Was ist es mit den Geistererscheinungen

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Autor: Wilhelm Löhe
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Titel: Was ist es mit den Geistererscheinungen?
Untertitel: 2. Thess. 2, 9. ff.
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Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: C. H. Beck’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Nördlingen
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Was ist es
mit den
Geistererscheinungen?


2. Thess. 2, 9. ff. 





Nördlingen,
[in C]ommission der C. H. Beck’schen Buchhandlung.
1843.


| Es ist eine alte und weit verbreitete Meinung, daß die abgeschiedenen Seelen oft nach dem Tode noch auf der Erde verweilen und sich den Lebendigen auf mancherlei Weise bemerkbar machen können. Schon die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte erzählen, daß aus besessenen Menschen oft Stimmen herausgerufen und vorgegeben haben, sie gehören den Seelen Verstorbener an, welche nun in lebendigen Leibern eine Behausung gefunden haben. Nach dem Ablauf der sechs ersten Jahrhunderte wird zum Theil von sehr ehrenwerthen Männern besonders viel von Erscheinungen und Stimmen solcher Seelen erzählt, welche die Lebendigen um ihr Gebet und andere Werke anflehten, damit sie Ruhe und Erleichterung ihres Zustandes fänden. Diese Erscheinungen mehrten sich in dem Maße, als man ihnen Aufmerksamkeit schenkte, – und wurden immer mehr geglaubt, je mehr sich die reine Lehre in die päpstliche Finsterniß verlor. Hernach kamen die Zeiten der Reformation und nach diesen machte sich der Unglaube Bahn, so daß wir leider die letztvergangenen Jahrzehnte Zeiten des Unglaubens nennen müssen. Die Reformatoren kämpften mit Waffen des Geistes gegen die Geisterei und allen Aberglauben; sie konnten sich mit aller Zuversicht auf das mit dem ihrigen übereinstimmende Zeugniß des Alterthums und der Väter in den ersten sechs| Jahrhunderten nach Christo berufen. Denn die Stimmen der Besessenen und die Erscheinungen der Todten sind von diesen alten Lehrern wirklich gerade so beurtheilt worden, wie von Luther und seinen Freunden. – Die Lehrer des Unglaubens in der letzten Zeit kämpften auch gegen Geisterei und Aberglauben, aber nicht mit den Waffen des heil. Geistes, sondern mit denen eines fleischlichen Spottes. Sie wußten es dahin zu bringen, daß sich viele Leute schämten, im Ernst von Geistererscheinungen oder von Besessenen zu reden; man wurde wegen solcher Reden verlacht – und wer läßt sich gerne verlachen? Allein trotz all dem hat das Volk seinen Glauben an Erscheinungen und Stimmen nicht aufgegeben, – und selbst von denen, welche in Verspottung des Geisterglaubens ein Zeichen von Aufklärung und Bildung sahen, haben sich viele einer unerklärlichen Furcht vor Geistern nicht erwehren können. Zwar suchte man alles Geisterhafte natürlich zu erklären, man ließ vor den Leuten auch die unnatürlichste natürliche Erklärung eher gelten, als eine einfachere und einleuchtendere, wenn diese darauf hinauslief, daß allerdings ein Hereinragen der Geisterwelt anzunehmen sei. Aber alles das war doch nur ein mühevolles Verbergen der eigenen Unruhe, – und in der neuesten Zeit wollte es gar nicht mehr helfen. Es regt sich in unsern Tagen überall, und zwar gerade in geistig und geistlich erregteren Gegenden am meisten, das alte Schattenwerk wieder so oft und mächtig, daß man zu andern Mitteln, als zum Spotte greifen muß, wenn man es überwinden will. Nicht blos einzelne Menschen werden aufmerksamer und nachdenklicher. Es haben sich hie und da ganze Schwärmersecten gebildet, die von nichts so viel denken, dichten| und reden, als von zu erlösenden und erlösten Seelen abgeschiedener Menschen. Besonders eine Secte, welche sich selbst gerne „die neue Kirche“ nennt, von andern aber – nach ihrem am 24. Sept. 1772 zu London verstorbenen Stifter Immanuel von Swedenborg – Swedenborgianisch genannt wird, hat sich in Schweden, England und Deutschland, namentlich im Würtembergischen, leider auch an der würtembergisch-bayer’schen Gränze, viel Anhang erworben und beweist für Aufrechthaltung und Ausbreitung ihrer gottlosen Lehrsätze eine nicht geringe Aufopferung. Ich rede von gottlosen Lehrsätzen – und ich weiß, was ich rede. Denn diese Secte hat erstens mit den übrigen, welche Geisterei lehren, das gemein, daß sie hier und dort statt zweier drei Menschenklassen lehrt, also nicht blos Fromme und Gottlose, Selige und Verdammte, sondern auch eine dritte Klasse, die hier weder fromm, noch gottlos ist, dort weder selig noch verdammt erscheint. Das Leben nach dem Tode ist so nur zu einer Fortsetzung nicht blos der Entschiedenheit, sondern auch der Unentschiedenheit im Guten und Bösen geworden; das Jenseits ist wie das Diesseits, nur daß dort bloße nackte Seelen ohne Leiber ihr altes Wesen treiben. Aber nicht blos das, sondern zweitens: die Secte der Swedenborgianer hat vor andern ihres Gleichen den Vorzug in der Geisterei dadurch errungen, daß sie von den erscheinenden Geistern eine ganz neue Bedeutung der Schriftworte gelernt hat, die zuvor niemals ein Mensch erfand. Sie hat von den Geistern eine neue phantastisch-rationalistische Weisheit erlauscht, durch welche die edelsten Lehren des Glaubens ganz und gar verändert werden und nichts übrig behalten,| als die uralten Wörter, den uralten Schall mit nagelneuer Deutung. –

 Gegen diese und ähnliche Secten ist es wohl nöthig, ein ernstes Wort zu reden. Denn es ist zu fürchten, der Satan möchte sich ihrer bedienen, um der armen Menschheit doppelten großen Schaden zuzufügen. Durch die Lehre von einer dritten Menschenklasse hier und dort, von dem dritten Ort in der Ewigkeit, bereitet er die Welt zur Annahme der Lehre vom Fegfeuer, zu einer neuen, schrecklicheren Ausbreitung römischer Abgötterei. Und durch die neue Schriftauslegung nimmt er der Welt allen gesunden Schriftverstand und Glauben, weist sie von dem hellen Lichte und dem klaren Worte Gottes auf murmelnde Geister und ihr heilloses Geschwätz, worin keine Seele Frieden finden kann. Wenn dann das böse Stündlein kommt, so hat die neue Kirche die alte Zuversicht, den süßen Trost der reinen Lehre hinweggenommen, kein Halt, keine Stärke, keine Ueberwindung ist mehr da; in der unheimlichen Vermengung des Diesseits und Jenseits verliert man alsdann das Heil, welches Gott durch tausend dringende Evangelistenstimmen angeboten hatte.

