Johann N. Schwendlers zuverlässiger Bericht von der gegenwärtigen Verfassung der Universität Marburgs (1748)

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Autor: Johann Nikolaus Schwendler
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Titel: Johann N. Schwendlers zuverlässiger Bericht von der gegenwärtigen Verfassung der Universität Marburgs
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[I] Vorderseite des Buches

[II] Schw. Stift K d 34

<Exlibris zeigt kurhessisches Wappen>

[PP]
P. P.

Dasjenige, so Eure Excellenz vom I. dieses an mich gelangen zu lassen gnädig geruhet haben, giebt deutlich zu erkennen, daß Dieselben bey dem gefaßten Schluß, den Herrn Sohn ehestens auf eine höhre Schule zu schicken, nicht abgeneigt seyn, zu solcher die Unversität Marburg zu erwehlen, wenn anders die verscheidene Vorteile, so man von derselben gegenwärtigen Verfassung zu rühmen pflege, auch in der That gegründet waren. Weil nun hiernächst Eure Excellenz, um mehrerer Gewißheit willen, eine hinlängliche und unpartheyische Nachricht von derselben Zustand überhaupt, besonders aber in wie weit sie auch für Adeliche sey, wünschen, und solche aus der Ursache mit abzufordern belieben, weil ich nicht nur für mich, und dann mit nur Cavaliers als Hofmeister mehrere Universitäten zu sehen, sondern auch insonderheit die Marburgische seit einem Jahr sattsam kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hätte: So habe die Ehre, Eure Excellenz unterthänig zu versichern, dass ich[...]

Gelegen-
heit zu die diesem Schrei-
ben.
V2

[4]
= ( 4 ) =
ich hiermit bey Vollstreckung dieses hohen Befehls in den mir davon bekannten Umständen blos der Wahrheit, in der übrigen aber der glaubwürdigen Erzehlung anderer, die ich darum befragt habe, nachgehen werde.

Eurer Excellenz dürfte zwar an der ehemaligen Verfassung dieser hohen Schule wenig gelegen seyn: inwischen möchte es auch vielleicht nicht mißfällig seyn, wenn ich vorher einen einzigen Blick in die vorige Zeiten, und mit wenigen einen Versuch thue, was sie schon vor zweyhundert Jahren fürgestellt habe. Dieser Uni-
versität
Ruhen in
vorigen
Zeiten

  Um eben diese Zeit, da die Unversitäten noch nicht so zahlreich, oder sich selbst untereinander fast überlästig waren, gabe die von dem Landgrafen Philipp dem Großzügigen, höchstseligen Umdenkens, um Jahr 1527. (a) zu Marburg angelegte bereits[...]
(a)Sie ist also, weil die Wittenbergische vorhero catholisch war, die erste protestantische Universität. Ihr Stifter, Herr Landgraf Philipp, pflegte zu sagen: Die Universität, so wir angerichtet, ist uns, unserm Fürstenthum und gemeinen Nutzen lieber und nützer, denn alle Mönch und Nonnen in den Klöstern. Zu deren Unterhalt schlug er verschiedene Vogyteyen, welche auch noch heut zu Tage derselben zuständig sind. Die Kirche des des sogenannten Kugelherren-Ordens wurde den Theologen, das Dominicaner-Closter den Juristen, und das Barfüsser-Closter den Medicis und Philosophen zum öffentlichen Hörsaal einigeräumet, wie sie dann auch noch alle dazu widmet und in guten Stande sind. Nicht weniger wurde diese Universität mit herrlichen und noch fordauernden Priviliegen[...]

[5]
= ( 5 ) =

bereits keiner andern in Deutschland an Ruhm etwas nach. Ja, es schiene, als wenn die mehreste Provinzen von Europa es gleichsam mit einander verabredet, und sich vereinigt hätten, zur Erkenntlichkeit für die von solchem Musensitz, sowohl an gelehrten Wercken, als auch an geschickten Schülern, erhaltene viele Vorteile, von Zeit zu Zeit einige von ihren Landsleuten an Marburg abzugeben, welche theis Lernende, teils Lehrende dessen Ruhm allgemein zu machen helffen sollten.  Denn auf solche Weise wurden im sechzehnden Jahrhundert zu Lehrern unter andern daselbst abgegeben aus   Frankreich der berühmte Gottesgelehrte, Francisc. Lambertus, aus Avignon, welcher durch seine Schriften sich großen Namen erworben hat. Aus[...]

Von aus-
ländischen
Lehrern
daselbst um 16. Seculo.
A3
vilegien versehen. Dahin rechnet man fürnemlich das Forum privilegiatum, vermöge dessen, absonderlich in causis civilibus, die Studenten und alle unter der Unversität stehende Personenm nach dem Exempel der Cerlricorum, anderswo, als vor dem Protector, weder belangt werden, noch sich, wenn sie auch wolten, belangen lassen können. Dieses gehet so weit, daß ein anderer, z.F. ein Bürger, den ich vor seinem Stadt-Gericht belangt habe, seinesweges daselebst, sondern nur vor meinem Foro academico seine wider mich habende Gegenfrage anzustellen befugt ist. Ferner gehöret hierher die Freyheit von Zoll, Accis und allen bürgerlichen Abgaben; Ingleichen die Jagdgerechtigkeit in einem nahe bey der Stadt gelegenen und 7. Stunde im Umfang habenden District.

[6]
= ( 6 ) =

 Aus der Schweiz: Bened. Aretius, gleichfalls ein berühmter Theolog.

