RE:Argonautai

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 743787
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Argonautai. Iason und Medea wurden ursprünglich als göttliche Gestalten verehrt, die man in heiliger Ehe verbunden und mit Kindern gesegnet dachte, deren vorzeitiger Tod die Lösung der Ehe herbeiführte. Werbung, Eheschliessung, Geburt der Kinder, ihr früher Tod und die Trennung der Gatten spiegelten wie in verwandten Sagen das Leben der Natur wieder, das Knospen, Blühen und herbstliche Welken. Mit der Vereinfachung und Systematisierung des Götterkreises traten Iason und Medea zu den Heroen. Die Bedeutung im Kultus sank und liess nur hier und da noch Spuren zurück, die deutlichsten in Korinth. Desto reicher aber schmückten jetzt Sage und Dichtung namentlich die Werbung und die Heimführung der Braut aus. Unter dem Eindruck der ersten ausgedehnteren Seefahrten ward erzählt, dass Iason auf einem mit göttlicher Hülfe erbauten Schiffe, auf der schnellen Argo, in weite Ferne gezogen sei, begleitet von den Besten des Landes, und dass er erst nach vielen Abenteuern und Gefahren mit dem Preis der Mühen, mit der [744] Braut, heimgekehrt sei. An mehr als einem Orte wurde diese Sage als eine locale behandelt und gepflegt. So scheint man in Argos und Korinth erzählt zu haben, die Argo sei von dem als Bildschnitzer berühmten Eponym der Stadt Argos erbaut worden (s. Argo) und zwar in Argos selbst (Hegesipp. im Etym. M. s. Ἀργώ. Hegesandr. bei Tzetz. Lykophr. 883. Schol. Theokrit. XIII 21) oder in Korinth (Aristid. Isthm. in Neptun. I 41 Dind.); von dort sei das Schiff mit den Haupthelden der engeren Heimat und des weiteren Peloponnes ausgelaufen, ebendorthin sei es auch zurückgekehrt und dort nach Veranstaltung von allerlei Wettkämpfen dem Poseidon geweiht (Apollod. I 9, 27. Diod. IV 53, 2. Ps.-Dio Chrysost. XXXVII p. 107 R., vgl. Hygin. fab. 273, 12); in Korinth hätten Iason und Medea sich später getrennt und noch bei Iasons Tod hätten die dort bewahrten Überbleibsel der Argo eine verhängnisvolle Rolle gespielt (Eurip. Med. 1387 nebst Schol. Staphylos frg. 3 bei Dikaiarch Hypothes. Eurip. Med.). In Thespiai glaubte man dagegen, dass die Argo in der Hafenstadt Tipha oder Sipha von einem Thespienser Argos (Val. Flacc. I 93. 124. 477) gebaut, von Aphormion abgesegelt und ebendahin zurückgekehrt sei (Steph. Byz. s. Ἀφόρμιον. Paus. IX 32, 4); Tiphys, die Thespiaden und andere Boioter galten hier als die Hauptargonauten. Allein alle derartigen Versionen gerieten nachmals in Vergessenheit oder erfuhren grössere Umwandlungen, als unter dem Einfluss der Minyerkultur die Argonautensage mit der minyeischen Phrixossage combiniert, Iasons Auszug in die Fremde mit der Heimholung des goldenen Vliesses des Phrixoswidders motiviert und Iason selbst in das thessalische Aiolidenhaus eingereiht wurde. Denn dieser Version bemächtigte sich die massgebende epische Poesie, welche für alle Zeit als Grundzug etwa folgendes festlegte: von Pelias, dem Konig von Iolkos, beauftragt, das goldene Vliess des Phrixoswidders aus dem fernen Lande des Aietes heimzuholen, baut Iason am pagasaeischen Golf die Argo, beruft die ersten Helden aus Thessalien und ganz Griechenland und fährt mit ihnen unter mancherlei Abenteuern nach Aia; dort gewinnt er die Liebe der Aietestochter Medea und das goldene Vliess und kehrt unter neuen Abenteuern und Gefahren nach Iolkos zurück, wo Medea dem ungerechten Pelias den Tod bereitet. Der Erweiterung fähig war innerhalb dieses Rahmens vor allem der Kreis der Abenteuer auf der Fahrt. Mochten ursprünglich, noch unabhängig von jeder näheren Localisierung, Episoden wie die Vorbeifahrt bei den Plankten, das Tragen des Schiffes über eine weite wüste Landstrecke, die Not durch Trinkwassermangel und Stürme, der Tod des Steuermanns und des Sehers, den Kern bilden, so brachten bald die zunehmende Kenntnis der fremden Meere und die ausgedehntere Colonisation das Bestreben mit sich, sowohl diese Episoden fest zu localisieren, als auch andere hinzuzufügen, durch welche Ansprüche auf dieses oder jenes Land seitens der griechischen Colonisten begründet werden konnten. An allen Meeren, im Osten und Westen, verknüpften die Ansiedler der verschiedensten Stämme mit der Argofahrt die Gründung von Städten und Altären, die Einsetzung von Kulten und Festspielen, bemerkenswerte [745] Grabhügel und namhafte Punkte, endlich auch manch andere aus dem Mutterland mitgeführte Sagen. Die Dichter nahmen von derartigen localen Zügen auf, was sich ohne weiteres oder mit einigen Abänderungen zusammenstellen liess, und fügten zum Teil noch Elemente aus berühmten Sagenkreisen hinzu, die in denselben Gegenden spielten, z. Β. aus der Odyssee, aus den Herakleszügen, aus den Sagen der Iphigeneia in Tauris. Bis in die späteste Zeit lassen sich solche und auch geographische Bereicherungen nachweisen.

Die litterarische Überlieferung

I. Die litterarische Überlieferung.

Die frühzeitige epische Ausprägung der A.-Sage bezeugt die Art, wie Odyss. XII 69ff. von der Ἀργὼ πᾶσι μέλουσα und ihrer Fahrt bei den Plankten gesprochen wird. Die homerischen Gedichte kennen ausserdem das Brüderpaar Pelias und Aison (Odyss. XI 254. 259), den Bruder der Kirke, den verderbensinnenden Aietes (Od. X 137), sowie Iason und Hypsipyle als Eltern des Euneos auf Lemnos (Il. VII 468f. u. ö.). Ob die Verfasser dieser Stellen an die A.-Sage gedacht haben, ist allerdings nicht zu entscheiden. Indessen ist gewiss, dass gerade diese Stellen für die Gestaltung der späteren Überlieferung von entscheidender Bedeutung waren, indem alles, was ihnen widersprach, unterdrückt wurde. Ein für allemal war der Stammbaum des Pelias durch Homer festgelegt, desgleichen auch, da niemand an der Identität jenes lemnischen Iason mit dem Führer der A. zweifelte, der Aufenthalt der A. auf Lemnos und die aus dem Lebensalter des Euneos folgende Berechnung, dass der A.-Zug eine Generation vor den troianischen Krieg falle. Über das Verhältnis der homerischen Gedichte zu der Argosage vgl. auch Kirchhoff Hom. Odyss.² 287ff. Niese Der homer. Schiffskatalog 54. Heimreich Die Telemachie, Gymn.-Progr. Flensburg 1871, 17ff.; eine ganz andere Ansicht vertritt Niese Entwickl. d. hom. Poes. 205f. 237ff. Die hesiodischen Gedichte berühren den Stoff der A.-Sage wiederholt. Die Theogonie berichtet 956ff. von Medeas Herkunft, 992ff. von ihrer Heimführung nach Iolkos und ihrer Ehe mit Iason. Im Katalogos war von Iason, dem Zögling Cheirons, in einer gedrängten Übersicht über das Aiolidengeschlecht die Rede (frg. 27. 39. 40 Rzach), an einer anderen Stelle von dem Geschlecht des Phoinix, Agenor und Phineus (frg. 56. 78. 79). In den Eoeen galt ein Abschnitt dem Euphemos (frg. 152); hier war ausgeführt, wie dieser Held sich den A. anschloss, mit ihnen durch den Phasis und Okeanos nach Libyen gelangte (frg. 87. 88) und dort die Ansprüche auf das kyrenische Gebiet erwarb; vgl. Kirchhoff Hom. Odyss. 321ff. Studniczka Kyrene 107. Ein anderer Abschnitt enthielt die Geschichte des Phrixos (frg. 169. 171, vgl. Aigim. frg. 1), verknüpft mit der Blendung des Phineus (frg. 170) und vielleicht auch mit der Erlösng des Geblendeten durch Kalais und Zetes (frg. 80–83). Im Κήυκος γάμος wird die Sage, dass Herakles sich in Aphetai von den A. trennte, dazu benützt, seine Anwesenheit in Thessalien zu motivieren (frg. 178). Legen schon diese Stellen hinreichend Zeugnis für das frühzeitige Übergewicht der minyeischen Version ab, so folgt dasselbe noch klarer aus den Korinthiaka [746] des Korinthers Eumelos (frg. 2 und 3 Kinkel), da hier ein Ausgleich zwischen unserer Sage und der altkorinthischen Tradition versucht wird, nach welcher Medea die eingeborene, rechtmässige Herrscherin von Korinth war. Aietes wird von seinem Aia getrennt und zum Korinther gemacht (ebenso Epimenid. und Diophant. bei Schol. Apoll. III 242. Lykophr. 1024). Unbefriedigt von seiner Herrschaft, sei er nach Kolchis gezogen; von dort habe Iason seine Tochter nach Iolkos geholt und sie später in ihr rechtmässiges Vaterland Korinth geleitet. Von den Abenteuern in Kolchis handelt frg. 9; die Einzelheiten des A.-Zuges hat Eumelos wahrscheinlich nicht näher behandelt. In welchem Zusammenhang die Nosten von Aisons Verjüngung durch Medea (frg. 6), die Naupaktien (frg. 3–10) von Phineus, von den kolchischen Abenteuern, von Apsyrtos und der Übersiedelung Iasons und Medeas nach Korkyra, Kinaithon von Iasons Kindern (frg. 2) und von Hylas (p. 212 Kink.) handelten, ist ungewiss. Aus einem dem Epimenides beigelegten Epos (Ἀργοῦς ναυπηγία καὶ Ἰάσονος ἐς Κόλχους ἀπόπλους) sind nur zwei dürftige Angaben über die korinthische Abstammung des Aietes und die Söhne des Phrixos erhalten (p. 233 Kink.). Das Epos Minyas steht den A. wahrscheinlich gänzlich fern.

Unter den älteren Lyrikern spricht Mimnermos (frg. 11, vgl. Kaibel Herm. XXII 510) von Ziel und Zweck der Argofahrt, Simonides vom Vliess (frg. 21), von den Synormaden (frg. 22), von den Wettkämpfen auf Lemnos (frg. 205), von Iasons Verjüngung (frg. 204) und seiner Übersiedelung nach Korinth (frg. 48). Pindar erwähnt verschiedentlich Teile unseres Sagenkreises, z. Β. Phrixos (frg. 49), die Stadt des Aison (frg. 273), Iasons Erziehung bei Cheiron (Nem. III 54), Peleus Beteiligung (frg. 172), des Erginos Anteil an den lemnischen Wettspielen (Ol. IV 21ff.), Kyzikos Geschick (frg. 62), Iasons Übersiedelung nach Korinth (Ol. XIII 53). Vor allem aber bietet die vierte pythische Ode die erste umfangreichere Darstellung des ganzen Zuges, welche unverkürzt auf uns gekommen ist: eine Zusammenfassung der Hauptmomente und alles dessen, was die Geschichte Kyrenes mit der A.-Sage verknüpft. Als Vorbild diente wahrscheinlich die hesiodische Euphemos-Eoee. Antimachos sprach in der Lyde (frg. 7–14), wie es scheint, ausführlicher von den A. Telestes schrieb einen Dithyrambus Ἀργώ. Die Tragiker haben vor allem die lemnischen Abenteuer, die Phineussage und Medeas leidenschaftliche Liebe behandelt, doch sind wir über die meisten Stücke nur schlecht unterrichtet. Von Aischylos gehören hierher drei Stücke, welche Welcker Aeschyl. Trilog. Prometh. 311ff. zu einer Trilogie vereinigt wissen wollte (vgl. Droysen Aischylos³ 469), die Argo, eine Tragödie unbekannten Inhalts, in welcher Iphys als Steuermann genannt wurde, Hypsipyle, eine Darstellung der Landung auf Lemnos, und die Kabeiroi mit einem Katalog und einem Gelage der Α., ferner Phineus und vielleicht auch die Lemnioi. Sophokles behandelte die lemnischen Abenteuer in den Lemniai, die Phineussagen in den beiden Phineus und Tympanistai, die Ereignisse in Kolchis in den Kolchides, den Tod des Apsyrtos und die Verfolgung der A. in den Skythai, die Tötung des [747] Pelias, wie es scheint, im Pelias oder in den Rhizotomoi, endlich die Amykosepisode in dem Satyrspiel Amykos; vgl. Welcker Griech. Tragöd. II 325ff. Von Euripides kennen wir kein Drama, das sich auf die eigentliche Fahrt bezieht, dagegen hat seine Medeia der Sage von den letzten Ereignissen in Korinth die entscheidende Ausgestaltung gegeben. Von dem Tod des Pelias handeln die Peliades. Ob Chairemons Minyai das lemnische Abenteuer (O. Müller Orchomenos 302, 6. Welcker Griech. Trag. III 1091) oder eine andere Sage zum Gegenstand haben (Nauck Fragm. trag. Graec.² p. 785), ist zweifelhaft. Medeiatragödien verfassten u. a. noch Neophron (v. Wilamowitz Herm. XV 487), Dikaiogenes (Welcker Griech. Trag. III 1045), Melanthios (Welcker 1031), Diogenes (ebd. 1036), Karkinos d. J. (ebd. 1062). Ferner werden als Tragödientitel noch genannt die Phineidai (Aristot. Poet. 16) und Hylas (Ovid. trist. II 406). Aus der Komödie sind fast nur leere, zum Teil auch noch umstrittene Titel erhalten, wie die Lemniai von Aristophanes, Nikochares, Antiphanes, Alexis, Diphilos, ein Phineus von Theopomp, die Peliades von Diphilos, Medeia (in Korinth spielend) von Strattis, Kantharos, Antiphanes, Eubulos, Iason von Antiphon oder Antiphanes, vielleicht auch von Alexis.

Ergiebiger sind die Fragmente der älteren Prosalitteratur. Hekataios frg. 337 schildert die Flucht des Phrixos, frg. 339. 187 (vgl. v. Gutschmid bei Stender De Argonautarum expeditione 9) die Rückfahrt der A. Hellanikos handelt frg. 49. 88. 87 von Athamas, Helle und dem Widdervliess in Kolchis, frg. 32 von Iasons Herkunft, frg. 35 von Aphetai, frg. 39 von Hylas, frg. 38 von Phineus, frg. 30. 34 von Iasons Sohn Polyxenos und der Übersiedelung nach Korinth. Nach frg. 33 begleiteten alle A. Herakles auf seinem Amazonenzug. Akusilaos frg. 8. 9. 23. 24 erzählte von der Vermählung des Phrixos mit der Aietestochter Iophossa, von dem durch das Meer purpurn gefärbten Vliess, sowie von den Boreaden. Ganz ausführlich war die A.-Sage behandelt von Pherekydes; vgl. frg. 52–55 (Phrixos), frg. 58–60 (Iasons Geschlecht und Veranlassung zur Fahrt), frg. 61 (Bau der Argo), frg. 62–66 (Katalog der Α.), frg. 67 (Aphetai), frg. 68–69 vgl. 41. 104 (Phineus), frg. 70 (Herakleia), frg. 71–73 und 44 (Kolchis). Von Belang sind auch Herodots Ausführungen I 2. IV 145ff. 179. VII 193. Herodor von Herakleia hatte ein besonderes Werk Argonautika geschrieben, aus welchem eine grössere Reihe von Fragmenten erhalten ist über die Phrixossage (frg. 35–36), die einzelnen A. (37—42, vgl. 17. 27). über die Ereignisse in Lemnos (44), Kyzikos (45), Hieron (47), auf der Thyniasinsel (48), in Kolchis (51–54), sowie über die Rückfahrt (55), bei deren Schilderung Herodor wohl das seine Vaterstadt Herakleia Betreffende besonders ausführlich behandelte (frg. 49–50. 56–59, vgl. 25). Was Herodor für Herakleia, das leisten andere Autoren für ihre Heimat. Die Kyzikener Neanthes (frg. 6. 34) und Deilochos (frg. 1–9) behandelten vor allem den in Kyzikos spielenden Teil der Sage, kyrenische Historiker, wie Akesandros (frg. 1–7), Theochrestos (Schol. Ap. IV 1750), Menekles (FHG IV 449) u. a. die mit der Geschichte Kyrenes [748] zusammenhängenden Episoden, Timaios (frg. 5–9. 53–54) die Fahrt in den westlichen Meeren und die Ereignisse auf Korkyra. Ob Kleons Argonautika (Schol. Ap. I 77. 587. 623. Susemihl Griech. Litt. I 382) und Theolytos Werk (Schol. Apoll. I 623. Susemihl a. a. O. 383), welche beide von Apollonios benützt sein sollen, Prosaschriften oder Dichtungen waren, ist ungewiss, ebenso wenig sind wir über Possis Amazonis unterrichtet, wo nach Athen. VII 296 d eine eigenartige Version über Glaukos und eine Schlacht der A. und Tyrrhener stand. Aus den Tragodumena des Asklepiades FHG III 301ff. sind mehrere Fragmente über den Anlass der Fahrt, die Symplegaden, Phineus und die Lemnierinnen erhalten (frg. 2–4. 13).

Unter den alexandrinischen Dichtern hat Kallimachos im zweiten Buche der Aitia die Rückfahrt der Α., namentlich die Ereignisse auf Korkyra, in Libyen, bei Thera und Anaphe behandelt; vgl. Schneider Callimachea II 78ff. Knaack Callimachea, Progr. Stettin 1887, 5. Susemihl a. a. Ο. Ι 354. Ihm folgt Apollonios, unsere wichtigste Quelle. In vier Büchern Argonautika schildert er den Verlauf des Zuges von der Ausfahrt bis zur Rückkehr nach Iolkos. Nicht bestrebt, neue poetische Werte und Charakteristiken zu schaffen, sucht er nur die gründlich studierte, vielfach sich widersprechende Überlieferung zu einem correcten Ganzen zusammenzufassen. Daher schliesst er sich auch bald der einen, bald der anderen Quelle an, oder er combiniert mehrere Motive, wie z. Β. bei den Ereignissen in Libyen. Bei der mythologischen Verwertung seiner Erzählung muss man, mehr als bisher geschehen, derartige Combinationen in ihre Bestandteile auflösen. Über die Litteratur zu Apollonios vgl. Susemihl a. a. Ο. Ι 383, 46, über seine Erklärer Chares, Asklepiades, Lukillos, Sophokles, Theon und die wertvollen erhaltenen Scholien ebd. 389. Von den Gedichten Theokrits handeln das 13. (Hylas) und 22. (Amykos) von den A.

Manche wertvolle Notiz tragen die Geographen bei, wie Timonax FHG IV 522 frg. 2. 3, Timagetos FHG IV 519 frg. 1–6, Strabon, der I 6. 45f. u. ö. die Realität der Argofahrt gegen Demetrios von Skepsis u. a. verteidigt, und der bislang zu wenig beachtete Dionysos von Byzanz, Geogr. gr. min. II FHG V 188ff., aus dessen Fragmenten ersichtlich wird, welch bedeutende Rolle die A.-Sage am Bosporos spielte.

Wichtiger noch sind die zusammenhängenden Darstellungen der Mythographen: Apollodoros I 9, 16ff., dessen schlichter Bericht, wie es scheint durch die Vermittlung jenes von Bethe Quaestiones Diodoreae mythograph. 87ff. und Susemihl a. a. O. II 50 charakterisierten mythologischen Handbuchs, zum Teil auf Apollonios, zum Teil auf andere Autoren zurückgeht, und Diodoros IV 40ff., der im Anschluss an Dionysios Skytobrachion (FHG II 7ff. frg. 3–7. Bethe a. a. O. 5ff.) die Sage euhemeristisch und romanhaft wiedergiebt, fast den ganzen Ruhm Iasons auf Herakles überträgt, daneben aber auch alte Züge wie die Landung in Byzanz beibehalten hat.

Der späteren Zeit gehören an der vielumstrittene Peisandros, der Verfasser der ἡρωικαὶ θεογαμίαι, der eine besondere Version über die [749] Rückfahrt bot (Zosim. V 29), und auf den auch andere Peisandroscitate in den Schol. Apoll. Rhod. hinzuweisen scheinen, ferner Orpheus Argonautika, ein Werk, das zum grösseren Teil von Apollonios abhängig ist, daneben aber z. Β. in Bezug auf den Weg der Rückfahrt, auf Phineus, die Sirenen u. a. bemerkenswert abweicht, ohne dass sich eine Quelle angeben liesse; die ganze Erzählung wird Orpheus in den Mund gelegt und stellt diesen Helden demgemäss überall in den Vordergrund. Iohannes Antiochenus (FHG IV 548 frg. 15. Cramer Anecd. Paris. II 390), Malalas IV 93–95, Georgios Kedrenos I 104. 209ff. Nicephor. Callist. VII 50 und der Anonymus bei Cramer Anecd. Paris. II 194ff. (zum Teil nach Diodor) schöpfen aus einer gemeinsamen christlichen Quelle, in der besonders die Episoden von Kyzikos und der Sieg über Amykos hervorgehoben waren.

