Selinde (Bechstein)

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Selinde
Untertitel:
aus: Thüringische Volksmährchen, S. 1–47
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1823
Verlag: Carl Fleck und Comp.
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Erscheinungsort: Sondershausen
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[1]
Selinde.

Hast Du, freundlicher Leser, schon auf Deinen Reisen die 3 Gleichen berührt, und ihre Merkwürdigkeiten besehen, oder hast Du des vortrefflichen Musäus ergötzliche Volksmährchen, und vor allen Melechsala, gelesen, dann wird die Gegend Dir nicht fremd seyn, in welche Dich diese kleine Erzählung versetzen soll, und eine heitre Erinnerung führe das schon einmal gesehene Bild in einem andern Kolorit Dir vor die Augen. – Dorthin, wo die alten Burgen liegen, die aus einer längst vergangenen Zeit recht ernst herüber schauen in das jetzige bunte oft so wunderliche [2] Leben; Denkmahle, die sich ehrwürdig erhalten haben den spätern Geschlechtern, (obgleich hie und da zu einer Scheuer oder einem Schaafstall solche alte Steine recht gut zu brauchen sind) wo deutscher Biedersinn und deutsche Kraft einst walteten, dorthin folge uns im Geist, wohlwollender Leser.

Unter der Anhöhe, auf welcher die Trümmer des Schlosses Mühlberg noch immer dem nagenden Zahn der Zeit Trotz bieten, liegt der freundliche Marktflecken gleiches Namens, und in dem Orte selbst befindet sich eine Quelle, von den Einwohnern der Spring genannt. Friedlich blickt von dem mildheiterm Himmel die Sonne ihr Spiegelbild in der smaragdnen Fluth an, denn spiegelrein ist die Quelle und nur der sanfte Westhauch kräuselt sie; weiße Wasser-Rosen[1] erheben ihre Blumenkronen aus dem dunkeln Grunde, auf welchem des Hahnenfußes[2] goldne und silberne[D 3] Blumensterne herauf schimmern. Wenn die Sonne ihre Strahlen auf die krystallhelle Quelle sendet, da flimmert [3] und leuchtet in derselben in wunderbarer milder Glanz, nur den Grund, nicht das Wasser erblickst Du, und so weit der Blick hinunter reicht, goldgrüne Farben; auch die Steine, die am Boden liegen, schimmern mit, und wenn Du eine Scherbe auf die ebne Wasserfläche legst, sinkt sie langsam, in sanften Schwingungen zu Boden und glänzt und schimmert augenblicklich mit.

Wenn an stillen Sommer-Abenden die Sterne heraufziehen und sich spiegeln in dem klaren Gewässer, da säußelt es oft melodisch in den Bäumen umher; bald tönt es an der Quelle wie leises Wimmern, bald wie verhallender ferner Gesang oder sterbende Flötenklänge, dann lauscht der Dorfbewohner mit bedenklichen Gesicht und schüttelt das Haupt, er kann nicht unterscheiden, ob aus der Luft, ob aus der Quelle die Klagelaute dringen.

Wie sie entstanden sind, soll Dir freundlicher Leser, dies Mährchen kund thun, nur mit etwas poetischen Schmuck, wollen wir Dir wieder erzählen, was in den Burgruinen des Mühlberger [4] Schlosses, ein redseliger Alter, der die Goldwurzel[3] dort suchte und Allermanharnisch[4] und den mir[D 4] den heilsamen Waldmeister[5] kennen lehrten uns erzählte.

Damals als Graf Ernst von Gleichen mit der reizenden Saracenin[D 5], die seine Fesseln gelöst und ihn andere schönere dafür angelegt[D 6] hatte, aus dem heiligen Lande heimkehrte in das schöne Thüringen, und der heilige Vater in Rom nach langer Weigerung das Band der Ehe höchst eigenhändig um die Liebenden geschlungen hatte[WS 1], fand er zu Hause sehnsüchtig seiner harrend, sein treues Eheweib, Elisabeth, die ihn und die Fremde mit ungeheuchelter Freude empfing, wie das alles schöner und ausführlicher in dem Mährchen Melechsala[6] zu lesen ist. Wir kennen viele Weiber, die in ähnlichen Fällen den lieben Mann ganz anders bekomplimentirt haben würden, auch wenn sie nicht so einsam, wie Frau Elisabeth auf ihrer [5] Burg, so viele Jahre verlebt hätten, tempora mutantur etc.

Da ward des Grafen Herz von Dank und Freude erfüllt, und er sandte Herolde in alle benachbarte Gauen, auf seine Burg zu laden alle mannlichen Ritter[D 7], wo er mit Turnieren und Freudenfesten seine zweite Vermählung feyern wollte. –

Zu jenen Zeiten geschah es häufig, daß Ritter, denen daheim die Zeit zu lang wurde, Irrfahrten unternahmen, und nach Kampf und Abentheuern auf gut Glück in die Welt hineinritten; so auch Herr Alfred von Tannenwörth, dessen Burg in einer wilden Gegend auf der Insel Rügen, ohnweit des Gestades der Ostsee, von schwarzgrünen Föhren umgipfelt, sich aus der dunkeln Umgebung noch dunkler und düstrer erhob. Der junge Ritter, der kurz zuvor seinen Vater in der Gruft seiner Ahnen beigesetzt hatte, und müde des Kampfes mit den Thieren der Wildniß und den scheuen Räuber in den Schluchten und Felsenklüften seiner Waldungen, denn kein Ritter wagte ihm Fehde [6] zu bieten, schiffte, nachdem er Burg und Gebiet der Obhut eines treuen Freundes übergeben hatte, mit einem einzigen Knappen, welcher ihn durchaus nicht verlassen wollte, über die See, und landete wohlgemuth an Preußens Küste. Längst hatte der Ruf ihm Deutschlands Ritterschaft als herrlich blühend und grünend geschildert, und er fand, daß man ihn nicht zuviel erzählt hatte. Herrlich ragte aber auch in jedem Turnier der kühne schlanke Nordlandsheld hervor, der in der Blüthe der Jugend und Kraft, er hatte vierundzwanzigmal den Eichbaum sich belauben gesehn, den Kampf mit keinem Ritter scheute, und wenn er in der dunkeln Stahlrüstung, von schwarzen Federn den Helm umwallt, die Rennbahn durchflog, oder im Lanzenstechen jeden Gegner in den Sand streckte, da weilte manches schöne Auge länger auf ihn, und mancher Dank, von zarten Händen freudig dargereicht, ward dem stattlichen Sieger zu Theil. Es hatten aber der Liebe goldne Sonnen sein Herz mit ihrer Seligkeit noch nicht durchglüht, und er hatte den Zaubertrank noch nicht gekostet, welcher den Jüngling, nippt er nur erst einmal davon, auf immer zu Amors Sclaven macht.

[7] Auf des Ritters Schilde war mit köstlichen Farben sein Wappen gemahlt; von einem rothen Querbalken in zwei Hälften getheilt, zeigte die Obere eine schwarze Lanze auf goldnem Grund, Tapferkeit und Muth, für Recht, Unschuld und Tugend zu streiten, andeutend, in der untern Hälfte des Wappens stiegen im blauen Feld zwei grüne Tannen empor, auf seinen Namen anspielend, zugleich ein Bild der Hoffnung und der Treue.

