An das gesammte Irrländische Volk

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Textdaten
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Autor: Jonathan Swift
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Titel: An das gesammte Irrländische Volk
Untertitel:
aus: Briefe des Tuchhändlers. In: Satyrische und ernsthafte Schriften, von Dr. Jonathan Swift. 1. Band, S. 374–403
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1724
Erscheinungsdatum: 1756
Verlag: [s.n]
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Erscheinungsort: Hamburg und Leipzig
Übersetzer: Johann Heinrich Waser
Originaltitel: To the Whole People of Ireland
Originalsubtitel:
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Quelle: MDZ München und Commons
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[374]
IV.
An das
gesammte Irrländische
Volk.


NB. Dieses war der Brief, gegen welchen der Lord Statthalter (Carteret) und der Staatsrath öffentlich bekannt machen lassen, daß wer den Verfasser desselben entdeken würde, dreihundert Pfunde zur Belohnung haben solte; und um welches willen Harding, der Buchdruker vor einem gewissen Whitshed, damaligen Oberrichter, gerichtlich verhöret worden ist; allein das Lobl. Gericht der Geschwornen wolte die Klage wider ihn nicht annehmen, noch wolte sonst jemand den Verfasser entdeken.


Liebe Landesleute!

Nachdem ich allbereit drei Briefe, über einen so unangenehmen Gegenstand, als Wood und seine Halbpfenninge sind, geschrieben habe, so dachte [375] ich, daß meine Arbeit zu Ende wäre. Allein ich finde, daß man einem schwächlichen Staatskörper eben sowol öftere Herzstärkungen beibringen muß, als einem natürlichen. Ein Volk das lange gedrüket worden, verliert nach und nach die wahren Begriffe von der Freiheit. Solche Leute betrachten sich selbst als Geschöpfe, die nur der Gnade leben; und glauben, daß alle Beschwehrungen, so ihnen von mächtigern aufgelegt werden, (mit dem Verfasser des Berichts zureden,) gesezmässig und verbindlich sind. Daher denn jenes armselige und kriechende Wesen des Geistes, wozu ein ganzes Königreich eben sowol gebracht werden kann, als ein einzeler Mensch; und es ist sich nicht zuverwundern, daß Esau das Recht seiner Erstgeburt für eine warme Brühe verkauft hat, da er bis zum[WS 1] Tod abgemattet vom Felde heimkam. [WS 2]

Ich dächte, ich hätte allen denen, die des Unterrichts bedürftig wären, genugsam gezeigt, wie sie sicher zu Werke gehen könnten, wenn ihnen diese Münze jemal angeboten würde: Und ich glaube nicht, daß von langer Zeit her ein Exempel zufinden, da ein ganzes Königreich über eine Sache von Wichtigkeit so fest vereiniget gewesen, als das unsere izo gegen diese abscheuliche Betrügerei ist. Allein dessen ungeachtet, lassen sich einige schwache Gemüther, durch ämsig ausgestreute Gerüchte, neuer Dingen in Furcht und Sorge sezen. Wood schreibt den Zeitungskrämern in London vor, was sie schreiben sollen. In einem ihrer Bläter, welches hier von einem sich verborgen haltenden Buchdruker, (und gewiß in einer schlimmen Absicht) ans Licht gestellt [376] worden, erzehlet man uns, daß die Papisten in Irrland sich wider seine Münze vereiniget haben, obschon weltkündig ist, daß sie niemal das Herz gehabt, sich über diese Sache zubewegen. So daß mithin die beiden Parlamentshäuser, der Staatsrath, so viele Innungen, der Lordmajor, und die Aldermänner zu Dublin, die Gerichte der Geschwornen, und der vornehmste Adel verschiedener Provinzen, alle in einen Tiegel zusammen geworfen, mit dem Nammen der Papisten gebrandmarket werden.

Dieser Betrieger und seine Rotte giebet ferner vor, daß wir durch die Verwegerung seinen Quark für gute Münze anzunehmen, dem König seine Rechte streitig machen; daß wir reif geworden zur Rebellion, und in Bereitschaft stühnden Irrlands Dependenz von der Krone England, vom Halse zuschütten. Und diese Nachrichten zuunterstüzen, läßt er in ein anderes Blat einen Artikel sezen, darinnen er uns zuwissen thut, daß der Lord Statthalter Befehl habe, schleunig herüberzukommen, um seine Halbpfenninge auf festen Fuß zusezen.

Ich ersuche euch, liebe Landesleute, daß ihr euch diese und dergleichen Gerüchte nicht anfechten lasset, zumal da sie weiter nichts sind, als das lezte Geheul eines Hundes, den man lebendig aufgeschnitten hat, gleich ihm, wie ich hoffe, genugsam wiederfahren ist. Diese Verleumdungen sind noch der einzige Hinterhalt der ihm übergeblieben, denn gewiß unsere beharrliche Treu, die beinahe ohne Exempel ist, wird niemal deswegen in Zweifel gezogen werden, weil wir nicht leiden wollen, daß ein schlechter Eisenkrämer, uns all unser Habt und Gut raube.

[377] Was das betrift, daß wir dem König seine Prerogative streitig machen, so erlaubet mir, daß ich zum Behuf der Unwissenden erkläre, was das Wort Prerogativ eigentlich sagen will.

Die Könige dieser Reiche haben verschiedene Rechte, in Sachen da die Geseze nichts bestimmet haben. So können sie zum Ex. Krieg und Friede machen, ohne die Einwilligung des Parlaments, und dieß ist ein sehr grosses Prerogativ: Allein wenn das Parlament zum Kriege nicht einwilliget, so muß der König denselben auf seine eigene Kosten führen, und dieses ist ein eben so starker Zaum für die Krone. So hat der König ebenfalls ein Prerogativ Münze zuschlagen, ohne des Parlaments Einwilligung. Allein er kann die Unterthanen nicht zwingen sie anzunehmen, ausgenommen sie sey von Gold oder Silber, und dabei von gutem Gehalt, massen er hierinn durch die Geseze eingeschränket ist. Es ist wahr, daß einige Könige ihre Prerogative weiter ausgedähnt haben, als ihnen die Geseze erlauben, inzwischen haben sich doch die Rechtsgelehrten folgender Zeiten, so grosse Liebhaber sie sonst von Exempeln sind, niemal erkühnet, sie deswegen zurechtfertigen: Doch die Wahrheit zugestehen, so sind die Prerogarive erst in den leztern Zeiten bestimmet und festgesezet worden; Denn wer die Historie von England lieset, wird finden, daß einige vorgehende Könige, und zwar nicht eben die schlimmste, bei verschiedenen Anlässen sich kein Bedenken gemachet, ohne viel Ceremonien in die Geseze nach eigenem Gutdünken Eingriffe zuthun, selbst auch nach den Zeiten der Königin Elisabeth. Unter ihrer Regierung fehlete es nicht viel, daß das Königreich vonwegen des verderblichen Raths, schlechte Münze [378] hieher zusenden, verloren gegangen wäre; bei welchem Anlasse der Lord Statthalter, der Staatsrath, und die gesammte hier eingesessene Engländer sich beschweret, und so viel erhalten haben, daß die Münze bald nach der Königin Tod von ihrem Nachfolger wieder eingezogen, und gutes gesezmässiges Gelt dagegen getauschet ward.

