Dämon Rache

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Max Schraut
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dämon Rache
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1926
Verlag: Verlag moderner Lektüre G.m.b.H.
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Wikisource
Kurzbeschreibung: Ein Detektiv-/Kriminalroman. Handlungsorte sind Berlin und Norwegen.
Band 182 der Romanreihe Harald Harst. Aus meinem Leben.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Dämon Rache.png
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[1]
Harald Harst


Aus meinem Leben


Band: 182


Dämon Rache


Erzählt von
Max Schraut




Verlag moderner Lektüre G. m. b. H.
Berlin SO 16, Michaelkirchstraße 23a


[2]
Nachdruck verboten. – Alle Rechte, einschl. das Verfilmungsrecht, vorbehalten. – Copyright 1926 by Verlag moderner Lektüre G. m. b. H., Berlin.



Druck: P. Lehmann, G. m. b. H., Berlin.


[3]
1. Kapitel.
Die tote Liese.

Im gewitterreichen Juli war’s. …

In einer Gewitternacht …

Pechschwarz das Firmament … Ganze Garben von Blitzen fuhren über diese schwarzen Tücher hin, mit denen der Himmel wie eine Grabkapelle verhängt zu sein schien …

Und wenn diese leuchtenden Flammenlinien aufzuckten und für Sekunden die Umgebung der Büsche aus der Finsternis jählings herausrissen, jener Büsche, in denen wir beide nun schon drei Stunden kauerten, – dann erkannte ich fünf Schritt vor mir auf dem lehmigen, vor Nässe glänzenden Boden der Sandgrube das armselige Etwas mit den gen Himmel gereckten Beinen: ein Pferd, das am vergangenen Tage hier vom Blitz erschlagen worden war …

Nur ein totes Pferd …

Nur …

[4] Und doch der einzige Besitz des alten buckligen Fuhrmanns, der hier aus der großen Grube den schneeweißen Sand holte, den er dann in den Straßen Berlins verkaufte, – ein kläglicher Verdienst, kläglich wie der Bucklige selbst. –

Dieser alte Mann, der nun nichts mehr sein eigen nannte als einen zweiräderigen Karren und eine baufällige kleine Baracke von Haus, fernab von den neueren Gebäuden des Berliner Vorortes Altschmargendorf, – dieser Siebzigjährige mit dem Gesicht eines biederen, verwitterten Seemannes, war gestern zu uns gekommen und hatte uns sein trauriges und doch auch so aufregendes Erlebnis erzählt …

Sein Erlebnis in der Sandgrube halbwegs zwischen Altschmargendorf und dem waldreichen Zehlendorf …

Hatte in Harald Harsts Arbeitszimmer im Klubsessel gelehnt, vielleicht zum ersten Mal in seinem wechselvollen Leben in einem Saffianledersessel, – hatte immer wieder betont, daß er uns kein Märchen auftische, so sonderbar sein Abenteuer am frühen Morgen dieses Tages auch gewesen sei.

Mit zahnlosem Munde berichtete er in verblüffend fließender Darstellung das Erlebte, wenn auch einzelne Worte infolge seiner Erregung unverständlich blieben.

Berichtete …

„Wie immer, Herr Harst, so bin ich auch heute gegen sechs Uhr morgens von meinem Häuschen mit meinem Wagen nach der Sandgrube aufgebrochen. Der Himmel war bedeckt und die Luft unheimlich schwül … Für mich hat diese Gewitterschwüle noch mehr unangenehme Nebenwirkungen als für andere. Rheuma, – – na, Sie können sich’s denken, Herr Harst, und dann eine alte Schußwunde in der linken Schulter. Doch das sind olle Kamellen – – vorbei, vorüber!! Man ist eben ein Wrack …“

„Sie waren Seemann, Herr Schnack?“ warf Harald ein und kniff die Augen noch mehr zusammen…

Des Buckligen faltiges Gesicht verzog sich schmerzlich. Er nickte. Und dann kam ein Leuchten in seine Augen, jenes Leuchten, das wie der Widerschein glücklicher Jugendtage ist. [5] Er richtete sich in seinem Sessel höher auf, gab seinem verunstalteten Leibe eine aufrechtere Haltung und seiner brüchigen Stimme mehr Festigkeit. Mit merklichem Stolz erwiderte er:

„Niemand sieht’s mir mehr an … Aber – – Kapitän war ich einst, Kapitän des ersten Viermastschoners, der in Deutschland gebaut wurde … Hammonia[1] hieß es, lief im Jahre 1860 bei Brücker u. Comp. in Hamburg vom Stapel … Doch – – das sind auch olle Kamellen, gehören nicht hierher … Übrigens, wie konnten Sie mir, dieser menschlichen Ruine, ansehen, daß ich ein seebefahrener Mann bin, Herr Harst?“

„Weil Sie in den Ohrläppchen kleine silberne Plättchen als Ohrringe tragen, Kapitän – deshalb! Solche Plättchen lieben die spanischen Seeleute, und ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich annehme, daß Sie einige Zeit in Spanien oder Portugal gelebt haben …“

Friedrich Schnack senkte die faltigen Lider über die noch immer jugendfrischen, unter buschigen Brauen lagernden Augen … Aber er sagte nichts über diese Periode seines Lebens … Blieb minutenlang stumm … Begann wieder:

„Also heute früh … Ich hatte in der großen Sandgrube gerade die ersten Spatenstiche getan, als von Südwest her ein schwarzes Ungetüm von Gewitterwolke heraufzog …“

„Ich weiß, Kapitän … Das Unwetter hat in den westlichen Vororten böse Verwüstungen angerichtet … Auch unser Garten bekam etwas ab …“

„Es wurde so finster“ berichtete Schnack, der wieder wie kraftlos in sich zusammengesunken war, mit der früheren murmelnden Stimme weiter, „– so finster, daß man auf fünf Schritt nichts mehr erkennen konnte, Herr Harst. Jählings prasselte dann Hagel und Regen herab … Und diese stürzenden Wassermassen zwangen mich, unter meinem Wagen Schutz zu suchen, nachdem ich meine alte Liese mit einem Stück Ölleinwand völlig bedeckt hatte, so daß von ihr nur noch unten die Hufe zu sehen waren. So hockte ich denn [6] unter meinem Karren und hatte mir mein Pfeifchen angesteckt, hockte auf einem großen Stein und um mich herum plätscherte, rauschte der Regen … Blitz auf Blitz schoß durch die Finsternis … Und doch hörte ich in einer kurzen Atempause des Unwetters ganz deutlich das Rattern eines Autos, eines leerlaufenden Motors. Der Kraftwagen mußte auf dem Feldwege dicht vor dem Eingang zu der Sandgrube halten. Unwillkürlich drehte ich mich da um und wollte nach dem Auto ausschauen … Und erblickte zwei Leute, einen Herrn und eine Dame in langen Regenmänteln, die, ohne mich oder mein Fuhrwerk gewahr zu werden, an dem westlichen Abhang sich zu schaffen machten, sich wiederholt bückten und dann eilends wieder verschwanden. Da setzte eine neue Regenflut ein … Ich vernahm das Geräusch des sich entfernenden Kraftwagens nur ganz schwach … Urplötzlich eine Feuergarbe – ein Blitz … Ich sank halb betäubt von meinem Steine in eine lehmige Pfütze, rappelte mich mühsam auf, sah … sah … meine alte Liese regungslos am Boden liegen … tot – – tot … erschlagen vom Blitz … – Ich … habe wie ein Kind geweint … Ich bin arm, bettelarm … Dachte daran, daß ich mir nun einen kleineren Hundewagen besorgen müßte, den ich selbst ziehen könnte …“

Seine Stimme zitterte …

Aber er überwand die Verzweiflung und die Gedanken an die noch armseligere Zukunft und fuhr festeren Tones fort:

„Mir ist’s unbegreiflich, Herr Harst, wie der Blitz gerade in die tiefe Grube hat einschlagen können. Jedes Kind weiß, daß der Blitz stets nur erhöhte Gegenstände aufsucht … Nun – an dem Unheil war nichts mehr zu ändern … Liese war tot … Und als mein erster Schmerz vorüber, da gedachte ich der beiden Unbekannten dort an der Westseite der Lehmwand, wo sich zahllose Löcher von Erdschwalben befinden … Sie kennen doch Erdschwalben, Herr Harst?“

„Gewiß, Kapitän … Und in einem dieser kunstlosen [7] Nestbauten, in einem dieser Erdschwalbenlöcher haben Sie etwas gefunden, nicht wahr?“

Friedrich Schnack nickte. „Ja, Herr Harst … Für Sie war dies nicht schwer zu erraten … Ein Mann wie Sie reimt sich leicht das Richtige zusammen. – Das Gewitter war vorüber – genau wie meine erste sinnlose Verzweiflung über Lieses Tod … Die Sonne schien … Liese lag da, alle Viere gen Himmel gestreckt … Die Sonne schimmerte in den gebrochenen Augen meines braven Tieres …“ Er seufzte – – machte mit der Hand eine ärgerliche Bewegung … „Weg mit den Gedanken!!“ rief er, als ob er sich selbst einen Verweis erteilte. „Ich ging zur Lehmwand … Die Schwalben flogen aufgeregt hin und her … O – es sieht hübsch aus, wenn sie so aus ihren Löchern hervorschießen … Es ist ein unverfälschtes Bild der Natur … Und – ich bemerkte nun, daß aus einem der Nestlöcher ein gelber dicker Seidenfaden heraushing … Habe noch tadellose Augen, Herr Harst … Ein anderer hätte den braungelben, lehmfarbenen Faden wohl kaum wahrgenommen … Man konnte ihn gerade erreichen, wenn man auf einen mächtigen Feldstein stieg, der unten an der Wand lag … Und der Mann im Gummimantel hatte auf diesem Steine gestanden … Das war mir nicht entgangen. Ich mit meinem Buckel, der von meiner ursprünglichen Länge einige zwanzig Zentimeter genommen hat …“ – er lachte bitter auf – „– eine stürzende Rae hat mich zum Krüppel geschlagen, Herr Harst, vor etlichen zwanzig Jahren, – also ich mußte noch einen anderen Stein auf den Granitblock legen, um bis zu jenem Schwalbenloch emporkriechen zu können … Ich zog an dem Faden, zog … dies hier hervor …“

Er faßte in die Tasche, holte eine längliche Blechhülse heraus, die an der einen Seite mit einer Öse versehen war. In der Öse hing noch der etwa vierzig Zentimeter[2] lange Seidenfaden.

Hülse?! – Nein – eine Blechröhre besser, mit einem aufschiebbaren Deckel war’s …

[8] Er entfernte den Deckel, warf uns dabei einen merkwürdigen Blick zu und … schüttete aus dieser Röhre eine Anzahl Juwelen auf die bunte Decke des Tisches.

Juwelen: eine Perlenkette, zwei Brillantarmbänder und ein zerbrochenes Diamantendiadem!

„Bitte, Herr Harst, – dies fand ich! Echt sind die Sachen, echt … Ich verstehe etwas davon …!“

Harald prüfte die Geschmeide.

„Stimmt, lieber Käpten, – echt!! Und wertvoll. Dieses Diadem allein ist seine zweimalhunderttausend Mark wert – mindestens!“

„Also Diebe, die ihre Beute verbargen,“ meinte Schnack, räusperte sich, fügte zögernd hinzu: „Dies ist noch nicht alles, Herr Harst … Denn ich … fand noch mehr … Und gerade das macht ja mein Erlebnis so … so … unerklärlich …“

Harald blickte von den Juwelen, die nun in seinem Schoße lagen, fragend auf …

„Ja, Herr Harst … Als ich von den Steinen wieder herabkletterte, sah ich zwischen dem Granitblock und der Lehmwand … dies hier liegen …“

Und wieder faßte er in die Tasche …

Ein Glanzlederetui, schmal und länglich, kam zum Vorschein …

Schnack klappte es auf. Es enthielt nichts als eine Kabinettphotographie eines vielleicht achtjährigen bildhübschen Knaben, der einen flotten Matrosenanzug trug …

„Sie sehen, Herr Harst, die Firma des Photographen ist unten vom Karton abgeschnitten, und das Lederetui besagt auch nichts weiter … Ich denke mir, daß die Frau das Etui verloren hat, die Genossin des Diebes. – Was soll ich nun tun, Herr Harst? Soll ich die Polizei benachrichtigen?“

Harald erwiderte, indem er dem Alten für dessen ausgegangene Zigarre ein brennendes Zündholz hinhielt: „Lieber Käpten, weshalb halten Sie diesen zweiten Fund, das Bild, für besonders rätselhaft?“

[9] Mir schien’s, als ob Friedrich Schnack etwas verlegen wurde. Aber sein zahnloser Mund mit den welken Lippen zögerte nicht mit der Antwort …

„Ein solches Etui verliert man nicht so leicht, Herr Harst … Und Diebe, meine ich, schleppen nicht Kinderbilder mit sich herum … Das sagt mir mein schlichter Laienverstand.“

„Ganz recht … – Lassen wir diese Frage zunächst beiseite, Kapitän … – Weshalb haben Sie sich nicht sofort an die Polizei gewandt?“

Schnacks braune, dürre Hände glitten nervös über das weiche Leder der Sessellehnen … „Hm… – weil … weil ich mit den Behörden nichts zu tun haben mag, Herr Harst. Ich … ich … bin … vorbestraft … Nennen Sie mich auch nicht Kapitän … Ich darf den Titel nicht mehr führen … Man hat mir Fahrlässigkeit im Dienst vorgeworfen … Durch meine Schuld soll die Hammonia an der schottischen Küste gestrandet sein … Die ganze Besatzung kam um – außer mir und dem Leichtmatrosen Pedro Saltar, einem Spanier … Ich … habe zwei Jahre im Gefängnis gesessen … Das war hart, sehr hart … Denn ich … war schuldlos …“

Schweigen …

Dann Harald: „Herr Schnack, Sie wünschen also, daß ich diese Juwelen der Polizei übergebe und Ihr Erlebnis ohne Namensnennung melde?“

„Hm – – wollen Sie nicht lieber selbst die Diebe suchen – ebenso die Eigentümer der Juwelen, Herr Harst? – Wozu die Polizei?!“ – Unsicher klang’s … So, als ob im Hirn des alten Mannes tausend versteckte Nebengedanken lebendig waren …

Ich wunderte mich. Denn Harald erklärte, er wolle dem Wunsche Schnacks willfahren …

Wunderte mich mit Recht. Es war so viel Dunkles, Unausgesprochenes bei alledem …

Schnack drückte uns dankbar die Hand und schlurfte davon, nachdem Harald ihm noch angewiesen hatte, das tote [10] Pferd vorläufig in der Grube liegen zu lassen und die Abdeckerei nicht zu benachrichtigen. Etui, Bild, Röhre und Juwelen blieben in unserem Gewahrsam.