 Man glaube ja nicht, daß diese trüben Aussichten blos in trüben Augen ihren Grund haben. Die Welt ist schon einmal durch Geisterei um die reine Lehre des Evangeliums betrogen worden. Es könnte das zweite Mal auch geschehen, wenn wir nicht wachen und beten. Vor dem Jahre 600 nach Christo konnte sich die Lehre vom Fegfeuer keinen allgemeinen Eingang verschaffen. Schriftstellen, welche davon sprächen, gibt es keine. Die zwei (1. Cor. 3, 12. ff. 2. Macc. 12, 43. ff.), welche man an den Haaren herbeigezogen| hat, reden vom Fegfeuer nichts, und überdieß ist die eine (2. Macc. 12, 43. ff.) aus einem apocryphischen Buche genommen, kann also nichts beweisen. Die Meinungen etlicher alter Lehrer aber fanden Widerspruch und drangen nicht hindurch. Wodurch hat denn nun die Lehre vom Fegfeuer einen so großen Eingang gefunden? Wodurch meinst du, Leser? Durch die Geistererscheinungen. Die Kirchenväter erzählen uns, daß diese vom Jahr 600 n. Chr. an sehr häufig geworden seien, während man früher hin weniger von ihnen erfahren hätte. Ueberall – auf alle mögliche Weise – ließen sich Geister sehen und hören, sagten an, wer sie in diesem Leben gewesen seien, versicherten, daß ihnen die Liebe und das Gebet der Lebendigen und ihre gottesdienstlichen Werke so nützlich seien, flehten und wimmerten um Erbarmung, Gebete, Gottesdienste (Messen), – und zwar ganz in derselben Weise, wie es heut zu Tage auch zu geschehen pflegt. Und wie sich in unsern Tagen manch’ schwacher Christ oder Unchrist (denn diese Geister unterscheiden nicht gerade) durch das Flehen abgeschiedener Seelen geehrt fühlt und dann der Geister Willen thut; so geschah’ es auch damals. Man gab nach, man betete, man las Messen. – Die Geister kamen wieder, gaben vor, ihrer Qual los zu seyn und nun in den Himmel eingehen zu dürfen. So ging es fort in’s Unendliche, – jede neue Erscheinung bewies, daß es ein Fegfeuer gebe und Reinigungsqualen der Abgeschiedenen. Nun stieg und stärkte sich der Glaube an das Fegfeuer. Jeder wollte vor demselben bewahrt bleiben und die Seinigen bewahren. Jedermann freute sich, im Gebete, in der Messe, und was sich sonst anhing, Mittel zum Zweck gefunden zu haben. Auf| diese Mittel, diese Menschenwerke setzte man je länger je mehr das Vertrauen und je länger je mehr wurde die Christenheit dem alleine seligmachenden Glauben an Christum und Sein Verdienst entfremdet. Fegfeuer und Messe wurden die geläufigsten Gedanken des Volkes. Es wurde dunkel in der Kirche – und wer herrschte, das waren diejenigen, welche die wimmernden Seelen mit Messen zufriedenstellen konnten. Es kam da jene dunkle Zeit, welche man mit dem Namen der päpstischen Finsterniß so oft bezeichnet hat. – Nun frage ich dich, Leser: wodurch ist im Grunde seine Finsterniß mit all ihren Lügen, Irrthümern und Bosheiten herbeigeführt worden? Haben nicht Geistererscheinungen im Grunde die Welt um das helle Licht des Glaubens gebracht und in die finstere Nacht des Aberglaubens gestürzt? – Ist’s also eine eitle Befürchtung, wenn man von den sich in unsern Tagen so häufig zeigenden Geistern eine gleiche Tücke vermuthet? Es ist wahr, wir haben durch Gottes Gnade und den Dienst der Reformatoren die Wahrheit im helleren Glanze geschaut, als die Väter im siebenten Jahrhundert. Aber wenn wir nicht wachen, nicht beten, nicht behalten, was wir haben; so werden wir das helle Licht verlieren durch der Geister Trug – und uns durch nichts, als durch den größeren Verlust, von unsern Vätern unterscheiden.
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 Darum bitte ich dich, Leser, diese Zeilen und Blätter einer ernstlichen Prüfung zu würdigen. Ich werde nichts neues vortragen, nicht eigene Gedanken, sondern was je und je aus der heil. Schrift gegen die Geisterei gesagt worden ist. Lies, lieber Leser, – lies und prüfe, – lies und freue dich, wenn du findest, daß die Welt nicht ein Tummelplatz der Gespenster,| sondern ein heller, sonniger Kampfplatz ist, auf welchem du eben sowohl den Eingang zum ewigen Frieden, als das Thor der ewigen Verdammniß erlangen kannst.
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 Ich habe indeß nicht vor, zunächst vom dritten Orte, dem Lieblingsthema der Geisterer, zu reden. Ich weiß, daß 5. Mos. 30, 15. nur von Gutem und Bösem, von Leben und Tod, Joh. 3, 16. nur von Verlorenwerden und ewigem Leben, Marc. 16, 16. nur von Seligkeit und Verdammniß, Matth. 8, 11. 12. nur von ewigen Ueberfluß und ewigem Mangel, nur vom ewigem Abendmahl und ewiger heulender Finsterniß, Gal. 5, 21. nur von Gewinn oder Verlust des ewigen Reiches, – in der ganzen heil. Schrift nur von dem großen Entweder-Oder der Seligkeit und Verdammniß in hundert und tausend verschiedenen Worten und Wendungen die Rede ist. Ich weiß, daß zwischen dem Entweder und Oder weder hier noch dort ein Drittes zu finden ist, daß alle Menschen entweder gläubig oder ungläubig, also entweder in Hoffnung oder in Furcht seyn müssen. Ich weiß, daß die Schwärmer nur etlichen dunkeln Orten der Schrift ein wenig Wahrscheinlichkeit für einen dritten Ort der Ewigkeit abgewinnen können, – daß die sich nie auf den Grundsatz der Kirche verstehen, nur aus den hellen Stellen die dunkeln zu erklären. Ich weiß, daß nichts leichter ist, als den Sehenden zwei ewige Orte, Himmel und Hölle, aus der Schrift zu beweisen, – und nichts schwerer, als den Sehenden drei Orte aus der Schrift wahrscheinlich zu machen. Aber eben deswegen unterlaß ich meinen Beweis, und rede blos von den Geistern. Ist gezeigt, daß es mit diesen eine ganz andere Bewandtniß hat, als man| gewöhnlich annimmt; so fällt ohnehin aller Grund hinweg, einen dritten Ort zu behaupten. Denn die meisten glauben doch der Schrift blos um der Geister willen nicht, die meisten glauben doch nur auf der Geister Wort hin einen dritten Ort. Sind ihnen die Geister nicht mehr beachtens-, nicht mehr achtungswerth; so werden sie gerne dem Worte glauben und Fleiß thun, daß sie die Verheißung, zur Ruhe Gottes einzukommen, nicht in Träumerei versäumen, – Fleiß thun, daß sie nicht kommen an jenen Ort der Qual.