Nachdem ich euch also etwelcher Massen (wie nämlich ein Kaufmann es zuthun im Stande ist) gezeiget habe, was man durch des Königs Prerogative zuverstehen hat, so will ich nur noch die Meinung des grossen Bacons[WS 3] hier beifügen. Gleich (schreibt er) wie GOtt die Welt durch die ordentliche Geseze der Natur, welche er gemachet hat, regieret, und diese Geseze niemal, als nur bei höchstwichtigen Umständen, überschreitet, also sind unter den Fürsten dieser Erde diejenigen die weisesten, und die besten, welche ihre Länder nach den eingeführten Gesezen regieren, und sich ihrer Prerogativen am seltensten bedienen.

Hieraus mögt ihr nun sehen, daß die boshafte Anklage Woods und seiner Mitgesellen, als ob wir, durch Verwegerung seinen Quark anzunehmen, dem König seine Rechte streitig machen, nicht Statt haben kann, weil es nicht zu den Königl. Prerogativen mitgehört, daß die Unterthanen gezwungen werden, einige Münze anzunehmen, die nicht gesezmassig ist. Und wenn es mit dazu gehörte, so bin ich versichert, daß wir gewiß die lezten seyn würden, ihm dieses Prerogativ streitig zumachen,und das zwar sowol vermöge der unverbrüchlichen Treu mit welcher wir Sr. Majestät jederzeit zugethan geblieben, als auch wegen des Traktaments, das wir in solchem Falle von gewissen Leuten zuerwarten [379] hätten, die in den Gedanken zustehen scheinen, als ob wir weder menschlichen Verstand, noch menschliche Empfindlichkeit haben: Doch GOtt sey gedankt! auch die besten von ihnen sind nur unsere Mitunterthanen, und nicht unsere Herren. Ein wichtiges Verdienst weiß ich gewiß, haben wir doch, daran die geborne Engländer keinen Anspruch machen können; nämlich daß da unsere Voreltern dieses Königreich, Englands Botmässigkeit unterworfen haben, wir hingegen dafür ein schlechteres Clima, die Freiheit durch Geseze regieret zuwerden, die ohne unsere Einwilligung errichtet werden, eine verdorbene Handlung, ein Oberparlament ohne Gerichtbarkeit, die Ausschliessung beinahe von allen Amtsbedienungen, und die Furcht vor Woods Halbpfenningen zur Vergeltung besizen.

Inzwischen ist so fern, daß wir dem König das Recht Münze zuschlagen, streitig machen, daß wir vielmehr gestehen, er sey befügt deswegen Patente zugeben, wem er will, und sein Königl. Bildniß und Ueberschrift auf eine Materie schlagen zulassen, auf welche er will, zusamt noch der Freiheit für den Innhaber des Patentes, diese Münze aller Orten von England aus, bis in Japan anzutragen, nur mit der einzigen kleinen Einschränkung, daß kein Mensch in der Welt verpflichtet seyn soll, sie anzunehmen.

In dieser Betrachtung bin ich allezeit dawider gewesen, daß man sich bei England um Hülfe wider dieses gegenwärtige obschwebende Unglük melden soll, vornehmlich, nachdem ich wahrgenommen, daß die von beiden Parlamentshäusern eingesendete Vorstellungen, nach langem warten nichts anders, als einen Bericht [380] ausgewürkt haben, der gänzlich zu Woods Gunsten abgefasset ist. Ich habe in einem der vorgehenden Briefe einige Anmerkungen über diesen Bericht gemachet, und könnte darüber wol noch einmal so viel gemacht haben, denn die Schrift ist vom so gar besondrer Art, daß ich dergleichen wol niemal gesehen.

Doch nein, ich irre; denn ehe noch dieser Bericht abgestattet ward, ist Sr. Majestät allergnädigste Antwort, worinn die Worte stehen: „Sie ertheilen das Patent Halbpfenninge und Vierer zuschlagen, nach Uebung und Gewohnheit Dero Königlichen Vorfahren, etc.“ an das Oberhause herübergeschiket und gedrükt worden. Daß die Könige, Karl der Zweite, und Jakob der Zweite, (und nur sie allein) solche Patente gegeben, ist unstreitig, und ich habe es weitläuftig gezeiget. Ihre Patente wurden unter dem grossen Siegel von Irrland ausgefertiget, dahin die Sache verwiesen ward; das Kupfer mußte in Irrland gemünzet werden, und der Innhaber des Patents war verpflichtet, seine Münze in Irrland wieder zurükzunehmen, und Gold und Silber dafür zugeben. Hingegen wird Woods Patent unter dem grossen Siegel von England ertheilet; der Kupferquark wird in England geschlagen, an Irrland gelanget nicht die geringste Weisung, die Summe ist übermässig, und der Innhaber des Patents steht in keiner Verpflichtung, seine liederliche Waare wieder zurükzunehmen und gute Münze dafür zugeben: Ich melde dieses nur deswegen, weil ich oft bei mir selbst angestanden, ob der Schreiber Sr. Majestät allergnädigste Antwort bei den Worten nach Uebung und Gewohnheit Dero Königl. Vorfahren, diese verschiedene Umstände, welche nach meiner [381] geringen Einsicht einen Unterschied machen, gehörig erwogen habe.

Nun will ich mit Erlaubniß auch etwas von dem andern Punkt sagen, weswegen einige Leute hauptsächlich in Furchten stehen; daß nämlich, (so wie Wood es durch den Londonschen Zeitungschreiber hat ausdrüken lassen) Se. Excellenz der Lord Statthalter im Begriefe stehe, herüberzukommen, Woods Halbpfenninge auf festen Fuß zusezen.

Wir wissen gar zuwol, daß die Lord Statthalter dieses Königreich von vielen Jahren her, ihrer Residenz nie länger gewürdiget, als es die Königl. Geschäfte allhier unumgänglich erfodert haben: Wie sie denn deswegen auch jederzeit geschwind genung zu Ende gebracht werden: Es ist daher ganz natürlich, daß die meisten Leute auf die Gedanken gerathen, es müsse die Herüberkunft eines neuen Regenten, zu einer ungewohnten Zeit, auch ganz ungewohnte Geschäfte zum Grunde haben; besonders wenn das allgemeine Gerücht wahr seyn solte, daß das Parlament, welches, ich weiß nicht für wie lange, verschoben worden, sich in Kraft eines neuen Befehls, der diesen Verschub wiederrufen soll, gleich nach desselben Ankunft wieder versammeln werde, welch ausserordentliches Verfahren zurechtfertigen, die Juristen jenseit des Wassers zu gutem Glüke zwei Exempel gefunden haben.

