verhältnissen kam endlich das ereignißreiche Jahr 1848, und mit diesem traten neue nicht geringe Bedrängnisse an ihn heran. Die Ansichten des Priesters, des Gelehrten und Denkers über jene gewitterschwülen Tage erfahren wir aus seinen Briefen, aus denen sein unten genannter Biograph ebenso bezeichnende als interessante Auszüge mittheilt, welche uns einen tiefen Blick in jene edle, kernfeste, patriotisch und deutsch fühlende Seele, die unter rauher Schale einen goldenen Kern barg, thun lassen. Als sich auch im Bregenzerwalde die Leute zusammenthaten, um ins Frankfurter Parlament Deputirte zu entsenden, gingen aus der Wahl, welche am 12. Mai zu Bregenz stattfand, Stülz als Abgeordneter, und Feßler, zu jener Zeit Professor in Brixen, als dessen Ersatzmann hervor. Stülz gelang es, seinen Ersatzmann vorzuschieben; das jedoch war nur ein Moratorium, denn nachdem derselbe drei Monate die Parlamentscampagne mitgemacht, hatte er genug daran und nun mußte Stülz wohl oder übel doch nach Frankfurt, wo er denn auch Anfangs October 1848 eintraf. Als die [164] gräßlichen Octoberereignisse Schlag auf Schlag erfolgten, sandte er an Hofrath Ebner, welcher die „Vorarlberger Zeitung“ leitete, einen offenen Brief zum Abdruck in diesem Blatte. Aber Ebner widerrieth ihm diesen Schritt und machte ihn auf das Schicksal Feßler’s aufmerksam, der wegen eines ähnlichen „Briefes“ in maßloser Weise angegriffen, ja beschimpft worden sei. Wir erfahren aus den Briefen, welch Stülz in dieser schweren Zeit an seine alten bewährten Freunde Bergmann, Hartmann und Adam v. Peyrl richtete, manche bemerkenswerthen Einzelnheiten über die chaotischen Zustände in Frankfurt und den Terrorismus der Linken, dem einzig und allein der ganze Jammer des 1848er Jahres zur Last zu legen ist. Es kommt Einem fast komisch vor, wenn man liest, wie in der Sitzung vom 11. April 1849 der Abgeordnete Schöffel aus Hallendorf, der zahmsten einer, erklärte: „Die Würde eines souveränen Volkes verbietet es, auf Unterhandlungen mit „ungehorsamen“ Fürsten sich einzulassen“!! Stülz harrte aus. Erst als am 13. April die Aufforderung des Wiener Ministeriums zur Rückkehr an die österreichischen Abgeordneten gelangte, rüstete auch er sich zur Abreise, und nachdem er über Köln nach Belgien und von da zurück über Vorarlberg und München seinen Weg genommen, traf er am 13. Juni 1849 im Stifte wieder ein. Ueber seinen Ausflug nach Belgien, auf welchem er Lüttich, Tirlemont, Löwen, Mecheln und Brüssel besuchte, liegen in Briefen an seine Freunde ausführliche inhaltreiche Nachrichten vor. Nun kehrte er zu den Beschäftigungen seines priesterlichen Kreises und zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten zurück, unter denen in der Zeit kurz vor 1848 und in den unmittelbar darauf folgenden Jahren mehrere polemische Schriften gegen Hammer-Purgstall, Fink, Carlmann Tang, Fallmerayer und Mathias Koch, dessen Denunciantennatur sich auch Stülz gegenüber in niedrigster Weise kundgibt, und dann eines seiner Hauptwerke, der in den Denkschriften der kaiserlichen Akademie abgedruckte „Gerhohus“ entstanden sind. Seine jetzt begonnenen Vorarbeiten zu einer Biographie des großen Passauer Bischofs Altmann wurden nur durch Reisen unterbrochen, die er eben zum Zwecke seiner archivalischen Forschungen nach Ried, Garsten, Reichersberg. Lambach, selbst nach München unternahm, wo er bei dem österreichischen Gesandten Grafen Senfft-Pilsach [Bd. XXXIV, S. 108] eingeführt und unter Anderen mit Constantin Höfler näher bekannt ward. Bei seinen historischen Arbeiten ließ er aber die kirchlichen – wir verstehen darunter jene, die außer seinen geistlichen Functionen als Stiftspfarrer an ihn herantraten – nicht ganz bei Seite liegen. So übernahm er auf den dringenden und drängenden Wunsch seines Freundes Franz von Hartmann, welcher zu jener Zeit Präsident des Linzer Katholikenvereines war, die Redaction und Bevorworlung des amtlichen Berichtes der Generalversammlung, welche die Katholikenvereine Deutschlands am 24., 25., 26. und 27. September 1850 zu Linz abgehalten hatten. Dann hatte er bereits im Mai desselben Jahres mit gutem Erfolge einen Katholikenverein zu St. Florian gegründet; 1855 sorgte er durch Berufung