Wohl verdient neben dem Bilde des Ritters, sein treuer Schildknappe Siegismar mit einigen Zügen dem günstigen Leser dargestellt zu werden; in unsern Tagen fällt es freylich niemanden ein, wenn er den Herrn beschreibt, an den Knecht zu denken; man begnügt sich mit dem Sprichwort: Wie der Herr, so der Diener. Der wackre Siegismar hing an seinem Herrn mit ganzer Seele, war übrigens ein einfältigtreuherziges Gemüth, weder pfiffig, noch verschlagen; wenn er seines Herrn Befehle vollzogen hatte, dann unterhielt er sich am liebsten mit dem Wein- oder Bierkrug, denn das edle Kräutlein Nicotiana tabacum, der süße Zeitvertreib [8] hoher und niedrer Schildknappen, war damals noch nicht in Europa kultivirt. Siegismar hatte seinen jungen Herrn schon einmal das Leben gerettet, und Alfred war nicht undankbar und vergaß dieses nicht, wie man dermalen eine Kleinigkeit zu vergessen pflegt; Siegismar war mehr des Ritters Freund und Gefährte, als sein Diener, allein eben dadurch, daß ihn Alfred mit einer gewissen Achtung behandelte, kettete er die treue Seele mit festen Banden an sich; denn es liegt im menschlichen Charakter, dem freundlichen Herrscher gern und freudig zu gehorchen, hingegen dem polternden, tobenden Befehlshaber, oder der kreischenden, Gift und Galle speyenden Herrin stoischen Gleichmuth und Verachtung entgegenzusetzen. –

Von Land zu Land, von Burg zu Burg, von einem Turnier zum andern flog der jugendliche Held; oft übten an ihm die minniglichen Zuschauerinnen ihrer Augen Zaubermacht, jedoch vergebens; Alfred kannte, wie schon gesagt, die Liebe noch nicht. Just zu jener Zeit kam er nach Thüringen, als Graf Ernst von Gleichen die Einladung an alle Ritter ergehen ließ; zwar [9] lächelte unser Ritter im Stillen über des Grafen Thorheit, wie er es nannte, der ersten Frau noch eine zweite zuzufreyn, und meinte, daß mancher gute Mann mehr als zuviel an der Einen hätte, und wir meinen es auch; doch kam ihm die Kunde von den Freudenfesten, die da veranstaltet werden sollten, nicht ungelegen; Siegismar hatte keinen andern Willen, als den seines Herrn, und da zum Ueberfluß die Hoffnung auf gute Leibespflege in seiner Seele ein wohlthätiges Feuerlein unterhielt, so folgte er mit Freuden dem Ritter. – Aus weiter Ferne sahen sie die 3 Nachbarburgen liegen; wie Sterne schimmerten die Fenster das Bild der untergehenden Sonne zurück. Als sie jetzt den Burgberg von Gleichen hinanritten, begrüßte sie schon freudig schmetternder Trompetenton, und als Siegismar den Thurmwärtel seines Ritters Herkunft und Namen genannt hatte, senkte sich die Zugbrücke nieder, geschäftige Knappen flogen mit den Willkommenbechern herbey, und bald nahte der Burgherr selbst, und begrüßte mit edlem Anstand den fremden Gast, während Siegismar mit den Knappen Cameradschaft machte, und bald mit den flinken Kurt sich in [10] ein heimliches Gespräch vertiefte. Mit Bedauern bedeutete Graf Ernst den Ritter, daß er sich auf Schloß Mühlberg verfügen müsse, da es in der sehr geräumigen Burg Gleichen schon an Raum gebrach, denn die fremden Damen konnte man nicht wohl auf die andern Burgen weisen. Nachdem nun mit Speis und Trank die Beiden hinlänglich erquickt worden waren, auch Ritter Tannenwörth mit einigen thüringischen Rittern Bekanntschaft gemacht hatte, mußte der flinke Kurt satteln und mit einem Schreiben des Grafen an den Burgvogt auf Mühlberg versehen, die Gaste hinübergeleiten. Während der Ritter die schöne Gegend bewunderte, hatte Siegismar Zeit, das begonnene Gespräch mit Kurt fortzusetzen, dessen Inhalt nichts weniger war, als eine ausführliche Erzählung aller ausgestandenen Fata des letztern, und der Abentheuer seines Herrn.

Noch hatten die Festlichkeiten auf Burg Gleichen nicht begonnen, und die Gäste vergnügten sich einstweilen mit Musik, Spielen und Trinkgelagen, allein dabey wollte es unserm Ritter nicht gefallen, denn um deßwillen hätte [11] er können zu Hause bleiben; seine Seele durstete nach Kampf und Siegen, daher streifte er Tagelang in der Gegend umher, und immer allein, denn Siegismar der Wackere, lobte sich, wenn Alfred seine Begleitung nicht begehrte, den vollen Humpen. – Oft irrte Alfred umher in des Eichwaldes dunklen Schatten, oder in den sonnenhellen Fluren, prangend in des Lenzes schönsten Blumerschmuck; mehr und mehr fühlte er sein Herz beengt und es war nicht mehr die Sehnsucht nach Kampf allein, die ihn durchglühte, sondern andre Gefühle, für welche er keinen Namen hatte, bemächtigte sich seines ganzen Wesens. Es trieb ihn hinaus in die Natur, aber nirgend fand er Ruhe, nirgend vermochte er lange zu weilen, rastlos weiter und weiter jagte er, bis er am Abend ermüdet heimkam, und mit den frühsten Morgen wieder hinausstürmte, ehe noch des Thaues glänzende Perlen von der Morgensonne goldnen Strahlen in blitzende Diamanten verwandelt wurden. Da traf sichs einst, daß er in der Dämmerung von einem solchen Ritt heimkehrend, an der Quelle vorbeireiten wollte, als aus dem tiefen Nachsinnen, in welches er verfallen war, ein Seitensprung [12] seines Rosses ihn weckte. Vergebens spornte er das Roß, das sonst gute und kluge Thier war nicht von der Stelle zu bringen; der Ritter blickte auf und siehe – von einem magischen Silberschimmer wie von einem wallenden Schleier umgeben, saß an dem Quellenrande eine wunderliebliche Jungfrauengestalt; da ging es hell auf in seinem Innern, verschwunden war sein Sehnen, es ward ihm klar, daß er hier das unbewußte Ziel desselben gefunden hatte. Lange hatte er mit unverwandten Blicken auf der Jungfrau, die ihn gar nicht zu bemerken schien, verweilt, endlich faßte er sich und fragte mit sanfter Stimme:

„Wer bist Du Jungfrau, die Du geschmückt mit allen Reitzen, gleich einer Königin, am Rand der kühlen Quelle sitzest? antworte mir, wenn anders meine Frage Dich, du Holdselige, nicht beleidigt.“

Alfred schwieg, so bange, so beklommen, und doch so freudig war ihm nie zu Muthe gewesen.