Dieses alles nun vorausgesezt, kann ich nimmermehr begreifen, daß ein so schlechter Kerl, wie Wood, über den König und seine Minister so viel vermögen soll, daß man seinetwegen den Lord Statthalter von Irrland in Eile hieherschike.

[382] Denn läßt uns die ganze Sache, bloß wie sie vor uns liegt, betrachten, ohne auf die Auszierungen achtzuhaben, welche gewisse Leute ihr geben, mit denen wir nichts zuschaffen haben. Hier ist ein Patent, welches auf falsche Vorstellungen hin, einem gewissen Wilhelm Wood unter dem grossen Siegel von England ertheilet worden ist, für Irrland küpferne Halbpfenninge zuschlagen, das Parlament macht dem König, aus Besorgniß der allerschlimmsten Folgen die das Patent haben würde, Vorstellungen, damit er es widerrufen möchte. Dieses wird abgeschlagen, und ein Ausschuß von dem Staatsrathe stattet Sr. Majestät den Bericht ab, Wood habe die Bedingnisse des Patents erfüllet. Hierauf wird ihm überlassen, seine Halbpfenninge an den Mann zubringen, so gut er kann, und niemand wird verpflichtet sie anzunehmen: Die hiesige Nation, deren ebenfalls überlassen ist, zuthun was sie will, steht für einen Mann, und entschließt sich, daß sie mit seiner Waare nichts will zuschaffen haben. Aus dieser einfältigen Erzehlung ist klar, daß der König und seine Minister sich des Streits ganz nicht annehmen, und daß Wood und wir, die Sache unter einander allein auszumachen haben. Wer wird mich denn glauben machen, daß ein Lord Statthalter in gröster Eile, vor der gewohnten Zeit werde herübergeschikt, und ein Parlament zusammen berufen werden, noch ehe die Zeit der Verschiebung desselben verflossen ist, einzig deswegen, damit einem Geltschinder, durch Zugrundrichtung eines der getreusten Königreiche, der Beutel mit etwan hunderttausend Pfunden gespikt werde?

Man seze aber, daß dieses alles geschehen werde. Mit was für Gründen wird wol ein Lord Statthalter [383] eben das Parlament, welches Sr. Majestät mit so grossem Eifer und Ernst gegen dieses Uebel Vorstellungen gethan hat, vermögen, demselben ein gesezmässiges Ansehen zugeben? Ich bin versichert, daß die Mitglieder des Parlaments, seit lezterer Verschiebung desselben, von Wood und seinem Projekte keine bessere Meinung gefasset haben: Und gesezt, man würde sich derjenigen Mitteln bedienen wollen, welche (wie verleumdrische Leute ausstreuen) dann und wann sind gebraucht worden, Stimmen zugewinnen, so ist bekannt genung, daß in diesem Königreiche wenige Bedienungen sind, die vergeben werden können, und wenn derer auch mehrere wären, so weiß man wiederum nicht weniger, was für Leuten sie würden zutheile werden.

Inzwischen, da sehr viele unter euch, von den Sachen ihres eigenen Vaterlandes überall nichts wissen, so will ich euch einige Ursachen angeben, warum man in diesem Königreiche so wenige Stellen zuvergeben hat.

Alle beträchtliche auf Zeit Lebens gesezte Bedienungen sind in den Händen derer, denen man die Nachfolge vorläuftig versprochen hatte; und das waren insgesamt Anhänger der Statthalter, oder Leute die bei dem Engländischen Hofe in Gunsten standen. So hat der Lord Berkley von Stratton[WS 4] die einträgliche Bedienung der Registratur; Lord Palmerstown[WS 5] die Stelle eines ersten Sekretäirs bei der Königl. Schazkammer, die jährlich beinahe 2000. Pf. einbringt. Ein gewisser Dodington,[WS 6] Sekretair des Grafen von Pembrok,[WS 7] erbettelte die Nachfolge auf die Stelle eines Wahlschreibers, jährlich 2500. Pf. wehrt, welche er auf erfolgtes Absterben des Lord Neutons[WS 8] nun wirklich besizet: Der [384] Herr Southwell[WS 9] ist Staatssekretair, und der Graf von Burlington,[WS 10] Lord Oberschazmeister von Irrland, erbsweise. Dieses sind nur einige wenige, von vielen andern, davon ich mir habe sagen lassen, derer ich mich aber nicht mehr erinnern kann: Ja man hat auch verschiedene Bedienungen von willkührlicher Dauer, auf gleiche Weise vorläuftig vergeben; dieses, nebst noch viel anderm, ist ein Umstand, wodurch sich das Königreich Irrland von allen übrigen Nationen in der Welt unterscheidet, und welcher es so sehr schwer machet eine Civilbedienung zuerlangen, daß der Herr Addison[WS 11] genöthiget war, eine alte verlegene Stelle, deren Besizer den Titel eines Aktenbewahrers führte, in Berminghams-Tower zukaufen, welche jährlich zehn Pf. einbrachte, wozu ihm denn zur Besoldung 400. andere Pf. beigelegt wurden, obgleich alle Akten daselbst, nicht eine halbe Krone wehrt sind, weder in Absicht auf die Curiosität, noch in Absicht auf einigen Nuzen den sie haben könnten. Und wir haben unlängst gesehen, daß ein Sekretair,[1] der ein besondrer Günstling war, sich heruntergelassen, das Amt eines Oberaufsehers über die Ergözlichkeiten zubedienen, welches er durch seinen Credit und durch Erpressungen ganz beträchtlich machte. Von der Stelle eines Unterschazmeisters, die jährlich 9000. Pfund erträgt, und von den Commissarien der Königlichen Gefälle, derer vier insgemein in England leben, sage ich nichts, weil ich nicht glaube, daß diese Stellen vorläuftig vergeben werden. Das artigste aber ist hiebei dieses, daß ich einige dieser Officianten gekannt, welche sich bei gegebenem Anlasse dem Interesse [385] von Irrland eben so hizig wiedersezt haben, als ob sie uns nicht eines Groschen wehrt, zudanken hätten.

Ich gestehe, daß ich zuweilen in Versuchung gerathen, zuwünschen, daß Woods Projekt zu Stande kommen möchte. Denn ich könnte mir mit einem etwelchen Vergnügen vorstellen, was für eine lustige Gesellschaft von Lords, Rittern, Pensiönern beiderlei Geschlechts, Civil- und Militarbedienten, dieses zu uns herüberbringen, und wie wie alsdenn eben so aufgeräumt und gesellig unter einander leben würden, als Bettler, nur mit dem einzigen Unterschied, daß wir weder Speise zur Nahrung, noch Manufakturen zur Kleidung hätten, ausgenommen wir wolten uns vergnügen Staat in Panzern zumachen und Kupfer zufressen, wie die Straussen Eisen fressen.