dreier Väter der Gesellschaft Jesu für die Abhaltung einer Volksmission; 1856 nahm er werkthätigen Antheil an einer Generalversammlung [165] der katholischen Vereine Oesterreichs zu Linz, stellte sich am Dreifaltigkeitssonntag 1858 an die Spitze eines Wallfahrtszuges von vierthalbhundert Menschen, mit welchen er, der bereits 60jährige Priester, über Berg und Thal, immer dem Zuge voran, denselben während der Pilgerschaft durch acht Anreden anfeuernd, nach Mariataferl, Scheibbs, Annaberg und Mariazell wanderte. Seine wissenschaftliche Thätigkeit blieb sich dabei gleich und zog immer weitere Kreise, richtete aber auch die Aufmerksamkeit wissenschaftlicher Vereine, ja selbst der Regierung auf den Gelehrten. Die letztere hatte ihm bereits im Jahre 1850 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Sonderbarerweise wollte er dieser Auszeichnung nie recht froh werden, nachdem er erfahren, daß sie durch den Statthalter Oberösterreichs Alois Fischer [Bd. IV, S. 238), für den er von jeher nie Sympathien gehegt, veranlaßt worden war. Der historische Verein für Steiermark nahm den gelehrten Priester im April 1852 unter seine Ehrenmitglieder auf, das germanische Museum in Nürnberg wählte ihn Anfangs 1854 in den Gelehrtenausschuß, die Kopenhagener Alterthumsgesellschaft 1857 zum Mitgliede. Kurz vorher war ihm die Administration des Decanates Enns und die Schulaufsicht übertragen worden. Die Annahme der Stelle eines Conservators der Baudenkmale Oberösterreichs, sowie der Professur der Geschichte an der Universität zu Pest, für welche ihn der Unterrichtsminister Leo Graf Thun ausersehen hatte, lehnte er ab. Welch hohes Ansehen er aber allenthalben genoß, beweist wohl der Umstand, daß man sich mit dem Gedanken trug, ihn auf den gerade erledigten Bischofsstuhl von Linz zu erheben. Als gar der Prälat Michael Arneth am 24. März 1854 das Zeitliche segnete, traten neue Sorgen an unseren Pfarrer heran, denn seine Mitbrüder ersahen ihn einstimmig zu ihrem Propste. Mit der fast urwüchsigen Grobheit des Bregenzerwäldlers stellte er sich gegen dieses Ansinnen, und wenn es ihm durch seine Entschiedenheit auch diesmal gelang, den Leidenskelch des Propstthums an sich vorübergehen zu lassen, der Wahl zum Dechanten konnte er nicht vorbeugen, und so wurde er denn am 13. October 1854 zum Dechanten gewählt, nachdem einen Monat zuvor sein langjähriger Freund Friedrich Mayer [Bd. XVIII, S. 113, Nr. 41] zur Propstwürde erhoben worden war. Als noch in demselben Jahre in Folge eines päpstlichen Breves vom 25. Juni 1852, mit welchem Cardinal Friedrich von Schwarzenberg vom Papst Pius IX. zum Generalvisitator sämmtlicher geistlichen Orden und Ordenshäuser in Oesterreich ernannt worden, die Visitation der Ordenshäuser der regulirten Chorherren stattfand, geschah es, daß der Delegat Bischof Rudigier von Linz für die Visitation der in Oesterreich bestehenden Chorherrenstifte Neustift bei Brixen, Vorau in Steiermark, Klosterneuburg, Krakau, Herzogenburg und Reichersberg den Dechanten Stülz ausersah, welcher denn auch in den Monaten September und October 1855 dieser Aufgabe nachkam. Ueber Stülzens Beobachtungen auf dieser Mission liegen seine ausführlichen Briefe vor, aus denen sein bereits genannter Biograph im Abschnitt Charybdis (S. 215–226) entsprechende Auszüge mittheilt. Von jetzt ab flossen dem alternden Priester die Jahre in gleichmäßigem Gange unter gelehrter Arbeit und Erfüllung der Berufspflichten [166] dahin; nur einmal unterbrach er seine Ruhe durch die Theilnahme an einer Feier, welche die ehemaligen Zöglinge der Schule in Kempten zusammenrief und in ungetrübter Weise am 24. und 25. August 1857 stattfand. Nun aber griffen zwei rasch aufeinander folgende traurige Ereignisse tiefer in sein Leben ein. Am 28. November 1858 starb sein Stiftscollege, der Geschichtsforscher Joseph Chmel [Bd. II, S. 351], wenige Wochen später der Propst des Stiftes Friedrich Mayer auf einer Reise nach Rom, die er in Angelegenheiten der Klöster gemeinschaftlich mit dem Seitenstettener Abte Ludwig Ströhmer [Bd. XL, S. 73] angetreten, in der ewigen Stadt, die er schwer krank erreicht hatte. Letztere Trauerkunde war der schwerste Schlag für Stülz, der sein Lebelang mit