2. Kapitel.
Lia Manara.

Das war gegen neun Uhr vormittags.

Harst erwähnte Schnack den Tag über mit keiner Silbe. Und doch hatte ich das deutliche Gefühl, daß er sich andauernd mit des früheren Kapitäns Erlebnis beschäftigte.

Erst abends um halb elf, als draußen wiederum die Luft mit elektrischer Schwere geladen war, sagte er, daß wir die Sandgrube nun besuchen wollten. Wir langten dort gegen elf Uhr an, verbargen uns unweit des toten Pferdes in ein paar Büschen, und – – Max Schraut, also ich, zerbrach [11] mir umsonst meinen verehrlichen Schädel, darüber, was wohl bei diesem nächtlichen ungemütlichen Ausflug herauskommen sollte, – auch darüber, ob Harald hinter diesem Erlebnis Friedrich Schnacks etwas besonderes witterte.

Der Leser weiß bereits, daß ein Gewitter uns überraschte …

Es goß … Und vor uns lag die tote Liese mit dick aufgedunsenem Leib … Vor uns war die Lehmwand mit den Schwalbennestern – zehn Meter entfernt.

Weshalb kauerten wir hier in dieser ungemütlichen Umgebung?! Worauf hoffte Harald?! Etwa darauf, daß der Mann und die Frau hier erscheinen und die Beute holen könnten, oder das Etui suchen?!

Die Zeit schlich. Das Gewitter ging vorüber … Der Morgen graute. Zwischen den hellen Wolkenfetzen lugte die Sonne hindurch. Nun schaute ich mich genauer in diesem großen Erdloch um. Eigentlich war’s ja mehr eine Lehmgrube. Nur an der Ostseite bemerkte ich an dem steilen Abhang ein paar Stellen, wo weißer Sand zu Tage trat.

Harst erhob sich, schüttelte die Tropfen von seinem Gummimantel, schlug den Kragen herab und holte sein Zigarettenetui hervor, bot mir eine Mirakulum an und schritt auf die tote Liese zu. Ich folgte. Nun würde mein Freund wohl endlich den Mund aufmachen, hoffte ich …

Und – irrte mich … Er blieb stumm. Aber er wiegte mehrmals den Kopf hin und her, als er das arme Pferd betrachtete …

Bis ich fragte: „Dir fällt etwas auf?“

„Ja … Siehst du die blutgefüllten Nüstern, mein Alter?“

„Gewiß …“

„Und siehst du, daß Friedrich Schnack etwa hier in dieser Bodenvertiefung gesessen haben muß, vor der nach der Ostwand zu eine Reihe großer Steine wie eine Schutzmauer sich hinzieht?“

Ich wurde aufmerksam…

[12] „Du meinst, daß es merkwürdig ist, daß Schnack mit dem Leben davonkam?“

Allerdings …“

Und er ging auf die Ostwand zu …

Die Schwalben dort waren überaus lebendig … Mit frohem Zwitschern begrüßten sie den Sonnenschein, mit ärgerlichen, gellenden Rufen suchten sie uns beide dann zu verscheuchen, als wir den riesigen Feldstein am Fuße der Steilwand erreicht hatten.

Harst musterte diesen Granit mit kritischen Blicken …

„Hm!!“ sagte er nur und tippte auf eine Stelle, wo ein frisches Stück losgesprengt war. „Ich denke, lieber Alter, hier hat die Dynamitpatrone gelegen … Sie muß eine besondere Zündvorrichtung gehabt haben … Die Explosion hat hier ein Stück weggerissen … Der Kraftstoß der Explosion richtete sich dorthin, wo Schnack mit seinem Wagen hielt – also etwa nach der Mitte der Grube. Alles war fein berechnet – alles, und glückte doch vorbei …“

Ich starrte ihn sprachlos an …

„Also kein Blitz, Harald?“

„Nein, Schnack wunderte sich ja selbst, daß ein Blitz in dieses riesige Erdloch gefahren sein sollte … Es war meines Erachtens ein Attentat …“

„Auf … Schnack, auf einen armseligen Sandhändler?!“

„Ein Sandhändler mit reichbewegter Vergangenheit … Schnack ist ein wandelndes Geheimnis, behaupte ich. – Aber – – hier gibt’s nichts mehr zu sehen … Gehen wir …“

Durch den lehmigen Bodenbrei der Grube wandten wir uns dem Feldwege zu … Glatt wie eine Tenne hier das Gelände bis hinüber nach Altschmargendorf … Das Korn bereits gehauen. Nur die Haferfelder wogten im Morgenwind wie das Meer in gleichmäßigem Auf und Ab. Ein erfrischender Wind fächelte unsere übernächtigten Gesichter …

Friedrich Schnack hatte uns den Weg nach seinem Häuschen genau beschrieben. Nur die Bäume einer Fahrstraße, uralte Linden, verdeckten uns noch das Anwesen …

[13] Dann sahen wir das Häuschen mit dem winzigen Stall und dem morschen Bretterzaun vor uns …

Umschritten es, pochten an die verwitterte Tür. Niemand meldete sich. Harald legte die Hand auf den Drücker. Die Tür war unverschlossen, ging auf … Ein Hausflur mit halb verfaulten Dielen …

Und eine breite Sonnenbahn, die gerade grell und unbarmherzig den Körper des Mannes beschien, der hier mitten im Flur auf dem Rücken lag, mit gebrochenen Augen – – tot …

Friedrich Schnack …

Tot …

Wir standen regungslos …

Harst murmelte etwas vor sich hin. Ich verstand die Worte nicht …

Dann zog er mich beiseite, schloß die Tür wieder …

„Nach Hause!“ meinte er. „Mögen andere das Geschehene melden …“

Und er warf einen spähenden Blick in die Runde. Kein Mensch zu sehen … Es war jetzt sechs Uhr morgens.

Er nickte zufrieden …

„Sie werden sich hüten,“ meinte er und betrat den Hofraum des kleinen Grundstücks … Ich wie im Traum hinterdrein … Wirklich wie im Traum … Benommen von alledem, bestürmt von tausend Fragen, auf die ich keine Antwort wußte …

Auf dem Hofe der zweiräderige Kastenwagen …

Und – in den Seitenbrettern des Wagens an drei Stellen Stücke von Messingblechfetzen, eingedrungen in das nasse Holz durch die Kraft einer Sprengmasse, Teile der Hülse der Dynamitpatrone, wie Harald kurz erklärte …

„Nach Hause,“ wiederholte er dann …

Also nach Hause …

Sonnenglast auf dem einsamen Wege … Kastanien umsäumen ihn … Dicke Stämme mit weit ausladenden Ästen. Ringsum nichts Verdächtiges …

[14] „Nun haben sie ihn doch beseitigt,“ sagte Harald wie zu sich selbst. „Das, was der arme Schnack für einen Blitz hielt, war Dynamit. Die alte Liese war der vollen Kraft der Explosion ausgesetzt und krepierte. Der Käpten wurde durch die Vertiefung und die Steinreihe geschützt. Es nutzte ihm nichts. Das Paar, das mit dem Auto zur Sandgrube kam, fand auch den Weg zu seinem Häuschen. Rechnet man noch den Chauffeur hinzu, der doch mit eingeweiht sein muß, handelt es sich um mindestens drei Personen …“

Er wollte noch etwas hinzufügen …

Aber das rasch sich nähernde Propellersurren eines tief fliegenden Eindeckers zwang seine Aufmerksamkeit nach oben.

Dicht über die Kastanienwipfel des Weges strich der graue Riesenvogel hin …

Urplötzlich riß Harst mich zur Seite …

„Gasbombe!!“ keuchte er …

Riß mich über den Straßengraben in die Felder …

Hinter uns ein dumpfer Knall …

Und wir jagten dahin wie gehetzt …

Rannten um unser Leben …

Unglücklicherweise wehte der Wind sehr ungünstig … Wir liefen mit dem Winde im Rücken … Wir hatten also den unsichtbaren Tod, das verderbliche Gas, hinter uns …

Liefen in ein Kornfeld hinein …

Die Halme wickelten sich uns um die Beine …

Meine Kräfte versagten schnell …

Eine schlaflose Nacht, ein langer Tag hatten mich bereits halb erschöpft …

Stolperte, fiel … Sprang wieder auf …

Ah – – da war uns das Verderben auch schon aus den Fersen …

Da war dieser kennzeichnende Geruch des Kampfgases aus dem Weltkrieg – – Apothekengeruch …

Meine Augen tränten …

Vor mir begann die Landschaft sich im wilden Wirbel zu drehen …

[15] Wieder schlug ich hin …

Hinein in die dichten Halme des gelblichen Hafers …

Stand nicht wieder auf …

Es – – war aus mit mir …

Ohnmacht umfing meine Sinne …

Ein letzter rasch verblassender Gedanke noch:

Die Mörder im Eindecker! … – – und – – dann nichts mehr … –

Nichts mehr?!

Eine bekannte Stimme drang wie aus unendlichen Fernen an mein Ohr … Eine liebe gütige Stimme …

Haralds Mutter …

„Wie fühlen Sie sich, lieber Schraut …?“

Und eine andere kräftigere dann: „Sorge dich nicht … Nach zwei Stunden sitzt er im Klubsessel und raucht seine Sumatra …“

Harald!!

Da riß ich die matten Lider noch weiter auf …

Sah … Ich lag in meinem Bett … Auf dem Nachttischchen brannte die Lampe mit dem grünen Schirm … Aber in meinem Schädel hatte sich offenbar eine Mühle etabliert, die sich alle Mühe gab, mein Hirn zu Brei zu zerquetschen. Ich stöhnte vor Kopfschmerzen …

Harst reichte mir einen Schluck Wasser …

„Trink’ nur, mein Alter … Selterwasser … Je mehr Kohlensäure du dir einpumpst, desto schneller geht das Unbehagen vorüber …“

Ich trank …

Und – er behielt recht … Zwei Stunden, und ich lehnte, freilich schlapp wie eine Novemberfliege, im Klubsessel in seinem Arbeitszimmer. Er stand vor mir, die Hände in den Taschen seiner Hausjoppe …

Lächelte dünn … „Ja, Max Schraut, diesmal hatte es dich beinahe erwischt – – beinahe … Mich auch … Bis zum Abend habe ich drei Schritt neben dir bewußtlos in dem Haferfeld gelegen.

[16] Dann erwachte ich … Um elf hatte ich dich glücklich auf dem Rücken durch das Laubengelände heimgeschleppt … Jetzt ist’s neun Uhr morgens …“

Mochte mein Hirn auch noch so matt und denkträge sein: wie Harald in Erinnerung an dieses Attentat lächeln konnte, war mir unklar!

Er mochte wohl auf meinem Gesicht den schnell wieder verschwindenden Ausdruck einer gewissen Gereiztheit bemerkt haben, denn seine Hand fuhr jetzt streichelnd über meine Schulter hin und seine Lippen bewegten sich zu einem inhaltsreichen, überraschenden Nachsatz:

„Diese Gasbombe, Alterchen, hat ihr Gutes gehabt … Als ich erwachte, hörte ich den Hafer dicht vor mir rauschen, öffnete daher die Augen mit einiger Vorsicht und … erblickte das schönste Weib, das in Berlins Häusermeer den Männern die Köpfe verdreht … eine Frau, die Eleganz in Person, mit von Seeluft und Sonne gebräuntem Gesicht … Sie merkte nicht, daß ich bereits munter war … Sie betrachtete uns, seufzte wiederholt, schien tief betrübt über unser Pech und … schlich schließlich davon … Du kennst sie, mein Alter … genau wie ich – vom winterlichen Wohltätigkeitsfest her. Es war die Filmdiva Lia Manara, die Frau mit den Gazellenaugen, wie man sie nennt …“

Ich richtete mich in meinem Sessel ruckartig auf. Der Name wirkte … Lia Manara … Lia Manara …!! – Sollte sie etwa mit zu den Leuten gehören, die einem armseligen Sandhändler nach dem Leben getrachtet hatten?! – Ob ich mich auf sie besann!! Wer Lia Manara ein einziges Mal gesehen hat, vergißt sie nicht mehr …

„Siehst du, mein Alter,“ meinte Harald, „nun bist du für das Frühstück reif und nachher auch für deine Sumatra … Es wird schon gehen … Versuch’s nur … Mathilde hat dir eine Hühnerbrühe gekocht, die der reinste Extrakt ist … Ich werde Mathilde rufen …“




[17]
3. Kapitel.
Die Depesche.

Hühnerbrühe und Zigarre hatten geschmeckt. Dann war ich im Sessel wieder eingeschlafen …

Erwachte … Ein Blick nach der Standuhr: zwölf Uhr mittags! Ein Blick nach dem Schreibtisch: Harald telephonierte. Also hatte das Schrillen des Telephons mich geweckt!