 Zwar werde ich mit dem, was ich sagen werde, gegen die Meinung vieler berühmten Christen anstreben. Allein ich bitte meine Leser, nicht zu bedenken, wer da redet, sondern zu bedenken, was geredet wird. Es können auch berühmte Christen betrogen und getäuscht werden. Ja, es ist am Tage, daß es in dem Fall, von dem wir reden, geschehen ist. Gregor, der Große, – Gregor v. Tours, – Beda, der Ehrwürdige, etc. sind Leute gewesen, gegen welche die berühmten Christen unserer Tage doch nur kleine Lichter sind: und doch haben sie sich täuschen lassen! Warum sollten nicht auch berühmte Geistergläubige unserer Tage betrogen werden können? Dazu haben ja auch das, was ich sagen werde, hochberühmte, fromme Christen, die keine Vergleichung zu scheuen brauchen, von Anfang an gesagt. Oder sind Tertullian, Theophylact, Chrysostomus, Augustinus etc., sind Luther, Joh. Gerhard, Martin Chemnitz, Ursinus v. Regensburg nicht auch helle, glänzende Namen in der Kirche Christi? Ist die Kirchenversammlung von Ancyra (anno 308), – ist die evangelisch-lutherische Kirche nicht werth, der| Frömmigkeit einzelner unbescholtener Männer unserer Tage an die Seite gestellt zu werden? Sollte ihr Zeugniß nicht so viel Vertrauen verdienen, wie das Zeugniß etlicher anderer der Vorzeit und Mitwelt? – Jedoch, vernimm, was gesagt wird. Es wird in kurzen Worten deiner Prüfung vorgelegt werden.


1.
 Wir wollen einmal annehmen (aber nicht zugestehen), daß diese Erscheinungen, welche sich für Seelen verstorbener Menschen ausgeben, wirklich abgeschiedene Seelen seien; so unterliegt es keinem Zweifel, daß wir uns mit ihnen in kein Gespräch einlassen dürften. 5. Mos. 18, 11. ist ausdrücklich verboten, daß man „die Todten frage.“ Und Jes. 8, 19–22. steht dasselbe Verbot mit angehängter Strafdrohung: „Wenn sie zu euch sagen: Ihr müsset die Wahrsager und Zeichendeuter fragen, die da schwätzen und disputiren, so sprechet: „Soll nicht ein Volk seinen Gott fragen? oder soll man die Todten für die Lebendigen fragen? Ja, nach dem Gesetz und Zeugniß (soll man fragen).“ Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenröthe nicht haben, sondern werden im Lande umhergehen, hart geschlagen und hungrig.“ – Man könnte sagen: „Es ist hier verboten, die Todten zu fragen; aber es ist doch ganz etwas anderes, wenn die Todten ungefragt reden.“ Darauf antworte ich dir Folgendes. Man soll die Todten nicht fragen, d. i.: man soll von ihnen nichts lernen wollen, sondern sich an’s Wort und Zeugniß| Gottes halten, aus dem Wort und Zeugniß Gottes Antwort auf alle Fragen holen. Wenn du nun die Todten zwar nicht mündlich fragst, aber ihnen doch neugierig und willig zuhörst; so hast du ein fragendes Herz und begibst dich mit demselben in eine verbotene Schule, in welcher nie jemand etwas Sonderliches gelernt hat. Hast du also Erscheinungen, so achte ihrer nicht; forsche weder mit dem Munde, noch mit dem Herzen nach verbotener Weisheit; sonst kommst du vom Wort und Zeugniß ab und hast die Morgenröthe nicht. Kaum ist etwas für das innere Leben des Christen gefährlicher, als sich mit dergleichen Fürwitz abgeben. Gewöhnlich tritt der Fürwitz an die Stelle himmlischer Weisheit, wie zur Strafe wird er oft Hauptsache der Seele – und das Herz kommt von Christo ab. Man betritt einen Weg, der in unabsehbare Weiten eines dunkeln Landes führt, eines Landes, welches in entgegengesetzter Richtung vom himmlischen Canaan liegt. – Du möchtest etwa einwenden: „Aber sie bitten so flehentlich, diese Todten!“ Ich erwiedere dir: auf der einen Seite flehen dich Geister um Gehör – auf der andern Seite verbeut dir dein Gott, ihrer zu achten. Was wiegt schwerer in deiner Wage: das Wort der Geister oder Gottes Wort? Nimm dich in Acht, daß du Wort, Zeugniß und Morgenroth nicht verlierst!


2.
 Hiebei ist immer noch vorausgesetzt, daß die Erscheinungen wirklich abgeschiedene Seelen seien. Aber womit will man denn das beweisen? Du antwortest: „Wie? was sollen sie denn seyn? Wenn Gott verbietet,| daß man die Todten frage; so muß es doch möglich seyn, sie zu fragen. Man muß die Todten fragen können; sonst verbietet Gott etwas Unmögliches, – und Unmögliches braucht er doch nicht zu verbieten, weil es sich von selbst verbietet.“ Das klingt allerdings sehr gründlich und hat viel Schein, aber Wahrheit ist nicht viel dahinter. Daß du die Todten fragst, ist möglich; aber ob sie dir antworten, ob es wirklich Todte sind, die du fragst, ob du dir nicht blos einbildest, daß es Todte seien? ob nicht die Antwort von ganz Andern, als von Todten, von abgeschiedenen Seelen, herrührt? das fragt sich! Du könntest einwenden: „Aber würde Gott so hoch verbieten, die Todten zu fragen, wenn es nicht Todte wären? Würde es so sträflich seyn, wenn es blos ein eitles Beginnen wäre? Wird Gott eine bloße Eitelkeit so hoch verbieten?“ Ich erwiedere: warum denn nicht? Ist nicht deine Seele doch von dem Wort und Zeugniß Gottes und von Gott selbst abgewendet, wenn du die Todten fragst? d. i. wenn du die fragst, die du für Todte hältst? Ist nicht die Abkehr des Herzens von Gott die Hauptsünde bei der Todtenfrage? Ist’s doch bei ähnlichen Verboten gerade so! Lies einmal 2. Kön. 1, 1–6. Die Stelle enthält ein ausdrückliches Verbot, die Götzen zu fragen. Nun wissen wir aber aus 1. Cor. 8, 4. „daß ein Götze nichts sei in der Welt und daß kein anderer Gott sei, ohne der einige.“ Der Götze ist nichts. Warum verbietet denn Gott, ihn zu fragen? Kann er doch keine Antwort geben! Ich könnte dich, wenn ich meinem eigenen Gedankengang vorgreifen wollte, auf 1. Cor. 10, 19. 20. verweisen. Da würdest du finden, wem du dich zuwendest,| wenn du einen Götzen fragst, und du würdest damit zugleich eine Antwort auf die Frage haben: „Wem wendet man sich zu, wenn man die Todten fragt?“ Aber ist nicht schon das Antwort genug: „Gott verbietet auch eitlen Gottesdienst, weil er von Ihm die Seelen abkehrt! Es ist Unglücks genug, wenn eine Seele von Gott abgewendet wird!“ – Gerade so ist’s mit dem Verbote des Tagwählens, Vogelgeschreiachtens etc. 5. Mos. 18, 10. Es ist nicht wahr, daß ein Tag zu der oder jener Arbeit besser sei, als der andere, – es ist nicht wahr, daß ein Vogelgeschrei eine Andeutung gegenwärtiger oder zukünftiger Dinge sei; die Sache beruht auf Lüge und Einbildung. Dennoch ist es verboten, – ja gerade, weil es eine von Gott abkehrende Eitelkeit ist, ist es verboten! – So ist es auch mit dem Todtenfragen. Es sind nicht Todte, die deine Frage aufnehmen oder beantworten; du bist im Wahne, die Todten zu fragen; Gott gönnt dir aber weder diesen Wahn, noch deines Herzens Abkehr von Ihm, dem höchsten Gute: darum sollst du „die Todten nicht fragen.“


