Pater Noster und Ave Maria in deutschen Übersetzungen

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Autor: Joseph Kehrein
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Titel: Pater Noster und Ave Maria in deutschen Übersetzungen
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag für Kunst und Wissenschaft (G. Hamacher)
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Erscheinungsort: Frankfurt a/M.
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Text

Titelblatt

[I]
Pater Noster und Ave Maria
in deutschen Uebersetzungen.




[III]
Pater Noster und Ave Maria
in
deutschen Uebersetzungen




Nebst einem Anhange:
Die altdeutschen Namen
Gottes und Marias.


Von
JOSEPH KEHREIN,
Director des herz. nass. Lehrerseminars zu Montabaur, Ritter des
päpstl. St. Gregoriusordens und Mitglied mehrerer gelehrten
Gesellschaften.




Frankfurt a/M. 1865.
Verlag für Kunst und Wissenschaft.
(G. Hamacher.)


Vorwort

[V]
Vorwort.

Nur einige Sätze mögen vorliegendes Büchlein bei dem wohlwollenden Leser einführen. Der Titel gibt den gewiss jeden katholischen Christen ansprechenden Inhalt an. Das „Gebet des Herrn“ birgt (wie Kraft im Kirchenlexikon mit Recht sagt) einen Schatz der erhabensten Wahrheiten in sich; es zeigt uns das Verhältniss, in dem wir zu Gott stehen, zeigt uns den Weg, der zu Gott führt und gibt uns die Güter an, um die wir bitten sollen. In formeller Hinsicht zeichnet es sich ebenso durch seine Kürze wie durch die logische Aufeinanderfolge der einzelnen Bitten aus. Dieses Gebet ist frühe ins Deutsche übersetzt worden und hat von den Zeiten der Kirchenväter an bis heute vielfache Bearbeitungen gefunden.

[VI] Das Ave Maria, der „englische Gruss“, ist, weil nicht in die Liturgie der heil. Messe aufgenommen, nicht so früh übersetzt worden als das Vaterunser, hat aber auch viele wahrhaft fromme Männer zu tiefsinnigen, begeisterten und begeisternden Auslegungen veranlasst.

Beide Gebete gebe ich in einer Reihe deutscher Uebersetzungen und verschiedener Erklärungen, von denen nur die wenigsten bisher gedruckt waren. – Uebergehen musste ich aus leicht begreiflichen Gründen: Heinrichs von Krolewiz ûz Mîssen Vater unser, herausgegeben von G. Chr. Fr. Lisch, Quedlinburg und Leipzig 1839, Originalgedicht in 4889 Versen, wahrscheinlich aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.

Der Anhang (S. 79 f.) ist nicht allein sprachlich, sondern auch sachlich von hoher Bedeutung. Eine Zeit, in welcher man für Gott und die Gottesmutter eine solche Fülle lebendiger und bezeichnender Namen hatte, muss in Wahrheit eine fromme Zeit gewesen sein. Das lebendigste Zeugniss für den Geist eines Volkes ist ja seine Sprache.

[VII] Der Text ist genau nach den Handschriften, nur einige Abkürzungen sind aufgelöst, wie an Ort und Stelle näher angegeben ist. Die sprachlichen Erklärungen mussten sich auf das Nothwendigste beschränken. Bei den Uebersetzungen aus dem 14.–15. Jahrhundert ist der Kürze wegen auf Gram., d. h. meine „Grammatik der deutschen Sprache des 15.–17. Jahrhunderts, Leipzig, Verlag von Otto Wigand, 1854-56, 3 Bde. 8.“, verwiesen, wo die betr. Spracherscheinungen erklärt und meist mit zahlreichen Beispielen belegt sind.

Schliesslich spreche ich meinen aufrichtigen Dank für freundliche Unterstützung aus den Herren Titt.-Bibliothekar Beck in Gotha, Archivrath A. Bube in Gotha, Dr. med. E. Busch in Ems, Professor W. Christ in München, Bibliothekar und Professor Dr. Halm in München, Bibliotheksamanuensis Hartl in Wien, Bibliothekar Külb in Mainz, Bibliothekar Laven in Trier, Pfarrer Hasak zu Weisskirchlitz in Böhmen und Pfarrer Nick zu Enkirch an der Mosel.

     Montabaur, 30. Aug. 1865.

J. Kehrein.

Pater Noster

[1]
Pater Noster.




[3]
Das Vater unser.


Man versteht unter dem „Vaterunser“ jenes Gebet, welches den Herrn selbst zum Urheber hat und deshalb auch „Gebet des Herrn“ (oratio dominica) genannt wird. Es steht bei Matthäus 6, 9 flg. und etwas unvollständiger bei Lukas 11, 2 flg. In einigen griechischen Handschriften des Matthäus (nicht in den ältesten, auch nicht bei den Kirchenvätern) steht noch ein Schlußvers, der wahrscheinlich aus der Offenbarung 7, 12 genommen ist.

Nach dem Vorgange des heil. Augustinus unterscheidet man in dem Vaterunser eine Anrede und sieben Bitten. Dieses Gebet wurde frühzeitig in die Liturgie der heil. Messe aufgenommen und auch den Katechumenen am Schlusse des Katechumenates übergeben.




I. Griechisch

Πάτερ ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἁγιασθήτω το ὄνομά σου· ἐλθέτω ἡ βασιλεία σου, γενηθήτω τὸ θέλημά σου ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς· Τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ὑμῖν σήμερον· Καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν, ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφἰεμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν. Καὶ μὴ εἰςενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμὸν, ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ. – ῝Οτι σοῦ [4] ἐστιν ἡ βασιλεία καὶ ἡ δύναμις καὶ ἡ δόξα εἰς τοὺς αἰῶνας. Άμήν.




II. Lateinisch.

Pater noster qui es in coelis, sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum, fiat voluntas tua sicut in coelo et in terra. Panem nostrum quotidianum da nobis hodie. Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. Et ne nos inducas in tentationem, sed libera nos a malo. Amen.




III. Aus der gothischen Bibelübersetzung
des Bischof Ulfilas, geb. um 318, gest. um Neujahr 381.

(für das Lesen ist zu bemerken, daß ï = i, ái = ai, aí = kurzes e, áu = au, aú = kurzes o gelesen wird.)

Atta[1] unsar[2] thu ïn himinam[3], veihnái[4] namô thein, qvimái[5] thiudinassus[6] theins, vaírthái[7] vilja theins svê[8] ïn himina jah ana aírthái. hláif[9] unsarana [5] thana[10] sinteinan[11] gif uns himma[12] daga. jah aflêt[13] uns thatei[14] skulans[15] sijáima[16] svasvê[17] jah veis aflêtam tháim skulam unsaráim. jah ni briggáis[18] uns ïn fráistubnjái[19], ak[20] láusái[21] uns af[22] thamma ubilin. – untê[23] theina ïst thiudangardi jah mahts jah vulthus[24] ïn áivins.[25] amên.




Vater unser, du in (den) Himmeln (bist), geweihet werde (der) Name dein, komme (die) Herrschaft dein, werde (der) Wille dein, wie in (dem) Himmel, (so) auch an (der) Erde. Brot unser das fortwährende gib uns (an) diesem Tage, und erlaß uns, daß Schuldige (wir) seien, sowie auch wir erlassen den Schuldnern unsern. [6] Und nicht bringe uns in Versuchung, sondern löse uns ab (von) den Uebeln. – Denn dein ist (das) Herrscherhaus und (die) Macht und (die) Herrlichkeit in Ewigkeiten. Amen.




IV. Aus dem 8. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift zu St. Gallen cod. misc. Nr. 911 bei Hattemer (Denkmale des Mittelalters, St. Gallen 1844 flg.) I. 324, bei Maßmann (Deutsche Abschwörungs-, Glaubens-, Beicht- und Betformeln vom 8.–12. Jahrh., Quedlinburg und Leipzig 1830) Nr. 48, zuerst bei Freher 1609, dann in Eccards Catechesis theodisca S. 189, bei G. von Arx (Geschichte des Kantons St. Gallen 1830) I, 203.

Fater[26] unseer thu pist inhimile[27] uuihi[28] namun dinan qhueme[29] rihhi[30] din uuerde uuillo diin[31] so inhimile soso[32] inerdu[33] prooth[34] unseer emezhic[35] kipuns[36] hiutu oblaz[37] uns sculdi unseero souuir [7] oblazem[38] uns[39] sculdikem[40] enti[41] ni unsih firleiti[42] inkhorunka[43] uzzerlosi unsih fona ubile.




V. Aus dem 9. Jahrhundert.

Aus Tatians Evangelienharmonie, Ausgabe von J. A. Schmeller, Stuttgart und Tübingen 1827. N. verb. Ausg. Wien 1841. Maßmann Nr. 51, St. Gallener Handschrift.

Fater unser, thû[44] thar[45] bist in himile, sî giheilagot[46] thîn namo. Queme thîn rîhhi, sî thîn uuillo, sô her[47] in himile ist, sô sî her in erda.[48] Unser brot[49] tagalîhhaz gib uns hiutu. Inti furlâz uns unsara sculdî sô uuir furlâzames[50] unsaron [8] sculdigon. Inti ni gileites[51] unsih in costunga[52], ûzouh[53] arlôsi[54] unsih fon[55] ubile.




VI. Aus dem 8.–9. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift zu Wolfenbüttel cod. theol. 27 aus Weißenburg, bei Maßmann Nr. 45.

Fater unser thu in himilom[56] bist. giuuihit[57] si namo thin. quaeme[58] richi thin. uuerdhe[59] uuillo thin sama[60] so in himile endi[61] in erthu. Broot unseraz emezzigaz[62] gib uns hiutu. endi farlaz[63] uns sculdhi unsero sama so uuir farlazzem scolom[64] [9] unserêm. endi ni gileidi[65] unsih in costunga[66] auh[67] irlosi[68] unsih fona[69] ubile.




VII. Aus dem 8.–9. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift zu Wolfenbüttel, cod. theol. 27. Bl. 149b–150b, bei Maßmann Nr. 55. Dieses Vaterunser folgt unmittelbar auf das unter Nr. 45 bei Maßmann (oben Nr. 5) stehende unerklärte.

Fater unser thu in himilom bist. giuuihit si namo thin. Gotes namo ist simbles[70] giuuihit auh thanne[71] uuir thiz quedhem[72]. thanne bittem uuir. thaz sin namo. in uns mannom[73] uuerdhe giuuihit thuruh guodin uuerc. Quaeme[74] richi thin. Richi gotes ist simbles. endi eo gihuuar[75]. thes bittem uuir thoh. thanne uuir thiz quedem. thaz gotes richi si in uns. endi thes diufles giuualt uuerdhe arfirrit[76] fona uns. Uuerdhe uuillo thin sama so in himile endi in erthu. Thes sculum uuir got simbles bitten. [10] thaz sin uuilleo uuerdhe samalih[77] in erdhu in mannom. so so her[78] ist in himile in engilom. cithiu[79] thaz man in erthu sinan uuilleon giuuurchen megin. sama so engila in himile magun. Broot unseraz emezigaz[80] gib uns hiutu. Allo mannes[81] thurftj sintun[82] in themo brotes namen gameinito. thero er ci thesemo antuuerden libe bitharf. bi thiu scal man dago gihuueliches[83] thiz gibet singan. so huuer so[84] uuilj thaz imo got gidago sinero thurfteo helphe. Indi farlaz uns sculdhi unsero sama so uuir farlazzem scolom unserem. So huuer so thiz quidhit. so bitharf thaz er so duo. so her quithit. huuanda[85] her fluochot imo mer thanne her imo guodes bitte. ibi her so ni duat so her quidhit. huuanda so huuer so andhremo arbolgan[86] ist endi thiz gibet thanne singit. ther bidit imo selbemo thanne ubiles. Indi ni gileiti unsih in costunga.[87] Ni lejtit got eomannan in ubilo thohhejnaz[88] uzzar[89] thanne her [11] then man farlazzit so ist her sar[90] in costungom. thaz meinit thaz uuort. thaz her unsih ni farlazze. cithiu thaz uuir in ubil gilejtte ni uuerdhen. Auh arlosi unsih fona[91] ubile. In thesemo uuorde ist bifangan allero ubilo gihuuelih. thero manne giterian[92] megi. bithiu so huuer so thiz gibet hlutru muatu singit gilouban scal thaz inan got thanne gihorie. huuanda her ni bitjt thar ana ellies[93] eo uuihtes. nibu[94] thes got selbo giboot ci bittenne. indi thar sintun thoh allomannes thurftj anabifangano.




Vater unser, du in (den) Himmeln bist, geweihet sei (der) Name dein. Gottes Name ist immer geweihet, auch dann wir dies sagen, dann bitten wir, daß sein Name in uns Menschen werde geweihet durch gute Werke. Komme (das) Reich dein. (Das) Reich Gottes ist immer und je wahr. Des(halb) bitten wir doch, denn wir dies sagen, daß Gottes Reich sei in uns, und des Teufels Gewalt werde entfernt von uns. (Es) werde (der) Wille dein gleichwie in (dem) Himmel und in (auf der) Erde. Des(halb) sollen wir Gott immer bitten, daß sein Wille werde gleich in (auf der) Erde in (den) Menschen, so (wie) er ist in (dem) Himmel in (den) Engeln, zudem daß [12] man in (auf der) Erde seinen Willen wirken möge, sowie (die) Engel in (dem) Himmel mögen. Brot unseres beständiges gib uns heute. Alle Menschenbedürfnisse sind in dem Brotesnamen gemeint, deren er (der Mensch) zu diesem gegenwärtigen Leibe bedarf. Bei dem soll man (der) Tage jeglichen dies Gebet singen, wer will, daß ihm Gott (der) Tage seiner Bedürfnisse helfe. Und verlaß (erlaß) uns Schulden unsere so wie wir ver-(er-)lassen Schuldnern unsern. Wer so dies sagt, so bedarf (er), daß er so thue, so (wie) er sagt. Denn er flucht ihm (sich) mehr dann (als) er ihm (sich) Gutes bitte, ob (wenn) er so nicht thut, so (wie) er sagt. Denn wer so (einem) Andern erzürnt ist und dies Gebet dann singt, der bittet ihm (sich) selbst dann Uebeles. Und nicht geleite (führe) uns in Versuchung. Nicht leitet Gott Jemanden in irgend ein Uebel, außer denn (aber wenn) er den Menschen verläßt, so ist er alsbald in Versuchungen. Das meinet (bedeutet) das Wort, daß er uns nicht verlasse, zu dem daß wir in Uebel geleitet nicht werden. Auch (sondern) erlöse uns von (dem) Uebel. In diesem Wort ist befangen (enthalten) aller Uebel jegliches, das einem Menschen schaden mag. Bei dem so wer so dies Gebet mit lauterem Muthe (Sinn) singet, glauben soll er, daß ihn Gott dann erhöre. Denn er nicht bittet darin irgend etwas Anderes, als was Gott selbst gebot zu bitten. Und darin sind doch alle Menschenbedürfnisse befangen (enthalten).




[13]
VIII. Aus dem 8.–9. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift zu München, cod. Frising. Cimel. III, 4 n. Bl. 70 b, bei Maßmann Nr. 58, bei Wackernagel I, 53 aus Docens Miscell. II, 288f., bei Pischon I, 10f., in meinen Proben der deutschen Poesie und Prosa. 2. A. 1851. I, 9f.

Pater noster qui es in celis. Fater unser du pist in himilum. mihhil[95] gotlich[96] ist daz der man den almahtigun truhtin[97] sinan fater uuesan[98] quidit[99] karisit[100] denne daz allero manno uuelih[101] sih selpan des uuirdican gote[102] cotes sunt[103] zeuuesan. Sanctificetur nomen tuum. kauuisit[104] si namo din. Nist[105] uns des duruft, daz uuir des dikkem[106] daz der sin namo kauuihit uuerda, der eo uuas uuih enti eo ist. uzzan[107] des dikkames daz der sin namo in uns kauuihit uuerda. endi de[108] uuihnassi de uuir in deru taufi fona imo intfengun daz uuir zie[109] [14] demu suonotakin[110] furi inan kahaltana pringan muozin. Adveniat regnum tuum. piqheme[111] rihhi din. sin richi uuas eo enti eo ist. uzzan des dikkames, daz daz sin richi uns piqhueme. enti er in uns richsoia[112] nalles[113] der tiuual. enti sin uuilo in uns uualte nalles des tiuuales kaspanst.[114] Fiat voluntas tua sicut in celo et in terra. uuesa din willo sama so in himile est[115] sama in erdu. daz nu so unpilipono[116] enti so erlicho soso de engila in demu himile dinan uuillun arfullant. des mezzes[117] uuir inan arfullan muozzin.[118] Panem nostrum cotidianum da nobis hodie. pilipi[119] unsraz emizzigaz[120] kip uns eogauuanna.[121] In desem uuortum sint allo unsro licmiscun[122] durufti pifankan. Nu auar euuigo forkip[123] uns truhtin den dinan lichamun enti din pluot daz uuir fona demu altare intfahames daz iz uns za euuigera heili enti za [15] euuikemo lipe[124] piqhueme nalles za uuizze.[125] enti din anst[126] enti dino minna in uns follicho kahalt. Et dimitte nobis debita nostra sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. enti flaz[127] uns unsro sculdi sama so uuir flazzames unsrem[128] scolom. makannotduruft allero manno uuelihhemo sih selpan desem uuortum za pidenchennae daz allero manno uuelih sinemu kanoz enti sinemu proder er allemu hugiu[129] enti hercin sino missitati flazze. daz imu der truhtin samo deo sino flazze.[130] danna er[131] demu sinemu kanozze flazzan[132] ni uuili danna er qhuidit flaz uns sama so uuir flazzames. Et ne nos inducas in temptationem. enti princ unsih inin[133] chorunka. ni flazz unsic truhtin den tiuual so fram gegachoron[134] soso sin[135] uuillo si. uzzan soso uuir mit dinera anst enti mit dinem ganadin ubaruuehan mekin. Sed libera nos a malo. uzzan [16] kaneri[136] unsih fona allem sunton kalitanem[137] enti antuuartem enti cumftichem. amen.