unverbrüchlicher Freundschaft an Mayer gehangen, dessen Tod in jener Zeit, da die Klöster in ihrer Existenz bedroht waren, das Stift am empfindlichsten traf. Stülz übernahm nun vorderhand die Administration des Stiftes. In dieser Stellung begab er sich um die Mitte März 1859 nach Klosterneuburg, wo eine Versammlung der Stiftsvorstände der österreichischen regulirten Chorherrenklöster über die Feststellung der Ordensverfassung und der regulären Disciplin berathen sollte. Als aber am 11. Mai 1859 die Wahl des neuen Propstes vorgenommen wurde, fiel dieselbe auf Stülz, der auch in „Gottes Namen“ das Opfer brachte, sie anzunehmen, mit der Ueberzeugung freilich, daß seine letzte frohe Stunde geschlagen habe. Am folgenden Tage wurde der ehemalige Bregenzerwaldesbube zum Prälaten von St. Florian geweiht. An Beglückwünschungen zu seiner neuen schweren Würde fehlte es nicht, sie kamen von nah und fern, unter andern von Höfler, Ringseis und Döllinger aus München. Die Jahre seines Prälatenthums, an welchem er nach eigenem Geständniß nie eine rechte Freude hatte, flossen ihm doch im Ganzen ruhig dahin, und wenn eine Störung dazwischen trat, so kam sie von außen, wenn die politischen Zustände ihn auf die Arena riefen. Mit den gelehrten Arbeiten, welche er begonnen, ging es langsam von statten, da ihm die neue Würde noch weniger Muße übrig ließ, als sein früheres Dechantenamt. An weiteren Ehren durch Verleihung von Diplomen seitens gelehrter Gesellschaften fehlte es nicht, doch von allen erfreute ihn am meisten das eine, durch welches er am 3. August 1865 von der Wiener Hochschule zum Doctor der Theologie ernannt wurde. Seine politische Wirksamkeit für die Dauer einer Landtagsperiode (1861 bis 1866), denn Stülz war, wie er es befürchtet hatte, am 23. März 1861 von der Classe des Großgrundbesitzes in den oberösterreichischen Landtag gewählt worden, bietet wenig Erwähnenswerthes. Er war seit jeher allem politischen Hader abhold, ein Conservativer vom reinsten Wasser, d. h. ohne das Neue zu verurtheilen, wenn es nützlich und lebensfähig war, wollte er das Alte, das sich bewährt hatte, um jeden Preis erhalten wissen. Die Stürmer und Dränger jener Zeit, in allen Formen und Trachten, waren ihm verhaßt, er fußte wie im gelehrten Leben, so im politischen unbeugsamen Halts auf dem Boden der Geschichte und erblickte in dem Bemühen, das, was sich seit Jahrhunderten aufgebaut, mit einem Male zerstören zu wollen, nicht blos eine Anmaßung, sondern geradezu ein Verbrechen. Die auf [167] der Oberfläche schwimmenden[WS 3] Ansichten und Grundsätze der Neueren entrangen ihm ein Lächeln des Mitleids und der Wehmuth, doch wenn sie gegen die Kirche zielten, der er mit ganzer Seele lebte, erfüllten sie ihn mir Ingrimm. Ereignisse von außen griffen tief in seine Seele, so der Tod zweier Söhne seines langjährigen Freundes Hartmann, deren einer als Jägerofficier an der Spitze seiner Truppen vor Custozza den Heldentod fand, während der andere in den Kämpfen bei Königgrätz sein blühendes Leben geopfert zu haben scheint, denn er gehörte zur zahlreichen Schaar der „Vermißten“ jenes schrecklichen Tages, an dem sich Männer eines Volkes brudermörderisch gegenüber standen. Die oberhirtliche und sonstige Thätigkeit des Prälaten wurde im Uebrigen nur von Zeit zu Zeit durch Reisen unterbrochen, die er meist in seine Heimat Vorarlberg unternahm; auch fuhr er nach Prag, als daselbst die Tochter seines Freundes Hartmann als Nonne eingekleidet wurde (1869), und wieder einmal zog er tiefer in die Schweiz, nach Ragacz, Einsiedeln u. s. w. Mit den wissenschaftlichen Arbeiten ging es nunmehr auch sehr langsam vorwärts; die Last der Jahre machte sich immer fühlbarer, und die Schwäche der Augen gestattete ihm nicht mehr zu schreiben. Auch nahmen die Geschäfte im Stifte ihn stark in Anspruch. Der große Pfarrhof von Feldkirchen, welcher 1864 abgebrannt, und Kirche und Pfarrhof von Oberthalheim, die 1866 gleichem Loose anheimgefallen waren, mußten wieder aufgebaut werden; Rozau hatte neue Oekonomiegebäude, Grünbach ein neues Pfarrhaus nöthig. Ueberdies fanden unter Jodocus Umbauten und Adaptirungen in den Pfarrhöfen zu Wallern, St. Marienkirchen, St. Martin, St. Peter, Ansfelden, Niederrono, Attnang, Ried, Kattsdorf, Goldwörth