3.
 Du wirst nun freilich sagen: „Aus deinen Reden vernehme ich wohl, daß deine Behauptung, jene Erscheinungen seien keine abgeschiedenen Seelen, und wer die Todten frage, frage eigentlich nicht die Todten, wahr seyn könne. Aber bewiesen ist es doch noch nicht, daß es wirklich keine Todten seien, die erscheinen, und daß man nicht eigentlich Todte frage, wenn man sie frage.“ – Ich wollte dir aber auch vorläufig nicht mehr beweisen, als daß aus dem Verbote| des Todtenfragens nicht geschlossen werden dürfe, daß man wirklich Todte fragen könne. An dir wäre es nun zuerst zu beweisen, daß jene Erscheinungen wirklich Todte seien. Womit beweisest du das? Du berufst dich auf die Aussagen dieser Erscheinungen selbst. Diese Berufung gilt nichts. Du sollst ja mit den Todten nicht reden, wie kannst und darfst du denn aus verbotenem Munde Beweis führen? – Du berufst dich auf dein Auge, du willst am Ende die Todten erkannt haben; aber dein Auge kann dich betrogen haben, oder, wenn wirklich die Gestalt einem dir bekannten Todten ähnlich sah, so kann es eine Truggestalt gewesen seyn. Wir haben für das Schattenspiel der Erscheinungen kein sicheres Auge. Auch haben ja die abgeschiedenen Seelen keine sichtbaren, gewiß keine für uns sichtbaren Gestalten. – Du berufst dich auf dein Ohr, weil du gehört habest, was diese Todten für Laute und Töne von sich gegeben, was für Geräusch sie gemacht haben. Aber könnte man nicht eben so gut aus diesen Tönen und Lauten, aus dergleichen Geräusch schließen, daß es keine Menschenseelen seien? Oder warum soll aus dem Geräusch, ja aus dem Tone einer menschlichen Stimme geschlossen werden, daß eine Erscheinung eine abgeschiedene Seele sei? Du vernimmst wohl eine Wirkung, aber die Ursache weißt du nicht! wenigstens nicht mit Sicherheit! Die Erscheinung einer menschlichen Gestalt, der Ton einer menschlichen Stimme beweisen alle beide zusammen noch keineswegs, daß du’s mit einer abgeschiedenen Seele zu thun habest. Es spricht zu viel anderes dagegen, wie du hören wirst; – auch können Engel, gute oder böse, Gestalt und Stimme annehmen. – Du berufst dich| ferner auf Weissagungen und Offenbarung verborgener Dinge, welche diese Erscheinungen gegeben haben. Allein worauf beziehen sich diese Weissagungen? Was offenbaren diese Offenbarungen? Entweder reden sie von Zeitlichem oder Ewigem. Reden sie von Zeitlichem, z. B. von verborgenen Schätzen, von Mißwachs oder reichen Ernten; so muß man mißtrauisch seyn. Gott könnte wohl allenfalls durch einen guten Engel in Menschengestalt einmal auch eine Offenbarung oder Weissagung zeitlicher, ja ganz geringer Dinge geben, wenn es für die Seligkeit einer oder vieler Seelen nöthig wäre. Aber Geister, welche Geräusch machen und poltern, welche dich armen Sünder um dein Gebet zur Linderung ihrer Qual bitten, sind doch keine guten Engel, – und jeden Falls auch selbst keine guten Seelen. Wer hätte also denen die Zukunft oder das Verborgene geoffenbart? Sie verlangen von dir Gebet wider Gottes Gebot – und offenbaren dir, was dir Gott verborgen hat? Ihre Bitten an dich sind wider Gottes Wort, – so werden alle ihre Weissagungen auch nicht von Gott seyn. – Setzen wir aber den Fall, daß diese Erscheinungen von ewigen Dingen reden; so müssen sie entweder reden, was die göttliche Offenbarung, die heil. Schrift, sagt, oder etwas anderes. Ist es dasselbe, wozu bedarfst du denn ihrer? Die Schrift ist dir ja vorher bekannt. Ist es aber etwas anderes, so sind sie verflucht. St.  Paul sagt ja Gal. 1, 8.: „So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir auch gepredigt haben, der sei verflucht!“ Nun haben diese Erscheinungen| von Anfang an, wie ich dir Eingangs gezeigt habe, viel gelogen, viel falsche Lehre und falschen Gottesdienst anrichten helfen. Es wäre demnach gar kein Wunder, wenn sie auch in unsern Zeiten lögen. Die offenbaren Irrlehren vom Fegfeuer, von der Wirkung der menschlichen Gottesdienste auf den Zustand der abgeschiedenen Seelen, der Gräuel der Todtenmessen etc., – sie sind alle durch Erscheinungen in der Christenheit eingeführt und gegründet worden. Wenn nun deine Geister dir versichern, deine Gebete, d. i. deine Werke, vermögen, ihre Qual zu lindern, – wenn sie dir schmeicheln, indem sie deinen Werken Kraft beilegen, – wenn sie damit offenbar dem Worte Gottes widersprechen, welches in seinem ganzen Zusammenhang die Gnadenzeit des Menschen mit dem Tode des Leibes für geschlossen erklärt und von der Kraft menschlicher Gebete für die Todten kein Wort spricht: – schauert dir nicht die Haut? Fürchtest du nichts? Warnt dich die Geschichte und die Verderbniß der römischen Kirche nicht? Gedenkst du nicht an den, „deß Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß sie selig würden?“ Bist du denn so wundersüchtig und fürwitzig, daß du alles, was du nicht verstehst, für Wunder ansiehst, das von Gott kommt? Fällt dir nicht ein, daß auch falsche Propheten nach Matth. 24, 24. „große Zeichen und Wunder thun werden?“ Willst du „deine Ohren von der| Wahrheit wenden und dich zu den Fabeln kehren?“ Weißt du nicht, daß Gott denen, die sich von dem Wort und Zeugniß wenden, „kräftige Irrthümer senden wird, daß sie glauben der Lügen?“ 2. Thess. 2, 9–11. – Laß dich warnen vor diesen Erscheinungen! Wären es Menschenseelen, so wären es verfluchte, welche ihr Heil ohne Zweifel am verkehrten Orte und gewiß nicht aufrichtig suchen! Laß dich durch Offenbarung zeitlichen Vortheils nicht betrügen; denn die da reich werden wollen, fallen in Versuchungen und Stricke und viel thörichter, schädlicher Lüste, welche versenken die Menschen in’s Verderben und Verdammniß! 1. Tim. 6, 9. Laß dich warnen vor denen, die dich irdisch gesinnt machen und von deinem Heil abwenden! Laß dich warnen vor diesen boshaften Geistern, von denen du nicht weißt, ob sie Menschenseelen sind, – von denen ich dir aber nun beweisen werde, daß sie, sie mögen dir schwarz oder weiß erscheinen, nichts weniger, als abgeschiedene Seelen sind.