Die römische Litteratur folgt in der Behandlung unserer Sage dem griechischen Vorbild. Von Tragödien wurde insbesondere die euripideische Medea übersetzt und nachgedichtet, z. Β. von Ennius (16 Fragmente bei Ribbeck Trag. Lat. 36ff.), Ovid (2 Fragmente), Lucanus, Curiatius Maternus, Bassus und von Seneca, dessen Medea allein auf uns gekommen ist. Andere Dramen handeln von den Phiniden: Accius 9 Fragmente, Peliaden: Gracchus, und von den Abenteuern in Kolchis: Accius Medea 17 Fragmente. Aus der Komödie gehören hierher die Lemnierinnen des Turpilius (6 Fragmente). Episch wurde die Sage behandelt durch P. Terentius Varro Atacinus, der in vier Büchern Argonautica das Werk des Apollonios frei übersetzte (Reste in Varron. Satur. Menipp. ed. Riese p. 261), ferner durch C. Valerius Flaccus, dessen unvollendete 8 Bücher Argonautica nur bis zu den ersten Episoden der Heimfahrt führen: Apollonios und Diodor sind seine Hauptquellen (vgl. Val. Flacc. ed. Thilo Praef. VIII not 2. Ewald Meyer Quaestion. Argonaut. 4. Stender De Argonaut. exped. 53). Die Episode von Lemnos ist auch in Statius Thebais V 335ff. verflochten. Unter den lyrischen Dichtern knüpfen Catull LXIV und Properz I 20 (Hylas) an unseren Sagenkreis an; desgleichen benützt Ovid ihn wiederholt, z. Β. Heroid. 6. 12. Metamorph. VI. Von den Mythographen sind von Belang Hygin (fab. 12–27 u. ö.), der neben Apollonios und dessen Scholien Quellen von sehr verschiedenem Werte benützt (beachtenswert ist z. B. ein Stück Argonautenkatalog fab. 14 p. 43, 13–24 Bunte, ferner die Fahrt von Phineus zur Insel Dia und durch den Thermodon nach Kolchis, fab. 19–21), ferner die Mythographi Vaticani Ι 23–27. 49. 93. 133. 136. 188. II 86. 134–138. 140–192. 199, und manche Stellen der Vergilcommentare, wie z. Β. Serv. ecl. IV 34. Dares Phrygius erwähnt 1. 2. 15. 17 die A.-Sage, soweit sie nach Troia weist. Dracontius endlich bietet in seiner Medea eine Darstellung, die ohne Pietät für das Überlieferte die Medea und Iphigeneiasagen, den korinthischen und thebanischen Kreon zusammenwirft und deshalb mythologisch wertlos bleibt (anders Stender a. a. O. 25. 31).

Übersicht über die Einzelheiten der Sage

II. Übersicht über die Einzelheiten der Sage.

Die Veranlassung der Fahrt

1. Die Veranlassung der Fahrt. Nach Hesiod Theog. 995 hatte der gewaltthätige Pelias [750] dem Aisoniden Iason, seinem Neffen, viele gefahrvolle Aufgaben gestellt. Die sonstige Überlieferung weiss (abgesehen von Schol. Hom. Od. XII 69) nur von der einen Aufgabe, das goldene, nach Simonid. frg. 21 und Akusil. frg. 9 purpurne oder weissglänzende, Vliess des Phrixoswidders (abweichend Myth. Vat. I 24: pellem auream, in qua Iuppiter in caelum ascendit) aus Aia zurückzuholen. Pelias wollte durch diesen Auftrag Iason verderben, wie er auch dessen Vater Aison (s. d.) verfolgt, entthront oder gar getötet hatte. In unseren Quellen tritt er durchweg auf als der μέγας βασιλεὺς ὑπερήνωρ ὑβριστὴς Πελίης καὶ ἀτάσθαλος ὀβριμοεργός (Hes. Theog. 995); von einer älteren Auffassung zeugen jedoch die Charakterisierung als κρατερὸς θεράπων Διός bei Hom. Od. XI 255 und der alte Ruhm der Peliasleichenspiele, an denen nicht nur andere Α., sondern auch Iason selbst (Paus. V 17, 9) teilnahm. Nach Pindar Pyth. IV 70ff. hatte Pelias zwei Orakel erhalten; das eine verkündete ihm den Tod durch einen Spross seines Geschlechtes, das andere warnte ihn vor demjenigen, der nur mit einem Schuh versehen vor ihn hintreten werde. Um dem ersten Orakel zu begegnen, entthronte er seinen Bruder Aison und bedrängte dessen Haus so schwer, dass Aison seinen jungen Sohn Iason für tot ausgab, nachdem er ihn heimlich auf den Pelion zu dem weisen Cheiron gebracht hatte (zu der Erziehung bei Cheiron vgl. Hesiod frg. 40 Rzach. Pind. Nem. III 53. Hermipp. bei Schol. Arat. 436. Asklepiad. bei Schol. Hom. Od. XII 69. Schol. Apoll. Rhod. I 554. Schol. Pind. Pyth. IV 135). Als zwanzigjähriger Jüngling kehrte Iason nach Iolkos zurück, stattlich und hehr, wie ein junger Gott, von allem Volk auf der Agora bewundert. Pelias aber erschrack, da er ihn nur an einem Fusse beschuht sah und jenes zweiten Orakels gedachte. Als daher Iason von ihm die Herrschaft seines Vaters zurückforderte, erklärte er sich heuchlerisch zur Rückgabe bereit, wenn Iason zuvor eine angeblich ihrem Geschlecht auferlegte Pflicht erfülle, in Aia die Seele des Phrixos versöhne und das goldene Vliess von dort hole. Iason erklärte sich alsbald zu dieser Unternehmung bereit und schritt zum Bau der Argo. Andere erzählen, Iason habe sich aus Liebe zum Landbau auf dem Lande aufgehalten und sei einst von Pelias zu einem Opferfest des Poseidon nach Iolkos geladen. Auf dem Wege dahin musste er den Anauros (Euenus, Hyg. fab. 12. 13. Schol. Stat. Theb. V 336; Enipeus, Val. Flacc. I 85) durchwaten, legte seine Sandalen ab, vergass am anderen Ufer die linke Sandale wieder anzulegen oder verlor den einen Schuh im Wasser. Als Pelias den Einschuhigen erblickte, fragte er ihn, was er wohl dem thun würde, der ihm durch ein Orakel als sein Mörder bezeichnet werde, und da Iason antwortete, er würde ihm die Heimholung des goldenen Vliesses befehlen, gab Pelias ihm selbst diesen Auftrag. Iasons Antwort aber war eine Eingebung der Hera, welche auf diese Weise Medea zum Verderben des ihr verhassten Pelias nach Iolkos bringen wollte. Pherekyd. frg. 60. Apoll. Rhod. I 5ff. Apollod. I 9, 16 (danach Zenob. IV 92); ähnlich Val. Flacc. I 22ff. Orph. Argon. 56ff. Hygin. fab. 12. Serv. ecl. IV 34. Myth. Vat. I 24. II 135. Schol. Stat. Theb. III 518. V 336. Tzetz. Lykophr. [751] 175; Chiliad. VI 977ff., sowie Asklepiad. bei Schol. Hom. Od. XII 69 und Vita Apoll. Rhod. p. 533 Keil, wo Aison den Pelias sterbend als Vormund seines Sohnes einsetzt. Mehrfach wird Heras Feindschaft gegen Pelias mit einer Vernachlässigung bei dem Opfer motiviert (Apollod. I 9, 8, 3. 16, 4. Apoll. Rhod. I 14. III 65. Hygin. fab. 13), während andererseits Heras Zuneigung zu Iason, ein alter bedeutsamer Zug der Sage (vgl. Hom. Od. XII 72. Pind. Pyth. IV 184. Müller Orchom. 262f.) damit erklärt wird, dass Iason einst die Göttin in Gestalt eines alten Weibes aus Mitleid über den Anauros, Enipeus oder Euenos hinübergetragen hatte. Apoll. Rhod. III 67ff. Val. Flacc. I 81ff. Hygin. fab. 13. 22. Serv. ecl. IV 34. Vita Apoll. a. a. O. Nach Diod. IV 40 ging der Entschluss, nach Kolchis zu ziehen, von Iason selbst aus, und Pelias unterstützte ihn gern, da er hoffte, dass der von ihm gefürchtete Jüngling bei diesem Unternehmen sein Leben einbüssen werde. Von Dar. Phryg. 1 und Myth. Vat. I 24 wird Pelias als König des Peloponnes bezeichnet. Dracont. Med. 367ff. und Schol. Stat. Achill. I 65 setzen Kreon, Schol. Aristoph. Pac. 1127 Theseus an die Stelle des Pelias.

Die Teilnehmer der Fahrt

2. Die Teilnehmer der Fahrt. Nachdem Iason sich zu dem Unternehmen bereit erklärt hat, baut er unter dem Beistand seiner Schutzgöttinnen Hera und Athena mit Argos und Tiphys am Fusse des Pelion die Argo (s. d.). Sodann sammelt er unter der Mitwirkung derselben Göttinnen (Pind. Pyth. IV 184 u. a.) und unterstützt durch den Rat seines Erziehers Cheiron (Herodor. frg. 39. Apoll. Rhod. I 33. Asklepiad. bei Schol. Hom. XII 69) die ersten Helden; gelegentlich wird noch hinzugefügt, dass er sich zuvor auch in Delphi Rat geholt habe (Apoll. Rhod. I 209, der hier vermutlich Herodot IV 179 richtig zu stellen beabsichtigt). Nach der geläufigen Version führte die Argo 50 Ruder, nach Theokrit XIII 74 nebst Schol. sogar 60. In allen selbständigen Argonautika war wohl eine derartige Zahl von A. nach dem Muster des homerischen Schiffskatalogs zusammengestellt. Bezeugt sind solche Kataloge für Aischylos Kabeiroi und Sophokles Lemniai (Schol. Pind. Pyth. IV 303; vgl. Soph. frg. 353), für Pherekydes (frg. 62–66), Herodor (frg. 37, 42. 17. 27), Kleon (Schol. Αρ. Ι 77). Erhalten sind die Aufzählungen bei Pindar Pyth. IV 171ff. (eine Auswahl der Göttersöhne und der Seher Mopsos), Apoll. Rhod. I 23ff. (55 Helden, zu denen unterwegs noch einige hinzukommen), Apollodor I 9, 16, 7–9 (45 Helden mit Iason), Diodor IV 41, 2 (eine Auswahl aus der auf 54 berechneten Gesamtzahl), Valerius Flaccus I 352ff. (52, von denen nur 7 bei Apoll. Rhod. fehlen), Hygin. fab. 14 (nach Apoll. Rhod. nebst Schol., dazu 14 A. aus einer anderen Quelle), Orpheus 118ff. (50, nach Apoll. Rhod.); wertlos sind die aus Apoll. Rhod. ausgeschriebenen Kataloge Schol. Apoll. p. 535 Keil. Tzetz. Lyk. 175. Palaiokapp. Viol. bei Villoison Anecd. Gr. p. 220. Eine Anzahl A. wird auch von Seneca Med. Statius Theb. V 343ff. (vgl. Ach. I 156; Theb. III 517). Philostrat. imag. II 15 u. a. genannt. Daneben bieten zerstreute Notizen und Bildwerke aus dem Kreis unserer Sage weiteres Material, dessen Bedeutung besonders gewinnt, wenn man daran [752] festhält, dass in der alten Dichtung die Leichenspiele des Pelias den Abschluss des A.-Zuges bildeten, und demgemäss die alten Darstellungen (Kypselidenlade: Paus. V 17, 9; Berlin. Vase 1655: Mon. d. Inst. X 4–5. Robert Ann. d. Inst. 1874, 96) berücksichtigt. Vgl. Burmann Catalog. Argonautar. in seiner Ausgabe des Val. Flacc. Jessen Prolegom. in catal. Argon., Diss. Berolin. 1889.

Den Versuch, zu bestimmen, auf welche Weise die einzelnen A. in den Kreis der Teilnehmer gekommen seien, hat zuerst O. Müller Orchom. 258ff. gemacht, davon ausgehend, dass die Gesamtbezeichnung der A. als Minyai (Pind. Pyth. IV 69. Lykophr. 874. Apoll. Rhod. I 229 u. a.) sich nicht durch die sonstigen Erklärungen der Alten, sondern nur durch eine starke oder ursprünglich alleinige Beteiligung minyeischer Helden rechtfertigen lasse. In diesen Kreis der Minyer und Thessaler gehören: Argos, der Sohn des Phrixos, und seine Brüder Kytisoros (Kytoros), Melas und Phrontis, die Orchomenier Erginos, Askalaphos und Ialmenos, diejenigen Helden, welche wie Iason von einer Tochter des Minyas stammen sollten (Apoll. Rhod. I 229ff. nebst Schol. Aristodem. bei Schol. Pind. Isthm. I 79. Hygin. fab. 14. Tzetz. Lykophr. 874), Admetos, Iphiklos von Phylake, ferner des Pelias Sohn Akastos und Iasons Verwandte Periklymenos, Alastor (Robert Ann. d. Inst. 1874, 96), Neleus, sodann andere hervorragende Gestalten thessalischer Sagen, wie die Lapithen Kaineus, Koronos, Peirithoos, Phalareus oder Phaleros (Paus. V 17, 10. Müller Orchom. 192) und Polyphemos, der Seher Mopsos, der Kreis des Peleus, Telamon, Eurytion und Aktor, der Sohn des Kometes Asterion (Asterios), Eurydamas, die Hermessöhne Echion, Erytos (Eurytos) und Aithalides, endlich Amyros (Steph. Byz.), Azoros (Hesych.) und Asklepios. In den Kreis der oben skizzierten thespiensisch-boiotischen Version gehören Argos von Thespiai, Tiphys, die Thespiadai (Diod. IV 41, 2. 48, 5. Anonym. Cramer An. Paris. II 195), ferner vielleicht Euphemos, Peneleos, Leitos und Glaukos. Zu dem Kreis der argivischen Version sind zu rechnen: Argos, der Eponym des peloponnesischen Argos, Amphiaraos, Talaos, Areios, Leodokos, Euryalos, des Eurystheus Bruder Iphis (Iphitos), Nauplios, ferner der Seher Idmon, die Helden von Phlius Phlias und Eurymedon (Eumedon), auch wohl die Helden des nahen Pellene Amphion, Asterios (Asterion), Deukalion (Val. Flacc. I 366) und die Tegeaten Ankaios, Kepheus und Amphidamas; innerhalb dieses Kreises mögen auch andere sagenberühmte peloponnesische Gestalten zu den A. versetzt worden sein, wie Kastor und Polydeukes, Idas und Lynkeus, Augeias von Elis und vor allem Herakles. Attischer Einfluss verflocht Theseus und Butes mit den A. und liess an die Stelle des Lapithen Phaleros den gleichnamigen Athener treten; es ist nicht unmöglich, dass auf der Meidiasvase (Gerhard Ges. akadem. Abh. Taf. 14. Wiener Vorlegebl. Ser. IV Taf. 2), wo das Hesperidenabenteuer des Herakles als eine Episode des A.-Zuges behandelt wird (vgl. Robert Bild und Lied 40), auch die attischen Heroen Hippothoon, Antiochos, Oineus und Demophon auf Grund einer attischen Dichtung als A. erscheinen. Von [753] den Ioniern wurde Erginos von Milet (statt des Erginos von Orchomenos), und Ankaios von Samos (statt des Ankaios von Tegea) zu den A. hinzugefügt. Andere Erweiterungen kamen aus verschiedenen Colonien: in Kios wurden Hylas und Kios zu A. gemacht, in Byzanz Barbyses (Dion. Byz. frg. 18), in Herakleia Daskylos, in Sinope Autolykos, Deileon (Demoleon) und Phlogios; als am Bosporos die Phineussagen mit Phrixos und Iason verknüpft wurden, traten Kalais und Zetes, nach einigen auch die Phiniden zu den Teilnehmern des Zuges: um den Namen der Heniochoi bei Dioskurias zu erklären, machte man die Wagenlenker der Dioskuren zu Α., Amphistratos und Rhekas (?) oder Amphitos und Telchis (?). Strab. XI 495f. Eustath. Dionys. Perieg. 680. Iust. XLII 3. Charax frg. 15. Plin. VI 16. Solin. 15, 17. Ammian. Marcell. XXII 8, 24. Ps.-Plut. pro nobil. 20, 3. Isidor. orig. XV 1, 40. Desgleichen wurde zur Erklärung des Namens Armenien ein A. Armenos geschaffen. Ausserdem scheinen aber die Kataloge von den Dichtern auch durch Entlehnungen aus anderen Sagenkreisen vervollständigt zu sein. So wurden aus den alten Schilderungen der kalydonischen Jagd die Hauptgestalten der Meleagersage herübergenommen: Meleager selbst, der Thestiade Iphiklos und sein Bruder Klymenos (? Val. Flacc. I 370), Atalante, Melanion (bei den Peliasspielen beteiligt), vielleicht auch ebendaher Meleagers Oheim Laokoon. Da Herakles Rolle unter den A. zu einer hervorragenden ausgestaltet war, wurden ihm seine Verwandten und Genossen als A. beigegeben: ausser Telamon auch Iolaos und Herakles Bruder Iphikles (Iphiklos Diod. IV 49, 3), Philoktetes oder dessen Vater Poias; hierher gehört auch der Iasonsohn Argos bei Ptol. Heph. 2 p. 185. Endlich lässt sich noch erkennen, dass auch die homerischen Gedichte eine Quelle für die Bereicherung und Umgestaltung der Kataloge bildeten: war Iason der Vater des Euneos, Peleus der Vater des Achilleus, fiel also der A.-Zug eine Generation vor den troianischen Krieg, so musste man Α., welche nach den homerischen Gedichten am Kampf um Ilion teilnahmen, aus den älteren Katalogen streichen, wie Askalaphos, Ialmenos, Peneleos, Leitos, Euryalos, Philoktetes, konnte aber dafür die Väter der homerischen Helden als A. verwenden, z. Β. Laertes, Deukalion von Kreta, Tydeus, Menoitios, Oileus, den Nauboliden Iphitos, ferner den Pleuronier Ankaios (Orph. 208. 581 mit Bezug auf Hom. Il. XXIII 635) und Nestor; auch der Wechsel zwischen Vater und Sohn bei Idmon und Thestor (Schol. Apoll. Rhod. I 139), Kaineus und Koronos, Poias und Philoktetes hängt mit den Generationsberechnungen an der Hand Homers zusammen. Endlich bleiben noch einige Helden, bei denen sich nicht entscheiden lässt, wo sie in den Kreis der A.-Sage eingetreten sind, wie die Sänger Orpheus und Philammon, die Söhne des Eurytos von Oichalia, Klytios und Iphitos, die in Libyen bestatteten A. Kanthos und Eribotes (Eurybotes, Eurybates), ferner Hippasos (Mon. d. Inst. X 5), Hippalkimos, Palaimon (Palaimonios), Phanos, Staphylos und Thersanor.

Das Ziel der Fahrt

3. Das Ziel der Fahrt. Soweit die Überlieferung zurückreicht, ist das Ziel der Fahrt Aia, [754] ein fernes Fabelland, wo der Heliossohn Aietes und ihm benachbart seine Schwester Kirke wohnt. Ursprünglich dachte man dieses Land, wie noch Hom. Od. XII 3–4 und Mimnerm. frg. 11 bezeugen, ohne eine bestimmte Gegend vor Augen zu haben, im äussersten Osten am Rand des Okeanos gelegen. Nachmals dagegen suchten es die griechischen Seefahrer und Colonisten, ob sie nach Osten oder Westen vordrangen, innerhalb der neu erschlossenen Grenzen, in ihrer neuen Heimat. Unter denen, die sich nach Osten wandten, fanden die am Bosporos sich niederlassenden Hellenen, wie es scheint, ebendort den Schauplatz der Phrixos- und Medeasagen wieder: zeigten sie doch auch später noch hier den Phrixoshafen, Kytaia u. a. und glaubten Iasons Hochzeit mit Medea hier gefeiert (s. u. Abschnitt 12). Diejenigen Griechen, welche an die Nordküsten des Pontos gelangten, erklärten das skythische Taurien für das berühmte Fabelreich (Müller Orchom. 274, vgl. u. Abschnitt 13). Die Ionier endlich, welche den östlichen Pontos erschlossen, sahen in dem kolchischen Land (Eumelos frg. 2) das alte Aia, in dem kolchischen Fluss den alten Phasis (Hesiod frg. 87), und ihre Ansicht gelangte innerhalb der A.-Litteratur allmählich zur Alleinherrschaft. Von dem, was die nach Westen vordringenden Hellenen erzählten, sind nur gelegentliche, mit der landläufigen Sage combinierte und dem entsprechend umgestaltete Züge erhalten. Erwägt man jedoch, dass manche von den geographischen Bezeichnungen der kolchischen Gegenden (auch Kytaia Lykophr. 1312 nebst Schol. u. Tzetz.) im Westen wieder erscheinen, dass am adriatischen Meer Kolcher wohnen und Apsyrtos seinen Tod dort findet, dass der kolchische Drache in Italien wiederkehrt (Timaios frg. 13), dass Iason und Medea sich auf Korkyra vermählen und in Thesprotien leben, endlich dass Herodot IV 179 von einer Fahrt der Argo nach dem Westen berichtet, so wird es wahrscheinlich, dass dieselben Stämme, welche die Localitäten der Odyssee vom Osten nach dem Westen verlegten, auch das Ziel der A.-Fahrt im Westen suchten. Für die Odyssee erhielt sich diese Auffassung, für die A.-Sage ging sie wieder verloren.