Ich komme von dieser Ausschweifung wieder auf das, so mir dazu Anlaß gegeben hat, und glaube, ihr werdet nun völlig überzeuget seyn, daß wenn das Parlament in Irrland auch wirklich eben so leicht zubestechen wäre, (davor GOtt sey!) als irgend eine andere Versammlung in der Welt, doch diejenigen, welche die Sache anschikten, ihres Zweks nothwendig verfehlen mußten, weil es ihnen an Instrumenten fehlte, womit sie arbeiten solten. Ich will aber noch einen Schritt weiter gehen und sezen, daß man hundert neue Bedienungen aufrichtete, willfährige Leute damit zubeschenken, so würde doch stets eine neue unüberwindliche Schwierigkeit übrig bleiben. Denn einmal ist das Gelt (ich weiß nicht wie es kömmt) weder Whig noch Tory, weder von der Städtischen noch von der Landes-Partei, und es ist ganz wahrscheinlich, daß ein Edelmann [386] lieber von seinen eignen Gütern, davon er Gold und Silber beziehet, würde leben wollen, als noch eine Bedienung dazu haben, dafern ihm alsdenn beides, seine eigene Einkünfte und seine Besoldung mit Woods Kupferquarke solte bezahlet werden, wobei er einen Verlust von mehr als 80. per Cent zuleiden hätte.

Um dieser und vieler andrer Ursachen willen bin ich versichert, daß ihr euch von der eilfertigen Herüberkunft des Lord Statthalters nicht das geringste zubefürchten habt, als lange wir bei unsrer gegenwärtigen herzhaften Gemüthsfassung bleiben, welche zuverändern, man durch keine gleichmässige Versprechungen uns zuversuchen im Stande ist. Und wenn die Geseze (wie ich öfters aus den besten Schriftstellern dargethan habe) der Krone die Gewalt nicht gelassen haben, die Unterthanen zunöthigen, anders Gelte als Sterling anzunehmen, so kann die Krone eine solche Gewalt noch vielweniger an jemand andern übertragen.

Inzwischen sage ich dieses mit der grösten Hochachtung für die Person und Würde Sr. Excellenz des Lords Carteret;[WS 12] von dessen Charakter mir unlängst ein Edelmann Nachricht gegeben, welcher ihn von Anfang da er sich in der Welt gezeigt hatte, gekannt hat. Dieser beschreibt ihn, als einen jungen Herrn von vortrefflichen Eigenschaften, von besondrer Gelehrsamkeit, ordentlicher Lebensart, und der viel Wiz und Lebhaftigkeit besize. Von der Zeit an, ist er wie ich vernommen, an ausländischen Höfen gebraucht worden; er ward vorderster Staatssekretair, und izo in dem 37. Jahr seines Alters ist er wirklich bestallter Lord Statthalter von Irrland: Von einem solchen Regenten kann sich dieses [387] Königreich mit Grunde so viel Gutes versprechen, als es bei so vielfältiger Bedrükung zuempfangen nur immer fähig ist.

In der That, es ist nicht zuläugnen, wir haben bei Mannsgedenken Regenten von so grosser Geschiklichkeit gehabt, daß sie vermittelst ihrer Gewalt über die, welche in Bedienungen stehen, und durch ihre Kunstgriffe, andere mit Betheurungen, mit freundlichem Bezeigen, und selbst mit Gastereyen einzunehmen oder zubetrügen, Sachen von ganz entsezlichen Folgen für dieses Königreich zuwegen gebracht haben: Wäre Woods Kupferquark damal in der Schmiede gewesen, so kann man sich leicht vorstellen, was für Maaßregeln dabei würden genommen worden seyn. Solchen die in Bedienungen stehen, würde man rund heraus gesagt haben, man erwarte von ihnen, daß sie sich gefällig erweisen, und wo sie es nicht thäten, so würde man ihre Aemter an Leute vergeben, die sich dienstfertiger erzeigten. Andere würde man durch Versprechungen angeloket haben; dem Landedelmann hätte man nebst guten Worten, Burgunder, und vertrauten Gesprächen, vielleicht darauf gedeutet, wie gnädig es würde aufgenommen werden, wenn man sich einem Königl. Patent unterzöge, obschon dasselbe niemand zwänge; und daß wenn einige Ungelegenheiten daraus entstehen möchten, solches nachhin durch andere Gnaden und Gunstbezeugungen wieder könnte gut gemachet werden. Der Edelmann möchte selbst überlegen, ob es klug oder sicher gehandelt wäre England vor den Kopf zustossen. Man würde ihnen gesagt haben, sie solten auf einige gute Projekte denken, wodurch die Handelschaft ins Aufnehmen gebracht, und die [388] Armen zur Arbeit könnten gehalten werden; item auf noch einige weitere Verordnungen wider das Pabstthum, und für die Vereinigung der Protestanten; es würde nicht gefehlt haben an feierlichen Versicherungen, daß wir zu keinen Zeiten, mit mehr, als vierzigtausend Pfunden von Woods Münze solten beladen werden, und daß diese Halbpfenninge alle von der besten und wichtigsten Gattung seyn solten, dagegen wir auch bloß unsere Waaren tauschen, und unser Gold und Silber behalten möchten. Vielleicht würde man auch auf einen bequemen Zeitpunkt, eine dienliche Zeitung von einem feindlichen Ueberfall ausgestreuet haben, welches bei Unterhandlungen, die das gemeine Wesen angehen, ein vortreffliches Mittel ist, die Hinternisse aus dem Wege zuräumen, und denn würde man uns gesagt haben, es wäre izt nicht Zeit Uneinigkeiten anzustiften, da das Königreich in Gefahr stühnde.

Diese und andere dergleichen Kunstgriffe, sage ich, würde man in verdorbenen Zeiten angewendet haben, um diese Sündflut von Kupferquark unter uns einzuleiten, welche jedennoch (wie ich versichert glaube) selbst auch damal ohne Erfolg gewesen seyn würde; vielweniger aber werden sie izo Wirkung haben, unter der Regierung eines so vortrefflichen Herrn, wie der Lord Carteret ist, und in einem Lande, dessen Einwohner von was Range, Partei, und Benennung sie immer seyn mögen, alle für einen Mann überzeuget sind, daß ihr und ihrer Nachkommen gänzliches und nimmer aufhörendes Verderben von dem Zeitpunkt an müßte gerechnet werden, da diese verfluchte Münze ins Land eingelassen würde; daß ferner dieselbe, wenn sie einmal hineinkömmt, eben so wenig auf eine kleine [389] oder mässige Summe einzuschränken ist, als wenig die Pestilenz sich auf einige wenige Haushaltungen allein einschränken läßt, und daß alle irrdische Mächte so wenig im Stande sind, uns dagegen ein Equivalent zugeben, als wenig man einem todten Körper durch eine Herzstärkung, das Leben wiederbringen kann.