 Aus Italien: Gratarolus, ein erfahrener Medicus.

 Aus Bayern: Balthas. Clamerus, welcher in dem bürgerlichen un den Lehn-Rechte zu seiner Zeit keinem was nachgab.

 Aus Schwaben: Aeg. Hunnius, und Erh. Schnepfius, deren jener zu dem im Jahr 1529 auf dem hiesigen Schloß zu Marburg und verschiedenen andern hier und da öffentlich angestellten Religionsgesprächen gezogen wurde, dieser aber zu Augspurg, Speyer und andern Orten seine Religion tapffer vertheidigte.

  Aus Francken verdiente ausser dem Rechtslehrer Joh. Kornmann, und Georg Alarius, einem geschickten Medicus, insonderheit hier angeführet zu werden Joh. Draconites, welcher vielen Synoden, Religionsgesprächen und der Ubergebung der Auguspurgerlichen Confession mit bewohnte, und endlich zum mit beywohnte, und endlich zum Sammländischen Bischof erhoben wurde;

  Aus der Wetterau unter andern die beede Vietor, davon Heinrich in der Gottesgelahrheit, Theodor aber in der Griechischen Sprache sich hervor thate;

  Aus Meissen: der in den mehresten Morgenländischen Sprachen erfahrne Georg Cruciger.

  Aus Thüringen: Joh. Lonicerus, ein guter hebräher. Aus

[7]
= ( 7 ) =

 Aus Nieder-Sachsen, und zwar su Hamburg: Joh. Oldendorp, welcher wegen seiner Schriften, und darinne in vielen Stücken verbesserten Jurisprudenz in sonderbarem Ansehen stunde.

 Aus Westpahlen: Joh. Goeddaes, der durch seine jurstische Wercke so bekannt ist, als sein Landsmann, Herrmann von dem Busch, oder Buschius, einer der besten Poeten seiner Zeit, ein guter hiostoricus und auch von allen Hauptwissenschaften erfahrener Mann.

 Aus Friesland: Regn. Sirtinus, ein Rechtslehrer.

 Aus Geldern: Gerhard, ein Historienschreiber.

 Aus Holland: Just. Velfius, ein Medicus.

 Aus Brabant: Pet. Plateanus, ein Sittenlehrer.

  Aus Flandern: Andr. Gerh. Hyperius, ein grosser Rechner und Gottesgelehrter.

 Dieses sind nun nur die fürnehmste von den auswärtigen, welche nebst dem weltberühmten Juristen Herrn Vulteius, und so vielen anderen herztlichen Gelehrten im 16. Jahrhundert der hiesigen Universität als berühmte Lehrer fürgestanden. Nun wäre es zwar nicht schwer auch aus den beeden folgenden Jahrhunderten keine geringere Anzahl derselben aufzuführen. Denn ich würde z.B. aus demjenigen, worinne wir noch leben, statt aller solchergroßen Lichter eines Bicecanzlars von Waldschmidt, eines Gehimdenrats, Barvon von Wolff und eines Reichshofsrats. Ba-

Von dasi-
gen Leh
rern im
17 und 18. Jahrhundert.

[8]
= ( 8 ) =

Baron von Cramer, gedenken: allein ich sehe nicht wie fothane Weitlauefigkeit den Grenzen und dem Zweck meines Berichts gemaes waere.

Von be-
ruehmten
Männern/
die zu Mar-
burg studi-
ret haben.

 Doch leichter sollte es aber seyn, von denen Männern, welche ihre Gelehrsamkeit der hiesigen Universität hauptsaechlich zu danken und nachgehends an dem Europaeischen Gelehrten- und Staatshimmel einen sonderbaren Glanz von sich gegeben haben, eine grosse Menge anzuführen.

 Unter diesen würde z.B. insonderheit mit hervorleichten Joh. Bogermann, aus Groeningen, welcher bey dem weltbekanten Synodus zu Dortrecht Praesident war; Ingleichen der gefürstete Abt zu Hersfeld, Crato von Weißenbach. Ja, wenn ich deren weitläufige wenn ich in deren weitlaeufige Erzehlung mich mich einlassenwolte, so mueste ich ninur alle Teutschen und Niederlaendishe Universitaeten durchgehen, welche von hieraus beruehmte Lehrer erhalten, sondern auch viele Prinzen, und noch mehrere Ministers, welche hier studiert, und hernach Land und Leute gluecklich gemacht haben, namhaft machen.

  Daß aber auch die Anzahl derer, in vorigen Zeiten hier studiert haben, sehr betraechtlich gewesen Derselben
Menge
sey, kan ich unter andern mit dne Worten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als Lehrer der Beredsamkeit und Geschichte hier gestandenen, und nachmaligen hamburgischen Predigers. Joh, Baltas. Schupppius, erweisen. Denn dieser Mann, welcher nicht allein durch seine verschiedene Schriften, sondern auch durch die im recht angebohrene Kunst, die Thorheiten der Welt über lebhaft und[...]


[9]
= ( 9 ) =

und offenherzig fuerzustellen, bekannt genug ist, bedienet sich in der Zuschrift ueber seinen Teutschen Lucianus, an den schwedischen General-Major, Landgrafen Friedrich zu Eschwegen, folgender Ausdrueckung: " Kur. hochfrüstl. Gn. Werden sich gnaedig erinnern an die Zeit, da Sie zu Marburg studierten, und Kur. hochfuerst. Gn. aeltester Herr Bruder einstmals Ihre hochfuerstl. Gn. aeltester Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg, Herrn Landgraf Ludwigen und dem Herrn Landgrafen Georgen dem Juengern die Visite gabenm daß damals fuenf Fürsten, neun Grafen, neben vielen Edelleuten auf einmal zu ins Auditorium Philosphicum kommen, und haben mich für einen guten Kerle gehalten.