[13] Und sie erhebt sich – um der Locken Fülle rankt sich ein Kränzchen von Vergißmeinnicht, des zarten Körpers zartere Bedeckung scheint aus Luft und Duft gewebt, und lilienweiß, wie das Gewand, ist das sanfte ausdrucksvolle Gesicht. Jetzt schlägt sie die seidnen Wimpern auf zu dem Ritter, und es geht ein wunderbarer Klang durch die Büsche. Mit dem Anstand einer Königin tritt sie ihm näher, und lispelt mit einer Silberstimme, welche den Ritter alles um sich her vergessen machte:

Wer bist Du Ritter, der so ruhelos durch Flur und Wiesen reitet, und von seines Rosses Hufen meine Blumen knicken läßt? Drückt Dich vielleicht geheime Last? und hast Du niemand, der Dir Deine Schmerzen heile? denn sieh – ich weiß es, daß Du Schmerzen hast! –

Ihre Rede klang wie Gesang, er fühlte keine Schmerzen, er sah und hörte nur sie, und lauschte noch immer ihrer Rede, als sie schon lange geschwiegen hatte; endlich stammelte er mühsam heraus: „Wenn Du mir ansiehst, daß [14] ich Schmerzen empfinde, so wirst Du wohl auch lindern können; ich will dir meine Heilung gerne danken. Recht inständig bitte ich Dich, Du wollest mir verzeihen wegen der zertretenen Blümlein und Grashälmchen; künftig will ich hübsch auf den Wegen bleiben, auch erfreue mich mit der Nennung Deines süßen Namens. Alfred wurde über und über roth, er fühlte, daß es nicht viel Kluges war, was er gestottert hatte; aber mit gesenkten Blicken entgegnete die liebliche Erscheinung;

Willst Du so gerne wie ich heiße wissen? wohlan, ich will es heimlich Dir vertraun. Doch mußt Du noch drei Tage Dich gedulden, und von mir schweigen gegen jedermann; so kehre denn am Abend des dritten Tags zu dieser Stunde an diesen Ort, bis dahin – lebe wohl!

Als sie diese Worte sprach, wurde immer leiser und leiser ihre Stimme; ihre Gestalt verschwand, und als die Umrisse derselben das Lebewohl hervorgehaucht hatten, säußelte es wieder melodisch durch der Bäume Laub, und Alfred [15] starrte in den blauen Himmel, an welchem hell und freundlich der Mond aufgegangen war; aber verlassen und öde schien ihm die Gegend, nur Sie konnte ihr Reitz verleihen; Alfred fühlte in seiner Brust, in welcher bisher alle zartern Regungen geschlummert hatten, der süßen Minne seliges Auferstehn.

Angekommen auf der Burg vermochte weder das Läuten der Pokale und der frohe Gesang im Speisesaal den Ritter zu locken, noch der redselige, etwas weniges trunkene Siegismar ihm Rede abzugewinnen. An das offne Fenster getreten, warf er sehnsüchtige Blicke, bald hinauf zu der silbernen Mondscheibe, bald in das Thal, in welchem ätherische Blumengeister den luftigen Reigen tanzten. Als er endlich ermüdet einschlief, gaukelte das Wunderbild Entzücken in seine Träume.

Ehe noch hinter der Wachsenburg die Morgenröthe aufdämmerte, war er schon erwacht; Siegismar mußte satteln, und fort ging es wieder, als der Sonne erste Strahlen auf die Gleichen fielen; ihr Bild im Herzen, das aus [16] jedem Thautropfen ihm anzulächeln schien, ritt er den ganzen Tag in der Gegend umher. So trieb er es auch den zweiten Tag. Siegismar wußte gar nicht, wie es kam, daß sein Herr einsylbig war, und doch aus seinen Gesicht eine stille Freude strahlte. Da aber der Gute nichts zu thun hatte, so brachte er eine ganze Stunde mit Nachsinnen[D 8] zu, und die Frucht desselben war, daß er, so zu sagen den Nagel auf den Kopf traf. „Mein Herr ist eigentlich in Minne befangen“ brummte er mit zufriednen Gesicht, und labte[D 9] seinen durch das angestrengte Denken abgematteten[D 10] Geist mit einen Krügelchen[D 11] Weines, mit welchem er die aufsteigende Frage: in wem? hinabschwemmte, denn Neugier war seine Sache nicht, aber er beschloß doch, sich auf Kundschaft zu legen.

Als er am dritten Morgen abermals von dem Ritter aus dem süßen Rausch geweckt wurde, murrte er halblaut vor sich hin: Auf der andern Seite kann ich gar nicht schlafen, wenn das so fort geht, und als er den Herrn wappnete, und diesem seinen schönsten Schmuck [17] anlegen mußte, da fragte er mit einfältiger Miene;

„Befehlt Ihr Herr Ritter, daß Euer Knecht Euch einmal begleite?“ –

Nein – war Alfreds kurze, aber sanfte Antwort.

„Wo gedenkt Ihr eigentlich hin, Herr Ritter?“

Nach Ost und West, nach Nord und Süd,
Wo meines Lebens Blume blüht.

„Was ist das eigentlich für eine Blume Herr Ritter, fragt der Knappe höchlich[D 12] erstaunt über seines Herrn poetische Antwort.

„Die Lilie ist es, weiß wie Schnee,
Die Rose ist, es an dem See,
Das Veilchen ist es, auf der Au
Und das Vergißmeinnicht, himmelblau.“

Seyd Ihr ein Minnesänger geworden, Herr Ritter? Euer Liedlein müßte eigentlich gar anmuthig [18] zur Harfe klingen; aber sagt mir nur warum Ihr auf der einen Seite erst nur Eine Blume nanntet, und jetzt einen ganzen Strauß. Des Grafen von Gleichen flinker Leibknappe, der mit ihm in der Sclaverey gewesen ist, und auf der andern Seite Sand in des Sultans Garten gefahren hat, hat mir von einer Blume erzählt, die, glaube ich, eigentlich Mischurumi hieß, und mit welcher sich viel Wunderbares zutrug, da dachte ich, Ihr meintet diese Blume? und da –

„Eile, eile! unterbrach Alfred den Frager; „siehst Du nicht, wie die Sonne schon am Himmel emporsteigt? und ich bin noch hier!“

Schweigend vollendete der treue Knappe sein Geschäft, und 2 Minuten darauf hatte Alfred die Burg hinter sich; kopfschüttelnd sah ihn der Gute nach, und murmelte: Was meinem Ritter nur eigentlich fehlen mag? –

Als des Abendrothes erste Rosenwölkchen sich in der Quelle spiegelten, stieg unser Held schon ab, und ließ sein Roß weiden auf den [19] graßreichen Wiesen, welche damals die Quelle noch umgaben. Er harrte lange; dunkler glühten die Abendwolken, bis ihr Schimmer allmählig in Dämmerung und Nachtgrau sich auflöste. Rings um herrschte Grabesstille, die Sänger auf den Zweigen schwiegen, das müde Roß streckte sich ins hohe Gras; schon trat hinter einer dunkeln Wolke der Abendstern hervor und immer dunkler und immer stiller wurde es rings umher.

Am Nachmittage hatte Siegismar, der Vieltreue, den hohen Wartthurm des Schlosses Mühlberg bestiegen, von welchem man die entzückendste Aussicht in die Umgegend hat, da er noch bis heute steht; wohlverproviantirt saß er da oben, und spähte nach dem Ritter, um zu sehen, wo er herkäme; lange hatte er vergeblich nach ihn umgeschaut, da endlich, als die Sonne untergegangen war, sah er ihn hastig fernher gejagt kommen, und an der Quelle absteigen; schnell war der Entschluß des Wackern gefaßt, noch einen Blick auf den Ritter, ob er es wirklich sey, noch einen Becher Wein zur Stärkung, und langsam und bedächtig, wie er immer war, stieg er die Leitern herab.