Bei dieser allgemeinen Widersezung gegen Wood ist es ein tröstlicher Umstand,[WS 13]daß die, welche von England herüber geschikt werden, unsere Aemter im Geistlichen, Bürgerlichen, und Militar-Stand zubekleiden, alle auf unsrer Seite stehen: Mammon der grosse Weltzertrenner, ist durch eine wunderbare Veränderung der grosse Vereiniger eines äusserst zertrennten Volks geworden. Wer wolte wol Einhundert Pfunde jährlicher Einkünfte in England (einem Lande der Freiheit) fahren, und sich dagegen in Irrland aus Woods Schazkammer Eintausend bezahlen lassen? Der Edelmann, der unlängst in England zum Erzbischoff gewehlet worden,[WS 14] würde wol seinen Siz und Stimme in einem Engländischen Oberhause, und seine Einkünfte zu Oxfort und Bristol die jährlich zwölfhundert Pfunde betragen, nicht gegen viermal so viel dem Nammen nach, in der That aber, nicht halb so viel, in Irrland vertauschen. Daher ich zuvernehmen hoffe, daß er so gut Irrländisch (zum wenigsten über diesen Punkt) werde gesinnet seyn, als irgend einer von seinen Brüdern, oder selbst als einer von uns andern, die wir das Unglük gehabt, auf dieser Insel geboren zuwerden. Denn die, welche nach dem gemeinen Ausdruke, nicht hieher kommen die Sprache zulernen, werden wol nimmer ein besseres Land an ein schlechteres tauschen, um Kupfer an statt Goldes zuempfangen.

[390] Eine andere Verleumdung, welche Wood und seine Emissarien ausstreuen, ist diese, daß wir durch unsre Wiedersezlichkeit eine Neigung verrathen, unsre Dependenz von der Kron England abzuschütten: Ich bitte, seht mir doch, was für eine wichtige Person dieser nämliche Wilhelm Wood seyn muß, und wie das gemeine Beste zweyer Königreiche, mit seinem Privatnuzen aufs genaueste verknüpfet ist. Erstlich sind alle die, welche sich wegern, seine Münze anzunehmen, Papisten, denn er erzehlt uns, daß niemand als nur die Papisten sich wider ihn verbunden haben. Zweitens machen sie dem König seine Rechte streitig. Drittens sind sie reif zur Rebellion, und viertens, suchen sie ihre Dependenz von der Kron England abzuschütten, das ist, sie gehen damit um, daß sie einen andern König wehlen, denn dieser Ausdruk kann keinen andern Verstand haben, es mögen sich einige noch so viel Mühe geben denselben zuentschuldigen.

Und dieses giebt mir eine bequeme Gelegenheit an die Hand, Unwissenden einen andern Punkt zuerklären, der mir oft die Brust aufgeschwellet hat. Diejenige, welche aus England zu uns herüber kommen, und auch einige schwache Leute unter uns selbst, schütteln die Köpfe, so oft wir in Discoursen etwas von Freiheit und Rechtsamen einfliessen lassen, und sagen uns, daß Irrland ein dependentes Königreich sey, als wenn sie durch diesen Ausdruk zuverstehen geben wolten, die Irrländer wären in einem gewissen Stande der Sklaverei und Unterwürfigkeit, der sie von den Engländern unterschiede; da doch ein dependentes Königreich nur ein neues, und wie ich mir habe sagen lassen, allen ältern Juristen, und Schriftstellern über die verschiedene [391] Regierungformen ganz unbekanntes Kunstwort ist, und Irrland ins Gegentheil, in einigen alten Sazungen eine Reichskrone, als die allein von GOtt abhänge, genennet wird, welches eine so hohe Benennung ist, als irgend einem Königreiche kann gegeben werden, daher durch den Ausdruk, Irrland ist ein dependentes Königreich, nicht mehrers zuverstehen ist, als daß vermöge einer im 33. Jahr der Regierung Heinrich des Achten, errichteten Sazung, der König und seine Nachfolger, über dieses vollmächtige, mit der Reichskrone von England verbundene, und derselben einverleibete Reich, Könige seyn sollen. Ich habe alle Engländische und Irrländische Sazungen durchgesehen, und nicht ein einziges Gesez gefunden, welches Irrland von England mehr dependent machte, als England von Irrland dependent ist. In der That, wir haben uns verpflichtet, denselben König mit ihnen zuhaben, und folglich sind sie verpflichtet, denselben König mit uns zuhaben. Denn unser eigenes Parlament hat das Gesez gemachet, und unsere damaligen Altvordern waren nicht solche Narren, (was sie unter der vorigen Regierung immer gewesen seyn mögen) daß sie sich selbst, ich weiß nicht in was für eine Dependenz solten gesezet haben, davon man izo sonder einigen Grund, den die Geseze, Vernunft, oder auch nur der allgemeine menschliche Verstand an die Hand gäbe, so viel schwazt.

Andere mögen anderst gedenken wenn sie wollen, Ich M. B. Tuchhändler, will mich ausgedungen haben. Denn ich erkläre mich, daß ich, nächst GOtt, von niemand als von dem König meinem Herrn, und von den Gesezen meines Vaterlandes abhange; und es [392] ist so fern, daß ich von den Engländern dependiere, daß wofern diese jemal wider meinen Herrn den König (welches GOtt verhüte) rebellieren solten, ich auf den ersten Wink von Sr. Majestät, fertig seyn wolte, die Waffen wider sie zuergreifen, gleich einige meiner Landesleute zu Preston[WS 15] gegen die ihrige gethan. Und wenn eine solche Rebellion in so fern von statten gienge, daß vermittelst derselben, der Pretendent auf den Thron von England eingesezt würde, so wolte ich mich erkühnen, diese Sazung so weit zuübertretten, daß ich mein Blut bis auf den lezten Tropfen versprizte, um zuverhintern, daß er König in Irrland würde.

Indessen ist nicht zuläugnen, daß bei Mannsgedenken, die Parlamente von England sich zuweilen die Gewalt angemasset haben, dieses Königreich durch Geseze zuverbinden, die dort gemachte worden sind; dem sich anfänglich nicht allein der berühmte Herr Molinaux,[WS 16] ein Engländischer hier geborner Edelmann, öffentlich und so weit wiedersezet, als Wahrheit, Vernunft, und Gerechtigkeit sich immer widersezen können, sondern es ist solches auch noch von verschiedenen andern der grösten Patrioten und eifrigsten Whigs geschehen. Allein die Liebe zur Gewalt, und der Strom derselben, drangen durch. In der That waren die Gründe von beiden Seiten unüberwindlich. Denn nach der Vernunft ist eine jede Regierungsart, welche eingeführet wird ohne die Einwilligung derer die geregieret werden, die ächte Erklärung der Sklaverey. Aber nach der Gewalt werden eilf wol bewehrte Männer, einen einzeln, der im blossen Hemde gegen sie steht, gewiß allemal unter sich bringen.

