BLKÖ:Neustadt, Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neureutter, Wenzel
Band: 20 (1869), ab Seite: 299. (Quelle)
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Neustadt, Adolph (Schriftsteller, geb. zu Prag im Jahre 1812). Sein Vater, David Neustadtl, aus einer alten, seit mehreren Jahrhunderten in Böhmen ansässigen israelitischen Familie, war Antiquarbuchhändler zu Prag und genoß den Ruf eines ausgezeichneten Bücherkenners; der junge N. ist unter Büchern aufgewachsen und hatte von frühester Kindheit den Umgang mit Bücherfreunden, Gelehrten und Schriftstellern. Im Gymnasium der PP. Piaristen entwickelte sich das Talent, unterstützt von den Professoren P. Placidus Horn und P. Guido Lang, welche die [300] Jugendarbeiten des Druckes würdig fanden und dieselben auch in der damaligen Monatschrift „Erinnerungen“ (Leitmeritz, Medau), sowie in Ebersberg’s „Feierstunden“ erscheinen ließen. Der als Reformator bekannte Religionsprofessor Peter Beer [Bd. I, S. 223] und der nachmalige Director der Normalschule, Winternitz, waren die Ersten, welche auf die Begabung des Knaben aufmerksam machten. Bald schloßen sich an N. mehrere vielversprechende Talente in nahezu gleichem Alter an, so Ignaz Jeitteles (Julius Seidlitz), Klutschak, Redacteur der „Bohemia“ [Bd. XII, S. 129], S. Bernstein, Stabsarzt, Uffo Horn [Bd. IX. S. 292], Ignaz Kuranda, Reichsrathabgeordneter [Bd. XIII, S. 407], Joseph Pollak, Ischler Badearzt, unlängst gestorben, u. m. A. Im Hause von Karl Hock [Bd. IX, S. 78], dem nachmaligen Baron, Geheimrath und Mitglied des Herrenhauses, wurde N. gemeinsam von einem Hofmeister unterrichtet, obwohl Hock um einige Jahre älter und um mehrere Classen voraus war. Diese Kindergenossenschaft übte ihre Nachwirkung, trotz der weit auseinandergehenden Laufbahn, bis an das Lebensende des Baron Hock, der sich mit Collegialität in mannigfachen Angelegenheiten des Schriftstellers N. annahm. Nur die Differenz in den religiösen Anschauungen störte die Harmonie dieser beiden Männer. In jener Kinderzeit wurde diese Disharmonie nicht geahnt. Es bildete sich so ein geistiger Kreis mit ernstem Streben nach mehrfachen Richtungen, welchem nur die damaligen Censurverhältnisse hemmend entgegentraten. Das erste Wagniß der jugendlichen schäumenden Talente war, eine geschriebene Zeitung herauszugeben, wovon mehrere Nummern unter dem Titel: Quinten erschienen. Bald waren die Scribenten, welche sich nicht wenig Satyre und Ausfälle hatten zu Schulden kommen lassen, errathen und denuncirt. Hierauf wurde für Wiener und Leipziger Journale correspondirt, wobei unserm N. einestheils Saphir, Oesterlein, Bäuerle [Bd. I, S. 118; Bd. XI, S. 364], anderntheils Herloßsohn [Bd. VIII, S. 370] zu Gevatter standen. Die literarischen Gönnerschaften und Freundschaften vermehrten sich, die čechischen Gelehrten Dobrowsky [Bd. III, S. 334], Hanka [Bd. VII, S. 301], der Belletrist Gerle [Bd. V, S. 155][WS 1] und Historiker Legis-Glückselig [Bd. XIV, S. 307], Ignaz Lederer, der Lustspieldichter [Bd. XIV, S. 290], der Musikdirector Proksch, Glaser, Redacteur von „Ost und West“ [Bd. V, S. 207], Bibliothekar Spirk, Holdheim, später Prediger der Reformgemeinde in Berlin, und viele andere Literaten traten hinzu und verleideten endlich das