[20] Unmuthig wandelte Alfred von Tannenwörth auf und ab an der Quelle, kein lebendes Wesen zeigte sich, er entschloß sich zu gehen, noch einmal wandte er sich nach der Quelle, ihm dünkte, in den Büschen ein leises Geräusch vernommen zu haben – es war nichts; jetzt trat er vor, um sein Roß zu suchen; da stieg hinter den hohen dunkeln Mauern der Burg der Vollmond empor, und warf sein magisches Silberlicht auf die Quelle, zugleich begann im Gebüsch eine Nachtigall ihr süß klagendes Minnelied; es schwebte ein Lautenton vorüber und „Alfred“ klang es in die Ohren des Erstaunten. Er sah sich um, da saß am Quellenrande, die schöne Ruferin, in einen wasserblauen Schleyer gehüllt, um die Locken war ein Kranz von weißen und rothen Rosen geschlungen. Eine goldne Lyra ruhte auf ihrem Schooße und die Quelle daneben schimmerte in den köstlichsten Regenbogenfarben. Die Jungfrau[WS 2] winkte und als der Ritter sich neben ihr niedergelassen hatte, lispelte sie, indem sie ihm die Hand zärtlich drückte, mit traulichen Liebesworten:

Sey willkommen mein tapfrer Nordlandsheld, [21] sey willkommen; nun kann Dir ganz vertrauen die liebende Jungfrau. – Was Du hier siehst, fuhr sie fort, diese Wiesen; die Quelle hier und dort der Murmelbach, der Schattenhain mit seinen heitern Sängern, sind alle mein und meinem Willen gehorsam. Mich grüßen die Sänger des Waldes, wenn Aurora in meiner Quelle sich spiegelt, die Blumen neigen ihr Haupt vor mir und bieten sich wetteifernd dar zu Kränzen für mich; mir trägt der Zephyr Melodien zu – ich bin die Quellenkönigin Selinde. O staune nicht, mein Alfred, bat sie schmeichelnd den fast erschrocknen Ritter: Was ist Leben, was ist der Herrscher süßgeträumtes Glück, wenn nicht die Liebe es verherrlichet und mit ihren glühenden Farben einer ewigen Sonne gleich, durchstrahlt? Nur Liebe empfinden, und sie erwiedern, ist die höchste Seligkeit; wem Liebe und Treue ihre Rosenkronen flechten, dem wird zum flüchtigen Augenblick die Stunde, dem strahlt der Aether himmlisch rein, dem wiegen lächelnde Genien in entzückende Träume. – So sprach sie und streichelte ihm die Wangen und blickte ihn mit den blauen feuchten Augen schmachtend an. [22] Ihm war als brause durch seine Adern ein glühender Feuerstrom. Jetzt griff sie in die zarten Saiten der Laute, und besänftigt war die wilde[D 13] Gluth in seinem Innern, es lößte sich sein Herz in Harmonien auf; die Seele verschwamm in den schmelzenden Himmelsakkorden, denn um und unter und über ihn klang und tönte es in seltsamen herrlichen Weisen. Nicht die Worte der Sängerin verstand er, aber er fühlte, daß sie die Freuden der Liebe sang; er sah die Sterne goldne Kreise ziehen, die Wellen schienen sich zum Tanze zu heben, und alle Knospen erschlossen sich in dem Rosenkranze Selindens, die im Silberschimmer des Mondlichts wie ein Engel aus bessern Welten dem Ritter erschien.

Und wie sie schwieg, da war er hingesunken zu ihren Füßen, und blickte, noch immer den verhallenden Klängen lauschend, sie flehend und sehnsüchtig an; sie aber, indem sie ihn sanft aufhob, lispelte: O kniee nicht vor mir, in meines Busens tiefster Tiefe glüht der Liebe heilge Flamme nur für Dich, o laß uns tauschen Liebe um Liebe, Leben um Leben! – Da [23] drückte Alfred in heiß auflodernder Liebesglut den ersten Wonnekuß auf der holdseligen Ondine entgegenschwellende Granatlippen. Die Saiten der Laute rauschten das süßbethörende Liebeslied noch immerfort, reine Krystallklänge zitterten durch die Lüfte. „O welche himmlischen Töne! rief wonnetrunken der Ritter, und Küsse um Küsse tauschend hielten sich glühend, selig die Liebenden umfangen, und in die Klänge rund umher schienen tausend Nachtigallen ihre Brautlieder zu jubeln.

Endlich machte mit leisem Beben Selinde sich aus des Ritters Glut-Umarmung los. Ach Alfred – flüsterte sie mit weicher klagender Stimme – wir müssen uns trennen, und nur der Gedanke kann mich trösten, daß Du mich nicht vergessen, daß Du wiederkehren wirst an meine Quelle.

O wolle doch nicht zweifeln, holdselige Jungfrau, die aus des ewigen Frühlings Blüthenreichen mir erschienen, daß ich nicht morgen wieder, sehnsuchtsvoller wie heute, Deiner harren werde! So der Ritter; sie aber sprach [24] traurig: Nicht morgen, lieber Ritter, auch übermorgen nicht; heut ist Vollmond, erst in 8 Tagen, wenn das letzte Viertel eintritt, kannst Du mich wieder sehen. Dann sollst du schauen mein herrliches Krystallschloß, wo auf silberschimmerndem Grunde Blumen von köstlichen Perlen sprießen, und durch die saphyrne Decke goldstrahlende Sterne leuchten. Bis dahin lebe wohl; doch daß Du immer liebend mein gedenken mögest, so nimm diesen Ring als ein Unterpfand meiner Liebestreue. Er ist gefegt, ihn schmiedeten aus sieben Metallen im Mittelpunkte der Erde kunstreiche Gnomen. Wenn Du ihn in die Tiefe dieses Wasserspiegels senkst, dann erscheine ich Dir augenblicklich. Noch andre Eigenschaften hat der Ring, welcher Dir mehr seyn kann als der treueste Freund. – „Nicht mehr als Du, o meine herrliche Selinde!“ – fiel rasch der Ritter ein, doch sie fuhr fort: Wenn Du o Alfred im Geräusch der Feste auf jener Burg mein vergessen könntest, wenn Du zu lange dort verweilst und die sehnende Geliebte länger als bis Mitternacht harren läßt, dann ist zerrissen das Zauberband unsrer Herzen und nie – nie – siehst Du mich wieder.

[25] Mit trauriger Stimme sagte sie das und als auf des Ritters Lippen Betheurungen des Gegentheils schwebten, küßte sie ihn schnell noch einmal, flüsterte noch ein leises Lebewohl und zerfloß in Nebel; nur leichte Luft hielt er umfangen, doch klangen noch liebliche Töne aus der Tiefe der Quelle empor und in leichten Ringen bewegte sich die Wasserfläche.

Vom Boden erhob sich jetzt Alfreds treues Roß und trug im schnellen Lauf ihn nach der Burg zurück. In seinem Zimmer angekommen, trat Siegismar bleich und entstellt herein, seine Hände zitterten heftig, als er den Herrn entkleidete. – Was fehlt dir Siegismar? fragte mit mitleidigem Ton der Ritter, vor dessen innerm Auge noch der Angebeteten holdes Bild, lebendig stand.