Die Abenteuer der Fahrt in Thessalien

4. Die Abenteuer der Fahrt in Thessalien. Die erste Station nach der Ausfahrt aus Iolkos bildete Aphetai, wo nach einigen Autoren Herakles die A. verliess, entweder weil er zum Wasserholen nach einer Quelle gegangen war und sich verirrte (Hesiod. frg. 178. Herodot VII 193 vielleicht nach Hellanik. bei Steph. Byz. s. Ἀφέται), oder weil die Argo erklärte, sie könne ihn nicht tragen (Pherekyd. frg. 67. Aristot. Pol. III 13 p. 1284, 22. Antimach. Lyd. und Poseidipp. bei Schol. Ap. I 1289. Schol. Ap. Ι 1168. Schol. Pind. Pyth. IV 303). Von dieser ἄφεσις Ἡρακλέους oder von der Ausfahrt der A. auf die hohe See wurde auch der Name des Ortes abgeleitet (Herodot und Steph. Byz. a. a. O. Ap. Ι 591. Strab. IX 436. Mela II 43 mit Schotts Verbesserung). Einige dachten irrtümlich an die erste Ausfahrt und verlegten den Ort daher in die Nachbarschaft von Iolkos, vgl. Stender De Argon. exped. 27. Enmann Jahrb. f. Philol. 1884, 497. Apollonios bringt mit Aphetai ein Opfer der A. am Grabe des Dolops in Verbindung (I 585), von dem schon [755] Kleon in seinen Argonautika (Schol. Ap. Ι 587) gesprochen hatte, vgl. Val. Flacc. II 10. Orph. Argon. 461. Auch Amyros scheint hier eine Rolle gespielt zu haben. Wenigstens soll der Eponymos, der Sohn des Poseidon oder Boiotos und Vater des Iolkos und Malos, A. gewesen sein (Steph. Byz.) und Ap. Ι 596 wie Val. Flacc. II 11 erwähnen den Fluss mit einer falschen Orientierung (Bursian Geogr. Griech. I 64. 104) scheinbar einer übergangenen alten Sage zulieb.

Lemnos

5. Lemnos. Auf der Insel Lemnos bestand damals ein Weiberstaat unter der Königin Hypsipyle. Denn die Lemnierinnen hatten sämtliche Männer (nur Hypsipyle hatte ihren Vater Thoas gerettet) ermordet, weil diese sie wegen einer Dysosmie, die Aphrodite aus Zorn über Vernachlässigung verhängte, gemieden und mit thrakischen Kebsweibern Umgang gepflogen hatten. Als die Argo, von schwerem Sturm bedrängt (Aischyl. Hypsipyl. Schol. Αρ. Ι 769 u. a., besonders Stat. Theb. V 362ff.), in Sicht kam, rüsteten sich die Weiber zur Abwehr, doch wurde der Streit (nach Sophokl. Lemniai Schol. Ap. Ι 769. Stat. a. a. O. 378ff. kam es zu einem grossen Kampf) durch Unterhandlungen, bei denen Aithalides hervortrat (Ap. Ι 640ff. Welcker Trilogie 209), und durch einen Vergleich beigelegt, kraft dessen die A. sich verpflicheten, den Lemnierinnen beizuwohnen (Aischyl. a. a. O.). Freundschaft und Liebesgenuss zwischen Iason und Hypsipyle, zwischen A. und Lemnierinnen trat jetzt an die Stelle der Feindseligkeit. Zum Andenken an Thoas und die ermordeten früheren Gatten wurden Wettkämpfe veranstaltet, bei denen sich vor allem Erginos auszeichnete und Gewänder die Preise bildeten (Pind. Ol. IV 21ff.; Pyth. IV 253 nebst Schol. Simonid. frg. 205. Kallim. frg. 197. Philostr. Gymn. 3. Gewänder als Geschenke: Ap. II 30. III 1205. IV 423. Val. Flacc. II 409. III 341). Von einem grossen Gelage handelte Aischyl. Kabeiroi (Athen. X 428 f). Nach längerem Verweilen (2 Jahre Ovid. Heroid. VI 56; 1 Jahr Stat. Theb. V 460; 4 Monate Val. Flacc. II 367) nahte endlich die Trennungsstunde, deren Einzelheiten von den Dichtern breit ausgeführt werden; nach Apollonios u. a. drängte Herakles, der allein den Weibern fern geblieben war, zum Aufbruch, nach Orph. Argon. 481 lockte Orpheus die Helden durch Spiel und Gesang zum Schiffe zurück. Iason liess der Hypsipyle einen oder zwei Söhne, deren Namen wechseln: den aus der Ilias bekannten Euneos, Nebrophonos (Apollod. I 9, 17, 2), Deipylos oder Deiphylos (Hygin. fab. 15. 273), oder Thoas (Stat. Theb. V 465. VI 342. Myth. Vat. I 133. 199. II 141. Hypoth. Pind. Nem. Anth. Pal. III 10. Schol. Stat. Theb. IV 771). Die anderen A. hinterliessen nach Hygin. fab. 15 Söhne, die den Namen des Vaters führten, Euphemos einen Sohn Leukophanes (Schol. Pind. Pyth. IV 455. Tzetz. Lykophr. 886): an diese Nachkommenschaft knüpfen die bekannten Wanderungssagen der lemnischen Minyer an (Herodot IV 145ff. Pind. Pyth. IV. Strab. VIII 347. Polyaen. VIII 71. Val. Max. IV 6 ext. 3. Müller Orchom. 301ff. Buttmann Mytholog. II 212ff. Lachmann Spart. Staatsverfass. 73ff. Gilbert Studien zur altspartan. Gesch. 53ff. Studniczka Kyrene 45ff. 60ff.). Behandelt ist der Aufenthalt der A. auf Lemnos und [756] der Männermord sehr oft, in Tragödien von Aischylos und Sophokles, in Komödien von Aristophanes, Nikochares, Antiphanes, Alexis, Diphilos und Turpilius; ferner von Pind. a. a. O. Herodor. frg. 44. Kleon und Theolytos (Schol. Ap. Ι 623). Apoll. Rhod. I 609–914. Asklepiad. Tragod. frg. 13. Apollod. I 9, 17. Orph. Arg. 471ff. Nicol. Damasc. frg. 18. Val. Flacc. II 79–427. Ovid. Heroid. 6. Stat. Theb. V 29ff. 335ff. Hygin. fab. 15. Myth. Vat. I 133. 199. II 141; vgl. Schol. Pind. Pyth. IV 88. 449; Ol. IV 32. Schol. Ap. Ι 609ff., und das geflügelte Wort Λήμνια κακά: Aischyl. Choeph. 614. Apostol. X 65. Zenob. IV 91 und die dort citierten Stellen; auch Eurip. Hekab. 887 nebst Schol. Mela II 106 u. a. Dabei verlegen alle übrigen Autoren die Episode auf die Hinfahrt nach Kolchis, Pindar Pyth. IV 252 jedoch setzt sie an das Ende des Zuges. Myrsilos Lesbika (FHG IV 458 frg. 7) und Antigonos mirabil. 130 weichen noch weiter ab, indem sie erzählen, auf der Rückfahrt von Kolchis habe Medea aus Eifersucht Gift auf die Insel gesprengt und erst dadurch sei jene Dysosmie entstanden, die auch später noch jährlich wiedergekehrt sei. Religiöse Gebräuche (Philostrat. Heroik. 19, 14), der Kult eines Iason und Medea gleichstehenden alten Götterpaares Iason und Hypsipyle und historische Beziehungen zwischen Lemnos und Thessalien haben mit anderen Elementen zusammengewirkt, die complicierte Sage zu schaffen; vgl. Müller Orchomenos 295ff. Welcker Trilogie 585ff.

Chryse

6. Chryse. Der durch die Philoktetessage berühmt gewordene Altar der Chryse wird von Dosiad. Anth. Pal. XV 25. 26 und Philostrat. iun. imag. 17 als eine Stiftung Iasons bezeichnet. So mag jemand erzählt haben, dem Philoktetes als A. galt (wie bei Val. Flacc. I 391. III 722. Hygin. fab. 14. Dares 15): wie Philoktetes sonst als Genosse des Herakles auf dem Zug gegen Troia jenen Altar kennen lernt, so hier als A.

Samothrake

7. Samothrake. Wie man andere Heroen zu Mysten des samothrakischen Kultus machte (z. Β. Odysseus und Agamemnon Schol. Αρ. I 917), so auch die A. Auf Orpheus Rat landen die Helden an der Insel, lassen sich weihen und widmen goldene Schalen, die man noch später zur Beglaubigung ihrer Anwesenheit aufwies. Nach Ap. I 915ff. Val. Flacc. II 431ff. Orph. Argon. 467ff. fällt diese Episode auf die Hinfahrt nach Kolchis, nach Diod. IV 49, 8 auf die Rückfahrt. Von dem Beistand, den die samothrakischen Götter den A. wiederholt leisten, spricht Diod. IV 43, 1–2. 48, 6.

Troas

8. Troas. Aus der Heraklessage wurde die Befreiung der Hesione, zum Teil auch die Eroberung Troias, in den Kreis der Α.-Sage herübergenommen. Dionysios Skytobrachion (Diod. IV 42. 49, 3–8) erzählte, die Argo sei, nachdem sie Samothrake passiert, bei Sigeion gelandet. Dort habe Herakles die gefesselte Hesione befreit und sie nebst den ihm versprochenen Rossen dem Laomedon zur Bewahrung überlassen, bis die Argo von Kolchis zurückkehren werde. Als Herakles und die A. auf der Heimreise wiederum in der Troas landeten und von Laomedon die Auslieferung der Hesione und der Rosse verlangten, habe dieser die Boten Iphiklos und Telamon gefangen [757] gesetzt und auf den Untergang der A. gesonnen. Durch Priamos Eingreifen seien jedoch die Anschläge vereitelt worden, und in einer grossen Schlacht hätten nunmehr die A. den Laomedon getötet und Troia erobert, wo sie aus Dankbarkeit Priamos zum König einsetzten. Andere liessen nur die Befreiung der Hesione in die Zeit des A.-Zuges fallen, während sie die Zerstörung Troias in eine spätere Zeit verlegten; vgl. Diod. IV 32, 1–2. Val. Flacc. II 445ff. Hygin. fab. 89. Myth. Vat. I 24. 136. Dares 2–3. 15. 17. Anonym. bei Cramer An. Paris. III 195. Tzetz. Lyk. 34. Oder es wurde erzählt, dass Herakles von Kios aus, wo er Hylas zu liebe die A. verlassen hatte, nach Troia gekommen sei: Serv. Aen. I 619. XI 262. Myth. Vat. II 199. III 3, 8; vgl. Val. Flacc. IV 58.

Der Hellespontos

9. Der Hellespontos. Durch die Sage von Helle (s. d.) und Phrixos berühmt, spielt der Hellespontos in der eigentlichen A.-Sage dennoch keine grössere Rolle. Dass Paisos von einer Landung der A. seinen Namen haben soll (Etym. M. s. Ἄπαισος), ist eine späte Ableitung, aus welcher für die ältere Sage so wenig etwas gefolgert werden kann, wie aus der Erklärung von Pitye-Lampsakos durch einen Schatz (πιτύη thrakisch), den Phrixos daselbst niederlegte (Schol. Ap. Ι 933), oder aus der Ableitung des Melasbusens von dem Phrixossohn Melas (Schol. Ap. I 922. Schol. Hom. Il. XXIV 79). Ebenso wenig lässt sich daraus, dass Charon von Lampsakos frg. 6 und 7 in seiner Vaterstadt Bebryker ansässig glaubte, erweisen, dass er oder ein anderer auch den Kampf des Bebrykers Amykos mit den A. in diese Gegend verlegt dachte. Anders O. Müller Orchom. 274. 281. Vater Der Argonautenzug I. Kasansche Abh. 1845, 17, 1. Seeliger bei Roscher Myth. Lex. I 520.

Kyzikos

10. Kyzikos. Die Kyzikener führten mancherlei auf die A. zurück: Altäre des Apollon Ekbasios (Ap. I 966), Iasonios (Deiloch. frg. 3) oder Kyzikenos (Sokrat. Epikl. Schol. Ap. Ι 966), ein Heiligtum der Athena Iasonia mit einem Ankerstein, den die A. auf Tiphys Rat bei der Quelle Artakia zurückgelassen haben sollten (Ap. Ι 955. Orph. Arg. 493; nach Plin. XXXVI 99 lag der Stein im Prytaneion), vor allem aber den Kult der Dindymene auf dem Dindymos (Ap. I 1123ff. Neanthes frg. 6. Strab. I 45. XII 575. Zosim. II 31, 2) mit dem von Argos aus einem Weinstock geschnitzten Kultbild (Ap. Ι 1117. Euphor. frg. 146. Orph. Arg. 606). Der Weg zu diesem Heiligtum hiess der ‚Iasonische‘ (Ap. Ι 988), wie auch eine Quelle auf dem Dindymos Iasons Namen führte (Ap. I 1148). Der ‚heilige Fels‘ (Ap. Ι 1019. 1109) und ein Altar der Rhea Peismatie (Orph. Arg. 628) waren weitere Erinnerungszeichen, insbesondere aber das Grab des Kyzikos mit seinem Todeskult. Nach Ap. Ι 936ff. empfängt Kyzikos, der König der Dolionen, die A. auf Grund einer alten Weisung auf das freundlichste, bewirtet sie und giebt ihnen Auskunft über den weiteren Weg nach Osten. Während die übrigen A. auf den Dindymos steigen, um Umschau zu halten, wird der zurückgebliebene Herakles von den Gegeneis angegriffen, die den Hafen zu sperren und die Argo zu vernichten suchen, doch bleibt er siegreich. Von Kyzikos freundlich entlassen, [758] werden die A. in finsterer Nacht von Stürmen zurückgetrieben und unerkannt im nächtlichen Dunkel von den Kyzikenern angegriffen. Bei dem heissen Kampf tötet Iason (nach Orph. Arg. 523 Herakles, nach Schol. Ap. I 1040 die Dioskuren) den Kyzikos. Mit Tagesanbruch wird man den unseligen Irrtum gewahr: vereint bestatten A. und Dolionen die Gefallenen, bereiten Kyzikos ein ehrenvolles Grab und feiern prächtige Leichenspiele. Kleite aber, des Königs junge Gattin (oder Braut), tötet sich im Schmerz und wird in die gleichnamige Quelle verwandelt. Noch 12 Tage verhindern widrige Winde die Abfahrt, bis endlich Mopsos durch einen von Hera gesandten (vgl. Pind. frg. 62) Eisvogel die Weisung empfängt, der Dindymene eine Sühnfeier zu veranstalten. Erst nachdem dies geschehen und der Kult auf dem Dindymos gestiftet ist, erfolgt die Weiterfahrt. Das Abenteuer mit den Gegeneis gehört nach Herodor (frg. 45 vgl. 27. 38) nicht in diesen Zusammenhang, sondern zu anderen Heraklesthaten, vielleicht zum Amazonenzug. Und so erzählen auch die meisten Schriftsteller nur von einem einzigen Kampf der A. Nach einigen waren die Bewohner von Kyzikos nicht Dolionen, sondern aus Thessalien vertriebene Pelasger, welche aus alter Feindschaft die aus Thessalien kommenden A. absichtlich angriffen; vgl. die im einzelnen divergierenden Berichte bei Deiloch. frg. 2–8 (nebst Schol. Ap. I 1039). Ephor. frg. 104. Konon 41. Kallisthen. Peripl. Schol. Ap. I 1037. Polygnost. Schol. Ap. Ι 996. Neanthes frg. 6. 34, ferner Kallim. frg. 547 (Schneider Callim. II 70. Kennerknecht Blätter f. d. Bayer. Gymnasialwesen XXII 109). Euphor. frg. 4 (Parth. Erot. 28. Schol. Lyk. 513. Schol. Ap. Ι 1063. 1117). Parth. Erot. 28. Apollod. I 9, 18. Hygin. fab. 16. 273. Val. Flacc. II 634–III 458. Orph. Arg. 490–628. Mela I 98. Sil. Ital. XII 398. Zosim. II 31, 2. Johann. Antioch. frg. 15. Malal. IV 95. Cedren. I p. 104. 209. Cramer An. Paris. II 194. Marquardt Cyzicus 14ff. Knaack Commentat. philol. in hon. sodalit. philol. Gryphiswald. 33ff.

Kios

11. Kios. Die griechischen Colonisten, welche sich in Kios niedergelassen und den dortigen Hylaskultus zu dem ihrigen gemacht hatten, dichteten frühzeitig, der jugendliche Hylas sei ein Grieche gewesen und mit griechischen Helden nach Kios gelangt. Mochte man dabei zum Teil an den Amazonenzug des Herakles oder an ein anderes Unternehmen denken, so ward doch seit der alexandrinischen Zeit die Anschauung die herrschende, dass jenes Unternehmen der A.-Zug war. Als Liebling des Herakles oder des Polyphemos (Sokrat. FHG IV 498 frg. 9. 11. Euphor. frg. 144. 149) hatte sich Hylas den A. zugesellt. In der Gegend von Kios war des Herakles Ruder zerbrochen und dadurch (oder auch durch Sturm und Wassermangel) waren die A. zur Landung gezwungen. Während die übrigen Helden am Strande lagerten und schmausten und Herakles im Walde sich ein neues Ruder schnitzen wollte, kam Hylas zu einer Quelle, deren Nymphen ihn zu sich hinabzogen. Auf seinen Angstruf stürmten Herakles und Polyphemos fort, ihn zu suchen, doch fanden sie ihn nicht. Inzwischen fuhr die Argo ab und Herakles wie Polyphemos blieben zurück (nach anderen liess Herakles dagegen nur [759] den Polyphemos dort und setzte selbst die Fahrt mit den A. fort). Von den Zurückgebliebenen wird nunmehr der Hylaskult gestiftet und durch Polyphemos (Ap. I 1322. 1346. IV 1472. Apollod. I 9, 19, 2. Schol. Ap. IV 1470) oder durch den zurückbleibenden A. Kios (Strab. XII 564. Eustath. Dionys. Perieg. 805) die Stadt Kios gegründet. Mit mannigfachen Variationen im einzelnen erzählen diese Episode Kallim. frg. 546. 512. Apoll. Rhod. I 1167ff. Theokr. 13. Euphor. frg. 144. 149. Nikand. bei Anton. Lib. 26. Apollod. I 9, 19. Memnon FHG III 547 frg. 41. Sokrat. FHG IV 498 frg. 9. 11. Orph. Arg. 638ff. Antikleid. bei Schol. Ap. I 1207. 1289. Kephalion FHG III 626 frg. 1. Prop. I 20. Val. Flacc. III 485ff. Senec. Med. 649ff. Hygin. fab. 14. Serv. Ecl. VI 43; Georg. III 6. Schol. Stat. Theb. V 443. Myth. Vat. I 49. II 199, ferner die Paroemiographen Apost. VIII 34. XVII 9. Zenob. VI 21. Diogenian. VIII 33. Suid. s. τὸν Ὕλαν κραυγάζεις u. Ὕλαν κραυγάζειν. Schol. Arist. Plut. 1127 u. a. Das Nähere s. unter Hylas.

Bosporosgegend

12. Bosporosgegend. Auf eine besonders hervorragende Bedeutung des Bosporos für die A.-Sage weisen die zahlreichen localen Überlieferungen daselbst. In Byzanz soll die Hochzeit Medeas mit Iason gefeiert sein (Dionys. Skytobr. Schol. Ap. IV 1153), als die A. auf der Rückfahrt von Kolchis bei dem König Byzas gelandet waren (Diod. IV 49, 1); dort galt der Eponym des Flusses Barbyses als Führer der A. (Dionys. Byz. Geogr. min. II 28 frg. 18), und auch der Amphiaraoskult daselbst knüpfte vielleicht an die Beteiligung des Amphiaraos am A.-Zuge an. Weiterhin erinnern an die Sage des Phrixoshafen (Nymphis bei Steph. Byz. s. Φρίξος. Hesych. Mil. frg. 4. 33. Dionys. Byz. FHG V 189, 5. Codin. orig. Constantinop. p. 11 Bekker; nach Schol. Aesch. Pers. 70 soll Phrixos hier gestorben sein), Kytaia (Schol. Ap. II 399. Etym. M. s. Ἀμαραντός), der Pyrgos Medeae (Dionys. Byz. Geogr. min. II 71 frg. 55), der Lorbeer der Medea (ders. frg. 32), der nach Medea benannte Pharmakiasbusen (ders. frg. 41), das Iasonion, wo die A. gelandet (ders. frg. 28. 29), das Bild des senex marinus, der die A. geführt hatte (ders. frg. 31), das Ankyraion, wo die Argo einen neuen Ankerstein erhielt (ders. frg. 54), vor allem aber die Altäre und Heiligtümer der Zwölfgötter, des Poseidon oder des Zeus Urios, welche an dem Ausgang des Bosporos von den Α., von Phrixos oder dessen Söhnen gestiftet sein sollten; vgl. Pind. Pyth. IV 204 nebst Schol. Herodor. frg. 47. Timosthen. bei Schol. Ap. II 532. Apoll. Rhod. II 532ff. Polyb. IV 39, 6. Diod. IV 49, 2. Ps.-Aristot. mirab. 105. Mela I 101. Dionys. Byz. frg. 47. 58. Hesych. Mil. frg. 4. 33. Schol. Demosth. Lept. p. 468, 10. Codin. a. a. O. Vgl. Wieseler Spicilegium ex locis scriptor. ad Bosp. Thrac. spectantibus, Göttingen 1874. Müller Geogr. gr. min. II 75. Curtius Preuss. Jahrb. 1872, 52ff.