u. s. w., ebenso in den Kirchen zu Ansfelden, Attnang, Ried und anderer Orte statt. Zu St. Florian selbst wurden verschiedene größere Oekonomiebauten vorgenommen, und für die Herstellung der Stiftskirche in einer ihrer würdigen Pracht that der Prälat sehr viel. Schulz vollendete ein neues Altarblatt, das Presbyterium wurde nach einer Zeichnung von Kupelwieser ausgemalt, die Mariencapelle mit Werken der Bildhauerkunst auf das reichste ausgestattet; Kirchengeräthe, darunter mehrere kostbare Kelche, und mehr oder minder reiche Paramente beigeschafft. Die Bibliothek, die Gemälde- und Schnitzwerksammlung wurden, erstere reich, die beiden letzteren um manches kostbare Werk vermehrt. Unter Stülzens Propstzeit fand zur Leitung des Pfründnerhauses die Einführung der Schwestern vom heiligen Kreuz, ferner die Gründung einer Kinderbewahranstalt und einer Mädchenarbeitsschule (1869) statt. Schon ging es an die Vorbereitungen zur Feier des achthundertjährigen Bestehens des Stiftes, und mit großem Interesse betheiligte sich der Prälat an allem dazu Erforderlichen und harrte, als die Feier stattfand, bis zu ihrem Ende muthig und ungebeugt aus. Nachdem er noch eine kleine Stiftung zur Verbesserung der Pfarre in Bezau, seinem Geburtsorte, gemacht, schritt er an die Ausführung eines größeren Unternehmens, an den Aufbau einer neuen Orgel in der Stiftskirche, zu welchem der berühmte Orgelbauer Matthäus Mauracher aus Salzburg auserkoren wurde. Dieses Werk sollte im Jahre 1874 fertig sein, in welchem man am 22. August die Secundiz des Prälaten [168] festlich zu begehen dachte. Dies Glück erlebte er nicht. Zu neuer Kräftigung begab er sich am 15. Juni 1872 wieder nach Gastein, wo er seit Jahren immer merkliche Linderung seiner Leiden gefunden hatte. Wohlbehalten erreichte er auch das ihm besonders lieb gewordene Bad. Doch schon wenige Tage später, am 23. Juni, kam durch den Prälaten (jetzigen Erzbischof von Salzburg) Dr. Albert Eder die telegraphische Nachricht von der schweren Erkrankung Stülzens. Mit wechselnden Symptomen währte dieselbe nur wenige Tage, bis er am 28. Juni im Alter von 73 Jahren sanft entschlief. Mit Stülz war ein eigenartiges Menschen-, ein reiches Priester- und Gelehrtenleben hingegangen. In jüngeren Jahren kampfrüstig und derb, mit vorrückendem Alter immer milder, nachsichtiger, gütiger, stets aber offen, wahr und kerngut, war er einer jener Priester und Gelehrten, wie sie das Mittelalter in Klöstern noch häufiger aufzuweisen hatte, als die neuere Zeit. Niemals ein Pfaff, aber ein frommer Seelenhirt, hielt er fest zur Kirche, zu deren Zierden und Stützen er zählte, unbeirrt um die Meinung der Menge. Er wollte nur sich und Gott genug thun. und als das Schiboleth alles irdischen Daseins galt ihm die echte christliche Liebe, ohne die es, wie er sagte, nie zu einem gedeihlichen Ziele führe. Seine Einfachheit und Schlichtheit war so groß, daß der Prinz Karl Hohenlohe den unseren Prälaten mit wenigen Worten charakterisirenden Ausspruch that: „Der Prälat Stülz kommt für den Tag mit einem Groschen aus, und diesen verschenkt er.“ Die Leiche des Prälaten wurde von Hofgastein nach St. Florian überführt und dort feierlich zu Grabe getragen. Zahlreiche Blumenspenden kamen von theilnehmender Hand aus nah und fern, und der Leichenzug von der St. Johanneskirche durch den größeren Theil des Marktes bis hinauf zur Stiftskirche, sah wie ein dem Todten geweihter Triumphzug aus, die Häuser prangten sämmtlich in Schmuck, und hinter dem Leichenwagen bewegte sich eine trauernde unabsehbare Menschenmenge. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften war durch den gegenwärtigen Präsidenten derselben Hofrath von Arneth vertreten. Alle seine liebsten Freunde gaben ihm das letzte Ehrengeleite, nur einer, zugleich sein Landsmann, Joseph von Bergmann konnte nicht kommen, er welkte selbst zu Gratz dem Grabe zu und folgte vier Wochen später (am 29. Juli 1872) seinem ältesten Freunde ins Jenseits. In einer Seitenhalle der Stiftsgruft liegen Stülzens sterbliche Ueberreste. Unten in den Quellen lassen wir eine Uebersicht seiner Werke, seiner Bildnisse und die Inschrift seines Grabsteins folgen.