 Von der Mange derer, die ehemals hier studiert haben, zeuget auch dasjenige, was man aus den Jahrbuechern der hiesigen Universität in Ansehung der daselbst geschehenen Promotionen weiß.Denn es sind von dem Jahr 1527 bis 1653 in der theologischen Facultaet 38, in der juristischen 267 un der medicinischen 67. zu Docotors, in der philophischen Facultaet aber 1516 zu Magisters ernennt worden, deren Anzahl sich ohnfehlbar noch weit hoeher wuerde belauffen haben, wenn nicht der 30. jaehrige Krieg un andere Schicksale, so diese Universitaet in ihrem erstern Jahrhundert gehabt, dazwischen gekommen waren. So sahe demnach die Unversitaet Marburg in vorigen Zeiten aus. Wenn

B
Menge der
academi-
schen Pro-
motionen.

[10]
= ( 10 ) =

 Wenn man nun derselben heute Verfassung dargegen haelt: Dieser Uni-
versität
heutige/
dVerfassung.
so wird man finden, daß nach und nach in den Zeiten, und bis auf den heutigen Tag noch viele und desto herrlichere Verbesserungen haben fürgenommen worden, jemehr die Durchlauchtigste Herren Landgrafen zu Hessen den Wissenschaften jederzeit gewogen und für deren Aufnahme bemueht gewesen. Auch gegenwaertig genieset diese Universitaet die Glückseligkeit, daß sie sich Ihro köngl. Majestaet und Dero Durchlauchtigsten Herren Statthalters ganz sonderbaren Protection bey aller Gelegenheit vollkommen zu getroesten hat. Dieser Leh-
rer
 Weil es aber bey einer wohl eingerichteten Universitaet insonderheit auf solche Lehrer ankommt, welche nicht nur die gehörige Geschicklichkeit, sondern auch Fleiß genug besitzen, die academische Jugend in denen heutiges Tags erforderlichen Wissenscahften zu unterweisen: so mache ich willig bey denselben den Anfang, und beschreibe sie nach der Ordnung, welche in denen alle halbe Jahr im Druck heraus kommenden Lectionsverzeichnissen pfleget beobachtet zu werden, un in der Maase, wie sie mir theils selbst, theils durch verschiedene von denjenigen bekannt geworden, welche sie genauer kennen, oder die Staerke und das Gute, worinne sich einer von dem anderen unterschiedet, reifer zu beurtheilen vermoegen. Lehrer der
theologi-
schen fa
cultaet.
In der theologischen Facultaet hat dermasen den ersten Platz der Primarius, Beysitzer des geistlichen Consistorii und Aufseher der reformierten Kir-


[11]
= ( 11 ) =

Kirchen des Oberfuerstenthums Marburg, Herr Johann Sigmund Kichmeier, ein Mann, dem ein rechtschaffenes Wesen, eine gruendliche Gelehrsamkeit und lange Erfahrung, eine allgemeine Hochachtung zuwege gebracht, un der solchergestalt seinem beruehmten Vorfahren gleiches Namens in diesem Aint zu folgen der wuerdigste war.

  Nach diesem kommt der Herr D. und Prof. Franz Ulrich Kies, der durch Fleiß und Leutseligkeit bey seinen Zuhoerern sich viele Liebe erworben hat. Die Anzahl derselben ist desto groesser, jemehr nur gedachte herrliche Eigenschaften mit einer gruendlichen Gelehrsamkeit, wie nicht weniger mit einem guten Fuertrag vergesellschaftet sind.

  Der Herr Prof. Johann Wilhelm Krafft ist zugleich Ephorus von den hier befindlichen Stipendiaten, welches nur Theologen und Philosophen sind, von deren freyen Kost, Wohnung und vielen anderen Vortheilen ich zur andern Zeit etwas ausfuehrlicher zur ueberschreiben mir die Ehre vorbehalte, Er ist erst vor etlichen Jahren von Hanau, wo er Prediger und Consistorialrath war, hieher berufen worden, nachdem man schon vorhero, da er hier als Prediger stunde, seine vorzuegliche Eigenschaften hatte kennen lernen. Seine fuertreffliche Gaben im Lehren so wohl, als im Predigen, machen, daß er in seinem Amt sehr vielen Beyfall findet.

  Des außerordentlichen Lehrers der Theologie, Herrn Schroeders, will ich hernach unter den unter den Philosphen mit mehrern gedencken. Weil

B2

[12]
= ( 12 ) =

Einigkeit
der Reli-
gionen/
da-
burg selbst.

  Weil es zu Eurer Excellenz Absicht eben nicht dient, zu wissen, wie, und was für theologische Collegia gelesen werden: so habe mich auch nicht darnach erkundiget. Hingegen kann ich nicht ganz unberuehret lassen, wie diese Facultaet, welche bekanntermassen blos evangelisch refomirt ist, nicht nur unter sich selbst sher einig, sondern auch von allem gehaetzigen Eyver gegen die evangelisch Lutherische, deren meiste hiesiger Buerger sind entfernt sey. Von diesem ihren loeblichen Exempel mag es gutentheils mit herkommen, warum mach auch unter ihren sowohl, als der andern Herrn Prediger Zuhoerern dergleichen Untugend so wenig und selten antrift, daß mancher sich wohl lange zeit hier aufhaelt, ohne zu verspueren, daß zweyerlen Religionen hier beysammen seyn.