4.

Vernimm meinen Beweis!

 Für’s erste sagt die heilige Schrift kein Wort davon, daß die Seelen der Verstorbenen noch länger auf der Erde verweilen, sondern überall in der heil. Schrift ist gelehrt, daß sie alsbald an ihren ewigen Ort kommen. Von den Seelen der Gerechten braucht schon das alte Testament die Redensart: „sie werden gesammelt zu ihrem Volke.“ Diese Redensart kann nicht von dem Begräbniß verstanden| werden, als würden die Frommen durch’s Begräbniß zu den Leibern ihres Volkes versammelt. Denn die Leichname im Grabe sind kein Volk; auch wird diese Redeweise von solchen gebraucht, welche ferne von ihrem Vaterlande, in der Fremde ein einsames Begräbniß finden. So heißt es z. B. 1. Mos. 25, 8. von Abraham: „er ward zu seinem Volk gesammelt;“ da doch in seinem Grabe nur Sarah lag und erst V. 9. der Bericht von seinem Begräbniß gegeben wird. „Zu seinem Volke gesammelt werden,“ geht deshalb auf die Seelen und das Volk, von welchem die Rede ist, sind „die Geister der vollendeten Gerechten,“ welche nach Ebr. 12, 22. im himmlischen Jerusalem versammelt sind. Dorthin gehen die Seelen nach ihrem Abschied aus dem Leben des Leibes. Das sehen wir auch an Lazarus, von welchem es Luc. 16, 22. heißt: „er starb“ und unmittelbar darauf: „er ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß.“ (Vergl. Matth. 8, 11.) Das sehen wir am Schächer, welchem der HErr am Charfreitag, Nachmittags gegen drei Uhr, also ungefähr 3 Stunden vor dem Ende jenes Tages, versicherte: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn.“ Luc. 23, 43. Das sehen wir an dem HErrn selbst, welcher im Augenblicke des Verscheidens betete, was Ps. 31, 6. geschrieben steht: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ Luc. 23, 46. Das sehen wir an Stephanus, welcher Apostelgesch. 7, 58. in seinem Tode betete: „HErr JEsu, nimm meinen Geist auf!“ Also gehen die Seelen der Frommen in’s himmlische Jerusalem, zu dem Volke Gottes, zum ewigen Freudenmahle, in die Hand des| HErrn. Darum freut sich auch St. Paulus auf das Ende des Glaubens und den Anfang des Schauens und ruft 2. Cor. 5, 8.: „Wir sind getrost und haben vielmehr Lust außer dem Leibe zu wallen und daheim zu seyn bei dem HErrn“ – und Philipp 1, 23.: „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu seyn.“ Und mit Recht spricht das Buch der Weisheit 3, 1.: Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an.

 Aehnlich ist es mit den Seelen der Gottlosen. Der reiche Mann stirbt – und alsbald ist er in der Hölle und in der Qual. Luc. 16, 23. Zu einem andern reichen Manne Luc. 12, 16. ff. sprach Gott, indem er ihm seine Todesnacht andeutete: „Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“ Der Tod des Judas Ischarioth wird Apostelgesch. 1, 25. mit den Worten beschrieben: „er ging hin an seinen Ort.“ – Dieser Ort aber ist derselbe, von welchem ein in dieser Sache gültiger Zeuge spricht, daß es ein „Ort der Qual sei.“ Luc 16, 28. Derselbige Zeuge versichert auch, daß für die Gottlosen das Sterben nichts anders sei, als: „ein Kommen an seinen Ort der Qual.“ V. 28.

 Indeß gebe ich zu, daß diese Stellen – und viele andere, welche ein aufmerksamer Leser der heil. Schrift selbst finden wird[1] – nur beweisen, daß die Seelen der Abgeschiedenen alsbald an ihren Ort gehen, nämlich entweder in’s Paradies oder| in die Hölle, – nicht aber, daß sie nicht wiederkehren und auf die Erde zurückkommen können. Jedoch ist auch das aus folgenden Stellen der heiligen Schrift klar:

2. Sam. 12, 23. spricht David von seinem verstorbenen Sohne: „Kann ich ihn auch wieder holen? Ich werde wohl zu ihm fahren, er kommt aber nicht wieder zu mir.

 In diesen Worten läge ein schlechter Trost, wenn sie nichts weiter sagen sollten, als: „ich werde neben meinem Sohne begraben werden.“ Da würde David sehr eitle Worte führen. Alle Trostkraft liegt in der Hoffnung, daß David mit seinem Sohne der Seele nach wieder vereinigt werden wird. – Muß man nun „zu ihm fahren“ von der Seele David’s mindestens eben sowohl verstehen, als von der Vereinigung der Leichname im königl. Begräbniß; so muß auch das Wort: [„]er kommt nicht wieder zu mir“ um so mehr von der Seele verstanden werden, als ja der Leichnam des Kindes noch bei David war. Ist aber das, so beweist die Stelle, daß die Seelen der Verstorbenen nicht auf die Erde zurückkommen.

 Dazu nimmt man die Stelle Hiob 7, 9. 10. „Eine Wolke vergeht und fährt dahin. Also wer in die Hölle hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf und kommt nicht wieder in sein Haus und sein Ort kennt ihn nicht mehr.“ Von einem leiblichen Hinunterfahren in die Hölle redet Hiob nicht; die Seelen fahren allein und ohne Leib hinab. Der Leib könnte wohl wieder in sein Haus kommen, ja in seinem Hause| bleiben; nur von der Seele behält die Stelle ihre volle Wahrheit – und beweist kräftig, daß die Seelen nicht wieder kommen.

 Diese zwei Stellen, 2. Sam. 12, 23. und Hiob 7, 9. 10. bezeugen deutlich und klar, daß die Seelen der Abgeschiedenen nicht zurückkehren, sie seien nun gut oder böse. Außer guten und bösen kennt aber die heil. Schrift keine. Vom ersten bis zum letzten Blatt der Bibel ist kein Gotteswort zu finden, daß es eine dritte Menschenklasse hier oder dort gebe. Ueberall ist nur von zweien, von Guten und Bösen, die Rede. Wenn deshalb böse und gute Seelen im Tode an ihren ewigen Ort gehen, weder böse, noch gute zurückkehren; so kehren gar keine zurück – und die Erscheinungen, welche sich zeigen, können nicht von abgeschiedenen Seelen herrühren.


5.

 Gegen diese meine angeführten Beweise kann man freilich einige Stellen der heiligen Schrift anführen, welche zu widersprechen scheinen. Allein auch diese widersprechen bei genauer Betrachtung nicht.