Vorhaben des alten Antiquars, welcher seinem Sohne die Buchhandlung übertragen wollte und ihn deßhalb seine Studien unterbrechen ließ. N. hatte nicht mehr Rast in Prag, trotz der sonst mehr als günstigen häuslichen Verhältnisse. Hiezu kam der erste Conflict mit der Polizei, welche in einer, in Umlauft’s „Novellisten“ erschienenen Erzählung N.’s ein Verbrechen erblickte, obwohl sie die Censur passirt hatte; und ein zweiter schlimmerer, Conflict stand drohend am Horizonte. Im Vereine mit Julius Seidlitz hatte N. kritische Studien über österreichische Schöngeister geschrieben, und Ersterer veröffentlichte dieselben, nachdem er Prag flüchtig verlassen und sich unter diesem Pseudonym in Grimma etablirt hatte, unter dem Titel: „Die Poesie und die [301] Poeten in Oesterreich“. Das Aufsehen, welches dieses Büchlein (1837) unter den Literaten Oesterreichs machte“ war kein geringes; um so eifriger forschte man nach dem Autor. Seidlitz hatte darob unangenehme Anfechtungen, Oesterreichs Repräsentant in Leipzig wollte auf Ordre aus Wien den kranken, aber paßlosen Mann aus Sachsen ausgewiesen haben; um so sorgfältiger bewahrte er das Geheimniß des Mitarbeiters, der in seiner Heimat allen Chicanen ausgesetzt blieb. N. unternahm nun um jene Zeit eine Reise nach Leipzig, wo ihn der Verlagsbuchhändler, H. F. Hartmann, für mannigfache Arbeiten engagirte. Im Jahre 1837 verließ er aber ganz die Vaterstadt und das Vaterhaus und zog nach Wien. Bäuerle und Saphir beschäftigten sofort den jungen Mann; Kuranda wurde sein Zimmercompagnon, Wilhelm Schlesinger, Adolph Berger, L. A. Frankl u. m. A. wurden seine Genossen. Eine entscheidende Wendung in der literarischen Richtung N.’s datirt von dem Eintritte in die Antiquarbuchhandlung des Franz Gräffer (Bd. V, S. 296], derselbe beschäftigte den jungen Mann bei der Herausgabe der „Oesterreichischen National-Encyklopädie“, und obwohl es nur Compilationen waren, die nach Vorlagen und Angaben ausgearbeitet wurden, so gaben sie doch Anlaß zu historischen, biographischen und politischen Studien, und zugleich genaue Kenntniß über die Handhabung und Handhaber der Censur, welche bei diesem Werke mit Roth-, Blau- und Schwarzstift, durch Striche ohne Sinn und Zusätze, nach Willkür und Belieben schalteten und walteten. Da diese Beschäftigung jedoch weder den vom Hause nicht unterstützten und aller Mittel entblößten N. ernähren, noch sein Streben befriedigen konnte, wurde nebenbei für ausländische Journale correspondirt; die „Zeitung für die elegante Welt“ in Leipzig, deren Redacteur Heinrich Laube war, der „Phönix“ in Frankfurt, redig. von Duller, das „Morgenblatt“ in Stuttgart, der „Gesellschafter“, red. von Gubitz in Berlin, druckten diese Beiträge aus Wien. In Mundt’s „Freihafen“ (Hamburg) erschien gleichsam eine Ergänzung zu Seidlitz’ „Poeten“ unter dem Pseudonym Stephan Thurm“ welche neuerdings das Auge der Polizei auf diesen Schriftsteller lenkte. Politische Referate in der „Leipziger Allgemeinen Zeitung“ veranlaßten eine Hausdurchsuchung bei ihm, Confiscation aller vorgefundenen Manuscripte, ein Inquisitorium und schließlich durch den damaligen humanen Polizeicommissär Fiebrich, der in wohlwollendster und nachsichtigster Weise seinem Auftrage nachkam, oder vielmehr nicht nachkam, das