I. Uebersicht der wissenschaftlichen Thätigkeit des Prälaten Jodocus Stülz, a) Selbständige Werke: „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes St. Florian“ (Linz 1835, Caj. Haslinger, 8°.). [Vergleiche darüber „Heidelberger Jahrbücher“ 1845: „Münchener gelehrte Anzeigen“ 1841; „Wiener Jahrbücher der Literatur“, 100. Bd.] – „Geschichte des Cistercienser-Klosters Wilhering. Ein Beitrag zur Landes- und Kirchengeschichte Oberösterreichs (Linz 1840, Haslinger, 8°.). [Die ausgeführte umfassende Bearbeitung seiner im 18. Bande der „Kirchlichen Topographie Oesterreichs“ erschienenen „Kurzen Geschichte des Stiftes Wilhering“. Wie lächerlich die Censur – selbst bei wissenschaftlichen Werken – vorzugehen liebte, beweist die Thatsache, daß im ursprünglichen Titel obigen Buches, welcher einfach lautete: Geschichte des Cistercienser-Klosters[WS 4] Wilhering. Ein Beitrag zur „Reformationsgeschichte“ dieses letzte Wort in „Landes- [169] und Kirchengeschichte Oberösterreichs“ umgeändert werden mußte! – Vergleiche übrigens über dieses Werk: „Münchener gelehrte Anzeigen“ 1841, Nr. 94. Von Koch-Sternfeld; – „Heidelberger Jahrbücher“ 1845, 2. Heft; – „Tübinger Quartalschrift“ 1842, 3. Heft; – „Wiener Jahrbücher der Literatur“ Band C, S. 1–3?. Von E(xner?)]. – „Urkundenbuch des Landes ob der Enns“ Bd. I–VI. (Bd. I, Wien 1852; Bd. II, 1856; Bd. III, 1862, Bd. IV, 1867; Bd. V, 1868; Bd. VI, 1872, Staatsdruckerei, gr. 8°.), wie ein Kritiker bemerkt, „das bei weitem Trefflichste, was bisher noch historische Vereine geliefert haben“. Die Arbeiten dazu reichen in das Jahr 1835 zurück, in welchem Stülz auch zum Leiter der historischen Section des Linzer Museums ernannt wurde. Seit dieser Zeit hatte er die ganze Last, die mit Ausführung dieses schwierigen Unternehmens verbunden war, allein zu tragen. Der Geschichte desselben widmet Stülzens Biograph Pailler einen ausführlichen Abschnitt [S. 161–182], der uns so recht einen Einblick in die Misère der Gelehrtenrepublik thun läßt und uns die Ueberzeugung aufdringt, daß in gelehrten Dingen von der Corporation nie etwas zu erhoffen, sondern der Einzelne meist auf sich selbst und seine Energie angewiesen bleibt. Und so ist denn auch das „Urkundenbuch“ Stülzens eigenstes Werk, und was von außen dazu kam, waren meist Hindernisse, die er zu beseitigen oder zu überwinden hatte. An seinen letzten Arbeiten für das Unternehmen wirkten P. Dr. Pius Schmieder und der Florianer Archivar Johann Faigl mit. – b) In gelehrten periodischen Schriften zerstreut gedruckte Abhandlungen. In dem von Chmel herausgegebenen „Oesterreichischen Geschichtforscher“: „Auszug aus dem Handschriftenverzeichniß der Starhemberger Bibliothek und des Archives zu Riedeck“ [Bd. I, S. 153]; – „Markgraf Konrad in den Urkunden von Waldhausen und im Salbuche zu Göttweig“ [ebd., S. 226]; – „Die Vögte von Perg“ [Bd. II, S. 260]; – „Beiträge zu einem Codex epistolaris, von Dolliner, mitgetheilt und erläutert von Stülz [ebd.]. – Im „Linzer Museal-Jahresberichte“: „Schilderung des Ablebens des Kaisers Max“ (3. Jahresbericht für 1839). – Im „Linzer-Musealblatte“: „Des Grafen Franz Christoph Khevenhüller Brautwerbung“ [1839, Nr. 1 und 2]; – „Der Minnesänger Dietmar von Aist, einem Schloß bei Wartberg im unteren Mühlkreise“ [1840, Nr. 1]; – „Zugabe zum XVII. Bande der (Stelzhammer’schen) kirchlichen Topographie“ [1840, Nr. 17, 18, 19. 20, 21]; – „Johann Christoph Stelzhammer. Nekrolog“ [1840, Nr. 13 u. 15]; – „Des Grafen F. Ch. Khevenhüller zweite Vermälung“ [1841, Nr. 13 u. 15]; – „Wie Graf Khevenhüller das goldene Vließ erhielt“ [1841, Nr. 25]; – „Die Schaunberge in Oesterreich ob der Enns“ [1841, Nr. 32 und 33]; – „Die Stiftung der Pfarre Pergkirchen im Machlande“ [1842, Nr. 4]; – „Wie die Annalen des Grafen Khevenhüller entstanden“ [1843, Nr. 7]; – „Eine Bemerkung zu dem Stiftbriefe von Kremsmünster“ [1843, Nr. 9]; – „Franz Kurz. Nekrolog“ [1843, Nr. 15]; – „Wie kommen die Volkenstorf’schen Güter in den Besitz der Grafen von Tilly?“ [1843, Nr. 23 und 24]; – „Die Sage über den Ursprung des Marktes Ried im Innviertel und dessen Wappen“ [1844, Nr. 12]; – „Joseph Schmidberger“ [1844, Nr. 26]. – In den „Linzer Musealberichten“: „Die Geschichte des Klosters des h. Geistordens zu Pulgarn“ [1841]; – „Die Genealogie des Geschlechtes der Herren von Kapellen [1842]; – „Geschichte der Stadt Vöcklabruck“ [1857]. – In der von Darnaut und Bergenstamm begonnenen und von Johann Christoph Stelzhammer fortgesetzten, mit dem 18. Bande abgeschlossenen „Kirchlichen Topographie Oesterreichs“: „Kurze Geschichte des Stiftes Wilhering“ [XVIII. Bd.]; – „Geschichten der Florianer Pfarren des Mühlkreises: Feldkirchen, Goldwarth, Walding, St. Peter, St. Martin, St. Johann, St. Veit“ [XVIII. Bd.]