 Hiob 4, 12. ff. (vergl. 33, 15. f.) paßt nicht zur Widerlegung. Denn da ist von göttlichen Offenbarungen die Rede, so wie auch Apostelgesch. 12, 15. von einem Geiste redet, der in den Bereich der gewöhnlichen Erscheinungen nicht gehört. Mit scheinbar größerem Rechte wird die Erscheinung Mosis und Eliä auf dem Berge Tabor Luc. 9, 28. ff. und die 1. Samuelis 28. erzählte Erscheinung Samuels hieher gezogen.

|  Allein was zunächst die Geschichte der Erscheinung Mosis und Eliä anlangt; so ist sie jeden Falls etwas Besonderes, woraus man keine Regel für das gewöhnliche Leben machen muß. Wenn auch auf dem Berge Tabor die Seelen Mosis und Eliä ohne Körper sichtbar wurden; so hatte dabei Gott eine große Absicht, um deren willen der gewöhnliche Lauf der Dinge ausnahmsweise gar wohl unterbrochen werden durfte. Sie erschienen neben dem Sohne Gottes, von welchem die Stimme sprach: „den sollt ihr hören.“ Es soll offenbar werden, daß auch Moses und Elias nur aus JEsu Fülle genommen hatten, daß das Gesetz und die Propheten Seines Geistes voll und mit ihm völlig Eins waren, daß Ihn oder Mosen oder Eliam hören nur ein und derselbe Gehorsam gegen Gott sei. Um aber diese Eintracht des alten und neuen Testamentes ein für alle Male außer allen Zweifel zu setzen und zu beweisen, daß seine Stelle Luc. 16, 29–31. ganz im Sinne des neuen Testamentes gesagt sei, – dürften wohl, wie gesagt, ausnahmsweise zwei selige Geister erscheinen. Indeß sind gerade Elias und Moses auf eine so besondere Weise von der Erde weggenommen worden, daß es schon in Beziehung auf die Verklärung Christi hätte geschehen seyn können. Wer kann sagen, ob nicht jene Erscheinung Mosis und Eliä schon im verklärten Leibe geschehen ist?
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 Was aber die Geschichte der Erscheinung Samuel’s anlangt, so hat zwar Sirach 46, 23. vorgegeben, daß die Erscheinung wirklich Samuel gewesen sei. Aber gerade daraus nehmen wir einen der Beweise, daß das Buch Sirach nicht von Gott stamme. Wie könnte es auch von Gott seyn, da es den klaren Stellen der| heil. Schrift widerspricht? denn nach der heil. Schrift kann einmal die Erscheinung keine Erscheinung des wirklichen Samuel gewesen seyn. Erwäge einmal folgende Gründe und sieh zu, ob du nach der heil. Schrift anders urtheilen kannst.
a. Gott antwortete Saul auf sein Anfragen nicht mehr. 1. Sam. 28, 6. Sollte nun die heilige Prophetenseele Samuel’s dem geantwortet haben, dem Gott nicht antwortete? Gott war von Saul gewichen, V. 15. Sollte nicht Samuel’s fromme Seele von dem geschieden gewesen seyn, von welchem Gott geschieden und gewichen war?
b. Der Samuel, welcher erschien, erschien auf Befehl eines zauberischen Weibes. Werden wir also glauben müssen, daß fromme Seelen, ja Prophetenseelen nicht einmal in Gottes Hand, nicht einmal in Abraham’s Schooße, nicht einmal im Paradiese vor der Macht der Zauberei sicher seien? Es steht geschrieben: „Selig sind die Todten, die im HErrn sterben. Der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit.“ Es steht geschrieben: Seine Schaafe kann Ihm niemand aus den Händen reißen.“ Kann es dann aber Seligkeit, kann es Ruhe von zeitlicher Arbeit, kann es Sicherheit in Gottes Händen genannt werden, wenn erlöste Seelen der Eitelkeit dienen und Zauberern gehorchen müssen, so oft es diesen beliebt? Spricht nicht dieser Samuel der Zaubererin, den Saul gar nicht sah, sondern nur das Weib: „Warum hast du mich unruhig gemacht, daß du mich heraufbringen lässest?“ – Und das soll Samuel seyn? Nimmermehr!|
c. Der Samuel, welcher der Hexe erschien, spricht V. 19. zu dem Selbstmörder Saul: „Morgen wirst du mit mir seyn.“ Wird also der heilige Prophet und der Selbstmörder ein ewiges Loos und einerlei Aufenthalt haben? Ist’s einerlei Volk, zu welchem sie beide werden gesammelt werden? Wäre das schriftgemäß?

 Du siehst also, lieber Leser, wie wenig die angeführten Stellen für den Satz beweisen, daß die erscheinenden Geister abgeschiedene Seelen seien.

 Man könnte zwar in Betreff der angeblichen Erscheinung Samuels einwenden, daß noch eine andere Erklärungsweise frei stehe, daß zwar die Hexe keine Macht über Samuel’s Seele gehabt habe, daß aber Samuel auf des HErrn Geheiß, wider alles Verhoffen der Hexe selber erschienen sei. Aber angenommen, daß diese Erklärung richtig wäre, so könnte man aus ihr keinen Beweis für den Satz nehmen, daß die erscheinenden Geister abgeschiedene Seelen seien. Es wäre dann wie bei Mose und Elias eine Ausnahme, welche keine Regel begründen kann. Allein es kann diese Erklärung nicht angenommen werden, denn dieser Samuel spricht es ja V. 15. geradezu aus, daß er von Menschen herbeigerufen, daß er beunruhigt worden sei. Wäre er auf Gottes Geheiß erschienen, so könnte er ohne Lüge Menschen sein Kommen nicht zuschreiben, noch weniger konnte er sich durch’s Geheiß Gottes beunruhigt fühlen, da ja der Wille Gottes der Seelen Seligkeit ist. Auch wird ja ausdrücklich V. 6. 15. bezeugt, daß Gott von Saul gewichen war und ihm nicht mehr antwortete. Wie sollte sich nun Gott widersprechen – oder, wenn einer behauptete, es läge kein Widerspruch darin, wie| sollte er dem Saul in einer Weise und unter Umständen geantwortet haben, durch welche der Zauberei eine Art von Ehre eingeräumt würde und Gott in dieselbe als verwickelt erschiene. Gott selbst würde da seine Aussprüche zu Zaubersprüchen gemacht haben, ja ER würde Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Das aber sei ferne!