Vater unser, du bist in (den) Himmeln. Sehr herrlich ist, daß der Mann (Mensch) den allmächtigen Herrn seinen Vater wesen (sein) saget. Es geziemet denn (daher, also), daß aller Männer (Menschen) jeglicher sich selben (selbst) würdigen (würdig) thue (mache), Gottes Sohn zu wesen (sein). Geweihet (geheiliget) sei (der) Name dein. Nicht ist uns deß Durst (Bedürfniß), daß wir deß (darum) bitten, daß der sein Name geweihet (geheiliget) werde, der je (immer) war heilig und je (immer) ist: sondern deß bitten, daß der sein Name in uns geweihet (geheiliget) werde, und die Weihniß (Heiligung), die wir in der Taufe von ihm empfiengen, daß wir (die) zu (an) dem Sühntage vor ihn gehaltene (erhaltene, unversehrt) bringen müssen (mögen). Zukomme (das) Reich dein. Sein Reich war je (immer) und je (immer) ist: aber deß (darum) bitten (wir), daß das sein Reich uns zukomme, und er in uns herrsche, und nicht der Teufel und sein Wille in uns walte, nicht des Teufels Verlockung. Wese (es sei, geschehe) dein Wille, gleich wie (er) in (dem) Himmel ist (geschieht), so auf Erde. Daß nun so unaufhörlich und so ehrlich (ehrerbietig) wie die Engel in dem Himmel deinen Willen erfüllen, des Maßes (ebenso, wie) wir ihn erfüllen müssen (mögen). Brot unser beständiges [17] gib uns immer. In diesen Worten sind alle unsere leiblichen Bedürfnisse befangen (enthalten). Nun aber ewig (allezeit) vergib (gib, verleihe) uns, Herr, den deinen Leib und dein Blut, das wir von dem Altar empfangen, daß es uns zu ewigem Heile und zu ewigem Leben bekomme (gereiche), und nicht alles (ganz) zu Strafe, und deine Gunst und deine Minne (Liebe) in uns völlig erhalte (bewahre). Und erlaß (vergib) uns unsre Schulden, so wie wir erlassen (vergeben) unsern Schuldnern. Höchst nöthiges Bedürfniß (ist) aller Männer (Menschen) jeglichem, (in, bei) sich selben (selbst) diesen Worten nachzudenken, daß aller Männer (Menschen) jeglicher seinem Genossen und seinem Bruder (er) mit allem (ganzem) Sinne und Herzen seine Missethaten erlasse (vergebe); dann (wenn) *** er dem seinen Genossen erlassen (vergeben) nicht will, (ergänze: so lügt er), denn (wenn) er sagt: „Erlaß (vergib) uns so wie wir erlassen (vergeben)“. Und (nicht) bringe uns in Versuchung. Nicht laß uns, Herr, den Teufel so weit versuchen, als sein Wille sei (sein mag), sondern als wir mit deiner Gunst und mit deinen Gnaden überwinden mögen. Sondern mache genesen (befreie, erlöse) uns von allen Sünden, gelittenen (vergangenen), gegenwärtigen und künftigen.

Amen.




[18]
IX. Aus dem 9. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift zu München, cod. Emmeram. F. XIII. membr. 4 aus St. Emmeram in Regensburg, bei Maßmann Nr. 59, in Docens Denkm. der althochd. Literatur etc. München 1825, daraus bei Pischon I., 10. Der Erklärung liegt dasselbe latein. Original zum Grunde wie Nr. 8, aber nicht dieselbe deutsche Übersetzung.

Pater noster qui es in celis. Fater unser der ist in himilom. mihil guotlifhi ist daz daz der man den almahtigun truhtin sinan fater uuesan quidit. Sanctificetur nomen tuum. kaeuuihit uuerde din namo. nist uns des durft daz uuir des pittem daz sin namo kaeuuihit uuerde. uzzan daz uuir des dickem daz er in uns kaeuuihit uuerde. daz uuir de uuinessi kaehaltem de uuir dar fona imo in deru touffi infiengun. daz uuir die kaehaltana in demo sonategin furi inan pringan muozzin. Adveniat regnum tuum. piqueme rihi din. sin rihi eino[138] uuas eo. uzzan uuir sculum des pitten den almahtigun truhtin daz er in uns rihiso nalles des tiuules kaespanst. Fiat voluntas tua sicut in celo et in terra. uuesse uuillo din sama ist in himile enti in erdu. daz so unscripulo[139] enti so uuerdliho[140] so de dine engila de den dinan uuillun in himile aeruullent. daz uuir inan des mezzes in erdu aeruullen muozzin. Panem nostrum cotidianum da nobis [19] hodie. pilipi unsaraz kip uns emizizaz.[141] des sculu uuir pitten den halmahtigun[142] truhtin den sinan lihamun enti daz sin pluot daz uuir dar fona demo altare infahemes daz in[143] uns mera[144] ze euuigeru heli piqueme denne ze uuizze. Et dimitte nobis debita nostra sicut et nos dimittibus debitoribus nostris. enti ulaz uns unsero sculdi sama so uuir flazzemes unserem scolom. ullero manno liih[145] scal sih pidenchen in desem uuortom. daz allero manno uuelih sinemo pruoder enti sinemo gnoz sino sculdi flazze. daz uns der halmahtigo truhtin deo unsero flazze. so uuer[146] sinemo gnoz sino[147] ulazzit. denne pittit er. daz imo der truhtin deo sino[148] ulazze. denne quidit. flaz mir sama so ih andermo flazzu. Et ne nos inducas in temptationem sed libera nos a malo. enti ni uerleiti unsih in die chorunga. uzzan erlosi[149] unsih fona allem suntom. des sculu uuir den truhtin pitten. daz unsih ni ulazze den tiuual so uram[150] kaechoron. daz siner upiler uuillo ist. uzzan so uilu so uuir mit dinem ensti upaerquemen[151] megin.




[20]
X. Aus dem 11. Jahrhundert.

Aus einer Wiener Handschrift, cod. ambras. vindob. D. I., 36, bei Maßmann Nr. 46.

Uater unsir du in himile bist. Din namo uuerde geheiligot. Din riche chome. Din uuille giskehe in erda. also in himile. Unsir tegelichiz prot gib uns hiuto.[152] Vnde unsere sculde belaz[153] uns. also ouh uuir firlazen unseren scolaren.[154] Vnde in dia chorunga[155] neleitist du unsih. Suntir[156] irlose unsih fon demo ubile.




XI. Aus dem 11. Jahrhundert.

Aus Notkers († 1022) Psalmenübersetzung in St. Gallen, bei Maßmann Nr. 47.

Fater unser du in himile bist. Din namo uuerde geheiligot. Din riche chome. Din wille geskehe in erdo.[157] also in himile. Unser tagolicha[158] brot kib uns hiuto.[159] Unde unsere sculde belaz[160] uns. also [21] ouh uuir belazend[161] unsern sculdigen. Und in chorunga[162] ni leitest du unsih. Nu[163] belose[164] unsih fone ubile.




XII. Aus dem 11.–12. Jahrhundert.

Aus einer Münchener Handschrift, cod. Monacens. Indersdorf. Nr. 237. 4. Bl. 45a, bei Maßmann Nr. 56. Diese und die nachfolgende Nr. 13 führen unbestreitbar auf dasselbe Original zurück, und zwar nicht bloß auf denselben lateinischen Grundtext, sondern auch auf eine und dieselbe deutsche Uebersetzung.

Pater noster qui es in coelis. Fater unser du der in himele bist. O homo skine[165] an guoten werchên. daz du sin sun sîst. so heizzistu[166] in mit rehte uater. Habe fraternam caritatem. diu tuot dich wesen[167] sinen sun. Sanctificetur nomen tuum. Din namo werde geheiligot. Wer sol in geheiligon? Nê[168] ist er heilig. Wir bitten aber daz er in unseren herzon geheiligot werde. so daz uvir in colendo geheiligoen.[169] Adveniat regnum [22] tuum. Din riche chome. daz euvige. dara alle guote zuo dingen.[170] da wir dich gesehen suln. unde angelis geliche wordene.[171] lib ane tot[172] haben suln. Fiat voluntas tua sicut in coelo et in terra. Din wille geskehe in erdo[173] uone mannesken.[174] also in himele vone angelis. Panem nostrum quotidianum da nobis hodie. vnser tagelich brôt kib uns hiuto.[175] gib uns dine lêra. tero unser sela gelabot werde.[176] wanda[177] dero bedarf si tagelichen. also der lichamo bedarf brotes. Et dimitte nobis debita nostra sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. Vnde unser sculde belaz uns. alsouch wir belazzen unseren sculdigen. Dise gedingun uerneme mannegelich.[178] unde si garo zeuergebenne daz luzzela.[179] also er welle daz imo uergeben werda daz michele.[180] Et ne nos inducas in tentationem. Vnde in chorunge[181] [23] neleitest tu unsich. daz chit.[182] nelazzest[183] tu unser bechorot[184] werden nach unseren sunton. den du ne beskirmest.[185] den wirfet tentatio nider. ter wirt zehuohe[186] sinen fianden.[187] Sed libera nos a malo. Nube[188] lose unsich fone ubele. lose unsich uone des tivueles chorunge.[189] unde uone sinemo gewalte.[190] daz sie uns fone dir geskeiden ne mugin.[191] Siben beta[192] churze sint tise. an in wirt toh funden al daz tes uns turft ist.[193]




XIII. Aus dem 11.–12. Jahrhundert.

Aus einer Wiener Handschrift, cod. Vindobon. 123, früher Ambraser-Handschrift 22, S. 226b, zuerst gedruckt in Lambecc. Bibl. Caesar II. 5 als otfridisch, darnach bei Eccard. Franc. orient. II. 930 und Cateches. theod. S. 81, 51 als keronisch-notkerisch, verbessert in Graffs Diutiska III, 135, bei Maßmann Nr. 57. S. die vorhergehende Nr. 12.

Pater noster qui es in coelis. (V)ater unsir [24] du in himele bist. uuolne[194] du mennisco skeine ana guoten uuerchen daz du sin sun sist. so heizist du in mit rehte uater. habe die minna diu tuot dih uuesen sinen sun. Sanctificetur nomen tuum. Sin[195] namo uuerde geheiligot. uuer sol in geheiligon nu ist er heilic. uuir biten auir daz er in unseren herzen geheiligit uuerde. so daz uuir in uobende[196] giheiligen. Adveniat regnum tuum. Din riche chome. daz euuige dara alla guote zuo dingent. da uuir dih gisehen sculen unde den engilen giliche uuortine lib ane tot haben sculen. Fiat voluntas tua sicut in coelo et in terra. Din uuille giskehe in erdo fone mennisgen also in himile fone den engilen. Panem nostrum quotidianum da nobis hodie. Vnser tagelichiz prot gib uns hiuto. gib uns lera dera unsere sela gilabit uuerden. uuanda dera bidarf si tagelichis also der lichinamo bedarf brotis. Et dimitte nobis debita nostra sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. Vnde unsere sculde belaz uns also ouh firlazen unseren scolaren.[197] Disen gadingen firneme manniclih. unde si garo cefirgebenne daz luzzilla. also er uuelle daz imo firgeben uuerde daz michila. Et ne nos inducas in tentationem. Vnde in dia chorunga neleitist du unsih. daz chuit ne laz unsir gichorit uuerden nah unseren sunden. den du neskirmist den uuirfit die chorunga [25] nidir. der uuird cehuohe sinen fianden. Sed libera nos a malo. Suntir irlose unsih fone demo ubile. lose unsih fone des tiufilis chorungen unde fone sinemo giuualte. Siben bete churci sint dise. an in uuirt doh funten al daz des uns durft ist.




XIV. Aus dem 14. Jahrhundert.

Aus einer Wiener Papierhandschrift, cod. vindobon. Nr. 2907, früher CCVII. fol. S. 16a–18b.

Ezz[198] geschach do vnser herr an ainer stat waz pittent. vnd do er davon liezz. do sprach ainer seiner jünger. herr ler vns piten. als sand Johannes sein jünger gelert hat. Jhesus sprach ze in. wann ir pittet so sprechet. Vater vnser der du pist in den himeln. geheyligt werd dein nam. zu chom vns dein reich. dein wille werd hie in erd als zu himel. vnser tegleich prot gib vns hewt. vnd vergib vns vnser schuld als wir vergeben vnsern scholner.[199] vnd verlaitt (16b) vns nicht in pechorung. sunder erlozz vns von dem ÿbl. Amen.

Glosa. Ezz sprichet vater an den wir glauben. vnser den wir lieb haben. vnser herre Jhesus Christus sprichet vater vnser vnd nicht vater mein. darvmb wand[200] der almechtig got vnser aller vater ist vnd [26] vns allev[201] beschaffen hat. hie mit ist der edel mensch vnd der reiche genant. daz si nicht hochverten wider ir vndertanen vnd die arm sint. oder si sind sein prueder vnd sein swestern nicht. so mag er auch nicht wol gesprechen zu vnserm herren vater vnser wann er pruder vnd swester nicht enhat. Er sprichet der du pist in den himeln da wir an dingen[202] wann die diew der fürsacz[203] des glauben vnd der lieb und des gedingen machent das gepet wirdig hincz[204] got. Nu warvmb sprichet er der du pist in den himeln vnd doch aller stat ist. als der salter[205] sprichet var ich auf in den himel, herre do pist du. var ich ze tal in die helle so pist du da. da antwurt man also über. vnser herre got. haizzet ez darvmb in den himeln, das seine götleich werch vnd gebbalt[206] mer da erscheint dann anderswa mit götleicher grozze vnd sein weistum[207] mit schön. sein güt mit maze. oder ez spricht darvmb in den himeln. daz ist in seinen heyligen mit götleichen eren. spricht sand Augustin got ist in im als anefankch[208] vnd ende. er ist in der welt als ein [27] örthaber[209] vnd ein richter in den engeln also suezzer gesmäch[210] vnd geczird. in den erwelten als ein erloser vnd helffer. in den vngerechten als vorcht vnd gravsamchait.[211] Ez sprichet geheiligt werd dein nam daz ist die ere deines namen werd pestätigt in vns. in vns daz ist mit verstentichait daz wir verstenn das[212] du heilig pist vber alle heyligen, in vns das ist mit ganczer pegir vnsers herczen. mit heiliger lieb in der haimlichaitt das wir dir ze vodrist anligund[213] sein mit götleicher lieb vnd mit dinst[214] vnd mit glauben vnd mit ÿbung aller guten werich[215] das des suns weishait heilig in vns sey. die lib des heiligen geist. di vestichait des vaters. die werch vntaileiher driualtichait. Geheyligt werd dein nam das ist vater das wir dich ymmer[216] eren als dein chinde. dein nam das ist herre das wir dich ymmer furichten als dein chnechte. dein nam das ist Jhesus hailant das wir von dir hailant alles hail gewinnen. (17a) dein nam das ist Christus daz wir von dir Christe die christenhait[217] mit glauben vnd mit werchen ymmer pehalten vnd haben daz wir Christes namen vnd werch nachvolgen vnd nicht des Antichreistes davon [28] werd dein nam geheiligt von vns mit ganczer pegir vnd willen in dem herczen mit lob vnd mit furichten vnd mit ern in dem mund vnd mit der getat an den werchen. mit den ewigen eren an götleichem lon. Ez sprichet zu chom vns dein reich. das ist das vns zuchom das wir das himelreich pesiczen. dein reich mit pechantnuss der heiligen schrift vnd zestor daz reich des irrsals vnd der vnuerstentichait. dein reich das ist Christes christenhait mit peraittunge vnd mit baytung[218] vnd zestör daz reich des antichristes vnd der Juden synagogen. zu chom vns dein reich. gotz gnaden vnd zestör daz reich der vblln vnd der sunden. dein reich der ebbigen frewden vnd zestör daz reich diser gegenbürtigen winchait[219] vnd der chünftigen in iener werlt. dein wille werde mit pecherung vnser sunden mit werchen ganczer puezze. wann vnser herre sprichit durich Ezechiel mund mein wille ist nicht der ubeln tod. ich wil mer ir pecherung vnd daz si leben. dein will werde. mit der ebigen pehaltnus der geheyligten mit pestetigung an guten werchen mit den ewigen eren der saeligen davon dein will werd auf dem erdreich als in dem himel daz ist virualtichleich als da ze himel daz ist in den engeln also auch in den laẅten.[220] alz in den rechten also auch in den sundern. als in Christ also auch in der christenhait. als mit worten also [29] auch mit willen guter werich. Ez sprichet vnser tegleich prot gib vns hewtt. daz uber daz leyppel[221] ist. er sprichet nicht gibt vns fleysch nach[222] vische. damit ist gemaint nicht ÿbrigs nur alsvil als durst[223] ist menschleicher natur ze dem leben vnd nicht ze wollust. das pedewtt ist wey[224] dem prot alz chunig Salomon spricht am anfankch des menschens leben ist wazzer und prot. das ist geistleich ze versten. ob der mensch an der sel leben well so leb er chrankcher speizz vnd nicht in wollust. spricht Chrisostomus pey dem prot verstet man zwo sache die ain daz niemant vmb weltliche sach pitte wann als daz vns got geit,[225] als wol den die da pitent als den die da aribaitent. daz geit er nicht allain vns sunder andern lawten mit vns. vnd von vnsern wegen (17b) daz wir tailen mit den die nicht mügen vnd nicht habent. sand Lucas schreibt vnser tegleich prot nicht ze ainem jar oder zu mer jarn wannd wir tegleich schullen[226] piten vnd got ze alln zeiten schullen anrueffen. wir wissen nicht wann die zeit chumpt daz vns der towd[227] pegreifft vnd vnz hin zukcht. er gib vns wan wir an in[228] nicht gehaben mügen. Er spricht vns daz ist vns die gots chind [30] sind mit christenleichem glauben vnd mit werchen daz wir mit den tailen die dürftig sind. Sand Augustin spricht Christ der spricht zu dir gib mir daz das ich dir gegeben hab. hastu gehabt ain gaber so hab auch ain nemer da du wucher von gebinnest. Er spricht hewtt daz ist ze diser frist wann wir wissen nicht ob wir hincz morgen oder chain weil leben. Sprichet Crisostomus vnser herr hat vmb tegleich prot haizzen piten das man chain sorig hab auf chünftig teg. wann warumb wildu piten auf den tag des du nicht waist ob du in glebst oder nicht. Vnser herre speyste mit fünff proten fünff tawsent man. die fünff prot pedewtent fünff lay[229] da wir vmb piten schullen. daz ain ist das prot der puezze für die pegangen sünde. das ander ist das prot der verstentichait für den hunger des vnglauben vnd des irrsals daz dritt ist daz prot gotsleichnam da vnser sel mit gespeist vnd gesätt[230] wirt in göttleicher lieb. wann vnser herr Jhesus Christus selb gesprochen hat ich pin das lebentig prot daz von himel chomen ist. daz vird ist daz prot der himlischen eren. also sand Lucas schreibt das Jhesus Christus gesprochen hat selig ist der mensch der das prot izzet in gots reich. daz fünft prot ist die speizz des leibs da allhie vmb geschriben ist. Ezz sprichet vergib vns vnser schulde. daz ist got der allain gewalt hat die sünde ze vergeben. vergib vns sundern vnser schulde da mit vnser [31] sel gepunden ist ze den peinen der helle. Als wir den ir schuld vergeben die wider vns getan habent. da von wer den pater noster sprichet vnd nicht gentzlich vergeit allen den die im laid habend getan vnd sind in dem fürsacz daz sew sich gern rächen ob si möchten die pitent in selb vnhael[231] wand sew sprechent vergib vns vnser schuld als wir tun (18a) vnsern schuldigärn. Got hat nwr allain gewalt die sunde zvo lazzen vnd nicht der mensch. wie pit[232] wir dann. da ist also vber ze antburten. der mensch der vergeit wol daz im getan ist. so vergeit vnser herr die sünde. Ezz sprichet verlaitt vns nicht in pechorunge. wir piten das vns got in pechorung icht[233] in laitte wann ob wir den vergeben die vns laid habent getan des ist nicht genug ob ez vns wider gerewt vnd vns die pechorung das ist des tiefels rat angesigt. dann pit wir verlaitt vns nicht das ist verheng vns nicht daz wir in sünde vallen wannd wir sein in pechorung verlaitet. wannd wir den sunden verhengen daz sew vns angesigen. davon muess wir got piten daz er vns chraeft da wider geb. Ezz sprichet sunder erlozz vns von dem übel das ist daz wir von allem vbl erlost werden. von dem vbel in diser werlde vnd von dem ÿbl daz den sündern chünftig ist in iener werld vmb die pegangen sünde. Amen daz ist ein wunschpet allez des wir gepeten haben das daz war werd das sprichet [32] Amen das werd war. Hie wirt gefragt warvmb der pater noster so churz ist vnd so wenig wort hat. das ist durich siben sache. die erst das man in schir gelernen mug. die ander daz man in dester leichter pehalte vnd sein nicht vergezze. die dritte das man in ze aller zeit spreche. die virde daz sein niemant verdriez ze sprechen. die fünft daz sich niemant pereden mug das er sein nicht gelernen mug. die sechste das der mensch gedingen hab daz er schir gewert werd. die sibent das des gepets chraft mit des herczen gir erczaigt werde vnd nicht mit der menig[234] der wort. seind wir im vergeben vnd verlassen schullen vnsern schuldigärn so sunder der der sein gult[235] vodert an sein gelter oder der gericht vnd pezzerung sucht vmb das vnrecht das im getan ist. spricht sand Augustin vnser herr redt nicht von der gulte dez guts oder des gerichts sunder von dem neid vnd veintschaft der in des menschen herczen ist das sich der mensch rechen wil. Man fragt auch warvmb wir nicht piten gib vns vnser tegleich prot als wir geben seid[236] wir piten vergib vns vnser schuld als wir vergeben (18b). da antburt man allso vber. wir haben nicht ze aller zeit als guten gewalt vnd als gut stat ze geben prot vnd ander gute ding als wir gewalt haben ze verlassen den die vns laid habent getan ob wir wellent. Der pater noster haizzet vnsers herren gepett oder daz herleich gepett wann [33] ez vnser herr Jhesus Christus aus seinem götleichen mund gelert hat. An dem pater noster sind acht sache zu merkchen. des ersten daz man den almechtigen got da mit lobt das er herr ist in den himeln. Darnach so gent siben pet die gent hincz dem vater. die ersten drew gehorent zdem chünftigen vnd ewigen leben. die vir darnach zdem leben in diser werlde. die erstew sprichet geheyligt werd dein nam. das ist gevestent werd dein nam in vns in disem leben daz wir also staet peleyben an dir das du vnser vater vnd wir deinev chind ebileich peleiben. das ander pet zue chom vns dein reich daz wir ez ewichlich pesiczen daz ain reich in dem andern reich sey. daz dritte pet dein will werd hie in erde als ze himel das ist zu versten recht als die himelische menig vnd die christenhait die ze himel ist nichts mag welln nur das sew dich wissen welln also die christenhait die nach in diser werlde arbaitz werde deinem willen zugefügt. daz virde pet gib vns hewt vnser tägleich prot daz vber substanczleich ist daz ist Jhesu Christi leichnam der aller vber substancz ist daz ist vber alles daz daz da ist vnd ist vnser prot auf dem alter[237] vnd ist auch das prot da wir den leipp mit neren. also gib vns yegleich[238] prot der sel vnd des leibs. die andern drew gepet sind verstentichleich von in selben. an dem leczten seczt der Hebreus daz wort Amen Sela Salem daz pedewt werleich ymmer frid. Explicit etc.