Am Bosporos spielte ferner die Sage von der Bezwingung des Quellhüters oder Bebrykerkönigs Amykos (s. d. Nr. 2), deren Schauplatz freilich andere (z. Β. Theokr. 22, 27) weiter östlich am Pontos wiederzufinden glaubten. In beiden Gegenden wies man auf Ortschaften, Buchten und Grabmäler hin, die den Namen des Amykos führten, [760] sowie auf andere Erinnerungszeichen; vgl. Plin. V 150. XVI 239, Androit. und Apollod. Pont. bei Schol. Ap. II 159. Dionys. Byz. frg. 61. 62 und FHG V 188. Etym. M. s. Ἄμυκος. Ptol. Heph. 3. 5 p. 187. 191 Westerm. Müller Geogr. gr. min. II 82. Wieseler Spicileg. 23f. Als die A. an diesem Bebrykergestade gelandet waren, trafen die Dioskuren, wie Theokr. 22, 27ff. erzählt, im Walde bei einer Quelle den Amykos, der ihnen den Trunk wehrte, bis einer von ihnen sich mit ihm im Faustkampf gemessen habe. Nach Apoll. Rhod. II 1ff. u. a. kam Amykos nach dem Strande und forderte dort die Helden zum Faustkampf heraus. Polydeukes trat für sie ein, besiegte den Amykos, fesselte ihn (Epicharm. und Peisandr. bei Schol. Ap. II 98. Stesichor. bei Zenob. VI 44 und die Kunstdenkmäler, s. u.), zwang ihn zum Abschwören aller Feindseligkeit (Theokr. a. a. O.) oder tötete ihn (Deiloch. frg. 9. Ap. II 95. Apollod. I 9, 20. Val. Flacc. IV 310. Lukian dial. deor. 26, 1. Orph. Arg. 665. Hygin. fab. 17. Serv. Aen. V 373. Schol. Stat. Theb. III 353. Myth. Vat. I 93. II 140. Sidon. Apoll. carm. VII 162. Tzetz. Lyk. 516). Die Bebryker, welche für ihren König eintreten wollten, wurden von den A. geschlagen (Ap. II 98ff. u. a.). Nach Ptolem. Heph. 5 soll Iason den Amykos auf dem Ἰησόνιος αἰχμή genannten Platze bei der Ἑλένη-Quelle besiegt haben. Eine späte Version bringt noch die Hülfeleistung eines Heros in Sosthenes (Sosthenion, Laosthenes) mit dieser Episode in Verbindung (Johann. Antioch. frg. 15 u. Cramer An. Paris. II 390. Malal. IV 95. Cedren. I p. 210. Nicephor. Callist. VII 50. Sozom. hist. eccles. II 3. Cramer a. a. Ο. II 195).

Von Amykos gelangen die A. alsbald zu Phineus (s. d.), der nach Apoll. Rhod. II 178ff. Val. Flacc. IV 424ff. Hygin. fab. 19. Apollod. I 9, 22, 1. Orph. Arg. 668ff. Dionys. Byz. frg. 51 u. a. am Bosporos vor dem Eingang zum Pontos wohnte, nach anderen dagegen am Pontos selbst, in Paphlagonien (vgl. Hellanik. frg. 38. Pherekyd. frg. 68. Skymn. 958. Arrian. FHG III 594 frg. 41. Steph. Byz. s. Σήσαμος. Eustath. Hom. Il. 362, 8) oder in der Gegend von Salmydessos (vgl. Soph. Antig. 966ff. Apollod. I 9, 21, 1. Schol. Ap. II 177), wo auch Phinopolis (Ptolem. III 11, 3. Strab. VII 319. Steph. Byz. s. v. Plin. IV 45. Mela II 23) und Phineion (Steph. Byz. Suid. s. v.) lagen; über die Einzelheiten vgl. Hiller v. Gaertringen De Graecorum fabulis ad Thraces pertinentibus, Berlin 1886, 56ff. Phineus war einst geblendet, weil er dem Phrixos (Hesiod. Eoeen frg. 170) oder dessen Söhnen (Istr. frg. 60a. Apollod. I 9, 21, 2) den Weg gewiesen hatte, nach anderen weil er ein langes Leben dem Augenlicht vorgezogen (Hesiod. Katal. frg. 78. Asklepiad. Trag. frg. 3. Schol. Αρ. II 178), die Zukunft zu weit enthüllt (Apoll. Rhod. II 180 nebst Schol. Apollod. I 9, 21, 2. Oppian. cyneg. II 612ff. Hygin. fab. 19) oder dem Perseus nachgestellt hatte (Schol. Ap. II 178), und war ausserdem durch die Sendung jener schrecklichen Harpyien bestraft, welche ihm alle Speisen raubten oder beschmutzten. Freundlich empfing er die A. und versprach, ihnen den Weg durch die Symplegaden und nach Kolchis zu offenbaren, falls sie ihn zuvor von der Harpyienplage befreien [761] würden. Die Boreaden Kalais und Zetes übernahmen diese Aufgabe, griffen die Harpyien an, jagten sie in die Flucht, töteten sie (Aeschyl. Phineus. Ibyk. frg. 49. Telest. bei Philodem π. εὐσεβείας p. 18 Gomp. Apollod. I 9, 21. III 15, 2, 1. Schol. Ap. II 285. Tzetz. Chil. I 209ff.), oder verfolgten sie bis zu den Strophadeninseln, wo sie von der Verfolgung abliessen (Hesiod. frg. 80–83. Naupakt. frg. 3 und Neoptol. bei Schol. Ap. II 290. Theogn. 715. Aeschyl. Eumen. 50. Sophokl. Phineus II frg. 643. Pherekyd. frg. 69. Antimach. Lyd. frg. 7. 13. Apoll. Rhod. Oppian. Apollod. Val. Flacc. a. a. O. Verg. Aen. III 210. Ovid. met. VII 1ff. Stat. Theb. VIII 255. Hygin. fab. 14; über die Kunstdenkmäler s. u. Abschnitt III). Darauf wies Phineus den A. den weiteren Weg und gab ihnen nach Serv. Aen. III 209. Myth. Vat. I 27. II 142 sogar einen Führer mit. Eine andere Version, deren älteste Spur sich bei Hesiod. frg. 231 (vgl. Orph. Arg. 677) findet, weiss nichts von einer Befreiung des Phineus, sondern kennt nur seine Bestrafung. Darnach treten die A. lediglich als Rächer auf. Phineus hatte seine erste Frau, die Boreastochter Kleopatra, verstossen, sich zum zweitenmale vermählt und die Kinder erster Ehe misshandelt oder verstossen. Dafür bestraften ihn die A. (Herakles, Boreas) mit dem Tode, wobei zum Teil von einer förmlichen Schlacht die Rede ist (vgl. Sophokl. Tympanistai; Phineus I frg. 639. 644; Antig. 966ff. nebst Schol.; die Phinidentragödien: Aristot. Poet. 16. Timokl. bei Athen. VI 223 c. Accius. Timotheos Phinid. bei Suid. Dionys. Skytobr. bei Schol. Ap. II 207. Diod. IV 43, 3ff. Apollod. I 9, 21, 2. III 15, 3. Schol. Ap. Ι 211. Orph. Arg. 668ff.; vgl. auch Anth. Pal. III 4. Ovid. ars am. I 339 u. a.). Die Phineussöhne wurden von den A. befreit und von Asklepios (Sophokl. frg. 639. Phylarch frg. 17), der vielleicht dieser Sage zulieb unter die A. aufgenommen ist (Hygin. fab. 14. Clem. Alex. Strom. I 21. Georg. Synkell. I p. 296 Dind.), oder von den Boreaden (Orph. Arg. 675) wieder sehend gemacht. Nach Diod. IV 44,6 nahmen sie sogar an dem ferneren Zuge teil. Verknüpft sind die beiden Versionen der Phineussage in nicht eben glücklicher Weise bei Asklepiad. Trag. frg. 3. Schol. u. Eustath. Hom. Il. XII 69. Hygin. fab. 19. Serv. Aen. III 209. Schol. Stat. Theb. VIII 255. Myth. Vat. I 26. 27. II 142.

An dem Ausgang des Bosporos hatten die A. endlich, nachdem sie zuvor die oben genannten Altäre errichtet hatten, ihr berühmtestes Abenteuer zu bestehen (nach Pind. Pyth. IV 207ff. das einzige bis Kolchis, vgl. Theokr. XIII 22. XXII 27), die Durchfahrt durch die beweglichen, zusammenprallenden Felsen (συμπληγάδες, συνορμάδες: Simonid. frg. 22, συνδρομάδες, σύνδρομοι, συγχωροῦσαι, πληγάδες, πλαγκταί: Herod. IV 85. Apoll. Rhod. IV 786 u. a.), die gewöhnlich als die Symplegaden oder Kyaneen bezeichnet, in verschiedenen Klippen oder Inseln wiedererkannt wurden (die einzelnen Zeugnisse bei Wieseler De Cyaneis sive Symplegadibus, Göttingen 1879; Festrede d. Univers. Götting. 1874, 4ff.). Wer die homerischen Plankten (Od. XII 61ff. XXIII 327) in die östlichen Meere verlegte, sah sie in diesen Felsen wieder. Auf den Rat des Phineus [762] lassen die A. (Euphemos) eine Taube durch die Felsen hindurchfliegen (vgl. die Tauben bei Hom. Od. XII 63), und da diese bis auf den Verlust der Schwanzfedern unversehrt blieb, rudern die Helden mit aller Kraft und dringen mit Hülfe der Hera oder Athena glücklich hindurch, nur die äusserste Verzierung am Hinterteile der Argo wurde durch die zusammenprallenden Felsen weggerissen. Seitdem stehen die Symplegaden still, und der Pontos ist für immer der Schiffahrt eröffnet. Pind. Pyth. IV 207ff. Simonid. frg. 22. Eurip. Med. 1. 432. 1263 (vgl. Androm. 794. 864; Iph. Taur. 124. 241. 421). Apoll. Rhod. II 317ff. 549ff. IV 786. Theokr. a. a. O. Asklepiad. Trag. frg. 3. Schol. Hom. Od. XII 69. Schol. Ap. II 328. 562. Schol. Eur. Med. 2. Apollod. I 9, 22. Orph. Arg. 682ff. Ovid. met. XV 337ff. (vgl. VII 63; heroid. XII 121; trist. I 10, 34. 47). Val. Flacc. IV 637ff. Senec. Med. 342ff. 459. 613. Hygin. fab. 19. 21. Stat. Theb. V 346. Claudian. III 173f. XX 30. XXVI 1f. Ammian. Marc. XXII 8, 14–15. Lucan. Phars. II 716ff.

Nördliche Richtung der Fahrt im Pontos

13. Nördliche Richtung der Fahrt im Pontos. Nach Diod. IV 44, 7. 46, 3 schlugen die A. innerhalb des Pontos die Richtung nach Norden ein und gelangten zunächst nach dem Taurerlande, wo Perses, der Bruder des Aietes, herrschte. O. Müller Orchom. 274f. hat zuerst auf diese Richtung der Fahrt aufmerksam gemacht und ihre Spuren verfolgt. Hierher gehört es, wenn als Wohnsitz des Phineus Salmydessos und das benachbarte Phinopolis bezw. Phineion angegeben wird, hierher die Stadt Medeia (Johann. Kantakuzenos hist. IV 10 p. 62f.), das skythische Kytaia (Skyl. 68. Anon. Peripl. Pont. Eux. 50. Steph. Byz. s. v. Schol. Ap. II 399. Ptol. III 6, 6. Plin. IV 86), die Gründung Pantikapaions durch einen Sohn des Aietes (Steph. Byz. s. v. Eustath. Dion. Per. 311) sowie die Sage von dem Phrixoswidder auf Brixaba (Agathon v. Samos bei Ps.-Plut. de fluv. 14, 4).

Östliche Richtung der Fahrt im Pontos

14. Östliche Richtung der Fahrt im Pontos. Nach der geläufigen Sage fuhren die A. von den Symplegaden aus in östlicher Richtung an der Südküste des Pontos entlang, vorbei an dem Phyllisflusse, wo einst Dipsakos den Phrixos gastlich aufgenommen hatte (Apoll. Rhod. II 652f. nebst Schol.). Auf der Thyniasinsel, wo Apollon ihnen erschien, stifteten sie den Kult des Apollon Eoios und einen Altar der Homonoia (Herodor. frg. 48. Apoll. Rhod. II 669ff.). Dann kamen sie nach Herakleia, dem für die Ausgestaltung der Sage wichtigsten Platz am Pontos. Hier knüpfte an das Grab des ἥρως πολιοῦχος, der in den alten Kultliedern Agamestor genannt ward (Apoll. Rhod. II 846ff. Schol. Laur. und Paris. Ap. II 845. Quint. Smyrn. VI 464), die Sage an, der dort bestattete Held sei der altberühmte (vgl. Naupakt. frg. 7. 8. Eumel. frg. 9. Pherekyd. frg. 70) Seher der Α., Idmon. Wie Amphiaraos hatte er schon bei seinem Auszug um den nahen Tod gewusst (Ap. Ι 140. 443. Hygin. fab. 14. Val. Flacc. I 360. V 3), jetzt schlug ihn in Herakleia ein Eber mit seinem Hauer, und sprangen auch die Genossen zu Hülfe und erlegten das Tier, so konnten sie doch den Idmon nicht retten. Feierlich bestatteten sie ihn und setzten (nach Schol. Ap. II 843 auf Orpheus Rat) auf sein Grab eine [763] der Schiffswalzen, welche später ausschlug und als grünender Ölbaum gezeigt ward (vgl. Herodor. frg. 41. 54. 56. 57. Promathid. frg. 2. 3. Nymphis frg. 7. Apoll. Rhod. II 815–850. Apollod. I 9, 23. Val. Flacc. V 2ff. mit einigen willkürlichen Änderungen. Hygin. fab. 14. 18. 248. Ovid. Ib. 506. Senec. Med. 652. Ammian. XXII 8, 22. Orph. Arg. 720). Ein zweites Grab sollte den Steuermann Tiphys bergen, den plötzlich der Tod überraschte, während die Helden noch um Idmon trauerten (vgl. Herod. frg. 58. Nymphis frg. 8. Apoll. Rhod. II 853ff. Apollod. a. a. O. Val. Flacc. V 13ff. Hygin. fab. 14. 18. Senec. Med. 620ff. Ammian. a. a. O. Tzetz. Lykophr. 890. Orph. Arg. 723). An seine Stelle trat als Steuermann des Schiffes jetzt Ankaios oder Erginos (Herodor. frg. 59. Val. Flacc. V 65). Herodor frg. 58 verlegt diese Ereignisse in Herakleia auf die Rückfahrt von Kolchis, die anderen setzen sie auf die Hinfahrt. Im übrigen wird ziemlich übereinstimmend erzählt, dass die Argo bei der Ankunft weit in den Acheronfluss hineinfuhr (Herodor. frg. 50. Apoll. Rhod. II 752) und dass der König der dort ansässigen Mariandyner, Lykos, der Sohn des Daskylos und Enkel des Tantalos, die A. auf das freundlichste aufnahm, wozu ihn die Stammverwandtschaft (Schol. Ap. II 752), die frühere Anwesenheit des Herakles (vgl. Apollod. II 5, 9, 5–6. Apoll. Rhod. II 775ff. Schol. Ap. II 758. 780. 786. 789) oder der Umstand bewog, dass die A. seinen alten Gegner Amykos gezüchtigt hatten (vgl. Apoll. Rhod. II 757ff. 792ff. Schol. Ap. II 752. 758. 780. Val. Flacc. IV 162ff. 589f. 745ff.). Er nahm teil an der Trauer um Idmon und Tiphys, übernahm die Hut der Grabhügel und gab schliesslich bei der Weiterfahrt seinen Sohn Daskylos den Helden als Führer und Begleiter mit (Ap. II 803. IV 298). Aus Herakleia stammen auch die Genealogien, welche Mariandynos als Sohn des Phrixos (Schol. Ap. II 780) oder des Phineus (Hesiod. frg. 79. Schol. Ap. II 140. 181. 780) bezeichnen. Vgl. Kämmel Heracleotica, Plauen 1869. Von Herakleia weiterfahrend, gelangen die A. zum Kallichorosflusse, wo sie an dem Grabe des einst mit Herakles in diese Gegend gelangten Sthenelos Opfer verrichten und dem Apollon Neossoos einen Altar stiften. Orpheus weiht dort seine Leier, wonach der Platz später Lyra hiess (Apoll. Rhod. II 911ff. Promathid. frg. 4. Pott Philol. Suppl. II 266). Von dort kommen sie nach Sinope, wo es nach Strab. I 46 πολλὰ τεκμήρια τῆς τε Ἰάσονος στρατείας καὶ τῆς Φρίξου gab; hatten doch z. Β. die Α. dem Euarchosflusse seinen Namen gegeben (Euphor. frg. 86. Etym. M. 388, 45), und galt doch Sinopes Pflanzstadt Kytoros für eine Gründung des Phrixossohnes Kytoros oder Kytisoros (Ephor. frg. 85. Strab. XII 544. Steph. Byz. s. v. Mela I 104. Eustath. Hom. p. 361, 41). Als Oikistes verehrten die Sinopeer Autolykos, den Grossvater des Odysseus und des Sinon (= Sinopos), vom Parnassos (auch Sinope heisst Tochter der Parnasse, Schol. Αp. II 946) oder nach anderer Auffassung einen anderen Autolykos, den Sohn des Deimachos aus Trikka. Von diesem Oikistes erzählten die einen, er sei mit den A. nach Sinope gekommen und dort zurückgeblieben und gestorben (vgl. Strab. XII 546. Apollod. I 9, 16, 8), [764] während die anderen ihn nebst seinen Brüdern Phlogios und Deileon (Demoleon) mit Herakles in jene Gegend gelangen lassen (vgl Skymn. 944ff. Anon. Peripl. Pont. Eux. 22. Appian. Mithrid. 83. Plut. Lucull. 23). Apollonios vereinigte beide Versionen und dichtete, Autolykos und seine Brüder seien zwar mit Herakles dereinst gekommen, aber mit den A. wieder von Sinope abgefahren (II 955ff. nebst Schol. Val. Flacc. V 113ff. Hygin. fab. 14), eine Wendung, die mit dem Grabkult des Autolykos in Sinope in Widerspruch steht. Östlich von Sinope am Halys galt ein Hekatetempel als Stiftung der Medea und der Α., die dort auf der Rückfahrt von Kolchis gelandet sein sollten (Ap. IV 247 nebst Schol. Nymphis frg. 14). Dann folgt der Thermodon, der einst für die A.-Sage von Bedeutung gewesen zu sein scheint. Wenigstens gab es eine Version, dass die A. durch den Thermodon in den Phasis gelangt wären (Hygin. fab. 21); hier mögen Kämpfe mit den Amazonen (vgl. Ap. II 985) und Chalybern angeknüpft sein, hier fand der A. Polyphemos seinen Tod (Ap. Ι 1321. IV 1470 nebst Schol. Nymphodor. FHG II 380, 18. Hygin. fab. 14). An der Südküste des Pontos galt endlich das iasonische Vorgebirge als Ankerplatz der Argo (Xenoph. anab. VI 2, 1), und weiterhin wurden wohl auch jene iasonischen Gärten gezeigt, von denen Timonax FHG IV 522, 2 spricht.

Glaukos

15. Glaukos. Zwei weitere Episoden, das Zusammentreffen mit Glaukos und das Abenteuer bei der Aresinsel, werden an verschiedenen Stellen der Argofahrt eingereiht. Nach Ap. Ι 1310ff. II 767 erscheint der Meergott den A. bei Kios und verkündet ihnen das Los des Herakles, Polyphemos und Hylas. Nach Diodor IV 48, 6 begleitet er dagegen die Argo zwei Tage und Nächte auf der Rückfahrt durch den Pontos. Philostr. imag. II 15 schildert dies als Scene der Hinfahrt. Possis endlich (Athen. VII 296 d. Eustath. Hom. 271, 24) erzählt, Glaukos sei der Erbauer und Steuermann der Argo gewesen und sei bei einem Kampfe der Α. und Tyrrhener (dessen Schauplatz einige bei Lemnos, andere bei Kyzikos vermuten) allein unverwundet geblieben, auf Zeus Ratschluss aber zum Meergott geworden und als solcher dem Iason erschienen; vgl. Gaedechens Glaukos der Meergott 81.

Aresinsel

16. Aresinsel. Dass die A. nach einer Insel kamen, wo schreckliche Vögel hausten, die ihre Federn als Pfeile herabschleuderten, scheint ein älterer Zug der Sage zu sein, jedenfalls älter als die bestimmte Localisierung (vgl. O. Müller Orchomen. 282): denn Hygin. fab. 20 (vgl. fab. 3. 14. 21) verlegt diese, bei ihm Dia genannte Insel in die Nähe der Symplegaden westlich vom Thermodon, während Apollonios II 382ff. 1030ff. von der Aresinsel (vgl. Skylax 86. Skymn. 911 u. a.) im östlichen Pontos spricht. Beide erzählen, dass die A. mit Waffengeklirr die Vögel verscheucht hätten; Peisandros (Schol. Ap. II 1088) fügt hinzu, dieselben seien nunmehr nach Skythien, ihrer eigentlichen Heimat, zurückgeflogen; ob auch Euripides Phrixos frg. 835 und Timagetos FHG IV 519, 4 auf diese Sage eingingen, steht dahin. Nach Apollonios (II 388ff. 1090ff. III 260ff. 320ff.) und Hygin (fab. 3. 14. 21) trafen die A. auf ebenderselben Insel die Söhne des Phrixos [765] und der Chalkiope, Argos, Kytisoros, Melas und Phrontis, welche auf der Fahrt nach Griechenland Schiffbruch erlitten hatten und nun mit den A. nach Kolchis zurückkehrten (dasselbe confus erzählt bei Schol. Stat. Theb. II 281. Myth. Vat. I 23. II 136). Die ältere Sage weiss von dieser Begegnung nichts, sondern denkt sich die Phrixossöhne vor dem A.-Zuge zurückgekehrt (vgl. z. Β. Pherekyd. frg. 61. Herodor. und Timosthen. bei Schol. Ap. II 532 u. a.), Val. Flacc. V 460ff. und Orph. Arg. 861ff. verlegen die Begegnung nach Kolchis.