[393] Doch genung hievon: Denn die welche sich der Gewalt bedienet, die Freiheit zufesseln, haben die Sache so weit getrieben, daß sie es übel nehmen, wenn man auch bloß die Freiheit nimmt, sich zubeklagen, obschon es etwas unerhörtes ist, daß man einem der an der Folter hängt, die Freiheit versage, so laut zuschreyen, als ihm gut dünket.

Und wie wir durch unbegründete Furcht uns allzusehr niederschlagen lassen, so lassen wir uns im Gegentheil durch eitele Hoffnungen allzugeschwind wieder aufrichten; gleich allen schwindsüchtigen Körpern, dergleichen der unsere ist, zubegegnen pflegt. So hat man vor etlichen Tagen ausgestreut, daß ein gewisser aus England, einem andern gewissen die Vollmacht ertheilet habe, an einen gewissen dritten allhier zuschreiben, und uns zuversichern, daß wir mit diesen Halbpfenningen nicht weiter solten beunruhiget werden: Und zwar soll dieses die nämliche Person[2] gethan habe, welche, wie man erzehlte, vor einigen Monaten soll geschworen haben, daß sie uns diese Halbpfenninge den Kragen herunterstossen wolle, (obschon ich zweifle, daß wir sie in dem Magen behalten könnten.)

Es mag aber von diesen Erzehlungen wahr oder falsch seyn, was da will, so geht es uns nichts an, denn über diesen Punkt haben wir mit den Engländischen Ministern nichts zuschaffen. Und es solte mir leyd seyn, wenn es ihnen müßte überlassen werden, diese Beschwerniß entweder zuheben oder zuverstärken, denn der Bericht von der Commission hat mir einen Ekel erwekt. Ihr habt, liebe Landesleute, das Hülfsmittel gänzlich in eurer Gewalt, und ich habe diese kleine [394] Ausschweiffung gemachet, diejenige gute Denkensart, mit der ihr über diese Materie eingenommen seyt, zuerfrischen und zuunterhalten; und euch zuzeigen, daß ihr nach dem Geseze GOttes, nach dem Geseze der Natur, dem Völkerrecht, und den Gesezen euers eigenen Vaterlandes ein eben so freies Volk seyt, und seyn solt, als eure Brüder in England.

Solten die Bläter, welche Wood und seine Taglöhner, zur Vertheidigung seiner Sache, in London ans Licht stellen lassen, hier nachgedrükt, und unsere Landesleute können beredet werden, dieselben zulesen, so würdet ihr dadurch mehr, als durch alles was ich euch immer sagen kann, von seiner schlimmen Absicht überzeuget werden: Kurz, ich mache ihn noch zu einem ganzen Heiligen, in Vergleichung dessen, was er nach den Schriften derer ist, welche er miethet, sein Projekt zuvertheidigen. Allein, er hat das Feld so beritten, (wie es möglich gewesen, lasse ich andere muthmassen) daß kein Buchdruker in London etwas, das zu Gunsten Irrlandes geschrieben wäre, drüken darf. Und hier ist hingegen noch niemand so kühn gewesen, etwas zu Woods Gunsten ans Licht zustellen.

Vor nur wenigen Tagen ist mir eine Schrift, beinahe 50. Seiten stark zugeschiket worden, die zum Behuffe Woods und seiner Münze geschrieben und zu London gedrükt ist. Sie verdient nicht, daß man sie beantworte, da sie wahrscheinlich hier nimmer bekannt werden wird. Inzwischen gab sie mir Anlaß einem Unglüke nachzudenken, das uns betrifft, und welches darinn besteht, daß die Engländer von unserm Handel ganz keine Begriefe haben. Wiewol kein Wunder; zumal [395] da es eine Sache ist, darum sie sich weiter im geringsten nicht bekümmern, als vielleicht nur in so fern sie in einem Caffeehause zum Discourse dienen kann, wenn sie sonst nichts zuschwazen haben; denn ich habe Ursache zuglauben, daß kein Minister sich jemal die Mühe genommen hat, nur ein einziges Blat zulesen, das zu unserer Vertheidigung geschrieben ist; massen ich für gewiß halte, daß sie ihren Entschluß gefasset, und daß sie denselben völlig nach dem Bericht Woods und seiner Mitgesellen genommen haben. Denn sonst wäre es unmöglich, daß ein Mensch so unverschämt seyn könnte, eine Schrift zuverfertigen, wie die ist, deren ich Meldung gethan habe.

Unsere Nachbarn, deren Verstand dem unsern (und vielleicht ist eben keintwedrer von den ausgeschliffensten) gerade die Wage hält, hegen gegen die meiste fremde Nationen, vornemlich aber gegen die Irrländer eine grosse Verachtung. Sie sehen uns an, als eine Art wilder Irren, welche unsere Voreltern vor vielen hundert Jahren bezwungen haben: Und wenn ich euch die Britten beschreiben solte, wie sie zu Cäsars Zeiten gewesen, da sie ihre Leiber bemalet, und sich mit Thierhäuten bedekt haben, so würde ich gerade so vernünftig handeln als sie. Inzwischen sind sie in Absicht auf gegenwärtige Materie so wenig zuentschuldigen, daß da sie die Sache nur von einer Seite her hören, und weder Zeit nehmen, noch Verlangen tragen, dieselbe auch von der andern Seite zuuntersuchen, sie bloß um ihrer Gemächlichkeit willen eine Lügen glauben, und den Schluß machen, weil Wood sich eines Rechts anmasse, so müsse er dabei nothwendig auch begründet seyn.

[396] Ich habe daher, um euch zuzeigen, wie Wood und seine Anhänger diese Sache in England vorstellen, nicht undienlich erachtet, einige wenige der offenbarsten Unwahrheiten die in dieser Schrift enthalten sind, so wol in Absicht auf die Geschichte, als auf die Art wie dabei raisonniert wird auszuzeuhen: Meine Landesleute werden dadurch in ihrer gerechten Gesinnung gestärket werden, wenn sie, in Vergleichung derselben, mit der Gesinnung ihrer Feinde sehen werden, wie sehr unrecht diese haben.

I. Behauptet der Verfasser ganz ausdrüklich, daß Woods Halbpfenninge schon einige Monate her, unter uns gänge und gäbe seyen, mit allgemeiner Zufriedenheit der ganzen Nation, nur einen einzigen Störrkopf ausgenommen, und daß wir uns alle glüklich schäzen, dieselbe zuhaben.

II. Giebt er vor; wir wären zu einem Widerwillen gegen dieselbe, bloß durch einige verschlagene böswillige Leute unter uns verführet worden, welche sich Woods Patent widersezt hätten, damit sie dergleichen für sich selbst bekommen möchten.