[34]
XV. Aus dem 14. Jahrhundert (um 1343).

Aus der um 1343 von Matthias von Beheim, einem Mönch zu Halle, gefertigten, auf der Universitätsbibliothek zu Leipzig vorhandenen übersetzung der vier Evangelien: „Dutunge des latines in daz deutsche;“ mitgetheilt im „Leipziger Repertorium der deutschen und ausländischen Literatur“, Bd. 23. S. 311, daraus in meinen Proben I, 209.

Vatir[239] vnsir. der da bist in den himelen. Geheiliget werde din name. Zukume din riche. Din wille der werde. alse[240] in dem himele. vñ in der erden. Vnsir tegeliche brot gip vns hute. Vñ vorgib[241] vns vnsir schulde. also ouch wir vorgebin vnseren schuldigeren. Vñ in leite vns nicht in bekorunge.[242] Sundern lose vns von vbele amen.




XVI. Aus dem 14. Jahrhundert (1367).

Aus einer Münchener Handschrift (Harmonia Evangeeiorum) mit der Jahresangabe 1367, cod. germ. monac. 532. S. 21. – ĩ = in.

Vater unser der da ist ĩ den himeln geheiligt werde deĩ name zu kom dein reiche dein wille werde ĩ der erden als ĩ dem himel[243] unser taglich prot gib [35] uns heute und vergib uns unser schulde als wir tun[244] unsern schuldigern und anfuer[245] uns nicht ĩ bekorunge[246] sunder erloes uns võ uebel amen.




XVII. Aus dem 14. Jahrhundert.

Aus einer Münchener Handschrift, cod. germ. 101. (Cod. germ. membr. 8° 29) Blatt 22 b.

Vater vnser der dv bist in den himeln. geheiligt werd din name. zv chom din reich. din wille werd ervollet[247] hie enerde[248] als der[249] enhimel. vnser taeglich brot gib vns hevt vnd vergib vns vnser schvlde als wir vergeben vns’n[250] schvldigern vnd verleit vns nicht in dehein[251] bechorung.[252] svnder dv[253] erlose vns vor[254] allem vbel. Amẽ.




[36]
XVIII. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Münchener Handschrift, cod. germ. monac. 746. S. 42.

Fater unser du pist in den himeln geheiligt werd dein name zu chom dein reich wil der werd als in himel und in erd unser tagleich prot gib uns heut und vergib uns unser schulden sam[255] wir vergebñ[256] unsern schuldigerñ und verlait[257][258] nicht in kain ubel[259] chorung sunder erloes uns võ[260] ubel am ̃.




XIX. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Wiener Handschrift, cod. Vindobon. Nr. 2749 sonst Nr. CCCXI, bei Maßmann Nr. 53 b.

Vater ÿnser[261] der du pist in den himellen. geheiligt werd dein nam. Czu[262] chum dein reich. Dein will gescheh als in dem himel vnd in der erden. Ÿnser tägleich[263] prot gib ÿns heut. Vnd vergib ÿns [37] ÿnser schuld als vnd wir vergeben ÿnseren schuldigern vnd nicht leitt ÿns in bechorunge. Sunder erlös ÿns von ÿbel. Amen.




XX. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer in der Gymnasialbibliothek zu Freiberg aufbewahrten Übersetzung des ganzen neuen Testaments aus dem Anfang des 15. Jahrh., mitgetheilt im „Leipziger Repertorium der deutschen und ausländischen Literatur,“ Bd. 13. S. 311 daraus in meinen Proben I, 217.

Vater unser du da bist in den himeln. Geheiligt werde dein name czukum[264] dein reich dein wille werd in der erde alz[265] im himel vnser tegelz[266] brot gib vns heut vnn vergib vns vnser schuld als auch wir vergeben vnsern schuldigern vnn für[267] vns nit in versuchung.[268] Sunder derlos[269] vns von den vbeln amen.




[38]
XXI. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus cod. chart. IV. no. 268 (Das puch ist des petter volkumers), Blatt 19 der Hofbibliothek zu Gotha, wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert.

Das pater noster ym kintbett.

Uater vnser hoh in der schöpffung suszin[270] in der lieb | reich ym erbteil | Der du bist yn hymeln Ein spigel der ewigkeit | ein kron der woñsamkeit | ein schatz der selikeit Geheiligt werd dein name In den ceyten mit heiligkeit In den vnglaubigen mit v’einigũg[271] In den sũdỹ mit begerũg. Zukum dein reich | Ditz wonnsam ist on v’mischung still an[272] betrvbung sicher on v’lust | Deỹ will der werd als ym hĩmel vnd auff erden | Daz wir flihen waz du hassest vnd liebñ daz du liebest vnd wasz dir gefellt daz wir daz thun, vns’ teglichs brot gib vns heut | der lere der bus’ der zaher der teylhafftigkeit aller messen | vnd vergib vns vns’ schuld | die wir volbracht habñ wider dich | wider dy nechstñ wider vns selbs vnd als wir v’gebñ vns’n schuldigeren | dy vns haben geleydigt mit vnrechten worten | mit slegen oder mit scheden | vnd nit einleit vns in v’suchung Der welt dez fleischs vnd der teufel | hilff [39] vns vberwinden all bekerung[273] | Sunder erleise vns von vbel amen | der tafunden[274] der hell des fegfeurs | der trubsal der veint vnd vor allem übel Amen.




XXII. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift der Züricher Stadtbibliothek. MS. C. 55/713.

Vatt’ vcns’ da dv bist in dē hĩmeln. Geheiligot w’de dĩ name. Zvo kome vcns dĩ rich. Din wille w’de in dem himel. Als vf d’ erdẽ. vcns’ teglich brôt gib vcns huete. vñ v’gib vcns vcns’ schulde. als ǒch wir v’gebẽ vcns’n schuldn’en. vñ leite vcns nit in bekoerunge. Sund’ loese vcns võ allem vcbel.[275]




[40]
XXIII. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Übersetzung des neuen Testamentes aus dem Anfang des 15. Jahrh., Handschrift zu Einsiedeln Nr. 10 fol.

Vater vnser der da bist in den himeln. Geheiligt werd dein nam. zu kom vns dein reich. dein will gescheh auch in der erde alz[276] in dem himel. vnser vcberwesentlich[277] brot gibe vns hewt. vnd abla[278] vns vnser schuld. alz wir auch ablazzen vnsern schuldigern vnd daz du vns nicht einleitest in kein bekorung. Sunder derloez vns vor[279] úbil. Amen.




XXIV. Aus dem 15. Jahrhundert (1421).

Aus einem Psalter vom Jahre 1421, Handschrift zu Einsiedeln Nr. 620 fol.

Vatter vnser der du bist in den hymeln Gehailget werd din nam Zuo kom din rich Din wille werd in hymel vnd in erd Gib vns vnser taeglich brôt vnd vergib vns vnser schuld als wir vergebint[280] vnsern schuldnern Vnd nit laite vns in bekorung Sunder loes vns von úbel. Amen.




[41]
XXV. Aus dem 15. Jahrhundert (um 1450).

Aus einem titellosen Buch (Art Chronik) in der Pfarrbibliothek zu Oberlahnstein am Rhein. Das zerrissene Buch hat nur noch wenige Pergament- und Papierblätter. Das Gebet steht jetzt auf dem ersten Blatt, auf dem dritten Blatte steht von derselben Hand ein Aktenstück vom Jahre 1451. Die Sprache hat wie auch in Nr. 26. 32. 35. stark niederrheinische Färbung. S. Gram. I, §. 65. 130. 131. III, S. 290.

Vater vnßer[281] der du bist in den hymelen. Geheyliget werde dyn name. zukomme dyn riche. dyn wylle gewerde als im hymel vñd yn erdẽ. vnß degeliche broit gib vnß hude. vñd vurgib vns vnse scholt als vñd wir vurgeben vnsen scholdigern. vñd nicht ynleyde vns yn bekeringe sondern erloise vns võ vbele. amẽ.




XXVI. Aus dem 15. Jahrhundert (1458).

Aus einem zierlich auf Pergament geschriebenen Büchlein in 12. aus dem Jahre 1458, das meist Betrachtungen über das Leiden Christi enthält, im Besitze des Herrn Dr. Ed. Busch in Bad Ems. Über die Sprache s. Nr. 25. 32. 37.

Vader vnse[282] de byst in dẽ hemelẽ. Gehilget werde dyn name. Zo come vns dyn rich. Dyn [42] wille de gewerde in der erdẽ als in dem hemel. Gyff vns huden vnse degeliche broit. Ind vergyff vns vnse schoilt als ind wir vergeuẽ[283] vnsen schoilderen. Ind inleide vns neit in becoringe mer[284] verloese vns van quadẽ.[285] Amen.




XXVII. Aus dem 15. Jahrhundert (1458).

Aus einer Wiener Papierhandschrift, cod. vindobon. Nr. 3012, früher CXXXVIII, in 12. Die Handschrift enthält S. 77 b.–91 b. die nachfolgenden Pater noster, S. 91 a.-93 a. die unten Nr. 7. 8 folgenden zwei Ave Maria, S. 93 a.-97 a. Ain auslegung ÿber den glauben. Am Ende (96 b.-97 a.) steht mit rother Dinte geschrieben: Geschriben zw Andex auf dem heyligen perg nach Christi gepurd alls man zält Tausent vierhundert vnd in dem Łviij. iar. von bruder Anthonio Pelchinger professus zw Tegrensee an sand Blasij tag etc. Seyt durch got mein ingedächt in ywrem andächtigen gepet. Amen. Jhesu Christe mach haylsamen mein sele.

Ain kurtze auslegung vnd wetrachtung[286] ÿber den pater noster vnd von ettleichen vrsachen warumb der pater noster alle andrew[287]gepet ÿbertrifft [43] darvmb man yn gernn[288] vnd offt petten sol.[289]

Es ist zemercken das das gepet gemacht ist worden von vnnsermm herrnn Jhesu Christo alls man es hat in dem ewangely sand Mathei am sechsten capitel. vnd das gepet sol der mensch empsickleich vnd öffter peten ÿber alle andrew gepet wann das gepet ÿbertrifft alle gepet der väter dye[290] vil schone gepet haben gemacht. Am ersten ÿbertrifftz in dem wann es hat gemacht der obrist vnd pest mayster vnd (78 a.) herr Christus Jhesus da von spricht Ciprianus das ist das gepett das got selb der mensch geworden ist dye sunder gelernt hat der aus seiner maiesterschafft alls vnnser wegeren in ainer kurtzen red kurtzleich wegriffen hat. Von dem gepet spricht auch sand Bernhart. Das gepet hört got der vater lieber das sein ainiger sun gemacht hat. Zw dem andernn mal das gepet andrew heylige gepet ÿbertrifft in dem wann es mit kurtzen worten gemacht ist darvmb so mag der mensch kain ausred haben das er das gepet nicht lernen müg. Zw dem dritten mal das gepet alle andrew gepet ÿbertrifft in dem wann in Im ist wegriffen (78 b.) alls vnnser wegeren. wann in dem gepet pitt man vmb gutte ding ze erlangen vnd pöse ding zemeiden vmb gutte ding [44] geistliche zetliche[291] vnd ewigkliche. wann das gepet hat in ym siben wegerung. In den ersten vieren wegeren wir gutte ding ze erlangen. Aber in den lesten dreyn wegeren wir pöse ding ze vermeyden. An dem anfanck des pater noster so spricht man geren dye wort kyrieleyson christeleyson etc. wan in den worten wirt sunderlich dye parmmhertzikayt gottes angerufft. Auch wann man spricht an dem anfanck des gepetes Vater vnnser etc. ist nicht ain wegerunng sunder es ist ain vorred des gepetz. Kyrieleyson das ist alls vil gesprochen Herr hymlischer (79 a.) vater in der ewigkayt dw parmmherrtziger got erparmm dich ÿber mich. Cristeleyson. Herr got erparmm dich ÿber mich. Cristeleyson. Herr got Jhesu Christe des waren lebentigen gottes sun vnd aller welt ain erloser erparmm dich ÿber mich. Kyrieleyson. Herr heyliger geyst vnd ewiger got ain troster aller wetrübten hertzen erparmm dich ÿber mich. Vater vnnser der dw pist in den hymeln. Herr wir eren vnd loben dich vnd hayssen dich in sunderhayt vnnsernn hymlischen vater. Geheyligt werde dein nam. Almächtiger got wir pittenn dich das dein heylikayt erkannt werd in der gantzen welt also das dye gantz weldt gelaub vnd erkenn das dw ein ewiger vnd warer (79 b.) got pist vnd das si dich darumb ewikleichen loben. Zw kom dein reich. Herr almächtiger got wir pitten dich das dein ewigs reich das da ist vnd gewesen ist vnd ewikleich wirt allen menschen offenwar werd vnd regier also in vns da mit das[292] wir allen [45] deinen gepotten vntertänig sein da mit das in vns nicht regier der pöß veint das fleisch vnd dye wellt. Dein will geschech alls ym himel vnd auf erde. Herr got wir pitten dich das dye menschen auf der erde also vndschulckleich[293] dienen vnd deinen willen volpringen alls dyr dye engel in dem hymel vnd das ander hymlisch hër alwegen loben vnd dienen vnschuldigkleich vnd dyr (80 a.) vntertänig sind. Vnser tägleich prot gib vns hewt. Herr got wir pitten dich das dw vns hye gebest also ain leiblichew narung an essen vnd an trincken vnd andrew leiblichew notturfft da mit das vnß[294] leib aufgehallten werd vnd dyer[295] dyenen müg gib vns den leichnam vnnsers herrnn Jhesu Christi hye ze empfahen nit zwo[296] der verdampnuß sunder zwo deiner glori vnd zwo vnnsermm nutz vnd zw hayl aller glaubigen seel. Vnd vergib vns vnnser schuld alls vnd wir vergeben vnnsernn schuldigernn. Herr got vergib vns all vnnser sünd wann si vns nach deiner gerechtickayt schuldig machen der hellischen pein vnd verleich das wir vnsernn nach-(80 b.)sten hye in dyser zeit all yr vngerechtickayt dye dy in vns geworcht[297] haben vergeben. Vnd für[298] vns nicht in versuchung. Herr got [46] wir pitten dich wann wir angeweygt[299] werden vnd versucht von vnnsernn veiten das ist von dem posen geyst von der pegit des fleisch[300] vnd von der wellt das dw vns dann nicht ÿverwintten lassest also das wir in sünt vallen sunder gib vns krafft vnd hilff ze widersten vnd sy ze ÿberwinden. Sunder erloß vns von ÿbel. Herr got wir pitten dich das dw vns erledigest von der durchächtung des trubsäls[301] vnd aller vnsser feindt vnd von den peenn[302] dye vns anligunt sein[303] vnd angelegt werden vmb vnnser sundt. Amen. das ist alls vil gesprochen (81 a.) Herr wir pitten dich das das geschech das wir pitten etc.




XXVIII. Aus derselben Handschrift.

Ain pater noster ÿber das siben plüt vergiessen vnnser herrnn Jhesu Christi wider dye siben todt sündt etc.