Kolchis

17. Kolchis. Als Iason nach all diesen Abenteuern nach Kolchis kam und Aietes, den König des Landes, um die Auslieferung des goldenen Vliesses bat (auf die Einzelheiten der verschiedenartigen Darstellungen bei Apoll. III–IV. Val. Flacc. V–VIII. Orph. Arg. 757ff. u. a. kann hier nicht näher eingegangen werden), beschloss dieser, auf Grund eines alten Orakels um Thron und Leben besorgt (vgl. Herod. frg. 51. Ap. III 594ff. Hygin. fab. 22. Serv. Georg. II 140. Schol. Stat. Achill. I 65. Myth. Vat. I 25), ihn zu verderben, und trug ihm daher schwierige Aufgaben auf, die Iason nimmer vollendet hätte, wäre nicht des Aietes Tochter Medea, in Liebe entflammt, zu seiner Unterstützung bereit gewesen. Die Lösung durch Medeas Liebe ist das Wesentliche, das Gemeinsame aller Darstellungen seit der ältesten Zeit (z. B. Hesiod. Theog. 992ff. Mimnerm. frg. 11 nebst Kaibel Herm. XXII 510. Kypselidenlade: Paus. V 18, 3). Daher werden auch die Gewinnung von Medeas Liebe durch den Beistand der Götter (Hera, Athena, Aphrodite, Eros), Medeas Liebesqualen, die erste Begegnung sowie jene heimlichen Zusammenkünfte, bei denen Medea dem Iason über die Athla Auskunft giebt und ihm gegen das Versprechen der Ehe das unverwundbar machende Mittel ausliefert (die prometheische Salbe, Ap. III 845f. Kleanthes bei Ps.-Plut. de fluv. 5, 4), besonders breit ausgeführt; vgl. z. Β. Pind. Pyth. IV 214ff. (wo Aphrodite mit der Iynx eingreift). Soph. Kolchid. Schol. Ap. III 1040. Eurip. Med. 476ff. 527ff. Ap. III 6ff. u. ö. Apollod. I 9, 23. Horat. Epod. III 9ff. Ovid. met. VII 9ff.; Heroid. XII. Val. Flacc. V 329ff. u. ö. Hygin. fab. 22. Orph. Arg. 866ff. In Bezug auf die Athla selbst finden sich mancherlei Unterschiede. Nach der einen Version war die Bekämpfung eines Drachens, der das goldene Vliess hütete, die Hauptaufgabe. Nach einer anderen, vermutlich in Boiotien entstandenen Version hatte Iason dieselben Abenteuer zu bestehen wie Kadmos: er musste einen Drachen töten, dessen Zähne auf einem von ihm mit feuerschnaubenden wilden Stieren gepflügten Felde säen und die aus dieser Saat emporsprossenden gewappneten Riesen besiegen (diese Reihenfolge der Athla bei Serv. Georg. II 140. Myth. Vat. I 25. II 136; vgl. Müller Orchom. 261. H. D. Müller Mythol. der griech. Stämme II 340ff.). Wer beide Versionen berücksichtigen wollte, hätte eigentlich einen doppelten Drachenkampf erzählen müssen, den einen als Einleitung, den andern als Abschluss der Athla. Dies vermied man jedoch auf verschiedene Weise. Pindar Pyth. IV 224ff. unterdrückt z. Β. die Saat der Drachenzähne und alles, was an den ersten Drachen anknüpft: Aietes veranstaltet einen [766] Wettkampf mit Iason, indem er selbst zuerst die Stiere bändigt und das Feld umpflügt; als dann Iason dasselbe zu stande bringt, schickt Aietes ihn sofort (αὐτίκα 241) gegen den gewaltigen Drachen, der das Vliess zwischen seinen Zähnen hält und erst mit dem Tode von seinem Schatze lässt. In den Naupaktien (frg. 5–9) scheint dagegen der andere, vliesshütende Drache unterdrückt zu sein: nachdem Iason auf Idmons Weisung die Bändigung der Stiere unternommen (und die Drachenzähne gesät, sowie die Gewappneten bezwungen hat), ladet Aietes die A. zu einem Mahle ein, in der Absicht, sie dabei zu verderben; aber Aphrodite flösst ihm Liebesverlangen nach seiner Gemahlin ein; während er bei der Gattin weilt, entwendet Medea das Vliess aus dem väterlichen Hause und die A. fliehen auf Idmons Rat. Die Späteren endlich beseitigen jene Schwierigkeit des doppelten Drachenkampfes durch die Fabel: die Drachenzähne, welche Iason säen musste, stammten nicht von einem durch Iason getöteten Drachen, sondern von dem Kadmosdrachen; Kadmos habe seiner Zeit nur die Hälfte der Zähne verbraucht, die andere Hälfte sei von Ares, Athena oder Phrixos nach Kolchis gebracht und dem Aietes geschenkt, der sie nun Iason übergab (Pherekyd. frg. 44. Ap. III 1177. Apollod. I 9, 23, 4. Val. Flacc. VII 76. Orph. Arg. 872. Tzetz. Lyk. 175). Damit wurde die Reihenfolge der Ereignisse in Kolchis die später geläufige. Zunächst schirrt Iason die feuerschnaubenden, erzfüssigen, von Hephaistos geschaffenen Stiere an und pflügt mit ihnen das Aresfeld (vgl. Soph. Kolchid. frg. 312. Pherekyd. frg. 71. Herodor. frg. 51. Antimach. Lyd. frg. 9. Eurip. Med. 478f. nebst Schol. Lykophr. 1314. Asklepiad. bei Schol. Hom. Od. XII 69, wo scheinbar von einem Töten der Stiere die Rede ist. Ap. III 230ff. 409ff. 495ff. 1280ff. nebst Schol. II 404. III 1270. Apollod. I 9, 23, 8. Ovid. met. VII 100ff.; Heroid. VI 10. 32. XII 93. Val. Flacc. VII 581. Hygin. fab. 21. Orph. Arg. 870ff.). Darauf sät er die Drachenzähne und schleudert, als aus der Saat die gewappneten Männer emporsprossen, nach Medeas Weisung einen Stein unter dieselben, worauf sie sich wechselseitig morden (vgl. Eumel. frg. 9. Sophokl. frg. 117. Ap. III 1320ff. Apollod. I 9, 23, 9. Ovid. met. VII 121ff.; Heroid. XII 95ff. Val. Flacc. VII 607. Hygin. a. a. O. Lucan. IV 552f. Orph. Arg. 874; nach Myth. Vat. II 136 liegen zwischen Saat und Aufsprossen zwei Tage). Endlich folgt der Kampf mit dem Drachen, welcher im heiligen Hain des Ares das an einer Eiche aufgehängte oder im Tempel des Ares liegende Vliess bewacht (nach Hellanik. frg. 87 liegt es in einem Zeusheiligtum, nach Pherekyd. bei Schol. Ap. III 1093 auf der Aiaiainsel im Phasis). Entweder schickt Aietes selbst den Iason dorthin (Pind. Pyth. IV 241. Herodor. frg. 53, bei welchem auf die Tötung des Drachens frg. 54 das Mahl in Aietes Haus wie in den Naupaktien folgt), oder es führt Medea, während Aietes noch Böses sinnt, die A. heimlich zu jenem Platze. Nach der einen Version tötet Iason den Drachen (Pind. Pyth. IV 249. Pherekyd. frg. 72. Herodor. frg. 53. Eurip. Med. 480; über die Vasenbilder vgl. Abschnitt III); nach der andern schläfert Medea ihn mit Zaubermitteln ein und verschafft so Iason die [767] Gelegenheit, das Vliess zu entwenden (Antimach. Lyd. frg. 10. Ap. IV 1–182. Lykophr. 1313. Apollod. I 9, 23, 10. Val. Flacc. VIII 1–120. Ovid. met. VII 149ff.; Heroid. XII 101. Hygin. fab. 22. Orph. Arg. 887–1019. Tzetz. Lyk. 175). Von einer völlig abweichenden Wendung, nach welcher Iason von dem Drachen verschlungen und wieder ausgespieen wurde, zeugt das Vasenbild Mon. d. Inst. V 9 (s. u.).

Euhemeristisch und mit Elementen der Iphigeneiasage durchsetzt ist die Erzählung des Dionysios Skytobrachion (Schol. Ap. III 200. IV 223. 228. Diod. IV 46ff.): Medea, die Tochter des Aietes und der Hekate, pflegte ihre Zauberkünste zur Errettung der von ihrem Vater verfolgten Fremden zu verwenden; dadurch verdächtig geworden, wurde sie von Aietes gefangen gesetzt, flüchtete jedoch in ein Heliosheiligtum am Strande. Hier traf sie mit den von Taurien kommenden A. zusammen und führte dieselben, nachdem Iason ihr die Ehe versprochen hatte, zu dem Aresheiligtum, wo von taurischen Wächtern bewacht (daher die Fabel von den feuerschnaubenden ταῦροι), das Goldvliess lag. Auf Medeas Wort öffnen die Wächter das Thor und werden alsbald von den A. angegriffen, vertrieben oder getötet; nachdem Medea sodann den Drachen durch Zaubermittel getötet hat, fliehen die A. mit der Beute. Aietes verfolgt sie, tötet den Bruder des Eurystheus, Iphis (Schol. Ap. IV 222. 228. Val. Flacc. I 441ff. VII 423) oder Iphitos (Diod. IV 48, 4), wird aber selbst von Meleager niedergestreckt. In der Schlacht werden mehrere A. verwundet, die Medea jedoch in wenig Tagen heilt. Bei Val. Flaccus, der gerade die Abenteuer in Kolchis ziemlich willkürlich erweitert, ist im sechsten Buche noch eine grosse Schlacht zwischen Aietes und seinem Bruder Perses eingeschoben, in welcher die A. auf Seiten des Aietes kämpfen. Dracontius Medea dichtet die Sage nach der Orestes-Iphigeneiasage vollständig um: Iason schwimmt allein an das Land, wird gefangen, in den Tempel der Diana geführt und soll gerade von Medea geopfert werden, als Amor dieselbe mit seinem Pfeil trifft. Da löst sie die Bande, begrüsst ihn als Gemahl und mit Aietes Einwilligung wird endlich die Hochzeit vollzogen, worauf das Paar noch vier Jahre im Kolcherlande verweilt.

Im Gegensatz zu all diesen Versionen, welche den Aietes als Feind der A. hinstellen, erzählt Timonax FHG IV 522, 2 (Schol. Ap. IV 1217), dass Aietes willig dem Iason seine Tochter gegeben habe und dass die Hochzeit in Kolchis selbst gefeiert sei (vgl. Antimach. Lyd. frg. 11), in Aia werde ausser anderen Erinnerungen (γυμνάσια, δίσκοι, ein Iasonheiligtum bei der Stadt) auch das Brautgemach der Medea gezeigt.

Als Beweis, dass die A. wirklich in Kolchis und in den benachbarten Ländern geweilt hätten, wird noch mancherlei aufgeführt: die Stadt Aia am Phasis oder am Zusammenfluss des Hippos und Kyaneos (vgl. Bd. I S. 920), Aiapolis (Ptol. V 10, 2), Kytaia, nach welchem Aietes und Medea das Beiwort kytaeisch (z. Β. Lykophr. 174. Kallim. frg. 113b. Euphor. frg. 10. Ap. II 403. 1094. III 228 u. a.) führen (Schol. Ap. II 399. Steph. Byz. s. v. Tzetz. Lyk. 174. Procop. bell. Goth. IV 14. Agathias II 19, vgl. Müller Geogr. gr. min. I 62), [768] der Anker der Argo (Arrian. Peripl. 11), ein Phrixostempel am Phasis und der Hain, in welchem das Vliess lag (Mela I 108, vgl. Val. Flacc. V 185ff. u. a.), das kirkaeische Feld (Tim. frg. 9. Schol. Ap. II 399. Plin. VI 13); sodann im Inneren des Landes eine Phrixosstadt (Strab. I 45. XI 499), ein von Phrixos gegründetes Heiligtum der Leukothea und ein Orakel des Phrixos (Strab. XI 498. Tac. ann. VI 34). Des weiteren galt Dioskurias, nach Nikanor bei Steph. Byz. s. v. das alte Aia, für eine Gründung der Dioskuren als Argonauten (Mela I 111. Hygin. fab. 275. Appian. Mithrid. 101) oder ihrer Wagenlenker (ἡνιόχοι) Amphistratos und Rhekas(?) oder Amphitos und Telchis(?), welche auch dem Stamme der Heniocher seinen Namen gegeben haben sollten (Strab. XI 495f. Eustath. Dion. Per. 687. Iust. XLII 3. Charax frg. 15. Plin. VI 16. Solin. 15, 17. Ammian. XXII 8, 24. Ps.-Plut. pro nobil. 20, 3. Isidor. orig. XV 1, 40; vgl. Dionys. Per. 687. Lucan. Phars. III 269. Mommsen Herm. XVI 623, 3). Die Achaioi (vgl. Bd. I S. 204f.), von denen es sonst hiess, sie seien nach dem troianischen Kriege von Askalaphos und Ialmenos (oder von Achilleus, Schol. Eustath. Dion. Per. 680. 685) an die Pontosküste geführt (z. Β. Pherekyd. bei Schol. Dionys. Per. 685. Strab. IX 416 u. a.), sollten nach anderen von den Genossen Iasons stammen (Strab. IX 495), unter denen ja gleichfalls Askalaphos und Ialmenos auftreten (Apollod. I 9, 16, 9); ebenso die Albaner und Iberer (Tac. ann. VI 34. Plin. VI 38. Solin. 15, 5) und die nach Iasons Begleiter Armenos genannten Armenier (Strab. XI 503. 530f., vgl. 526 und I 45. 48. Iust. XLII 2–3. Eustath. Dionys. Per. 694. Eustath. Hom. Il. 332, 2). Ja noch weiter nach Osten glaubte man für die Anwesenheit Iasons und Medeas Spuren nachweisen zu können in dem Ἰασόνιον ὄρος (Strab. XI 526), der Stadt Ἰασόνιον (Ammian. XXIII 6, 54. Ptolem. VI 10, 3) und dem von Medea oder ihrem Sohn Medos abgeleiteten Namen der Meder.

Die Heimfahrt. Verfolgung durch Aietes oder Apsyrtos

18. Die Heimfahrt. Verfolgung durch Aietes oder Apsyrtos. Nach den älteren Gewährsmännern fuhren die A. den Phasis hinauf in den Okeanos, richteten dort ihren Weg südwärts und gelangten schliesslich durch das erythraeische Meer und die libysche Wüste, wo sie die Argo 12 Tage lang auf ihren Schultern tragen mussten, in den Tritonsee oder, wie Hekataios annahm, durch den Nil in das Mittelmeer (Hesiod. frg. 87. 88. Pind. Pyth. IV 25ff. 251 nebst Schol. Hekat. frg. 339. 187 nebst Schneider Callim. II 81 und v. Gutschmid bei Stender De Argonaut. exped. 8. Antimach. Lyd. frg. 12. Tzetz. Lyk. 886). Nachdem man erkannt hatte, dass der Phasis nicht mit einem östlich gelegenen Meere in Verbindung stand (vgl. Artemid. und Eratosth. Schol. Ap. IV 284), musste man einen anderen Weg suchen. Daher liessen die einen das Schiff auf demselben Wege heimkehren, auf dem es gekommen war (Sophokl. Skythai frg. 504. Eurip. Med. 432. 1263. Herodor. frg. 55. Dionys. Skytobr. bei Schol. Ap. IV 1153. Diod. IV 48f.). Die andern aber – und dies war in der späteren Zeit die geläufige Annahme – liessen die A. in die westlichen Meere geraten, und zwar entweder durch den Tanais, von dessen Quellen die A. das Schiff auf ihren Schultern in den nördlichen Okeanos trugen, [769] um nach langer, westwärts gerichteter Fahrt dann bei den Säulen des Herakles in das Mittelmeer einzubiegen (Timaios frg. 6. Skymn. bei Schol. Ap. IV 284; vgl. Orph. Argon. 1038ff.), oder durch den Istros und dessen angeblichen Nebenarm, der in das keltische, tyrrhenische oder adriatische Meer führte (Timaget. bei Schol. Ap. IV 259. 284. Ap. Rhod. IV. Apollod. I 9, 24. Ps.-Aristot. mirab. 105 p. 839 b 9. Strab. I 46. Diod. IV 56, 7. Val. Flacc. VIII 185. Hygin. fab. 23). Bei Kallim. frg. 377. 563 fährt, wie es scheint, ein Teil der Kolcher durch den Istros, während die A. und der andere Teil der Kolcher durch die Kyaneen fahren (anders Schneider Callim. II 81). Als endlich jene Spaltung des Istros in zwei Arme als unrichtig erwiesen war, änderte man die Sage dahin, dass man erzählte, die Argo sei zwar den Istros und die Sau hinaufgefahren, dann aber auf den Schultern der Helden oder auf Walzen zu einem in das adriatische Meer mündenden Fluss hinübergetragen (Peisandr. bei Zosim. V 29. Iust. XXXII 3. Plin. III 128. Sozom. hist. eccl. I 6; vgl. Vater Argonautenzug II 142. Stender a. a. O. 53).

Aietes liess die A. jedoch nicht unbehelligt davonziehen, sondern machte sich alsbald zu ihrer Verfolgung auf oder schickte ihnen seine Leute und Schiffe nach. Um die Verfolger aufzuhalten, zerstückelten Medea und die A. den jungen Sohn des Aietes Apsyrtos (Axyrtos: Pherek. frg. 73; Aigialeus: Diod. IV 45, 3. Iust. XLII 3. Pacuv. bei Cic. nat. deor. III 48; Metapontios: Dikaiog. bei Schol. Eurip. Med. 167; Phaethon: Timonax bei Schol. Ap. III 1236. Ap. III 245. 1236), der freiwillig oder gezwungen von ihnen mitgenommen war (über die Einzelheiten s. den Artikel Apsyrtos). Nach Sophokl. Kolchid. frg. 319. Eurip. Med. 167. 257. 1334 (vgl. Schol 167. 1334). Kallim. frg. 411 wurde die Greuelthat noch im Palaste des Aietes verübt, nach Pherekyd. frg. 73 im Phasis, nach Arrian. Peripl. 6, 3. Procop. bell. Goth. IV 2 p. 465, 9. Hygin. fab. 26 in Apsaros, nach anderen bei Tomoi, Apollod. I 9, 24 (Zenob. IV 92). Steph. Byz. s. Τομεύς. Ovid. Trist. III 9, 6ff.; Heroid. VI 129. XII 113ff. 160; met. VII 54; vgl. Ael. hist. anim. XIV 25. Lykophr. 1318 nebst Schol. Cic. pro leg. Manil. 22. Sen. Med. 133. 278. 455. 919ff. u. ö. Phaedr. IV 6, 15. Tzetz. Lykophr. 175. Leon Rhet. bei Schol. Eurip. Med. 175.

Eine andere Auffassung lässt den Apsyrtos älter sein und von Aietes zur Verfolgung der A. ausgesandt werden. Er fährt ihnen nach durch den Istros (während ein andrer Teil der Kolcher durch den Bosporos segelt), trifft die Α., verlegt ihnen den Weg und findet nach hinterlistigen Verhandlungen der A. auf den apsyrtischen Inseln im adriatischen Meere seinen Tod, Ap. IV 303–487. Strab. VII 315. Steph. Byz. s. Ἀψυρτίδες. Plin. III 151 u. a., ähnlich Val. Flacc. VIII 134ff. Hygin. fab. 23. Orph. Arg. 1024ff., wo Apsyrtos bereits im Phasis getötet und sein Leichnam nach den apsyrtischen Inseln verschlagen wird.

Die Kolcher selbst (auch diejenigen, welche später auf Korkyra mit den A. zusammentrafen) kehrten aus Furcht vor Aietes nicht wieder in ihr Vaterland zurück, sondern siedelten sich in verschiedenen Gegenden am adriatischen Meer an, [770] in Istrien, Illyrien oder Epeiros: in Polai (Kallim. frg. 104. Lykophr. 1022ff. nebst Schol. Tzetz. Mela II 57) am Dizeros, der nach dem Suchen der Medea benannt sein sollte (Lykophr. 1026 nebst Schol. Tzetz. Steph. Byz.), bei Aquileia (Iust. XXXII 3, 13), auf den Apsyrtosinseln (Ap. IV 514–515. Hygin. fab. 23. Apollod. I 9, 25, 3. Dionys. Perieg. 488 nebst Eustath.), im Lande der Encheleer (Ap. IV 516ff., wo offenbar Kallim. frg. 104 corrigiert wird), an den keraunischen Bergen, wo Orikon von ihnen gegründet sein soll (Timaios frg. 53. Ap. IV 519. 1214f. Apollod. I 9, 25, 3. Plin. III 145) oder in Olcinium, das früher angeblich Colchinium hiess (Plin. III 144).

Abenteuer in den westlichen Meeren

19. Abenteuer in den westlichen Meeren. Nach Ap. IV 522 gelangen die A. von den Apsyrtosinseln aus zu den Hylleern, welche gegen das Geschenk eines Dreifusses den Weg durch die gefährliche Inselgruppe weisen. Als sie von dort nach Süden fahren und bereits die keraunischen Berge erblicken, treiben Stürme sie nach Norden zurück und die Argo selbst verkündet, dass man zuvor bei Kirke Entsühnung von dem Mord des Apsyrtos suchen müsse, um Zeus zu besänftigen. Daher fahren sie in den Eridanos ein, durch diesen in den Rhodanos, wo sie fast auf falschem Wege nach dem nördlichen Okeanos gekommen wären, doch von Hera zurechtgewiesen wurden. Nachdem sie das Land der Kelten passiert (Ap. IV 635, vgl. Timaios frg. 6 bei Diod. IV 56, 4, wo der Dioskurenkult von dieser Anwesenheit der A. abgeleitet wird), kommen sie schliesslich in das ligurische Meer, zu den Stoichaden, wo noch später Altäre der Dioskuren als ihre Stiftung gezeigt wurden (Ap. IV 650ff.), von dort nach Aithaleia: hier wies man nachmals auf verschiedene Erinnerungszeichen hin, auf den argoischen Hafen, auf die hautfarbenen Kiesel, mit denen die A. sich den Schweiss abgerieben hatten, auf Diskosscheiben und Waffen der Helden (Timaios a. a. O. Ap. IV 654ff. Ps.-Aristot. mirab. 105. Strab. I 21. V 224), vielleicht auch auf einen von den A. gestifteten Heraklestempel (Lykophr. 871ff. nebst Schol. Tzetz., von anderen auf Sicilien oder Libyen bezogen). Längs der etrurischen Küste (Ap. IV 660), wo der Hafen Telamon von dem gleichnamigen A. seinen Namen empfing (Tim. a. a. O.), gelangen sie nach der Aiaiainsel zur Kirke, die zwar Iason und Medea von dem Mord des Apsyrtos entsühnt, dann aber Medea von sich weist (Ap. IV 661–752. Apollod. I 9, 24, 5. Strab. V 224). Der Ort Aietes (Caieta) empfing damals von den A. seinen Namen (Lykophr. 1274 nebst Schol. Tzetz. Tim. a. a. O.), wie auch andere σημεῖα weiter südlich am Golf von Paestum gezeigt wurden (Strab. I 21), ein Tempel der Iuno Argiva nördlich vom Silarus (Plin. III 70. Solin. 2, 7) und ein Tempel der Hera Argonia (dasselbe Epitheton bei Schoell-Studemund Anecd. I 269) südlich vom Silarus (Strab. VI 252). Von einem Aufenthalt am Fuciner-See, wo Medea Heilmittel gegen den Schlangenbiss lehrt und daher als Angitia verehrt werde, berichtet Serv. Aen. VII 750. Myth. Vat. II 136.