Catholi-
scher Got-
tesdienst
in der
xbe
 So wird auch den Herrn Catholicken, an denen es unter den hiesigen Stundenten niemalen fehelt, und welche gar nahe von hier, in den an der Stadt-Marburgischen Grenze liegenden Churmaynzischen Oertern, ihren Gottesdienst abzuwarten Gelegenheit haben, nicht das geringste in den Weg gelgegt.


Jursten-
facultät
  Daß die Jursten-Facultät und mit ihr diese ganze hohe Schul vor einiger Zeit ihren so verehrenswürdigen, als beruehmten Vicecanzlar, Joh. Friedrich Homberg zu Dach verlohren habe, und daß solche ansehnliche Stelle ohnlaengst mit allgemeinen Beyfall in der Person des herren Regierungsraths, Johann Georg Estors, wieder besetzt worden,


[13]
= ( 13 ) =

den davon haben bisher fast alle gelehrte Zeitungen Meldungen gethan. Es wuerde mir selbst als ein laecherlicher Ueberfluß fuerkommen, wenn ich jemanden, der in die gelerhte Geschichte unserer Zeit auch einen einzigen Blick gethan, geschweige dann Eurer Excellenz, von den Verdiensten dieses Mannes hier viel erzehlen wolte, nachdem in dem Teutschen Reiche un in den Niederlanden fast keine protestantische Universitaet, wo er seit 15. Jahren her nicht ware hin verlangt worden, mehr uebrig, und seiner so wohl aufgenommenen Schriften eine solche Menge vorhanden ist, daß ich einen grossen Raum von diesem Schreiben brauchen wuerde, wenn ich dessen Wercke und Disputationes hier anführen wollte. Eure Excellenz haben zwar selbst mehrmals sich vernehmen lassen, wie Dieselben in seinen Abhandlungen ausser dem Gruendlichen auch das Deutschliche in einem hohen Grad faenden: allein ich kan auch ueberdies unterthaenig versichern, daß diese ausserordentliche Gabe sich in seinem muendlichen Furtrag noch mehr aeussere, Man kan mit Recht von ihm sagen, daß er zu einem Professor gebohren sey. Denn man sieht und hoert es gar deutlich, daß es wahr sey, wenn er sagt: Die Collegien sind meine Vergnuegungs-Stunden. Er weiß auch vom Aussetzen der Lectionen nichts, ohne das es die hoechste Noth erforderte. Er vermag die Aufmercksamkeit seiner Zuhoerer auf auf eine scharfsinnige, aufgeweckte und haben so schicklich als edelmuetige Art dermassen zu unterhalten, daß ihnen sämtlich die Stunde, die er doch mit dem Schlag anfaengt, und wie-

B3

[14]
= ( 14 ) =

wiederum mit dem Schlag endiget, allzukurz fuerkommt.

 Seine Collegia betreffend, so ließt er fuer ordentlich vom Ostern bis Michaelis das Teutsche Staatsrecht ueber Johann Jacob Hofers Einleitung; das Teutsche und Longobardische Lehnrecht ueber B.G. Struvens Elementa iuris feudalis, und zwar nach Hellfelds Ausgabe; Das examinatorio- elaboratorio - practicum ueber dem und und Reichs Proceß, nach seinen eigenen im Druck herausgekommen Anfangsgruenden.

  Von Michaelis bis Ostern aber ließt er ueber Heineccius Pandecten, des Tags in zwey Stunden, wobey er jeden Titul in zwey Abschnitte theilet, und ihn erstlich Roemisch, hernach practisch darstellt, auch mit den ihm in der Facultaet und Hofgerichte vorgekommenen Faellen erlauetert, und sinnlich befreifen macht; Das ius Canonicum wird ueber Boehmers oder Kahlens Einleitungen, und zwar jeder Titul erst ganz catholisch, sodann nach den protestantischen Saetzen abgehandelt. Statt dessen und wechselsweis lief er auch das Ius Germanicum, vorher ueber heineccius, jetzo aber ueber seine eigene dictirte Saetze.

  Bey allen diesen haelt er das gantze Jahr hindurch alle Sonnenabend ein oeffentliches Disputatorium, und zwar so, dass er unter seinem und des Respondenten Namen auf einem Quartblatt verschiedene Theses drucken laeßt. Was hierbey das nuetzlichste ist, so enthalten solche Saetze, nach der Ordnung des Moserischen Staatsrecht, so zu sagen, die Quintessenz

[15]
= ( 15 ) =

essenz des Teutschen Iuris publici in sich. Was nun dieses abersonderlich denen, so sich dem Staat widmen fuer ein grosser Vortheil sey, davon koennen Eure Excellenz am besten urtheilen. Zu den Lectionen hat er jedes die darinne verkommende Buecher, und nach Beschaffenheit auch die groessern Wercke bey der Hand, und bringt aus der gelehrten Historie mit wenigen das merckwürdigste, auch wohl oft mache Andecdote mit bey.