Vater vnnser. Herr parmhertziger got. der dẅ pist in den hymelnn allmächtig Geheyligt werd dein nam genannt von dem engel Gabriel ee dw in der Junckfrawen leib empfangen wardest der nam ist Jhesus wehalter wann der engel sprach: [47] Er wehällt sein volck vnd macht sy sälig vnd gesunt von yrnn sünden. Der heylig nam Jhesus wart dyr aufgeseczt an dem achten tag da man dich weschnaid[304] an deinem mänlichen keẅschen gelidt das dyr grosse pein vnd smerczen (81 b.) pracht. durch des selben leidens wellen[305] wasch vns mit deim keẅschen plüt von vnnser vnlautterkait was wir mit den glidernn der purdt[306] wider dein heylickait haben getan vnd volpracht. Zwchöm dein reich. Darvmb dw plütigen schwaiß[307] geschwiczet hast nach deinem lesten abentessen. Vnd wir von ÿbringen[308] essen vnd trincken offt vnd manigfeltickleich schwiczen werden. Vergib vns was wir mit vnmässickhayt wider dich getan haben vnd mit essen vnd trincken verschult. Dein will geschech alls in hymel vnd in erdt. Durch deiner gaislung[309] willen der will deines ewigen vaters an dyr volpracht wardt da er dich schlahen liess vmb dye sünde deines volcks vnd (82 a.) wann aber vnnser wille nicht volpracht wirdt so werden wir zornig vnd vngedultig pitten wir dich das dw vns mit dem plüt deins guttigen gaisselnn waschest von allem zorn vnd vndegedult.[310] Vnser täglich prot gib vns hewt. Wann dw der kunig pist aller kunig vnd pist mit dornen dyemüttigkleich [48] krönet worten[311] vnd wann wir vns offt vnd dick dye kronen der eren hochfertigkleich an nemmen vnd aufseczen pitten wir dich das dw vns mit dem plut das dyr von der kron ÿber dein antlütz vnd allen deinen leib abran waschest von aller hochfart vnd ÿbermüt wo wir vns wider dich oder vber vnsernn nachsten erhebt haben mit hochuertigen ÿbersprechen.[312] Vnd vergib (82 b.) vns vnnser schuld als vnd wir vergeben vnnsern schuldigernn. Vmb das das dw dyr dein verpachens[313] gewandt vnd klaider hast lassen reyssen vnd abziehen aus deinen verpachen wunden vnd verwunnten leib[314] das sy all fliessen vnd rinnen wurden[315] durch des selben smerczen vnd leidens willen vergib vns wo wir mit abreissen frömdes[316] güt abgenommen haben vnserm nachsten wann wir das wider kernn wellen nach vnserm vermügen. Vnd nit in lait vns in versuechung. Darvmb das dw mit henden vnd mit füessen gespannen vnd genagelt pist worden an den stam des heyligen kreẅtz[317] aber wann wir der versuchung des (83 a.) tewfels der wellt vnd des fleisch offt vnd dick haben genug tan mit henden mit füessen vnd gantzem leib vnd mit allen vnsernn glidernn träg sein gewesen an deinem dienst pitt[318] [49] wir dich das dw vns waschest mit dem plüt der anspannung von den sünden aller vnser trackait[319] dye wir ye wegangen haben. Sunder erlose vns von vbel. Aus deinem verwuntten hertzen vnd aus deiner offnen seitten[320] aufgetan mit ainem sper daraus ran plut vnd wasser mit dem pit wir dich wasch vns von allem neid vnd hass wann in deinem hertzen alles gut weschlossen ist vnd alle lieb vnd minne. Aber in vnserm herrtzen tragen wir (83 b.) offt lang das ÿbel des neid vnd des hasses von dem ÿbel vnd von allem ÿbel erloss vns aus deinem lieblichen vnd minnsamen herczen dw obristes vnd allerpestz gütt. Amen. Das geschech.




XXIX. Aus derselben Handschrift.

Item ain ander pater noster ÿber das siben plut vergiessen vnnsers herrnn Jhesu Christi vmb dye siben tugent etc.

Vater vnser. Ewiger lebentiger got. der dw pist in den hymelnn. Mit got dem vater vnd dem hailigen geist ains. Geheyligt werdt dein nam. Der von dem engel verkundet war vnd in der wesneidung auf geseczt da dw an deinem kewschen manlichen glid wesnitten wardest mit (84 a.) selben deinem kewschen plüte mach vns kewsch [50] vnd durch des selben leidens verdienen gib vns raine kewschait des herrtzen des leibs vnd des gemütes das wir dich kunig vnd kron der iunckfrawen heyligen ernn vnd loben mit ainem rainem[321] hertzen. Zw chöm dein reich. Darvmb dw plutigen schwaiß geschwiczet hast nach deinem lesten abentessen durch das verdienen des selben nüchternn vnd mässigen swiczens willen gib vns mässigs nüchters abprechen essens vnd trinckens damit das wir alle vnmässigkait vnd ÿberflussickayt ÿberwinden vmb dein reich. Dein will geschech all[322] in hymel vnd in erde. (84 b.) Wann dw güttiges sentfiges lämplein vmb vnsernn willen gegaisselt pist vnd erczürnest nye vmb des selben pitternn smercen willen gib vns gütig senfftmütickait vnd gedult in allem vnsernn leyden vnd widerwärtigkait. Vnser tägleich prot gib vns hewt. Wann dw ewiger kunig mit dornen dyemutigkleich gekrönet pist worden durch des selben hertten pitternn smerczen willen gib vns ware dyemutigkait vnd vnser prechen zẅ erkennen vnd das wir vns nidernn durch deiner dyemütigen vnd versmëchten krönung willen. Vnd vergib vns vnser schuld alls vnd wir vergewen vnsernn schuldi- (85 a.) gernn. Vmb das dw dyr hast lassen abreissen vnd abczerrnn dein verpachen klaider aus deinen zwpachen wunden. durch des selben iämmerleichen smerczen willen vnd pitters ausziechen gib vns ware milltigkayt vnser [51] selbs vnd des vnsernn. durch deines milten abziehens willen. Vnd nicht inlaitt vns in versuchung. Wann dẅ dich mit henden vnd füessenn hast lassen spannen mit negelnn an das heylig krewtz. durch des selben pittern smerczen willen vnd grossen verdienen gib vns ain willigs volpringen dein lob vnd ere[323] vnd spann vns zu dyr an das krewtz der pueswartigkait das wir vnsere glider (85 b.) kains mögen webegen[324] dann in deinem dienst. Sunder erloß vns von ÿbel. Aus deinem verwunten herrtzen. dar aus wasser vnd plüt ran gib vns den selben schatz alles gütts das war gütt rechter warer mynne vnd lieb zw dyr vnd ware trew zẅ vnsernn nachsten vnd geordente lieb zẅ vns selber. das wir von gantzem hertzen vnd allen vnnsernn krëfften dich lieb habenn ÿber alle ding. Amenn etc.




XXX. Aus derselben Handschrift.

Ain pater noster mit seiner auslegung nach lauttung der wort etc.

Vater vnser der dw pist in den hymeln. Geheyligt werd dein name. Der dyr in deiner wesneidung aufgeseczt da dẅ zẅ dem (86 a.) ersten mal dein keẅsch plüt vergossen durch vnnsern [52] willen darvmb das dein name geheyligt würde. Zẅ chöm dein reich. Darvmb dw plutigen schwaiß hast geschwiczet. darumb das vns dein reich zẅ chëme[325] gib vns durch dein ängstliche nott alls ernnstlich werben. das wir schwiczen vnd dardurch wesiczen dein reich. dar Inne dw öbrister ewiger kunig regnirest. Dein will geschech alls in hymel vnd in erde. Darvmb dw dich hast lassen gaisselnn. das was der will deines vaters das ym genüg weschäch vmb vnnser schuld. des willen hast dw albegen[326] volpracht darvmb hat er dyr es alles geben in dein hende. Darvmb in lieb. in laid. ym leben. ym todt. gang es (86 b.) herr albegen nach deinem allerliebsten vnd gottlichen willen etc. Vnser taglich prot gib vns heut. Durch deines durnen krönens willen. wann dw pist der kunig dem wir dienen vmb das prot. vnd der da essen gibt allem fleisch. Speyse vns mit deim gotlichen leichnam der das lebentig prot ist das von hymel chömen ist. Vnd vergib vns vnser schuld als vnd wir vergeben vnsernn schuldigernn. Durch des willen das dw dyr hast lassen abziehen deine klaider aus deinem verbuntem[327] leid[328] das alls in ainander verpachen was in dein heyligen wunden vnd liest dyr sy ausziehen vmb des selben schmerczen willen nym von vns alle posshayt vnd veintschafft wann wir vmb deinen (87 a.) willen vnd vmb dich [53] allen den vergeben dye ye wider vns haben getan. Vnd nit inlaytt vns in versuchung. Durch des anspannens willen deiner hende vnd füeß mit negeln an den stam des heyligen kreẅtz. durch des selben smerczen vnd leydens willen nagell vnser hende vnd füess vnd alle vnsre glider wider all pöse versuchung. vnd das wir nichst[329] anders handeln mit vnsernn glidernn dann das dein gottlicher will sey. Sunder erloß vns von ÿbel. Aus deinem verbunten herrtzen durch das plut der erlösung. vnd mit dem wasser der rainiggung wasch vns vnd rainig vns von allem ÿbel in disem sorgksammen ellenden versallczent tall der zächer. Amen das geschech.




XXXI. Aus derselben Handschrift.

(87 b.) Ain pater noster vnd ain auslegung dar ÿber dye den glaubigen selen zẅglegt vnd geordnet wirt. vnd ist offt gepetten. Wann alls sand Augustin spricht. alls wir den gelaubigen selen hye zehilff kömen. also wirt vns auch zehilff kumen wann wir in ënew[330] weldt kumen zw yn.

Vater vnser. Schöpfer vnd erloser aller glaubigen selen. Der dw pist in den hymeln. Ain [54] kron der säligen. Geheyligt werd dein name. Wesunder[331] in meiner lieben vater vnd mucter selnn. darzw in meiner lieben N.[332] sela etc. vnd in allen glaubigen selen. Durch des smerczen willen deiner wesneidung vnd durch des selben deines heyligen (88 a.) rainen lauternn plut vergiessens willen tillge ab den wenannten selen vnd allen glaubigen selen ir masen[333] vnd sünde yrer vnlautterkait vnd vnrainigkait vnd zaige yn deines gesegten[334] namen heyligkait das sy dein gottlichen namen loben in ewiger säligkait. Zwo köm dein reich. Den benannten selen vnd allen glaubigen seln für sy in dein reich. wann dẅ fur sy geswiczet hast plutigen swaiss. angst. vorcht. verdriessen. vnd traurigkait hast dw gehabt von yren wegen nach dem abentessen. vmb dyeselben dein angstliche nott tillg in ab mit deinem plutigen swaiss was dye selbig sele vnd auch all glaubige selen (88 b.) mit ÿbrigem essen vnd trincken mit leichtuertigkait mit nachrede vnd vndanckperckait haben wider dich getan hie in der zeitt ym leib. vmb dein inprünstiges vnd andachtiges gepett lass sy mit dyr regnieren in deinem reich da ewige freyd[335] ist an[336] alles trawren. Dein will geschech alls in hymel [55] vnd in erde. Auf der erde deines menschlichen hoffs vnd auch in deinen geuangen selen besunder der vor wenannten vnd aller glaubigen selen vmb der willen dw dich hast lassen gaysselen vnd grimmleich schlahen das dein rosenvarbs plut allenthalben von dyr floß vmb des selben grossen leydens willen vnd smerczen vergib yn wass sy mit yrem freyen (89 a.) willen wider deinen gottlichen willen haben getan. gib yn stat das sy dich nach deinem allerliebsten willen liebhaben niessen vnd wekennen. Vnser täglich prot gib vns hewt. vnd sunder[337] den benanten selen. vnd allen glaubigen selen. wann vmb das das dẅ möchtest dye sele krönen mit guldein kräntzlein. darvmb hast dw dich lassen krönen mit dornen peinlichen iämerlichen vnd schäntlichen vmb den selben vnaussprechlichen smertzen deins gekrönten hauptz vnd deines grossen verdienens vergib yn was sy mit hochuart mit ÿppiger eyttler ere hye ym leib wider dich haben getan das sy dich kunig aller eren in deiner göttlichen maiestat (89 b.) ewigkleich ansehen. Vnd vergib vns vnnser schuld alls vnd wir vergeben vnsernn schuldigernn. Vnd benanten selen vnd allen glaubigen selen dar vmb das dw dich hast lassen ausziehen dar[338] dyr deine klaider in dein heiligen wunden waren verpachen vnd dye wunden wider vmb aufgerissen alls man dyr dye selben klaider abzoch. vergib den selen vnd glaubigen selen [56] was sy mit geittigen[339] abreissen zeitliches guttes hye ym leib haben getan vnd verschuldet. vnd durch deines smerczen willen weklaid sy mit dem klaid der vnschuld. vnd gib yn das erst klaid der gnaden vnd gerechtigkayt. vnd für sy in den schatz der (90 a.) ewigen säligkait. Vnd nicht inlaitt vns in versuochung. Vnser veindte vnd auch aller glaubigen selen vmb das das dw dich hast lassen anspannen mit eysnen nägl an das fron krewtz durch des selben smerczenlichs anspannens willen deiner hend vnd fuess vergib den benannten selen vnd allen glaubigen selen wo sy yr hende vnd füess vnd andre glider haben gespannen vnd gestreckt in dye sunde. vnd trëg sind gewesen in deinem dienst. durch das reilich[340] fliessen deines rosenvarben plütz der vier wunden hendt vnd fuess vnd vmb dein grunttlich verdienen erledig sy von den panden der pein. das sy loß frei vnd ledig dich ewigklich loben. Sunder (90 b.) erloß vns von ÿbel. Auch dye wenannten sele vnd all glaubig sele erlöß von der strengen pein. vnd fuer sy dar aus zẅ dyr. vmb das auftün deiner heyligen seytten vnd vmb das verbunden[341] deines mynsamen herczen. dar inne dye adernn der lebentigen wasser sind. vnd auch dar aus plut vnd wasser floß. mit dem selben herrtzenlich plut vnd wasser wasch dye selen aller glaubigen von allem neid vnd hasße. den sy haben gehabt in [57] dem leben dieser zeit. vnd vmb dein vnmässigs verdienen deins pittern sterbens vnd ellend[342] todes gib dich yn dw wares obristes vnd ewigs gantz gütt das sy von dem ÿbel vnd pein vnd schuld loß vnd ledig werden. vnd mit dem (91 a.) güt der ÿberflussigkait deines haws. da dw mit got dem vater vnd dem heyligen geist ewigkleich regnierest. Amen.

Hye endent sich fünff pater noster dye ich ewern furstlichen gnaden geschriben hab vmb das . das ewr gnad dester andachtiger werd ze pitten vnd petten vmb alles das dar vmb yr pitten süllte vnd auch dar vmb got von ewern gnaden gepetten wil werden. Der erst pater noster ist vmb dye siben ding nach lauttung des pater noster. Der ander pater noster ist dar vmb das vns vnser sünd vergeb. Der dritt pater noster ist vmb das das vns got dye tugent verleich dye den sunden widersprechen. (91 b.) der viert vmb guts vnd wider poß das dar vnder ist wegriffen. Der funfft vmb yeglich freẅnt sel vnd vmb all glaubig selen.




[58]
XXXII. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift der Stadtbibliothek zu Trier Nr. 813-217. Bl. 112 aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Die Sprache streift hier und da ans Niederrheinische. Vergl. Nr. 25. 26. 38.

Vater unser du bist in den hymelen geheilicht werde dyn name zu komme uns dyn rich. Dyn wille gewerde als in dem hymmel und in der erden. Unser degligs broet gib uns hide und vergib uns unsre schult als wir doen unsern schuldigern. Nit verleit uns in bekorung sondern erloes uns von ubel. Amen.




XXXIII. Aus dem 15. Jahrhundert (1472).

Aus einer Bibelübersetzung vom J. 1472 in der Kantonsbibliothek zu Zürich. S. die nähere Beschreibung im „Serapeum“ 15. Jahrg. 1854. Nr. 12. S. 183 f.

Vatter vnser der du bist in den him̃elen geheiliget werden din nam̃e. zu kome vns din rich din wille der werde als in dẽ him̃el vn in der erden. vnd vnser brot dz übersubstentzlichen[343] dz gibe vns hüte. vnd vergibe vns vnser schulde als wir vergebent[344] vnsern schuldenern. vnd enleit vns nit in kein bekorunge. sunder erlöse vns vor[345] übel. Amen.




[59]
XXXIV. Aus dem 15. Jahrhundert (1474).

Aus den deutschen Predigten des Dominikaners Joh. Nieder von Basel († 1438), Handschrift vom Jahre 1474, geschrieben von Mart. Nuber, im Besitz des H. Hasak.

Vater vnser der du bist in den himeln. gehailiget werd din nam. zuokom din rich. din will werd hie[346] vff erd als im himel. gib vns huit[347] vnser taeglich brot. vergib vns vnser schuld als wir tuogen[348] vnsern schuldigern. nit laus[349] vns verlait[350] werden in kainer versuchnuß.[351] sunder erloes vns vom vebel. amen.




XXXV. Aus dem 15. Jahrhundert (1499).

Aus einer Papierhandschrift vom Jahre 1499 in 12, im Besitz des H. Hasak.

Dat vat’ vnßer. Vater vnßer der du pist yn hymelen. Geheiliget werd deỹ namẽ. Czu kum deyn reich deỹ wil gesche Als ym hymeln vñ yn erden. Vnßer deglich brot gib vnß hewte. Vnd vorgib[352] [60] vnß vnßer schult Als vnd wir vorgebñ vnsern schuldigeren. Vnd nit eỹleyt vnß yn vorsuchũg Sũder erloß vnß von vbel amen.




XXXVI. Aus dem 15. Jahrhundert (um 1500).

Aus einer um 1500 geschriebenen Handschrift in fol., worin das Pater noster und Ave Maria wenigstens hundertmal sehr schön geschrieben steht, im Besitz des H. Hasak.

Vater vnser der dw pist in den himeln. geheiligt werdt dein nam, zu chöm vns dein reich, dein will geschech als ym himel vnd in erd. Gib vns hewt vnser tägleich prot, vnd vergib vns vnser schuld als wir vergeben vnsern schuldigern, vnd lass[353] vns nit in versuechung, sunder erlös vns von uebel. Amen.




XXXVII. Aus dem 15. Jahrhundert (1462-66 fol.).

Aus der 1. gedruckten Bibelübersetzung, ohne Ort und Jahr, wahrscheinlich Straßburg 1462-66. fol.

Vatter vnser du do bist in den himeln geheyliget werd dein nam. Zuo kum din reich. Dein wil der werd: als im himeln vnd in der erd. Vnser teglich brot gib vns heut. Vnd vergib vns vnser schuld: als vnd wir vergeben vnsern schuldigern. Vnd fúr vns nit in versuochung: sunder erloeß vns von den vbeln Amen.




[61]
XXXVIII. Aus dem 15. Jahrhundert (1489).

In der Stadtbibliothek zu Trier befindet sich ein vorn zerrissenes Büchlein in 8, auf der Rückseite des letzten Blattes steht: „Dit hantboichelchen … hait gedruckt tzo der teren godes Johan Koelhoff von Lubeck, burger in Coellen in dem jair uns hernn MCCCCCXXXIX.“ Über die Sprache s. die Bemerkungen zu 25. 26. 32.

Dat pater noster. Vader unse der du bis in den hemelen. Geheiliget werde dyn name. Zokome dijn rijch. Dijn wille gewerde, als in dem hemell, so und in der erden. Uns degelich broit giff uns huyde. Und vergiff uns unse schult als und wyr vergeven unsen schulderen Und niet inleyde uns in bekorunge Sunder verloese uns von dem quaden. Amen.




Beigabe

[62]
Beigabe.




In: Mithridates oder allgemeine Sprachenkunde mit dem Vater Unser als Sprachprobe in beynahe fünfhundert Sprachen und Mundarten, von J. Ch. Adelung. Zweyter Theil. Berlin 1809 stehen S. 185 f. einige der oben mitgetheilten Nr., aber meist ungenau, dann zwei Übersetzungen aus Gedichten (Otfried, Reimar von Zweter) und nachfolgende 7 Nr., die, wie es scheint, hier und da von den Handschriften, aus denen sie abgedruckt sind, etwas abweichen, namentlich in Bezug auf die großen Anfangsbuchstaben und die Interpunktion.




XXXIX.