Die Fortsetzung der Fahrt schildert Apollonios getreu nach Hom. Od. XII. Wie Odysseus, so gelangen auch die A. von der Kirkeinsel zunächst nach der Sireneninsel. Cheiron hatte einst [771] dem Iason geraten, Orpheus als Genossen mitzunehmen, sonst könne er bei den Sirenen nicht glücklich vorbeikommen (Schol. Ap. I 23). Und in der That rettete nur sein Lied, das den Gesang der Sirenen übertönte, die Helden. Nach Orph. Arg. 1270ff. war sein Lied so mächtig, dass die Sirenen sich im Schmerz über ihre Niederlage ins Meer stürzten, wo sie zu Felsen wurden. Nach Ap. IV 891ff. Apollod. I 9, 25. Hygin. fab. 14 errettete Orpheus zwar die übrigen Gefährten, Butes aber, der Sohn des Teleon aus Athen, sprang in das Meer hinab, um zu den Sirenen zu schwimmen, und wäre zu Grunde gegangen, wenn nicht Aphrodite Erykine sich seiner erbarmt und ihn nach Lilybaeum gerettet hätte, wo sie sich ihm vermählte und ihm den Eryx gebar, eine Sage aus der Zeit der attischen Ansprüche auf Sicilien (andere Versionen über den Butes auf Sicilien z. B. bei Diod. IV 83; Stender De Argonaut. expeditione 6 glaubt, dass auch erzählt sei, Butes, der Sohn des Amykos, habe sich im Bebrykerland den A. angeschlossen und dann in Sicilien sein Ende gefunden).

Sodann kommen die A. zu jener Stelle (Hom. Od. XII 57ff.), wo hier Skylla und Charybdis, dort die Plankten drohen (Ap. IV 922ff.; vgl. Ovid. met. VII 62ff.; Heroid. XII 121). Was Hom. Od. XII 69ff. von der Vorbeifahrt bei den Plankten und Heras Hülfe erzählt, konnte Apollonios nicht wiederholen, da er dies bereits mit jenen Autoren, welche die homerischen Plankten in den Symplegaden wiederfanden, von eben jenen Symplegaden erzählt hatte (s. o. Abschnitt 12). Daher lässt er Thetis an die Stelle der Hera treten und erzählt in breiter Ausführung IV 753ff. 930ff., wie Hera durch Iris Thetis zu sich entbietet, den Hephaistos um Einstellen seiner Schmiedearbeit und Aiolos um das Zurückhalten der widrigen Winde bittet, wie dann Thetis noch auf der Kirkeinsel dem Peleus erscheint und endlich die Argo bei den Plankten vorbeiführt; vgl. Apollod. I 9, 25, 2. Ps.-Aristot. mirab. 105. Orph. Arg. 1253ff., der, vielleicht durch Ap. IV 789ff. irregeleitet, von der Charybdis spricht. Möglich, dass ältere Beziehungen der Thetis zur Argosage bei dieser Erzählung mitspielen. Nach Catull LXIV erblickte Thetis den Peleus bei Gelegenheit des A.-Zuges zum erstenmal. Plut. de Herodot. malign. 39, 13 kennt eine Version, nach welcher Iason später in Korinth die Thetis liebte und der Medea deshalb untreu wurde (wozu die Rivalität zwischen Medea und Thetis bei Ptol. Heph. 5 p. 191, 23 Westerm. passen würde).

Von den Plankten aus gelangen die Α., ebenso wie Odysseus, bei Trinakria und den Heliosrindern vorüber (Ap. IV 965ff. Apollod. I 9, 23, 3) nach der Phaiakeninsel Korkyra. Hierhin war schon in sehr früher Zeit der Medeakult aus Korinth übertragen (Müller Orchom. 292f.); hier wurden der Medea noch späterhin in dem Tempel des Apollon Nomios Opfer dargebracht, die Altäre der Nymphen und Nereiden oder Moiren galten als ihre Stiftung zum Andenken an die Vermählung mit Iason (Timaios frg. 7. Ap. IV 1215ff. nebst Schol. 1217. 1218) und man zeigte die heilige Grotte, in welcher die Hochzeit gefeiert war (Ap. IV 1151). Der Abschluss des Ehebundes stand im Mittelpunkt der altkorkyraeischen [772] Sage, und es scheint, dass man eben wie in Korinth von Kindern dieses Bundes erzählte, die vor der Zeit sterben mussten, vgl. Naupakt. frg. 10. Die alte selbständige locale Sage von Korkyra ist verloren gegangen. Unsere Quellen knüpfen sämtlich an die landläufige A.-Sage an. Die Naupaktien frg. 10 lassen Iason und Medea von Iolkos nach Korkyra zu dauerndem Aufenthalt übersiedeln. Die späteren Autoren flechten den Aufenthalt als einen vorübergehenden in den Zusammenhang des Zuges ein. Danach treffen die A. und jener Teil der Kolcher, welcher die Verfolgung durch den Bosporos aufgenommen hatte, auf der Insel zusammen. Die Kolcher verlangen Medeas Auslieferung und rufen die Entscheidung des Königs Alkinoos an. Dieser erkennt auf Auslieferung, falls Medea und Iason noch unvermählt seien. Alkinoos Gattin Areta bereitet heimlich das Brautlager und da Iason und Medea die Brautnacht gefeiert, stehen die Kolcher von ihren Forderungen ab; davon erzählten ausführlich Timaios frg. 7. 8. 53. 54. Kallim. frg. 377. 563. Ap. IV 982ff. Philetas bei Schol. Ap. IV 1141. Apollod. I 9, 25. Hygin. fab. 23. Orph. Arg. 1295ff.

Die Sage, dass Iason und Medea auch nach Thesprotien gekommen seien, in Ephyra gelebt und einen Sohn Pheres gezeugt hätten, von dem der Hom. Od. I 259 genannte Mermerossohn Ilos (oder Iros: Proxen. Schol. Hom. Od. a. a. O.) abstammte (Apollod. frg. 170. Schol. Hom. a. a. O. Eustath. 1416, 2. 1448, 29), steht mit der korinthisch-korkyraeischen Sage in engstem Zusammenhang. Kehren doch die Namen Mermeros und Pheres für die Söhne Iasons und Medeas hier wie dort wieder, und wird doch auch nach den Naupaktien frg. 10 der Iasonide Mermeros in Thesprotien von einer Löwin zerfleischt. Das thesprotische Ephyra macht dieselben Ansprüche auf Medea, wie Ephyra-Korinth und das elische Ephyra (Krates Schol. Hom. Il. XI 741).

Libyen

20. Libyen. Als die A. von Korkyra heimwärts fahren, werden sie durch einen gewaltigen Sturm nach Libyen verschlagen, so berichten Ap. IV 1228ff. Diod. VI 56, 6. Orph. 1348 u. a. Nach der älteren Version (Hesiod., Pind., Hekat., s. Abschnitt 18) gelangen sie dorthin von Osten, vom Okeanos her. Herodot IV 179 knüpft gar an eine besondere Fahrt der Argo nach Delphi an. Auch sonst finden sich manche Verschiedenheiten und bei unserer Hauptquelle, Apollonios, eine Vermischung ursprünglich getrennter Motive. Am bekanntesten ist die an den A. Euphemos anknüpfende kyrenische Sage, welche Pind. Pyth. IV nach der Euphemos-Eoee Hesiods wiedergiebt; 12 Tage hatten die A. ihr Schiff vom Okeanos bis zum tritonischen See getragen, da nahte in dem Augenblick der Abfahrt der οἰοπόλος δαίμων (die Erklärungen aus alter und neuer Zeit bei Studniczka Kyrene 105) in Menschengestalt, der sich für den Poseidonsohn Eurypylos ausgab. Freundlich hiess er die A. weilen und hob, da sie zur Abfahrt drängten, als Gastgeschenk eine Scholle empor, die unter glückverheissenden Zeichen Euphemos ergriff. Auf der weiteren Fahrt glitt die Scholle bei Thera durch die Unachtsamkeit der Diener ins Meer, und so konnte denn, wie Medea alsbald weissagte, das von Euphemos und einer [773] Lemnierin abstammende Geschlecht erst in der 17. Generation auf dem Umweg über Sparta und Thera von Libyen Besitz ergreifen und Kyrene gründen. In Werken über Kyrene und Libyen war diese Sage des weiteren ausgeführt (Schol. Ap. IV 1552), z. Β. von Akesandros FHG IV 285, Menekles FHG IV 449, Theochrestos FHG II 87; Herodot IV 145ff. giebt ihre mythisch-historische Fortsetzung; Apollonios IV 1551ff. erzählt sie combiniert mit anderen Zügen der libyschen A.-Sage; andere Quellen, vor allem die Scholien zu Pind. Pyth. IV fügen noch weitere Einzelheiten hinzu; vgl. O. Müller Orchom. 307ff. Studniczka Kyrene 105ff.

Eine andere Sage, deren Ursprung minder aufgeklärt ist, berichtet: als die Argo, von Stürmen verschlagen, in den Tritonsee geraten war und den Ausweg nicht finden konnte, erschien endlich Triton, verlangte einen Dreifuss als Lohn und führte, als er denselben erhalten hatte, das Schiff zum Ausgang des Sees. An diesen Dreifuss, den er in sein Heiligtum brachte, knüpfte er die Prophezeiung, dass, wenn ein Nachkomme der A. ihn entführen werde, Libyen von den Griechen colonisiert und 100 hellenische Städte um den Tritonsee gegründet würden; als dies die Libyer hörten, versteckten sie den Dreifuss. Vgl. Herodot. IV 178f. Lykophr. 877ff. nebst Paraphras. Schol. Tzetz. Diod. IV 56, 6. Bei Herodot spielt dabei die Insel Phla eine Rolle, bei Lykophron Ausigda, bei Diodor Euhesperitai. Ap. IV 1548ff. vermischt dagegen diese Dreifusssage mit der Euphemossage.

An verschiedenen Orten zeigte man auch noch besondere Erinnerungen an die A. So den Argohafen (Ap. IV 1620 mit Schol.), von den A. gestiftete Altäre des Poseidon und Triton (Ap. IV 1621), ferner die Grabhügel mehrerer Helden; Kanthos hatte sich von seinen Genossen getrennt, um Vieh herbeizuschaffen (oder um Herakles zu suchen) und war von dem Hirten Kaphauros (Kephalion, Hygin. fab. 14) getötet worden (Αρ. I 79ff. IV 1467–1501. Orph. Argon. 142; anders Val. Flacc. I 451. VI 317); Mopsos starb, von einer Schlange gebissen, und wurde feierlich bestattet (Lykophr. 881ff. nebst Paraphr. Schol. Tzetz. Ap. I 80. IV 1502ff. Hyg. fab. 14; über den Mopsoskult in Libyen vgl. Apul. de deo Socr. § 47. Clem. Alex. Strom. I 21, 133); Eurybates (Eribotes), der Sohn des Teleon, fand gleichfalls dort seinen Tod (Hygin. fab. 14).

Bei solchen Autoren, welche Herakles den ganzen Zug bis zum Abschluss mitmachen liessen, wurden auch gewisse Heraklesabenteuer in Libyen mit dem A.-Zug in Verbindung gesetzt. Dahin gehört es, wenn Euphemos dem Herakles bei der Bezwingung des Antaios von Irasa hilft (Schol. Pind. Pyth. IX 183). Dahin gehört der Aufenthalt der A. bei den Hesperiden (wie ihn die Meidiasvase darstellt, Robert Bild und Lied 40) und das Öffnen einer Quelle durch Herakles, zwei Ereignisse, die Ap. IV 1393ff. in anderen Zusammenhang bringt. Nach seiner Erzählung kommen die Α., von Durst gequält, zu der Stelle, wo Herakles, der von Kios dorthin gelangt war, tags zuvor den Hesperidendrachen getötet hatte; die Hesperiden zeigen auf Orpheus Bitte die am vorhergehenden Tage von Herakles eröffnete Quelle; [774] aus Dankbarkeit machen sich die schnellsten Α., die Boreaden, Euphemos, Kanthos und der weitblickende Lynkeus auf, den Herakles zu suchen, doch Lynkeus bemerkt bald, dass dieser schon weit entfernt ist und ruft daher die Genossen zurück.

Bei Kallim. frg. 126 (vgl. Schneider Callim. II 93f. Knaack Callimachea, Stettin 1887, 13ff.) und Ap. IV 1309ff. bildet das Eingreifen der libyschen Nymphen noch einen besonderen Abschnitt. Nach Tzetz. Lykophr. 886 erzählten einige, dass Medea durch Zaubermittel den Platz, auf dem die Argo im Sande festsass, unter Wasser setzte.

Abenteuer im aegaeischen Meer

21. Abenteuer im aegaeischen Meer. Von Libyen gelangten die A. nach Kreta, das nachmals noch mancherlei τεκμήρια aufwies (Strab. I 46), u. a. einen von den A. gestifteten Tempel der Athena Minois (Ap. IV 1691). Hier wurde der eherne, nur an einer Stelle verwundbare Wächter der Insel, Talos, als er die Landung der A. mit Steinwürfen zu hindern suchte, durch Medeas Zauber, durch einen Pfeilschuss des Poias oder auch durch die Dioskuren, welche ihn im Laufe einholten, bezwungen. Ap. IV 1638ff. Apollod. I 9, 26, 3. Orph. Arg. 1350. Dosiad. Anth. Pal. XV 26 nebst Schol.; über die Bildwerke vgl. Abschnitt III.

Auf der Weiterfahrt werden die A. durch tiefe Finsternis und Unwetter in schwere Bedrängnis gebracht. Da erscheint Apollon auf den melantischen Klippen, erhellt mit seinem strahlenden Bogen oder mit Blitzen die Gegend und zeigt ihnen die Insel Anaphe, welche nach anderen eben damals aus dem Meer auftauchte. Auf diese Insel gerettet, verbringen die A. den Rest der Nacht mit Opfer und Gelage, wobei Spottreden zwischen den Helden und den phaeakischen Sclavinnen der Medea fielen. Der Name Anaphe, der Kult des Apollon Asgelatas oder Aigletes, sowie das jährliche Fest mit Tanz und Wechselreden gelten als die bleibenden Andenken dieser Ereignisse. Ap. IV 1694ff. Apollod. I 9, 26. Konon 49. Steph. Byz. s. Ἀνάφη. Strab. I 46. Cornut. 32. Orph. Arg. 1355. Kallim. frg. 113a. 300. 281; frg. anon. 289 nebst Schneider Callim. II 94. Knaack Callimachea 1ff. Hoefer Konon 49ff. 108. v. Wilamowitz-Moellendorff Isyllos 92f.

Unfern Anaphe lassen die Diener des Euphemos aus Unachtsamkeit die ihnen anvertraute libysche Erdscholle ins Meer gleiten (Pind. Pyth. IV) oder Euphemos versenkt sie absichtlich auf Grund eines Traumes (Ap. IV 1731ff.). Daraus entsteht die Insel Kalliste oder Thera, die nachmals von den Nachkommen des Euphemos colonisiert, das Mutterland Kyrenes wurde. Kallim. frg. 112. Schneider II 94. Theochrest. und Akesandr. bei Schol. Ap. IV 1750. Menekl. und Asklepiades bei Tzetz. Lykophr. 886. Studniczka Kyrene 45ff.

Auch Samos, dessen Beherrscher Ankaios an der Expedition teilnahm, sollen die A. berührt haben. Man erzählte, dass sie dort den Herakult gestiftet und das aus Argos mitgeführte Herabild geweiht hätten, Paus. VII 4, 4.

Die letzte Station endlich (bei Orph. Arg. 1363ff. ist noch ein Sühnopfer bei Maleia eingeschoben) bildet Aigina, wo ein Wettstreit der [775] Helden beim Wasserholen den Anlass zu dem späteren ἀγὼν ἀμφορίτης (oder ὑδροφορία) gegeben haben soll. Ap. IV 1765ff. Kallim. frg. 80. Apollod. I 9, 26, 6. Etym. Magn. s. ἀμφορίτης. Müller Aeginetica 24. Preller-Robert Griech. Mythol. I 258, 2.

Weitere Ereignisse nach der Heimkehr

22. Weitere Ereignisse nach der Heimkehr. Nach Iolkos zurückgekehrt, übergiebt Iason dem Pelias das goldene Vliess (Apollod. I 9, 27, 3). Die Argo fährt nach dem Isthmos, wo sie nach Veranstaltung von Wettspielen dem Poseidon geweiht wird (Apollod. a. a. O. Diod. IV 53, 2. Ps.-Dio Chrysost. XXXVII 107 R., vgl. Hygin. fab. 273, 12. Eurip. Med. 1387 nebst Schol. und Hypoth. Dikaiarch.), um später unter die Sterne versetzt zu werden (s. Artikel Argo). Dionysios Skytobrachion (Diod. IV 53, 4ff.) fügt hinzu, die A. hätten damals auf Herakles Anregung sich gegenseitig Treue geschworen und die olympischen Spiele gestiftet; Orph. 1370 schliesst mit einem Opfer des Orpheus am Tainaron. Andere erzählen noch von der Stiftung einzelner Kulte, so des Apollon Argeotas bei Korone (Paus. IV 34, 7) und der Athena Asia in Las (Paus. III 24, 7).

Nach der älteren Auffassung lebt Iason mit Medea des weiteren friedlich in Iolkos (Müller Orchom. 250) und zeugt dort den Medeios, welchen er Cheiron zur Erziehung übergiebt (Hesiod. Theog. 1001f.), und eine Tochter Eriopis (Kinaithon bei Paus. II 3, 9). Medea verjüngt mit ihren Zaubermitteln den Aison (Nostoi frg. 6 Kinkel. Ovid. met. VII 159ff. Myth. Vat. I 188. II 137), ihren Gatten Iason (Pherekyd. frg. 74. Simonid. frg. 204. Lykophr. 1315 nebst Schol. Tzetz. Dosiad. Anth. Pal. XV 26, 2) und die Ammen des Dionysos (Aischylos in den Διονύσου τροφοί. Ovid. met. VII 294ff. Myth. Vat. I 188. II 138; vgl. auch Plat. Euthyd. 285 c). Als Pelias stirbt, werden ihm die berühmten Leichenspiele veranstaltet, an denen nebst anderen A. auch Iason selbst (Paus. V 17, 9) teilnimmt (das Nähere unter Pelias).

Nach der späteren Auffassung dagegen zwang eine neue Blutschuld, die Ermordung des Pelias, Iason und Medea zum sofortigen Verlassen von Iolkos. Pelias hatte während der Abwesenheit Iasons den Verwandten von neuem nachgestellt, Iasons Bruder Promachos getötet und seine Eltern zum Selbstmord gezwungen (Diod. IV 50. Apollod. I 9, 27. Val. Flacc. I 700ff., vgl. u. Aison). Dafür nahm Iason Rache unter Medeas Hülfe, welche ihm zu liebe die Töchter des Pelias verleitete, ihren Vater zu zerstückeln und zu kochen, indem sie ihn durch ihre Zauberkünste zu verjüngen versprach, eine von Pind. Pyth. IV 250 angedeutete, seit den Dramen des Sophokles (Pelias, Rhizotomoi) und Euripides (Peliades, vgl. Med. 9. 486. 504. 734) in Bild und Schrift oft wiederholte Sage (das Nähere unter Peliades). Nach dieser That wurden Iason und Medea von Akastos vertrieben (Apollod. I 9, 27, 5. Nikol. Damasc. frg. 55. Schol. Eurip. Med. 20. Tzetz. Lykophr. 175) oder sie verliessen freiwillig Iolkos, indem Iason dem Akastos die Herrschaft übergab (Diod. IV 53. Hygin. fab. 24). Von Iasons später erfolgter Rückkehr nach Iolkos erzählte Eumelos (frg. 3 bei Paus. II 3, 11); andere lassen ihn mit Peleus und den Dioskuren die Stadt zurückerobern (Pherekyd. [776] frg. 18. Apollod. III 13, 7. Nikol. Damasc. frg. 56. Suid. s. Ἀταλάντη); nach Diod. IV 55, 2 folgte auf Akastos Iasons Sohn Thessalos in der Herrschaft.