Da drängten sich Thränen unter den Wimpern des Mannes hervor; er stürzte dem Ritter zu Füßen. Was soll das? was ist das? fragte Alfred befremdet. –

Vergebt mir, Herr Ritter! zieht doch nur [26] gleich Euer blankes Schwerdt und haut mich zusammen, ich habe Euch belauscht; straft mich dafür, martert mich, quält mich, gern will ichs dulden – nur gebt Eure verderbliche Liebe auf!

Bist Du von Sinnen? sprichst Du im Fieber? fragte Alfred wieder, und gebot dem Knieenden aufzustehen. Ach Herr Ritter, wollt doch vertrauen und glauben Eurem[D 14] treuen Knecht, der Euch von Kindesbeinen an ergeben war, Eure Geliebte ist doch eigentlich ein schnöder Nix, der Euch hinabziehn will in sein verfluchtes Wasser, und auf der einen Seite Euch bestrickt hat mit höllischen Zauberbanden. Hört mich an; ich sah Euch absteigen an der verrufenen Quelle, ich lief den Berg hinunter, durchs Dorf und hinaus in die Büsche; ich hielt mich verborgen, Ihr gewahrtet mich nicht, Ihr ward bestrickt in des Teufels Netzen. Als die Syrene in Euren Armen lag, da wollte ich hervortreten und mit einem kräftigen Segen den Zauber vertreiben, konnt’ ich denn? mußte ich nicht auf der einen Seite stockstille stehen? konnte ich mich denn rühren? [27] konnte ich denn schreyen – bis es endlich bey Euch zum Abschied kam, da lief ich, was ich konnte, hinauf nach der Burg, um Euch zu empfangen. –

Stehe auf und laß es gut seyn, ich weiß, daß Du mich lieb hast, sagte besänftigend der Ritter; aber Siegismar: Ich stehe nicht auf, bis Ihr mir versprecht nicht wieder zu der Hexenquelle zu gehen. Ist das eigentlich die Blume des Lebens, von der Ihr heute sagtet? Ihr habt wohl gar die sehr niedlichen Krötenbeinchen und Schlangenschwänzchen, von welchen das Nixenbild sich ein Kränzlein gewunden hatte, für eitel schöne Blümelein gehalten? –

Entweder willst Du mich bethören, oder Du warst als Zuschauer betrunken und bist es noch; lasse doch einmal das übermäßige, Saufen, grollte der Ritter.

Ach Herr Alfred, schluchste der Knappe, ist denn der Schutz aller Heiligen von Euch gewichen? hat Euch der Teufel allzusehr bethört? [28] – Als das Quinkeliren, das Unken, Krächzen und Querecken eigentlich loßging in den Sumpf, in den Büschen und Bäumen, glaubtet Ihr da nicht schöne Musik zu hören? rieft Ihr nicht, o welche himmlischen Töne!? Glaubt Ihr nicht mehr Eures treuen Dieners Worten, so helfe Euch Gott! – und außer sich sprang er auf, und warf sich mitten in der Stube auf die Knie und rief mit thränenden Augen, mit aufgehobenen Händen zum Himmel empor:

O Du gerechter Gott! den Tobias hast Du sehend gemacht, als ihn die Schwalbe beschmeißt hatte, und Dein heiliger Geist hat die Jünger erleuchtet, daß sie eigentlich mit Zungen redeten, erbarme Dich doch über meinen armen Herrn, und thue ihm die Augen auf, und wende sein Herz ab von dem Teufels-Gespenst, und nimm lieber mich zum Opfer dahin, wenn seine Seele damit zu retten ist! Amen. – So betete Siegismar und gerührt hob der Ritter den treuen Knecht auf und zog ihn an seine Brust.

Versprecht, was ich Euch bat! flehte dieser wieder.

[29] Versprechen kann ich nichts, ich gab mein Wort, das andre wird sich finden, erwiederte Alfred.

Ja finden, meinte Siegismar, finden wird sich nach 9 Tagen euer Leichnam; wenn sie denselben mit langen Haken aus der Quelle häkeln, da wird sichs finden – finden. Und damit ging er hinaus.

Unruhig, getheilt zwischen Furcht und Liebe wälzte sich der Ritter auf seinem Lager lange schlaflos umher, und als er am andern Morgen[WS 3] spät erwachte, kam ihm alles vor wie ein lieblicher Traum, an welchen eine schlimme Deutung sich geknüpft zu haben schien. – – Noch ein Tag und das letzte Viertel war da. Da schmetterten Trompeten vor dem Burgthor, bekränzte Herolde, geschmückt mit köstlichen Wappen und Kleinodien ritten ein, und als die Ritter versammelt waren, rief einer mit starker Stimme: Daß der morgende Tag der erste sei von denen, an welchen des Herrn Grafen von Gleichen Hochzeitfeyer gehalten werde, und daß an demselben ein feyerliches Lanzenstechen um 12 Kleinode statt finden, nach geendigten Turnier aber ein frohes Mahl, und darauf ein festliches [30] Banket den Tag beschließen sollte, wozu die geladenen Gäste sowohl, als auch jeder andere ebenbürtige, untadeliche, und turnierfähige Ritter eingeladen sei. – Die Herolde zogen von dannen, und nun regte Freude und Erwartung unter den Rittern und Knappen ein neues Leben an.

Sollte nun Alfred hinziehen? morgen war ja das letzte Viertel, wo er die Geliebte wieder sprechen sollte; sollte er hinziehn, und sie vergebens seiner harren lassen, und sie nie wieder sehen? oder sollte er wegbleiben von des Festes ersten Tag, um dessentwillen er so lange in dieser Gegend verweilt hatte? was dachten denn von ihm die Ritter, wenn er wegblieb?

Diese und ähnliche Fragen warf sich selbst Alfred auf und quälte sich mit Nachsinnen, wie das zu machen sey. Den Knappen durfte er nicht fragen, dessen Rath wußte er schon voraus. Da half ihm der Geist, denn Liebe macht erfinderisch. Ich kann ja, sprach er zu sich selbst, gegen Abend hinüber reiten nach Mühlberg, dabey kann ich doch im Turniere mich zeigen; o [31] wie glücklich werde ich seyn, wenn ich die errungenen Preise der Holden zu Füßen legen kann. – –

Auf dem hohen Balkon im Burghofe des Schlosses von Gleichen prangten im schönsten Schmucke des Thüringerlandes Kronen, viel herrliche Frauen, viel wunderholde Jungfrauen, wie aber die orientalischen Blumen an Pracht und Farbenschmuck die unsrigen übertreffen, weil des Südens glühender Hauch sie mahlt, so strahlte auch unter jenen die schönste Blume der Frauen, Melechsala, hervor, welche mit eigner Hand die Preise vertheilen wollte.

Herrlich zeichnete sich Alfred aus unter den stattlichen Rittern, und zog die Augen der Schönsten auf sich, aber von Einer Liebe nur das Herz erfüllt, blickte er nicht hin nach den Huldgestalten; hell glänzte sein Harnisch im Sonnenschein, ungeduldig wieherte sein kräftiges hohes Streitroß, und aus den Augen blitzte dem Ritter das neuerwachte Heldenfeuer.