consilium abeundi. Der Polizei-Präsident Graf Sedlnitzky hatte bereits den Befehl zur Haftnahme N.’s erlassen, welcher sich indeß zu Fuß über die ungarische Grenze nach Preßburg begab und dort für kurze Zeit Rast machte. Einige Artikel in der daselbst erscheinenden „Pannonia“ erregten die Aufmerksamkeit des Publicums und der Herausgeber Schaiba wollte sofort diesen Mitarbeiter engagiren, jedoch N. reiste nach Pesth, wo ihn Dr. Saphir 1839 bei dem „Tagblatte“ (Heckenast’s Verlag) anstellte. Der nur auf kurze Zeit beabsichtigte Aufenthalt in Ungarn wurde zu vieljähriger Dauer, nachdem N. den Ruf erhielt und annahm, die Redaction der politischen „Preßburger Zeitung“ und der damit verbundenen belletristischen „Pannonia“ zu führen. Nach wenigen Monaten hatten diese Journale, sonst [302] kaum außer dem Bannkreise der alten Krönungsstadt gekannt, einen namhaften Leserkreis, und die nahe Residenz wie die Hauptstädte Pesth-Ofen wandten diesen publicistischen Organen ihre Beachtung zu. Die magyarische Journalistik fand hierin ihr Echo und auch ihre Entgegnung vom österreichischen Standpuncte aus, und die Wiener Journalisten flüchteten oft mit ihren Angriffen und Polemiken über die Grenze. In Kompert’s Biographie, welche das von Klar herausgegebene Taschenbuch „Libussa“ für das Jahr 1860 mittheilt, wird über die literarische Wirksamkeit in den genannten zwei Journalen eine ausführliche Darstellung gegeben. Uebrigens ist die Art und Weise, wie N. Redacteur wurde, immerhin eine Illustration unserer Zustände in jener Zeit. Als nämlich die Redaction der Preßburger Zeitung und Pannonia an N. übertragen werden sollte, damals ein kleines Ereigniß, wurde von der ungarischen Behörde bei der österreichischen im Geheimen angefragt, ob ihr der N. genehm sei! Der Präsident der Polizei- und Censurhofstelle, Graf Sedlnitzky, ließ, obgleich er ein Jahr vorher einen Haftbefehl gegen N. ausgefertigt hatte und ihm einen schweren Criminalproceß anhängen wollte, die Aeußerung nach Ungarn gehen: er habe Nichts gegen den Oesterreicher N. Erst hierauf gelang es N., nach Nationalisirung als Ungar, wobei der Name Neustadtl in Neustadt umgeändert wurde, und nachdem der Tavernicus Baron Eötvös (Vater des jetzigen Cultusministers) seine Protection angedeihen ließ, die Redaction zu erhalten. So wurde N. Ungar und zugleich Redacteur einer deutschen Zeitung in Ungarn. Drei Landtage machte N. in Preßburg mit, während welcher die großen Agitationen, die das Jahr 1848 vorbereiteten, in Scene gesetzt wurden. Das deutsche Organ stand fast allein in der Polemik, welche sich so lebhaft entspann. In vollständiger Verkennung aller Verhältnisse hinderte und hemmte man das deutsche Blatt, während die magyarischen Journale unter Kossuth, Orosz, Dessewffy mit gewaltigem Eindrucke in die Massen drangen. Der Preßburger Censor strich ganze Seiten, die dem „Beobachter“ nachgedruckt waren, mit der Angabe, der Wiener Censor könne betrunken gewesen sein, als er diese Stellen mit imprimatur versah!! Der damalige Hofkanzler Graf Apponyi ließ indirect den Redacteur der Preßburger Zeitung mit einer Behandlung more patrio bedrohen, wenn er in dieser Haltung fortfahren sollte. Széchenyi aber bewarb sich um den Beistand des deutschen Blattes und lieferte Originalbeiträge. Neben