Ich hörte: „Bitte, meine Gnädige, ich bin daheim … Wenn Sie also vielleicht sofort Ihre Dienstboten entfernen wollen … Wir sind in einer halben Stunde bei Ihnen …“

Er legte den Hörer weg, drehte sich um und nickte mir zu: „Lia Manara war’s, mein Alter! Ihr find verschiedene Juwelen gestohlen … Sie ist erst gestern aus dem Nordseebade Borkum zurückgekehrt … Da fand sie ihr geheimes Wandfach leer. Und die Beschreibung der fehlenden Kleinodien paßt genau auf die vier Stücke, die jetzt dort in unserem Tresor ruhen. Lia wünscht nicht, daß ihre Zofe und ihre Köchin von dem Verlust etwas erfahren. – Also – – Aufbruch …!! Du fühlst dich doch frisch genug?“ –

Lia Manara wohnte im ersten Stock eines der villenartigen neuen Häuser am Fehrbelliner Platz, wo die helle [18] Moschee ihre gefälligen Konturen gen Himmel reckt und kleine Eigenheime eine Gartenstadt vortäuschen.

Harst hatte es seltsamerweise für überflüssig erachtet, daß wir uns etwa maskierten …

„Wenn wir überwacht werden, mein Alter,“ meinte er achselzuckend, „so werden wir dieser Bande doch schwer entgehen. Wenn nicht – desto besser!“

Immerhin sorgten wir dafür, daß sich kein Verfolger an unsere Fersen heften konnte und langten nach einigen Kreuz- und Querfahrten bei der Diva an, die nach meiner Überzeugung mit zu denen gehörte, die ein Interesse daran gehabt, den alten, ehemaligen Kapitän für alle Zeit stumm zu machen. Daß auch der schweigsame Harald ähnlich dachte, ersah ich aus der unauffälligen Tatsache, daß er die entsicherte Clement auf der Treppe in den rechten Jackenärmel schob …

Was ich gleichfalls tat … Also eine Visite mit Aussicht auf allerlei Zwischenfälle.

Lia Manara ließ uns ein, führte uns in einen entzückend phantastischen Salon und suchte mit aller Energie (für einen guten Beobachter leicht zu erkennen) ihre Nervosität niederzukämpfen, die doch mehr Verlegenheit und Unsicherheit war.

Ihre berühmten großen Augen hafteten starr auf Haralds Gesicht. Ich war Nebenfigur. – Die einleitenden Fragen und Antworten waren ohne Belang. Dann bat Harst die Diva, uns das Wandfach zu zeigen. – Wir gingen in Lias Schlafgemach.

Ich hasse überschwängliche Ausdrücke. Aber dieses Schlafgemach war ein Gedicht aus Spitzen, fein abgetönten Farben und zartem Duft …

Lia Manara hob ein kleines Ölgemälde von der Wand. Dahinter zeichneten sich auf der Seidentapete die Umrisse der Tür des eingemauerten Stahlschränkchens ab …

Sagte die Diva leise: „Herr Harst, Gewalt ist nicht angewandt worden … Es muß ein Nachschlüssel benutzt worden sein. Den richtigen Schlüssel hatte ich mit in Borkum. Hier ist er …“

[19] „Danke,“ erwiderte Harald, nahm den Schlüssel und öffnete …

Das Schränkchen war bis auf einige Papiere und gefüllte Briefumschläge leer …

„Gestatten Sie, daß ich den Inhalt herausnehme,“ meinte Harst …

Und tat’s, breitete die Sachen auf der Spiegelplatte des Frisiertisches aus …

Ich – – fuhr leicht zusammen …

Mit einem Male dann auch neben mir ein leiser Aufschrei …

„Mein Gott, – – das Etui …!!“ rief die Diva mit bebender Stimme …

Und griff hastig nach dem Glanzlederetui, das Harald mit verblüffender Taschenspielerfertigkeit unter die Papiere geschoben hatte, – dasselbe Etui, das Friedrich Schnack uns anvertraut hatte …!! –

Lia Manara schien unsere Anwesenheit völlig vergessen zu haben. Ihre Gedanken galten nur der Photographie des bildhübschen Knaben, die in dem Glanzlederkästchen lag.

Harald blickte mich an … Ein sehr vielsagender Blick …

Dann wandte sich die Künstlerin ihm zu … Noch verlegener, noch verwirrter …

„Herr Harst, dieses … dieses Etui war doch …“

„Ganz recht,“ nickte er, sie mit leichter Verbeugung unterbrechend, „dieses Etui war vorhin nicht in dem Wandfach. Ich hatte es im Besitz und habe nur eine Probe aufs Exempel machen wollen. Der Knabe ist Ihr Kind, meine Gnädige. Ich weiß, daß Sie bereits dreimal geschieden sind, bei Künstlerinnen nicht weiter aufregend …“

Trotz der feinen Schmink- und Puderschicht errötete Lia bis unter die Haarwurzeln … Ihre langbewimperten Lider senkten sich …

„Wir wollen mit offenen Karten spielen,“ fügte Harst hinzu, während ich mein von der schweren Betäubung noch etwas angegriffenes Herz schneller schlagen fühlte … vor [20] Erwartung, was nun folgen würde … „Sie standen gestern spät abends in einem Haferfeld unweit des Häuschens eines gewissen Schnack, Fräulein Manara,“ erklärte Harald mit erbarmungsloser Ehrlichkeit. „Mitten in dem Haferfelde vor zwei bewußtlosen Männern … Das waren wir, Schraut und ich … Wir lagen so, daß nur jemand uns finden konnte, der mit angesehen hatte, wie wir vor der Gasbombe flohen und dann umsanken. Sie waren also in dem Eindecker, der die Bombe fallen ließ, oder aber, Sie wurden doch zum mindesten von den Insassen des Flugzeugs benachrichtigt, wo …“

„Nein – – nein …!!“ rief die Diva leidenschaftlich, und blickte Harald dabei ohne Scheu an. „Sie verdächtigen mich grundlos …! Ich schwöre Ihnen, Herr Harst, daß ich lediglich Zeugin dieses Vorfalls war und daß mich abends dann … … das Mitleid dazu trieb, nach Ihnen und Ihrem Freunde zu sehen …“

„Weshalb meldeten Sie das Beobachtete nicht der Polizei?“

Sie senkte wieder den Kopf …

Schwieg …

„Und von wo aus haben Sie dieses Attentat beobachtet, Fräulein Manara?“ forschte Harst weiter …

Abermals stieg ihr die Röte bis zu den Haarwurzeln hinan …

Minutenlang Stille …

„Gut – Sie wollen nicht reden …,“ sagte Harald gleichmütig … Faßte in die innere Jackentasche und holte ein Päckchen hervor, öffnete die Seidenpapierumhüllung und zeigte Lia Manara die vier Geschmeide …

„Ich denke, dies sind die gestohlenen Sachen, meine Gnädige …“

Seine grauen Augen glitten über das liebreizende, temperamentvolle Antlitz der Künstlerin hin …

Lia Manara war erblaßt … Da half auch keine Schminke, kein Puder, um dies zu bemänteln …

[21] Ihre Lippen bewegten sich … und konnten doch kein einziges Wort formen …

Bis in den langen, dunklen Wimpern ein paar Tränen erschienen und langsam über die Wangen hinabrollten …

„Also … doch!“ murmelte sie mit einem so trostlosen Gesichtsausdruck, daß ich das schöne Weib von Herzen bemitleidete …

In demselben Moment schlug draußen die Flurglocke an.

Schlug nochmals an …

Ein bittender Blick der Diva traf mich … Ich schlich hinaus … Lugte durch den Türspion …

Ein Depeschenbote …

Gleich darauf reichte ich Lia Manara ein Telegramm … Sie öffnet es, liest, … schreit auf …

Und Harald kann gerade noch zuspringen, bettet die Ohnmächtige dann auf den Divan. Ich hole Kölnisch Wasser vom Frisiertisch, und in kurzem ist die Künstlerin wieder bei Besinnung …

Auf dem Eisbärfell vor dem Diwan liegt die Depesche, Schrift nach oben …

Ich hatte den Inhalt bereits gelesen – genau wie Harst … – Und dieser Inhalt lautet:

Edu seit gestern verschwunden. Sofort kommen. – Rubner.

Die Diva hat sich erhoben … Eine auffällige Veränderung ist mit ihr vorgegangen … Eiserner Wille besiegt körperliche Schwäche …

„Meine Herren, ich habe jetzt leider keine Zeit für Sie … Ich werde Sie benachrichtigen, sobald ich wieder in Berlin bin,“ sagt sie außerordentlich bestimmt. „Ich bitte Sie nur, Herr Harst, daß Sie … die Mörder Friedrich Schnacks zu ermitteln suchen … Das Honorar für Sie ist Nebensache … – Bitte, entschuldigen Sie mich …“

Das hieß, wir sollten uns verabschieden. Wir taten’s auch … Nur an der Flurtür flüsterte Harald der Künstlerin noch zu:

[22] „Sie kannten Schnack sehr genau, Fräulein Manara, nicht wahr?“

„Früher, Herr Harst … Ich … ich bin ihm zu Dank verpflichtet … – Auf Wiedersehen …!“




4. Kapitel.
Die unsichtbare Macht.

Wir schritten im prallen Sonnenbrand über den Fehrbelliner Platz …

„Ihr Vater, schätze ich,“ sagte Harald sinnend …

„Wie – Schnack der Vater der Manara?! Unmöglich!“

Harald blickt mich von der Seite an … „Weshalb unmöglich?! Er mag sie verstoßen haben, weil sie einen Fehltritt [23] getan: der Knabe!! Und dieser Knabe ist nun verschwunden … geraubt, nehme ich an … – Aber – lassen wir das alles … Es hat Zeit … – Hörst du, was der Zeitungsverkäufer dort ausruft?“

Ich hörte …:

„Der Mord in Alt-Schmargendorf … Rätselhafter Mord an einem Sandhändler …“

So rief das dürre Männchen am Eingang der Untergrundbahn …

Harst kaufte ein Blatt …

Wir lasen vorn aus der ersten Seite der Mittagszeitung folgendes:


„Heute früh erhielt die Kriminalpolizei einen gestern abend aufgegebenen gewöhnlichen Brief, der mit Maschine beschrieben war, und nur die Worte enthielt: „Im Hause Kastanienallee Nr. 2, Alt-Schmargendorf, liegt im Flur ein Toter.“ – Diese anonyme Meldung entsprach den Tatsachen. Der Tote ist der ehemalige Schiffskapitän Friedrich Schnack, einer jener vom Schicksal Gezeichneten, die als menschenfeindliche Einsiedler ihr Leben beschließen. Die Beamten des Morddezernats haben festgestellt, daß Schnack wahrscheinlich in dem Hausflur seines ärmlichen Häuschens ohnmächtig umgesunken und mit dem Kopf auf den Rand einer im Flur stehenden Bank aufgeschlagen ist. Die Wunde, die er auf diese Weise sich selbst zugefügt hat, dürfte infolge des starken Blutverlustes den Tod herbeigeführt haben.“

Hierunter stand ganz dick gedruckt:

Nicht Unfall, sondern Mord!!

Nach dem Urteil der Polizeiärzte ist die tödliche Wunde durch einen Hieb mit einem keulenähnlichen Instrument entstanden. Es liegt fraglos Mord vor. Seltsam bei alledem ist, daß Friedrich Schnack, der in den dürftigsten Verhältnissen lebte, kaum irgend etwas besessen haben [24] dürfte, daß die Habgier eines Menschen reizen konnte. – Vor dem Bodenfenster des Häuschens wurde merkwürdigerweise ein eleganter, neuer Damenhandschuh mit Spitzenmanschette gefunden. Der Handschuh wird im Polizeipräsidium ausgestellt werden. Für die Entdeckung des Täters ist vorläufig eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden.“


Harald faltete die Zeitung wieder zusammen, meinte in seiner selbstverständlichen Art: „Nun wissen wir ja auch, von wo aus Lia Manara den Eindecker und unsere Flucht vor der Gasbombe beobachtet hat … Vom Bodenfenster aus! Sie war also im Hause, als wir die Flurtür öffneten und uns mit einem kurzen Blick auf den Toten begnügten. Sie hat Friedrich Schnack in aller Frühe besuchen wollen, fand ihn als Leiche vor. Da kamen wir, und sie flüchtete nach oben. Der Handschuh entfiel ihr, und sie ließ ihn unbeachtet liegen.“

Wir bogen jetzt in unsere Blücherstraße ein … Ich fragte mit deutlichem Zweifel im Ton: „Du hältst Schnack wirklich für ihren Vater, Harald?“

„Ja … Man muß eben auf Kleinigkeiten achten, mein Alter … Als Schnack bei uns war, bemerkte ich hinter seinem linken Ohrläppchen ein braunes Muttermal in Form eines Dreiecks. Lia Manara besitzt genau an derselben Stelle dasselbe Muttermal. Das kann kein Zufall sein. Ich behaupte weiter, daß sie aus irgendwelchen Gründen den Verdacht hegte, ihr Vater könnte ihr die Juwelen und das Bild ihres Kindes gestohlen haben. Deshalb ist sie zu ihm gegangen, obwohl im übrigen keinerlei Verbindung mehr zwischen ihnen bestand. Berührte es dich nicht ebenfalls sehr seltsam, daß sie nicht mit einem einzigen Wort fragte, wie ich in den Besitz dieser Gegenstände gelangt war?! Jede Frau hätte danach geforscht. Sie unterließ es. – Nun, wir werden ja sehen, was bei diesem Fall schließlich herauskommt. Er hat seine sehr eigentümlichen Seiten, wie du zugeben wirst. Schnack ist niemals der Dieb. Er hat uns [25] auch nicht belogen. Seine Erlebnisse während des Gewitters stimmen. Seine Mörder sind auch die Diebe …“

Es geschieht sehr selten, daß Harald in dieser Weise gleich zu Anfang eines neuen Problems gleichsam Farbe bekennt. Und deshalb gestattete ich mir auch die halb ironische Bemerkung: „Du bist unheimlich redselig! Ich bin sprachlos! Für gewöhnlich läßt du mich im unklaren über …“

Er unterbrach mich … Blieb stehen. Gerade vor unserer Gartenpforte …

„Wenn ich dich diesmal sofort einweihe, mein Alter, so magst du daraus ersehen, für wie gefährlich ich diesen Fall erachte. Diese Leute, die den alten Mann mordeten, sind keine zu verachtenden Gegner. Was du ja auch aus dem Gasbombenwurf erkannt haben dürftest …“

Er schien noch mehr auf dem Herzen zu haben, aber sein starrer Blick hing jetzt auf einem Zettel, der von innen über den Drücker der Vorgartentür gestreift war … Er nahm das durchlöcherte Papier vorsichtig an sich und hielt es so, daß ich die mit Bleistift flüchtig hingeworfenen Zeilen gleichfalls lesen konnte:

Wäre besser für Ihnen, wenn Sie sich nicht bemühten um Schnack. – Die unsichtbare Macht.