Selinde! Sieg! war sein kurzer Wahlspruch; [32] an seinem Helme bildete ein blaues mit Silber durchwirktes Band 2 Schleifen um eine rothe Rose. – So, glühende Kampflust im Herzen, harrte er des Zeichens zum Einreiten in die Schranken.

Die Posaunen schmetterten, die Pauken wirbelten, weiße Stäbe hielten die Herolde in die Höhe, und das Turnier begann. Paar an Paar rennten die Ritter gegen einander, Lanzen splitterten, Kämpfer wankten, und mancher derselben fiel in den Sand. Nicht so Alfred, geübt in diesen Spielen, war ihm hier das Siegen zwar nicht leicht, denn es theilten tapfere, männliche Ritter den Sieg mit ihm; doch obgleich viele waren, die er nicht besiegte, so unterlag er doch auch keinem Einzigen. Geendet ist das Turnier; den Burgherrn an der Spitze, ziehen die Ritter nach dem Saale, wo Melechsala die Preise vertheilt; jetzt öffnen sich die Flügelthüren, und rings umher erwiedern die Damen der Ritter ehrerbietigen Gruß; Blumen, Kränze und Bänder fliegen herab auf die Sieger. – Als den dritten von diesen ruft der Herold unsern Alfred mit Nennung seines Vaterlandes [33] laut auf, und mit schüchternen Erröthen, mit heißen Wangen naht er sich, gleich den übrigen, dem goldverzierten Thron, auf welchem die schönste aller Sultanstöchter im reichen orientalischen Prachtkleide, himmlische Milde in dem reinen Gesicht, ein Kettlein von purem Golde, und ein gutes Schwerdt ihm zum Danke reicht, der kaum wagt, den Blick aufzuschlagen zu der Blume der Welt, welche der glückliche Graf von Gleichen aus dem ägyptischen Sandboden in das Rosengärtlein seiner Ehefreuden verpflanzte, und wo dieselbe auch recht gut gedeihte, obgleich der Graf keine Sprößlinge von ihr erhalten konnte.

Trompetenstöße riefen zum Mahle, wo auf endlosen Tafeln alles, was in jener Zeit für leckerhaft und wohlschmeckend gehalten wurde, aufgetischt war, obgleich ein Gutschmecker unsrer Tage manches zu tadeln gefunden haben würde; aber hochvergnügt waren die Ritter, und leerten oft die kreisenden Pokale auf das Wohl der Frauen und Jungfrauen.

Was hier oben die Ritter thaten, machten [34] in den untern Gemächern die Knappen nach; es fehlte zur Erhöhung der Freude nicht an Harfnern, Gauklern und Possenreißern; auch horchte ein großer Theil den Erzählungen des flinken Kurt, dessen Steckenpferd nun einmal war, zu den wirklich ausgestandenen Abentheuern noch hundert und aber hundert hinzuzulügen, und sie mit den ächten an Mann zu bringen, worin er es zu einer solchen Vollkommenheit gebracht haben soll, daß die Zuhörer ihm alles wirklich glaubten. Dieses angenehme Talent hat sich in spätern Zeiten auf viele Personen vererbt; es sind dies meistens gutmüthige harmlose Leutchen, welche man sich leicht geneigt machen kann, wenn man ihren lustigen Erzählungen Glauben beizumessen scheint. – An einer andern Tafel thronte unser Siegismar, auf dessen Nase schon die Abendröthe des Weinrausches, eine Vorbotin süßer Ruhe, aufging, und mit der hereinbrechenden wirklichen, wetteifern zu wollen schien. Seinerseits hatte er zur Erheiterung und Unterhaltung der respektabeln Tischgenossenschaft redlich das Seinige beigetragen, und that es noch, indem er, in allerley fremdartigen Tönen durch einander singend und [35] predigend, und dieß mit sehr unterhaltenden Gestikulationen begleitend, einen weiten Kreis von Lachern um sich versammlet hatte.

Es würde Dich, sehr geduldiger Leser, ungemein langweilen, wenn wir Dir erzählen wollten, was die Ritter speisten, was für Weine sie tranken und dergl. Auch könnten wir Dir ein Verzeichniß aller Anwesenden mittheilen; allein unser einfaches Mährchen soll nicht historische Glaubwürdigkeit verlangen, so wie auch unser treuherziger Erzähler dieß mit Stillschweigen überging. – Der Ball ist unterdeß angegangen; schauen wir ein klein wenig in das bunte durch einanderwogende Gewühl hinein. Wer ist denn der schöngeschmückte stattliche, junge Ritter, welcher dort am Ende des hellerleuchteten, mit Blumengehängen geschmückten Saales, sein Ohr dem leisen Flüstern eines holden Fräuleins hinneigt, auf deren Wangen Unschuld und Fröhlichkeit, die trauten Himmelsschwestern thronen? –

Ey! das ist ja kein andrer, als eben unser Held, der in des traulichen Gesprächs heitrem [36] Lauf die Honigworte von den Rosenlippen der Plaudererin abzustehlen, und für den Augenblick Hain, Bach und Quellenkönigin vergessen zu haben scheint. Wer das Fräulein in dem lichtblauen Kleide, mit dem silbergestickten Schleier, und den Wasserrosenkranz im Haar, war? – Wir wissens nicht. – Jetzt beginnem die Geigen einen herrlichen Tanz, die Flöten fallen ein, dort fliegt der Ritter in wonnigem Taumel: Wie des Mädchens dunkle Locken über den blendenden Nacken wallen, wie Entzücken aus den Augen des Tänzers strahlt und röther die Wangen der beyden glühen! – Schon ist die letzte Stunde des Tages gekommen, und hinter trüben Wolken steigt des Mondes letztes Viertel empor, lustiger wirbeln die Pauken, schmettern die Posaunen, jubeln Schallmeyen und Flöten, munter wälzt sich noch der Reigen in dem vollen Saal; noch drückt feurig und heimlich der freudetrunkene Ritter die Hand seines scherzenden Fräuleins, eben will er mit zarter Bitte ihren Namen erfragen – doch siehe – was ist denn das? Der Ritter wird blaß – seine Hand zuckt nach dem Ring an der andern, als empfände er dort einen heftigen Schmerz; er läßt [37] plötzlich des Fräuleins Hand los, die ihn verwundert anblickt, und stürzt zum Saale hinaus, hinab in den Kreis der lärmenden, jauchzenden und taumelnden Knappen. „Siegismar ruft er, als wollte er die Todten aus ihren Gräbern rufen; entsetzt weichen die Knappen zurück, seine Augen blitzen aus dem todtbleichen Gesicht unheimlich umher. Siegismar! ruft er noch einmal; da zeigen mit stummer Geberde die Knappen auf den Boden. Ja, da lag der Würdige, auf der einen Seite unter dem Tische, mit einigen andern Zechbrüdern um die Wette schnarchend. Hastig reißt ihn der Ritter empor, und schüttelt ihn. „Wo ist mein Pferd! ruft er dem Erwachenden donnernd ins Ohr, der aber reibt sich die Augen, und lallt mit gebrochener Stimme: Das – weiß ich – eigentlich – nicht. Da läßt ihn der Ritter unsanft fallen, nimmt selbst eine Leuchte, eilt nach dem Stalle, findet bald sein Pferd, zieht es hervor, schwingt sich darauf, ruft mit lauter Stimme dem Thorwächter zu, das Thor zu öffnen, es geschieht, und wild sprengte der Ritter, aller Waffen baar, ohne Sattel, auf dem Haupt nur das leichte Federbarett, von dannen.