An den Aufenthalt in Iolkos schliessen die Naupaktien frg. 10 die Übersiedelung Iasons und Medeas nach Korkyra. Die geläufige Tradition lässt dagegen die Übersiedelung nach Korinth und die eigentliche korinthische Medeasage folgen, welche mit der A.-Sage zwar nur lose zusammenhängt, jedoch für die Feststellung der ursprünglichen Bedeutung Medeas von der höchsten Bedeutung ist. Denn Korinth hielt noch in später Zeit an dem Kult der Medea und ihrer Kinder fest (über die Gebräuche vgl. Eurip. Med. 1379ff. nebst Schol. Philostrat. heroic. 19, 14. Paus. II 3, 7. Ael. var. hist. V 21. Marcell. Paroemiogr. Graec. I praef. p. XX. Zenob. I 27. Apostol. I 60. Parmenisk. bei Schol. Eurip. Med. 273); hier war Medea einst als Göttin verehrt worden (Musaios bei Schol. Eurip. Med. 10; vgl. Athenag. legat. pro Christian. 14, der sich auf Hesiod und Alkman beruft), als Gemahlin des Zeus (ein Nachklang davon bei Schol. Pind. Ol. XIII 74), später als Dienerin der Hera Akraia, deren Kult sie stiftete (Zenob. I 27. Apostol. I 60), wie sie nach anderen auch den Aphroditekult eingerichtet haben sollte (Theopomp. frg. 170. Plut. de Herodot. malign. 39, 13). Dann hiess sie Königin des Landes und Gemahlin des alten korinthischen Königs Sisyphos (Theopomp. bei Schol. Pind. Ol. XIII 74; vgl. die Zusammenstellung bei Pind. Ol. XIII 52f.), und so dichteten auch noch die älteren Autoren, welche die landläufige A.-Sage mit der korinthischen Medeasage zusammenbrachten, dass Medea als rechtmässige Königin von Korinth mit Iason die Herrschaft angetreten habe (Eumelos frg. 2. 3. Simonid. frg. 48; bei Parmenisk. Schol. Eurip. Med. 273 ist Medea gleichfalls Königin, doch Barbarin); die Kinder Medeas fanden ihren Tod, da Medea sie unsterblich zu machen suchte (Eumel. frg. 3. Schol. Pind. Ol. XIII 74) oder wurden von den Korinthern getötet (Parmenisk. a. a. O., der von 14 Kindern spricht). Später gewann die Alleinherrschaft jene Auffassung, dass Iason und Medea nicht als Königspaar von Iolkos nach Korinth übersiedelten (zuerst bei Hippys frg. 3 und Hellanik. frg. 34 nach Schol. Eurip. Med. 10), sondern dass zu ihrer Zeit Kreon oder nach Schol. Eurip. Med. 19. 20 dessen Sohn Hippotes die Herrschaft führte. Nur dadurch, dass sie die Korinther durch Opfer für Demeter und die lemnischen Nymphen von einer Hungersnot befreite, hatte Medea sich die Liebe der Bewohner gewonnen (Eurip. Med. 11 nebst Schol. Schol. Pind. Ol. XIII 74). Der Tod der Kinder aber wurde mit Iasons Treubruch motiviert: er habe Medea vernachlässigt und Thetis geliebt (Plut. de Herodot. malign. 39, 13) oder eine Quellgöttin Glauke (vgl. Paus. II 3, 6) oder die Tochter Kreons (bezw. des Hippotes, Schol. Eurip. Med. 20), welche bald Glauke, bald Kreusa genannt wird. Medea habe durch das Feuer eines vergifteten Gewandes und einer Stephane (nach Diod. IV 54 durch Anzünden des Königspalastes) die junge Braut und den zu Hülfe herbeieilenden Kreon (Kreophylos bei Schol. Eurip. Med. 273 spricht nur von Kreon) getötet. Darauf [777] hätten die Korinther die Kinder ermordet (Philostr. heroic. 19, 14. Apollod. I 9, 28, 3. Kreophyl. bei Schol. Eurip. Med. 273. Paus. II 3, 6) oder Medea selbst habe sie getötet, eine Wendung, die seit der euripideischen Medea in Dramen, Komödien, anderen Dichtungen, in Prosa und in Bildwerken überaus häufig wiederholt wird (das Nähere unter Medeia). Die Kinder (gewöhnlich Mermeros und Pheres genannt, von Diod. IV 54 Alkimenes und Tisandros) fanden ihr Grab auf der Burg im Heiligtum der Hera Akraia (ihr Kult wurde auch nach Argos übertragen: Schol. Eurip. Med. 1379). Medea floh nach Athen, bei Dionys. Skytobr. (Diod. IV 54, 7) nach Theben (wo sie Herakles vom Wahnsinn heilt). Iason aber fand seinen Tod entweder gleichzeitig mit Kreon und Kreusa (Hygin. fab. 25) oder später durch den Einsturz der in Korinth befindlichen Argo (Eurip. Med. 1387 nebst Schol. Anth. Pal. XIV 59. Staphyl. frg. 5. Hypoth. Eurip. Med.); nach anderen tötete er sich selbst (Neophron bei Schol. Eurip. Med. 1387. Diod. IV 55, 1. Apollon. lex. Hom. 156, 18); oder er blieb am Leben, mied aber Korinth (bei Eumel. frg. 3 geht er nach Iolkos zurück).

In Athen, wo einige die Medea für die vielgefeierte Aletis hielten (Etym. Magn. s. Ἀλῆτις. Dionys. Perieg. 490), trat Medea nach Diod. IV 55, 5 (gerade wie Erigone Aletis, die Tochter des Aigisthos) vor den Areopag, der sie freisprach. Nach der sonstigen Überlieferung kam sie auf ihrem Schlangenwagen von Korinth, wo sie bereits mit Aigeus zusammengetroffen war (Eurip. Med. 663ff. Neophr. Med. frg. 1 bei Schol. Eurip. Med. 666), vermählte sich mit diesem (vgl. v. Wilamowitz Herm. XV 484), gebar ihm einen Sohn Medos, musste aber, da sie dem heimkehrenden Theseus nachstellte (nach Hygin. fab. 26 wegen eines Conflictes mit der Artemispriesterin), die Stadt verlassen; vgl. Eurip. Aigeus. Krates bei Schol. Hom. Il. XI 741. Apollod. I 9, 28, 4. Plut. Thes. 12. Diod. IV 55, 6. Paus. II 3, 8. Ovid. met. VII 399ff. Iustin. II 6. Myth. Vat. I 48.

Von Athen wandte sich Medea, wie Krates a. a. O. angiebt, nach Ephyra in Elis. Nach der sonstigen Überlieferung ging sie nach ihrer östlichen Heimat zurück, wo sie oder ihr Sohn Medos dem Lande Medien den Namen gab; vgl. Hekat. frg. 171 nebst Diels Herm. XXII 442. Herod. VII 62. Hellan. frg. 30, wo Polyxenos, ein Sohn Iasons, der Mutter folgt. Paus. II 3, 8. Diod. IV 55, 5. Dionys. Per. 1020ff. nebst Eustath. zu 1017. Schol. Lykophr. 1443. Iustin. II 6. Wie Medos oder Medea in Kolchis den Perses, der sich der Herrschaft bemächtigt hatte, überlisteten und töteten, den Aietes wieder einsetzten und die Herrschaft weithin ausbreiteten, war in der späteren Zeit ein beliebter Stoff der Dichtung; vgl. Luc. saltat. 40. Apollod. I 9, 28, 4–5. Diod. IV 56. Varro Atac. bei Prob. Verg. Georg. II 120. Val. Flacc. V 684ff. Hygin. fab. 26. 27. 244. 275. Kephal. bei Synk. I 317 Dindf. Tzetz. Lykophr. 175; nach Diod. IV 55, 7 gebar Medea den Medos einem asiatischen Herrscher (vgl. Cramer An. Paris. II 196). Andere lassen auch Iason selbst, mit Medea ausgesöhnt, nach dem Osten zurückkehren und mit Medos und Armenios weite Länderstrecken in Innerasien erwerben [778] (Iustin. XLII 2–3. Tacit. ann. VI 34. Strab. XI 526; vgl. 503. 531. Müller Orchom. 276f.). Nach ihrem Tode war Medea auf der Insel Leuke mit Achilleus vermählt (Ibyk. frg. 37. Simonid. frg. 213. Ap. IV 811ff. Lykophr. 174. 798 nebst Schol. Tzetz.).

Bildwerke aus dem Kreis der Argonautensage

III. Bildwerke aus dem Kreis der Argonautensage.

Die monumentale Überlieferung ergänzt die litterarische für mehrere Punkte in willkommener Weise, wenngleich die meisten der erhaltenen Denkmäler erst der späteren Zeit angehören und mancherlei ohne Grund auf die A. gedeutet ist. Eine Übersicht über die Bildwerke bei O. Müller Archaeol. d. Kunst § 412. Vinet Rev. archéol. II 356f. Pyl De Medeae fabula, Berlin 1850. Baumeister Denkm. d. klass. Altertums I 120ff. Seeliger in Roschers Mythol. Lex. I 525ff.

Die erste Begegnung zwischen dem einschuhigen Iason und Pelias, der mit seinen 3 Töchtern dem Poseidon ein Opfer darbringen will, stellt ein pompeianisches Wandgemälde dar: Ghirardini Pompei e la regione sotterata 1879, 151ff. Sogliano Pitt. murali nr. 551. Auf diese Episode bezieht sich auch die eine Sandale als Wahrzeichen der Stadt Larissa auf Münzen: Duc de Luynes Bull. d. Inst. 1848, 72. Friedländer M.-Ber. Akad. Berl. 1878, 451 Taf. I 18. Catal. British Mus., Thessal. Taf. IV 4—5. Dagegen ist die sog. ‚Sandalenbinder‘-Statue mit Unrecht hierher gezogen, vgl. Lambeck De Mercurii statua 3ff.

Den Bau der Argo unter Athenas Leitung veranschaulichen, der fingierten Darstellung bei Val. Flacc. V 434f. entsprechend, die nur unwesentlich von einander abweichenden Terracottareliefs in der Villa Albani Stanza delle Terracotte nr. 182: Winckelmann Mon. ined. I Vignette. Flangini Apoll. Rhod. I 164. Millin Gall. myth. CXXX 417. Zoega Bass. 45; im British Museum: Combe Descr. of anc. terrac. 16. Müller-Wieseler Denkm. II 22, 238. Baumeister Denkm. I Fig. 127; in Paris: Campana Op. in plast. 5; im Antiquarium d. Berl. Mus. nr. 3708 aus der Samml. Sermoneta, ferner ein Bronzerelief im Museo Borgia in Velletri: Winckelmann-Fea Storia II 51. Flangini Apoll. Rhod. II Vignette. Millin Gall. myth. CV 418, und eine Münze Marc Aurels: Cohen III 105 nr. 1046; es ist nicht wahrscheinlich, dass die Verfertiger dieser Darstellungen, wie mehrfach behauptet ist, an den weit weniger berühmten Schiffsbau des Danaos oder an eine nicht mythische Scene gedacht haben. Von den Gemmen, auf denen ein einzelner Mann an einem Schiffsteil arbeitet, stellt eine, wie die Beischrift EASVN bezeugt, Iason dar (Micali Monum. p. serv. alla storia 116, 2), die übrigen, wie z. Β. Impronte gemm. d. Inst. III 64 = Overbeck (Gall. heroisch. Bildw. XXXI 9, wahrscheinlich den Odysseus. Auch das Wandgemälde Helbig Wandg. Camp. 1259 gehört nicht hierher.

Den Aufbruch der Helden unter Herakles Leitung und in Anwesenheit der Athena schildert der prächtige figurenreiche Krater aus Orvieto Monum. d. Inst. XI 38–39, vgl. Robert Ann. d. Inst. 1882, 273ff., und zwar, wie Robert nachgewiesen hat, nach dem Gemälde des Mikon im [779] Anakeion (Paus. I 18, 1. VII 11, 3. Zenob. IV 28; cod. Ath. III 31. Hesych. und Suid. s. θᾶττον ἢ Βούτης. Jahn Archaeol. Aufs. 19, 13), auf welchem man früher die Rückkehr der A. zu Pelias oder Pelias Leichenspiele dargestellt glaubte. Ein ähnliches Bild, bei welchem der von den A. Abschied nehmende Cheiron hinzugefügt war, scheint auch in Rom an dem Porticus Neptuni angebracht gewesen zu sein: Mart. II 14, 6. III 20, 11. XI 1, 12. Iuv. VI 153f. nebst Schol. Cass. Dio LIII 27.

Die fahrende Argo ist zu erkennen, entsprechend der fingierten Darstellung bei Val. Flacc. V 438f., auf einem Terracottafragment: Flangini Apoll. Rhod. Ι p. ΧΧΧIΧ. Millin Gall. myth. CV 419, wo 7 Helden, darunter Herakles, in einem Schiffe sitzend erhalten sind; ferner auf mehreren Münzen von Magnesia und Sidon: Head HN 256. 502. 673. Abbildungen bei Burmann Val. Flacc., Leyden 1724 Titelbl. Gronov Thesaur. I D d d. Flangini Apoll. Rhod. I Vignette. Millin Gall. myth. CXI 420. Duruy Hist. des Grecs I 100. Friedländer M.-Ber. Akad. Berl. 1878, 451 Taf. I 16.

Einige auf das Wasserholen des Herakles in Aphetai gedeutete Bildwerke (Robert Ann. d. Inst. 1882, 282 Anm.) gehören wohl nicht hierher (vgl. Furtwängler in Roschers Mythol. Lex. I 2237). Ebenso wenig beziehen sich die Chryseopfer und andere herangezogene Opferscenen auf die Α., wie Flasch Angebliche Argonautenbilder 13ff. dargethan hat. Von den auf die Ereignisse in Kyzikos gedeuteten Bildwerken ist das Vasenbild Panofka Arch. Zeitg. 1851 Taf. 27 ein modernes Machwerk, bei der pergamenischen Münze aber, auf welcher Mionnet Suppl. V 451, 1058 und Duruy Hist. des Grecs I 104 IACO lesen, zeigt die Replik im Berliner Münzkabinet ein deutliches ΝΕΟ an derselben Stelle, darunter das zugehörige ΚΟΡΩΝ.

Das Hylasabenteuer ist in der späteren Zeit besonders oft dargestellt worden, indessen beschränken sich die Künstler zumeist auf die Gruppe der den Hylas raubenden Nymphen und den herannahenden Herakles. Sonstige A. oder die Argo selbst werden nirgends hinzugefügt.

Die Fesselung des Amykos schildert vor allem die berühmte ficoronische Cista des Collegio Romano: Brönsted Den ficoroniske Cista, 1847. E. Braun Die ficoronische Cista, 1849. Jahn Die ficoronische Cista, 1852. Müller-Wieseler Denkm. I 61, 309. Wiener Vorlegebl. Ser. I Taf. 11, 1. Roscher Mythol. Lex. I 527 u. a. Polydeukes fesselt hier den im Faustkampf bezwungenen Amykos an einen Baum, an dessen Fuss ein Diener des Polydeukes sitzt. Eine Nike schwebt auf den Sieger zu. Von rechts schauen Athena, Iason und ein anderer Α., von links Boreas und ein Bebryker zu. Die übrigen Helden befinden sich teils auf der Argo, teils auf dem Lande, im Gespräch oder mit Zurüstungen und Faustkampfübungen beschäftigt, oder auch bei der von einem Silen gehüteten Quelle, um deren Benutzung der Kampf mit Amykos stattfand. Zu benennen sind von ihnen nur Kastor, der jugendliche Hylas und, falls ein Spiegel, der die Figuren zweier Helden bei der Quelle wiederholt (Gerhard Etrusk. Spieg. IV 354, 1; vgl. Bull. d. Inst. [780] 1858, 35. Archaeol. Anz. 1858, 152*. 164*), mit seinen Inschriften echt ist, Lynkeus und Orpheus. Eine ähnliche Darstellung bietet ein rotfiguriges Vasenbild aus Nola: Gerhard Auserl. Vasenb. III 153–154. Wiener Vorlegebl. Ser. I Taf. 11, 2, vgl. Wieseler Philol. V 587, wo Amykos gefesselt vor der Felsenquelle liegt und ausser den Boreaden auch Satyrn und Mainaden zuschauen. Die Fesselung an einen Baum zeigen ein Terracottafragment, Seroux d’Agincourt Recueil de fragm. en terrecuite Taf. IV 2, vgl. Jahn Rh. Mus. 1848, 298, und das Relief einer etruskischen Urne: Dempster De Etruria regali I 9. Bartoli Ant. sepolcr. 95. Gori Mus. Etr. II 401. Wiener Vorlegebl. Ser. I Taf. 11, 5, vgl. Jahn a. a. O. Inschriftlich gesichert sind Polydeukes und Amykos, zwischen denen Losna steht, auf einem etruskischen Spiegel des Collegio Romano: Flangini Apoll. Rhod. I 384. Millin Gall. myth. CXIX 422. Müller-Wieseler Denkm. I 61, 310. Gerhard Etr. Spieg. 171 u. ö. (eine moderne Wiederholung in Madrid: Hübner Ant. Bildw. Madrids 190 nr. 54). Dagegen sind andere Faustkampfscenen und der Spiegel Gerhard IV 353 ohne hinreichenden Grund hierhergezogen.

Von den Phineusdarstellungen beschränken sich die älteren auf die Figuren des Phineus, der Harpyien und ihrer Verfolger, der Boreaden. Dazu gehören die Darstellungen an der Kypselidenlade, Paus. V 17, 11, an dem amyklaeischen Thron, Paus. III 18, 15, auf der schwarzfigurigen Schüssel aus Aigina im Berlin. Mus. nr. 1682, Furtwängler Archaeol. Zeitg. 1882, 197 Taf. 9 (nur die Harpyien erhalten), auf einer rotfigurigen Hydria Millingen Anc. uned. monum. 15. Stackelberg Gräber d. Hellen. 38, 1, vgl. Flasch Arch. Zeitg. 1880, 139. Auf der schwarzfigurigen Schale der Sammlung Feoli, jetzt in Würzburg (Monum. d. Inst. X 8. Flasch Ann. d. Inst. 1874, 175; Arch. Zeitg. 1880, 138. Wiener Vorlegebl. Ser. C Taf. VIII 3a. v. Duhn in Heidelberg. Festschrift zur 36. Philol.-Versamml. in Karlsruhe 1882. 109ff. Urlichs Antikensamml. d. Univ. Würzb. III 89 nr. 354) sind noch drei Frauen hinzugefügt, deren Bedeutung und Namen (die neueste Lesung der Beischriften bei Urlichs Beiträge zur Kunstgesch. 30) noch nicht genügend aufgeklärt sind. Eine rotfigurige Amphora aus Kameiros im Brit. Mus. zeigt nur Phineus und die Harpyien (Flasch Arch. Zeitg. 1880, 142 Taf. 12, 2), eine andere aus Nola nur den Phineus (Flasch a. a. O. Taf. 12, 1. de Witte Arch. Zeitg. 1881, 163. Wiener Vorlegebl. Ser. C Taf. VIII 1. Duruy Hist. des Grecs I 735; vgl. dagegen Petersen Arch.-epigr. Mitt. 1882, 52ff.). Ein Vasenbild aus Altamura (Jatta Ann. d. Inst. 1882, 90ff. tav. O) weist, falls es überhaupt hierher gehört, auf eine ganz abweichende Version, bei der Boreas an die Stelle der Harpyien tritt. Die Argo selbst und eine grössere Anzahl von Α., die zuschauen oder um eine Quelle herum mit verschiedenen Dingen beschäftigt sind, fügt nur hinzu das Bild einer grossen Amphora des Mus. Jatta, Monum. d. Inst. III 49 (zum Teil wiederholt bei Roscher Mythol. Lex. I 800), vgl. Ann. d. Inst. 1843, 1ff. Bull. d. Inst. 1845, 27. 1871, 223. Bull. Napol. III 28ff. IV 109ff. Wieseler Philol. V 600. Rochette Journ. des Sav. [781] 1852, 591. Jatta Catalogo del Mus. Jatta 503 nr. 1095. Stephani Boreas 19, 2. Flasch Arch. Zeitg. 1880, 140ff.

Das Erscheinen des Glaukos schildert Philostr. imag. II 15. Der Kampf mit den Stymphalidenvögeln bei der Aresinsel ist dargestellt auf einem Sarkophage (Monum. d. Inst. IV 29) und vielleicht auf einem Gemmenfragment des Berliner Museums (Winckelmann-Stosch III 68. Tölken II 126).