„Schau an – – eine Drohung,“ meinte Harald geringschätzig. „Das Deutsch klingt nach Ausländern … Kann auch absichtlich verhunzt sein … Und „die unsichtbare Macht“ gleicht einem üblen Witz … Ein Eindecker ist ein ziemlich sichtbares Ding, schätze ich …!! – Gehen wir ins Haus. Ich habe Hunger …“

Zehn Minuten später saßen wir mit Haralds Mutter zusammen bei Tisch. Die alte gütige Dame war von jeher ihres einzigen Sohnes Vertraute. So erzählte ihr denn Harald auch jetzt von unserem Besuch bei der Diva und von seinen Kombinationen, die er aus den bisherigen Tatsachen abgeleitet hatte.

Frau Auguste Harst pflichtete ihm in allem bei, seufzte und meinte: „Eins gefällt mir nicht, Harald … Du spöttelst [26] über den Zettel an der Gartentür, über … die unsichtbare Macht … Ich bitte dich herzlich: Sei vorsichtig! – Und Sie, lieber Schraut, sorgen mir dafür, daß mein großer Junge nicht leichtsinnig sich in Gefahr begibt …“

Kaum hatte sie den Satz beendet, als die dicke Köchin Mathilde im Eßzimmer erschien, und Harald zurief (die brave Dicke war bereits fünfunddreißig Jahre im Harstschen Hause):

„Herr Harald, Herr Harald, – – eine Dame …! hier ist ihre Karte … – O – – ist die schön! Wie ein Engel …!“

Mein erster Gedanke war: Lia Manara!

Ein Irrtum …

Harald las den Aufdruck der Karte vor:


Duchessa Maria Angelina Trapanaschaft.
Duchessa Maria Angelina Venedig,schaft.

Duchessa Maria AngelinaZur Zeit Berlin,aft

Duchessa Maria AngeliItalienische Botschaft.


Also eine Herzogin …!!

„Ich habe die Dame in den Salon geführt,“ erklärte Mathilde, die noch immer ganz benommen war von so viel Schönheit …

Harald machte ein ganz merkwürdiges Gesicht … Legte die Serviette weg, winkte mir. – Wir betraten den Salon. In einem der kleinen Brokatsessel saß eine überaus elegant bekleidete Dame, dunkelhaarig …

Ich hatte doch recht gehabt … Es war Lia Manara, freilich mit einer Perücke, denn für gewöhnlich war sie blond.

„Herr Harst“ rief sie uns mit gedämpfter Stimme entgegen … „Ich habe die Mittagszeitung gelesen, und …“

„… Sie fürchten nun für Ihre Sicherheit, weil Sie den Handschuh in Ihres Vaters Häuschen verloren haben …“

Sie hatte sich erhoben … Mit einer zwanglosen und keineswegs theatralischen Gebärde streckte sie Harald flehend beide Hände hin …

[27] „Helfen Sie mir, Herr Harst … Bedenken Sie, was alles für mich auf dem Spiele steht … – Ja – Friedrich Schnack war mein Vater … Er hatte mich einer Jugendverirrung wegen verstoßen. Er heiratete erst mit vierzig Jahren. Meine Mutter starb bei meiner Geburt. All meine Versuche, ihn zu versöhnen, waren erfolglos. Er nahm auch nicht die geringste Unterstützung von mir an …“

Was sie weiter vorbrachte, bestätigte Haralds Vermutungen in allen Punkten. Sie hatte in dem Wandtresor die Platte eines eigenartigen Manschettenknopfes gefunden. Sie wußte, daß ihrem Vater ein Paar derartige Knöpfe gehörten. Deshalb glaubte sie, daß ihr Vater aus irgendwelchen ihr freilich unklaren Beweggründen bei ihr eingedrungen sei.

Während sie dies alles erzählte, saß sie in recht hilfloser Haltung im Sessel, und ihr Antlitz zeigte einen Ausdruck gleicher Hilflosigkeit. … Es war ja auch für eine Lia Manara nicht ganz leicht, vor uns beiden einzugestehen, daß sie bereits vor ihrer ersten Ehe mit achtzehn Jahren Mutter geworden. Ihr Kind war jetzt zehn Jahre alt und hieß Eduard Schnack, wurde bei einem früheren Lehrer namens Rubner in Saßnitz auf Rügen erzogen und war nun verschwunden, wie das Telegramm der unglücklichen Mutter mitgeteilt hatte. –

Alle nun folgenden Fragen, die Harald an Lia Manara richtete, drehten sich um den einen Punkt: ob etwa die Diva oder deren Vater unversöhnliche Feinde besäßen. Denn Harst gab seiner Überzeugung dahin Ausdruck, daß es sich hier um einen Racheakt handelte, sowohl was den Tod des Kapitäns als auch das Verschwinden des Kindes anbeträfe.

Als er zum Schluß möglichst zartfühlend erklärte, daß der Knabe wahrscheinlich mit Hilfe des Eindeckers entführt worden sei, brach Lia Manara von neuem in Tränen aus … Man merkte deutlich, wie sehr sie an ihrem Kinde hing und welche Seelenqual es für sie bedeutete, den bildhübschen Jungen in der Gewalt von unbekannten Feinden zu wissen.

Trotzdem verließ sie nachher getröstet das Harstsche Haus [28] … Beim Abschied hatte ihr Harald die Besuchskarte zurückgegeben …

„Sie haben sich offenbar vergriffen,“ meinte er. „Diese Karte zeigt einen Titel und einen Namen, die mir nicht ganz fremd sind. Die Herzogin Angelina Trapana hat in den letzten Wochen hier in Berlin die Herren Zeitungsreporter förmlich in Atem gehalten. Eine Italienerin, eine Herzogin mit so bezaubernden Extravaganzen war selbst für Berlin eine Rarität. – Wie kamen Sie zu dieser Karte, Fräulein Manara?“

„Auf sehr einfache Art, Herr Harst,“ erwiderte die Diva mit leichtem Achselzucken. „Die Herzogin war vor acht Tagen, als ich noch in Borkum weilte, bei mir, um mich persönlich kennenzulernen. Sie ließ die Karte zurück, und als meine Gesellschaftsdame mir sie gab, schob ich sie hier in mein Handtäschchen. Heute habe ich mich dann in der Tat in der Aufregung vergriffen, und …“

„… Ein Versehen …,“ fiel Harald ihr ins Wort, „das zu belanglos ist, um noch weiter erörtert zu werden. „Immerhin – – noch eine Frage: War die Herzogin nochmals bei Ihnen?“

„Nein … In den heutigen Morgenzeitungen steht übrigens, daß die Duchessa mit ihrem Gatten und Gefolge nach Schweden im Flugzeug abgereist ist …“ –

Gleich darauf rollte ein Auto mit der schönen Frau mit den Gazellenaugen davon …




[29]
5. Kapitel.
Der Mann hinter der Gardine.

Nach Schweden abgereist …

Wir … auch …

Und der freundliche Leser muß nun hier mit mir einen Sprung über zwei Tage hinweg tun …

Muß mit uns den Schauplatz der Handlung wechseln …

Also – – Schweden[WS 1] – – Christianiafjord …

Bekanntes Jagdgebiet für uns … Dem Leser gleichfalls nicht fremd …! Gespensterwrack – – man erinnert sich!! Das war im Anfang meiner Zusammenarbeit mit Harald Harst! – – Und jetzt Jagd auf die Duchessa Angelina Trapana …

Wundert das jemand, daß mit einem Male diese Italienerin für meinen Freund so viel Anziehungskraft besaß?!

Die Herzogin war bei Lia Manara gewesen, hatte diese nicht angetroffen, immerhin ihre Besuchskarte dagelassen, war dann nicht wieder erschienen. Das war alles. Und doch hatte Harald Harst aus diesen doch so völlig unbedeutenden Geschehnissen (wenn hier überhaupt das Wort Geschehnis am Platze ist!) die Notwendigkeit abgeleitet, schleunigst inkognito auf Umwegen gen Oslo, vormals Christiania, zu reisen.

[30] Der aufmerksame Leser wird vielleicht an dieser Stelle den Einwurf machen, daß die Duchessa, ihr Gatte und ihr Gefolge im Flugzeug gen Nordland gefahren seien, und daß von einem Flugzeug aus die Gasbombe gegen uns geschleudert wurde, – also vielleicht ein Verdachtsgrund[3]

Vielleicht … nur vielleicht! Denn erstens war es ein Eindecker, von dem aus wir mit der Stinkbombe beglückt wurden, und zweitens erfolgte die Abreise der Duchessa mit einem anderen Riesenluxusvogel und einen Tag nach dem Bombenwurf. –

Selten wohl habe ich es Harald so sehr verargt, daß er mir gegenüber zumeist seine Trümpfe verbirgt, wie damals als wir über Hamburg, Kopenhagen und die kleine norwegische Fabrikstadt Skien an einem regnerischen Abend in Oslo anlangten und mein Freund es während der ganzen Reise nicht für nötig befunden hatte, mir über die Gründe seines Verdachts gegen die schöne Italienerin Aufschluß zu geben.

Am selben Abend noch ließ mich Harald in dem kleinen Hafenhotel, wo wir als harmlose Touristen in der Maske biederer Neureicher bescheideneren Kalibers abgestiegen waren, allein, und erklärte mir, er habe noch einige Ermittlungen vor, bei denen ich ihm nicht weiter helfen könne.

Verstimmt, verärgert, ermüdet und übersatt von dem reichlichen Hotelabendessen ging ich zu Bett, schlief ein und erwachte erst um neun Uhr vormittags.

Ein Blick nach rechts …

Harsts Bett unberührt!!

Ich im Nu in die Kleider. Klingle nach dem alten Kellner, der ebenso verwittert ausschaute wie das ganze gemütliche Hotel mit seiner entzückenden Aussicht über Hafen und Fjord.

Der Kellner weiß nichts von Harst, nichts …

Ich warte bis zwölf Uhr mittags. Dann wird’s mir zur Gewißheit, daß hier irgend etwas passiert ist, dessen ganze drohende Schwere ich nur ahne.

[31] Um halb eins bin ich im Polizeigebäude. Unser alter Bekannter Sigurd Larnöörg, Kriminalinspektor und bester Fahnder Norwegens, drückt mir mit ernstem Gesicht die Hand.

„Lieber Schraut,“ erklärt er, „vor zwei Stunden ist aus dem Fjord eine treibende Leiche mit völlig verstümmeltem, zertrümmertem Kopf geborgen worden. In der Brieftasche des Toten – hier ist sie – fand ich Harsts Ausweis mit Photographie …“

Wir stehen dann in der Leichenkammer vor dem Toten …

Ich bin blaß wie ein Leinentuch … – Es ist Harald … Jeder Zweifel ausgeschlossen … Es ist der Anzug, der Gummimantel, – Schuhe, Krawatte, Größe, Hände, – alles stimmt. Freilich, das Gesicht ist nicht mehr zu erkennen, bildet nur noch eine ekle, blutige, zerfetzte Fleischmasse. Auch die Haarfarbe ist die meines Freundes: dunkelblond, grau an den Schläfen!

Ich vermag kein Wort hervorzubringen …

Larnöörg fragt dies und das …

Ich antworte schließlich … Berichte alles … –[4] Von Friedrich Schnacks alter Liese und der Sandgrube, der Dynamitpatrone, von Lia Manara und der bezaubernden, extravaganten Herzogin …

Angesichts des verstümmelten, ermordeten Freundes erstatte ich diesen Bericht. Und in Sigurd Larnöörgs Züge, deren Schärfe und Wulste und Kolorit mehr an einen Jan Maat als an einen hochzivilisierten, hochintelligenten Kriminalbeamten erinnern, tritt ein Ausdruck grenzenlosen Staunens ob all dieser Neuigkeiten, insbesondere darüber, daß die Duchessa Angelina Trapana von Harald hier bis Oslo verfolgt worden ist …

„Die Herzogin,“ meinte er kopfschüttelnd, „ist allerdings gestern im Flugzeug angelangt und im Schlosse des Prinzen Oskar, eines Verwandten des schwedischen Königshauses, abgestiegen. Aber daß diese Dame irgendwie …“

Ich lasse ihn den Satz nicht beenden. Ich habe die halbe [32] Lähmung, diesen Zustand vollkommener geistiger und körperlicher Machtlosigkeit, inzwischen abgeschüttelt …

„Larnöörg,“ sage ich dumpf, indem ich auf den auf einem Tische ausgebreiteten Inhalt der Taschen des Toten deute, „lieber alter Kamerad und Kollege, – wenn diese vergänglichen menschlichen Reste nicht Harald Harsts Leiche sind, dann ist dieser Harald Harst doch zum mindesten in der Gewalt rücksichtslos brutaler Menschen, die ihn gefangen halten und die einen anderen töteten, um den Anschein zu erwecken, der große Harst gehöre nicht mehr zu den Lebenden … – Wo liegt das Schloß des Prinzen?“

Larnöörg legte mir da beide Hände auf die Schultern …

„Schraut, Schraut, – machen Sie keine Dummheiten! Wollen Sie etwa …“

„Wo liegt das Schloß? Ich habe nie davon gehört, daß …“

Der Inspektor seufzt … „Es liegt in den Wäldern nördlich vom Holmenkollen, dem berühmten Ausflugsort … Jeder Autochauffeur fährt Sie hin … Aber – – eine Bitte: Seien Sie nicht voreilig, Schraut! Der Prinz ist mit einer Schwester der Herzogin verheiratet und dafür bekannt, daß er sich weder um Tod, Teufel noch Gesetz und Recht kümmert … Man hält ihn für … für geistig nicht ganz normal, unter uns gesagt … Dabei ist er …“

Ich eile bereits davon …

Dieser Ungewißheit, ob Harald wirklich mir für immer genommen sein sollte, muß ein Ende gemacht werden.