. – In den „Münchener gelehrten Anzeigen“ XXVI. Bd., Nr. 122–126; XXIX. Bd., Nr. 211–213; XXXI. Bd., Nr. 102–104; XXXIV. Bd., Nr. 28–30“. „Die Recension des Werkes: Cardinal Khlesl von Hammer-Purgstall“. [Diese Recension erschien anonym und ging mit dem Hammer’schen Buche scharf zu Gericht. Erst Mathias Koch denuncirte Stülz in den „Heidelberger Jahrbüchern“ 1852, Nr. 60 in einer in Gelehrtenkreisen kaum üblichen Weise als Verfasser der Kritik. Selbst der sonst wohl [170] scharfe, aber nie anzügliche Stülz kann nicht umhin, den überall gemiedenen und wirklich unangenehmen Mathias Koch als „Sudelkoch“ zu bezeichnen]. – In der von Kaltenbäck herausgegebenen „Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde“: „Abhandlung über die richtige Schreibweise Ebelsberg oder Ebersberg“ [Bd. I, S. 348]; – „Notizen über das dem Kloster Wilhering gehörige Schloß Eckendorf im 16. und 17. Jahrhundert“ [ebd., Bd. III, S. 232 u. f.] – In den von Dr. Adolph Schmidl herausgegebenen „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“: „Ober-Pinzgau oder der Bezirk Mittersill. Dargestellt von Ign. von Kürsinger. Angezeigt von Jodok Stülz“ [1844, II. Quartal, Nr. 21]; – „Historisch-kritische Bemerkungen (betreffend eine Sage vom Rieder Wappen, Versuch über die Bestimmung der Lage der Ipfbäche) [1846, Nr. 27]; – „Kritische Notizen“ (zu Pritzens und Lichnowsky’s Werken) [1847, Nr. 28]. – In den „Wiener Jahrbüchern der Literatur: „Die Geschichte des Benedictinerstiftes Michaelbeuern. Von Michael Filz“ [Bd. LXIX, S. 225]. – In den „historisch-politischen Blättern“ von Görres: „Kaiser Ferdinand II. im Verhältniß zu den Ständen ob der Enns“ [Bd. IV und V]; – „Die Nürnberger Nonne Charitas Pirkheimer“ [Bd. XIII]; – „Ueber den Einfluß der Kirchentrennung auf die Literatur“ [Band XIX]. – In der von Pritz herausgegebenen „Erinnerung an das 700jährige Jubelfest des seligen Berthold von Garsten (Linz 1842)“. Predigt, gehalten von Jodocus Stülz am 26. Juli 1842 [es ist dies die einzige Predigt Stülzens, welche durch den Druck bekannt wurde, Stülz war eigens zu dieser Feier nach Garsten gereist]; – eine Trauungsrede, welche Stülz gehalten, als er am 23. Mai 1865 in der Schloßcapelle zu Tillyburg den Grafen Franz Eltz und die Gräfin Ida O’Hegerty traute, hat P. Wilhelm Pailler in Stülzens Biographie (S. 316–319) abgedruckt. Er theilt daselbst auch eine „christliche Lebensregel“ (S. 340 u. f.) mit, welche Stülz als Grundgesetze irdischen Wandels für eine adelige Dame niedergeschrieben, und welche wir als eine von Stülz sich selbst für das Leben aufgestellte Maxime ansehen dürfen. – Im „Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen“. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften: „Die ältesten Urkunden des Klosters Gleink“ [Bd. III]; – „Die Jugend- und Wanderjahre des Grafen Franz Christoph von Khevenhüller, nach seinen eigenen Aufzeichnungen“ [Bd. IV]; – „Einige Bemerkungen zu dem Aufsatze des Professors Karlmann Tangl, betreffend die Grafen, Markgrafen und Herzoge aus dem Hause Eppenstein“ [Bd. IV]; – „Ausschußtag der fünf niederösterreichischen Lande in Wien 1556“ [Bd. VIII, 1. Hälfte]; – „Ueber den Grafen Ulrich von Schaunberg, den angeblichen Erzieher des Herzogs Rudolph IV. von Oesterreich“ [Bd. VIII, 2 Hefte]; – „Zur Charakteristik des Freiherrn Georg Erasmus von Tschernembl und zur Geschichte Oesterreichs in den Jahren 1608 bis 1610“ [Bd. IX, 1. Hälfte]; – „Bericht des Landeshauptmanns Sigmund von Dietrichstein an den Erzherzog Ferdinand über den Ueberfall zu Schladming am 3. Juli 1525“ [Bd. XVII, 1. Hälfte]; – „Des Propstes Gerhoch von Reichersberg Abhandlung: De Investigatione Antichristi. Codex msct. im Stifte Reichersberg“ [Bd. XX, 1. Hälfte]; auch versah Stülz den im I. Bande des Archives enthaltenen Aufsatz Koch-Sternfeld’s: Genealogische und topographische Forschungen über die Stifter, die Stiftung und Ausstattung von Eberndorf, Gurnik, Teinach und St. Lorenz zu Burg Stein in Kärnthen mit Erläuterungen und kritischen Glossen. – In den „Denkschriften“ der philosophisch-historischen Classe: „Historische Abhandlung über das Leben und die Werke des Propstes Gerhoch I. von Reichersberg“ [Bd. I]; – „Das Leben des Bischofs Altmann von Passau“ [Bd. IV, S. 219–287]. Bei der ersten Durchsicht des schon in’s