Die Darstellungen der Abenteuer in Kolchis sind eingehend behandelt durch Heydemann Iason in Kolchis, 11. Hallisches Winckelmannsprogramm 1886, woselbst auch die weiteren Citate zusammengestellt sind. Die Verabredung zwischen Iason und Medea schildern zwei Vasenbilder 1) einer apulischen Prachtamphora im Berlin. Mus. 3258 (Gerhard Apul. Vasenb. Taf. X. Heydemann 3). 2) einer Hydria, einst im Besitz von Catalani (Heydemann 4 Taf. nr. 2), ferner ein Sarkophagrelief der Villa Ludovisi (Robert Antik. Sarkophagreliefs II Taf. LXI 192 a) und Philostr. iun. imag. 7, der auch das folgende Bild 8 (= Apoll. Rhod. III 114ff.) diesem Kreise entlehnt. Dagegen sind andere Paare (z. Β. von Pyl De Medeae fabula 28) mit Unrecht Iason und Medea benannt worden, und ebenso wenig gehören hierher angebliche Darstellungen mit der Übergabe der Iynx durch Hermes (z. B. Combe Descr. of. anc. terracottes XXVIII 53. Campana Opere in plast. ΧIΧ, vgl. Pyl a. a. O. 22ff.). Auf einem etruskischen Spiegel (Monum. d. Inst. XI 3. Helbig Bull. d. Inst. 1878, 144. Klügmann Ann. d. Inst. 1879, 47) reichen Medea (Metvia) und Athena (Menrva) dem Iason (Aeasun) den Zaubertrank, der ihn gegen die Gefahren feiet; Klügmann a. a. O. glaubte hier Aisons Verjüngung zu erkennen, doch ist der Held jugendlich und die Namensform für Iason durch Easun und Heiasun auf anderen etruskischen Denkmälern gesichert. Ein auf die Erprobung der Waffen durch Iason gedeutetes Vasenbild (de Witte Cabinet Durand 82 nr. 257. Heydemann 5) gehört kaum hierher: die Beischrift Eason, die allein zu dieser Deutung Anlass gab, dürfte ebenso zu beurteilen sein, wie die sinnlosen Beischriften auf der Aussenseite der Vase (CIG 7751). Iasons erstes Athlon, die Bändigung der Stiere, scheint den Gegenstand einer lebendigen statuarischen Gruppe gebildet zu haben, in der Iason die Stiere an den Hörnern packte und niederdrückte. Darauf weisen die zahlreichen Wiederholungen auf Sarkophagen in Wien (Jahn Arch. Zeitg. 1866 Taf. 215, 2. Heydemann 6 litt. A. Robert a. a. O. LXI 188), im Louvre (Clarac Mus. de sculpt. II Taf. 199, 373. Heydemann litt. B. Robert LXI 189, vollständiger erhalten im Codex Coburgens. nr. 13: Matz M.-Ber. Akad. Berl. 1871, 493. Robert LXI 189’), auf einer verlorenen Replik (Cod. Pighian. fol. 251 = Cod. Coburg. 32 = Jahn Arch. Zeitg. 1866 Taf. 216, 2. Robert LXI 190’. Heydemann litt. E), zu welcher vielleicht das Turiner Fragment (Friederichs-Wolters Bausteine nr. 1833. Robert LXI 190. Heydemann litt C) und die Beschreibung bei Aldroandi Statue di Roma 1556, 194 (Heydemann litt. F) gehören; ferner auf der Schmalseite eines 1887 an der Via Tiburtina gefundenen Medeasarkophages [782] (Urlichs 21. Progr. des Wagnerschen Kunstinstitutes 7. Robert LXI 191), auf einem verlorenen Bruchstück in der Casa Colotio (Aldroandi Statue 285. Heydemann litt. G), auf dem Medeasarkophag der Stamperia reale, wo die Gruppe den Schmuck des Fussschemels bildet (Dilthey Ann. d. Inst. 1869 tav. Α Β 2. Robert LXIII 199), endlich auf einem Contorniaten mit Neros Bild (Sabatier Med. contorn. XIII 3 S. 82. Pedrusi Cesari in medaglioni nel Mus. Farnes. III 3, 6. Robert S. 200); modernen Ursprungs sind die Reliefs im Palazzo Colonna in Rom (Matz-Duhn Roms ant. Bildw. II 3160. Heydemann litt. D) und aus dem Museo Galimberti bei de Cavaleriis Antiqu. stat. Romae II 2. Auf Vasen hat sich noch keine charakteristische Darstellung der iasonischen Stierbändigung gefunden, in welcher das Anschirren oder auch nur das Bändigen zweier Stiere wiedergegeben wäre, doch hat man bei einigen Bildern aus dem Beiwerk und aus Nebenfiguren schliessen wollen, dass der für die Herakles- und Theseusthaten erfundene Typus der Bändigung eines Stieres hier auf Iason übertragen sei. Möglich scheint dies bei der apulischen Prachtamphora in Neapel 3252 (Arch. Zeitg. 1883, 166ff. Taf. 11. Heydemann 9f.), wo eine um einen Baum geringelte Schlange an den kolchischen Drachen erinnern und eine Zuschauerin, zu deren Seite Eros steht, Medea sein könnte. Dagegen beziehen sich zwei Vasenbilder in Madrid (Hübner Ant. Bildw. Madrids 179 nr. 370. Heydemann 13) und Petersburg 2012 (Antiqu. du Bosph. Cimm. Taf. 63a, 2. Arch. Zeitg. 1877, 75. Heydemann 11f.) wahrscheinlich auf die Bändigung des marathonischen Stieres durch Theseus in Gegenwart der Medea; die von Heydemann Taf. nr. 1 abgebildete, S. 7f. hierher gezogene Vase aus Neapel 2413 schildert die Vorbereitung zu einem Opfer (vgl. Mus. Gregor. II 71, 1 und betreffs Nike Knapp Nike in der Vasenmalerei 74ff.), und die Deutung des Vasenbildes aus der Sammlung Caputi in Ruvo nr. 377 (Jatta Vasi Caputi 103ff. Taf. VII. Heydemann 10f.) ist vollends unsicher. – Das zweite Athlon Iasons, die Bezwingung des Drachens, ist auf Vasen häufiger dargestellt. Eine Wendung ohne jegliche Parallele bietet die oft abgebildete und besprochene Schale des Museo Gregoriano (Monum. d. Inst. II 35 u. ö. Heydemann 20ff.), wo Iason unversehrt, doch fast leblos von dem Drachen ausgespieen wird, während Athena zuschaut; von den Darstellungen, welche zum Vergleich herangezogen sind, geht die eine (Monum. d. Inst. V 9. Welcker Alt. Denkm. III 382ff. Taf. 24, 2) auf Herakles (Wieseler Ztschr. f. Altertumsw. 1851, 318f. Flasch Angebl. Argonautenb. 26ff.), die andere (auf einem etruskischen Spiegel: Braun Oreste stretto al paricidio, Rom 1841. Gerhard Spieg. II 238) zeigt Iason im Begriff, den Drachen mit seinem Schwert zu töten (Heydemann 21). Als allgemeiner Kampf der A. gegen den Drachen ist die Scene abweichend von der litterarischen Überlieferung behandelt auf der tarentinischen Amphora in Petersburg nr. 422 (Mon. d. Inst. V 12. Duruy Hist. des Grecs I 101. Heydemann 18) und auf der Amphora aus Paestum in Neapel (Heydemann 19 Taf. nr. 3). Als Zuschauer [783] sind A. hinzugefügt, während Iason allein mit Medeas Hülfe den Drachen zu töten versucht, auf der Prachtamphora in München nr. 805 (Ann. d. Inst. 1848 tav. G u. ö. Heydemann 17) und auf einer Hydria im Louvre (Millingen Peint. d. vas. Taf. 6. Heydemann 18). Die Einschläferung des Drachens durch Medea und die Heimlichkeit des Vliessraubes betonen die Terracotten im British Museum (Combe Taf. 28, 2) und im Louvre (Campana Op. in pl. Taf. 63. Heydemann 16) und die Darstellungen auf Sarkophagen in Wien (Heydemann 14 litt. A. Robert LXI 188), im Louvre (nur in der vollständigeren Zeichnung des Cod. Coburg. nr. 13 erhalten. Robert LXI 189’), auf dem verlorenen Original des Cod. Pighian. 251 = Cod. Coburg. 32 (Heydemann litt. D. Robert LXI 190’), ferner auf dem Fragment in der Villa Ludovisi (Robert XLI 192. Heydemann litt. C) und auf dem Phrixossarkophag auf dem Palatin (Matz-Duhn Ant. Bildw. in Rom nr. 3159. Robert LXI 187. Heydemann litt. B). Ein Satyr spielt Iasons Rolle auf dem Vasenbild aus Bologna (Zannoni Certosa di Bologna Taf. 122, 3–4. Heydemann 22 Taf. nr. 4). Endlich wird auch ein Reliefbild an einem Krater des British Mus. nr. 1700 (Heydemann 16), doch vielleicht ohne Grund, auf Iason gedeutet. Von den zahlreichen auf den Vliessraub gedeuteten, noch nicht hinreichend gesichteten Gemmen zeigt nur ein Achatonyx der Goethesammlung (Schuchardt Goethes Kunstsammlungen II 6 nr. 28) Iason und Medea gemeinsam thätig, den Drachen einzuschläfern und das Vliess zu entwenden. Auf anderen Steinen steht ein gewappneter Held (Iason oder Phrixos) vor einem Altar und Baum; auf dem Altar liegt der Widderkopf, um den Baum, in dessen Zweigen das Widderfell hängt, ringelt sich eine Schlange; vgl. die Gemme von Cortona (Flangini Apoll. Rhod. I 434. Millin Gall. mythol. CXLVI 424* u. ö.) und Berliner Gemmen (Tölken IV 141–143 = Winckelmann III 64–66). Verwandte Darstellungen, bei denen eine von einer Schlange umwundene Säule mit einem oder mehreren Vögeln die Stelle des Baumes vertritt und der Held mit einem Widder naht, sind sicherlich nicht auf Iason, wahrscheinlich auch nicht auf Phrixos, sondern auf eine Opfer- und Orakelscene zu deuten.

Wie bei Herodor u. a. Iason nach der Tötung des Drachens vor Aietes tritt, so überreicht er demselben das Vliess auf einer apulischen Amphora aus Ruvo (Heydemann Arch. Zeitg. 1872, 154ff.) und auf einem unteritalischen Stamnos (Millingen Peint. d. vas. de div. coll. 16ff. Taf. 7. Flasch Festgruss d. philol. Ges. zu Würzburg zur 26. Philol. Vers. 1868, 77; Angebl. Argonautenbild. 34), dessen Darstellung von anderen auf Phrixos vor Aietes (Millingen a. a. O. Stephani Compte rendu 1869, 112) oder auf die Übergabe des Vliesses an Pelias gedeutet ist (z. Β. Müller Archaeol. d. K. § 412, 4. Pyl De Med. fab. 55f. u. a.).

Iasons Hochzeit mit Medea verlegte man, wie oben gezeigt ist, nach den allerverschiedensten Gegenden, z. B. nach Iolkos, Korinth, Korkyra, Byzanz, Kolchis. Es lässt sich daher nicht ausmachen, an welche Gegend der Verfertiger der Kypselidenlade dachte, als er die von Paus. V 18, [784] 3–4 beschriebene Hochzeitsscene schuf. Andere Hochzeitsscenen in den üblichen Typen finden sich auf den genannten Iasonsarkophagen im Louvre und Cod. Pigh. 251 = Cod. Coburg. 32, sowie auf einem Relief der Villa Ludovisi (Schreiber Vill. Lud. nr. 103). Bei dem Hauptbild der Münchener Amphora 805 (Dubois Maisonneuve Introd. étud. d. vas. Taf. 43–44. Ann. d. Inst. 1848 Taf. G. Jahn Arch. Zeitg. 1860 Taf. 139–140. Wiener Vorlegebl. Ser. IV Taf. 3–4. Baumeister Denkm. I 303 nr. 319; im unteren Streifen der Drachenkampf), welches Flasch Angebl. Argonautenb. 30ff. auf Bellerophon gedeutet hat, lässt sich die ehedem behauptete Beziehung auf die Argonautensage (vgl. Campanari Bull. d. Inst. 1835, 185, 7. Müller Archaeol. d. K. § 412, 4. Guigniaut Relig. de l’antiqu. IV 1, 277. Pyl De Med. fab. 20. Panofka Arch. Zeitg. 1844, 256; Ann. d. Inst. 1848, 167ff.) nur dann verteidigen, wenn man annimmt, Aietes überreiche das in der Hydria aufbewahrte Document seiner korinthischen Abstammung (= Eumelos frg. 2) den Α., um freiwillig (= Timonax bei Schol. Ap. IV 1217) seine Tochter als ebenbürtig dem Iason zu vermählen.

Die Verfolgung der A. durch die Kolcher schildern als Bildwerke 1) Val. Flacc. V 440f. 2) Philostr. iun. imag. 11, vgl. Matz De Philostr. fide 112; Philol. XXXI 622. Brunn Jahrb. f. Philol. 1871, 89.

Das Verweilen der A. bei den Hesperiden scheint auf der berühmten Meidiasvase (Gerhard Ges. akad. Abh. Taf. 14. Wiener Vorlegebl. Ser. IV Taf. 2, vgl. Robert Bild und Lied 40) dargestellt zu sein. Herakles ist der Anführer der Helden, unter denen sich namentlich attische Heroen befinden.

Das Abenteuer auf Kreta giebt die prächtige Talosvase aus Ruvo im Museo Jatta 1501 wieder (Bull. Napol. III Taf. 2 und 6. IV Taf. 6. Arch. Zeitg. 1846 Taf. 44–45. 1848 Taf. 24. Mercklin Die Talossage, Mém. des savants étrang., Petersburg Bd. VII. Wiener Vorlegebl. Ser. IV Taf. 5), und zwar in einer Version, die litterarisch nicht bezeugt ist: die Dioskuren jagen dem um die Insel Kreta als Wächter herumlaufenden ehernen Talos zu Pferd nach und holen ihn in dem Augenblick ein, da Medeas Zaubermittel auf ihn wirken. Zweifelhaft ist die Beziehung zweier Spiegel auf dies Abenteuer: 1) Gerhard Taf. 56, 1, vgl. Panofka Arch. Zeitg. 1845, 196. 1846, 317. Pyl De Med. fab. 49f. Stephani Compte rendu 1867, 24. 2) Gerhard Taf. 58.

Nicht bestimmen lässt sich die Handlung für eine Statuengruppe der A. von Myrons Schüler Lykios (Plin. XXXIV 79), für ein A.-Gemälde des Kydias (Plin. XXXV 130) sowie für ein archaisches attisches Vasenfragment (Benndorf Griech. u. sicil. Vasenb. Taf. 11, 6), das einen Zug von Helden, u. a. den A. Asterion, darstellt. Zweifelhaft bleibt die Zugehörigkeit eines Vasenbildes des Cabinet Durand (de Witte 256), wo ein Jüngling (ASON) dem Hermes opfert, und zweier Tarentiner Prachtvasen (1. in Berlin 3256: Gerhard Apul. Vasenb. Taf. Α 5–6. Pyl a. a. O. 8ff. 25f. – 2. im Museo Jatta: Catal. 992ff. Taf. XIX vgl. Furtwängler in Roschers Mythol. Lex. I 2234), wo Nike im Beisein von Herakles, [785] Athena und Kriegern einen Widder opfert. Über die bildlichen Darstellungen der Leichenspiele des Pelias, der Peliaden, der späteren Schicksale Medeas in Korinth und Athen vgl. Pelias, Peliades, Medeia.

Neuere Litteratur

IV. Neuere Litteratur.

Seit der zusammenfassenden Darstellung bei Natalis Comes Mytholog. l. VI c. 8 ist die A.-Sage äusserst häufig nacherzählt und das Material immer vollständiger zusammengetragen worden, teils zur Erläuterung einzelner Schriftsteller – vgl. die Ausgaben des Val. Flacc. von Burmann, des Apollonios von Flangini, des Apollodor von Heyne und Cluvier, ferner Krause Apollon. Rhod. catal. Argonautarum 1798. Volkmann Einige Bemerkungen über Apollon. Rhod., Gymnas.-Progr. Jauer 1875. Ew. Meier Quaestiones Argonauticae 1882. Bethe Quaestiones Diodoreae mythograph. 1887 – teils in zusammenhängenden Darstellungen der griechischen Mythologie, wie Lauer System d. griech. Mythol. 219ff. Schwenck Mythol. d. Griech. 478ff. Eckermann Lehrbuch d. Religionsgeschichte I 249ff. Gerhard Griech. Mythol. § 681ff. Preller Griech. Mythol. II 308ff. H. D. Müller Mythol. d. griech. Stämme II 158ff. 265. 328ff. Grote Hist. of Greece I 316ff. Vgl. auch die A.-Artikel der mythologischen Lexika von Gruber, Noel, Jacobi, Smith, sowie der Encyclopädie von Ersch-Gruber V. Den besten Überblick über die ältere Forschung gewähren Gianrinaldo Carli Della spedizione degli Argonauti in Colco, Venezia 1745 und Weichert Über das Leben und Gedicht des Apollonius von Rhodus, Meissen 1821. Die neuere Forschung ruht auf dem grundlegenden Werk von K. O. Müller Orchomenos und die Minyer. Von Specialarbeiten sind zu nennen: Vater Der Argonautenzug, in den Kasanschen Abhandlungen 1844/45. Pyl De Medeae fabula, Berlin 1850 und Ztschr. f. Altertumswissenschaft 1854, 405ff. 481ff. 1855, 505ff. Kral Die Argonautenfahrt, Gymn.-Progr. Brünn 1852. Stender De Argonautarum ad Colchos usque expeditione fabulae historia critica, Kiel 1874. Kennerknecht De Argonautarum fabula quae veterum scriptores tradiderint, München 1886; zur Argonautensage, Progr. Bamberg 1888; Blätt. f. bayrisch. Gymnasialschulwesen XXII 109f. Groeger De Argonautarum fabularum historia quaestiones selectae, Breslau 1889. Jessen Prolegomena in catalogum Argonaut., Berlin 1889. Seeliger in Roschers Mythol. Lex. I 503ff. Beiträge zu den geographischen Fragen der Sage liefern: Schoenemann Commentatio de geographia Argonautarum, Göttingen 1788. Mannert Geogr. d. Griech. u. Röm. IV 22ff. Ukert Geograph. Ephemerid. XLV 293ff.; Geographie d. Griech. u. Röm. I 1, 33. I 2, 320ff., vgl. Artikel Argonautenfahrt bei Ersch-Gruber. Grotefend Geograph. Ephemerid. XLVIII 261ff.; Neue Geograph. Ephemerid. I 277ff. Voelcker Homerische Geograph. u. Weltkunde 129ff. Wieseler Festrede d. Götting. Universität zum 4. Juni 1874; Spicilegium ex locis scriptor. vet. ad Bosporum Thrac. spectantibus, Göttingen 1875; Commentatio de Cyaneis sive de Symplegadibus, Göttingen 1879. Für die Deutung der Sage kommen noch insbesondere in Betracht Forchhammer [786] Hellenika 205ff. 330ff.; Jahrb. f. Philol. 1875, 391ff. Kuhn Abh. Akad. Berl. 1873, 138ff. Mannhardt Zeitschr. für Ethnol. VII 243ff. 281ff. Pott Philol. Suppl. II 265ff. Paley The Dublin Review III 1, 164ff.

Deutung der Sage

V. Deutung der Sage.

Das Altertum sah in der Argofahrt zumeist ein historisches Factum, den ersten gemeinsamen Zug der Hellenen, der das Schwarze Meer den Griechen öffnete, zur Anknüpfung von Handelsbeziehungen und zur Colonisation der Küstenländer, ja selbst des inneren Kleinasiens führte. Nach den einen war es ein Kriegszug gegen Seeräuber und Barbaren (z. B. Kleidem. bei Plut. Thes. 19), nach den andern eine Handelsexpedition (Iuvenal VI 153: mercator Iason); das goldene Vliess fand aus der angeblichen Sitte der Kolcher, das von den Flüssen mitgeführte Gold in Fellen aufzufangen (Strab. XI 499. Appian. Mithrid. 103. Eustath. Dion. Perieg. 689), seine Erklärung als das bestimmte Handelsobject – Gold oder Felle –, dem das Unternehmen galt (vgl. Weichert Leben und Gedicht des Apollon. 106ff.). Eine zweite Gruppe (Charax frg. 14. Joh. Antioch. frg. 15. Suid. s. δέρας χρυσομάλλον und χημεία. Anonym. de incredib. 3 p. 321 Westerm.) deutete das goldene Vliess als ein auf Pergament geschriebenes alchymistisches Buch. Andere, an ihrer Spitze Dionysios Skytobrachion, erklärten alles Wunderbare durch euhemeristische Umdichtung: Phrixos sei auf einem Schiffe mit Widderprotome geflohen, Krios sei sein Pädagog gewesen, u. s. w. (Dionys. bei Schol. Ap. Ι 256. II 1144. IV 119. Diod. IV 47. Tacit. ann. VI 34. Palaiphat. de incredib. 31. Herakl. de incredib. 24). Eine tiefere Auffassung begründete erst O. Müller (Orchom. 159ff. 260. 280): der Grund der ganzen Phrixos-Iasonsage liegt in religiösen Ideen, vor allem in dem Kult des Zeus Laphystios oder Phyxios; das Vliess, das die A. heimholen, ist ein ideelles Gut, das Pfand der Versöhnung jenes Zeus Laphystios; Iason ist ein versöhnender Heilsgott, identisch mit Iasion, verwandt mit Kadmos; Medea ist eine der Hera verwandte Gottheit, Aietes gehört dem kolchischen Sonnendienst an; alle historischen Motive, so wesentlich sie auch für die Entwickelung der Sage geworden, sind doch erst später zu den religiösen Grundideen hinzugetreten. Forchhammer glaubte (Hellenika 205ff. 330ff.; Jahrb. f. Philol. 1875, 391 ff.) in unserer Sage das Gebilde einer alten auf agrarische Verhältnisse bezüglichen Natursymbolik wieder zu erkennen: das Vliess ist das Symbol der befruchtenden Regenwolke, welche zum fernen Osten hin entweicht und nach der Zeit der Dürre von dem Heil- und Segensgott Iason nach Griechenland heimgeführt wird. Kuhn Abh. Akad. Berl. 1873, 138ff. und Mannhardt Ztschr. f. Ethnol. VII 243ff. 281ff. suchten für den Gesamtmythus und für seine einzelnen Teile den Nachweis zu führen, dass überall alte Sonnenmythen zu Grunde lägen: der Widder ist das Sonnen- und Tageslicht, Phrixos Flucht und Helles Tod weisen auf Sonnenuntergang, die Wiedergewinnung des Vliesses auf Sonnenaufgang. Diese Erklärungen von O. Müller, Forchhammer, Kuhn und Mannhardt sind von den übrigen im vorigen Abschnitt genannten [787] Gelehrten teils wiederholt, teils combiniert und in verschiedener Weise modificiert, teils auch dahin abgeschwächt worden, dass man in der ganzen Sage nur das Märchen von dem fabelhaften Goldhort des Morgenlandes wiederfinden wollte. Fast alle haben daran festgehalten, dass das goldene Vliess den Mittelpunkt der Iasonsage bilde. Indessen ist von anderer Seite (H. D. Müller Mythol. d. griech. Stämme II 158ff. 328ff. Groeger De Argonautar. fabul. historia 2ff. Jessen Proleg. in catal. Argonaut. 36ff.) darauf hingewiesen, dass die Phrixossage ursprünglich von der Iasonsage völlig getrennt war, und es ist in der letztgenannten Schrift nachzuweisen versucht, dass die ganze Episode des goldenen Vliesses erst nachträglich aus dem minyeischen Sagenkreis in die ursprüngliche Iasonsage eingefügt ist, deren Hauptbestandteil das Verhältnis zwischen Iason und Medea (Werbung, Eheschliessung, Geburt und vorzeitiger Tod der Kinder, Trennung der Gatten) bildete. Falls diese Ausführungen begründet sind, darf die Deutung der Sage lediglich von den Persönlichkeiten Iasons und Medeas ausgehen; vgl. die Artikel Iason, Medeia, Phrixos.