III. Daß diejenige, welche sich anfänglich am heftigsten wider Woods Patent erkläret hätten, die nämliche Leute seyn, die sich gern dergleichen zu ihrem eigenen Vortheil erwürben.

IV. Daß sich unser Parlament und der Staatsrath, der Lordmajor und die Aldermänner zu Dublin, die Gerichte der Geschwornen, die Kaufleute und mit einem Wort das ganze Königreich, selbst bis auf die Hunde, (wie er sich ausdrükt) über diese [397] Halbpfenninge gefreut haben, bis sie von diesen obgedachten wenigen Uebelgesinneten wären aufgehezet worden.

V. Sagt er gerade zu, daß alle die, welche sich diesen Halbpfenningen widersezen, Papisten, und des Königs Feinde seyen.

Bis hieher bin ich versichert, wird auch der Unwissendeste von euch, nur nach dem was ihm selbst bekannt ist, sicher schwören können, daß der Verfasser bei jedem Artikel ein offenbarer Lügner ist, zumal da gerade das Gegentheil von dem was er vorgiebt eine in dem ganzen Königreich so bekannte Sache ist, daß wenn es nöthig seyn solte, wir mehr als fünfmal hunderttausend schriftliche Zeugnisse dafür haben könnten.

VI. Möchte er uns gerne bereden, daß wenn wir von unsern Gütern, oder Manufakturen den Wehrt von fünf Schillingen, für zween Schillinge und vier Pfenninge in Kupfermünze verkaufen, es uns, obschon das Kupfer einen Zusaz bekommen, und wir für die gleiche Güter wirklich fünf Schillinge an Gold oder Silber haben können, doch weit vortheilhafter seyn würde, gedachte zween Schillinge und vier Pfenninge in Kupfer dafür anzunehmen.

Und endlich, thut er uns, als ein von Wood Bevollmächtigter, den recht hübschen Vorschlag, daß wenn wir ihm zweimal hunderttausend Pfunde an seinen Halbpfenningen, für unsere Waaren abnehmen, und ihm ferner hundert und zwanzigtausend andre Pfunde, [398] (denn so hoch berechnet er die Münzungskosten, noch über den innerlichen Wehrt des Kupfers,) dreissig Jahre lang, als ein gelehntes Capital à 3. per Cent verzinsen, so wolle er uns nach Verfluß dieser Zeit, für alle alsdenn noch übrige Halbpfenninge, gute Münze geben.

Damit euch die unerträgliche Schelmerei, und Unverschämtheit dieses unverbesserlichen Bösewichts desto deutlicher in die Augen leuchte, will ich diesen Vorschlag in ein so klares Licht sezen, als mir möglich ist. Erstlich sagt er, will ich euch zweimal hunderttausend Pfunde von meiner Münze ins Land schiken. Das Kupfer rechne ich, hält am innerlichen Wehrt achzigtausend Pfunde, und hundert und zwanzigtausend Pfunde schreibe ich euch an, für die Münzung, so daß ihr sehet, daß ich euch hundert und zwanzigtausend Pfunde dreissig Jahre lang lehne. Dafür solt ihr mir drei per Cent, das ist, jährlich dreitausend sechshundert Pfunde bezahlen, welches in dreissig Jahren hundert und achttausend Pfunde beträgt. Und wenn diese dreissig Jahre verflossen sind, so gebt mir mein Kupfer wieder zurük, und ich will euch alsdenn gute Münze dafür gehen.

Dieses ist der Vorschlag, den uns Wood durch seine Commissarien in dieser Schrift thun läßt; wovon der nämliche berüchtigte Coleby, einer seiner Zeugen vor der Commission des Staatsraths, der Verfasser seyn soll, welcher beklagt war, daß er die hiesige Schazkammer, wo er ein Unterschreiber gewesen, bestolen habe.

[399] Diesem Vorschlag zufolge, will er erstlich zweimal hunderttausend Pfunde an Waaren oder Gold- und Silbermünze gegen eine Portion Kupfer annehmen, die er am innerlichen Wehrt auf achzigtausend Pfunde sezet, welche aber wirklich nicht dreissigtausend beträgt. Ferner will er 180000. Pf. als Zinse haben, und wenn denn nach dreissig Jahren unsere Kinder kommen, und seine Halbpfenninge, seinen Testaments-Executoren (denn vermuthlich wird er vor dieser Zeit an seinen Ort gegangen seyn) werden zurükgeben wollen, so werden diese, sie als Nachschläge und falsche Münze nicht annehmen wollen, und zwar mit gutem Grunde, weil sie solche in der That seyn werden, eben wie bey Millionen seiner eigenen Halbpfenningen selbst.

Ich für mein Theil bedanke mich, mit einem solchen Mann zu handeln, der seine Sachen auf unsere Kosten täglich zu verbessern weiß; gleich einem Holländischen Wirth, der, wenn ihr euch über die Unbilligkeit, und Uebersezung der Zeche mit ihm einläßt, dieselbe durch neue Artikel immer höher bringen wird.

Obgleich diese und andere dergleichen Schriften, welche Wood zu London ans Licht stellen läßt, hier ganz unbekannt sind, wo sie auch jedermann mit eben so viel Wiederwillen, als Verachtung lesen würde, so habe ich doch nicht undienlich erachtet, euch eine Probe zu geben, wie dieser Mann seine Zeit anwendet, und sich ganz allein, ohne daß ihm ein Mensch wiederspreche, herum tummelt, da immittelst unsre wenige Freunde, welche wir daselbst haben, sich über unser Stillschweigen verwundern, und die Engländer insgemein, dafern sie je diese Materie eines Gedankens würdigen, unsere Widersezlichkeit [400] einem widerspänstigen Wesen, oder einer übeln Gesinnung gegen die Regierung zuschreiben, gerade wie Wood und seine Mietlinge es vorzustellen belieben.

Doch es wird nicht viel zubedeuten haben, wenn man uns gleich nicht erlaubt, unsere Gründe in England durch den Druk bekannt zumachen. Läßt Wood immer sein Bestes thun, die Leute daselbst zubereden, daß wir seine Münze annehmen sollen, und läßt mich hingegen unsere Leute allhier, überzeugen, daß wir sie bei Strafe unsers gänzlichen Verderbens verwerfen müssen, und denn läßt Wood die Wande auf- oder abrennen, wenn er will.