Aus einer Straßburger Handschrift abgedruckt in Schilters Thesaur. S. 86. Daraus in Adelungs Mithridates II. S. 197. Nr. 130. Nach Adelung vermuthlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfaßt.

Fater ynser, tu in Hümele, Din Name urde geheiliget; Din Ricke kome; Din Uile gskehe in Erdo alz Hümele; Ynser tagolicko Brot kib ynss hiuto; [63] Undto ynsere Sculdo blaze yns als wij belatzen ynser Sculdige; Unde in Corunga nit leitest du unsich; Nun belose unsich fone Ubele. Dat ist wahr.




XL.

Aus dem von Prof. Oberlin herausgegebenen Bihtebuoch Straßburg, 1784. S. 1. Daraus in Adelungs Mithridates II. S. 197. Nr. 131, von ihm um das Jahr 1350 angesetzt.

Herre Vater unser, du da bist in dem Himel, Geheiliget werde din Name; Zuo kome uns din Rich; Din Wille werde hie uff der Erde, als in dem Himel; Du gib uns unser tegelich Brot; Und vergib uns unser Schiulde, als wir (tuon) unsern Schuldern; Unn virleit uns in deheine Bechorunge; Sunder erlos uns von alleme Ubel. Amen; das wahr ist.




XLI.

Aus einer Handschrift alter Predigten, in Vadian de Colleg. German. S. 34. abgedruckt in Schilters Thesaur. S. 83. Daraus in Adelungs Mithridates II. S. 198. Nr. 132, nach ihm vermuthlich aus derselben Zeit wie Nr. 2.

Gott Vater unser, der bist in den Himelen, Geheiliget werde din Name; Zuchome din Riche; Werde din Wille hie in Erden, also da ze Himele; Unser tagolich Brot gib uns hiuto; Und vergib uns unser Schulde, als wir tuon unsern Schuldigen; Und leite uns in deheine Bechorunge; Und erlose uns von allem Ubele.




[64]
Von einem Ungenannten um 1400.
XLII.

Aus einer handschriftlichen Bibel in Dav. Gottfr. Schöbers Bericht von alten Deutschen Bibeln, S. 71, abgedruckt in Adelungs Mithridates II, S. 198. Nr. 133, nach ihm vermuthlich um 1400 verfaßt.

Vatter unser, der du bist in den Hymeln, Geheiliget werde din Name; Zu komme din Riche; Din Wille der werde als in dem Hymel, und in der Erden; Und unser Brot das über substanzlich gib uns hüte; Und vergibe uns unser Schulde, als wir vergebent unsern Schuldenern; Und enleit uns nicht in kein Bekorunge; Sunder erlöse uns von Übel. Amen.




XLIII.

Aus einer handschriftlichen Auslegung des V. U. in der Churf. Bibliothek zu Dresden abgedruckt in Adelungs Mithridates II, S. 199. Nr. 134, nach ihm ungefähr aus derselben Zeit wie Nr. 4.

Vater unser der du pist in den Himeln, Geheiligt werde dein Nam; Zu chom uns dein Reich; Dein Will werd in Erd, als in dem Himel; Unser tagleich Prot gib uns hewt; Und vergib uns unser Schuld, als wir tun unsern Schuldigern; Und enlaitt uns nicht in Pechörung; Sondern erlöz uns von allem Ubel. Amen.




[65]
XLIV.

Aus einer geschriebenen katechetischen Schrift von 1430 in Theoph. Sinceri neuer Samml. von raren Büchern, Th. 1. S. 390. Daraus abgedruckt in Adelungs Mithridates II. S. 199. Nr. 135.

Vater unser, der du pist in den Himeln, Geheiliget werde dein Name; Zu chum dein Reich; Deine Wille der werde als in Hemel und in Erden; Unser teglich Prot gib uns hewt; Undt vergib uns unser Schulde, als wir vergeben unsern Schuldigern; Und verlaß uns nicht an boßer Bethorung; Sunder erlose uns von Ubel. Amen.




XLV.

Aus einer Wiener Handschrift von 1450 in Denis Codd. Theol. Lat. Vol. II, Part. II, S. 1698. Daraus abgedruckt in Adelungs Mithridates II, S. 200. Nr. 136.

Vater unser der da bist in den Himelen, Geheiliget werde dein Name; Zu kume din Riche; Din Wille werde in der Erden, als in dem Himel; Unser tegelich Brot gib uns hute; Und vergib uns unser Schuld als wir tun unseren Schulderen; Und en leit uns nicht in Bekorunge; Sunder erlöse uns von Übele. Amen.




Ave Maria

[66]

[67]
Ave Maria.




[68]

[69]
Das Ave Maria.

Die Verehrung der hl. Jungfrau Maria breitete sich auf dem Grunde der geschichtlichen Thatsachen aus ihrem Leben aus, erweiterte und steigerte sich mit der Zeit und verzweigte sich über einen nicht geringen Theil des kirchlichen Festbereiches.

Die Dichter des Mittelalters sangen der Gottesmutter die schönsten Lieder, und die fromme Mystik schuf eine überaus reiche Bildersprache, die, in den verschiedensten Gedichten wiederkehrend, uns zeigt, daß sie nicht äußerlich gemacht, sondern innerlich gelebt ist und allgemein verstanden wurde. S. unten den Anhang.

Unter den Gebeten, mit denen wir die Mutter der Barmherzigkeit um ihre mächtige Fürsprache bei ihrem Sohne anflehen, steht das „Ave Maria“ oben an. Dieses Gebet besteht aus verschiedenen Theilen, die allmählich aneinander gefügt wurden. Die Worte Ave Maria bis mulieribus sind der Gruß des Engels bei Luk. 1, 28. Die Worte Benedicta tu in mulieribus wiederholte die hl. Elisabeth und fügte die Worte Et benedictus fructus ventris tui hinzu bei Luk. 1, 42. Das Wort Jesus (spater auch Jesus Christus) nach ventris tui scheint ziemlich alt zu sein. Über das Alter der nachfolgenden Worte (Sancta-Amen) sind die Gelehrten nicht einig.

[70] Baronius glaubt, die Worte Sancta Maria, mater Dei, ora pro nobis peccatoribus. Amen seien auf der Kirchenversammlung zu Ephesus (im Jahre 431) hinzugefügt worden, und ihm folgt Gavantus u. A. Auf jener Kirchenversammlung wurde der Irrlehre des Nestorius gegenüber Maria allerdings als „Mutter Gottes“ erklärt, aber daraus folgt noch nicht, daß die angeführten Worte auch sogleich den bis dahin allgemein bekannten und gebeteten Grußworten beigefügt worden seien. Dieser Zusatz findet sich in keiner lateinischen Gebetsformel vor dem Jahre 1508. Die Worte Nunc et in hora mortis nostrae finden sich zuerst in dem Brevier der Franziskaner vom J. 1525, fehlen aber von da an noch eine Zeit lang in andern Gebetbüchern. Übrigens ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Zusätze längere Zeit vorher von den Gläubigen gebetet wurden, ehe sie Aufnahme in die Gesang- und Gebetbücher fanden. Vgl. hierzu besonders Nr. 12. S. 75.




I. Griechisch

Χαῖρε κεχαριτωμἐνη· ὁ Κὐριος μετὰ σοῦ· εὐλογημἐνη σὺ ἐν γυναιξὶν, καὶ εὐλογημένος ὁ καρπὸς τῆς ᾿κοιλἰας σου.




II. Lateinisch.

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum, benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris [71] tui Jesus. Sancta Maria, mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae. Amen.




III. Aus dem 14. Jahrhundert.

Aus der Münchener Handschrift cod. germ. 101 (cod. germ. membr. 80 29) Blatt 91a. S. oben Nr. 17. S. 35.

Gegrvzzet sistv maria vollev[354] genaden. got ist mit dir gesegent bistv vnder allen wiben. vñ gesegent sei daz wuecher[355] dines libes.




IV. Aus dem 15. Jahrhundert (1421).

Aus einem Psalter vom Jahre 1421, handschriftlich in Einsiedeln, Nr. 620. fol.

Ave Maria. Gegruesset sigist du Maria vol genâden Der herr ist mit dir Gesegnot bistu vnder allen wiben Vnd gesegnott ist dú[356] frucht dins libes Jhesus Cristus. Amen.




V. Aus dem 15. Jahrhundert (um 1450).

Aus dem oben Nr. 25 S. 41 angeführten Buche.

Gegrußt sist du maria, vol gnaden, der herr ist ist mit dir, gebenediet bist du vnder allen wyben, vnd gebenediet ist di frocht[357] dynes liebes ihesus cristus Amen.




[72]
VI. Aus dem 15. Jahrhundert.

Aus einer Handschrift der Mainzer Stadtbibliothek.

Gegruzet sist du maria vol gnaden der herr ist mit dir. Du hast getragen den der dich hat gemacht vnd eweclichen blibest du magit.[358]




VII. Aus dem 15. Jahrhundert (1458).

Aus der oben Nr. 27 S. 42 genannten Wiener Handschrift.

Item ÿber den englischen gruoß ain kurcze auslegung etc.

Ave Maria. Gegrust seist Maria. Dw vnuermäligter[359] sargk. in dem verslossen lag so starck. das war lebentig heylitumb vnd des ewigen schatz reichtumb. Aus der tugent arczt wesunderleich. mach mich menschen reich. wann mich dye sünd verplendent sere. das ich der nicht hab mere. Vol genaden. Dw machst wol mächtige kayserin dye meine sunde vertreybin. vnd sy nynder lassen weleiben vncz[360] (92a.) ich mit der tugent reichtumb zwo dyr an mein gewar chum da achte ich nicht yrer veintschafft noch kain yre gesellschafft. Der herr ist mit dyr. Edle kunig erwirbe mir. an den der künifftiger richter ist. wann ich köm zw gerichtes [73] frist. vnd mein sünde verraiten[361] müß so man ich an den englischen grüß der grosse freẅd verkundt dyr edle iunckfraw dann hilfe mir das ich frolich kom auf den tag vnd verantwurten meiner sünde klag. Dw pist gesegent vnder den weyben. Hilf Maria mit rat vertreiben der sünden list so maniguald iunckfraw zart so kum pald. das ich wehab[362] das vrtayl der vnschuld vnd der vnmayl. vnd werd (92b.) meins leidens ergetzt[363] vnd in ewigew frewd geseczt. Vnd gesegent ist dye frucht deins leibs. Maria ergetz mich laids mit angesicht deiner frucht da dw so in keẅscher zwcht in dyer gepflantzet hast so schon. gib mir den zw lon. mit dem dw herschest in dem hymelreich. das erwirb mir ymmer ewigkleich. Jhesus Christus. Amen.[364]




VIII. Aus derselben Handschrift.

Der englisch gruß zwo vnnser lieben frawen Maria. vnd wirt genant das guldein Aue Maria.

Gegrüst seist Maria. Alls dw das wort mit wort empfangen hast nun hast dw den vater vnd den sun den mach vns güttig vnd genädig. Voller gnaden. Dw hast geporn den dw iunckfraw empfangen [74] hast (93a.) den dw mit deinen heyligen prüstlein gesauget hast des genade mach vns taylhafftig. Der herr ist mit dyr. Der mit seinem todt vns das leben geben hat der vns durch sein vrstend frey hat gemacht pring vns zw dyr in dye ewigkait. Dw pist gesegent in den weyben. Dein süsser sun aufgefaren ÿber das gestirnn mit dem mach vns aynig. Gesegent ist dye frucht deins leibs. Der dich seines amplicks wirdig hat gemacht den wesüen vns albegen.[365] Amen.




IX. Aus dem 15. Jahrhundert (1470-80).

Aus dem Buche: „Messe singen oder lesen, wer das thun sol, wenn, wie oder wo,“ ohne Ort und Jahr (um 1470-80) fol., Im Besitz des Herrn Hasak.

Gegruesset seyst du genaden vol d’ herre ist mit dir du bist gesegnet ueber alle weyb, vnd gesegnet ist die frucht deines leybes. Jhesus Christus. Amen.




X. Aus dem 15. Jahrhundert (1489).

Aus dem oben Nr. 38 S. 61 angeführten Buche.

Dat Ave maria. Gegruetzt sijstu Maria, genaden voll. Der here ist myt dyr. Du bis gebendijt under den vrauwen. Und gebenedijt is dye vrucht dyns buichs[366] Jhesus christus Amen.




[75]
IX. Aus dem 15. Jahrhundert (1499).

Aus der Breslauer Kirchenagende vom J. 1499. 4, im Besitz des Herrn Hasak.

Gegrusset seystu Maria vol gnaden der herre mit dir, Gebenedeyet bist du vnder den weyben. vnde gebenedeyet ist dy frucht deynes leybes Jhesus Christus. Amen.




IX. Aus dem 15. Jahrhundert (1499).

Aus der oben Nr. 35 S. 59 genannten Handschrift.

Aue Maria. Gegrussest seistu Maria vol gnaden der her mit dir du bist gesegēt yn den frawen vnd gesegent ist dy frucht deynes leibes Jhũß Xpũß[367] amen. Heilige all’[368] heil’gste maria eỹ mut’ gotes pit võ vnß sw’d’ nv yn d’ stũdt vnsers todeß. a.[369]




[76]
XIII. Aus dem 15. Jahrhundert (um 1500).

Aus der oben Nr. 36 S. 60 genannten Handschrift.

Gegrüesset pist, Maria, voller gnad, der herr ist mir dir, dw pist gesegẽt über all frawen, gesegent ist die frucht deins leibs Jhesus Xpũs. Amen.




XIV. Aus dem 16. Jahrhundert (1503).

Aus dem Büchlein: „Ain hertzlich Jubill des himelischen Rosenkranz,“ 1503, 4. ohne Angabe des Druckortes, im Besitz des Herrn Hasak.

Gegrüst seyestu[370] Maria, vol gnaden, der herr mit dir. du bist gesegnet in den frawen, vnd gesegent ist die frucht deins leybs Jesus cristus. Amen.




XV. Aus dem 16. Jahrhundert (1506).

Aus Manuale curatorum, predicandi prebens modum tam latino, quam vulgari, passim quoque gallico sermone practice illuminatum etc. Von Joannes Ulricus Turgant. Straßburg bei Präß 1506. fol. Andere Ausgaben erschienen zu Straßburg bei Knoblauch 1520 und zu Basel 1516. 4.

Gegrußet syest Maria vol genaden der herr ist mir dir. Du bist gesegnet úber alle frowen. vnd gesegnet ist die frucht dines lybes iesus christus. Amen.[371]




[77]
XVI. Aus dem 16. Jahrhundert (1509).

Aus dem oft gedruckten Gebetbuche: Hortulus animae. Straßburg 1509. 8, im Besitz des Herrn Hasak.

Gegrüsset seyest du Maria. vol gnaden. der herre mit dir. Gesegnet bistu in dẽ frauwen. Vñ gesegnet ist die frucht deyns leybs Jhesus Christus. Amen.




XVII. Aus dem 16. Jahrhundert (1510).

Aus dem Buche: „Die Himmelstrass“. Augsburg 1510. fol., im Besitz des Herrn Hasak.

Gegrueßt seyest du Maria voller gnadñ, der herr mitt dir, gesegnet bist du vber all frawen. Vnd gesegnet ist die frucht deines leibs Jesus Christus. Amen.




XVIII. Aus dem 16. Jahrhundert (1511).

Aus einem im Jahre 1511 geschriebenen Gebetbuch in der Mainzer Stadtbibliothek

Gegrußet sistu maria fole gnaden der here ist myt dir du bist gebñdit vber alle frouwen gebñdit ist die frucht dyns libs Jhsus Christus. Amen.




[78]
XIX. Aus dem 16. Jahrhundert (1537).

Aus „Ein Neu Gesangbüchlein etc. von M. Vehe. Gedruckt zu Leipzigk 1537. 12.“

Gegruesset seyst du Maria, voll der gnaden, der Herre ist mit dir. Gebenedeyet bist du vnder den frawen. Vnd gebenedeyet ist die frucht deines leybes Jhesus christus. Amen.




XX. Aus dem 16. Jahrhundert (1596).

Aus dem kleinen Katechismus des P. Canisius, Sulzbach 1596. 12.

Gegruesst seyst du Maria, voller Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeyet unter den Weibern, und gebenedeyet ist die Frucht deines Leibs, Jesus Christus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt fuer uns arme Suender, jetzt und in der Stund unsers Absterbens, Amen.




XXI. Aus dem 17. Jahrhundert (1605).

Aus: „Catholisch Cantual oder Psalmbüchlein etc. Meyntz 1605. 8.“

Gegruesset seystu Maria, voller genaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeyet unter den Weibern, vnd gebenedeyet ist die frucht deines Leibs JESVS. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt fuer vns Suender, jetzt vnd in der Stund vnsers Todts, Amen.




Anhang

[79]
Anhang.




I. Altdeutsche Namen Gottes.


Gott.

Im alten und neuen Testament führt das höchste Wesen besonders zwei Namen.

Gott (θέος, deus) ist goth. guth, Genitiv gudis, althochd. kot, cot, got, mittelhochd. got, angelsächs., altsächs., holländ., engl. god, altnord. godh, schwed., dän. gud, höchst wahrscheinlich aus persisch khodâ, zendisch quadáta, sanskrit. svadhâ, svadatta, d. i. von sich gegeben, unerschaffen. In demselben Sinne steht auch Gottheit (goteheit, gotheit), ferner gotnissa, gotnissi, gotliihhi, gotelichi, gotcundhi, gotcundnissi.

Herr (κύριος, dominus) ist goth. frauja, ahd. herro, auch truhtîn, trohtîn, druhtîn, drohtin (von truht = Schar).


Eigenschaften Gottes.

Gott ist ein Geist (geist), ist nur einer (ein), ist ewig (ewig), allgegenwärtig (aller kagenwurtig), allmächtig (almahtig), unermeßlich (unmâßig), gnädig (ganadig), barmherzig (armherzig), mild (milti), und hold (hold).


[80]
Die Dreieinigkeit.

Um die Dreiheit (trinitas) der Personen und die Einheit (unitas) des Wesens Gottes auszudrücken, hat die ahd. Sprache einen großen Reichthum von Namen: drinissa, driunissa, drinisse, thrinissi, thriunissa, thrinisse, trinisse; drinussida, drinusside, trinussida; drisgheit; drivalti, drivaltikhait, trivalticheit. – Die einnissi, einnissa, einnisse; einnussida, einussida, einusside; einigheit.


Gott der Vater.

Als Vater Christi heißt er fater; als Vater und Schöpfer der Menschen: fater; scafari, scaffare, sceffere, skephari, skephare, scepheri; scafeo, scapheo, scephio, scepphio, scaffo, skeffo, scheffo, skepfo; ortfrumo, ortfrume; felaho (von felhan = condere).


Gott der Sohn.

Jesus (salvator) wird beibehaltend und übersetzt: heilant, heilari, heilare; haltari, haltare; nerjendo, nerrendo (von nerjan = erretten); mhd. heilant, heilaere, heiler; haltaere, halter; irlosaere, erloeser, loesaere, loeser; orthabe (Urheber) heiles.


Gott der h. Geist.

Paracletus (Tröster) wird gegeben durch: fluobareri, fluobreri, fluobargeist (flobara = Trost); trost, trostari, trostaere, der trostsame geist; der pirnant (von pirnan = aufrichten); der vinger zeswen gotes (digitus dextrae dei).


[81]
2. Bildliche Namen.