Ein Mietauto schlängelt sich auf glatter Fahrstraße mit mir zum Holmenkollen empor … Ich lehne in den Polstern und sehe rechts von mir die Zahnradbahn, gefüllt mit Touristen, demselben Ziele zustreben … Ich sehe lachende, frohe, sorglose Gesichter … Sehe all die Schönheiten nordischer Landschaft, sehe die Pracht uralter Wälder und den tiefen Ernst grauschwarzer Granitmassen … Bis ein kurzes, tiefes Tal sich vor mir öffnet und inmitten finsterer Tannenkulissen ein uralter Steinbau mit zwei massigen, trotzigen Türmen sich erhebt: Schloß Gülderhall!

[33] Das Auto hält vor der Terrasse. Ein ur-uraltes Männlein in einer Art Livree tritt aus dem Portal und stellt sich mir als Schloßvogt vor … Seine Königliche Hoheit sei heute morgen verreist, bedeutet dieses uralte, verschrumpelte Männchen mir … Verreist nach Südamerika mit seiner Jacht und seiner Gattin und deren Verwandten. Im Schlosse befinde sich zur Zeit nur er, der Vogt, ganz allein … Das sei immer so, wenn Seine Königliche Hoheit verreise. Der Prinz sei sehr sparsam und hielte wenig Dienerschaft.

Ich merke: der Alte lügt nicht! Also ausgekniffen ist die ganze feine Gesellschaft – – zu Schiff, angeblich nach Südamerika, angeblich, – – und unerreichbar!

Während ich mir dies und anderes überlege und meine Augen über die Fenster des plumpen, düsteren Gebäudes hingleiten, erkenne ich plötzlich, daß sich hinter den gelblichen Gardinen eines schmalen Fensters des linken Eckturmes eine Gestalt abzeichnet …

Die Gardine wird für ein paar Sekunden zur Seite geschoben …

Ich starre hin …

Blicke rasch wieder weg …

Sage zu dem Verschrumpelten:

„Das Schloß ist also wirklich nicht zu besichtigen …?! – Das tut mir leid … Ich bin Maler und hätte zu gern …“

Der Alte hebt die mageren, eckigen Schultern bis zu den Ohren …

„Bedauere, mein Herr …“

Dann rollt das Auto mit mir wieder davon … Jetzt brauche ich mir keinen Zwang mehr aufzuerlegen … Jetzt fliegt über mein Gesicht ein Freudenschein hin … Denn: der Mann am Fenster war Harst gewesen, mein lieber, alter Harald, und … gewinkt hatte er mir, hatte den Finger dann auf die Lippen gelegt … Und ich hatte ihn verstanden – – vollkommen!!

Nachts würde schloß Gülderhall mich wiedersehen …

[34] Nachts …! Und bis dahin würde ich die Augen gut offen halten, ob ich etwa von irgend welchen Kreaturen der vornehmen Verbrecher beobachtet würde …!

Ja – – Schloß Gülderhall …!! Und die nächste Nacht! – – Davon im zweiten Teil dieses unseres Abenteuers, das bisher noch verhältnismäßig harmlos verlaufen war …




[35]
Einer von der Hammonia

[36]

[37]
1. Kapitel.
Wo?!

… Ob ich etwa beobachtet würde … – Darauf wollte ich achtgeben …

Überflüssige Mühe … Kein Mensch kümmerte sich um mich … Ich schlenderte durch die Straßen von Oslo, aß im Börsenrestaurant, belauerte jedes Gesicht … Nein, niemand war hinter mir her … niemand. Und am Spätnachmittag saß ich am Fenster unseres Hotelzimmers und überlegte mir, wie jener im Fjord gefundene Tote wohl zu Haralds Kleidern und Tascheninhalt gekommen sein mochte … Eine Frage, die ich mir beim besten Willen nicht beantworten konnte.

Am Fenster saß ich, in einem jener altertümlichen Ohrensessel, die hier in diesem Hotel aus Olims Zeiten die Klubsessel vertreten … Rauchte meine Zigarre, meine Spezialmarke, eine grünschwarze Giftnudel, von der Harald stets behauptete, sie enthielte mehr Nikotin als hundert seiner beliebten Mirakulum. Möglich, daß dies stimmte[5] … Obwohl Harsts Lieblingszigaretten wahrhaftig nicht leicht sind …

Rauchte mit Behagen und freudiger Zuversicht auf ein baldiges Wiedersehen mit dem treuen Freunde. Hatte Hafen [38] und Fjord vor mir in prächtigster Abendbeleuchtung … Hatte Zeit, über die oben erwähnte Frage nachzugrübeln … Zwecklos war’s … Hatte allen Groll gegen den schweigsamen Harald vergessen …

Bis mir meine grünschwarze Giftnudel plötzlich nicht mehr schmeckte …

Merkwürdig, – – über meine Augen legte es sich wie ein Schleier … Ich empfand undeutlich, daß in meinem Hirn etwas vorging, das nicht mit dem Nikotingehalt der schweren Sumatra zusammenhängen konnte. Meine Gedanken wirbelten wie Papierfetzen, die ein Windstoß in einer Straßenecke aufwirbeln läßt, durcheinander … Mein Urgroßvatersessel zeigte Neigung, sich zur Luftschaukel auszubilden.

Was bedeutete das alles?!

Und dann – – ein jähes Gefühl, als ob ich ersticken müßte …

Ich will mich erheben … Das Fenster öffnen … Frische Luft hereinlassen …

Will …

Sinke zurück … In den Urgroßvaterstuhl, der dann mit mir in einen ungeheuren Abgrund hinabzugleiten scheint – – schneller, immer schneller …

Aus dem Gleiten wird ein Sturz …

Ich sehe, höre nichts mehr …

Ich fürchte, dort unten in der Tiefe zu zerschellen …

Glaube, daß im letzten Augenblick hilfreiche Hände mich packen …

Glaube …

Weiß nichts mehr …

Max Schraut ist erledigt … vorläufig …

Max Schraut erwacht …

Seltsam war’s … Schon häufig genug hatte man Harald und mich heimtückisch auszuschalten oder ganz zu beseitigen gesucht. Schon häufig war ich in recht merkwürdiger Umgebung und unter noch merkwürdigeren Umständen wieder zum Bewußtsein gekommen …

[39] Diesmal übertrafen diese Umstände selbst die ausschweifendste Phantasie eines halb irrsinnigen Erfinders wildester Geschichten …

Man denke, staune, halte den Atem an:

Ich erwache in einem feudalen Damenschlafgemach, in einem Prachtbett … Über mir ein zart rosaseidener Betthimmel … Eine rosa Ampel … Seidig die Bettwäsche … In der Luft ein köstliches Parfüm … Und neben mir eine grauhaarige Krankenschwester mit Hornbrille, die mir jetzt mit goldenem Löffel etwas Erquickendes einflößt …

So erwachte ich … Wie traumumfangen … Hörte die Stimme der Pflegerin flüstern – eigenartig heiser:

„Sie müssen liegen ganz ruhig, Herr Schraut … Sie noch leiden sehr viel an Wutanfälle in Ihre Fieberdelirien.“

Hm – dieses Deutsch!! Und – – Fieberdelirien?! Keine Spur mehr davon. Das fühlte ich. Gewiß, ich war recht schwach, und in meinem Schädel rumorte ein Bienenschwarm … Aber – – Delirien?!

„Herr Schraut, Sie werden spüren, daß Sie sind gefesselt an Hände und Füße an das Bett … Die unsichtbare Macht hatte Sie und Ihren Freund gewarnt. Sie nicht haben geleistet Folge … Nun Sie tragen die Folgen …“

Mein Hirn wurde klarer …

Unsichtbare Macht!! – Aha – – der Zettel an der Türklinke unserer Gartenpforte!! Und – – gefesselt?! – Ich probierte – – bewegte Hände und Füße … Es stimmte.

Da beschaute ich mir meine Pflegerin genauer, soweit das gedämpfte Licht dies zuließ …

Sie saß in einem kleinen Klubsessel, steif, hager, kerzengerade – wie eine gestrenge Gouvernante …

Sie war stark gepudert … Das erkannte ich trotz der matten Beleuchtung. Und ihr Antlitz hatte trotz der Puderschicht etwas auffallend Männliches, beinahe harte Züge …

O – unsereiner hat andere Augen als ein Durchschnittsmensch. Unsereiner merkt sofort, ob Frauenhaar echt oder ob nur eine Perücke weibliches Geschlecht vortäuschen soll.

[40] Dieses bebrillte Wesen da mit dem grauen Haar und dem weißen Häubchen war ein Mann. Zweifellos ein verkleideter Mann, der seine Rolle mit nur leidlichem Geschick spielte …

Immerhin: dieser Mensch erhöhte nur noch das Eigentümliche dieses Erwachens! – Wo befand ich mich? Wie war ich hierhergelangt? Wie hatten unsere Gegner, die unsichtbare Macht, mich aus dem Hafenhotel hierher geschafft? Und – wie hatten sie mich dort im Sessel betäubt – dort am Fenster? Durch Gas? – Ja – nur dies war möglich. Nur Gas konnte es gewesen sein …

Da hatte meine Bebrillte schon wieder etwas aus dem Herzen …

„Herr Schraut …“

„Ich höre …“

„Weshalb Sie nicht tun antworten?“

„Verzeihung,“ meinte ich mit etwas matter Stimme … „Ich weiß nicht recht, was ich Ihnen antworten soll, Schwester. Höchstens das eine: An meine Fieberdelirien glaube ich nicht! Und Ihre sogenannte „unsichtbare Macht“ imponiert mir keineswegs … – Was haben Sie mit mir vor, und was ist aus meinem Freunde geworden?“

Der … Kerl lehnte sich tiefer in den Sessel zurück …

„Herr Schraut, es sein verboten Ihnen, Fragen zu stellen … Sie nur sollen erklären, ob Sie werden gehorchen …“

Ah – – also darauf kommt’s hinaus: Gehorchen!! – – Natürlich bezog sich dies Gehorchen darauf, daß wir die Herrschaften, die Friedrich Schnack ermordet hatten, nicht weiter belästigen sollten!

Ich Unschuldslamm erwiderte:

„Was verlangen Sie, Schwester?“

„Die Wahrheit, Herr Schraut!!“

„Inwiefern?“

„Wo Ihr Freund ist?“

Ich war mehr als überrascht … Aber man hat sich [41] in der Gewalt … Man kann schauspielern, besonders wenn man früher Schmierenkomödiant gewesen ist …

Ich lächelte … Sehr überlegen … Sehr von oben herab, obwohl ich im Bett lag und eigentlich nach oben lächeln mußte …

Die „Schwester“ begann unruhig auf ihrem Sessel hin und her zu rutschen, da ich nicht sofort antwortete, was ihr offenbar sehr gegen den Strich ging …

Mich belustigte diese Unruhe …

O – – Harald war also frei!! Was konnte mir jetzt noch geschehen?! Nichts – – gar nichts! – Und – – diese Leute wußten nicht, daß er sich im Schlosse Gülderhall verborgen hielt …! Diese Leute fürchteten ihn, hatten mich aus dem kleinen Hotel weggeschleppt, um mich als Geisel zu benutzen!

Ich … grinste den Kerl an … Sagte:

„Sie haben meinen Freund also nicht erwischt! Da scheint es doch mit Ihrer unsichtbaren Macht nicht weit her zu sein … Im Gegenteil: Man müßte hier treffender von … „sichtbarer Ohnmacht“ sprechen!“

Diese bittere Pille ging dem Verkleideten denn doch sehr schwer hinunter. Sein Gesicht verzerrte sich. Unter der etwas kurzen, dünnen Oberlippe wurden ein paar große, kräftige Vorderzähne mit Goldplomben sichtbar … Die dunklen Augen sprühten Wut und Mordgier … Dieser Kerl hatte sich schlecht in der Gewalt. Er war doch nur ein kläglicher Stümper, nichts weiter, – ein Verbrecher dritten Grades … Sein Mund öffnete und schloß sich, als ob er mir eine Grobheit oder Drohung hätte ins Gesicht schleudern wollen, aber aus Vorsicht die Worte wieder verschluckte … Er würgte förmlich an diesen Worten …

Dann erhob er sich langsam. Seine Züge glätteten sich wieder, und mit einem Achselzucken wandte er sich um und schritt zur Tür, ging hinaus … Die Tür klappte zu … Ich war allein …

Allein … Musterte nun mit mehr Sorgfalt als bisher [42] meine Umgebung, dieses üppige Damenschlafgemach, in dem nichts fehlte, was zu den Toilettensachen einer verwöhnten Dame von Welt gehört …

Richtete mich im Bett auf … Dort links ein Frisiertisch … Auf der mit hellblauer Seide unterlegten Glasplatte zwei Kabinettbilder in kostbaren Bronzerahmen … Die Entfernung bis dorthin war nicht groß … Ich starre hinüber … Traue meinen Augen nicht. Das eine Bild ist zweifellos eine Brustaufnahme Lia Manaras, der Filmdiva – mit entblößten Schultern, die volle Büste mit Schleier verhüllt.

Lia Manara …!! – Wie in aller Welt kommt dieses Bild hierher?!

Hierher?! – Ja – wo befinde ich mich eigentlich?! Wo?!

Und wie mag hier nach Norwegen, hier in dieses Schlafgemach …

Mein Gedankenfaden zerreißt jäh …

Lautlos hat sich die Tür geöffnet …

Jemand schlüpft ins Zimmer …

Jemand …

Harald!!

Schließt ebenso lautlos die Tür …

Nickt mir zu … Und … kriecht unter mein Bett …

Verschwindet …

Ich sitze aufrecht im Bett und streiche mir über die Stirn … Träume ich?! Bin ich wirklich wach?!