Reine gedruckten Textes entdeckte Stülz nicht weniger denn ein halbes Hundert Druckfehler, die ärgsten, wie er bemerkte, da deren noch zweimal so viel darin vorkommen; – „Zur Geschichte der Herren und Grafen von Schaunberg“ [Bd. XII, S. 147–368]. – In den „Sitzungsberichten“ der philosophisch-historischen [171] Classe: „Bericht über den Aufruhr der Anhänger Wycliffs gegen Heinrich V. von England“ [Bd. V, S. 64]; – „Ueber die Gewaltthätigkeiten, welche sich ein Herr von Sunberg erlaubt hat. Im 14. Jahrhunderte“ [Bd. V, S. 68]; – „Ueber den Ufgau. Nekrologe von St. Florian“ [Bd. VII, S. 641]; – „Karte des Landes ob der Enns, dargestellt in seiner politischen und kirchlichen Eintheilung während des XV. Jahrhunderts. Von Joh. Lamprecht“ [Bd. XLIX, S. 113]; – „Gerhochi Reichersbergensis ad Cardinales de schismate epistola. Von E. Mühlbacher“ [Bd. LXIX]; – „Anmerkungen zu dem Aufsatze: Geschichte der Herrschaft Windeck und Schwertberg im Lande ob der Enns“ [Bd. XVII, S. 205]. – Im „Notizenblatt der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“, herausgegeben von Chmel: „Zur Geschichte der Grafen von Schaunberg im Lande ob der Enns“ [Bd. I, S. 315, 329, 341, 361, 372]; – „Ueber den Ufgau“ [Bd. I, S 347]; – „Fragment eines Nekrologiums des Stiftes St. Florian aus dem 13. Jahrhundert; 4 Pergamentblätter“ [Bd. II, S. 291]; – „Register aus den Urkunden im Archive zu Efferding. Aus den Jahren 1401–1432, 1459, 1499“ [Bd. II, S. 305, 323, 337; Bd. III, S. 236, 276]; – „Notizen aus und über Ranshofen am Inn“ [Bd. IV, S. 409, 445, 465, 496, 524]; – „Die Pfarrkirche Tauersheim“ [Bd. V, S. 413]; – „Nachträge zu dem Aufsatze: „Ueber die Vögte von Perg“ in Chmel’s „Oesterreichischem Geschichtsforscher“ [Bd. VII, S. 198, 213]. – In den „Katholischen Blättern aus Tirol“: „Die Correspondenzen aus Oberösterreich“ [1848, Nr. 17, 20, 26, 42]; – „Ueber den Linzer Katholikenverein“ [1854, Nr. 6]. – In der „Linzer theologisch praktischen Quartalschrift“: „Die Klausnerin Wilbirg zu St. Florian“ [1849, l. Heft]; wenn uns Stülzens Biograph von der Klausnerin berichtet, „daß sie noch als Leiche, da ein Jugendfreund Rüdiger von Baumgartenberg sie im Sarge küßte, allsogleich erröthete“, so stört er durch dergleichen Geschmacklosigkeiten den Eindruck seines sonst so trefflichen, inhaltreichen und lesenswerthen Buches. – „Charitas Pirkheimer, Aebtissin zu St. Clara in Nürnberg [1855, Heft 1 und 2]. Stülz hatte schon 1854 in den Görres’schen „Historisch-politischen Blättern“ diesen ihm seit Jahren lieb gewordenen Stoff in einem kürzeren Aufsatze behandelt. In der Quartalschrift gestaltete er das Lebensbild dieser berühmten Nonne nun reicher und umfassender. Drei Jahre später erfuhr er von seinem Freunde Böhmer, daß dieser vor mehr als dreißig Jahren eine Reihe noch ungedruckter Briefe der Charitas aufgefunden und Abschrift davon genommen habe, welche er ihm, wenn er nochmals an diesen Stoff herantreten sollte, gern zur Verfügung stelle. Es kam nicht mehr dazu. – „Pfarrgeschichten“ [1864, 2 Heft; 1865, 3. Heft; 1868, 2. Heft, 1. und 2. Abtheilung]. Diese Pfarrgeschichten enthalten Notizen über Lasberg, St. Oswald bei Freistadt, über Gutau, St. Leonhart und Wartberg. – In den „Mittheilungen des Alterthumsvereines“ in Wien: „Text zu Abbildungen der Schaunburger Gräber in Wilhering“ [Band X, 1869]. Stülzens letzte Arbeit. – Ungedrucktes. Seit October 1838, wo Stülz einer Einladung des Prälaten von Reichersberg folgte, datirt der Beginn seiner Arbeiten zu einer Geschichte dieses Stiftes. Als er dieselbe vollendet hatte, bot er sie dem Stifte an. Dieses jedoch lehnte ab, da ein Reichersberger Capitular (Bernard Appel) an einer solchen Geschichte arbeitete. Stülzens Werk blieb unbekannt und ungedruckt und befindet sich – 19 Bogen stark – im Handschriftencabinet der Stiftsbibliothek zu St. Florian. Indessen sind über das Stift zwei Werke, welche sich zum Theil ergänzen, im Druck erschienen, zuerst von dem schon genannten Bernard Appel: „Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich“. (Linz 1857, J. Feichtinger’s Erben, 4 Bl. Titel, Widmung, Vorrede und Inhalt und 320 Seiten Text) und über anderthalb Decennien später von Konrad Meindl: „Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1822. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des hochwürdigen Herrn Propstes Bartholomäus Pflanzl“. (Passau 1873, Jos. Bücher, 8°., Titel, Vorrede, Inhalt VII S., Text 296 S.). – Ob sonst noch ungedruckte Arbeiten Stülzens vorhanden sind, ist mir unbekannt.