(Auszug aus einer Abhandlung von W. Grimm, vor seiner Ausgabe der Goldenen Schmiede Konrads von Würzburg. Berlin 1840. 8.)

In den mittelhochdeutschen Gedichten herrscht eine überaus reiche religiöse Bildersprache. Diese Bilder sind hergenommen entweder aus der heil. Schrift oder aus den auffallenden Erscheinungen der Natur. Die symbolische Betrachtung der Bibel, von den Kirchenvätern ausgegangen, beruht zunächst auf der Überzeugung, daß das neue Testament in dem alten vorgebildet sei. Danach ist Christus der wahre Salomon, und vorzugsweise in dem hohen Liede wird die Jungfrau Maria verherrlicht. Die andere Klasse der bildlichen Ausdrücke, die in den Wundern der Natur einen Wiederschein höherer Geheimnisse zu erkennen sucht, ist ebenso dem poetischen als dem frommen Gefühl gemäß. Was Menschenhände nicht gebildet, worauf menschlicher Wille nicht eingewirkt hat, sondern was, nach unabänderlichen Gesetzen fortbestehend, die Frische und Unschuld der ersten Schöpfung bewahrt, das erscheint am würdigsten, der irdische Spiegel des Göttlichen zu sein.


Gott.

Gott ist der himele keiser, keiser aller himele, keiser aller künege, künec aller künege, der die keiserlîchen hêrschaft hât, himelkünec, himelvürste, himelvater, vater aller hôhen veter, vater aller kristenheit, himelherre, des himels wirt, himeljeger (weil er das Einhorn jagt, das den Schoß der Jungfrau sucht), der engel trût, himelvogt [82] der almehtige voget, der siht (sieht) under diu ougen, dem dehein gedanc ist tougen (verborgen), der in elliu herzen siht, dem alliu herze offen sint, dur alle sinne ein sehender list, der weinen und lachen geschuof, der beidiu krump und sleht geschuof, daz anegenge und daz ende alles des dar ist, ân (ohne) angenge und ân ende, sunder ende und âne ursprunc, nihtes iht und ihtes niht, der mir ze lebene geriet, smit (von Oberlande, weil er alles oben im Himmel schafft), der wîse ackerman der der werlt alrêst began, der Adâmen gebilidôte, diu hoehste hant, der die werlt hât beslozzen und alliu dinc in sîner hant, des hant daz mer gesalzen hât, der die sterne zirken kunde und der erden gab die runde, der himel und erde ûf habet gar, von dem aller hoesten luft unz (bis) in die nideristen gruft gewaltec, in des gewalt diu werlt stát, gewaltic fürste in lüften gar, herre ûf der erde und in dem sê, got meister in abgründe, der des abgründes tiefe hât gemezzen und des himels hoehe niht enhât vergezzen, der als ein vel den himel deut und ûz ein ander strecket, den al diu werlt umbegrîfen möhte nie, den elliu dinc an breite an lenge niht begrîfen mugent, aller wîte und aller lenge ein umbe gênder (gehender) rinc, aller höhe ein dach, aller tiefe ein endelôser grunt, des sezzel ist der himel dort und diu erde sîner vüeze schamel, der aller wunder hât gewalt, der tuon mac swaz er wil, der busch unt heide begrüenet, der ûf der winde vederen saz, der die mergriezen (Sand am Meer) zelt, der die sterne hat gezalt, der weiz [83] die zal der sterren, der worhte (wirkte, schuf) mânen unde sunnen, der weiz des ertrîches breite und aller tage zal, nâch des gebote sich daz weter muoz rihten, der des esels munt entslôz. – Ez ist mensche ar lewe kalp got unde niht alp (nach Ezech. 10. 14. Offenb. Joh. 4, 6. 7.). er ist der sunne ist der tac ist diu wunne die nehein trüebe krenket, got ein sunne wan er ist daz wâre lieht dar al diu werlt von gesiht, er ist noch liehter denne der tac. – Er ist altherre und juncherre (weil er in Christus sich erneute), ist alter grîser jungelinc.


Maria.

Mannigfaltig sind die Bilder von der Menschwerdung und Jungfräulichkeit. Wie die Sonne durch Glas scheint, so ward Maria von Gott durchdrungen. Krystall und Beryll bleiben kalt, während eine Kerze durch sie entzündet wird, so ward durch den göttlichen Schein Christus, das wahre Licht, entzündet. Maria ist wie ein Spiegel, der tausend Bilder aufnimmt, und doch nicht verletzt wird; sie gleicht der Luft, die klar und hell ist, wenn die Sonne durch sie scheint, sonst aber dunkel. Wie das Gestirn seinen Glanz hervorbringt, so gebar sie den Herrn ohne Schmerz. Gott war bei ihr, wie die Sonne bei den Blumen, wenn sie den Thau verzehrt. Wie Regen und Thau über das Gefieder des grünen Fittichs herabfällt, ohne daß es feucht wird, so hat die Flut der Sünde sie nicht benetzt. Sie ist der feurige Busch, auf welchen sich der Herr vor Moses herabließ. Wie die drei Männer im feurigen Ofen, zu welchen der [84] Herr herab kam, die Glut nicht anders empfanden, als das frische Gras den kühlenden Thau, so gebar sie ohne Schmerz. Sie ist der Berg, aus dem der Stein (d. i. Christus) kam, der das Bild zerstörte, welches Nebukadnezar im Traume sah (nach Daniel 2, 45). Sie ist die ewige Pforte des Himmelreiches, des Paradieses, denn sie empfieng das Wort durch das Thor ihres Ohres: dadurch kam die Taube (der hl. Geist) leise in ihr Herz geflogen; sie heißet die Pforte des Tempels gen Morgen, die verschlossen war, und durch welche nur der Herr eingieng (Ezech. 44, 1. 2). Zu ihr kommt das Einhorn Christus, von dem Himmeljäger getrieben. Maria als Mutter gleicht der Gerte Aarons, welche, obgleich dürr, dennoch grünte, blühte und Mandeln trug (4. Mos. 17, 8). Daher heißt sie der Mandelbaum, Mandelbaumsblüte, blühendes Mandelreis, blühendes Himmelreis, blühende Gerte von Jesse (Isais 11, 10. Röm. 15, 12). Sie ist eine blühende Aloe (die nur einmal blüht); die Ruthe, womit Moses das Meer theilte, in welchem Pharao ertrank; die Gerte, die Ahasverus gegen den neigte, dem er Huld erzeigen wollte (Esther 4, 11); das Körblein, in welchem Moses auf das Wasser gesetzt ward. Wie das Seidenwürmlein im Gespinst, so ward Christus bei ihr gefunden. Sie gleicht der Blume im Meere, in welche sich Nachts ein Vogel senkt und einschließt. Sie ist die Wiesel, von der das Hermelin geboren ward. Gold und Seide, oder Seide und Flachs ward zusammengewunden, sie ist der Zunder, in welchem Gottes Flamme sich entzündete. Sie ist das Himmelholz, von dem Feuer des hl. Geistes getroffen; [85] das Feuer des Lebens, in dem der alte Phönix sich verjüngte; der versiegelte Brunnen, den die göttliche Sonne beschien und entzündete (Hohel. 4, 12); die Erde, mit der sich der Himmel vereinte; die gebenedeite Erde; der beschlossene Garten, den Gott selbst hütete (Hohel. 4, 12); die Aue, die, von Himmelthau begossen und beregnet, Blumen trägt. Gott beschattete sie mit seines Geistes Thau, der unser Heu grün machte. Daher ist sie auch das Lammfell Gedeons (Richter 6, 37 f.). Das Silber drang bei ihr rein aus dem Erz hervor, der Mandelkern ganz aus der Schale. Sie ist das Siegel, auf welches die Gottheit sich abdrückte (Hohel. 8, 6); Oblateisen des lebenden Himmelbrots; Gottes Tabernakel; der geweihte goldene Schrein, der das Himmelbrot beschlossen hat; Balsamschrein; Gefäß der Heiligkeit; der goldene Eimer, darin des Wunsches Brot lag; der heilige Tisch, auf den das Himmelbrot zur Seelenspeise herabgesandt ward; das Wachs, in welches der Honig der göttlichen Süßigkeit gelegt ward; das Himmelnest des Pelikans. Sie ist das oberste Himmelreich, darin Gott wohnt; Gottes Zelle, Palast, Zelt, Kapelle, Saal, Haus, Arche, Tempel, Thron, Sessel, Fürstenstuhl. Sie ist das erwählte Gefäß der Gottheit; der Werder, in dessen herlichem Kräuterduft Gott sich ergieng; Kammer der wahren Sonne; Krippe des Lammes; Salomons Thron von reinem kaltem Elfenbein; Salomons Tempel; Schatzkammer der Dreifaltigkeit.

Maria ist Mutter und Jungfrau zugleich, Gebärerin [86] ihres Schöpfers, Tochter ihres Kindes, Himmelsbraut, Gottes Braut, Gottes Gemahl, Gottes Mutter, Gottes Amme. Sie war bei Joseph unverletzt, wie das blühende Rosenblatt bei dem scharfen Dorne, daher Rose ohne der Sünde Dorn (Hohel. 2, 2), Pfingstrose, Rose im Himmelthau, denn sie empfieng den süßen Thau des Himmels; Lilie in Dornen; Cederbaum ohne Wurm und Fäulniß; sie ist gleich der Turteltaube ohne Galle; ihre Keuschheit gleicht dem weißen Schnee, dem Elfenbein, der Traube und dem reinen arabischen Golde. Maria ist Himmelskaiserin, Himmelskönigin, sie ist von Davids Geschlecht, Davids Thurm (Hohel. 4, 4), Salomons Kind, Tochter von Sion, Königin von Sion, Jerusalems Zinne. Sie ist die Königin der Engel, trägt eine Krone von zwölf Sternen auf dem Haupte, hat die Sonne zum Kleid, und der Mond ist ihr Schemel (Offenb. 12, 1). Daher sind ihr Sonne und Mond unterthan, auch ist sie selbst die Sonne. Vor ihr verschwindet der Glanz aller Planeten, sie erleuchtet die finstere Nacht, als sei sie von Sonnen erhellt. Sie ist die Morgenröthe (Hohel. 6, 9), die den Tag verkündigt; Aufgang der Sonne, aber auch der Mond (Hohel. 6, 9), der sein Licht von der Sonne empfängt. Sie gleicht dem Adler, dessen Augen allein das Sonnenlicht ertragen. Sie ist eine Fackel, die vor Erschaffung aller Dinge schon vor Gottes Antlitz brannte.

Gries und Staub, Gras und Laub, Regentropfen und Sterne, könnten sie alle sprechen, sie würden ihr Lob nicht zu Ende bringen. Hunderttausend Münde [87] reichen nicht zu: es erschallt im Himmel und auf Erden. Wie das Meer alle Flüsse aufnimmt und sammelt, so vereinigt sie alle Güte. Ihr Name hat sich wie ein ausgegossenes Öl verbreitet (Hohel. 1, 2). Siebenmal täglich soll sie preisen, was Athem hat. – Unerschöpflich sind die Gleichnisse, die Marias Herrlichkeit ausdrücken: sie ist der Welt Heil, Spiegel der Wonne, der Reinheit, aller Jungfrauen, aller Engel, der Engel Augenweide, Freude und Wonne, Königin und Kaiserin; sie ist die Frau aller Freude, Wonnetanz, Saitenklang, Herzenschall, Glücksrad, ein Diamant, Karfunkel, Samargd, Sapphir, Perle. Bei ihrer Geburt floß Milch und Honig aus der Erde, und aus ihr selbst fließt Milch und Honig, Wein, Öl, Balsam. Sie ist die triefende Honigwabe (Hohel. 4, 11), Honigfladen, Honigseim, ferner Himmelsmanna, Zuckerwabe, Zuckerstaude, Zuckersüße. Sie theilt ihre Gnade unter alle Menschen aus, aber jeder empfängt sie voll und ungetheilt, wie, wenn ein Spiegel zerbrochen wird, doch in jedem Stück der Mensch sein ganzes Angesicht erblickt. Sie ist der Saal, der Berg und Thal einschließt, Paradies des herrlichen Obstes, Garten edler Blumen und gewürzreicher Kräuter (Hohel. 4, 13. 14), ein Maigarten, eine blühende Heide, ein Rosengarten, Himmelrose, Rose von Jericho, Pfingstrose, Lilie, Lilienaue, Liliengarten, Rose und Lilie zugleich wegen ihrer Liebe und Reinheit, brennende Minnenblüte; sie ist darum die rothe, weiße, kalte, schwarze Rose (Hohel. 1, 4. 5), Viole wegen ihrer Demuth, Violenfeld, grünender Klee, Balsam, [88] Myrrhe (Hohel. 3, 6), Bisam, Lavendel, Muskatnuß, Nelkenblüte, Apotheke (Hohel. 3, 6), Weingarten und Traube, Garbe, Acker, Ölbaum, Granatbaum (Hohel. 14, 13), Ceder auf Libanon, Cypresse in Sion, Palme von Cades (Hohel. 7, 7), Platane.

Maria ist Mutter aller Christenheit, Mutter der Barmherzigkeit, die zweite Eva, Königin der Gnaden, der alles erleuchtende Meerstern, Stern von Jacob, Stern der drei Könige; sie trägt die höchste Sturmfahne gegen die Hölle; sie ist Gnadensee, Gnadenflut, Segelwind, Ankerheft, Himmelsstraße; sie macht Kranke gesund als Kampfer, Salbenbüchse, Arznei; sie ist die Wünschelruthe der Gnade, ein süßer Thau, ein lebender Brunnen, ein Bach der Durstigen, das Wasser des Paradieses, das in vier Arme sich theilt; denn eben so ergießt sich ihr Trost über viererlei Menschen: Christen, Ketzer, Juden, Heiden. Wie der Adler seine Jungen aus dem Neste, so führt sie uns der Sonne entgegen. Wie der Strauß seine Eier ausbrütet, indem er sie anblickt, so ist ihr Auge über uns geöffnet und bewacht uns. Gleich der Taube Noahs bringt sie den grünen Zweig. Ihr Erbarmen reicht von den Sternen bis in den tiefsten Meeresgrund. Da Maria den bösen Feind verjagt und seine Macht zerstört, so gleicht sie der Judith, die dem Holofernes das Haupt abschlug. Sie ist auch vor Christus unsere Vögtin, Mittlerin, Sühnerin. Sie ist endlich die Müllerin, die das Korn der Gottheit gedroschen, gemahlen und zu Himmelbrot gebacken hat.




Verzeichniss der in dem Vaterunser vorkommenden Wörter

[89]
Verzeichniss
der in dem Vaterunser vorkommenden Wörter.




A.

abla 23; ablazzen 23.

af 3.

aflêt 3; aflêtam 3.

airthai 3.

aivins 3.

ak 3.

allem 3. 8. 9. 17. 22. 43; alleme 40. 41.

alls vnd 27. 29. 31; alls-vnd 27. 28. 29. 30. 31.

als 14. 16. 17. 21. 22. 24. 26. 32. 33. 34. 36. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45.

als auch 20.

als ind 26.

als ǒch 22; als ouh 10. 11. 12.

als-so und 38.

als vnd 19. 28. 30. 35. 37.

als-vn 33; als-vñ 35.

als-und 18. 32. 38. 42. 44.

als-vnd 19. 21. 36. 37; als vñd 25.

alse-vñ 15.

also 10. 11. 12. 13. 41.

also ouch 15; ouh 13.

alz 20. 23. 39.

[90] alz auch 23.

an 44.

ana 3.

anfuer 16.

arlosi 5. 7.

atta 3.

auch alz 23.

auf 27; auff 21.

auh 6. 7.


B.

bechorung 17; bechorunge 19. 40. 41; becoringe 26; bekeringe 25; bekorung 23. 24. 32; bekorunge 15. 16. 33. 38. 42. 45; bekoerunge 22.

belatzen 39; belaz 10. 11. 12. 13; belazend 11; belazzen 12.

belose 39.

bethorung 44.

bist 5. 6. 7. 10. 11. 12. 13. 15. 17. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 32. 33. 34. 35. 37. 38. 40. 41. 42. 45.

blaze 39.

bosser 44.

briggais 3.

brod 39; broet 32; broit 25. 26. 38; broot 6. 7; brot 5. 11. 12. 15. 17. 20. 21. 22. 23. 24. 33. 34. 35. 37. 40. 41. 42. 45.

byst 26.


C.

chome 10. 11. 12. 13.

chorung 18; chorunga 9. 10. 11. 13; chorunge 12; chorunka 8; corunga 39.

costunga 5. 6. 7.

czu chum 19; czu kum 20. 35.


D.

da 41.

da dv bist 22.

[91] daga 3.

das, brot, das 42.

daz 23.

de, de wille de 26.

dẽ 26.

de byst 26.

degelich 38; degeliche 25. 26; deglich 35; degligs 32.

dehein 17; deheine 40. 41.

deĩ 16; dein 14. 16. 18. 19. 20. 21. 23. 27. 28. 29. 30. 31. 36. 37. 43. 44. 45; deine wille 44.

dem 14. 38; demo 10. 13.

der (dar) 17.

der, d. wille der 15. 18. 21. 33. 37. 42. 44.

der bist 41.

der da bist 15. 23. 24. 25. 45.

der da ist 16.

der du bis 38; der du bist 21. 33. 34. 34. 42; der dv bist 17.

der du pist 14. 19. 35. 43. 44; der dw pist 27. 28. 29. 30. 31. 36.

der ist 9.

derlos 20; derloez 23.

deỹ 21. 35; deyn 35.

dĩ 22.

dia chorunga 10. 13; die chorunga 9.

diin 4; dijn 38.

din 4. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 15. 17. 22. 24. 33. 34. 37. 39. 40. 41. 42. 45.

dinan 4.

doen 32.

du 8. 10. 11. 12. 13. 18. 20. 23. 32. 33. 34. 35. 37. 39. 40. 42. 43.

dv 17. 22.

dw 27. 28. 29. 30. 31. 36.

du bist 10. 11. 13. 32.

du da bist 20. 40.

du der bist 12.

[92] du do bist 37.

dv erlose 17.

du gib 40.

du pist 8. 18.

dyn 25. 26. 32. 38.

dz 33.


E.

einleit 21; einleitest 23.

emezhic 4; emezzigaz 6; emizigaz 9; emizzigaz 8.

en (in) 17.

endi 6. 7.

enlaitt 43; enleit 33. 42. 45.

enti 4. 8. 9.

eogauuanna 8.

erd 14. 18. 24. 34. 36. 37. 43; erda 5. 10; erde 17. 20. 23. 27. 29. 30. 31. 40; erdẽ 22. 25. 26; erden 15. 16. 19. 21. 32. 33. 35. 38. 41. 42. 44. 45; erdo 11. 12. 13. 39; erdt 28; erdu 4. 8. 9.

erleise 21; erloise 25.

erlos 40. 41; erloes 16. 18. 34; erloes 32; erlös 19. 36.

erlose 17. 28. 44; erlöse 33. 42. 45; erlosi 4. 9.

erloß 27. 29. 30. 31. 35; erloeß 37.

erlöz 43; erlozz 14.

erthu 6. 7.

ervollet 17.

eỹleyt 35.