Da – von unten her eine liebe, wohlbekannte, vorsichtig raunende Stimme:

„Lege dich wieder lang, mein Alter, – mit dem Kopf nach dem Nachttischchen hin … Damit du mich leichter verstehst …“

Kein Traum …!!

Harald!!

Ich gehorche …

Horche …

Die liebe Stimme raunt weiter …




[43]
2. Kapitel.
Sekt für zwei …

Raunt weiter …

„Ich werde dich rasch in die Hauptsachen einweihen, mein Alter … Das heißt, soweit ich die Dinge bisher zu überschauen vermag … Wir sind hier in Schloß Gülderhall … Dies ist das Schlafzimmer der Gemahlin des Prinzen Oskar … Drei Männer haben den alten Schloßvogt gestern überwältigt und sich hier eingenistet … Einer der drei wohnte mit uns zusammen im Hafenhotel. Man hat dich von dort nachts hierher geschafft …“

„Wer sind die drei?“ unterbrach ich die flüsternde Stimme.

Aber Harald schien keine Lust zu haben, seinen knappen Bericht durch Zwischenfragen stören zu lassen …

Fuhr fort: „Wir könnten die Leute unschwer festnehmen und Inspektor Larnöörg alles weitere überlassen. Damit wäre uns jedoch nicht geholfen, denn auf diese Weise käme die Wahrheit vielleicht niemals an den Tag …“

[44] Ich konnte nicht anders, – ich unterbrach ihn abermals.

„Harald, wer sind die drei, und wer ist der im Fjord aufgefundene Ermordete, der deine Kleider trug und deine …“

Er wurde ärgerlich … „So warte doch ab!“ flüsterte er gereizt. „Und verhalte dich still … Möglich, daß man dich beobachtet, und daß man sieht, wie du die Lippen bewegst … – Wir werden vorläufig hier nur beobachten … Jedenfalls sind die drei keine Verbündeten der Herzogin Angelina, die jetzt mit der Jacht des Prinzen bereits auf hoher See schwimmt … Ich habe leider eine grobe Unvorsichtigkeit begangen, als ich …“

Ein Geräusch von der Tür her ließ ihn verstummen … Die „Schwester“ trat wieder ein … Setzte sich in den Sessel und sagte mit heuchlerischer Liebenswürdigkeit:

„Herr Schraut, wenn Sie mir nicht wollen verraten, wo Ihr Freund ist, müssen wir verwenden andere Mittel, damit Sie reden … Wir haben genau aufgepaßt … Ihr Freund ist nicht in Oslo mehr … Sie sind uns also ausgeliefert auf Gnade und Ungnade … Wollen Sie reden?“

„Aber gewiß,“ erklärte ich hohnvoll. „Harst liegt hier unter meinem Bett, Schwester, und zwar in einem Anzug, der ihm nicht gehört … Seinen eigenen Anzug trägt eine männliche Leiche, die man aus dem Fjord gezogen hat …“

Der Verkleidete zeigte vor ohnmächtigem Grimm abermals seine Goldplomben …

Vergaß sich … Dämpfte nicht mehr die Stimme … Gab sich keine Mühe mehr, sein Organ zu verstellen …

„Herr Schraut, Ihnen wird vergehen das Witzemachen!“ fauchte er mich an … „Sie werden merken, daß es hier Keller gibt, die …“

„Natürlich gibt es in Schloß Gülderhall Keller,“ fiel ich ihm ins Wort. „Genau so wie das Häuschen Friedrich Schnacks unterkellert gewesen sein dürfte … Sie kennen doch den ehemaligen Kapitän des Viermastschoners Hammonia?“

O – – der Hieb saß!! Der Kerl krümmte sich förmlich vor Verlegenheit auf seinem Sessel …

[45] Und unter dem Bett lag mein alter Harald und hatte fraglos seine Freude daran, wie ich diesen gepuderten Burschen verhöhnte …

Der platzte denn auch jetzt mit der Frage heraus:

„Woher Sie wissen, daß dies ist Schloß Gülderhall?“

„Hm – ich hab’s geträumt, Verehrtester! Denn das Versteckspiel geben wir nun wohl besser auf … Sie sind ein Mann, und zwar einer jener drei, die den Kapitän Schnack ermordet haben und uns beide mit der Gasbombe beglückten.“

Ein Blick traf mich da – – ein Blick, der töten konnte, töten sollte … Haß, Wut, Ohnmacht, – was lag alles in diesem Blick!!

Und dann schnellte der Bursche empor …

Geiferte mich an …

„Sie werden uns lernen kennen! Sie werden winseln vor Angst … Sie werden …“

Ich lachte schallend …

„Verehrtester, Sie sind ein kompletter Narr! Ihnen schlottern ja die Hosen vor Angst vor meinem Freunde, – – pardon, nicht die Hosen, denn Sie tragen ja Schwesterntracht! Mein Freund ist die unsichtbare Macht, vor der Sie und Ihre Genossen sich fürchten … Mein Freund wird erscheinen, wenn er es für nötig hält … Und Sie werden …“

Der Mann hatte sich wie ein gereizter Tiger zusammengeduckt …

Mit einem pfeifenden Wutröcheln fuhr er mir an die Kehle …

Ich war wehrlos … Konnte meine an die Bettkanten gefesselten Hände nicht benutzen …

Der Kerl preßte mir die Gurgel zusammen …

Die Augen quollen mir aus den Höhlen …

Und – – im Vertrauen auf die oft erprobte Härte meiner Billardkugel von Schädel, richtete ich mit einem Ruck auf, rammte den tollen Burschen, quetschte ihm die Nase breit.

[46] Mit einem heulenden Laut fuhr er zurück … gab meinen Hals frei … befühlte sein blutendes Riechorgan …

Geiferte von neuem:

„Das … das … Sie sollen büßen! Das wird Ihnen nicht vergessen!! Das …

Die Tür flog auf …

Zwei andere Leute in graubraunen Touristenanzügen, vor den Gesichtern Tücher mit Augenlöchern, traten ein …

Der mit der beschädigten Nase hatte sich umgewandt … Ich saß wieder aufrecht … Man packte mich … Löste die Hanfstricke … Trug mich wie ich war im Hemd davon … Durch einen langen Flur … Eine Treppe hinab … Noch eine … In die Keller des Schlosses … Ging nicht gerade zart mit mir um … Brutale Fäuste waren’s, die mich hielten … Brutale Kräfte schleuderten mich in ein dunkles Gelaß auf einen Haufen Holzwolle …

Krachend schlug die schwere Tür hinter mir zu …

Eisige Kühle hier unten … Und – – ich – – so notdürftig bekleidet … Hemd – nichts weiter … Nicht einmal ein langes Nachthemd … Nur das Oberhemd, daß ich gestern getragen, als die Schufte mich im Hotelzimmer betäubt hatten …

Ich richtete mich auf. Die Holzwolle knisterte … Die dumpfe, kalte Luft legte sich mir schwer auf die Brust …

Wenn man mich hier in diesem finsteren Loche auch nur zwei Stunden ohne Kleidung beließ, dann – – war ich geliefert …

Lungenentzündung – – das mindeste!! Man denke: aus dem warmen Bett hier in diesen Kerker!!

Ich verwünschte meine Keckheit … Ich hatte mich zu sehr auf Harald verlassen … Wenn er jetzt nicht eingriff, war ich verloren!

Und dann … dicht vor mir eine leise, brüchige Stimme.

„Herr, wer sind Sie?!“

Ah – – der alte Schloßvogt …! Ich erkannte die Stimme wieder … Es konnte nur der Schloßvogt sein …

[47] „Und wer sind Sie?“ fragte ich trotzdem zur Sicherheit.

„Aarborg, der Schloßvogt von Gülderhall …,“ erklärte mein Leidensgefährte … Und fügte hinzu: „Ich werde Ihnen eine Wolldecke zuwerfen … Man hat mich hier an die Wand gefesselt. Ich kann die Decke entbehren …“

„Herzlichen Dank …,“ – und gleich darauf hatte ich mich in die rauhe, dicke Hülle eingewickelt, kroch vorwärts, setzte mich neben den Alten … ebenfalls auf einen Haufen Holzwolle, wühlte mich recht tief hinein und flüsterte dann:

„Aarborg, die Dinge hier im Schlosse liegen jetzt so, daß Sie mir gegenüber völlig ehrlich sein müssen, genau wie ich dies tun will. Ich bin der Detektiv Schraut aus Berlin, der Freund Harsts. – Kennen Sie den Namen Harst?“

„Ja, Herr … Und – – Sie haben ganz recht, – ich darf Ihnen nichts verhehlen, gar nichts … Ich habe zwar dem Prinzen, meinem Herrn, Stillschweigen gelobt, aber …“

„Schon gut, Aarborg … Was wissen Sie von Harst?“

„Wir haben ihn hier im Schloßpark gestern überrascht … Die Herzogin Tragana rechnete damit, daß er ihr nachspüren würde. In aller Heimlichkeit wurde Herr Harst dann hier in dieses Kellergelaß gebracht. Nur mich weihte man ein. Wir zwangen Ihren Freund, andere Kleider anzulegen …“

„Weshalb?“

„Das weiß ich nicht, Herr … Der Prinz war’s, der Herrn Harst im Parke überwältigte … Der Prinz besitzt Bärenkräfte … Ich wurde nicht völlig eingeweiht, erhielt nur den Befehl, Ihren Freund hier drei Tage zu bewachen und gut zu verpflegen. Die übrige Dienerschaft wurde weggeschickt. Dann reisten die Herrschaften ab …“

„Wer?“

„Das prinzliche Ehepaar und der Herzog und die Herzogin, deren Gefolge gleichfalls schon vorher nach Oslo sich begeben hatte. Kaum war ich hier im Schlosse ein paar [48] Stunden allein, als ein Herr im Auto eintraf, angeblich Maler …“

„Das war ich …“

„Ich habe mir’s schon gedacht, Herr Schraut … Ich erkannte Sie hier an der Stimme wieder …“

„Und wo war Harst, als ich mit Ihnen vor der Schloßterrasse sprach?“

„Doch wohl in diesem Keller,“ erklärte der Alte zögernd. „Ich hatte ihn doch hier eingeschlossen, und ich kann …“

Er schwieg, räusperte sich, beendete den Satz nicht …

Wir sahen voneinander nichts. Nur unsere Ellenbogen berührten sich zuweilen, und unter uns raschelte die grobe Holzwolle …

Dann begann der alte Schloßvogt wieder recht nachdenklich und zögernd: „Wenn ich’s mir jetzt genauer überlege, Herr Schraut, dann …“

„Sprechen Sie leiser,“ warnte ich ihn …

„Ganz recht …, – dann muß Ihr Freund aus diesem Kellerraum hinausgelangt sein – – ohne fremde Hilfe …“ Die letzten Worte betonte Aarborg besonders … „Ohne fremde Hilfe, denn als die drei Fremden mich überfielen und hier einschlossen, weil dieses Gelaß die festeste Tür hat, war diese Tür von außen verriegelt und – – dennoch niemand mehr hier drinnen. Mithin …“

„… mithin hat Harst hier noch einen geheimen Ausgang gefunden,“ vollendete ich, da mir des alten Mannes bedächtige, langsame Sprechweise allmählich auf die Nerven fiel … „Und mithin, mein bester Aarborg, werde ich mich jetzt in diesem feuchtkalten Loche so ein wenig umsehen und versuchen, diesen Geheimausgang gleichfalls zu entdecken …“

Kaum hatte ich das letzte Wort vorsichtig flüsternd über die Lippen gebracht, als neben uns ein greller Lichtschein aufblitzte: der Leuchtkegel einer Taschenlaterne!

Und eine Stimme hohntriefend meckerte:

„Vielen Dank, Herr Schraut …! Nun wissen wir ja, wo Harst zu suchen ist! Nun werden wir ihn schon aufstöbern …! [49] So sehr groß ist Schloß Gülderhall nicht, und den geheimen Gang, der hier in diesen Raum führt, haben wir ja ebenfalls gefunden, und …“

Was der Kerl, der sich so schlau an uns herangepirscht hatte, noch weiter redete, beachtete ich nicht. Meine Gedanken wanderten in wilder Hast andere Pfade, – – Pfade ernstester Selbstvorwürfe. Im Verlauf einer halben Stunde hatte ich zwei ganz grobe Fehler gemacht: erstens die drei Burschen dazu gereizt, mich hier einzusperren, und dann jetzt Haralds Anwesenheit hier in Gülderhall verraten!

Selbstvorwürfe …! Und infolge dieser Selbstvorwürfe bei mir nun der Wunsch, diese Fehler wieder auszugleichen.

Ich glotzte in das grelle Licht …

Ich schätzte die Entfernung …

Und – schlug mit dem rechten Fuß dem Burschen blitzschnell die Taschenlampe aus der Hand, war ihm ebenso blitzschnell an der Kehle …

Ohne jede Rücksicht versetzte ich dem unter mir Liegenden einen Fauststoß in die Herzgrube …

Er rührte sich nicht mehr …

Drei Minuten – und er war mit des alten Aarborgs Hilfe an die Wand gefesselt …

Wir beide waren frei …

Der Lichtkegel der Taschenlampe zeigte uns an der einen Mauer eine niedere Öffnung, durch die ein Mann nur gebückt hindurchkonnte: die Geheimtür!