[172] II. Quellen zur Biographie. Pailler (Wilhelm). Jodok Stülz, Prälat von St. Florian. Ein Lebensbild (Linz 1876, F. J. Ebenhöch, 344 S., 8°.). [Wieder einmal eine biographische Arbeit, deren Lecture wohlthut, ein wahres „Lebensbild“, wie es der Verfasser zutreffend nennt, aus welchem der Mensch, der Gelehrte und der Priester in ihrer vollen Wahrheit und Lieblichkeit hervortreten.] – Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) XXIII. Jahrg. (1873), S. 184, im Berichte des Secretärs der philosophisch-historischen Classe, J. Vahlen. – Salzburger Landes-Zeitung, 1855, Nr. 68, 69 und 70: „Jodok Stülz“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, Seite 231.
III. Porträte. 1) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges „Jodok Stülz“. Dauthage (lith.). St. Florian 1854 (Wien, J. Bermann, Fol.). – 2) Ein zweites Bildniß desselben Künstlers aus dem Jahre 1870. Beide Porträte sehr ähnlich. – Außerdem wurde das Bildniß des gelehrten Prälaten wiederholt in Oel gemalt; zuerst: 1864 von dem Historienmaler Leopold Schulz, der ein Jahr zuvor für den Kreuzaltar in St. Florian ein großes Altarbild vollendet hatte. Aber das lebensgroße Bildniß wurde nichts weniger denn ähnlich befunden, und der Künstler nahm es mit nach Wien. Was damit geschehen, ist nicht bekannt. – Glücklicher war der Innsbrucker Maler Wörndle von Adelsfried, der zwei Porträte des Prälaten in Oel malte, ein Kniestück, jetzt im großen Saale der Stiftsbibliothek von St. Florian, und ein kleines, welches nur den Kopf, jedoch in Lebensgröße, zeigt und der Series Praepositorum in der Bildergalerie des Stiftes eingereiht ist. – Im Nebenzimmer der Bibliothek befindet sich aber auch ein Medaillon aus Gypsmasse, Stülzens Kopf in Lebensgroße en relief darstellend, das von Vielen für das beste Bildniß des Prälaten angesehen wird. Es ist ein Werk des Münchener Bildhauers Johann Hautmann, dem man auch die treffliche Porträtbüste des Abtes Haneberg in München verdankt. Hautmann führte Stülzens Büste im Jahre 1862 aus.
IV. Stülzens Gedenktafel in der Gruft zu St. Florian. Neben dem Sarge Stülzens ließ dessen Nachfolger in der Würde, Propst Ferdinand Moser eine Gedenktafel einsetzen. Das Wappen des Gelehrten, ein Tannenbaum, ist in Messingguß über der folgenden Inschrift angebracht: „Heic adquiescunt ossa et cineres Reverendissimi Perillustris Amplissimi et Doctissimi Domini Domini Jodoci II. Stuelz Rhaetoaustriaci Bezoviensis, Praepositi LI. hujus Canoniae atque Abbatis lateranensis, St. Theologiae Doctoris, Caesareo-regiae apostolicae Majestatis Consiliarii, Capellani aulici haereditarii in Austria superiore, Reverendissimi Episcopi Linciensis Consiliarii consistorialis, Equitis ordinis caesarei austriaci Francisci Josephi, caesareo regii imperii Historiographi, caesareae Academiae Vindobonensis, regiae bavaricae Monacensis et aliarum societatum literariarum sodalis, Instituti theologoci domestici Directoris, qui in thermis Gastunensibus, quas recuperandae valetudinis causa adierat, pulmonum inflammatione correptus IV. Cal. Jul. 1872 annos 73 natus diem supremum obiit. Canonici regulares lateranenses ad S. Florianum inopino ictu percussi virum humilem, parentem amatissimum, religiosum pium, praesulem prudentem titulo ac lacrymis sunt prosecuti. – Requiescat in pace!“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XXV, S. 385].
  2. Vorlage: J. G. Stelzhammer.
  3. Vorlage: schwimenden.
  4. Vorlage: Cistertienser-Klosters.