6.
 Hier sind wir nun an dem Punkte angekommen, wo einfach herausgesagt werden muß, was denn also die Erscheinungen seien, welche heut zu Tage so viele Menschen ängstigen. Daß es keine Engel seien, – denn Engelerscheinungen wollten alle diese bisherigen Reden durchaus nicht läugnen, – ist offenbar. Engel begehren keine Hülfe und ihre Erscheinungen sind ganz anderer Art. Menschenseelen sind es auch nicht, das ist’s ja eben, was wir bisher weitläufig auseinandersetzten. Daß sie auf purer Einbildung beruhen, ist eben so thöricht zu behaupten, als daß die Einbildung und Furcht nicht Geister sehen könne, wo keine sind. Es ist eine übereinstimmende Aussage aller Völker und Zeiten, daß es Erscheinungen der Geister gebe. Selbst die heil. Schrift (S. Matth. 14, 26. Marc. 6, 49.) widerspricht es nicht. Was sind sie denn also? Ja, was können sie seyn? Schon aus der Wirkung kann man die Ursache erkennen. Nie und nirgends hat Geisterei der Welt wahrhaft gute Früchte gebracht. Wo man sie als Gutes aufnahm, folgten zahllose, schädliche Irrthümer und Lügen im Geistlichen und Leiblichen nach. Darum sind treue Diener der heil. Kirche allezeit der innigen Ueberzeugung| gewesen, daß lügenhafte Kräfte der Hölle walten, wo die Geisterei im Schwange geht, daß die Geistererscheinungen teufelischer Spuck seien, vom Satan erdichtet und vor armen Menschenkindern aufgeführt, um die Seelen von der Wahrheit zu kehren, von Gott zugelassen, um die gottlose Welt mit Lügen zu strafen und mit Schattenwerk zu plagen, weil sie die einfältige lichte Wahrheit in ihrer Schönheit nicht annimmt. 2. Thess. 2, 9. ff. ist anzuwenden.


7.
 Ganz auf diese Weise sprechen sich die edelsten Lehrer des Christenthums aus. Die alten Väter geben etwa wohl zu, daß eine abgeschiedene Seele zu besonderer Absicht, durch Gottes besondere Schickung den Lebendigen erscheinen könne (S. Luc. 9. die Erscheinung Mosis und Eliä). Aber sie behaupten fest, daß die Seelen nicht nach eigenem Willen erscheinen und wiederkommen können, – Gott habe verhindert, daß die Lebendigen den Aufenthaltsort und Zustand der Todten von ihnen selber lernen. Die heil. Schrift offenbare uns in lichter Klarheit vom Jenseits alles, was wir zu wissen nöthig haben. Sie berufen sich einstimmig auf Luc. 16. und beweisen daraus mit Macht, daß hier auf Erden keine abgeschiedene Seele irre. So urtheilt z. B. der heil. Chrysostomus († 407) unter summarischer Anführung fast alles dessen, was dir oben vorgelegt ist: „Es ist keine abgeschiedene Seele, die da spricht: „ich bin die| Seele deß und deß,“ sondern ein Teufel ist’s, der diese Worte erdichtet, um die zu betrügen, welche darauf merken.“ Und wie viele andere Zeugnisse könnte man aus den Schriften der Väter anführen, welche ganz mit Chrysostomus übereinstimmen. Auch könnte man eine ganze Reihe von hohen, berühmten Namen nennen, welche die Geschichte 1. Sam. 28. ganz so auslegen, wie du oben gelesen hast. – An dieses Urtheil des Alterthums schließe sich Martin Luther an. Er sagt am Dreikönigstage in der Kirchenpostille von den wandelnden Geistern also: „Laß wandeln, was da wandelt. Du hörst, was dir dein Gott gebeut. So du dieselbigen Geister alle verdächtig hältst, sündigst du gar nichts. So du aber Einen für rechtschaffen hältst, bist du schon in Gefahr des Irrthums. Warum das? Darum: Gott will’s nicht haben, daß du von den Todten lernen und Wahrheit forschen sollst. Er will selbst dein lebendiger, überflüssiger, genugsamer Lehrer seyn. An Sein Wort sollst du dich halten. Er weiß wohl, was Er dir von Todten und Lebendigen sagen soll, denn Er weiß alle Dinge. Jes. 9.


8.
 Man könnte nun wohl sagen: „Steht die Sache so, so ist es mit der Geisterei noch schauriger, als wenn sie von wandelnden Menschenseelen herrührte; denn es ist schauriger, mit Teufeln, als mit Seelen zu thun haben.“ Aber darauf erlaube ich mir, mit| einem Nein zu antworten und dagegen zu behaupten: Es ist schauriger, mit abgeschiedenen Seelen, als mit Teufeln zu schaffen haben. Mit den Teufeln sind wir in einem offenen, hellen Kampf, über welchen uns die heil. Schrift genugsamen Unterricht ertheilt. Sie sind auch nicht unsers Gleichen und es mischt sich in unsern Kampf gegen sie kein Erbarmen, nicht der Gedanke: „wer weiß, wie nahe dich diese Seele angeht?“ – auch nicht der Gedanke: „wer weiß, ob nicht auch du einmal wandeln wirst?“ Müssen wir hingegen glauben, es seien Menschenseelen, die uns nahen; so stehen wir auf einmal auf einem nebeligen Gebiete, von welchem Gottes Wort völlig schweigt, – auf einem grauenhaften Gebiete, das uns das namenlose Elend Entschlafener von unsers Gleichen entdeckt, ohne daß Licht und Hoffnung darüber dämmerte, – auf einem Gebiete der Barmherzigkeit, welche doch rathlos ist. Ist die Sache vom Teufel, so weißt du, daß du dich ihrer zu entschlagen hast. Ist sie von Abgeschiedenen, so wirst du nimmermehr ruhig werden, wenn du einen jammernden Geist ohne Hülfe hast müssen gehen lassen. – Es ist daher die schriftmäßige Lehre von den Erscheinungen viel weniger schaurig und viel beruhigender, als die entgegengesetzte.


9.

 Ein Einziges bleibt nun noch übrig, nämlich anzugeben, was ein Christenmensch in dem Falle zu thun habe, daß er unheimliche Gesichte oder Töne wahrnimmt? Hierauf sei Antwort aus Martin Luther gegeben.

|  „Du sollst alles solch Gespuckniß der Geister frei und fröhlich in den Wind schlagen und dich nicht vor ihnen fürchten, so werden sie dich auch wohl mit Frieden lassen. Und ist’s, daß du etwa in deinem Hause hast einen Polter- oder Rumpel-Geist; so mache nicht viel Disputirens und wisse, daß es kein guter Geist ist und er nicht von Gott kommt. Mache Kreuz für dich und fasse den Glauben zu Herzen. Hat ihm Gott verhängt, dich zu strafen, wie den frommen Hiob, so sei bereit und leide es willig. Ist’s aber sein eigen Spiel, so verachte ihn mit starkem Glauben, und erwäge dich nur frisch auf Gottes Wort; denn er wird dir Gottes Wort nicht anbeißen, da habe keinen Zweifel?“

 „Wiewohl ich achte, daß derselbigen Poltergeister keiner von Gott zur Strafe geordnet sei, sondern es ist ihr eigener Muthwillen, die Menschen vergebens zu schrecken, dieweil sie nicht mehr Macht haben, zu schaden. Denn wo er Macht hätte, würde er sich nicht mit viel Poltern erzeigen, sondern seine Bosheit ausrichten, ehe du erführest, wer es gethan hätte. Soll aber ein guter Geist zu dir kommen, so wird’s auch nicht auf diese Weise geschehen mit viel Poltern und Leichtfertigkeit. Versuche dies und erzeige solchen Glauben, so wirst du sehen, daß solches Gespuckniß aus Gott nicht ist, und wird ablassen. Glaubst du nicht, so hat er gut zu thun; denn Gottes Wort ist nicht da, welches er allein fürchtet.