der Politik wurde die belletristische Production eifrigst betrieben. Adolph Dux, Leopold Kompert, Raphael Basch, Ignaz Einhorn (der Nationalökonom J. E. Horn), Jacob Steinhardt (Oberrabbiner in Arad, jüngst ein Führer im Pesther israelitischen Congreß), Zeuger (Ocjkaj), Karl Mangold (Advocat und Deputirter für die Stadt St. Georgen), Buchhändler Philipp Korn, Zerffi, Joseph Weigl, Dr. Heinrich Löw, Officier Tolpmal, Frau Megerle, Wilhelmine Oppenheimer (später die Frau des Musikprofessors Zellner) u. m. A. bildeten einen schöngeistigen Kreis, eine politisch-literarische Colonie deutscher Nationalität mitten in der Fluth magyarischer und slovakischer Tendenzen. N. war der Mittelpunct und der belebende Agitator dieses Kreises, welcher zugleich alle [303] durchreisenden Notabilitäten in Kunst, Literatur, Wissenschaft und Politik anzog. Wer Ungarn persönlich kennen lernen wollte, machte einen Aufenthalt bei dieser Einbruchstation, besonders als die Dampfschifffahrt den Verkehr erleichterte, und N. beherbergte diese Gäste oder war wenigstens ihr Cicerone; wer Auskunft über Land und Leute, über Verhältnisse und Bestrebungen der Parteien haben wollte, wandte sich brieflich an N., der auf solche Weise namentlich mit vielen Literaten Deutschlands in Verbindung kam. Als der Nationalökonom List seine Ideen nach Ungarn verpflanzen wollte, conferirte er täglich während seiner Anwesenheit in Preßburg mit N. und manche seiner Phantasien fanden in diesen Gesprächen ihre Correctur. Der Hony-Verein belehrte den Volkswirthschafter, auf welchem Boden er sich bewege. Nun aber wurden die politischen Zeiten immer ernster, die Fragen immer brennender und der Staatsminister Fürst Metternich wurde in Behandlung der organischen Angelegenheiten nur schwankender. Die Preßburger Zeitung wurde gemaßregelt, weil man in Wien die ganze Bewegung – verschweigen wollte; der Verleger ließ die einzelnen Blätter nach Oesterreich und Wien schmuggeln, wo man das lebhafteste Interesse an den Debatten des ungarischen Landtages und an den Expectorationen der magyarischen Journale nahm. Selbst die „Pannonia“ wurde auf der Post confiscirt, weil sie es gewagt hatte, dem Professor Rosas zu opponiren, welcher die Juden von der medicinischen Praxis ausschließen wollte. N. leitete trotz dieser Gegenströmungen die Blätter mit fester Hand, so daß selbst die magyarischen Publicisten ihre Anerkennung des Standpunctes aussprachen. Als die Ereignisse des Jahres 1848 Ende Februar hereinbrachen, stand deßhalb N., von allen Parteien Preßburgs geachtet, an der Spitze; die „Pannonia“ erschien zuerst censurfrei. Der Referent für die Landtagsdebatten, Banya von Illósfalva (später Honvéd-Oberst, starb, als Polizeidirector in Constantinopel) brachte N. im Namen des Präsidiums die Aufforderung, in die sich bildende Bürgergarde einzutreten, d. h. Schnürrock, Kalpak und Säbel anzulegen. Sr. kais. Hoheit der Erzherzog-Palatin berief N. und ersuchte, in Berücksichtigung der Zustände, bei der plötzlichen Aufhebung der Censur, Mäßigung zu beobachten. Die Judengemeinde Preßburgs, für welche die Preßburger Zeitung stets in Wort und That eingetreten war, ersuchte N., nachdem sich drohende Merkmale im Pöbel zeigten, die Vorstandschaft zu übernehmen und Vorkehrungen