Der alte Vogt flüsterte:

„Ich bin nun doch bereits fünfzig Jahre hier auf Gülderhall … Aber ich habe nichts von dieser Tür gewußt, und bezweifle auch, ob mein Herr davon Kenntnis hat …“

Ich hüllte mich fester in meine wollene Decke … Ich hatte unserem Gefangenen einen Revolver und ein Dolchmesser aus der Tasche gezogen. Wir waren also nicht ohne Waffen …

„Gehen wir,“ meinte ich, um ein längeres Gerede des Alten über die Geheimtür von vornherein abzuschneiden …

[50] Ich bückte mich, zwängte mich durch das Mauerloch, ließ den Lichtkegel hin und her gleiten, stand wie versteinert …

Vor mir ein rundes Gewölbe … In der Mitte ein alter Richtblock, an den … ein Skelett ohne Kopf mit Ketten gefesselt war … Der Totenschädel lag neben dem Block, und an diesem lehnte ein verrostetes großes Richtbeil …

Der Greis umklammerte meinen Arm …

Ein Ächzen drang über seine Lippen …

„Herr Schraut … Herr Schraut …“

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten …

„Aber Aarborg,“ meinte ich energisch, „Sie werden sich doch nicht von einem Gerippe ins Bockhorn jagen lassen!“

„Herr Schraut,“ meinte der alte Mann, „was … was wir hier gefunden haben, das … das ist die Bestätigung einer Sage, die sich an dieses fünfhundert Jahre alte Schloß knüpft … Einer der Besitzer von Gülderhall, ein Graf Gülderhall, soll seine Gattin wegen Untreue eigenhändig enthauptet haben … Und … und vielleicht ist dies hier …“

„Wir haben jetzt Wichtigeres vor, Aarborg … Kommen Sie …“

Ich schritt weiter …

Hinter mir flüsterte der Greis:

„Rache – – Vergeltung …! Ein Dämon, stärker als alle Vernunft …“

Ich achtete nicht darauf …

Eine Treppe führte aus dem Gewölbe an die Rückwand eines eingemauerten Schrankes …

Dann standen wir im Flur des Erdgeschosses des Hauptflügels. Durch hohe Bogenfenster leuchtete die Sonne herein, warf bunte Kringel auf die Läufer und die hellen Steinfliesen …

Standen und lauschten …

„Sie werden dort im kleinen Speisesaal sein,“ raunte der Alte mir ins Ohr … „Ich mußte ihnen zeigen, wo der Champagner liegt … Da – – hören Sie, Herr Schraut, – – da knallte soeben ein Sektkork …“

[51] Ich spannte den Revolver …

Aarborg riß die Tür auf …

Wir starrten wie entgeistert auf das seltsame Bild …

Harald saß dort am Speisetisch … Hatte soeben drei Sektkelche gefüllt …

Drei …

Denn neben ihm … saßen die beiden Kerle mit den Masken vor den Gesichtern, die Genossen dessen, den wir vorhin überwältigt hatten …

Harald hatte aber in der Rechten seine Pistole … Und die beiden Kerle schienen sich so dicht vor dieser Pistolenmündung durchaus nicht wohl zu fühlen …

„Bitte – nähertreten!“ meinte Harst zu mir … „Ich spiele hier soeben den Gastgeber, mein Alter … Diese beiden Herren sollen mit mir auf das Wohl der Herzogin Angelina Tragana anstoßen …“

Ich kam mir vor wie ein altrömischer Tribun in meiner Wolldeckentoga …

Ich hatte aber volles Verständnis für die Komik der Situation …

Nur Aarborg rief ärgerlich:

„Herr Harst, – – den Schuften noch Sekt!!“

„Sekt mit einem Pulver, Herr Schloßvogt,“ meinte Harald sehr ernst … „Und das Pulver in den beiden Gläsern dort ist … Zyankali, Herr Schloßvogt … Und wenn diese beiden Herren nicht ehrlich beichten, werden sie den Sekt saufen müssen und … die Folgen tragen …!“

Komik der Situation?! – Nein, dies war keine Komik! Dies war bitterster Ernst …




[52]
3. Kapitel.
Lias Bild.

Dann Harst zu mir:

„Geh, zieh dich erst an, mein Alter … Die Sache hier hat Zeit … Es eilt nicht … Ob zwei Halunken fünf Minuten früher oder später auf das Wohl der Duchessa trinken, bleibt sich gleich …“

Aarborg begleitete mich, führte mich in das feudale Schlafzimmer, ließ mich dann allein …

Ich hatte gerade die Krawatte gebunden, stand in Hemdsärmeln vor dem Spiegel, als in meinem Rücken die Tür aufging und rasch ein langer, schlanker Herr im Sportanzug eintrat …

Drückte die Tür leise wieder zu …

Mit der Linken …

Mit der Rechten aber nahm er vom Kaminsims einen der großen, schweren Silberleuchter, schwang ihn wie eine Keule …

Sagte kalt: „Ich bin Prinz Oskar, Besitzer von Gülderhall … Wenn Sie auch nur den Mund zu dem geringsten [53] Laut auftun, Herr Schraut, so schlage ich Ihnen den Schädel ein …“

Seine Hoheit machte dazu ein Gesicht, als ob er mir die selbstverständlichste Sache von der Welt auseinandersetzen wollte …

Vor dem rechten Auge funkelte ihm ein Einglas ohne Fassung, und sein gebräuntes, hageres Antlitz zeigte Linien und Kerben, die einen eisenharten Charakter verrieten …

Ich … verbeugte mich …

„Hoheit haben von meiner Seite nichts zu fürchten …“ – Ich wußte kaum, was ich sprach, denn in meinem Hirn rumorte es förmlich …

Wie kam der Prinz so überraschend nach Gülderhall. War etwa die Reise nach Südamerika nur eitel Blendwerk gewesen? Hatte etwa Aarborg nur auf höheren Befehl gehandelt?! Und …

Da sagte Hoheit schon:

„Ich fürchte Sie ebenso wenig wie Ihren Freund, Herr Schraut … Sie werden mir ehrenwörtlich versprechen, dieses Zimmer vorläufig nicht zu verlassen …“

Was sollte ich tun?! Der schwere silberne Leuchter in dieser nervigen Hand war allzu überzeugend, daß hier jeder Widerstand zwecklos sei …

Ich verbeugte mich abermals …

„Wie Sie wünschen, Hoheit … Ich bleibe …“

Er ließ den Leuchter sinken, stellte ihn an seinen Platz zurück …

„Sehr verständig, Herr Schraut … Auf Wiedersehen …“

Er ging … Die Tür klappte … Ich war allein …

Warf mich in den Sessel, den die Krankenschwester innegehabt hatte, als ich angeblich im Fieber darniederlag …

Nette Besserung, diese Rückkehr der hohen Herrschaften!!

Ob diese altadlige Sippe etwa doch mit den drei Schuften im Bunde stand?!

Ich rieb mir die Stirn …

[54] Mein Verstandskasten war noch immer so etwas in Unordnung …

Sandgrube … Tote Liese … Ermordeter Schnack … Gasbombe … Lia Manara …

O – – das war ein Mischmasch, aus dem man sich immer schwerer herausfand. Wo war da Anfang und Ende?!

Alles Stirnreiben half nichts …

Ich beendete meine Toilette … Schade, daß ich hier kein Rasiermesser zur Hand hatte. Mein Stoppelbart störte mich … Ich wollte mich der Prinzessin und der Duchessa doch nicht gern mit diesem Bürstenkinn präsentieren …

Hm – – Rasiermesser …! Das gab’s hier nicht … Aber … da war ja das Bild Lia Manaras … Ob ich’s mir nicht mal näher anschaute? Vielleicht stand eine Widmung auf der Rückseite … Vielleicht fand ich durch diese Widmung eine Erklärung dafür, wie die Photographie der Filmdiva hier nach Nordland in dieses einsame uralte Schloß gelangt war …

Ich zog das Bild aus dem Rahmen …

Ja – es gibt Momente im Leben selbst des blindesten Huhns, die sozusagen Höhepunkte des Daseins vorstellen …

Hier … fand ich ein Korn – kein Körnlein …

Hier las ich auf der Rückseite des Bildes in seltsam energischer Frauenschrift in italienischer Sprache:

Rache – – über das Grab hinaus!!

Wie ein eisiger Odem schien es mir aus diesen Worten entgegenzuwehen …

Ich starrte auf diese Inschrift …

Das war keine Widmung … Niemals! Das war nicht Lia Manaras Schrift! Das konnte nur die Herzogin oder ihre Schwester, die Prinzessin, geschrieben haben …

Rache – – über das Grab hinaus!!

Weshalb – – weshalb Rache?! Was hatte die liebreizende Filmdiva begangen?! Denn – – nur ihr konnte ja diese entsetzliche Drohung gelten! Und – – wie mußte Lia Manara gehaßt werden, daß man sogar ihr Bild hier [55] im Schlafzimmer aufgestellt hatte – im Schlafgemach der Prinzessin, damit dieser Haß nie in Vergessenheit gerietet!

Was hatte Lia Manara diesen verwöhnten, auf den Höhen des Lebens von Jugend an sorgenlos dahinwandelnden Aristokraten angetan, was hatte sie, die doch aus bescheidensten Verhältnissen hervorgegangen, ihnen antun können?! Was war die Diva gegenüber einer Herzogin von Tragana, deren Gatte der reichste Mann Italiens sein sollte – – ein Nichts, eine Filmschauspielerin mit vergänglichem Ruhm … eine Tagesgröße, während das Geschlecht der Traganas und Prinz Oskars Familie Jahrhunderte überdauert hatte und noch weitere Jahrhunderte überdauern würde!

Rätsel – ungelöste Fragen!!

Und ich starre weiter auf die unheimliche Inschrift, bis eine Einzelheit der verflossenen Geschehnisse in meinem Gedächtnis wieder auflebt – eine Einzelheit, die auch Harald nicht beachtet zu haben schien: Lia Manaras Kind, der Knabe, der aus Saßnitz verschwunden war!

Ich beginne aufs neue zu grübeln …

Zwecklos – – Zwecklos …

Und schiebe das Bild in den Rahmen zurück, lasse mich in den Sessel fallen, presse die rechte Hand vor die Augen, wie es Harald zuweilen tut, wenn er sein Hirn zu allergrößter Kraftentfaltung anspornen will …

Wie lange ich so in eine Art Selbsthypnose dagesessen hatte, weiß ich nicht …

Mit einem Male legte sich mir eine Hand auf die Schulter …

Ich hatte das Öffnen und Schließen der Tür völlig überhört … Schrecke zusammen, blicke auf …

Harst steht vor mir …

Mit einem merkwürdig abwesenden Ausdruck im Gesicht.

„Der Prinz hat die drei laufen lassen,“ sagt er mit einer gewissen Müdigkeit in der Stimme … Setzt sich auf den Bettrand, läßt den Kopf tief herabhängen … Die Schlaffheit seiner Haltung wundert mich …

[56] „Laufen lassen …,“ wiederholte er … „Hat mir erklärt, es handele sich wohl nur um Gauner, die hier stehlen wollten … Ich solle ihm doch die Beweise dafür nennen, das die drei gemordet hätten … – den früheren Kapitän … – Beweise?! Woher?! – Ja, eine total verfahrene Geschichte, mein Alter … Total verpfuscht – von mir! Mein Gang hier nach Gülderhall war eine Dummheit. Ich hätte damit rechnen müssen, daß man mir auflauern würde …“ – Er schaut zerstreut im Zimmer umher … „Natürlich hat der Prinz sich bei mir entschuldigt, daß man mich verkannt und eingesperrt hatte … Redensarten!! Diesen Leuten ist nicht beizukommen, und …“

Sein Blick wird lebendiger … Sein Blick ruht auf Lia Manaras Photographie … Seine Züge, seine Gestalt straffen sich …

Und ich erkläre rasch: „Auf der Rückseite steht etwas geschrieben … Vielleicht …“

Er hat das Bild schon in der Hand, liest …

„Komm, mein Alter,“ sagt er mit jener abgeklärten Ruhe, die ihn nur so selten verläßt. „Komm, nun wollen wir den im Salon versammelten Herrschaften beweisen, daß wir doch nicht so ganz begriffsstutzig sind … Diese Inschrift hat mich den Weg zum Kern dieses widerspruchsvollen Problems finden[6] lassen …“

Ich taste mit unsicheren Blicken in seinem Antlitz … Verstehe nichts von alledem – nichts von dieser jähen Änderung seiner Gemütsverfassung …

Schreite hinter ihm drein … Die Marmortreppe empor … In den ersten Stock … Er klopft an eine der hohen Türen … Dann werde ich der Duchessa und der Prinzessin vorgestellt … Der Herzog Tragana ist nicht anwesend …

Harst wendet sich an die Duchessa, nachdem wir Platz genommen haben …

Beginnt …




[57]
4. Kapitel.
Pedro Saltar.