  Den andern Platz in der Juristen-Facultaet hat der Herr Doctor und Professor Johann Carl Koenig, als dermaliger Prorector Magnificus, welcher sich nicht nur durch seine wohl aufgenommene Abhandlung von den Reichsvircarien und durch die Beschreibung des Reichstags zu Regenspurg, allo er sich vorher bey einer hohen Gesandschaft viele Jahre aufgehalten hatte, sondern auch durch seine durch seine Selecta iuris publici, die Fortsetzung der Staatscanzelley unter Anton Fabers Namen, und dergleichen der gelehrten Welt bekannt genug gemacht hat. Dass er in der Philosophie ein wohlgerathener Schueler des Herrn Geheimdenraths, Baron von Wolf, sey, sieht man unter andern auch aus seinen in guter Ordnung geschriebenen Dispitationen, und hoeret es aus dem Disputiren selbst, wo er die Regeln dieser Kunst, zu vielem Vergnuegen der Zuhoerer, sehr wohl und genau beobachtet. Dergleichen geschahe auch erst vor etlichen Tagen, da unter seinem Vorsitz Herr D. A. von Wiesenhueten aus Franckfurt, die von ihm selbst verfertigte Dissertation de Archimaresch llo Au-

[16]
= ( 16 ) =

Augustae Imperatricis mit dem groeßten Lob vertheidigte (b). Obgedachte schöne Ordnung haelt unser Herr Professor Koenig, auch so viel sichs ohne einigen Zwang thun laeßt, in seinen Vorlesungen ueber das Recht der Natur, nach Heineccius Einleitung; ueber Die Institutiones iurs civ. und peandectas, und zwar beyde ueber nur gedachten heineccius; ueber das Lehnrecht; ingleichen ueber Mosers Teutsches Staatsrecht; ueber das Wechselrecht. Alle halbe Jahre haelt er für ordentlich ein Examinatorium ueber I.L. Mylii Iruisprudentiam mnemonicam Romano- Ciuilem. Diesem

(b) Diese Dispitation ware beynahe mit der Gegenwart eines sicheren fuernehmen Reichsministers beehrte worden. Denn als derselbe an eben dfem Tage, da sie gehalten wurde, hier angelangt war, und die zufaellige Weise nicht nur von dieser Disputation, sondern auch von des Herrn Respondenten Gelehrsamkeit und andern Eigenschaften sehr viel Gutes gehoeret hatte: so war er schon bei im Begrif, dieser feyerlichen Handlung noch beyzuwohnen, und einen Opponenten abzugeben, als ihm die Nachricht entgegen kam, die Disputation sey eben zu Ende gegangen. Also lag es nur an der ZEit, daß der Herr Praeses diese nicht wuercklich genossen, Hingegen waren die beede andern Herrn Professores Iuris darinne gluecklicher, daß dieser grosse Maeceant, in Begleitung eines beruehmten Reichshofraths, ihren Vorlesungen mit so hoher Zufriedenheit beywohnte, daß er in dem gefaßten Entschluß, seinen Herrn Sohn ehestens auf diese Universitaet zu schicken, noch mehr bestaercket wurde. .


[17]
=( 17 )=

 Diesem folgt der Herr Doctor und Professor Aemilius Ludwig Hombergk zu Vach, wel- cher auch in seinem Amte zeigt, daß er vom obgedachten seligen Herrn Vicecanzlar Hombergk ein würdiger Sohn sen. Von der ungemeinen Stärcke, die er absonderlich in dem Römischen Rechte besitzt, zeugen auch seine verschiedene Dissertationes, davon ich die beede letztere, die er erst vor kurzem gehalten, als eine Probe mit beyzulegen die Ehre habe.

  Weil auch sein mündlicher Fürtrag eben so deutlich, als seine Gelehrsamkeit gründlich ist, so hat er jederzeit eine starcke Anzahl von Zuhörern gehabt, und daß solche jemehr und mehr zunimmt, ist kein Wunder. Denn er sagt kein Wort vergeblich und läßt keinen einzigen Punct unerörtert, wenn solcher aus den Alterthümern und der Historie der Rechte erklärt, und auf den heutigen Gebrauch angewendet zu werden verdienet. Die Collegien, so er von Zeit zu Zeit auf Verlangen seiner Zuhörer gehalten, sind: Historia Iuris über des seel. Herrn Vicecanzlar Koppens Einleitung; Boehmeri Positiones de gradibus prohibitis; Ius Cambiale und Strykii Introductionem af praxin forensem. Für ordentlich aber ließt er alle Jahr über die Institutiones iur. ciu. Und Pandectas nach Heineccius Einleitungen, welche von ihm und seinen Herren Collegen deswegen beliebt worden, weil sievor vielen andern vergleichen Art Büchern in sofern einen Vorzug haben, daß man das Römische Recht darinne in mehrerm Zusammenhange und aus sei-

C  nen

[18]  
= ( 18 ) =
nen Grundsätzen hergeleitet findet. Ingleichen hält er ein Examinatorium über jedes von diesen beeden letztern Collegien wöchentlich in 2. Studen. Das Disputatiorum wird alle Mittwoche angestellt, und zwar über gewisse Sätze, welche der Respondent selbst aussetzen und nach efallen ausführen kan.

Welche Col-
legien alle
halbe Jahr
zu Ende
gehen

 Weil nun diese 3. Lehrer ihre Lectionen nach der bey der hiesigen juristischen und philosophischen Facultät eingeführten und von allen deren Professoren beobachteten Ordnung, alle halbe Jahr zu Ende bringen: so kan der gantze Cursus iuridicus in kurzer Zeit vollendet werden, wenn absonderlich das Werck gehörigermassen, z. E. nach dem vom obbemelten Herrn Vicecanzlar Estor in der Einladungsschrift zu seinen Wintervorlesungen 1742. Geschehenen Vorschlag: Wie die Befliessenen der Rechtsgelahrheit zu einer gründlichen Wissenschaft der Rechte und des Processes ohne Umschweif gelangen mögen etc. angegriffen wird.