F.

farlaz 6. 7. farlazzem 6. 7.

fater 4. 5. 6. 7. 8. 9. 11. 12. 18. 39.

firlazen 10. 13.

firleiti 4.

flaz 8; flazzames 8; flazzemes 9.

fon 5. 10; fona 4. 6. 7. 8. 9; fone 11. 12. 13.

fraistubnjai 3.

für 20. 27; fúr 37.

furlaz 5; furlazames 5.


[93]
G.

gehailget 24; gehailiget 34; geheilget 35; geheilicht 32; geheiliget 15. 33. 38. 39. 40. 41. 42. 44. 45; geheiligot 10. 11. 12. 13. 22; geheiligt 16. 17. 18. 19. 20. 21. 23. 36. 43; geheyliget 25. 37; geheyligt 14. 27. 28. 29. 30. 31; gehilget 26.

gesche 35; geschech 27. 28. 29. 30. 31. 36; gescheh 19. 23; geskehe 11. 12.

gewerd 32; gewerde 25. 26. 38.

gib 5. 6. 7. 10. 13. 14. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 24. 25. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 34. 35. 36. 37. 40. 41. 42. 43. 44. 45; gibe 23. 33.

gif 3; giff 38.

giheilagot 5.

gileidi 6; gileites 5; gileiti 7.

gip 15.

giskehe 10. 13.

giuuihit 6. 7.

gott vater unser 41.

gskehe 39.

gyff 26.


H.

hemel 26. 44; hemelen 38; hemelẽ 26; hemell 38.

her (er) 5.

herre vater unser 40.

heut 18. 19. 20. 21. 30. 37; hevt 17; hewt 14. 23. 27. 28. 29. 31. 36. 43. 44; heute 16; hewte 35.

hide 32.

hie 14. 17. 34. 40. 41.

himel 14. 16. 17. 18. 19. 20. 22. 23. 27. 34. 36. 40. 43. 45; himele 12. 13. 15. 41; himelen 15. 41. 45; himeln 14. 16. 17. 18. 20. 23. 34. 36. 37. 43. 44; himellen 19; himile 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 13; himilom 6. 7. 9; himilum 8; hĩmel 21; him̃el 33; hĩmeln 22; him̃elen 33.

[94] himina 3; himinam 3.

himma 3.

hiuto 10. 11. 12. 13. 39. 41; hiutu 4. 5. 6. 7.

hlaif 3.

hude 25; huden 26.

huit 34.

hümele 39.

hute 15. 45; hüte 33. 42; huete 22.

huyde 38.

hymel 24. 25. 28. 29. 30. 31. 42; hymelen 25. 32. 35. hymeln 21. 24. 27. 30. 31. 35. 42; hymelnn 28. 29; hymmel 32.


I.

ĩ 16.

im 20. 34. 37.

in in allen Nr.

ind 26; indi 7.

inlait 28; inlaitt 29. 31; inlaytt 30; inleide 26; inleite 15; inleyde 38.

inti 5.

irlose 10. 13; irlosi 6.

ist 3. 5. 9.


J.

jah 3.


K.

kaeuuihit 9. 10.

kain 18; kainer 34.

kaneri 8.

kauuihit 8.

kein 23. 33. 42.

khorunka 4.

kib 11. 12. 39; kip 4. 8. 9.

kome 39.


[95]
L.

laite 24.

lass 36.

laus 34.

lausai 3.

leit 45; leite 22. 41; leitest 11. 12. 39; leitist 10. 13; leitt 19.

loees 24; loeese 22; lose 11. 12. 15.


M.

mer 26.


N.

nam 14. 19. 23. 24. 27. 28. 29. 34. 36. 37; name 15. 16. 17. 18. 20. 21. 22. 25. 26. 30. 31. 32. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45; nam̃e 33; namẽ 35; namo 3. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 12. 13; namun 4.

ne leitest 12; ne leitist 10. 13.

neit 6.

ni briggais 3; ni firleiti 4; ni gileide 6; ni gileites 5; ni gileiti 7; ni leitest 11; ni princ 8; ni uerleiti 9.

nicht 14. 15. 16. 17. 18. 19. 27; nicht inlaitt 29. 31; nicht leitt 19; nicht ynleyde 25.

niet inleyde 38.

nit einleit 21; nit eỹleyt 35; nit inlait 28; nit inlaytt 30; nit laite 24; nit laus 34; nit leitest du 39; nit virleit 32.

nube 11. 12.

nun 39.


O.

oblaz 4; oblazem 4.

ouch 15; ǒch 22; ouh 10. 11. 12. 13.


P.

pechorung 14; pechörung 43.

pilipi 8. 9.

[96] piqheme 8; piqueme 9.

pist 4. 8. 14. 18. 19. 27. 28. 29. 30. 31. 35. 36. 43. 44.

princ 8.

prooth 4; prot 10. 13. 14. 16. 18. 19. 27. 28. 29. 30. 36. 43. 44.


Q.

qhueme 4.

quadẽ 26; quaden 38.

quaeme 6. 7; queme 5.

qvimai 3.


R.

reich 14. 17. 18. 19. 20. 21. 23. 30. 31. 35. 36. 37. 43; reiche 16. 44.

rich 22. 24. 26. 32. 33. 34. 40; riche 10. 11. 12. 13. 15. 25. 41. 42. 45; richi 6. 7.

ricke 39.

rihhi 4. 5. 8; rihi 9.

rijch 38.


S.

sam 18; sama-enti 9; sama-so 6. 7. 9.

schiulde 40.

schoilderen 26.

schoilt 26.

scholdigern 25.

scholner 14.

scholt 25.

schuld 14. 19. 20. 21. 23. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 34. 36. 37. 43. 45; schulde 15. 16. 22. 33. 41. 42. 44; schvlde 17; schulden 18.

schuldenern 33. 42; schulderen 38. 45; schuldern 40; schuldneren 22; schuldnern 24.

schuldigen 41; schuldigeren 15. 21. 35; schuldigern 16. 17. 19. 20. 23. 32. 34. 36. 37. 43. 44; schuldigernn 27. 28. 29. 30. 31; schuldigerñ 18.

[97] schult 32. 35. 38.

scolaren 10. 13.

scolom 6. 7. 8. 9.

sculde 10. 11. 12. 13.

sculdhi 6. 7; sculdi 5. 8. 9. 11.

sculdige 39; sculdigen 11. 12; sculdigon 5; sculdikem 4.

sculdo 39.

si 5.

si giheilagot 5; si gauuihit 6. 7. si kauuihit 8.

sijaima 3.

sinteinan 3.

skulam 3; skulans 3.

so 4. 5.

so-sama 8; so-so 5; so-soso 4.

sondern 25. 32. 43.

sũder 35; sunder 14. 16. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 36. 37. 38. 40. 42. 44. 45; svnder 17; sundern 15.

suntir 10. 13.

suntom 9; sunton 8.

svasvê 3.

sve 3.


T.

tagalihhaz 5; tagelich 12; tagelichiz 13; tagleich 18. 43; tägleich 19. 27. 29. 36; taglich 16. 30; täglich 28. 31. 34; taeglich 17. 24; tagolich 41; tagolicha 11; tagolicko 39.

tegelich 40. 45; tegeliche 15; tegelichiz 10; tegelz 20; tegleich 14; teglich 22. 37. 44; teglichs 21.

thaim 3.

thamma 3.

thana 3.

thar 5.

thatei 3.

thein 3; theins 3.

[98] thin 5. 6. 7.

thiudinassus 3.

thu 3.

thu bist 5. 6. 7; thu pist 4.

tu 12. 39.

tuogen 34.

tun 16. 43. 45; tuon 40. 41.


U.

ubel 18. 32. 40. 41. 43. 44; vbel 17. 21. 28. 35; übel 33. 42; uebel 16; ucbel 36; ÿbel 19. 27. 29. 30. 31; vebel 34; vcbel 22

ubele 12. 39; vbele 15. 25; übele 45.

vbeln 20. 37.

übersubstanzlich 42; übersubstenzlichen 33.

vcberwesentlich 23.

ubil 23. 24; ubile 4. 5. 6. 7. 10. 11. 13; ubilin 3; ÿbl 14.

vf 22; vff 34; uff 40.

uñ 18; vñ 15. 22.

und 11. 16. 18. 32. 38. 40. 41. 42. 43; vnd 14. 17. 19. 23. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 33. 35. 36. 44. 45; vñd 25; unde 11. 39; vnde 10. 12. 13; vndt 44; undto 39.

unn 40; vnn 20.

vnnser 27. 28. 31; vnnsern 28; vnnsernn 27.

vns (nos) 16. 18. 32. 38. 40. 41. 42. 43; vns 14. 15. 17. 20. 21. 25. 27. 28. 29. 30. 31. 33. 36. 37. 44. 45.

uns (nobis) 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 16. 18. 32. 38. 40. 41. 42. 43. 44. 45; vns 14. 15. 17. 20. 21. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 33. 34. 36. 37; ÿns 19; vcns 22.

uns (unser, unsern) 4. 38.

unsar 3; unsara 5; unsaraim 3; unsarana 3; unsaraz 9; unsaron 5.

unse 38; vnse 25. 26.

unseer 4.

unsen 38; vnsen 25. 26.

[99] unser 5. 6. 7. 8. 9. 11. 12. 16. 18. 19. 32. 40. 41. 42. 43. 44. 45; vnser 12. 13. 14. 17. 20. 21. 23. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 33. 34. 35. 36. 37; vcnser 19; vonser 22.

unseraz 6. 7.

unsere 10. 11. 13.

unserem 6. 7. 9.

unseren 10. 12. 13. 45; vnseren 15; ÿnseren 19.

unsern 11. 16. 18. 32. 40. 41. 42. 43. 44; vnsern 14. 17. 20. 21. 23. 24. 33. 34. 35. 36. 37; vcnsern 22; vnsernn 29. 30. 31.

unsero 6. 7. 9.

unsich (nos) 12. 39; unsih 4. 5. 7. 8. 9. 10. 11. 13.

unsir 10. 13; vnsir 15.

unsraz 8; unsre 32; unsrem 8; unsro 8.

unß (nos) 35; (nobis) 25. 35; vnß (unser) 25; vnßer 25. 35.

uzouh 5; uzzan 8. 9; uzzer 4.


V.

vader 26. 38.

vairthai 3.

van 26.

vater 13. 14. 16. 17. 19. 20. 23. 25. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 34. 35. 36. 40. 41. 43. 44. 45; uater 10. 21; vatir 15; vatter 22. 24. 33. 37. 42.

veihnai 3.

veis 3.

vergeben (wir) 14. 17. 19. 20. 27. 28. 30. 31. 36. 37. 44; vergebẽ 22; vergebñ 18. 21; vergebent 33. 42; vergebint 24; vergeven 38; vergeuẽ 26; vergewen 29.

vergib 14. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 34. 36. 37. 40. 41. 43. 44. 45; vergibe 33. 42.

vergiff 38; vergyff 26.

verlait 18; verlaitt 14; verlait werden 34.

verlass 44.

verleit 17. 32; uerleiti 9.

[100] verloese 26. 38.

versuchnuß 34.

versuchung 20. 21. 27. 29. 30; versuochung 31. 37; versuechung 28. 36.

vilja 3.

virleit 40.

ulaz 9.

võ 16. 18. 22. 25.

vom 34.

von 14. 15. 19. 20. 21. 24. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 35. 36. 37. 40. 41. 42. 43. 44. 45.

vor 17. 23. 23.

vorgebin 15; vorgebñ 35.

vorgib 15. 35.

vorsuchũg 35.

vurgeben 25; vurgib 25.


W.

werd (fiat) 14. 18. 20. 21. 34. 37. 43; werde 15. 16. 22. 24. 33. 40. 41. 42. 44. 45; uuerde 4.

werd ervollet 17; werd geheiliget (geheiligt, geheyl.) 14. 17. 18. 19. 21. 23. 24. 28. 30. 31. 34. 35. 37.

werde geh. 10. 11. 12. 13. 15. 16. 20. 22. 25. 26. 27. 32. 33. 38. 40. 41. 42. 43; urde 39; uuerdhe 6. 7; werdt 29. 36; uuerde kaeuuihit 9.

uuesa 8; uuesse 9.

uuihi 4.

wij 39.

wil 18. 35. 37; uile 39; will 19. 21. 23. 27. 28. 29. 30. 31. 34. 36. 43; wille 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 20. 22. 24. 26. 32. 33. 38. 40. 41. 42. 44. 45; willo 8; uuillo 4. 5. 6. 7. 9.

wir 12. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 40. 41. 42. 43. 44. 45; uuir 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11.


[101]
Y.

ym 21. 27. 35. 36.

yn 21. 25. 35.

ynleyde 25.

yns 39; vnss 39.

ynser 39; ynsere 39.


Z.

ze himele 41.

zo come 26 ; zokome 38.

zu chom 14. 18. 43; zu chöm 36; zv chom 17; zu chome 41; zẅ chöm 30; zu chum 44.

zu himel 14.

zu kom 16. 23; zuokom 24. 34; zwo köm 31; zukome 25. 33; zvo kome 22; zuo kome 40; zu komme 32. 42; zukum 21; zuo kum 37; zukume 15. 45.


[102]

Leipzig.

Druck von A. Th. Engelhardt.