[38] So braußt der Sturm entzügelt durch die Fluren, so stürzt sich rauschend und schäumend der Waldbach von Klippe zu Klippe herab; so fliegt der Wolkenschatten spurlos über die Felder, kaum läßt des flüchtigen Rosses Huf eine Spur im bethauten Grase zurück.

Schon sieht er des Mondes Bild schimmern in der nicht mehr fernen Quelle, er spornt das Roß, es schäumt, es stöhnt, und plötzlich stürzte es kraftlos mit dem Ritter zur Erde nieder, nicht Zeit hat er jetzt, sich um das gute Thier zu kümmern, zu Fuße eilt er vorwärts. So jagt Mancher einem Schatten nach, und achtet es nicht, wenn sein bestes Gut darüber zu Grunde geht, Mancher freyt um eine reiche Frau, und glaubt, mit ihr gute Tage zu haben, aber ach, wenn er es bey Lichte beschaut, d. h. wenn er ein Mandel Jahre mit ihr gelebt hat, denn hat er eine Megäre, der Satanin Großmutter vergleichbar, vorzüglich, wenn die Jungfrau schon etwas bejahrt war, als sie in den heiligen Ehestand trat, der leider nur zu bald für den lieben Mann ein Wehestand wird. – Schon hat der Ritter das Dorf erreicht, [39] einem hellen[D 15] Sterne gleich, schimmert etwas an der Quelle, näher kommt er und erkennt Selinden, auf den goldgelocktem Haupt trägt sie einen lichtschimmernden Lilienkranz. – „So soll ich doch noch schauen die Geliebte, so schloß sich mir noch nicht die Pforte des Himmels zu!“ so jauchzt er freudig: da tönen vom Glockenthurm langsam und traurig 12 Schläge durch die Nacht; Schreck bannt ihn fest, mit offnem Munde lauschend, bleibt er stehen. Das Bild bewegt sich, beide Arme strecken sich nach ihm aus, ein Klageseufzer dringt bis hin zu ihm, erfassen will er die Geliebte, da sinkt sie vor seinen Augen hinab in die feuchte Wohnung. Alfred wußte gar nicht, wie ihm geschehen war, lange besann er sich, er glaubte zu träumen. Selinde! ruft er endlich schmerzzerrissen aus, „Selinde“ giebt ihm das Echo zurück. Soll ich Geliebte Dich auf ewig missen? – missen, „spottete eine helle Stimme in dem Berge. Erscheine mir, Geliebte! – hörst Du? – kehre wieder! – kehrst Du nimmer? – Nimmer! klang es traurig, wie Alfred gerufen hatte, zurück. Da klagte er laut und jammerte, doch wie er sie [40] hundertmal ruft, sie hört, nicht; dahin, das fühlt er, ist Alles, was ihn beglücken konnte; doch – lacht ihm nicht eine Hoffnung noch rosig hell? ihr Ring. – Kaum hat er das gedacht, da sinkt der Ring schon in die Tiefe hinab; und es beginnt zu säußeln und zu flüstern in den Bäumen ein sanft verschwebender Ton, dem einer Aeolsharfe gleich, rührt an sein Ohr, das Wasser kräuselt sich in kleine Wellen und eine Stimme läßt sich also rein und klar, wie Silbertöne, singend vernehmen:

O Tannenwörth, Du hast getödtet
Ein Dir so treu ergebnes Herz;
Selindens Daseyn ist verödet,
Sie klagt den Blumen ihren Schmerz;
Wenn sich der Abend lieblich röthet,
Und Sterne funkeln niederwärts –
Dann denk’ ich Dein, der mich verließ,
Und träume mir ein Paradies.

Es steht im Schicksalbuch geschrieben,
Das seinen Spruch, ach streng vollzieht;
„In hundert Jahren darf ich lieben,
Nur Einmal, wenn die Rose blüht;
Ist der Geliebte treu geblieben,
Wohl ihm und mir, Selinde zieht
Dann ewig aus dem Schooß der Fluth“
Und lohnt ihm mit dem höchsten Gut.

[41]

Es ist vorbey, Du wirst nicht wieder,
Die sehn, die liebend Dich umfing;
Sie zieht Dich nicht zu sich hernieder,
An der Dein Blick so trunken hing.
Vergebens klagen meine Lieder,
Behalte Alfred meinen Ring
Er schützt Dich vor Gefahr und Noth,
Und bleibt Dir treu bis in den Tod.

Die Stimme schwieg, die Flötenklänge verzitterten leise in die säuselnde Nachtluft; einer Bildsäule gleich stand der Ritter, sein Geist scheint mit den dahinschwebenden Tönen entfliehen zu wollen. Und plötzlich ist der Ring freiwillig aus dem nassen Grabe an Alfreds Finger zurückgekehrt.

„Er bleibt Dir treu bis in den Tod!“ – seufzte er endlich aus gepreßter Brust hervor, o warum blieb ich ihr nicht so treu? und hätte ich, wie Siegismar sagt, die Liebe büßen müssen mit dem Leben, wäre es nicht ein süßer Tod gewesen, in ihren Armen zu sterben?“ – Sein Schmerzgefühl löste sich auf in milden Thränen, still weinend, an einen Baum gelehnt, nur dem unendlichen Trennungsschmerz [42] Raum gebend, blickt er starr hinab in die klare ruhige Fluth. –

Unterdeß hat sein schnelles Hinwegeilen Aufsehen erregt, zugleich ist das fremde Fräulein, mit welcher er getanzt hat, verschwunden, man eilt dem Ritter nach, man fragt die Knappen, was vorgefallen, in undeutlichen, verworrenen Worten berichten sie das Geschehene. Auch Siegismar, der Treue, ist plötzlich ziemlich nüchtern geworden; als er sich aber besinnt und erfährt, daß sein Herr fort, in die Nacht hinaus, geritten sei, da bricht er in einen Thränenstrom aus, und will fort, seinem Herrn nach; man hält ihn, da gebehrtet er sich sehr ungestüm, flucht, weint, betet, man dringt in ihm, zu erzählen, was seinem Herrn fehle, von allen Seiten umringt, bedrängt, geängstet, erzählt er endlich, was er von seines Herrn Minne weiß. Ungläubig blickt man sich einander an, man staunt, lächelt, einer nach dem andern wendet sich von ihm weg. Als ihn keiner mehr aufhält, stürzt er zum Burgthor hinaus, den Berg hinab, und geradewegs nach der Quelle zu. Als er eine Strecke gelaufen war, sieht er eine hohe dunkle Gestalt mitten im Wege stehen, welche auf seltsame [43] Weise mit dem Kopfe nickt. „Alle gute Geister!“ ruft er laut, und schlägt drei Kreuze an seine Brust, da wiehert der Geist, und springt auf ihn zu; der Herzhafte fällt zu Boden, als er aber keine Krallenfaust in seinem Nacken verspürt, die ihm mit einem sanften Griff den Hals umdreht, so faßt er Muth, rafft sich empor und siehe da, es ist Alfreds Roß, das sich von seinem Sturze wieder erhohlt hat. Aber neue Schrecken durchschaudern seine Seele, denn nun ist es ja gewiß, sein Herr ist verschwunden aus dem Reiche der Lebendigen, hinabgezogen in den unterirdischen Pallast des graulichen Liebchens, und Siegismar ist nun verlassen, allein in einem fremden Lande, weit, weit von der lieben Heimath. – Trostlos überläßt er sich dem herben Schmerz; mit gesenktem Haupt steht das gute Thier, und scheint voll Mitgefühl seine Trauer zu theilen. Einmal will Siegismar doch noch hin zu der Quelle, um einige Blumen auf seines Herrn nasses Grab zu streuen, und ein Kreuz dort errichten zu lassen. Das Roß an der Hand führend geht er auf die Quelle zu. Der Nacht düstre Schauer umwehen ihn, der Mond ist hinter [44] Wolken versteckt, die in die Felskluft rückkehrende Eule rauscht mit dunkeln Fittigen über ihn dahin, und aus einem verfallenen Gemäuer krächzt ein Käuzlein sein einförmiges Komm mit. Aber festen Muthes schreitet Siegismar vorwärts, er hat seine Seele Gott befohlen. Jetzt ist sein Ziel erreicht; er steht an der unheimlichen Tiefe. „O Alfred, Alfred von Tannenwörth, seufzt er laut – da wacht aus einem Traum der eingeschlummerte Ritter auf, zum Silberbogen wird der Rand der düstern Wolke und der Mond tritt hellstrahlend hervor; mit dem lauten Ausruf der innigsten Freude stürzt sich der Treue zu des erstaunten Ritters Füßen.