Einige
rühmliche
Umstände
von der
Juristi-
schen fa-
cultätt

 
 Gleichwie die juristische Facultät nicht nur schon zu den Zeiten des Hermann Vulteijus und Göddäus (denen wir hauptsächlich die noch im- mer in Ansehen und Werth stehende Consilia Mar burgensia zu dancken haben,) sondern auch nach der Hand viele berühmte Männer gehabt: also ist sie nicht weniger jetzo für die studirende Jugend wohl bestellt. Es gehet ihr überhaupt an dem, was zur guten Einrichtung eines solchen Collegii erfordert wird, nichts ab. Dahin gehöret zum Exempel, daß alle haben einlauffende Acten in pleno referi-
ret

[19]
= ( 19 ) =
ret werden. So hat sie auch mit den andern Facultäten allhier dieses gemein, daß sie nicht gewohnt ist, denen, welche einen academischen Gradum verlangen, solchen aber offenbar nicht verdienen, zu willfahren, und ihn dadurch bey den würdigern

verächtlich zu machen. Daher es nichts neues ist, daß vergleichen mit ihrem Geld hier abgewiesen werden. (c)

 Es ist jetzo nicht nur in der juristischen, sondern auch in der medicinischen Facultät eine Stelle ledig. Bey dieser thut dermalen das meiste der Herr Doctor und Professor Justin Gerhard Duising, welcher nicht blos vermittelst seiner glücklichen Curen und grossen Erfahrung, sondern auch wegen seiner Unverdrossenheit in hiesiger Stadt und Gegend in allgemeiner Hochachtung steht.

Medicini-
sche Facul-
tät.

C 2 Der

(c) Deren alljährlichen abwechslender Decanus ist zugleich  Comes Palatinus Caesareus. Als das Original-Di-  ploma, worinne Kaiser Ferdinandus II. 1630 diese  Comituv ertheilet, und davon der ehemals berühmte  Giesische Medicus, M. V. Valentini, in seinen De-  clamationibus et Programmatibus academicis p. 301.  eine Abschrift mit beydrucken lassen, weggekommen war:  so wurde sie im Jahr 1745. von dem zwischen Chur-  Bayern und Pfalz gemeinschaftlichen Reichsvicariat,  durch Bemühung des obgedachten Herrn Reichshof-  raths, Baron von Cramer, als beysitzer sothanen  Reichsvicariats, wiederum verneuert. Nicht weniger  hat diese Facultat die sonderbare Ehre, daß jedesmal  einer aus ihrem Mittel zu den Heßischen Austrägen ge-  nommen, und als ein Mitglied von diesem hohen Ge-  richte angesehen wird.



[20]
= ( 20 ) =
 Der Herr Professor Philipp Jacob Borell hat sich in der Fremde unter andern auch starck auf die Chirurgie gelegt, und thut sich vor vielen sonst berühmten Medicis insbesondere durch seine daselbst in den Kranckheiten und andern Umständen der Kindbetterinnen erlangte Geschicklichkeit hervor.

Philosophi-
sche facul-
tät

  In der philosophischen Facultät ist overwehnter Herr Professor und Pädagogearcha, Johann Joach. Schröder, zum ordentlichen Leh- rer der Kirchengeschichte und hebräischen Alterthümer bestellt. Wie starck er nicht nur in beeden Stücken, sondern auch in den Morgenländischen und andern Sprachen sey, davon geben selbst einige

seiner geschickten Herren Söhne, die er darinne unter- wiesen, ein lebendiges Zeugnis ab. Er hat sich unter andern Schriften insonderheit durch seinen Thesaurum liguae Armenicae antiquae et hodiernae bey der gelehrten Welt einen großen Namen ge- macht. Dieses Werck gab er 1711. Zu Amsterdam heraus, nachdem er die auf Kosten des höchstseligen Herrn Landgrafens Carl drey Jahr lang nach Holland, Engeland, Moscau etc. angestellte Reisen mit vielem Vortheil geendiget hatte.

 Der Herr Professor, Johann Conrad Spangenberg, macht seinen beeden grossen Lehrmeistern, Wolffen und Bernoulli, viele Ehre. Kaum hatte er des erstern öffentliche Schulen allhier, und des letztern privat Unterricht zuz Basel mit grossem Nutzen verlassen, so wurde er schon von vielen Adelichen und andern hier studirenden Liebhabern der Mathematischen Wissenschaften angegangen, ihnen

[21]
=( 21 )=

Nen darinne Anweisung zu geben. Dieses that er dann auch verschiedene Jahre hindurch mit solcher Zufriedenheit seiner Zuhörer, daß er hernach die Ehre hatte, an die Stelle des von hier nach Halle abgehenden Herrn Geheimdenrath Wolffens zu ge- langen. Bey seiner gründlichen Gelehrsamkeit fehlt es ihm auch nicht an Treu und Fleiß, davon des- sen Zuhörer vieles zu seinem billigen Ruhm anzu- führen wissen. Er ließt nicht nur auf Verlangen philosophische Collegia, sondern auch über die Phy- sic, hauptsâchlich aber über die Mathematik, da- von er diejenigen Theile, so man Mathesin puram nennt, alle Jahr zweymal, die applicatam aber Stückweis nach und nach zu Ende bringt.