Anmerkungen der Vorlage

  1. Ahd. atto, Volksspr. Ätt, Ätti, Atten, Ette.
  2. Nachgesetztes Possesivpronomen, wie lat. pater noster, dagegen griech. Πάτερ ἡμῶν
  3. Dat. Pl. von himins, wie ahd. himilum, himilom von himil.
  4. Der Konjunktiv von veihnan, geweihet werden, dies von veihan, weihen, heiligen.
  5. Der Konjunktiv von qviman, ahd. quëman, qhuëman.
  6. Vgl. goth. thiuda, Volk, thiudans, König, Volksherrscher; thiudangardi, Königshaus, Herrscherhaus, Reich; thiudanôn, herrschen.
  7. Der Konjunktiv von vaírthan, werden.
  8. Svê-jah wie – auch.
  9. Akk. von hláibs, Laib.
  10. Akk. zu dem einem andern Stamme angehörenden Pron. sa, sô, thata, der, die, das.
  11. Akk. von sinteins, seinteins, fortdauernd.
  12. Von dem Pron. his, holländ. hy, engl. he, dieser.
  13. Imperativ von aflêtan, ablassen, erlassen.
  14. thata mit dem enklitischen ei, das, was (daß).
  15. Pl. von skulam.
  16. Der Konjunktiv (simus, wir seien).
  17. So wie.
  18. Konjunktiv, nicht bringest, bringe. Das goth. briggan drückt das wohin durch ïn mit dem Dativ aus.
  19. Dativ von fráistubni, Versuchung.
  20. ak, akei ist die stärkste Adversativpartikel und steht voran, während die schwächere than nachsteht.
  21. Von láusjan, ahd. lôsjan, lösen.
  22. Unsere veraltete Präpos. ab, von.
  23. untê ist Zeitpartikel (ἕωζ) bis, und Kausalpartikel (γάϱ, ὅτἰ) denn, da, weil.
  24. Herrlichkeit, Gewalt.
  25. Akk. Pl. von áivs, griech. αἰών, lat. aevum.
  26. Freher Fatter
  27. So die Handschrift, statt in himile, wie auch nachher inerdu, kipuns, souuir, inkhorunka.
  28. wihi mit dem Akk. namun kommt in keiner Uebersetzung mehr vor.
  29. S. Nr. 3.
  30. Freher rihi.
  31. Die meisten Herausgeber haben din.
  32. In den Zusätzen korrigiert Maßmann soso in sosa, wie auch Arx hat.
  33. Arx erdo.
  34. Maßmann hat proth, in den Zusätzen prooth.
  35. Ahd. emazîc, emezîc, emizzîc, emezzîc, emmazîc, emmizîc, emezhîc (Genitiv -îges), emßig (emsig), fortwährend, ununterbrochen, wie goth. sinteinan.
  36. Arx kib.
  37. Gewöhnlicher ist ablâz.
  38. Freher oblazen.
  39. Maßmann uns (...). Hattemer sagt: In der Handschrift ist keine Spur, daß etwas fehle, wir halten uns für richtig.
  40. Freher sculdiken, Nr. 6.
  41. Und ist ahd. anti, enti, inti, unta, unti, unte, endi, indi, unda, unde.
  42. Freher firletti, s. Nr. 5. 7.
  43. Freher khorunca. Die Handschrift hat inkhorunkauz, das uz vom nächsten Wort herüberziehend; khorunka, chorunka, chorunga, Versuchung, von korôn, korên, später kostunga, costunga, von kostôn, kostjan in derselben Bedeutung.
  44. Tatian hat vielfach th für d, s. Nr. 4.
  45. da.
  46. Von giheilagôn, giheiligôn, giheiligên.
  47. Für er, wie auch anderwärts, s. Nr. 7. S. 10.
  48. Maßmann erdu.
  49. Maßmann prot.
  50. Maßmann furlazemes, unsaren; verlassen, vergeben ist ahd. far-, for-, fur-, fir-, uor-, uerlâzan, flâzan, zu sculdigon s. Nr. 6.
  51. Von gileitan, geleiten, gileiden = leiten, führen, s. Nr. 4.
  52. S. Nr. 4.
  53. Für ûzouh steht auch einfach ûzan, ûzzan, ûzen, ûzzen und ouh, auh, s. Nr. 6. 8.
  54. Ahd. ar-, er-, irlôsen, s. Nr. 6.
  55. Ahd. fona, fana, fone, fon, uona, uone, uoni, uon.
  56. S. Nr. 3.
  57. S. Nr. 3.
  58. Kommt selten mit dem Umlaut ae vor, s. Nr. 7.
  59. Auch Isidor hat uuirdhit, uuerdhe, uuerdhen, uuardh, s. Nr. 7.
  60. Ahd. Adv. sama, samo, sami, same, sam, so, sowie, s. Nr. 7. 8.
  61. S. Nr. 4.
  62. S. Nr. 4.
  63. S. Nr. 5.
  64. Dativ Pl. von scolo, goth. skula, mhd. geschol, s. Nr. 7. Sonst steht noch sculdigo (Nr. 5), sculdige (Nr. 11. 12), sculdike (Nr. 4), scolari (Nr. 10. 13), scholner (Nr. 14).
  65. S. Nr. 5.
  66. S. Nr. 4.
  67. Die ahd. Partikel auh, ouh, ouch, ouc ist verbindend (auch) und adversativ (aber, sondern), s. Nr. 5.
  68. S. Nr. 5.
  69. S. Nr. 5.
  70. Ahd. simbles, simbales, simblum, simblun, immer.
  71. thanne, danne, dann, wann, aber.
  72. quëdan, qhuëdan, mhd. quëden, goth. qvithan, sagen.
  73. Man ist allgemein Mensch.
  74. S. Nr. 6.
  75. Ahd. gi-, ge-, chi- wâr, wahr.
  76. arfirran, erferren, entfernen.
  77. Gleich, derselbe; s. Nr. 6. sama.
  78. S. Nr. 5.
  79. Der alte Instrumentalis (Ablativ) des Neutrums, s. unten hlutru muatu.
  80. S. Nr. 4.
  81. Die Zwischenschiebung des Genitivs ist ahd. nicht selten.
  82. Gebräuchlicher ist sint.
  83. Sonst huueliches, weliches (welches).
  84. D. i. wer immer.
  85. Denn, weil, s. Nr. 12. 14.
  86. arbelgan, aufschwellen, zürnen.
  87. S. Nr. 4.
  88. dehein, thehhein, dohein, thohhein, dechein, irgend ein.
  89. ûzar, ûzzar, außer.
  90. Sogleich, alsbald.
  91. S. Nr. 6.
  92. gi-, ga-terjan, schaden.
  93. ellies und wihtes sind Genitive.
  94. nibu, nube, das verneinende ibu, wenn nicht, sondern s. Nr. 12.
  95. Groß, eigentlich und bildlich.
  96. Für guôtlich, gütlich, herrlich.
  97. Herr, gewöhnlich von Gott gesagt.
  98. Unser wesen, sein.
  99. quidan, s. Nr. 7. S. 9.
  100. karîsan, sich geziemen.
  101. S. Nr. 7. S. 9.
  102. Wackernagel gatuoe von gatuon, tuon, thun.
  103. Wackernagel sun, Maßmann sune.
  104. Wackernagel richtiger kauuîhit.
  105. D. i. ni ist.
  106. dikkan, digjan, thigên, digên, mhd. digen, bitten.
  107. S. Nr. 5. S. 8.
  108. Statt diu.
  109. Wackernagel ze.
  110. Sühntag, Tag des jüngsten Gerichtes.
  111. Maßmann piquheme von piqhuëman, piquëman, kommen, gelangen zu etwas, s. Nr. 3. S. 4.
  112. rîchisôn eigentl. das Reich haben.
  113. D. i. ni alles, nicht alles.
  114. Verlockung, wörtlich unser Gespenst.
  115. Wackernagel ist, zu sama so, s. Nr. 6. S. 8.
  116. Adv. von pilîpan, bleiben.
  117. Maß, maßgebende Bestimmung der Art und Weise.
  118. So die Handschrift, Wackernagel muozîn.
  119. Gehört zu pilîpan.
  120. S. Nr. 4. S. 6.
  121. D. i. immer zusammen wann, in allen Zeitpunkten zusammen.
  122. Für lîchamiscûn, den Leichnam (Leib) betreffend, leiblich.
  123. Stärker als kip.
  124. lîp, Leib und Leben.
  125. Davon unser Verweis statt Verweiß.
  126. Goth., ahd., mhd. anst, später mit gi-, Gunst, schon mhd. ganst gunst neben anst.
  127. Imperativ von flâzan, s. Nr. 5. S. 7.
  128. Maßmann unserem.
  129. hugu, goth. hugs, der denkende Geist, vgl. lat. cogitare.
  130. Wackernagel flâze.
  131. Wackernagel nimmt zwischen danne und er eine Lücke an, wozu die Handschrift keinen Halt gibt.
  132. Wackernagel hat flâzen und nachher flâzamês, flâz.
  133. Lies ni in.
  134. Lies mit Wackernagel gachorôn.
  135. Von zweiter Hand beigeschrieben.
  136. kanern, ginern, genesen machen.
  137. Part. von lîdan, gehen, vergehen.
  138. Das Eine.
  139. Unskrupelhaft, ohne Anstoß.
  140. Würdiglich.
  141. Lies emizigaz, s. Nr. 4.
  142. Statt alm.
  143. Pischon iz (es).
  144. Mehr denn (als).
  145. Sonst uuelih, welih.
  146. So wie er. Pischon souuer so.
  147. Pischon sine.
  148. Pischon sine.
  149. Pischon aerlosi.
  150. Fern.
  151. Überkommen, überwinden.
  152. Findet sich auch sonst für das gebräuchlichere hiutu, s. Nr. 11. 12. 13.
  153. Ahd. pi-, pe-, bi-, be- lâzan, blâzan, erlassen.
  154. S. Nr. 6.
  155. S. Nr. 4.
  156. Ahd. suntar, suntir, sundar, sundir, sondern.
  157. Der Dativ erdo kommt bei Notker oft vor, s. Nr. 12.
  158. Diese Form kommt auch sonst vor. s. Graff V, 362.
  159. S. Nr. 10.
  160. S. Nr. 10.
  161. Graff II, 307 hat uns Notker richtiger uuir belazen.
  162. S. Nr. 4.
  163. Über das adversative nu (sondern, aber) und nube (wenn nicht, sondern) s. Graff II, 978 flg.
  164. Vielleicht ist nu belose zu trennen nube lose wie Nr. 12.
  165. Scheine, zeige.
  166. Heißest du.
  167. Die brüderliche Liebe thut (macht) dich wesen (sein).
  168. Nun aber.
  169. So daß wir ihn durch das Ehren heiligen.
  170. Dar alle Gute zu(nach)streben, s. Nr. 14.
  171. Den Engeln gleich Gewordene.
  172. Leben ohne Tod.
  173. S. Nr. 11.
  174. Menschen.
  175. S. Nr. 10.
  176. Gib uns deine Lehre, deren unsere Seele gelabt, gesättigt werde.
  177. Denn, weil, s. Nr. 7.
  178. Diese Bedingung vernehme männiglich (jeder).
  179. Und sei gar (bereit) zu vergeben das Lützele (Kleine).
  180. Das Große.
  181. S. Nr. 4.
  182. Das sagt, heißt, von quëdan, s. Nr. 7.
  183. Nicht lassest.
  184. Versucht, s. Nr. 4.
  185. Den du nicht beschirmest.
  186. huoh, hôh = Spott, Gelächter.
  187. Feinden.
  188. Sondern, s. Nr. 11.
  189. Von des Teufels Versuchung.
  190. Gewalt ist früher männlichen Geschlechts.
  191. Daß sie uns von dir scheiden nicht (ver-)mögen.
  192. Sieben Bitten.
  193. An (in) ihnen wird doch gefunden all das, dessen uns Nothdurft ist.
  194. wolne, wola nu, wohlan nun.
  195. Lies Din.
  196. Übende.
  197. S. Nr. 6.
  198. Dieses zz (für ßß) findet sich im 14.–16. Jahrhundert auslautend oft, S. Gram. I, §. 257.
  199. S. Nr. 6.
  200. D. i. weil, s. Nr. 7.
  201. Über allev und die unten folgenden Formen drew, sew, deinew, Ave Maria Nr. 3 vollev s. Gram. I, §. 118 und Anhang S. 291.
  202. Hoffen (streben), Nr. 12.
  203. Über cz s. Nr. 19 und 20 und Gram. I, §. 266.
  204. D. i. hin zu.
  205. Psalter.
  206. Gewalt, unten ebbigen, ebigen, ebichleich, gegenbürtigen, gebinnest, antburten, über b für w s. Gram. I, §. 156.
  207. Weisheit.
  208. Über dieses kch für g und ck s. Gram. I, §. 225.
  209. Mhd. orthabe, spätermhd. orthaber = Urheber.
  210. Geschmack, Geruch.
  211. Über dieses chait (=igheit) s. Gram. II, §. 97. 122.
  212. Über das statt daz s. Gram. III, §. 433.
  213. Alte Partizipialform, s. Gram. I, §. 350. unten Nr. 27.
  214. Schon frühe tritt i für ie ein, s. Gram. I, §. 57.
  215. Über werich, durich, furichten s. Gram. II, §. 61.
  216. S. Gram. I, §. 95.
  217. Heute Christenthum.
  218. D. i. Wartung.
  219. Wenigkeit, Elend.
  220. Unten lawten, s. Gram. I, §. 118.
  221. Laibel.
  222. D. i. noch.
  223. Verschrieben oder verlesen für durft.
  224. D. i. pey, bey, s. Gram. I, §. 186.
  225. Gibt, unten vergeit, s. Gram. I, §. 157.
  226. Sollen.
  227. Tod, s. Gram. I, §. 132.
  228. Ohne ihn.
  229. Fünferlei.
  230. Der Umlaut ä für e ist vor dem 15. Jahrhundert selten. S. Nr. 18 und Gram. I, §. 115.
  231. Unheil, s. Gram. I, §. 52.
  232. Bitten, unten muess (müssen), s. m. Gram. I, §. 344.
  233. Lies nicht.
  234. Menge.
  235. Schuld.
  236. Sint, sintemal, da doch.
  237. Altar.
  238. Inglich.
  239. In dieser Übersetzung steht oft – ir statt – er.
  240. Also.
  241. Vor- für ver-, s. Gram. II, §. 194. 234.
  242. S. Nr. 4.
  243. Man beachte die Umstellung, welche früher nicht vorkommt. S. Nr. 17.
  244. Kommt früher in keiner Übersetzung vor.
  245. Kommt früher auch nicht vor.
  246. S. Nr. 4.
  247. Kommt sonst in keiner Übersetzung vor.
  248. Die verkürzte Form en für in ist in adverbialen Ausdrücken vor Subst. und Adj. schon mhd. ziemlich gebräuchlich.
  249. D. i. dort, gekürzt aus dâr.
  250. D. i. vnsern, das unserm Apostroph ähnliche Abkürzungszeichen steht für er, s. Nr. 21. 22.
  251. D. i. irgend.
  252. S. Nr. 4.
  253. Steht sonst nicht.
  254. Bei erloesen steht mhd. von und vor. S. Nr. 23. 33.
  255. Vergl. das ältere sama, so in Nr. 6. 7. 8. 9.
  256. D. i. vergeben, wie schuldigerñ = schuldigeren.
  257. Vergl. Nr. 4. 9.
  258. Statt uns.
  259. Fehlt in den älteren Übersetzungen, chorung, s. Nr. 4.
  260. D. i. von.
  261. Der Umlaut ü, ÿ für u ist in der 4. Bibelübersetzung (1470–73) oft zu finden, s. Gram. I, §. 86.
  262. cz für z, s. Nr. 14, 20 und Gram. I, §. 266.
  263. S. Nr. 14.
  264. S. Nr. 14.
  265. Richtiger als, s. Nr. 22.
  266. Lies tegelichs.
  267. Kommt in keiner frühern Übersetzung vor, s. Nr. 27.
  268. Kommt in keiner frühern Übersetzung vor.
  269. Für erlos, s. Nr. 22. Über dieses der, s. Gram. II, §. 212.
  270. Lies susz.
  271. In der Handschrift steht meist ũ für un, ỹ für yn, ĩ für im, ñ für en. Über die Abkürzung für er s. Nr. 17.
  272. Die alte Form für die spätere one (ohne).
  273. bekorung, s. Nr. 4.
  274. Wahrscheinlich verschrieben, statt tiefunden, d. i. tiefen Wogen.
  275. Statt er steht ein unserm Apostroph sehr ähnliches Zeichen, s. Nr. 17. Das vc ist der Anfang unseres geschriebenen, mit einem Überstrich versehenen ú. In der 4. Bibelübersetzung (1470–73) steht oft ú für u, s. Gram. I, §. 86; ẽ = en, ĩ = in, im, ñ = nd, õ = on.
  276. Vergl. über alz und derloez Nr. 20.
  277. Kommt in keiner frühern Übersetzung vor, vergl. Nr. 33.
  278. Lies ablaz.
  279. S. Nr. 17. 33.
  280. Über das t der 3. Person Plur. s. Gram. I, §. 346.
  281. Die Formel hymel, heylig, dyn, wylle, yn, ynleyde treten allmählich seit dem 14. Jahrh. ein, s. Gram. I, §. 95 f. vnß, vnßer tritt um dieselbe Zeit ein. s. das. I, §. 255 b, unten Nr. 27.
  282. Holländ. ons.
  283. Holländ. vergeven.
  284. Sondern ist holländ. maar.
  285. Holländ. van kwaaden.
  286. Über we- statt be-, das hier oft vorkommt (wegriffen, wegeren, wetrübten, offenwar, wehalter etc.), s. Gram. I, §. 186.
  287. Unten leiblichew, s. oben Nr. 14, S. 26. Anm. 1.
  288. In dieser Handschrifft werden die auslautenden Konsonanten sehr oft verdoppelt, s. Gram. I, §. 34 f.
  289. Das mit gesperrter Schrift Gedruckte ist in der Handschrift mit rother Dinte geschrieben.
  290. Über ye für ie s. Gram. I, §. 98.
  291. Lies zeitliche.
  292. S. Gram. III, §. 433.
  293. Verschrieben für vnschuldickleich.
  294. S. Nr. 24.
  295. S. Gram. I, §. 31.
  296. Für zuo, s. Gram. I, §. 134.
  297. Gewürkt.
  298. S. Nr. 20.
  299. Angeweht, versucht.
  300. Statt fleisches, unten kreẅtz statt krewtzes s. Gram. I, §. 296.
  301. Verschrieben oder verlesen statt trübsals
  302. Strafen.
  303. S. oben Nr. 14. S. 27. Nr. 5.
  304. Auf dem Rand steht hierzu das erst plut vergiessen.
  305. Über durch … willen s. Gram. III, §. 314.
  306. Geburt.
  307. Auf dem Rand steht das ander plut vergiessen.
  308. Sonst übrigen (übermäßigen).
  309. Auf dem Rand steht das dritte plut vergiessen.
  310. Verschrieben statt vngedult.
  311. Auf dem Rand steht das viert plut vergiessen.
  312. Überglänzen.
  313. Mit Blut angeklebt.
  314. Auf dem Rand steht das funfft plut vergiessen.
  315. S. Gram. III, §. 10.
  316. S. Gram. I, §. 77.
  317. Auf dem Rand steht das sext plut vergiessen.
  318. S. Gram. I, §. 344.
  319. Trägheit.
  320. Auf dem Rand steht das sibent plut vergiessen.
  321. Nach ein steht früher die starke Flexion, s. Gramm. III, §. 155.
  322. Lies alls wie unten.
  323. Der Akkusativ nach dem substantivisch gebrauchten Infinitiv ist selten, s. Gram. III, §. 222–3.
  324. Bewegen.
  325. Lies chöme.
  326. Allwegen.
  327. Verwundeten.
  328. Lies leib.
  329. Lies nichts.
  330. Lies ienew (jene).
  331. Besonders.
  332. Auf dem Rande steht: da mag man dye person nennen vmb dye man pitten wil.
  333. Wundmale.
  334. Gesegneten.
  335. Freude.
  336. Ohne.
  337. Besonders, insonderheit.
  338. Lies da.
  339. Geizigen.
  340. Reichlich.
  341. Verwunden.
  342. Lies ellenden.
  343. Vergl. Nr. 23.
  344. S. Nr. 24.
  345. S. Nr. 8.
  346. Kommt in keiner früheren Übersetzung vor.
  347. Ist niederrhein., s. Gram. I, §. 129.
  348. S. das. I, §. 197.
  349. S. das. I, §. 111.
  350. S. das. I, §. 104.
  351. Kommt in keiner früheren Übersetzung vor. - Einmal findet sich in dieser Handschrift auch: nit lait uns in bekorung.
  352. vor (vorgib. vorsuchũg) ist in dieser Zeit nicht selten für ver, s. Gram. II, §. 194, 234.
  353. Kommt in keiner früheren Übersetzung vor.
  354. Mhd. volliu. S. oben Nr. 14. S. 26.
  355. Kommt in keiner andern Übersetzung vor.
  356. Für die, s. Gram. I, §. 89.
  357. Für frucht, s. Gram. I, §. 65.
  358. d. i. Jungfrau. In dieser Fassung kommt der englische Gruß sonst nicht vor.
  359. Sonst vnuermeiligt = unbefleckt, unten steht vnmayl.
  360. Bleiben bis daß.
  361. Verrechnen, Rechenschaft geben.
  362. Behabe, erhalte.
  363. Davon erledigt, befreit.
  364. Dieses Marienlied ist mir sonst noch nicht begegnet.
  365. Den versöhne uns allwegen.
  366. Bauch, holl. buik.
  367. Die oft vorkommende Abkürzung für Jhesus Christus.
  368. S. die Anmerkungen zu Nr. 22 S. 39.
  369. Dieser Zusatz ist zu beachten, er ist der älteste, den ich kenne.
  370. An andern Stellen des Buches steht seystu, seyst.
  371. Die Baseler Ausgabe hat folgende Abweichungen: Gegryesßet .. seyest .. voll .. herr mit .. ueber .. frawen .. deins leybs Jesus Christus.

Anmerkungen (Wikisource)

Weitere, im Text erwähnte Textcorpora:

  • Zu Nr. IV des Pater Noster:
    • Die deutschen Abschwörungs-, Glaubens-, Beicht- und Betformeln vom achten bis zum Zwölften Jahrhundert: Nebst Anhängen und Schriftnachbildungen. Von Hans Ferdinand Massmann. Veröffentlicht von G. Basse, 1839. Google
    • Denkmahle des Mittelalters, gesammelt und herausg. von H. Hattemer. Scheitlin und Zollikofer, St. Gallen 1844. Google
    • Marquard Freher: Orationis Dominicae Et Symboli Apostolici Alamannica Versio vetustissima : Marq. Freheri Notis exposita. Vermutl. gedr. bei Gotthard Vögelin, Heidelberg 1609. Nachweis im VD17
    • Eckhart, Johann Georg von [Hrsg.]; Freher, Marquard [Komment.]: Incerti Monachi Weissenburgensis catechesis theotisca : seculo 9. conscripta, nunc vero primum edita, ut et monumenta catechetica varia theotisca / omnia in unum collegit ... cum Marquardi Freheri notis olim evulgatas, addidit Io. Georgius Eccardus. - Nunc vero primum ed.. - Hannov. : Förster, 1713.
    • Ildefons von Arx: Berichtigungen und Zusätze zu den drei Bänden Geschichten des Kantons St. Gallen. St. Gallen 1830 (Das Hauptwerk erschien 1810 - 1813). Google
  • Zu Nr. V. des Pater Noster:
    • J.A. Schmeller: Evangelii secundum Matthaeum versio Francica ... Das Evangelium des h. Matthaeus im Hochdeutsch des neunten Jahrhunderts aus dem St. Galler Codex der Tatianischen Evangelienharmonie zuzammengestellt und nebst den entsprechenden Resten der gothischen Uebers. Stuttgart und Tübingen 1827. Google
  • Zu Nr. VIII. des Pater Noster:
    • Philipp Karl Eduard Wackernagel, Wilhelm Wackernagel: Altdeutsches Lesebuch. Schweighauser, 1835. Siehe auch dies.: Kleineres altdeutsches Lesebuch nebst Wörterbuch. 1861. Google
    • Friedrich August Pischon: Denkmäler der deutschen Sprache, von den frühesten Zeiten bis jetz: Eine vollständige Beispielsammlung zu seinem Leitfaden der Geschichte der deutschen Literatur. Duncker und Humblot, 1851. Google
    • Bernhard Joseph Docen: Miscellaneen zur Geschichte der teutschen Literatur, neuaufgefundene Denkmäler der Sprache, Poesie und Philosophie unsrer vorfahren enthaltend. Scherer, 1809. Google
  • Zu Nr. IX. des Pater Noster:
    • Bernhard Joseph Docen: Einige Denkmäler der althochdeutschen Literatur, in genauem Abdruck aus Handschriften der kön Bibliothek zu München. 1825. Google
  • Zu Nr. XIII. des Pater Noster:
    • Petri Lambecii Hamburgensis Commentariorum de Augustissima Bibliotheca Caesarea Vindobonensi. 8 Bände, Wien 1766-1782.
    • Johann Georg von Eckhart: Commentarii de rebus Franciae Orientalis et Episcopatus Wircenburgensis. 2 Bände, Würzburg 1729.
    • Eberhard Gottlieb Graff: Diutiska: Denkmäler deutscher Sprache und Literatur, aus alten Handschriften zum ersten Male Theils hrsg., Theils Nachgewiessen und beschrieben. Cotta, 1829. Google