Beginnt … „Ich habe nur mit Ihnen zu verhandeln, Frau Herzogin. Ihre Frau Schwester und deren Gemahl, der Prinz, spielen hier nur Nebenrollen …“

Durch die Bogenfenster gleißt die Sonne herein … Beleuchtet unbarmherzig klar die Gesichter der drei Aristokraten … Der Prinz hat eine unwillige Handbewegung gemacht …

„Ich wüßte nicht, was es hier noch zu verhandeln gibt, Herr Harst,“ sagt er scharf und hochmütig. „Ich habe Ihnen und Ihrem Freunde ein … Schmerzensgeld von 50 000 Kronen angeboten … Sie haben abgelehnt und wollten Schloß Gülderhall verlassen … Ich …“

„Bestechungsgeld, Hoheit …,“ bemerkt Harst mit offener Ironie. „Nennen wir die Dinge doch beim rechten Namen … – Ich wiederhole: Ich verhandele nur mit der Herzogin … Denn – – ich weiß jetzt alles – – alles! Auch – – den Toten, den man aus dem Fjord zog, kenne ich …“

Die Herzogin verfärbt sich etwas …

Prinz Oskar trommelt nervös mit den langen, nervigen Fingern auf der Sessellehne … Seine Gattin starrt Harst hilflos an …

„Um auch meinem Freunde Schraut die Dinge klarzulegen,“ [58] fährt Harst fort, „muß ich etwas weiter ausholen … Sie, Frau Herzogin, und Ihre Frau Schwester stammten aus dem alten genuesischen Fürstengeschlecht der Verduzzis … Vor fünf Jahren heirateten Sie den Herzog Tragana, den letzten dieses Namens. Der Herzog war bedeutend älter wie Sie und war kurz vor Ihrer Verlobung mit ihm nach zweijährigem Aufenthalt aus Argentinien zurückgekehrt, wo er in weltfernen Gegenden Völkerstudien betrieben hatte. – Sie sehen, ich habe mich bereits in Berlin recht genau informiert… – Kennen Sie den Roman von Zobeltitz „Das Geschlecht der Schelme“?“

Merkwürdig: die Herzogin sinkt förmlich in sich zusammen … Die Blässe ihres Gesichts wirkt erschreckend …

Und Harst spricht weiter: „In dem erwähnten Roman nimmt ein Abenteurer den Namen eines in der afrikanischen Wildnis verstorbenen Grafen an … – Nun zu etwas anderem, zu Friedrich Schnack, dem einstigen Kapitän des Viermastschoners Hammonia, der an der Küste Schottlands unterging. Nur Schnack und ein ganz junger Matrose namens Pedro Saltar, ein Spanier, kamen mit dem Leben davon. Schnack hat mir und Schraut erzählt, daß er sich zunächst dieses Spaniers angenommen habe, daß der junge Mensch ihm aber das Gute nur mit Undank gelohnt habe, und später Hochstapler größten Stils geworden sei. Obwohl Schnack dies nur nebenbei vorbrachte, merkte ich doch, daß er den Spanier haßte …“

Die Herzogin hatte jetzt die Augen geschlossen … Prinz Oskar stierte vor sich hin. Seine Gattin hielt die Augen mit der Hand bedeckt … – Gewitterschwüle schien hier im Salon in der Luft zu liegen …

„Dieser Pedro Saltar wurde von mehreren Polizeibehörden gesucht,“ begann Harst nach kurzer Pause wieder. „Ich erinnerte mich vorhin im Schlafgemach unten beim Anblick des Bildes Lia Manaras, der Tochter Schnacks, daran, daß einst eine Notiz durch die Presse ging, der Hochstapler Saltar sei in den Pampas Argentiniens von Indianern ermordet [59] worden – – in Argentinien!! Jetzt aber weiß ich, daß Saltar seine Ähnlichkeit mit dem Herzog dazu benutzt hat, als Herzog Tragana in Italien aufzutreten und sich mit Ihnen, Frau Herzogin, zu verheiraten. Jahrelang ahnten Sie nichts von diesem Betrug. Dann müssen Zweifel in Ihnen aufgestiegen sein. Sie haben schließlich die volle Wahrheit geahnt, haben auch ermitteln lassen, daß … Pedro Saltar die jugendliche Tochter Schnacks verführt hatte und daß diesem Liebesverhältnis ein Kind entsprungen war. Sie vermuteten weiter, daß der alte Schnack und die Manara wüßten, wem Sie Ihre Hand zum Lebensbunde gereicht hatten: einem Betrüger! Und deshalb Ihr Haß gegen die Manara, deshalb auch der Einbruch bei der Filmdiva: Sie hofften dort Beweise zu finden, daß Pedro Saltar und nicht der wahre Herzog Tragana Ihr Gatte sei! Zum Schein stahlen Sie die Juwelen und das Bild des Kindes im Lederetui … Entäußerten sich dieser Dinge wieder in der Sandgrube – alles ohne Wissen Ihres verbrecherischen Gatten, der Sie trotzdem ständig beobachtet hat, der auch die Dynamitpatrone in der Lehmgrube anbrachte, der schließlich Friedrich Schnack ermordete, damit der Alte nichts verraten könnte … Und dann trafen Sie hier in Oslo ein – mit Ihrem Gatten … Hier im Schlosse muß es zu einem sehr erregten Auftritt gekommen sein. Ich nehme an, Prinz Oskar hat hier Pedro Saltar niedergeschlagen, getötet … Die unkenntliche Leiche wurde in meinen Kleidern in den Fjord geworfen – ein grober Fehler von Ihnen, Hoheit, der wohl nur auf Ihre Erregung über Saltars ungewollten Tod zurückzuführen ist.“

Der Prinz blickte auf, nickte … „Es hätte keinen Zweck mehr, Dinge abzuleugnen, die Sie richtig durchschaut haben, Herr Harst …“

„… Und die Sie, Hoheit, und die beiden Damen unrichtig eingeschätzt haben, – denn Schnack und seine Tochter ahnten nicht, daß Saltar sich selbst zum Herzog von Tragana erhoben hatte … Jetzt haben Sie Saltars drei Spießgesellen entweichen lassen, obwohl diese Lia Manaras Knaben irgendwo [60] verborgen halten, den der Spanier rauben ließ, damit er auf die Diva beständig einen Druck ausüben und sie zum Schweigen zwingen könnte …“

Der Prinz sprang auf … „Sie tun mir unrecht, Herr Harst … Ich weiß nichts von einer Entführung des Kindes. Ich wollte nur einen öffentlichen Skandal vermeiden und habe …“

Harald winkte ab …

„Davon später, Hoheit … Besitzen Sie einen gut dressierten Hund?“

„Sogar einen Schäferhund aus der deutschen Polizeidressuranstalt Grünheide … Wollen Sie etwa …“

„Bitte, überlassen Sie uns das Tier für kurze Zeit, Hoheit … Wir haben keine Minute zu versäumen …“




5. Kapitel.
Clement gegen Karabiner.

Zwei Uhr nachmittags …

Wir hatten den prächtigen Hund die Fährte der drei Genossen des toten Saltar aufnehmen lassen …

Wir waren bereits eine Stunde unterwegs, waren in ein bergiges, zerklüftetes Gelände gekommen, in eine ganz einsame, waldreiche Gegend …

Ein warmer Tag … Der Hund zerrte immer eifriger an der langen Lederleine …

Und dann plötzlich dicht vor uns im Geäst der Bäume unweit eines steilen Felsabhangs ein helles Etwas …

[61] Ein … halb zertrümmerter Eindecker!!

Da wußte ich, wer die Gasbombe nach uns geschleudert hatte: Saltars drei Genossen!

Da begann auch der Hund ganz leise und dumpf zu knurren …

„Vielleicht stecken sie in der Gondel des Flugzeugs,“ flüstert Harald … „Binde den Hund hier an … Leise!! Und dann hinauf auf die Bäume … und unsere Clement heraus!“

Wir kletterten …

Vermieden jedes Geräusch … Endlich hatten wir die linke Tragfläche des hier in dem Geäst gestrandeten Flugzeugs erreicht, wollten nun zur Gondel hinüberkriechen …

Wollten …

Ein blecherner Knall – – das Zischen einer Kugel dicht an meinem Ohr …

Harst feuert …

Da erst sehe ich uns gegenüber oben am Rande der Steilwand die drei Banditen – – Karabiner in den Händen …

Sehe unterhalb ihres Standplatzes im Felsen ein Loch – den Eingang zu einer Höhle offenbar …

Sehe dort einen blondlockigen Knaben in einem Matrosenanzug … Flehend streckt das Kind die Arme nach uns aus …

Sehe, daß einer der drei bereits nach vorn taumelt – – abstürzt … in der Tiefe der Schlucht verschwindet …

Abermals ein Geschoß unheimlich nahe an meinem Kopf vorüber …

Die Kerle dort oben schienen sich auf die größere Treffsicherheit ihrer Karabiner verlassen zu wollen …

Kennen Harst nicht …

Kennen nicht unsere erprobten Clementpistolen …

Der zweite schnellt hoch wie ein aufs Blatt getroffener Rehbock … Bricht zusammen …

Und – – den dritten legt meine Kugel um …

[62] Tiefe Stille nach dem raschen Peng-Peng der Schüsse … Nur ein aufgeregter Schwarm von Krähen kreist über uns, und des Knaben heiseres, weinerliches Stimmchen fleht um rasche Hilfe …

Wir hinab in die Schlucht, wo der eine Tote liegt …

Unschwer klimmen wir dann zum Höhleneingang empor … Der erschöpfte Knabe sinkt Harst aufschluchzend in die Arme … Armer, kleiner Kerl …!! Aber er beruhigt sich schnell … Wir besichtigen die kleine Grotte, in der die Verbrecher das Kind eingesperrt gehabt hatten … Sehen das Lager von Decken und Laub, sehen daneben die Reste von Zwieback auf einem Teller … Armer kleiner Bursche …!! Kein Wunder, daß er so blaß und matt …!

Dann – Rückmarsch nach Gülderhall, nachdem wir uns noch überzeugt haben, daß auch die beiden anderen oben am Schluchtrande für alle Zeit stumm sind …

Harst trägt den Knaben …

Ich führe den Hund … Und gegen fünf Uhr sind wir wieder im Schlosse …

Die Damen nehmen sich des Kindes an. Wir sitzen mit dem Prinzen in dessen Arbeitszimmer, jetzt gut Freund, erörtern alles nochmals bis ins einzelne …

Und dabei erklärt Hoheit mit stiller Bewunderung:

„So sind Sie doch wieder Sieger geblieben, lieber Herr Harst … Und – – wir die Unterlegenen! Denn nun wird die Welt alles erfahren, und ich werde vor der Polizei zu Protokoll geben müssen, wie dieser Hochstapler mich mit höhnenden Redensarten gereizt hat, bis ich … ihn mit der Kaminkrücke niederschlug … Alle Zeitungen werden diese Vorgänge breittreten und …“

„… Was sich nicht vermeiden läßt, Hoheit,“ warf Harald ein … „Unser Feuergefecht mit den drei Verbrechern ist nicht nur gehört, sondern auch von einem Forstbeamten aus einiger Entfernung beobachtet worden. Der Mann schlich uns nach …“

Ich machte hierzu ein recht verdutztes Gesicht …

[63] „… uns nach und dürfte jetzt schon nach Oslo telephoniert haben …“

In demselben Moment war draußen das näherkommende Geräusch eines Automotors zu vernehmen …

Der Prinz, der ein nicht gerade freudiges Gesicht machte (im stillen hatte er doch wohl gehofft, daß die ganze Geschichte totgeschwiegen werden könnte) trat rasch ans Fenster und schlug den Tüllvorhang zurück …

„Wohl Inspektor Larnöörg?“ fragte Harald …

„Drei Beamte,“ brummte Hoheit und setzte sich wieder, putzte sein Monokel, klemmte es wieder ein und meinte: „Dieser Lump von Saltar war diese ganzen Aufregungen wahrhaftig nicht wert! Nun werde ich wirklich alles haarklein berichten müssen, und ich … ich habe nun mal eine so ausgesprochene Abneigung gegen Polizei und Behörden …“

Harst, der eine frische Mirakulum am Stummel der alten angezündet hatte, blies drei wunderschöne Rauchringe und erwiderte dann: „Hoheit, Pedro Saltar[7], dieser ehemalige Matrose der Hammonia, mag ein großer Lump gewesen sein, aber – nebenbei war er auch ein Genie! Man soll gerecht sein! Fast fünf Jahre hat Saltar seine Gattin und alle Welt zu täuschen verstanden, hat die Rolle des vornehmen Herzogs von Tragana mit solcher Gewandtheit gespielt, daß der Held des von mir erwähnten Zobeltitzschen Romans dagegen ein Stümper ist … Gewiß – ein gewissenloser Betrüger war er, ein brutaler, vor nichts zurückschreckender Charakter. Aber auch andere Leute sind brutal, Hoheit, die mit einer Krone auf dem Haupte oder … im Windelzipfel geboren sind …“

Der Prinz verstand den Hieb … Errötete, kniff die Lippen zusammen …

Es klopfte … Der alte Schloßvogt meldete Inspektor Larnöörg. Dessen Gesicht war zum malen, als er Harald erblickte, den er bestimmt für tot gehalten hatte … – –

Hiermit ist meine Geschichte zu Ende … Den Leser [64] dürfte nur noch interessieren, daß Lia Manara (wie ja alle Zeitungen meldeten) sich vom Film zurückzog und sich fernerhin nur der Erziehung ihres Kindes widmete. Die Herzogin Angelina ist ihre beste Freundin geworden. Haß und Rache waren für alle Zeit begraben. – Was wir beide noch weiter als Gäste des Prinzen auf Schloß Gülderhall erlebten, schildere ich im nächsten Band, mit dem für uns abermals eine Reihe exotischer Abenteuer begann.




Nächster Band:

Die schwarzen Katzen.


[Zettelbeilage]
Für unsere Leser!

Vielen Wünschen aus unserem Leserkreise nachkommend, werden wir von der nächsten Nummer ab unseren allseitig beliebten Erzählungen „Der Detektiv“ eine andere Ausstattung geben. Mit Recht ist von unseren Freunden bemängelt worden, daß durch das Umschlagbild unsere Heftchen sehr leicht als sogenannte Schundliteratur angesehen werden können. Aus diesem Grunde erscheint „Der Detektiv“ von der nächsten Nummer ab in dunkelgrünem Umschlag und zweifarbigem Titeldruck.

Wir bitten unsere Leser und Freunde unseren weiteren Ausgaben treu zu bleiben und dieselben in Bekanntenkreisen zu empfehlen.[WS 2]

Der Verlag.


Korrigierte Druckfehler der Vorlage (Wikisource)

  1. Vorlage: Hammollia
  2. Vorlage: Zetimeter
  3. Vorlage: Verdachtsgrud
  4. Vorlage: Interpunktion unleserlich
  5. Vorlage: stimte
  6. Vorlage: fin- (Wort unvollständig)
  7. Vorlage: Salter

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Hier erfolgt entweder ein beabsichtigter Ortswechsel nach Norwegen, oder die dreimalige Erwähnung von Schweden ist falsch. In der Vorlage wurde handschriftlich einmal Schweden in Klammern gesetzt (Seite 28) und einmal Norwegen darüber geschrieben.
  2. Der ursprünglich grüne Zettel war ein Beilage zu Band 182. Er wurde auf das Titelbatt aufgeklebt, welches bereits mit „Harald Harst – Aus meinem Leben“ anstelle von „Der Detektiv“ bedruckt ist. Der Umschlag und die rückseitige Verlagswerbung sind jedoch noch mit „Der Detektiv“ bezeichnet.