„So hat Euch Jungfer Wassergrün doch nicht in ihren sehr niedlichen Krallen; Gott sey gepriesen!“ spricht der Entzückte; doch mit ernstem Schweigen blickt Alfred ihn an, und winkt ihm, mit hinwegzugehen.

Gehe hinauf nach Mühlberg, spricht er nach einer Weile zu Siegismar, und rüste Dich zur Reise. Morgen, geliebt es Gott, will ich die [45] Gegend verlassen, wo jeder Bach, jede Blume mich an ein verlornes Glück schmerzlich erinnert; ich will noch einmal nach Gleichen, bald treffe ich bei Dir ein. – Hiermit schwang er sich aufs Roß, und sprengte nach Gleichen zu; das Freudenfeuer auf dem Wartthurm zeigte ihm den Weg. Siegismar aber, obgleich es ihm auch schmerzte, von den Orten Abschied zu nehmen, wo die Quellen seiner schönsten Freuden unversiegbar schienen, wandelte wohlgemuth den Berg hinauf, und sang vor sich hin:

Mein Herr ist ein Ritter, sein Knappe bin ich,
Mein Herr liebt das Fechten, das Trinken lieb ich,
Mein Herr bricht die Lanzen, die Flaschen brech’ ich,
Mein Herr ist am Leben, zufrieden bin ich. –

Als Alfred in den Saal trat auf Burg Gleichen, richteten sich aller Blicke auf ihn, und es ging ein Flüstern und Zischeln durch die Versammlung; verstohlen blickten die Damen nach ihn, und einigemahl stahl sich das sehr leise ausgesprochene Wort Nixenritter, in seine Ohren, worüber er die Lippen in stummen Unwillen zusammenbiß. Mit wenigen Worten entschuldigte er bei dem Burgherrn seinen schnellen [46] Weggang, dankte ihm für die bewiesene Gastfreundschaft, und nahm förmlich Abschied von ihm, der vergebens mit freundschaftlichen Worten ihn zu halten, sich bemühte. Es binde ihn ein Gelübde, sagte er, empfahl sich sittig den Gemahlinnen, schüttelte einigen Rittern die Hände, verbeugte sich noch einmal schweigend gegen alle – und ging. Wir lassen die Zurückbleibenden ihre Glossen über ihn machen und folgen unserm Helden noch eine kleine Weile. Als er auf Mühlberg angekommen war, gönnte er sich nur kurze Rast; die 3te Stunde nach Sonnenaufgang des folgenden Tages sah ihn schon den Burgberg hinabreiten, stumm und in sich gekehrt; von seinem Schilde wehte ein Trauerflor. Siegismar, auch ein wenig verstimmt, warf noch oft sehnsüchtige Blicke zurück nach den 3 Gleichen, wo er sichs so wohl hatte seyn lassen. Zu beiden Seiten seines starken Turnierpferdes hatte der Sorgsame große Körbe mit Viktualien gehängt, welche er nie vergaß. So zogen sie schweigend, ohne bestimmtes Ziel, der aufgehenden Sonne entgegen.

Nun bleibt nichts übrig, als Dir, lieber [47] Leser, für die Geduld zu danken, mit welcher Du das Alles gelesen hast; hat ein oder der andre Gegenstand Dir ein freundliches Lächeln abgewommen, so soll es uns von Herzen freun, und vielleicht erzählen wir Dir, wenn Du es wünschest, ein andermal, was sich ferner mit Alfred von Tannenwörth zutrug, und wie er endlich von seinem Liebesgram um die verlorne Wasserbraut geheilt und getröstet wurde, und die Erinnerung an sie mehr und mehr verschwand.

Vom Quelle aber tönt’s noch immer leise,
In stiller Nacht, bey hellem Vollmondschein,
Wie Harfenklänge, und wie Trauerweise,
Und leichte Schatten schweben um den Rain;
Und auf dem Wasser ziehen Wellenkreise,
Mild schimmern in der Fluth die Sternelein;
Selinde klagt, Selinde singt die Lieder,
Umsonst, umsonst, der Ritter kehrt nicht wieder! –


  1. Nymphaea alba L.[D 1]
  2. Ranunculus aquaticus und Sceleratus[D 2]
  3. Lilium martagon L.
  4. Allium victorialis.
  5. Asperula odorata.
  6. Volksmährchen der Deutschen. 5ter Band.

Anmerkungen (D)

  1. Druckfehlerberichtung Seite 166: Nymphaea st. Nymphea.
  2. Druckfehlerberichtung Seite 166: Sceleratus statt Rosalicatus.
  3. Druckfehlerberichtung Seite 166: schalte man hinter goldne „und silberne“ ein.
  4. Druckfehlerberichtung Seite 166: den mir st. der mir.
  5. Druckfehlerberichtung Seite 166: Saracenin st. Saracenia.
  6. Druckfehlerberichtung Seite 166: angelegt st. eingelegt.
  7. Druckfehlerberichtung Seite 166: mannlichen st. männlichen.
  8. Druckfehlerberichtung Seite 166: Nachsinnen st. Nachtsinnen.
  9. Druckfehlerberichtung Seite 166: labte st. lebte.
  10. Druckfehlerberichtung Seite 166: abgematteten st. abgemattete.
  11. Druckfehlerberichtung Seite 166: Krügelchen st. Hügelten.
  12. Druckfehlerberichtung Seite 166: höchlich st. weithöchlich.
  13. Druckfehlerberichtung Seite 166: wilde st. milde.
  14. Druckfehlerberichtung Seite 166: glauben Eurem st. Glauben Euren.
  15. Druckfehlerberichtung Seite 166: hellen st. halben.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hattte
  2. Vorlage: Fungfrau
  3. Vorlage: Margen