 Gleichen Eyfer bezeigt in seinem Amte auch der öffenliche Lehrer der Beredsamkeit und Histo- rie, wie auch Universitats-Bibliothecarius, Herr Heinrich Otto Duysing. Denn man muß ihm die Gerechtigkeit weiderfahren lassen, und von ihm rüh- men, daß er nicht nur überhaupt seinem Amte treu- lich fürstehe, sondern sich auch eine Freude daraus mache, jemanden, der was lernen will, auch ausser den Lectionen, möglich an die Hand zu gehen. Daß er ein guter Redner sey, hat man auch aus der Lobrede, die er vor einiger Zeit bey dem solen- nen Begräbniß des obgedachten Herrn Vicecanz- lars Hombergk mit allgemeinem Beyfall gehalten, und welche gedruckt mit beylege, zu Genüge wahr- genommen. Unter den Collegien, die er zufolge der ihm anvertrauten Profeßionen hält, ist auch die Universal Reichs- und Gelehrte Historie.  C 3 Der

[22]
= ( 22 ) =
 Der Herr Doctor Schröder, des vorgedachten Herrn Professors würdiger Sohn, welcher bisher als Lehrer der Morgenländischen Sprachen hier gestanden, ist wegen seiner ausnehmenden Geschicklichkeit in denselben erst kürtzlich zu gleicher Stelle nach Gröningen beruffen worden, und auch schon daselbst angelangt.
 Der Herr Licentiat und Professor, Johann Rud. Ant. Piderit, ist nur vor kurtzem an des freywillig abgegangenen Herrn Professor Tilemanns Stelle gekommen, nachdem er schon vorher einige Zeit mit gutem Zugang Collegia gehalten und darinne nicht nur ein herrliches Talent, sondern auch vielen Fleiß gezeigt hatte. Er ließt gemeiniglich über das Recht der Natur, ingleichen über des Herrn Baron von Wolffs Logic, Metaphysic und Moral, wobey er auch fleißig disputiret.

Privatdo-
centen.

 Ausser diesen öffentlichen Lehrern fehlt es auch hier nicht an Privatdocenten, welche jemehr und mehr sich hervor zu thun bemüht sind. Dahin gehören z. E.

 Herr Licentiat Ihringk, der bisher über die Historiam et Antiquitates Iuris, Institutiones und Ius Germanicum gelesen , wie nicht weniger seit verwichenen Ostern auch die Reichshistorie und ein Disputatorium mit gutem Erfolg angefangen hat. Sein letzthin aus der Presse gekommenes Opusculum de indole remedii Restitutionis et foro instituendae actionis ex tabulis pacis Osnabr. habe in der Hoffnung, daß es Eurer Excellenz wohlgefallen werde, gleichfalls mit beygelegt.

 Herr

[23]
= ( 23 ) =
Herr Magister Plitt ließt über Wolffens Logic und Metaphysic, wobey er seine Zuhörer, deren Anzahl nicht gering ist, im Disputiren fleißig übet; So giebt er auch auch Verlangen in dem Recht der Natur Anweisung.  
 Herr Magister Haase, welcher besonders in historischen Wissenschaften eine grosse Fertigkeit, und dabey einen deutlichen Fürtrag hat, hält über des Herrn Geheimeniustitzrath Gebauers Grundriß der Europäischen Staaten, wie auch über die Geographie und Statistic seine Collegia.  
 Eben so weinig findet sich hier ein Mangel an der Gelegenheit, galante Sprachen zu erlernen. Sprach-
meister
 Monsieur Ramet ist zu der Französischen angenommen, welcher vor einiger Zeit wegen der Geschicklichkeit, die er bey seiner guten Pronunciation besitzt, unter einer grössern Besoldung wiederum hieher beruffen worden. Ausser ihm sind hier auch noch verschiedene Privatsprachmeister, und andere Vortheile, dieser Sprache weiter kundig zu werden, worunter ich auch billig die Predigten des bey der hiesigen Fransözischen Gemeinde stehenden geschickten Pfarrers, Monsieur La Porte mitzehle.  
 Der gleichfalls in Besoldung stehende Italianische Sprachmeister, Sigre. Mengacci, hat nach dein Zeugnis derer, die ihn kennen, nicht nur die Gabe, seine Muttersprache seinen Scholaren gründlich beyzubringen, sondern besitzet dabey auch einen unverdrossenen Fleiß.  
 Alle juristische und philosophische Collegien gehen hier obgedachter massen in einem halben Jahr Es sind fast
keine ferien
hier

 

zu

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Zu Ende. Damit sie aber nicht übereilet werden, so sind nicht nur keine Ferien eingeführt, ausser den wenigen Tagen nach Ostern, da nach Quasimodogeniti und Michaelis, nämlich gegen den 11ten October die Lectiones wieder angehen, sondern es werden auch alle 6. Tage in der Woche darzu an- gewandt, und wird ausser Sonnabends auch kein Nachmittag davon ausgenommen.

Viele Exa-
minatoria
und deren
Ursache

 Die Collegia examinatoria habe ich noch an keinem Orte so starck, als wie hier, treiben gesehen. Auch diese Sache hat ihren zureichenden Grund. Denn dadurch bereiten sich die Heßische der Rechts- gelehrsamkeit beflissene Landskinder zu dem Haupt-Examine, das seit einigen Jahren her en jeder, so zur Advocatur bey einem Amte, Cancellen oder ngen h alle Hoffnung zur Advocatur, oder sonst zu einer gelehrten Beförderung im Lande zur Zeit verlohren. (d)
Die


 ((d) Dergleichen ist auch allen Landskindern, welche nicht wenigstens zwey Jahre hier, oder zu Rinteln, sondern auf einer auswärtigen Universität studiren, vermöge eines königl. Befehls vom 31. Merz 1731 abgeschnitten.