Bevor ich ende, muß ich um Erlaubnis bitten, dem Herrn Wood in aller Unterthänigkeit zusagen, daß es eine grosse Unbescheidenheit an ihm gewesen, zuveranstalten, daß ein so verehrenswürdiger Namme, als des Herrn Walpole, so oft, und auf eine solche Art bei dieser Sache ist genennet worden: In einer kleinen zu Bristol gedrükten, und hier wieder aufgelegten Schrift heißt es, Wood habe gesagt: Er wundere sich über die Frechheit und Unverschämtheit der Irrländer, die seine Münze nicht annehmen wollen, und wolle gern sehen, was sie thun werden, wenn der Herr Walpole in die Stadt kömmt. Worüber er sich beiläuftig zusagen betriegt, denn die wahren Engländer, welche sich in Irrland aufhalten, sind es, welche sich wegern sie anzunehmen; wiewol wir es für ganz ausgemacht halten, daß die Irrländer es ebenfalls thun werden, so bald man sie deswegen befragen wird. In einem andern gedrükten Blate von seiner Erfindung, [401] steht rund weg, der Herr Walpole wolle uns sein Kupfer in den Kragen herunterstossen. Zuweilen heißt es, entweder wir müssen diese Halbpfenninge annehmen, oder unsere hölzerne Schuhe fressen; und noch in einem erst gestrigen Zeitungsblat lesen wir, daß derselbe grosse Mann geschworen habe, er wolle uns Woods Münze, an brennenden Granaten, zuverschluken geben.

Dieses bringt mir jenes bekannte Histörchen von einem Schottländer zu Sinne, welcher, da man ihm das Todesurtheil mit allen den Umständen angekündigt, daß er solte gehangen, geköpft, verviertheilt, und ihm das Eingeweide aus dem Leibe gerissen werden etc. ausgerufen hat: Wozu alle diese Mezelei? Ich denke, wir können die gleiche Frage thun. Denn wenn wir Wood glauben, so ist hier das Mittagmahl gleich fertig für uns, und ihr habt den Speisezettel vor euch; nur ist mir leyd, daß man das Trinken vergessen hat, welches jedoch leicht an geschmolzenem Bley, oder brennendem Peche hergeschaft werden mag: Welch schändliche Reden sind das, um sie einem grossen Staatsmann der bei Sr. Majestät in hohem Credit, und dabei in dem Ansehen eines vordersten Staatsministers steht, in den Mund zulegen. Wenn Wood seine Patronen nicht besser zuschildern weiß, und ich jemal ein grosser Herr werden solte, so werde ich ihm verbieten, sich jemal in meinem Vorzimmer zur Aufwart sehen zulassen. So spricht ein grosser Minister nicht; das riecht nach dem Kessel und Ofen, und kömmt gänzlich aus Woods Schmiede.

Was die Drohung betrifft, uns unsere hölzerne Schuhe fressen zumachen, so haben wir da nichts zubesorgen. Denn wenn seine Münze Gang bekommen [402] solte, so dürfte diese unhöfliche Fußdeke unsrer Nation wol nicht weiter vorgerüket werden, weil wir alsdenn in dem ganzen Königreiche, weder lederne noch hölzerne Schuhe mehr haben würden: Inzwischen zeigt sich hier das falsche Vorgeben Woods sonnenklar, denn ich bin versichert, daß der Herr Walpole wol sein lebenlang nichts von hölzernen Schuhen gehört hat.

Und eben so unwahrscheinlich ist auch die Historie vom Verschluken dieser Halbpfenninge an brennenden Granaten: Denn diese Operation zubewerkstelligen, müßte man das ganze Quantum von Woods gemünztem und ungemünztem Kupfer in hole Kugeln schmelzen, die gerade von der Grösse wären, daß ein mässig weiter Hals sie verschlingen könnte, und sie hernach mit einer brennenden Materie anfüllen. Nun belauft sich sein theils fertig liegendes, theils allbereit vermünztes Metall, zum wenigsten auf fünfzig Millionen Halbpfenninge, welche von anderthalb Millionen Menschen verschluket werden sollten. Folglich kämen auf jede Person im Königreiche (zween Halbpfenninge zu einer Granate gerechnet) ungefehr siebenzehn brennende Granaten zuverschluken. Und wenn dabei alles ordentlich von Statten gehen solte, so brauchte man, ihnen diese Dosis beizubringen, nicht weniger als fünfzigtausend Operatoren, je nämlich zu dreissig Personen einen; welches, wenn man das ekelhafte Wesen einiger Mägen, und die eigensinnige Art kleiner Kinder betrachtet, eine nur mässige Rechnung ist: Nun bedünkt mich (Klügerer Urtheil vorbehalten) daß die Mühe und die Kosten eines solchen Experiments den Nuzen desselben weit übersteigen würden, und daher halte ich diese Nachricht für [403] unterschoben, oder zum wenigsten bloß für ein neues Projekt des Herrn Woods selbst, welches er einem Staatsminister hat zulegen wollen, damit es in Irrland desto leichter möchte angenommen werden.

Nun aber will ich unwiderssprechlich darthun, daß der Herr Walpole diesem Woodischen Projekt entgegen, und ein vollkommener Freund von Irrland seyn muß, bloß aus diesem unumstößlichen Grunde; weil man ihn überall für einen klugen Mann, und für einen geschikten Minister hält, der bei allem, was er thut, den wahren Nuzen seines Herrn des Königs sucht; und daß, wie seine Redlichkeit ihn über alle Bestechungen, so sein hoher Stand ihn auch über alle Versuchungen weit hinaus sezen. Ich halte deswegen dafür, daß wir von dieser Seite ganz sicher und nimmer genöthigt seyn werden, uns einer so hohen und fürchterlichen Gewalt zuwidersezen, sondern daß man uns in dem Besize unsrer hölzernen Schuhe und unsrer Erdapfel, vom Donner so weit entfernt als vom Jupiter,[3] ruhig werde bleiben lassen.

Ich bin, liebe Landesleute,
Euer
Euch liebende Mitunterthan,
Mitbedrängter Freund, und
gehorsamer Diener,
M.B.

den 13. Weinm.
     1724.


  1. Herr Hopkins, Sekretair des Herzogs von Grafton.
  2. Herr Robert Walpole.
  3. Procul a Jove, procul a fulmine.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zum zum
  2. 1. Moses 25, 29–34
  3. Francis Bacon (1561–1626) englischer Philosoph und Staatsmann
  4. William Berkeley, 4th Baron Berkeley of Stratton († 1741)
  5. Henry Temple, 1st Viscount Palmerston
  6. George Dodington, 1st Baron Melcombe
  7. Thomas Herbert, 8. Earl of Pembroke
  8. gemeint ist vermutlich Theophilus Butler, 1st Baron Newtown-Butler (1669–1723)
  9. Edward Southwell (1671–1730)
  10. Richard Boyle, 3. Earl of Burlington
  11. Joseph Addison (1672–1719) englischer Dichter, Politiker und Journalist
  12. John Carteret, 2. Earl Granville (1690-1763)
  13. Vorlage: es tröstlicher ein Umstand (im Original: There is one comfortable circumstance…)
  14. Hugh Boulter (1672–1742) wurde 1724 zum Erzbischof von Armagh ernannt
  15. Battle of Preston, 1715
  16. William Molyneux (1656–1698)