 „Die Worte Gottes, darauf du trotzen sollt, sind die Luc. 16., da Abraham sprach zu dem reichen Manne in der Hölle, da er begehrte, daß der verstorbene Lazarus würde gesandt zu seinen leiblichen Brüdern| auf der Welt, und Abraham ihm das abschlug und sprach: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Aus welchem Text klärlich folgt, daß Gott uns nicht will durch die Todten lehren lassen, sondern an Seiner Schrift gehalten haben. Darum wie und wo dir ein Geist zukommt, so frage nur nichts, ob er gut oder böse sei; sondern stoß ihm nur frisch dies Wort kürzlich und verächtlich in die Nase: „Sie haben Mosen und die Propheten;“ so wird er bald fühlen, was du meinst. Ist er gut, so hat er dich nur desto lieber, darum daß du deines und seines Gottes Wort frei und fröhlich führst. Ist er nicht gut, wie sie alle sind, die da poltern, so wird er bald Ade sagen.“

 „Item, das andere Wort ist Mosis (5. Mos. 18.), da er also sagt: „Israel, wenn du in das Land kommst, das dir der HErr, dein Gott, geben wird; so sollst du nicht lernen thun die Gräuel dieser Völker, daß nicht unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder Tochter durch’s Feuer gehen lasse, oder ein Weissager, oder ein Tagwähler, oder der auf Vogelgeschrei achte, oder Zauberer, oder Beschwörer, oder Wahrsager, oder Zeichendeuter, oder der die Todten frage' etc.“ Hier hörst du, daß es vor Gott ein heidnischer Gräuel ist, von den Todten oder Geistern fragen, und hart verboten. Auf dieses Wort Mosis sieht Abraham, daß er Lazarum nicht will lassen zu den Lebendigen gehen. So kannst du wider diese Geister den Spruch führen und sagen: „Gott spricht: du sollst nicht von den Todten forschen.

|  „Darüber hat Gott so festgehalten, daß kein Exempel, keine Geschichte in der Schrift ist, da die Heiligen etwas von den Todten erforscht, welches der dritte Stoß ist, daß du sagen kannst zu den Geistern: „Es ist kein Exempel je gehört noch gelesen in der Schrift von solchen Geistern und ihrem Wesen, darum sei es zu verachten oder zu meiden, als ein Teufelsgespenst gewißlich.“

 „Hieraus ist leichtlich zu merken, daß es ein Gespuckniß (Spuck) gewesen mit Samuel’s Aufwecken. Denn es geht Alles zu wider dieß Gebot Gottes, darum nicht zu vermuthen ist, daß der rechte Prophet Samuel sei auferweckt durch die Wahrsagerin daselbst. 1. Sam. 28. Daß aber die Schrift daselbst schweigt und nicht sagt, ob es der rechte oder unrechte Samuel sei, das thut sie darum, daß sie von jedermann fordert, er solle je wohl wissen, daß durch Mosen Gott verboten hatte, von Todten zu forschen. Und ER widerruft Sein Wort nimmer, spricht Hiob und Bileam 4. Mos. 24. Wie sollte die Zauberin über die Heiligen Macht haben, die in Gottes Händen allein behalten sind?“

 Soll man allen Rath, der hieher gehört, kürzlich zusammenfassen, so kann es also geschehen:

1. Ueberzeuge dich aus Gottes Wort (etwa mit Hülfe dieses Büchleins), daß was du hörst und siehst, eitel Teufelsspuck und nichtige Vorspiegelung der Hölle sei.
2. Bist du geängstet, so halte deine Ueberzeugung betend fest.
3. Bete die Angst weg und verachte frei alles, was du siehst, hörst und fühlst. Denn der| Satan, als ein stolzer Geist, ist mit jeglicher Aufmerksamkeit zufrieden und kann nur Verachtung nicht vertragen.
4. Hält die Anfechtung an, so beharre in Gebet und Verachtung und zieh aus das Schwert des Geistes, wie dich’s dein HErr Matth. 4., St. Paul Ephes. 6. und St. Jakobus 4, 7. lehrt.
5. Hält die Noth dennoch an, so erkenne, daß sie nur eine äußerliche Noth und viel besser und leichter zu tragen ist, als innerliche Anfechtung der Seele. Trage, was du nicht ändern kannst; man kann durch Geduld eine gute Gewöhnung erlangen, welche für klein achtet, was anfangs schwer schien. Gedenke an St.  Paulus 2. Cor. 12, 7., den auch ein Satan mit Fäusten schlug, der dreimal dagegen gebetet hatte und doch nur die Antwort empfing, daß Gottes Kraft in den Schwachen mächtig sei und die Gnade Gottes unter satanischer Anfechtung wohl bestehen könne. Kann man das Werk eines Apostels unter Faustschlägen satanischer Engel thun, wie viel eher geringere Arbeit! Es heißt auch hier: „Ein geduldiger Mann ist besser, denn ein starker.“ Man hat Beispiele, daß dergleichen Anfechtungen Jahre lang dauern konnten und endlich doch aufhörten, nachdem man durch Geduld im Kampfe Verachtung des Feindes in rechtem Maße gelernt hatte. Es haben alle dergleichen Dinge ein Ende gefunden. Auch deine Anfechtung wird ihr Ende finden, und hernach wird auch von ihr wahr werden, was Jakob 1, 12. geschrieben ist.|
6. Du sollst, wie du gehört hast, keinen Geist fragen. Redet er aber von selber, so wisse, daß Christus Luc. 4, 41. die unsaubern Geister nicht reden ließ und auch St. Paulus Apostelgesch. 16, 16. ff. der Teufel Lob nicht ertrug, geschweige ihr sonstiges Geschwätz. Achte nicht darauf, sondern sprich ein gläubiges und kräftiges: „Hebe dich weg von mir, Satan!“ Matth. 4, 10.

 Mit Einem Worte! Habe nichts mit Geistern zu thun. Entschlage dich wie immer und laß sie in deinen Augen etwas Kleines seyn. Wandle deinen stillen Gang durch’s Leben als ein Katechismusschüler JEsu ohne Fürwitz. Bleibe am Worte in deinem ganzen Leben. Kommt es zum Scheiden, so wirst du versammelt zu den Geistern der vollendeten Gerechten und keine Qual wird dich berühren. Du wirst dann von dem Elend dieser Erde nichts mehr wissen, nichts mehr wissen wollen, sondern deiner Nachgelassenen in herzlicher Fürbitte friedlich und freudig warten, wie auch wir auf Vereinigung mit den Seligen fröhlich hoffen, ohne uns in’s Geheimniß ihrer verborgenen Herrlichkeit fragend und forschend zu verlieren.

Gott sei uns allen gnädig!
Amen.





  1. Z. B. die Stelle von dem Tode des Königs von Babel. Jesai. 14, 4. ff.