gegen Gehässigkeiten oder noch Schlimmeres zu treffen. Die Juraten stellten sich auch N. zur Disposition. Allein die Nachrichten aus Wien Mitte März fachten die Flammen der Revolution an, die wilden Elemente waren nicht mehr zu bewältigen und Preßburg erlebte das Brandmal einer Plünderung der Judenstadt. N. wandte sich persönlich an den Oberststallmeister Grafen Zichy und an den zur höchsten Macht emporklimmenden Volksmann Kossuth; nirgend war eine Abhilfe in Aussicht gestellt, die populärsten Führer waren schon ohnmächtig. Das erste Opfer, welches der Pöbel suchte, war der allgemein gekannte N., und auf Andrängen mehrerer Bürger, welche das Schlimmste befürchteten, verließ er die Stadt und seinen achtjährigen Wirkungskreis. Wien flaggte im Jubel der erlangten Constitution. N. wurde sofort von [304] Haase’s Söhnen in Prag aufgefordert, seine Feder dem neubegründeten „Constitutionellen Blatte aus Böhmen“ unter Freund Klutschak’s Redaction zuzuwenden. Dort sind auch seine Beiträge zu einer Geschichte des Reichstages 1848, der Octobertage und der Vorbereitungen zum Kremsierer Parlamente abgedruckt. Während desselben wurden „Politische Briefe“ als Wochenschrift in Prag herausgegeben, welche die nahende Reaction scharf markirten und deßhalb auch vom Kriegsgericht unterdrückt wurden. Auch die Zeitschrift für jüdische Interessen unter dem Namen „Wiener Blätter“, welche N. hierauf edirte, wurde, ohne jede Angabe eines Motivs, ohne Proceß und ohne Anklage, verboten. Wieder fand auf Ordre des Kriegsgerichtes eine Hausdurchsuchung und Schriftenconfiscation Statt, und endlich berief der Wiener Polizeidirector den Schriftsteller N. in sein Bureau und decretirte, derselbe habe binnen acht Tagen die Stadt zu verlassen. Gründe wurden natürlich keine angegeben, aber später erfuhr man doch, daß die „politischen Briefe“ mit ihrem brennenden Inhalt den nächsten Anlaß zu dieser Maßregel gaben. Der ausgewiesene N. fuhr 1852 nach Triest, wo ihn Baron Bruck mit den Worten begrüßte: „sie haben uns beide schön fortgeschickt, macht nicht’s, sie werden uns wieder brauchen“. Nach einem Fluge durch Italien vermittelten Baron Bruck und der damalige Ministerialrath Dr. Karl Hock, daß N. eine Reise nach der Levante mit Aufträgen für den Lloyd und zum Studium der Handelsverhältnisse der Hafenplätze der Türkei machen konnte. Die mehrmonatliche Reise wurde bis Kairo, nach Jerusalem und in die Stapelplätze des schwarzen Meeres ausgedehnt. Die Relationen über diese Reise kamen direct in die Hände des Freiherrn von Bruck und die dabei gesammelten Erfahrungen kamen zum Theile auch dem Dichter L. A. Frankl zu Gute, als er wegen der Herz-Lämel’schen Stiftung sich nach Jerusalem begab, und später dem Schriftsteller Dr. Karl Linder, als er diese Tour machte. Im Jahre 1854 reiste N. nach England und Frankreich und kehrte hierauf wieder nach Wien zurück, wo wenigstens die Polizeiwillkür ihr Ende erreicht hatte, und betheiligte sich an Wertheimer’s Wiener Geschäftsbericht. Mit der Wiederberufung Bruck’s in’s Ministerium begann N. eine neue journalistische Thätigkeit, zumeist für ausländische Blätter, wie „Augsburger Allgemeine Zeitung“, „Berliner Nationalzeitung“ u. a. m. Das finanzielle und national-ökonomische Gebiet war hiebei vorwaltend. Nachdem