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Dieser wichtige Umstand schreckt dann nicht nur die Landskinder dom Müßiggang ab, wenn sie nicht das Unglück erleben wollen, daß ihre ganze Universitätszeit zuletzt in 2. Stunden ein betrübtes Ende nehme: sondern muntert auch zugleich die Ausländer zu desto mehrern Fleiß auf. Ja, man nimmt, zum kennzeichen eines fast allgemeinen Fleisses, überhaupt wahr, daß die heisige Herren Studenten insgemein sich zwar unter sich nicht zu viel familiarisiren, noch auch unnötthiger Weise sich um einander bekümmern: dem ohngeachtet aber stehen diejenige, welche die Collegien sehr unfleißig besuchen, bey den andern dadurch ganz mercklich in schlechter Achtung.}}

 Die Universitäts Bibliothec, zu deren Vermehrung jetzo alle Anstalt gemacht wird, und worüber obgedachter jüngere Herr Professor Duysing gesezt ist, stehet nicht nur wöchentlich zwey Tage zum allgemeinen Gebrauch offen, sondern es wird auch wohl einem ein Buch auf kurze Zeit mit nach Haus gegeben, wenn es auf gehörige Art, nemlich auf den Credit und die Unterschrift eines Professors, verlangt wird.

Bibliothec.

 Daß die hiesige Universität dermalen mit sehr geschickten Exercitienmeisters versehen sey, bezeugen alle diejenigen, so von dem und jenem Ort hieher kommen, und im Stande sind, davon zu urtheilen.

Exercitien-
meister.

   Der

  ten. Nicht weniger sollen nach demselben auch die adca-
 demische Promotiones an einem von diesen beeden Or-
 ten, keineswegs aber ausserhalb Landes, gesucht werden.

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Der auch dem Gebäude nach schönen Reitbahn, welche nebst den vielen schönen Schulpferden sowohl, als das Ballhaus, Ihro Majestät dem König zuständig ist, macht der von Cassel hieher gekommene Herr Stallmeister Wettgen Ehre und Ansehen, nachdem er auch schon so manche fürnehme Personen in Coppenhagen, und wo er sonsten noch in Diensten gewesen, zu Scholaren gehabt, die ihm durchgängig das Lob gegeben, daß er das seinige nicht nur aus dem Grund verstünde, sondern auch den Lernenden, ohne alles eigennützige Verzögern, so treulich, als leicht beybrächte. Bey ale dem zahlt der Scholar, wegen des guten Gehalts, womit dieser Posten verknüpft ist, monatlich nicht mehr als 4. Thlr.  Nicht weniger Gutes kan man auch von dem Fechtmeister, Herrn Lieutenant L’Ange mit Recht behaupten. Gleichwie dessen Vorfahren schon über hundert Jahre her an vielen der fürnehmsten Teutschen Höfe durch diese Kunst sich einen besondern Ruhm erworben haben: also weiß auch er insonderheit durch seinen gründlichen Unterricht sich darinne zu erhalten, wie er dann auch ehestens auf Verlangen derjenigen, die seine gründliche Anweisung zu schätzen wissen, etwas davon dem Druck übergeben wird.  Der Tanzmeister, Herr Michelet, hat nicht allein am Casselischen Hof, welcher ihn nach Franckreich reisen lassen, das Lob gehabt, daß er in der Methode, seinen Scholaren eine ungezwungene Fertigkeit im Tanzen beyzubringen, viele andere  über-

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Übertreffe, sondern er hat es auch diese Stunde noch.

 Aus diesen allen erstehen demnach Eure Excellenz, daß der hiesigen Universität an der Gelegenheit, in den Wissenschaften und denen absonderlich einem von Adel nöthigen Exercitien etwas rechtschaffenes zu erlernen, nicht das geringste abgehe.  Gleichwie es aber nicht blos auf das, was man auf einer Universität lernen kan, sondern auch guten Theils darauf mit ankömmt, wie man in Ansehung der Gesundheit, der Ruhe und Sicherheit für unnöthigen Händeln, des Preisses im Essen und Trincken sowohl, als Holz, Stuben und Kleidungen x.(?) allda leben könne: also erachte ich mich für verbunden, von diesen Stücken so viele Nachricht zu ertheilen, als mir selbst davon bekannt ist.

 Marburg liegt an einem Berge, wo man besonders auf der Seiten nach Giesen zu die schönste ebene Gegend vor sich hat, inmassen da etliche schöne und über eine Viertelstund lange Alleen, viele Gärten, einige Dörffer, Wiesen, und durch diese der Lahn-Fluß, in ebenen Feldern, welche mit dem erhabenen Walde gleichsam als mit einem Ramen eingefaßt sind, sich dem Auge auf einmal vorstellen. Eben dieser Höhe wird es mit zugeschrieben, daß man hier weniger, als an tiefer gelegenen Orten von Kranckheiten hört. Unter andern hat mich ein erfahrner Medicus versichert, daß man hier an kalten Fiebern gar selten einen Pa-
 D 2  tienten

Marburgs
gesunde
Lage.




Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]