der Reichsrath auf Grund der Februarverfassung berufen war, übernahm N. das Eigenthum und die Redaction der „Oesterreichischen Zeitung“, das Programm des Clubbs der Unionisten vertretend. Nicht bloß bedeutende publicistische Federn, Mitglieder des Abgeordneten- und Herrenhauses und Fachbeamte der verschiedenen Ressorts, sondern auch leitende Staatsmänner legten während dieser Periode ihre Ideen in dieser Zeitung nieder, die mit unerschütterlicher Consequenz an dem aufgestellten Principe festhielt. Um so begreiflicher, daß das Sistirungsministerium in der „Oesterreichischen Zeitung“ gleich bei seinem Antritte der Geschäfte mit der heftigsten Opposition begrüßt wurde, und N. bald darauf die Redaction abgab und das Eigenthum veräußerte. Sich vollständig den finanziellen und national-ökonomischen Studien widmend, veröffentlicht seitdem N. bezügliche Artikel im Volkswirth, Actionär u. a. Blättern. [305] N. gehört zu den Tagesschriftstellern, welche es vorziehen, ihre Arbeiten ohne Namen aus der Presse hervorgehen und bloß durch ihren Gehalt wirken zu lassen. Es sind daher nur wenige Schriften dieses Autors bekannt. Eine Bearbeitung von Scribe’s Fesseln erschien in Preßburg (Verlag von Korn); unter dem Titel: „Maiszim und Schnokes“, erschien in Leipzig (Verlag von Bauschke) eine Sammlung von Aufsätzen für israelitische Interessen in 3 Auflagen; – „Aus der Kaserne“, von Stephan Thurm, 2 Bände (Verlag von Grunow), hatte rasch zwei Auflagen und erregte in politischen und militärischen Kreisen Sensation; es stützte sich dieses Werk auf Mittheilungen des ehemaligen Artillerie-Officiers Lamplot; – „Aus dem Leben eines Honvéds“, 2 Bände (Leipzig), sind Memoiren aus der Revolutionszeit; – „Das Gebaren der österreichischen Creditanstalt 1856 bis 1862“ (Wien, Verlag von Manz), 2 Auflagen, illustrirte zuerst die moderne Bankspeculation und gab den Anstoß zur Reform des Institutes; – „Gegen das Privilegium der Nordbahn“ betitelte sich eine Flugschrift (Wien, Bartelmus), 2 Auflagen, welche das vom Sistirungsministerium beobachtete Verfahren in Rechts- und Wirthschaftssachen stigmatisirt. Außerdem werden mehrere Artikel, Oesterreich betreffend, in den Ergänzungsheften des Brockhaus’schen „Conversations-Lexikons“ nicht mit Unrecht der Autorschaft N.’s zugeschrieben; hingegen werden die vier Hefte: „Reichstags-Gallerie. Geschriebene Porträts der hervorragendsten Deputirten des ersten österreichischen Reichstages“, welche in den Jahren 1848 und 1849 erschienen sind und worin noch ein gut Theil heut Lebender ihre Schattenrisse finden wird, irrthümlich N. zugeschrieben. N. ist Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, welches ihm aus Anlaß der Errichtung und Leitung eines Hilfscomités für Soldaten israelitischer Confession ertheilt wurde, Ehrenbürger der Stadtgemeinde Austerlitz in Mähren, corresp. Mitglied der k. k. geologischen Reichsanstalt und Mitglied des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde.

Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1863, Nr. 239, S. 895: „Reichsraths-Silhouetten. 1863. I. In der Journalistenloge“. – Magazin für die Literatur des Auslandes. Von Lehmann (Leipzig, 4°.) 1864, Nr. 37, S. 580.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. V, S. 185].